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Kankuro's Kommentare zu Parfüms (184)

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7 Kommentar-Auszeichnungen

Sweet Oriental Dream von Montale

Dienstag, 27. Juli 2010 um 16:05 Uhr

Im Land der Sorglosigkeit

Wer einen Lokum-Duft sucht, hat viel Auswahl. Ich selbst war einige Zeit damit beschäftigt, dieses Duftgenre zu erkunden. Ich machte eine Liste mit Parfums, die von Lokum inspiriert sind und diese sah wie folgt aus: Love by Kilian, Loukhoum Keiko Mecheri, Rahät Loukoum und Louve Serge Lutens, Sweet Oriental Dream Montale. Als erstes testete ich Love. Ein wahrlich feiner Duft, der mich aber weniger an turkish delight, sondern eher an Vanillezucker erinnert. Noch am gleichen Tag griff ich zu Loukhoum von Keiko Mecheri. Leichtsinnigerweise spühte ich etwas auf den Testsreifen, um nur wenige Sekunden später angewiedert das Gesicht zu verziehen. Eine quietschige Kirschnote, zuckersüß und eine viel zu starke Tabaknote sprangen mich an. Oh weh, nur weg mit diesem ,,Parfum". Der nächste den ich testete war Rahät Loukoum, als Wachsprobe. Leider war mir dieser etwas zu leicht, auch wenn er schon sehr nah an das herankommt, was ich suchte. Nur wenige Monate später kaufte ich mir Louve, weil ich aufgrund meiner Schusseligkeit schon wieder vergessen hatte, Sweet Oriental Dream zu testen. Louve gefiel mir eine Zeit lang sehr gut, aber so ein echtes turkish delight feeling kam nicht herüber und außerdem ist da diese Harz-Note im Kopf, die mir garnicht mehr gefallen möchte. Erst dank Maharanih kam ich wieder darauf, dass auch Sweet Oriental Dream zur Lokum-Reihe gehört. Sie war so freundlich mir eine Probe zu senden und seitdem ich diese das erste Mal testete, bin ich hin und weg:

Was für ein Duft! Der Auftakt ist eine ware Freude, ein Fest für die Sinne! Reife Kirschen vermischen sich mit einer sehr leichten Marzipan-Note, welche von den Mandeln hervorgerufen wird. Die innere Stimme eines jeden Liebhabers süßer Düfte wird anfangen zu flüstern: ,,Muss es haben! Muss es haven!". So erging es auch mir! Der Marzipangeruch bleibt aber nicht lange erhalten, sondern fängt an nach gerösteten Mandeln zu duften, was mindestens genauso köstlich ist. Die Anfangsphase von Sweet Oriental Dream erinnert etwas an Louve von Serge Lutens, nur ist Montale's Duft weicher und runder. Und auch parallelen zu Rahät Loukoum (ebenfalls Serge Lutens) kann ich eindeutig erkennen. Hier sollte aber gesagt sein, dass Rahät Loukoum wesentlich leichter und frischer ist und sich mehr auf die Kirschnote konzentriert. Montale hat sich mehr auf die ganze Pracht der Mandel konzentriert. Diese übernimmt langsam die Führung des Parfums und aus dem Hinterhalt kommen Vanille und Rose hervor, welche sich lngsam in das Geschehen einfügen. Die Rose ist fester Bestandteil der Süßigkeit, welche als Inspiration für Sweet Oriental Dream diente: Lokum! Diese kleine Leckerei wird unter anderem aus Rosenwasser und gehackten Nüssen hergestellt. Und genau diese Nüsse hat Montale wundervoll in seiner Lokum-Kreation eingesetzt. Mandeln und Haselnüsse, beide geröstet, vermengt mit Vanille und noch etwas Kirsch. Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen und ich will am Liebsten in die parfümierte Stelle hineinbeissen! Da kann kein Angel und kein A*Men mithalten, kein anderer Gourmand ist so faszinierend und köstlich. Es ist als stehe man auf einem Lokum-Basar in der Türkei (soetwas gibt es dort wirklich!), umringt von den unwiderstehlichen Naschereien. Ich habe es nie für möglich gehalten, das ein Parfum so wundervoll geröstet duften kann. Nachdem die Kirsche vollkommen verschwunden ist, bleiben die Haselnüsse und Vanille mit leichten Rosenakzenten. Viele Menschen empfinden Lokum als zu süß und genauso wird es auch viele Menschen geben, die Sweet Oriental Dream einfach zu ,,sweet" finden. Ich assoziiere mit Parfums oft Bilder. Und wenn ich an Montale's Lokum rieche, stelle ich mir ein Land vor, in dem es keine Sorgen gibt. Ein Land, in dem an den Bäumen Äpfel aus Marzipan wachsen und in den Flüssen Honig fließt. Die Wolken im Himmel sind aus Zuckerwatte und das sogar das Gras besteht aus Zucker. Zuviel des guten? Für mich als Gourmandliebhaber nicht. Und wo wir schon bei Honig und Zucker sind, Sweet Oriental Dream's geröstete Haselnüsse werden von einem Honigmantel umschlossen und in Puderzucker gewälzt. Der Geruch der Konditorei, eingefangen in einem Aluminiumflakon. Doch halt, was ist das? Ein etwas rauchiger Geruch entwickelt sich durch die sinnliche Nuss/Honig/Zucker Mischung hindurch. Ich habe mal gelesen, dass in SOD ein Pfeifentabak Akkord enthalten sein soll und nun erkenne ich diesen. Er ist in der Basis versteckt und aktiviert sich recht spät. Er entfaltet sich einige Minuten lang, um nur kurze Zeit später wieder im Meer der köstlichkeiten zu versinken und dort als zarter Beiklang im Hintergrund bleibt. Geräucherte Haselnüsse, gibt es soetwas? Wenn nicht, hat Pierre Montale es erfunden! Sweet Oriental Dream ist nicht linear, sondern immer wieder für eine Überraschung gut, sehr facettenreich. So sollte ein Gourmand sein!

Sweet Oriental Dream ist eine Versuchung und ich konnte nicht widerstehen ihn sofort zu bestellen. Der Duft ist nicht klebrig, sondern riecht hochwertig, der Preis ist absolut fair, 87€ für 100ml Eau de Parfum Spray sind heutzutage eine Seltenheit (Chanel und Dior nehmen da bereits ab 100€). Ein weiterer Pluspunkt ist die enorm hohe Haltbarkeit und die unfassbare Duftwolke, welche der Duft ausstrahlt. Wenn ich nur in die Nähe des Proberöhrchens komme, vernehme ich den Geruch. Und sogar an der Stelle meines Schreibtisches, an der SOD gelegen hat, duftet es sehr intensiv danach. Ich frage mich, was um Himmels willen Monsieur Montale in dieses Wässerchen getan hat, das es haltbarer ist als alles was ich zuvor erlebt habe. Von allen Lokums die ich bisher getestet habe (Rahät Loukoum und Louve von SL und Loukhoum von KM), gefällt mir dieser am Besten. Ein Duft wie ein Traum. Wie ein süßer, orientalischer Traum.
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Kiki von Vero Profumo

Mittwoch, 21. Juli 2010 um 18:58 Uhr

Ein vielschichtiges Lavendelfeld

Vero Profumo, ein Indie-Label von dem ich das erste Mal vor zwei Jahren gehört habe. Die Düften waren zu der Zeit noch recht neu auf dem Markt und ich war im totalen Nischenrausch und wollte diese kleinen Schätze unbedingt testen. Wie das aber nun so ist, habe ich die Vero Profumo Düfte wieder vergessen, es gab einfach eine zu große Auswahl. Erst jetzt bin ich wieder auf Vero Profumo gekommen und das dank einer großzügigen Duftprobe von Maharanih, vielen Dank! Die Gründerin von Vero Profumo ist die Schweizerin Vero Kern. Vor ihrer Karriere als Parfumeurin, war sie lange Jahre Aromatologin und hat erst sehr spät angefangen in Paris den Beruf der Parfumeurin zu erlernen. Sie entschied sich eine Marke zu gründen, die keinem Trend folgt und individuelle Parfums hervorbringt. In 2007 lancierte sie ihr erstes Duft-Trio: Kiki, Rubj und Onda, allesamt Extrait de Parfum. Ich bin sehr glücklich Kiki testen zu dürfen, denn Lavendel in Parfums ist für mich etwas sehr schönes. Vor allem aber, wenn dieser mit etwas wie Karamell oder Vanille gemischt wird.

