Kankuro's Kommentare zu Parfüms (193)
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Lua von XerJoff
Dienstag, 13. April 2010 um 21:40 Uhr
Betörende Weiblichkeit
Nachdem mich der Duft Oesel gestern sehr positiv überrascht hat, habe ich mir heute Lua vorgenommen. Lua ist (wie auch Oesel) Teil der Shooting Stars Kollektion. Benannt sind die Parfums dieser besonderen Linie nach bekannten Meteoriten-Ereignissen. An jedem der Flakons ist ein kleines Stück Meteoritengestein befestigt, was für mich sehr interessant ist. Ein Stück Gestein, welches hunderte, vielleicht tausende Jahre durch das All irrte, an einem Flakon befestigt? Allein dieses Konzept ist innovativ und überzeugte mich sofort. Dank Aus Liebe zum Duft habe ich auch heute wieder die Gelegenheit, Lua kennen zu lernen. Ich enthalte mich jeglicher Erwartungen und lasse das Parfum einfach auf mich zukommen.Lua startet mit einer zarten Fruchtnote, aus welcher ganz besonders die Orange heraussticht. In Verbindung mit etwas Honigmelone, welche für dezente Süße sorgt, wirkt das Parfum sehr feminin. Die Kopfnote ist geradezu betörend und hypnotisierend, zieht einen direkt in ihren Bann und lässt nicht mehr los. Eine so ausgewogene und unaufdringliche Mischung aus Früchten, die zwar süß ist aber weder klebrig noch billig wirkt, habe ich schon länger nicht mehr erlebt. Jetzt mag der ein oder andere denken, Lua sei ein Teeniewässerchen. Doch der Geruch strahlt eine sehr elegante Aura aus. Mich erinnert das Parfum an So New York von Bond No. 9. Doch wo So New York sehr laut ist und extrem stark zum Gourmandbereich tendiert, ist Lua erwachsener und besonnener. Ein Eau de Parfum für eine Frau, die ihre Ausstrahlung unterstreichen will. Ehe man weiter in diese grandiose Kombination der schönsten Noten eintauchen kann und sich die schönsten Bilder ausmalt, melden sich die ersten Blüten. Beinahe schüchtern erscheint die Iris auf der Bildfläche. Ihr Aroma ist eine Ergänzung und erscheint leicht pudrig. Mit voranschreitender Zeit erblühen weitere, florale Noten, welche jedoch nicht einzeln dastehen, sondern ein Gesamtbild ergeben. Unterstützend kommt eine Brise rosa Pfeffer mit ins Spiel. In dieser Phase duftet Lua wie ein Picknick auf einer Sommerwiese. Es ist, als sitze man im Licht der Sonne, spüre ihre Wärme. Um einen herum summen ein paar Bienen, die fleißig Nektar sammeln. Gibt es etwas herrlicheres? Trotz einiger Süße ist Lua nicht erschlagend oder stickig, sondern sehr cremig. Diese Eigenschaft zeichnet das Parfum aus. Im Hintergrund stehen immer wieder auflockernde und luftige Akkorde, die nicht zu deffinieren sind, was die Komposition umso interessanter macht. Nach einigen Stunden kommt der wahre Charakter von Lua hindurch, denn der Fond dreht sich um eine intensive Vanillenote, angereichert mit etwas Moschus und ein wenig Patchouli. Ganz vage vermutet man einen Übergang in den Gourmandbereich, doch dieser bleibt gröstenteils aus. Während auf der Haut die vanillige Basis dominiert, bleibt auf dem Papier die Herznote um einiges länger erhalten und die Basis entwickelt sich nie vollends. Auch die Frische, von der ich bereits sprach, ist auf Papier wesentlich ausgeprägter. Die Entwicklung von Kopf bis Fond ist beachtlich und überraschend.
Lua ist ein Parfum, wie geschaffen für Frauen. Normalerweise bin ich nicht für eine Einteilung in ,,männlich" und ,,weiblich", dennoch scheint diese XerJoff Kreation auf die Damen von Welt zugeschnitten zu sein, es verkörpert für mich sogar die Weiblichkeit. Vielleicht geht es nur mir so, ich denke es liegt an vergangenen Dufterfahrungen, dass ich die Duftnote von Lua mit Weiblichkeit in Verbinfung bringe. Der beste Anlass für das Eau de Parfum ist meiner Meinung nach ein Moment, in dem sich der/die TrägerIn wohlfühlt und pure Eleganz sucht. Diese Aussage soll nicht als Abschreckung der Herren dienen. Denn erlaubt ist, was einem selbst gefällt. Weiterhin bin ich von der Qualität der XerJoff Düfte begeistert. Bisher habe ich das Gefühl gehabt, dass man bei der Kreation sehr großen Wert auf nicht zu aufdringliche, aber durchaus presente Parfums legte. Die Haltbarkeit von Lua ist erstaunlich, ein Duft der einmal aufgesprüht, nicht so recht verschwinden möchte. Von mir eine klare Empfehlung!
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Oesel von XerJoff
Montag, 12. April 2010 um 23:08 Uhr
Eine weiße Symphonie
Ich bin sehr erfreut, denn ich habe die Gelegenheit bekommen, die Düfte der Marke XerJoff zu testen! Schon seit geraumer Zeit hat diese Linie mein Interesse geweckt und meine Neugierde wuchs mit jedem Tag. Allein die Flakons sind eine Augenweide, man will sie am Liebsten sofort in seiner Sammlung wissen. Doch bevor man sich ein Parfum in der XerJoff Preisklasse (ca. 210 – 1600€) kauft, sollte man die Düfte kennen. Und an dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an Aus Liebe zum Duft aussprechen, denn ohne den freundlichen Service des Onlineshops für Nischendüfte, wäre es mir wohl nicht möglich gewesen, XerJoff’s Kreationen kennen zu lernen. Und so kam es, dass ich heute einen Brief bekam, in dem sich vier XerJoff Abfüllungen befanden. Oesel, Uden, Oroville und Lua. Ich entschied mich, mit Oesel zu beginnen. Die angegebenen Duftnoten sind vielversprechend, viele meiner liebsten Gerüche sind in dem Eau de Parfum vereint. Wenn ich einen Duft testen kann, der mich schon länger interessiert, freue ich mich wie ein kleines Kind, welches vor einem riesigen,bunten Geschenk sitzt und es kaum erwarten kann, es auszupacken. Also wartete ich nicht allzu lange und gab den ersten Sprühstoss auf einen Teststreifen.Der Auftakt ist eine harmonische Kombination aus kräftigem Petitgrain und Orangenblüten. Eine grandiose Kopfnote, ein fulminantes Zusammenspiel eher weiblicher Duftnoten, die jedoch überhaupt nicht weiblich wirken. Oft ist es üblich, dass die Kopfnote überwältigend intensiv ist. Nicht so bei Oesel. Intensiv, dennoch weich und angenehm, so würde ich die ersten Minuten des Duftes beschreiben. Ich fühle mich an einen anderen Duft erinnert, den ich einst in meiner Sammlung hatte. Ich rede von Fleur du Mâle von Jean Paul Gaultier. Auch dieser Duft besteht aus einer Petigrain/Orangenblüten Kombination. Die Ähnlichkeit ist nicht abzustreiten. Dennoch bevorzuge ich die Ausgewogenheit von Oesel. Es folgt eine Wand aus weißen Blüten, aus der ich den Jasmin erkennen kann. Es tritt eine Pudrigkeit ein, die sich sehr angenehm über das Blütenmeer legt und es bedeckt, wie Neuschnee das Gras. Ich finde es immer besonders spannend, wenn traditionelle ,,weibliche” Duftnoten in so hohen Konzentrationen in einem Herrenduft verwendet werden und dennoch nicht an einen typischen Damenduft erinnern. Schließt man die Augen, vermittelt Oesel Fröhlichkeit und bringt positive Gedanken. Erste Andeutungen von Vanille und Ambra läuten die Basis ein. Ich rieche sehr deutlich etwas, was an Kamille erinnert, jedoch durch die Vanillenote gesüßt. Das Patchouli ist eher zu erahnen, es ist sauber und leicht, all seiner Ecken und Kanten beraubt. Es fehlt die typische Erdigkeit, die Patchouli meistens oft zu vermitteln vermag. Doch passt diese entschärfte Form des Patchouli sehr gut zu Oesel. Leider weiß ich nicht, wie Tabakblüten duften. Dennoch vermute ich, dass sie für den leichten ,,Biss” sorgen. Und wie so oft ist es das Zedernholz (bekannt für seine entspannende Wirkung), welches die Süße auffängt. Weich, blumig, edel. Diese drei Worte beschreiben die XerJoff Kreation sehr gut.