Kiki ist unmissverständlich ein Lavendelduft. Der Lavendel ist in Kiki sehr grün und eine Menthol-Note sorgt für eine interessante Variation des klassischen Rohstoffes. Aber das Menthol verschwindet recht schnell. Stattdessen erscheint eine subtile Fruchtigkeit. Sie ist wunderschön in die Komposition eingebaut, so subtil und zart, dass man sie kaum zu erahnen vermag. Ich kenne viele Lavendelparfums, aber keines startet so naturgetreu wie Kiki und ist gleichzeitig so interessant. Ätherisch und beinahe trocken empfinde ich das Parfum. Ich rätsele seit dem Auftragen, an welchen anderen Duft mich Kiki erinnert, die Antwort ist: Gris Clair von Serge Lutens. Wie immer gibt es keine 100%ige Übereinstimmung, außerdem kann man ein Extrait und ein Eau de Parfum niemals vergleichen. Gris Clair ist monoton, wie der Name schon sagt ist es hellgrau. Aber Vero Kern hat viel Farbe und Komplexität in diese Kreation gebracht. Dieser Lavendel schwebt fast vor Lebensfreude! Da sowohl im Kopf als auch im Herzen Lavendel enthalten ist, bemerkt man den Übergang in das Herz kaum. Das nenne ich mal einen nahtlosen Anschluss in das Herz! Die anfängliche, fruchtige Luftigkeit geht Schritt für Schritt zurück und an ihrer Stelle tritt eine angenehme Rosigkeit ein. Und trotz allem bleibt der Lavendel der Star des Extrait's, lässt sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen. Er respektiert nur wenige Mitspieler und auch die lässt er nicht oft zum zum Zug kommen. Und doch spielen sie eine wichtige Rolle. Denn die Geranie ersetzt die Johannisbeere aus der Kopfnote und bringt immer wieder interessante Momente in Kiki. Ich empfinde den Duft als unglaublich vielschichtig dafür, dass er sich fast nur auf Lavendel konzentriert. Und das schaffen nur ganz wenige Parfumeure. Die meisten sogenannten Soliflores sind einseitig und langweilen nach nur wenigen Minuten. Es ist große Kunst das Interesse an einem Soliflore so lange aufrecht erhalten zu können. Es ist ebenfalls Kunst, den Lavendel so in den Mittelpunkt zu stellen und ihn trotz einer Vielzahl weiterer Noten niemals aus den Augen zu verlieren. Das ist nur möglich, weil Vero Kern die anderen Duftnoten nur in geringer Konzentration eingesetzt hat, als eine Art Kontrast zum Lavendel. Nun geht Kiki mit immer größer werdenden Schritten auf die Duftbasis zu, diese begrüßt einen mit erdigem Patchouli als Symbol für die Erde, in der sich der Lavendel seine Kraft holt um seinen Duft zu verströmen. Indess habe ich das Bild eines französischen Lavendelfeldes im Kopf. Mitten in der Provence in einem kleinen Hüttchen. Man liegt im Bett und sieht durch das Fenster die ersten Strahlen der Sonne in das Haus fallen. Beim öffnen des Fensters weht eine angenehme Brise, die einen traumhaften Duft transportier. Vor einem erstrecken sich unendlich große, lavendelfarbene Felder. Das Licht der Morgensonne intensiviert die Farbe des Lavendels und man will nie wieder dort weg... ein Traumszenario, welches ich unbedingt mal erleben möchte! Kiki hat in der Zwischenzeit etwas mehr Süße angenommen, da hat eindeutig das Karamell seine Finger im Spiel. Der Moschus und das Opoponax sorgen für gemeinsam mit der Ambra für eine nur angedeutete, animalische Rauchigkeit. Es ist nichts greifbares, eher etwas hintergründiges. Aber auch jetzt, weit in der Basis, ist der Lavendel das tragende Element. Er macht in Kiki eine unbeschreiblich spannende Entwicklung durch. Er startet sehr trocken mit zartem Fruchtbeiklang, wird etwas rosiger im Herzen und zeigt seine sinnliche Seite in der Basis. Ein facettenreicher Lavendel, wie man ihn sowohl im Massen- als auch im Nischenbereich finden würde. Vero Kern ist mit Kiki keinem Trend gefolgt, sondern hat ein großartiges Indie-Parfum geschaffen.

Kiki ist ein großartiges und hochkonzentriertes Extrait. Ich bin ganz Begeistert, denn ich habe den Lavendel nie so facettenreich erlebt, wie in Kiki. Vero Kern scheint eine sehr talentierte Parfumeurin zu sein und das obwohl sie erst recht spät den Beruf der Parfumeurin erlernte. Ihre Duftkollektion bestand bisher nur aus drei Extrait de Parfum. Diese sind ziemlich hochpreisig. 7,5ml kosten stolze 145€. Das liegt an den hochwertigen und zu 90% natürlichen Rohstoffen, die für Kiki, Rubj und Onda verwendet werden. Die Ernte einiger der Zutaten fällt von Jahr zu Jahr anders aus und die Qualität dieser ist starken Schwankungen unterlegen. Daher kommt der hohe Preis zusammen. Ich bin jemand, der lieber sprüht. Ich bin mit dem Tupfen von Extraits nicht sehr vertraut und die wenigen Erfahrungen die ich in dem Bereich gemacht habe, konnten mich nicht überzeugen. Und genau aus diesem Grund bin ich sehr glücklich, dass Vero Kern sich entschieden hat ihre drei Düfte auch als Eaux de Parfum herauszubringen. Der Preis hierfür liegt bei 110€ für 50ml und das ist vollkommen in Ordnung.

Die Haltbarkeit von Kiki ist (durch die hohe Parfumkonzentration) hoch. Die Duftaura um den Träger herum aber ist nicht sehr stark. Diese Erfahrung habe ich bereits mit drei Extrait de Parfum gemacht (N°5, Panthère und jetzt Kiki). Ich denke mittlerweile der Zweck eines Extraits, die Haut des parfümierten zu beduften und eine Art Eigengeruch für diesen zu erschaffen. Für das Bilden einer Duftwolke hinter dem Träger sind Eaux de Toilette und Eaux de Parfum zuständig. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich Kiki eindeutig als unisex einstufen würde. Unisex mit leicht maskuliner Tendenz.
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Versilia Aurum von Profumi del Forte

Dienstag, 20. Juli 2010 um 21:10 Uhr

Plastik + billiges Erdbeersirup

Eigentlich wollte ich diesem "Parfum" keinen Kommentar widmen. Aber dazu später mehr. Ersteinmal möchte ich Eternity danken, die mir diese Probe sendete, weil sie von meiner Vorliebe für Gourmandparfums weiss. Ich war heute morgen ganz aus dem Häuschen, als ,,Versilia Aurum" ankam. Profumi del Forte ist eine hochpreisige Nischenmarke, die mit exklusivität wirbt. Ich habe bereits das Gegenstück zu Aurum getestet, Platinum. Dieser roch nach bitterer Grapefruit und war höchst interessant und sehr hochwertig. Also musste Aurum doch mindestens genauso spannend und hochwertig sein. Nur ein Tropfen auf die Hand und alle Illusionen von Qualität und Wohlgeruch waren verfschwunden.