Oesel – nicht nur für den Herren, sondern für mich eindeutig ein Unisex Duft, der Geschlechtlos ist. Die Orangenblüte ist eine meiner liebsten Duftnoten, daher bin ich sehr erfreut, dass sie in diesem Eau de Parfum so wundervoll eingesetzt wird. Ich bin ganz hin und weg, denn solche Düfte sind es, die mein Herz schnell erobern. Wenn die Herrendüfte der Zukunft alle in eine solche Richtung gehen würden, wäre das ein großer Fortschritt. Endlich weg von den unzähligen Calone Monströsitäten und mutigere Wege gehen. Nach diesem Test freue ich mich sehr, auch die restlichen XerJoff Duftproben zu testen!
Die Haltbarkeit von Oesel ist ausgezeichnet, das Parfum überfüllt den Raum nicht und ist dennoch wahrnehmbar, versteckt sich nicht. Hier hat man die goldene Mitte gefunden und geschickt ausgenutzt. Ich spreche eine klare Empfehlung aus, alle Freunde von Jean Paul Gaultier’s Fleur du Mâle kommen um Oesel von XerJoff nicht herum und werden viel Freude mit ihm haben.
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(untitled) von Maison Martin Margiela
Donnerstag, 08. April 2010 um 12:51 Uhr
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(untitled) von Maison Martin Margiela, schlichter Flakon und grüne Parfumfarbe. Die Parfumeurin: Daniela Andrier. Stop... Daniela Andrier? Das musste ich mir genauer anschauen, denn Frau Andrier hat bei Prada sehr gute Düfte geschaffen, die sich vom Massenmarkteinheitsbrei deutlich abheben. Von der eindrucksvollen Amber/Patchouli Kombo, über den zarten Irisaufguss bis hin zum besten Rasiercreme+Seife Herrenparfum das ich kenne, Andrier hat sie alle geschaffen. Bei so vielen Volltreffern ist es selbstverständlich, dass ich auch diese Kreation kennen lernen möchte. Und das wäre mir nicht möglich gewesen, wenn die überaus großzügige Murcielago nicht eine Abfüllung an mich geopfert hätte. Vielen Dank dafür!! Der Auftakt ist eine Wolke aus Weihrauch mit viel Galbanharz und Buchsbaum. Grün, rauchig, kühl und knochentrocken. Daniela Andriers ,,Fingerabdrücke" sind überall und äußern sich vor allem in der großen Ähnlichkeit zu Infusion d'Iris. Nach nur wenigen Minuten erscheint die Bitterorange auf der Bildfläche, dominiert jedoch nicht, sondern ist in die anderen Duftnoten eingebettet. Die anfänglichen Ecken und Kanten fangen langsam an runder zu werden, der Geruch wird weicher und zarter, entfaltet sich vollkommen. Die Trockenheit bleibt erhalten, doch das Grün setzt sich mit voranschreitender Zeit mehr durch. Das Galbanharz hat sich Unterstützung beim Mastix geholt, zusammen bilden sie das Herz. Kleinste Mengen an Jasmin schwirren im Hintergrund umher und tragen zu einer subtilen Blumigkeit bei (seit einem traumatischen "Sarrasins" Erlebnis, rieche ich sogar die kleinste Brise Jasmin, wenn sie denn vorhanden ist...). Die Herznote duftet wesentlich weiblicher als die Kopfnote, da sie weicher und auch etwas blumiger wirkt. Die Pflanzen nach dem Regen, diese Beschreibung aus der offiziellen Duftbeschreibung kann ich nicht bestätigen. Regen ist nass, (untitled) ist trocken. Daher kann ich diese Interpretation des Duftes nicht nachvollziehen. Beim Eintreten der Basisnote, ist es beinahe als verschwinde das Grün, als hätte es all seine Lebenskraft verloren und welke dahin. Ein Zedernbaum erhebt sich. Er ist umgeben vom (jetzt nochmals aufblühendem) Weihrauch. Einzig der Moschus schafft es, etwas Süße in die Komposition bringen. Und ab diesem Punkt fing ich doch arg an skeptisch zu werden. Denn hin und wieder war es mir beinahe so, als sitze einer meiner größten Feinde auf meinem Handgelenk: Dior Addict! Das klingt etwas unglaubwürdig, da beide Parfums unterschiedlicher nicht sein könnten, doch beraubt man Addict seiner gesamten Süße, würde ein seltsamer, fast würziger Akkord verbleiben. Und eben diesen Akkord kann ich in der Basis von (untitled) erkennen. Je mehr der Margiela Duft auf der Haut ruht und weiter in die Basis vordringt, desto intensiver wird der Addict-Akkord. Um Himmels willen, warum ausgerechnet Dior's diabolisches Addict? Ohne die süße der Vanille, ist die fremdartige "fast-Würze" zwar nicht mehr ganz so furchteinflößend, hat aber trotzdem noch einiges an negativer Ausstrahlung. Als wäre das nicht schon schlimm genug, driftet der Margiela Duft ein weiteres Mal ab. Immer größer wird die Ähnlichkeit zu dem Duft Velvet Hour von Kate Moss, welcher an unerträglichkeit kaum noch zu übertreffen ist. Ab diesem Zeitpunkt ist keine Veränderung mehr feststellbar und (untitled) klingt langsam aus.