Versilia Aurum startet mit einer aufdringlichen, süßen und synthetischen Erdbeernote, die dick wie sirup ist. Hinter ihr verbirgt sich ein seltsamer Beigeruch, der aber nur allzu schnell vor der Erdbeere kuscht und verschwindet. Wo ist die Orange, wo sind die Pflaumen? Alles riecht nach künstlicher Erdbeere und bekommt nach nur fünf Minuten einen unangenehmen Shampoo-Duft. Ich habe gebetet das dieser Geruch bald Platz für ein reiches und florales Herz macht, aber weit gefehlt! Das Herz hat bereits aufgehört zu schlagen, es starb scheinbar an einer Erdbeervergiftung. Man verstehe mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Erdbeeren in Parfums, ganz im Gegenteil. Auch gegen künstliche Erbeeraromen habe ich nichts einzuwenden. Aber in Versilia Aurum riecht die rote Beere so unglaublich zäh und nach plastik, dass mir doch tatsächlich flau im Magen geworden ist. Wo sind Iris, Jasmin, Maiglöckchen und Tuberose, wenn man sie mal braucht? Hier ist die Rede von Vanille und Tonka, zu gerne hätte ich diese beiden anstelle der Erdbeere gehabt. Aber statt diese zu vertreiben, unterstützen sie diese und machen sie noch intensiver und unerträglicher. Man riecht keine Vanille heraus, nur das süßer werden des abartigen Sirups stelle ich fest. Zu allem Übel ist das Wässerchen auch noch sehr intensiv und hat eine unglaublich hohe Haltbarkeit. Nein, danke... ich verzichte!

Denn mit Gourmand hat Versilia Aurum nicht mehr viel zu tun. Der Geruch ist einfach nur flach und billig. Etwas Erdbeeraroma mit Vanillin und Tonka zu vermischen ist weder teuer noch kreativ und trotzdem haben Profumi del Forte es geschafft, diese mutlose Mischung so unharmonisch duften zu lassen, das mir übel wird. Jeder Celebrity Duft riecht innovativer und hochwertiger als Aurum. Ich habe vor kurzem mal Sarah Jessica Parker's neue Kreation ,,SJP NYC" getestet und auch dieser roch billig und erdbeerig... aber bei weitem nicht so billig wie Aurum. Wer einen angenehmen und frischen Erdbeerduft sucht, sollte den ersten Duft von ,,Pussy Deluxe" testen. Der ist Preiswert, angenehm und nicht zu schwer.

Wer auf der Suche nach einem ausgewogenem und feinen Gourmand ist, sollte sich dringend von Versilia Aurum fernhalten. Ich empfehle stattdessen New Haarlem von Bond No. 9. Ein herrlicher Kaffee mit Vanille gemischt und durch Zeder und einen leicht krautigen Beiklang sehr ausgewogen. Außerdem kann ich noch Andy Warhol Success is a job in New York (auch Bond) empfehlen. Hier hat man Mandarine und Pflaume, einegtaucht in warme Vanille und durch Tuberose etwas floral. Die Auswahl ist riesig, da muss man nicht auf Profumi del Forte zurückgreifen. Für 200€ bekommt man auch einen der oben genannten Bond's. Und die Qualität ist schon garnicht auf 200€ Niveau. Ich würde für einen solchen Geruch nicht mehr als 1,99€ zahlen... Liebe Eternity, es tut mir sehr leid. Ich bin dir trotzdem für die Probe dankbar, es steckte ein guter Gedanke dahinter und das zählt ;-)
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Eau de Camille von Annick Goutal

Dienstag, 20. Juli 2010 um 20:10 Uhr

Der Duft von Freiheit

Die Parfums von Annick Goutal habe ich bisher noch nicht genau unter die Lupe genommen. Ich mag eher intensive Parfums, das kann Goutal nicht bieten. Daher legte ich diese Marke schon wieder ad acta, bis mir Eternity eine Probe von Eau de Camille sendete (vielen Dank). Bevor ich ein Parfum genauer ansehe, beschäftige ich mich immer ersteinmal mit der Firma, die es vertreibt. Annick Goutal ist eine Firma, von der nicht so genau klar ist, ob sie eher im Nischen oder bereits im Massenmarktbereich liegt. Ich persönlich würde sagen, genau in der Mitte. Sie wird immer bekannter und immer mehr Leute erfreuen sich der zarten Düfte. Diesen Erfolg hat Camille Goutal nur der jetzigen Geschäftsführerin von Bond No. 9, Laurice Rahmé, zu verdanken. Sie ist während ihrer Arbeit als Geschäftsleitung bei L'Oreal auf die wenig populären Eaux de Toilette von Annick Goutal aufmerksam geworden. Die kleine Manufaktur stand zu dieser Zeit kurz vor dem Aus. Laurice, mit ihrer offensiven Geschäftsstrategie, nahm die Produkte von Goutal und fragte in etlichen Parfümerien nach der Aufnahme in das Sortiment. Viele lehnten ab, Laurice liess nicht locker und bekam in den meisten Geschäften einen kleinen Tisch in der Ecke des Ladens. Auf diesem breitete sie das Goutal Sortiment aus und machte so viele Kunden wie möglich auf die Produkte aufmerksam. Die Strategie ging auf und nur so konnte Annick Goutal zu dem werden, was es heute ist: Ein erfolgreicher Parfumhersteller. Weiterhin muss ich noch sagen, dass es mir extrem schwer fällt, Eau de Camille zu beschreiben. Erstens, ist der Duft sehr simpel und zweitens hat Eternity schon alles gesagt.

Eau de Camille startet mit zartem Grün, das an eine große Wiese im Sommer erinnert, welches aber innerhalb nur einer Sekunde in sich zusammenfällt und eher pudrig wird. Es duftet nach frisch gewaschener Wäsche. Fast so, als wenn man ein weißes Leinentuch im Licht der strahlenden Sonne in seinem Garten aufhängt. So riecht Freiheit, so riecht Unschuld. Das Geißblatt strömt einen ganz besonderen Geruch aus, der oft mit Freiheit assoziiert wird. Freiheit ist hier ganau das richtige Stichwort, unbeschwertheit und die Freude am Leben, das ist Eau de Camille. Der Flieder traut sich nach fünf Minuten heraus. Er hat für mich eine besondere Bedeutung, er blüht jedes Jahr bei mir im Garten. Und jedes Jahr warte ich mit Vorfreude auf diese wunderschöne Blüte. Das Eau de Camille genau dieses einmalige Ereignis einfängt, ist für mich ein angenehmer Nebeneffekt. Die Kopfnote ist nicht sehr langlebig und verliert sich. Das Herz des Eau de Toilette riecht sehr stark nach Lenor Weichspüler. Das verstärkt die Erinnerung an frischer Wäsche nochmals. Ich habe bisher noch nicht viele Düfte von Annick Goutal getestet, aber alle hatten eines gemeinsam: Sie sind frisch und sehr sanft, ruhig und nicht ungestüm. Es sind keine Parfums die auffallen. Und dessen muss man sich bewusst sein, wenn man Annick Goutal testet. Doch zurück zu Eau de Camille: Je weiter sich das Parfum auf die Basis zubewegt, kommen vage Florale Akzente hervor, ob das der Liguster ist? Mit ihm kommt auch eine Cremigkeit. Es ist die gleiche Cremenote, die auch in Babypflegeprodukten zu finden ist. Und somit kann ich Eternity's Vergleiche zur Unschuld eines Babys voll und ganz nachvollziehen. Ich meine eine ganz kleine Brise weißen Moschus wahrzunehmen. Es ist jener, unschuldiger Moschus der mit dem animalischen Original nichts zu tun hat. Die Basis ist sauber, beinahe rein. So rein wie ein frisch gebügeltes, weißes Hemd. Es gibt einige Parfums die sich wie frische Wäsche anfühlen (Infusion d'Homme, L'Eau Serge Lutens). Eau de Camille ist der grünste unter ihnen. Ein Eau de Toilette für die Tochter zu entwerfen ist wohl nicht so leicht, aber das Vorhaben ist Annick Goutal sehr gut gelungen. Für ein Mädchen mit sieben Jahren gibt es wohl nichts schöneres. Ich aber vermisse etwas die Kessheit, vergebens suchte ich danach, fand sie nicht. Das ist schade! Aber es tut dem schönen Duft keinen Abbruch.

Eau de Camille ist ein wunderschöner Duft, der sehr sanft und unschuldig daher kommt. Er ist zart grün, sauber und floral/frisch. Er zeichnet sich durch seine unauffällige Leichtigkeit aus und ist für Blumenkinder und Reinheitsfanatiker genau richtig. Und das ist auch der Grund, warum ich diesen Duft meiner großen Schwester vorschlagen werde. Sie sucht schon seit einer Ewigkeit etwas neues, unaufdringliches. Bisher hat sie nur zwei Parfums gefunden, die sie mag: CK one und Chloé EdP. An ersterem hat sie sich mittlerweile satt gerochen und nur ein Duft ist ihr zu wenig. Ich habe ihr schon einiges vorgeschlagen, das Richtige war noch nicht dabei. Und da kommt Eau de Camille ins Spiel. Ich bin der festen Überzeugung sie wird es lieben (den Preis allerdings nicht). Ein Sommerparfum par excellence! Und doch reicht es bei mir nicht für die 100%. Dafür fehlt mir noch etwas. Was genau kann ich nicht beschreiben, das geht mir oft so. Die Haltbarkeit ist außerdem (wie bei allen Goutals) eher dürftig.
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Rose Oud von by Kilian

Sonntag, 18. Juli 2010 um 18:00 Uhr

Ein tiefroter Wein

Das Kilian-Parfums keine Schnäppchen sind, ist allgemein bekannt. Die L'Oeuvre Noir Kollektion ist hochpreisig, aber besticht durch erstklassige Qualität. Es war im letzten Jahr, da wurde eine neue Duftkollektion angekündigt, entsprechend groß war meine Freude. Diese wurde leider zu schnell getrübt, weil da wieder der Preis war. Für die Arabian Nights Kollektion verlangt der gute Kilian ganze 120€ mehr als für die ersten Parfums. Gerechtfertigt wird der Preis mit der hohen Qualität des seltenen Oud, welches in jedem der später mal 5 Düfte dieser neuen Kollektion enthalten ist. Oud, Rose, Weihrauch, Amber und Moschus. Mit diesen fünf olfaktorischen Erlebnissen befasst sich Arabian Nights. Pure Oud war demnach der erste Duft, der auf dem Markt erschien. Ich habe ihn sofort getestet, war sehr angetan aber konnte mich dennoch nicht zum Kauf durchringen. Also hieß es: ,,Auf den nächsten warten!" Dieser kam in Form von ,,Rose Oud". Oh je, schon wieder Rose und Oudh in einem Duft gemeinsam. Dies waren meine ersten Gedanken. Das gab es schon etliche Male, das Thema ist verbraucht! Und genau deswegen wollte ich mich davon überzeugen, dass Rose Oud vielleicht doch anders ist (obwohl die Hoffnung, zugegeben, nicht hoch war). An dieser Stelle geht ein großer Dank an Maharanih, nur durch sie konnte ich Rose Oud testen, anders wäre es mir nicht möglich gewesen, danke! Die Probe kam, ich testete sie einen Tag und bestellte mir das Parfum. Das soll schon etwas heissen:

Es bedarf nur einen Sprühstoss und ich bin im Himmel. Soetwas unglaubliches habe ich bisher noch nie gerochen (und ich habe schon so einige Düfte getestet!). Es breitet sich eine tiefe und dunkelrote Rose aus. Sie ist so intensiv, so schwer, dass sie sinnlich und süß wirkt. Es ist weniger eine Rose, sondern eher ein Meer aus Rosen. Rose Oud duftet fast wie ein guter Wein. Man will den Duft fast trinken, nur um der Quelle dieses herrlichen Duftes so nah wie möglich zu sein. Ich kenne dutzende Rosen-Parfums, ich kenne Rosen-Öle, Rosenwasser usw. Doch niemals ist mir die tiefrote Blume so komplex und tief erschienen, wie hier. Es wurden bloß die hochwertigsten türkischen und französischen Blüten für dieses Dufterlebnis verwendet, das Erstrahlen purer Qualität ist beachtlich. Wer sich nun fragt, wo das Oud bleibt, der kann beruhigt sein: Es ist auch von Anfang an präsent. Das in arabischen Ländern beliebte Räucherholz wirkt nahezu vernetzt mit der Rose. Beide allein sind schon schön, doch nur zusammen schaffen sie diesen imposanten Auftritt. Rose Oud beinhaltet die gleiche Art von Oud wie auch schon Pure Oud. Es ist nicht medizinisch oder stechend wie in den Montale Düften. Es riecht genauso wie der echte Rohstoff. Ich habe hier einige kleine Stücke Oud, daher kann ich diesen Vergleich ziehen. Das beeindruckt mich schon sehr und zeigt wieder, dass Calice Becker eine äußerst talentierte Parfumeurin ist und die besten Parfums nicht immer von Männern kommen. Das äußerst markante Oud ist aber hier nicht der Mittelpunkt und schon garnicht mit so komplizierten und erdig/öligen Akkorden vermischt wie in Pure Oud. Wie bereits angekündigt ist Rose im Vergleich zu Pure femininer, aber trotzdem empfinde ich es als unisex. Das liegt an der Rose, die allgemein als eher weiblich wahrgenommen wird. Nach und nach wird das Oud immer samtiger und verschwindet allmählich hinter dem süßlicher werdendem Gesamtbild. Es taucht ein leicht aromatischer Geruch auf, den ich auf Safran zurückführe. Doch dieser ist wirklich nur sehr dezent, bringt aber etwas interessantes, was die Nase kaum greifen kann. Es ist das gewisse Etwas an Würze. Rose Oud ist mehr als nur ein Parfum, es ist ein Gefühl, es verschmilzt mit dem Träger und wird zu einer persönlichen Note. Wenn ich die Augen schließe und an der parfümierten Stelle rieche, bin ich sofort an einem anderen Ort. In einem arabischen Laden in dem Rosen verkauft werden, würde es so riechen. Diesen Laden würde ich allein wegen des Duftes betreten. In der Basis ist das Oud so nurnoch im Hintergrund und es bleibt die Rose. Sie wirkt aber nun sehr süß, nicht mehr wie ein Wein, sondern wie ein Likör. Das Bouquet hat sich verdickt und ist durch etwas Kardamom und Patchouli immernoch interessant. Hin und wieder erscheint etwas Guajak, aber eine echte Holzigkeit kommt nicht auf. Es bleibt beim tiefroten Likör, beim narkotischen Getränk dem niemand widerstehen kann. Ein Duft, gegen den so viele andere verblassen, ein Duft der betört, ein Duft der begeistert. Der Beste Duft unter vielen anderen Rose+Oud Kombinationen. Montale, schäm dich!

Man mag es ahnen, ich habe mich in Rose Oud by Kilian verliebt, bin ihm verfallen! Von Anfang bis Ende strahlt er, keine Duftnote ist fehl am Platz, nichts fällt negativ aus dem Rahmen. Alles ist meisterhaft vermischt und ausgewogen proportioniert. Alle meine Bedenken waren nach nur einem Tropfen Rose Oud verschwunden. Zwar habe ich die Suche nach einem Signatur-Duft längst aufgegeben (DEN Signaturduft kann man als Duftliebhaber und Sammler garnicht finden), aber wenn ich nur ein Parfum mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte, ich würde Rose Oud wählen. Calice Becker ist es zu verdanken, dass dieses großartige Eau de Parfum existiert. Diese Frau ist eine der größten Parfumeurinnen die es gibt, da kommen viele andere nicht mit. Frau Becker schafft es immer wieder, etwas besonderes in ihre Kreationen einzubauen, etwas sehr persönliches. Beyond Paradìse oder J'Adore (die ursprüngliche Formel) gehen ebenfalls auf ihr Konto. Das soll ihr erstmal jemand nachmachen.