Tragödie, katastrophe! Ein wunderbarer Duft, wie er schöner nicht sein könnte, driftet ab in ausgerechnet diesen einen Akkord, den ich bisher nur aus Addict kenne und den ich meide. Das ist wie ein Stich ins Herz, denn ausgrechnet in dem Moment, als ich mich mit dem Eau de Parfum (untitled) angefreundet habe, musste soetwas geschehen. Und dann auch noch die ,,Addict zu Velvet Houer“ Wende! Oh je, das schmerzt! Dennoch will ich den Duft nicht allzu negativ bewerten, da es mit hoher Wahrscheinlichkeit etliche Menschen gibt, die genau diesen (von mir gefürchteten) Akkord und auch den Moss Duft lieben. Außerdem sind Kopf und Herz grandios und perfekt für die wärmeren Tage geeignet, dennoch stelle ich mir einen Frischekick anders vor. Daniela Andrier - du bist mir nach diesem Schreck etwas schuldig. Beim nächsten Mal bitte genau das Gleiche, nur mit abgewandelter Basis.
Die Haltbarkeit von (untitled) ist ausgezeichnet, der Duft erscheint mir als ein eher körpernaher Begleiter. Nicht laut oder auffällig, das kann oft von Vorteil sein. Verpackung, Konzept und Duft ergeben insgesamt ein beachtliches Gesamtpaket, zu dem ich Andrier und Margiela gratulieren möchte. Ich freue mich auf den nächsten Duft!
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Pulp von Byredo
Dienstag, 06. April 2010 um 23:26 Uhr
Obstkorb mit Blütenblättern
Fruchtbombe gefällig? Alle Fans von fruchtigen Parfums kommen um Pulp von Byredo nicht herum. Feigen, Äpfel, Johannisbeeren, was will man als Fruchtliebhaber mehr? Byredo hat mit Pulp ein sehr schwieriges Thema in der Welt der Parfums in Angriff genommen. Schwierig, weil es im Grunde genommen zu einfach ist. Zu einfach für eine Marke, die im Nischenbereich arbeitet und Preise von ca. 116€ für die Produkte verlangt. Heutzutage hat jeder x-beliebige D Promi sein eigenes Fruchtzuckerblumenwasser auf dem Markt. Da ist es schon sehr seltsam dabei zuzusehen, wie eine Nischenfirma ein Eau de Parfum in dieser Duftgattung auf den Markt wirft. Da ich immer an das Gute im Duft glaube, habe ich versucht alle Vorurteile fern zu halten und unvoreingenommen auf Pulp zuzugehen.Schon nach dem ersten Sprühstoss übermannt einen der Geruch einer bunten Fruchtmischung. Mich erinnert es stark an den Geruch, den man beim öffnen der Haribo Saft Goldbären wahrnehmen kann. Durch dieses äußerst unübersichtliches Gerangel kommt die schwarze Johannisbeere hervor. Leicht herb und fein fruchtig zeigt sie ihre volle Pracht, eine kleine Brise Kardamom macht den Auftakt beinahe perfekt. Bevor sich die dunkle Beere zu sehr aufspielen kann, wird sie vom Apfel gebremst, die eher herberen Akzente treten in den Hintergrund und ein recht authentischer Apfelduft vermischt sich mit der Feige. Die beinahe aufdringliche Fruchtmischung der Kopfnote hat zu dieser Zeit bereits stark nachgelassen, Pulp hat sich beruhigt und duftet nun deutlich ausgewogener und harmonischer. Etwas zartes und leicht florales erblüht inmitten der großen Früchte. Ein Obstkorb, verziert mit Blütenblättern, ein schöner Anblick, ein schöner Duft. Pulp ist sehr saftig, man will am liebsten hineinbeißen. Das Wasser läuft einem im Mund zusammen, wenn man nur an diesem Eau de Parfum riecht. Wo das Herz von Pulp schon sehr viel ruhiger als der Kopf war, ist die Basis noch um einiges schüchterner. Bis auf eine leicht süßliche Note (es muss sich dabei wohl um den Praliné Akkord handeln), hat sich jedoch nicht sehr viel verändert. Eine leichte Holznote verbirgt sich unter dem Obst, schafft es jedoch nicht sich hervorzuheben.
Alle meine Vorurteile stimmten. Die intensiven Gerüche, die an Fruchtsalat und Gummibärchen erinnern dominieren den gesamten Duftverlauf. Das EdP riecht eher weiblich, kann aber auch von einem mutigen Herren getragen werden. Was ich schade finde, ist die Tatsache, dass Pulp sehr stark an viele der 08/15 fruity/florals vom Teeniemarkt erinnert. Der Unterschied ist jedoch, dass Byredo bei Pulp mehr in die Rohstoffe investiert hat, als die Celebrity Marken bei ihren Wässerchen. Doch wie sagte Luca Turin: ,, [...] an expensive version of something cheap is still cheap." Diese Aussage trifft bei Pulp vollkommen zu. Warum sich einen Duftgewordenen Fruchtsalat für 116€ kaufen, wenn man ihn auch für weniger als 30€ haben kann? Diese Frage werfe ich einfach mal so in die Runde...
Pulp ist kein schlechter oder gar unangenehmer Duft. Doch der Markt ist überschwemmt von den ,,fruity/florals". Daher ist Pulp ziemlich unnötig. Die Haltbarkeit ist sehr gut. Sogar nach 4 Stunden ist der Raum, in dem ich den Teststreifen platziert habe mit dem Duft erfüllt und er will so schnell nicht verschwinden. Dennoch rate ich jedem, sich nach günstigeren Alternativen umzuschauen, es gibt einige! Innovativität ist was anderes...
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Havana Vanille von L'Artisan Parfumeur
Sonntag, 04. April 2010 um 20:23 Uhr
Ein zarter Seelenstreichler
L'Artisan Parfumeur, Bertrand Duchaufour und etliche, für mich unbekannte, Parfums. Die Flakons sind wunderschän anzuschauen, kleine Kunstwerke. Doch was nützt ein wunderbarer Flakon, wenn der Duft nicht überzeugt? Bisher habe ich bloß Bekanntschaft mit Tea for Two gemacht, über den ich leider nicht berichten kann, da ich die Probe wie in Extase versprüht habe, bis sie leer war. Um ein Parfum zu beurteilen, trage ich es meist ein bis zwei Tage und trage es, während ich schreibe, noch einmal auf. Tja, da war bei Tea for Two ich viel zu stürmisch... Doch die freundliche Schnuffi hat mich mal wieder mit Proben von L'Artisan versorgt und ich werde viel bedachter mit ihnen umgehen, als mit dem Vorherigen. Ich starte mit Havana Vanille, da ich eine Vorliebe für Vanilledüfte habe (um ehrlich zu sein: nicht nur für Vanille, sondern für alles was süß ist und anderen die Karies nur vom Riechen in die Zähne treibt). Was erwartet man von einem Duft wie Havana Vanille? Die Duftnoten sagen aus, dass es sich um einen wuchtigen und äußerst lauten Geruch handeln muss. Doch schon viel zu oft bin ich durch Namen und Duftnotenpyramiden gelinkt worden. Daher ging ich dieses Mal von nichts aus. Doch auch Nichts war nicht das, als was sich Havana letztendlich herausstellte und ich war ein mal wieder verblüfft.Havana Vanille riecht direkt nach dem Auftragen nach einer Mischung aus Vanille und Gewürznelke. Die Kombination erinnert an einen Raum, in dem man eine Vanillekerze angezündet und ein paar Weihnachtsgewürze verteilt hat. Was mich jedoch so verwundert: Der Duft ist zwar von weitem sehr präsent, doch je näher die Nase an die parfümierte Stelle kommt, desto schwächer wird der Geruch. Ein solches Phänomen habe ich bisher nur bei Molecule 01 erlebt... Die getrockneten Früchte halten sich glücklicherweise zurück, sind nicht aufdringlich. Von weitem rieche ich die Gewürznelke sehr viel deutlicher, zusammen mit einem Akkord, der an Lebkuchen erinnert. Kopfkino pur! Da stehen direkt einige Teller mit Weihnachtsleckereien vor mir. Es dauert