Rose Oud by Kilian hat mich auch in puncto Haltbarkeit überrascht. Pure Oud wirkt zwar kräftiger und markanter, hatte aber eine nur durchschnittliche Haltbarkeit und auch die Duftaura blieb dort aus. Rose Oud aber hält eine ewigkeit, sowohl auf der Haut als auch auf der Kleidung. Sogar nach vielen Stunden umgibt es den Träger immernoch mit einer intensiven aber trotzdem nicht störenden Aura. Kommen wir nun zum negativen Teil. Der Preis. Für 50ml Eau de Parfum zahlt man 297€, für die 100ml Nachfüllflasche (aus Aluminium) 250€. Das ist mehr als die Geldbörse verkraften kann, da muss man lange sparen oder einfach zu viel Geld haben (ich habe lange gespart...). Eine Rechnung ergibt: 100ml ohne Prunkvolle Verpackung mit 24-karätigen Gold Plaketten kosten 250€. Das teilt man durch zwei bleiben 125€ für 50ml. Das bedeutet man zahlt 172€ nur für die mit Klavierlack bemalte Holzbox, auf der eine Goldplakette mit "K" Gravur aufgebracht ist und für den massiven Glasflakon mit kleiner Goldplakette mit der Aufschrift "Rose Oud by Kilian". Aber so unter uns: Die Box ist einfach nur "wow"! Da fehlen einem die Worte. Ich freue mich auf die nächsten drei aus der Arabian Nights Kollektion (Incense Oud, Amber Oud und Musk Oud).
8 Kommentar-Auszeichnungen

Bal à Versaille von Jean Desprez

Sonntag, 18. Juli 2010 um 15:08 Uhr

Feine Damen und große Feste (1962)

Bal à Versaille, dieser Duft ist Klassiker durch und durch. Man liest so einiges. Von ,,animalisch" bis ,,staubig" habe ich schon alles gehört. Daher ist es an der Zeit, dass ich mir eine eigene Meinung bilde. Ich bedanke mich herzlichst bei Eternity für die kostbare Abfüllung! Als der Brief bei mir ankam, war ich erstmal auf das (ebenfalls enthaltene) Black Violet von Tom Ford fokussiert, habe aber auch direkt Bal à Versaille getestet. Aber einem so komplexen Duft kann man nicht nach nur einem kleinen Test kommentieren. Ich habe ihn mehrere Male getragen, ihn erlebt und gefühlt. Ich kann euch verraten: es war ein Erlebnis!

Bal à Versaille, der Auftakt dieses legendären Duftes ist typisch Klassiker: Eine Wand aus Blüten, komplex und schwer. Das ganze wirkt schon etwas verstaubt und zeigt bereits jetzt einige Facetten der Basisnote. Doch bleiben wir erstmal beim Kopf. Neben den weißen Blüten (die in keinem Klassiker fehlen dürfen), erkenne ich ganz deutlich ein zart fruchtiges Gemisch aus Mandarine und etwas Cassis. Fruchtig hört sich immer gleich nach billigem Celebrity-Trash an, aber Bal à Versaille hat eine Art von Fruchtigkeit, die man in der modernen Parfümerie garnicht als solche bezeichnen würde. Weiterhin ist da eine dunkle, beinahe bittere Note, die ich in der Form noch nicht gerochen habe. Einen Akkord aus Flieder, Iriswurzel, Patchouli und Vetiver vermute ich hinter diesem seltsamen, düsteren Geruch. Wie auch schon die Topnote, besteht auch das Herz des Parfums fast ausschließlich aus einer Vielzahl an Blütenaromen. Für einen Prunkvollen Auftritt ist Bal à Versaille der richtige Duft, mit einem so außergewöhnlichem Geruch wird man nicht ohne Aufmerskamkeit bleiben. Der Duft strahlt Eleganz und ein Gefühl von Luxus aus. Ich habe im Verlauf von Bal à Versaille bemerkt, dass es einige Ähnlichkeiten zu anderen Klassikern hat. Ganz deutlich rieche ich Beiklänge von Guerlain Shalimar und auch Molinard Habanita. Man könnte Bal à Versaille als eine Symbiose dieser Beiden Meisterwerke bezeichnen. Von Shalimar die Sinnlichkeit, von Habanita das Animalische. Eine himmlische Zusammenkunft der Besten Teile aus beiden Parfums. Der Fond erstrahlt in einem balsamischen Ton. Der Moschus und das Zibet sind die ,,Tiere" unter den Fondnoten, sie sind gut zu erkennen. Und im Gegensatz zu manch anderen Klassikern (Joy zum Beispiel) ist das Zibet in Bal à Versaille nicht so stechend intensiv und ist besser mit anderen Gerüchen vermischt. Das Benzoe und die Vanille meinte ich schon zu Beginn erkannt zu haben, aber erst jetzt können sie sich entfalten und zeigen ihre ganze Kraft. Um das alles nicht zu katastrophal süß werden zu lassen, hat man noch das Zedernholz mit eingebracht, welches ich (wie so oft) die Süße abfängt und in angenehme Bahnen lenkt. Nun, zu wem passt ein Eau de Parfum wie Bal à Versaille? Wenn ich an dem Parfum rieche, stelle ich mir einen atemberaubend schönen Palast in Frankreich vor. Im inneren dieser luxuriösen Fassade steigt einem dieser Duft in die Nase, der Geruch von feinen Damen und großen Festen längst vergangener Zeit. Wer auf der Suche nach einem geradezu nostalgischem Geruchserlebnis ist, wird mit Bal à Versaille seinen heiligen Gral finden.

Ich will ehrlich sein, ich habe mir Bal à Versaille ganz anders vorgestellt. Da er in 1962 erschien, stellte ich mir ein grünes Leder-Chypre vor. Leder und grasiges waren zu dieser Zeit in Mode (Fête, Futur, Cabochard, Cravache, Y usw.). Aber Bal à Versaille ist so garnicht chypre oder ledrig, geschweigedenn grün. Hier hat man einen blumigen Duft mit animalischem Ton und einem Beiklang von Puder. Und genau aus diesem Grund hätte ich bei einem Blind-Test geschworen das Parfum wäre aus der Zeit um 1924. Große Kunst, soetwas zu tragen muss man sich erstmal trauen. Die hohe Komplexität und die erwachsene Eleganz kann einige Menschen schnell überfordern. Hier ist nichts verspieltes oder kindliches, auch keine Unschuld! Man muss sich bewusst sein, was man trägt und wie andere darauf reagieren könnten. Heutzutage würde sich keine Firma trauen einen Duft auf den Markt zu bringen, der auch nur annähernd in Richtung Bal à Versaille, Shalimar oder Habanita geht. Heute bügelt man lieber alles glatt und entfernt jegliche Ecken und Kanten. Schade!

Mich hat Bal à Versaille überzeugen können, denn so Parfums sind rar geworden. Es gibt nurnoch wenige von ihnen und ich befürchte das sie bald aussterben werden. Denn ein Klassiker hat es heutzutage nicht mehr leicht. Nicht nur, dass die Kundschaft eher auf moderneres zurückgreift, sondern auch die Reformulation ist eine ernste Bedrohung. Einige große Parfums wurden von ihr schon niedergestreckt (Opium, Coco, Mitsouko...) andere sind vergleichsweise mild davongekommen (Poison, Shalimar, Cinnabar...). Ich als Duftliebhaber bin besorgt um alle Klassiker. Die Regeulationen für Inhaltsstoffe werden in Zukunft wahrscheinlich immer strenger werden und dann dauert es wohl auch nicht mehr lange, bis die Firmen sich gezwungen fühlen, ein Parfum nach dem anderen aus dem Verkauf zu ziehen, bis nurnoch die harmlosen Meeres- und Zuckerwässerchen übrig sind, welche "hochwertige" und "sichere" Moleküle aus dem Hause der IFF enthalten. Hoffentlich kommt es nicht soweit und an dieser Stelle möchte ich Jean Desprez gratulieren, dass er ein Parfum geschaffen hat, welches auch noch heute klassisch duftet.
7 Kommentar-Auszeichnungen

Habanita von Molinard

Donnerstag, 15. Juli 2010 um 20:29 Uhr

Flüssige Opulenz

Was habe ich nicht schon alles über Habanita gelesen. Das erste Mal gehört habe ich davon durch Parfumo. Ich habe einige Berichte gelesen und diese waren fast alle positiv. Lobesgesänge und Vergleiche mit Shalimar erregen die Aufmerksamkeit eines jeden Duftliebhabers und auch meine! Ein Blick auf die Liste der Duftnoten bestätigt die positiven Reviews, hier wartet etwas großes. Es war letzte Woche, als ich mir Rose Oud by Kilian bestellte. Ich habe als Gratisprobe Habanita gewählt und war seit der Bestellung richtig aufgeregt, ich konnte endlich diesen mysteriösen Duft von Molinard kennen lernen. Gestern abend bekam ich mein Päckchen und habe nach dem Aufpacken direkt etwas Habanita aufgesprüht und bin seitdem in seinem Bann gefangen. Was für ein exzellenter, grandioser Duft!