eine ganze Weile, bis ich mich von diesen schönen Bildern lösen kann. Langsam aber sicher nimmt Havana Vanille auf meiner Haut eine greifbare Form an. Endlich wird der Duft riechbar. Die Strohblume durchbricht die subtile Kopfnote und die Tonkabohne verbreitet ihren der Vanille sehr ähnlichen Duft. Wer sich wundert, was da im Herzen für Würze sorgt, dem sei gesagt: es handelt sich um die Narzisse. Das äußerst sinnliche (und dem Kopf ähnliche) Herz ist eine wahre Freude, denn leichte Tabak Andeutungen lassen an Tobacco Vanille von Tom Ford denken. Havana Vanille ist wesentlich leiser im Vergleich und auch heller. Doch die Ähnlichkeit besteht. Vor allem in der Basis werden die Parallelen zwischen Tobacco Vanille und Havana Vanille nochmal sehr deutlich. Der Moschus offenbart eine ordentliche Dosis Süße und die Holz + Harz Akkorde balancieren die Gourmandnoten perfekt aus, sie sorgen für Gleichgewicht und machen das Eau de Parfum sehr harmonisch. Bertrand Duchaufour, danke!
Havana Vanille ist ein sehr seltsamer Duft. Am Anfang ist er von nahem fast ,,unsichtbar", scheint formlos und hat keinen für die Nase greifbaren Duft. Nur von weitem ist er zu erkennen. Erst nach und nach wird das Parfum intensiver und nimmt Gestalt an. Soetwas habe ich zuvor (außer in Molecule 01) noch nicht erlebt und habe es bei Havana Vanille nicht erwartet. Im gesamten Duftverlauf scheint eine seltsame, frische Note im Hintergrund ihr Unwesen zu treiben. Sie ist leiht milchig und machte mich fast wahnsinnig, das ich sie bis zum Schluss nicht identifizieren konnte. Beeindruckenderweise ist Havana Vanille trotz der durchsichtigkeit sehr haftend, man kann den Duft für gute 3 Stunden um sich herum riechen, dannach wird er zum Hautduft und bleibt nahe bei einem. Weniger ein Parfum, mehr eine Aura, die einen Begleitet. Wunderbarer Wohlfühlgeruch für kalte Stunden. Ein Seelenstreichler!
6 Kommentar-Auszeichnungen
XPEC Trinity 1 von XPEC
Samstag, 03. April 2010 um 23:24 Uhr
Der Komposthaufen
Apicius war so freundlich, mir auch von diesem Duft eine Abfüllung zu senden. Ich habe ihn einige Tage getestet, getragen und habe mir eine Meinung gebildet. Es scheint so, als werden XPEC und ich keine Freunde mehr. Der erste Duft, den ich kennen lernte, war ,,Original". Dieser grimmige, bittere Chypre hat mir den Atem geraubt, ein eher bescheidener Start um eine Duftlinie zu entdecken. Jetzt kommt Trinity 1 an die Reihe und ich muss sagen, auch dieses Parfum hat mich umgehauen, im negativen Sinne. Fangen wir mit dem Duft an:Direkt nach dem Aufsprühen überwältigt einen ein Akkord, der an verrottetes Gras erinnert. Limonen, Melonen, ja, sie alle sind vorhanden. Doch leider hat irgendjemand diese Früchte zusammen mit dem Gras auf einen Komposthaufen gelegt. Dort gammeln die Gerüche so vor sich hin. Gnadenlos heitzt die Sonne den empfindlichen Früchten und Gräsern ein. Diese sind der Hitze hilflos ausgeliefert. Ich denke das Aroma eines Komposthaufens in der Sonne kennt jeder. Nach einer kurzen Weile durchdring eine kleine Menge Salbei und Basilikum das unangenehme Durcheinander. Langsam aber sicher entwickelt sich etwas, was weniger unangenehm ist. Und ab jetzt ändert sich nichts mehr, der Duftverlauf ist sehr linear. Bei den oben genannten Duftnoten erwartete ich einen frische, zitrischen Geruch, der an einen frisch gemähten Rasen erinnert. Fehlanzeige, leider! Shirley Brody, was hast du dir da nur gedacht?
Auweia! Was war das? Komposthaufen mit etwas Salbei und Basilikum? Mal wieder ein gewagter Duft von XPEC. Aber kann man soetwas noch einen gewagten Duft nennen? Wo Original noch eine (sogar für jemanden der ihm abgeneigt ist) erkennbare und wirklich gute Zusammenstellung hat, kann ich Trinity 1 nichts, aber auch wirklich NICHTS abgewinnen. Das ist nicht Chypre, das ist nicht grün, nicht blumig oder fruchtig und orientalisch... nein, dieses Parfum entzieht sich jeder Kategorie. Es riecht einfach sehr unangenehm. Ich kann es drehen und wenden, doch ich finde nichts positives. Das Bild vom Komposthaufen hat sich in meinem Kopf eingebrannt. Das war wohl nichts...
Wie bereits erwähnt, der Duftverlauf ist sehr linear. Da sind kaum Veränderungen erkennbar. Die Haltbarkeit ist gut und der Duft hat erschafft eine nicht zu übertriebene Aura um den Träger.
9 Kommentar-Auszeichnungen
Clair de Musc von Serge Lutens Les Salons du Palais Royal Shiseido
Dienstag, 30. März 2010 um 17:32 Uhr
Puderwolken im Sommerwind
Clair de Musc kenne ich schon lange, doch erst jetzt, wo ich meine Liebe für Serge Lutens Düfte entdeckt habe, habe ich wieder Interesse an einer alten Probe bekommen, welche schon seit geraumer Zeit herumsteht. Der Duft verspricht klar und rein zu sein, was man nicht unbedingt als ein Markenzeichen für Lutens/Sheldrake Kompositionen bezeichnen kann. Ob Clair de Musc hällt was es verspricht? Nachdem ich schon Fleurs de Citronnier und L'Eau Serge Lutens kenne, konnte ich mir kaum vorstellen, dass es noch frischer und leichter geht. Doch mit L'Eau hat dieses Eau de Parfum nichts gemeinsam.Die Kopfnote eine Flut von Aldehyden, die sich mit der blumigen Frische des Neroli vereint. Die ersten Momente sind sogar etwas zitrisch, doch das hält nicht lange an. Die Aldehyde bestimmen weiterhin den Ablauf des Duftes, sie nehmen sich den pudrigen, weißen Moschus und lassen ihn ,,fliegen". Eine saubere Süße entsteht, nicht stickig, nicht schwer, sondern sehr fein und zurückhaltend. Es ist, als liegt man in einem weißen Unterhemd auf einer Frühlingswiese und sieht sich die Wolken im Himmel an, wie sie im Wind tanzen. Wie die Wolken im Wind tanzt die Iris im Moschus. Ich fühle mich an Gesichtspuder erinnert, welches beim Auftragen durch die Luft gewirbelt wird. Eine völlig schwereloser Geruch der sich nur langsam verändert und mit der Haut verschmilzt. Frische Wäsche an der Haut einer jungen Dame. Die Iris ist zart, nicht dominant und ist vollkommen im Einklang mit den anderen Duftnoten. Immer weiter ziehen die Wolken am Himmel, immer weiter entwickelt sich Clair de Musc zum idealen Sommerduft, der beinahe nach Haut duftet. Dieser Hautduft wird vom Moschus hervorgerufen. Wo Muscs Koublaï Khän oft als der Geruch von ungewaschener Haut wahgenommen wird, so ist Clair de Musc der Geruch eben dieser Haut nach einem heißen Bad und ein wenig Puder. Clair de Musc ist ein simples Eau de Parfum, welches dennoch zum Träumen anregt. Es besticht nicht durch komplexität, sondern durch entspannende Einfachheit.
Clair de Musc ähnelt sehr stark Fleurs de Citronnier. Es fehlen die starken Zitronenblüten in der Kopfnote, aber ab dem Herzen der beiden Parfums sind sie sehr ähnlich und haben beide eine Basis aus weißem Moschus. Ob es nötig ist, zwei so ähnliche Gerüche innerhalb von 2 Jahren zu veröffentlichen, sei mal dahingestellt.
Clair de Musc erfreut die Nase, ist eine Erleichterung. Der Geruch belastet nicht und lässt Sommerstimmung aufkommen. Der Duft ist nicht frisch aber auch nicht pappig süß. Es ist eine leichte Puderwolke im Sommerwind. Trotz der Einfachheit ist der Geruch nicht langweilig, sondern passt sich der/dem Träger/in an. Zwar ist der Geruch an sich nicht typisch männlich, aber das sollte niemanden stören. Das EdP ist zum goßzügigen Auftragen gedacht, da der Duft nur sehr nah bei einem und ist dezent, stört die Umgebung nicht und ist zu jeder Gelegenheit tragbar. Untypisch für Serge Lutens, aber dennoch gut.