Habanita ist im Auftakt laut, sehr laut. Ein schwerer und sehr süßlicher Duft entwickelt sich und man hat direkt dieses ,,Klassiker-Feeling", welches man auch in Shalimar oder Bal à Versaille erlebt. Die Orangenblüte ist sehr prominent und wirkt leicht indolisch. Gemildert wird diese gewagte Note von einer kleinen Portion Himbeere und etwas Pfirsich. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde nach dem Auftragen und man erkennt bereits Flieder und Eichenmoos, viel Eichenmoos! Und das schon in der Kopfnote, da merkt man das bei Habanita keine Duftnote unnötig eingebracht wurde, sondern das alle ihren festen Platz haben und es fliessende Übergänge gibt. Die Frau, die dieses Parfum trägt muss eine starke Ausstrahlung und Persönlichkeit haben, denn Habanita hat diese beiden Eigenschaften! Die Floralen Gerüche des Herzen sind erste Anzeichen für das Eintreten der Herznote. Der Heliotrop beginnt ein süßlich/vanilliges Aroma aufzubauen, während der Jasmin sich von seiner animalischsten Seite zeigt (und das ohne Fäkal zu werden, was für ein Kunststück!). Rose und Ylang-Ylang sind eher hintergründiger, untermauern den großartigen Effekt von Habanita dennoch und sorgen für Komplexität. Ich finde es sehr kurios, das ich die Ledernote schon jetzt erkenne und sie dafür in der Basis verschwindet. Die Pyramide gibt es genau andersherum an. Egal in welcher Reihenfolge, das Leder ist unglaublich gut mit den anderen Duftnoten verschmolzen, das kenn ich so nicht. In anderen Düften mit Leder, tendiert die Note dazu einen Alleingagn zu starten und lässt alles andere hinter sich. Da ist Habanita glücklicherweise eine Ausnahme. Habanita ist gefährlich anziehend, diesem hypnotischen Bann kann sich niemand entziehen. Es ist schon erstaunlich wie intensiv Habanita ist, ohne jemals aufdringlich zu werden. Nachdem sich die Blüten der Herznote langsam beruhigen, scheinen sie geradezu mit der Vanille und dem Benzoe aus der Basis zu verschmelzen. Sie scheinen wie geschmolzen, beinahe wie ein warmes Öl. Wie bereits erwähnt, in der Basis kann ich weder Leder noch Eichenmoos ausmachen. Diese beiden Noten habe ich teilweise in der Kopfnote und sehr deutlich im Herzen des Parfums gerochen. Aber niemals in der Basis. Denn diese konzentriert sich auf vier Noten: Vanille, Amber, Benzoe und Moschus. Ein unwiderstehliches Gemisch. Jede dieser vier hat eine Aufgabe. Es bilden sich zweier Grüppchen: Vanille und Benzoe sind für die sinnliche Ausstrahlung zuständig, während Amber und Moschus als sehr erotisch erscheinen. Ich bin mir sehr sicher, das Jean Baptiste Grenouille im Film ,,Das Parfum" nach einem Duft wie Habanita suchte, als er die unschuldigen Jungfrauen tötete. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Extrakt aus Jungfrauen nicht im Geringsten mit der Opulenz und der Erotik von Habanita mithalten kann. Nachdem sich die Basis vollkommen entfaltet hat, fällt mir eine Ähnlichkeit zu einem meiner Lieblingsdüfte auf: die Basis von Habanita duftet sehr stark nach Back to Black by Kilian. Dieser hat zwar mehr Honig und ist rauchiger, aber dafür ist Habanita intensiver und wuchtiger. Wer also eine moderne Interpretation von Habanita de Molinard sucht, sollte Back to Black by Kilian eine Chance geben.

Was soll ich sagen? Habanita ist ein göttliches Meisterwerk, warum nur hat es niemals größere Aufmerksamkeit bekommen? Es ist meiner Meinung nach eine verbesserte Version von Guerlain Shalimar. Habanita hat einige Parallelen zum legendären Guerlain Klassiker, ist aber wesentlich reicher und erotischer. Vergleicht man Habanita mit Shalimar EdT (Habanita ist auch nur ein EdT), dann wirkt Guerlain's Duft gegen den von Molinard wie ein laues Lüftchen. Ich möchte garnicht wissen, was Habanita als Eau de Parfum, oder gar als Extrait de Parfum werden könnte. Extraits sind oft ausgewogener als EdT oder EdP. Habanita ist ausgewogen, aber als reines Parfum wäre es wohl zu schön um wahr zu sein. Es gibt ein ominöses ,,Habanita 1849", welches ein Extrait de Parfum sein soll. Aber aus einigen Reviews geht hervor, das diese Version leichter als das original Eau de Toilette ist.

Habanita soll refomuliert worden sein. Es soll früher noch opulenter und noch reichhaltiger gewesen sein. Doch das kann ich mir anhand meiner hier vorliegenden und aktuellen Probe kaum vorstellen! Die Farbe der Parfumflüssigkeit ist ein sattes und intensives Goldgelb und es wirkt leicht dickflüssiger als einige andere Parfums. Das soll schon die dünne Version sein? Oder hat Essenza Nobile noch einen alten Tester, aus dem man mir etwas abfüllte? Wurde Habanita lediglich für die "1849 Extrait" Variante reformuliert und das EdT ist noch das alte? Ich bin ratlos und gleichzeitig glücklich, dieses ausgezeichnete Eau de Toilette kennen gelernt zu haben. Die Haltbarkeit ist enorm und die Duftaura ist so groß, dass es fast angsteinflössen ist. Habanita muss man wenigstens einmal im Leben getestet haben!
9 Kommentar-Auszeichnungen

Dzongkha von L'Artisan Parfumeur

Donnerstag, 15. Juli 2010 um 19:03 Uhr

Ein antiker Tisch aus Zedernholz

Liebe Lolita. Heute ist die Probe von Dzongkha angekommen, vielen Dank dafür. Ich habe schon vor einiger Zeit deinen Kommentar zu diesem Parfum gelesen und habe mich gefragt, wie sehr ich das Düftchen mögen würde. Weisst du, ich habe manchmal angst vor zu viel Iris in Parfums und man hat mir geflüstert, dass Dzongkha eine Iris-Bombe ist. Doch wie schon in der Vergangenheit, stelle ich mich meiner Phobie (ich hatte da so meine Erlebnisse mit Vetiver und Jasmin...). Heute will ich Dzongkha mal so richtig unter die Lupe nehmen, denn die vielen anderen Duftnoten hören sich vielversprechend an. Und Bertrand Douchaufour ist ein sehr begabter Parfumeur, da stimmst du mir hoffentlich zu! Bevor ich hier zu viel vorweg nehme, will ich mal einen Sprühstoss deines heiligen Grals auf meine Hand geben.

Dzongkha ist ein sehr nostalgischer Duft, riecht er doch wie ein gepflegter aber lange unbewohnter Raum mit vielen antiken Holzmöbeln und alten Büchern. Außerdem wundere ich mich etwas, warum die Iris in der Pyramide in der Basis steht. Ich rieche direkt nach dem Aufpsrühen eine sehr dominante Iris-Note. Der buttrige Charakter ist kaum zu verkennen, dennoch nimmt ihre Intensität nach wenigen minuten etwas ab, sodass ich auch etwas Kardamom erahnen kann. Bisher wirkt Dzongkha trotz dominierender Iris eher zurückhaltend, mehr wie eine Atmosphäre, ein Gefühl, weniger wie ein Parfum. Die Herznote ist eine sehr holzige Angelegenheit. Die Gewürze sind nicht aufdringlich und vom Vetiver ist glücklicherweise nur eine Spur zu erkennen, welche sich sehr gut einfügt. Was mir gefällt, ist der weiße Tee. Auch er kommt nur bedingt gegen die Iris an, aber manchmal ist es das Beste, eine dominante Note mit vielen dezenteren auszublancieren. Da wäre noch der Weihrauch. Mit ihm habe ich oft meine Probleme. Er kann göttlich duften. Aber zu viel und das Dufterlebnis wird ein Graus (z.B. Incense extrême von Tauer... zu viel!!)! Dzongkha bringt den Weihrauch sehr angenehm rüber, sehr zurückhaltend. Ebenso ist es mit der Iris. Auch sie kann sehr angenehm, aber auch einfach desaströs duften. Die richtige Proportion und die richtige Kombination mit anderen Duftessenzen macht eine Iris gut. Ich bin sehr froh, dass die Iris in Dzongkha zur angenehmen Kategorie gehört. Wie bereits erwähnt, die Idee eine vielzahl an dezenten Gerüchen gegen die blaue Blüte zu stellen ist gut gelungen. Und während ich so die verschiedenen Noten von Dzongkha analysiere fällt mir wieder auf, wie sehr der Duft nach einem Raum mit antiken Holzmöbeln duftet. Ich möchte etwas näher auf dieses Bild eingehen, das mir ständig im Kopf herumschwirrt, ich sprach es oben bereits an: Es ist ein sehr alter Raum, den schon seit geraumer Zeit keine Menschen mehr betreten haben. Ein massiver Tisch aus Zedernholz ist ein Blickfang, auf ihm steht eine rustikale Blumnvase mit frischen Irisblüten. An der Wand stehen sehr viele Regale, voll mit alten Büchern (ich liebe übrigens den Duft von Büchern... ob neu oder alt!). In der hintersten Ecke des wunderschönen Zimmers, steht ein alter Ledersessel... Ein so alter Raum hat schon etwas faszinierendes an sich, oder? Die Basis von Dzongkha hält etwas Leder parat und das Papyrus wurde nur in homöopathischer Dosis verwendet. So oder so... Dzongkha ist und bleibt ein Duft der sich um die Iris dreht. Selten habe ich eine so seltsame Interpretation der Blüte gerochen und auch schon lange nicht mehr eine so gute! Man sollte wissen, dass ich mich von Parfums wie ,,Iris Silver Mist" von Serge Lutens oder ,,Irisss" von XerJoff abgestossen fühle. Aber Bertrand Douchafour hat es geschafft, mit Dzongkha etwas einmaliges zu erschaffen, was nicht abstoßend wirkt.

Scheinbar gibt es aber Menschen, die Dzongkha garnicht so toll finden. Ich habe einige Leute nach ihrer Meinung zu dem Duft gefragt (auch Elchen50). Elchen meinte, es riecht nach muffigem Keller, es sei ungeeignet als Parfum. Meine kleine Schwester meinte, wenn sie jemandem auf der Straße begegnet der so ,,duftet", würde sie glauben er habe seine Kleidung zu lange im Keller oder in einem alten Schrank aufbewahrt. Alle waren sie sich einig: Staubiger Keller! Diese assoziation kann ich nicht nachvollziehen, denn ein Parfum welches nach muffigem Keller riecht, gibt es schon (H.O.T. Always von Bond No. 9). Da ist Dzongkha weit von entfernt. Andererseits kann ich verstehen, warum nicht jeder sofort mit Freude auf diesen Duft zugehen. Er ist für ungeübte Nasen sehr gewöhnungsbedürftig. Dabei ist er garnicht böse und kann keiner Fliege was zu leide. Er ist dezent und bleibt sehr nahe beim Träger. Bertrand Douchaufour kreiert immer hochinteressante Gerüche. Parfum Bespoke, Havana Vanille und Jubilation XXV nur als wenige Beispiele. Letzterer ist übrigens entfernt mit Dzongkha verwandt. Wenn man Dzongkha die Iris wegnimmt und dafür die Gewürze, Hölzer und Räuchermittel auf ein Maximum verstärkt und zusätzlich noch die gesamte Lautstärke des Parfums hochschraubt, dann hätte man Jubilation XXV.

Mit der Haltbarkeit von Dzongkha bin ich sehr zufrieden, auch wenn es ein zurückhaltendes Düftchen ist, haftet es überraschend lang an Haut und Kleidung. Endlich mal wieder ein innovatives Parfum mit viel Persönlichkeit! Dzongkha hat Charakter und das erfreut mich. Ich stelle mir die verdutzten Gesichter der Massenmarktkonsumenten vor, wenn sie im Douglas einen Flakon Dzongkha finden würden und dann am Teststreifen schnuppern. Denn L'Artisan Parfumeur traut sich noch etwas zu. Da können Paris Hilton und Brintey Spears einpacken. Schämt euch! Liebe Lolita, du hast mit Dzongkha einen sehr schönen Signaturduft gewählt. Ich bin mir sicher mit einem so außergewöhnlichem Eau de Toilette wird man dich schon allein am Geruch von diesem erkennen können. Und ich freue mich, dass du den Duft tragen kannst. Denn ich persönlich stehe dann doch eher auf weniger Iris ;-)
5 Kommentar-Auszeichnungen

Reflection Man von Amouage

Montag, 12. Juli 2010 um 22:16 Uhr

Die rosafarbene Puderzuckerdose

Auch heute möchte ich wieder über Amouage berichten. Denn das Dufthaus aus dem Oman hat nicht nur glorreiche Parfums hervorgebracht, nein. Es gab vier dunkle Jahre in der Geschichte Amouage's (2003-2006). Man entschied sich dort scheinbar, am großen Erfolg des immer größer werdenden Massenmarktes teilzuhaben. Und was kreiert man am Besten im Jahr 2003 um den Massenmarkt für Damendüfte zu erreichen? Genau, ein fruity/floral. Eau d'Amouage war genauso mutlos wie langweilig, einzig die Qualität der Rohstoffe und der hohe Amouage Preis verrieten die exklusive Herkunft des lilafarbenen Wässerchens. Nur ein Jahr später versuchte man das gleiche nochmal, Esprit d'Amouage (ebenfalls fruity/floral) erblickte das Licht der Welt. Das seichte Duo erfreute sich für kurze Zeit großer Beliebtheit, also warum nicht genau das Gleiche nochmal für den Herren? In 2005 kam dan Arcus, ein durchschnitlicher, aquatischer Sportduft. Auch hier wiesen bloss die Qualität und der Preis auf die arabische Herkunft hin. Ein Jahr später (wer hätte es ahnen können?) ,,erfreute" Amouage alle Liebhaber von Cool Water mit Cirrus. Auch hier ging die Taktik für kurze Zeit auf und das Duo erreichte kurzfristige Beliebtheit. Im Jahr 2008 wurde die Produktion aller vier eingestellt. Ende der Erfolgsgeschichte ,,Massenmarkt" für Amouage. Schon 2007 wollte man wieder zurück zu den richtig guten Parfums und mit dem Reflection-Duo sollte das gelingen. Im Internet hört man viele positive Stimmen. Die vielen Berichte machten mich neugierig, hier scheint etwas völlig neues zu warten.

Der Moment des Aufsprühens und - große Enttäuschung! Ich habe vieles Erwartet, sehr vieles... Aber nicht DAS! Doch bevor ich hier wieder in Geläster ausbreche, will ich Reflection erstmal so Objektiv wie möglich (kleinere Ausbrüche seien mir verziehen) analysieren. Die Kopfnote von Reflection Man zeigt sich leicht pfeffrig/zitrisch, jedoch bleibt jeglicher Effekt von ,,Unterkühltheit" aus. Denn eine sehr intensive Vanille-Note ist direkt von Anfang an präsent und stiehlt allen andere Gerüchen die Show. Frostig geht anders, ist die Vanille doch eigentlich ein warmer und einladender Duft. Nach nur kurzer Zeit entwickelt sich auch eine intensive Pudrigkeit. Das hier manch einer denkt, es handele sich um ein eher feminines Eau de Parfum, kann ich das durchaus nachvollziehen. Krampfhaft versucht etwas Minze eine gewisse Frische in Reflection Man einzubringen. Aber das funktioniert nicht so ganz und das Unterfangen ,,Frische" erscheint endgültig gescheitert. Die äußerst langlebige Topnote gibt nur langsam eine immer intensiver werdende Süße frei, die sogar mich etwas abschreckt. Da pudert eine große Porion Iris herum und auch der Jasmin zeigt sich von seiner ,,hypnotischsten" Seite. Das Neroliöl ist vollkommen eingeengt von seinen lauten Kameradinnen und kann (zu allem Übel) lediglich noch etwas Blütensüße beisteuern. An was fühlt man sich beim Duft von Reflection Man nun erinnert? Bis jetzt erinneret mich der Duft an eine große Dose (in zartem rosé) mit weißem Blütenmuster. Öffnet man diese Dose, so kommt einem sofort eine Wolke Puderzucker entgegen. Flauschig und niedlich wirkt diese Wolke, ja beinahe "girlish". Das warten auf die Basis ist schon leicht nervtötend, als sie endlich eintritt, bin ich erneut enttäuscht. Wo ist das Patchouli, wo das Sandelholz, wo ist die Zeder? Und (obwohl ich Vetiver nicht sehr schätze) wo ist das Vetiver? Bei Amouage habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass die Rohstoffe die drauf stehen, auch zu erkennen sind. Bei Reflection Man rieche ich (mit etwas Anstrengung) ein für moderne Düfte so typisches "Clean-Patchouli". Was stellt man sich unter dieser Bezeichnung vor? Mit "Clean-Patchouli" ist keine offizielle Bezeichung, aber ich nenne eine bestimmte Gruppe von synthetischen Patchoulidüften so, die von den Grundeigenschaften des natürlichen Originals nicht mehr viel übrig haben. Erdig und bitter? Fehlanzeige. Das Patchouli in Reflection ist sauber, glatt und süßlich. Gleiches ist hier mit dem Vetiver geschehen. Es ist ebenso glattgebügelt wie das Patchouli. Jetzt darf man das nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen diese synthetischen Stoffe in Parfums, nur durch Synthetik können viele charakteristische Duftarten zustande kommen. Aber so mutlos zusammengemischt (und dann auch noch bei einem Amouage!) kann man schon etwas in Rage geraten. Hier ist nichts arabisches, nichts orientalisches, nichts provozierendes und auch nichts, aber auch wirklich nichts innovatives zu erkennen!

Der erste Amouage der richtig enttäuscht! Die eingeschlagene Duftrichtung ist keine unbekannte. Denn Reflection Man ist einem Herrenduft von Dior sehr ähnlich. Dieser Herrenduft erschien ebenfalls im Jahr 2007, wenngleich von anderem Parfumeur. Der Flakon dieses Parfums ist von der Farbgebung her dem von Reflection Man recht ähnlich. Und auch das Konzept ist bei beiden Parfums fast gleich. Ich spreche von Dior's Fahrenheit 32. Auch Fahrenheit 32 soll frostig und kühl wirken (ist es aber nicht) und spielt mit einer sehr starken Vanille/Puder/Zucker kombination. Fahrenheit 32 wirkt sogar im Vergleich noch etwas "exotischer". Mit Reflection versuchte man bei Amouage also auch (ähnlich wie bei den in der Einleitung genannten Düften) den Massenmarkt zu erreichen. Im Gegensatz zu diesen konnte sich Reflection jedoch durchsetzen. Das Konzept ist aufgegangen, die Massen sind dem Duft verfallen. Was hat dieses Parfum nur, was die Leute so begeistert? Ich werde es wohl nie herausfinden und kann nrunoch hinzufügen, dass die Haltbarkeit und die Duftaura von Reflection Man beide sehr gut sind.
7 Kommentar-Auszeichnungen

Cologne Noir von Van Cleef & Arpels

Sonntag, 11. Juli 2010 um 14:25 Uhr

Das wohl sinnloseste Cologne der Welt

Cologne Noir, ein Duft aus der sogenannten ,,Collection Extraordinaire" - allein die Tatsache das es ein Duft von Mark Buxton ist lässt viele aufhorchen. Ich hingegen habe mit Düften von Mark Buxton noch keine engere Freundschaft schließen können. Dennoch muss man fast allen seinen Kreationen zugute halten, dass sie überraschen können und seh innovativ sind. Und nun kombinieren wir: Ein Duft aus einer Kollektion die als Titel schon ,,Außergewöhnlich" trägt von Mark Buxton... spannender kann es schon garnicht mehr werden, oder? Auch der Preis von 131€ für 75 ml EdP lässt auf hohe Qualität schliessen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Maharanih, die mich mit einigen Proben versorgt hat! Cologne Noir war eine der ersten Pröbchen, die ich mir vornahm. Kurz nach dem Auftragen des ersten Tropfen fielen alle Vorstellungen eines großen Colognes in sich zusammen.

Ich bin selten sprachlos, aber als ich den ersten riecher von Cologne Noir nahm, war ich baff. Was bitteschön soll das sein? Das ist alles, nur nicht originell und exklusiv. Da hätten wir die üblichen Verdächtigen: Etwas Zitrus, gepaart mit Ingwer und einer kleinen Brise Pfeffer + ein großer Haufen synthetischer Holzigkeit. So ein langweiliger und uninspirierter Duft ist mir schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr unter gekommen. Lieber Mark, was war da mit dir los? War dir so langweilig, dass du in deinem Duftprogramm einfach nur ,,Standart Mix" geklickt hast und das ganze dann an Van Cleef & Arpels weitergereicht hast? Oder haben die Mitarbeiter von VC&A dir aufgetragen duftende Langeweile zu kreieren? Was es auch war, das hätte wirklich nicht sein müssen. Denn auch in der Basis des Cologne Noir gibt es keine Überraschungen und keine Wendungen. Alles ist glatt gebügelt, keine Ecken und Kanten. Etwas Vetiver und weißer Moschus in der Basis bringen dann den Duft zum Punkt, mehr verändert sich da nicht. Wenn es das Ziel war, Nasomatto's großartig simples Silver Musk zu imitieren, ist das wirklich nicht gelungen.

Cologne Noir, der Name passt nicht. Hier ist nichts auch nur ansatzweise ,,Noir". Viel eher würde ich den Duft zu ,,Cologne Bleu Clair" umtaufen. Meiner Meinung nach ist der Preis absolut nicht gerechtfertigt, für so ein dünnes und flüchtiges Synthetikwässerchen soll man ganze 131€ hinblättern? Mein Ärger wäre nur halb so groß, wenn Van Cleef & Arpels diesen Duft nicht in der Collection Extraordinaire veröffentlicht hätte, sondern eine "Collection Banale" extra für ,,Cologne Bleu Clair"... pardon, Cologne Noir eröffnet hätte. Die Haltbarkeit des Eau de Parfum (!) ist übrigens nicht der Rede wert.

Der nächste bitte!

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