8 Kommentar-Auszeichnungen
Armani Code for Her von Giorgio Armani
Montag, 29. März 2010 um 23:12 Uhr
Ein subtiles Geheimnis
Armani Code, ich erinnere mich als der Duft neu in die Parfümerien kam. Ich weiß noch, wie ich den Flakon sah und dachte: ,,Der ist wunderschön...". Im nächsten Moment kam eine Dame und sprühte sich mit dem Duft ein. Er verteilte sich in der Umgebung und ab diesem Moment war ich von dem Eau de Parfum begeistert, habe es lieb gewonnen. Ich verbinde mit Code die Anfangszeit meiner Parfumsucht, ich war erst 13. Zeiten, zu denen ich es nie auch nur gewagt hätte darüber nach zu denken, mir ein Parfum für mehr als 100€ zu kaufen. Meine obere Schmerzgrenze lag damals noch bei 80€. Bond, Kilian, Serge... diese Namen waren mir völlig unbekannt. Ja, zu diesen Zeiten habe ich Armani Code Homme und Femme kennegelernt. Jetzt, 4 Jahre später, sitze ich hier und habe einen kleinen Spritzer auf einen Teststreifen gegeben. Erinnerungen! Was für ein mitreißender Geruch... Überraschend ist, dass Armani Code for Her sehr innovativ wirkt. Mittlerweile gibt es einige Kopien, aber in 2006 (das Jahr, in dem ich Code das erste Mal testete), schien es neu und anders. Der Auftakt ist von Orangen geprägt, die Kombination der verschiedensten Arten ergibt ein vielfältiges Aroma. Im ersten Moment erscheinen die Früchte sehr frisch, doch es wird nicht lange um den heissen Brei herum geredet, der Duft geht sehr schnell in das über, was er wirklich ist: die süße Verführung! Sinnlich und feminin. Die erwähnte Frische hält bloß für den Bruchteil einer Sekunde und langsam schmilzen die Kopfnoten und gehen über in ein Meer aus Blüten. Mir fällt der Jasmin auf, welcher sich des Nachts auf einem See aus Honig räkelt. Die Orangenblüte tanzt am Ufer des Sees zusammen mit der Vanille im Mondschein. Das Gesamtbild ist nicht voluminös oder gar erdrückend, nein. Code ist eine zarte Spur, ein subtiles Geheimnis. Je mehr Zeit vergeht, desto blumiger wird das Eau de Parfum, doch die Blüten sind alle gezuckert, kandiert, als wären sie mit Samt überzogen. Immer wenn ich eine Nase voll Code nehme, stelle ich mir vor Duftgewordenen Samt zu spüren. Außerdem hat das Parfum etwas sehr geheimnisvolles an sich, was weniger ein Geruch, sondern mehr ein Gefühl ist. Die Basis ist eine Melange aus Honig und Vanille mit einer großen Portion Orangen. Vergleichbar ist diese Mischung mit einem Kuchen, der sich durch einen luftig/lockeren Teig auszeichnet. Stellt euch vor ihr bestellt diesen Kuchen und eine Kellnerin bringt ihn euch an den Tisch. Sie trägt ein Parfum, welches sich wunderbar mit dem Duft der Süßspeise verträgt.
Armani Code pour Femme ist für mich einer der besseren Massenmarktdüfte. Er sticht aus der Menge heraus und geht nicht im allgemeinen Fruchtbrei moderner Parfums unter. Es hat eine samtweiche, geheimnisvolle Eleganz, welche die Aura einer jeden Frau unterstreicht. Armani hat ein gutes Händchen, wenn es darum geht die richtigen Düfte für seine Kollektion auszuwählen. Die drei Parfumeure haben ganze Arbeit geleistet, kompliment. Wie alle Armanis ist auch Code eher still und stört (sofern man richtig dosiert) niemanden in der Umgebung.
PS:
Wer sich jetzt fragt, ob ich den Code Flakon meiner Schwester stehlen musste: Nein, ich habe eine Probe gefunden und musste mich daher nicht strafbar machen :-)
7 Kommentar-Auszeichnungen
XPEC Original von XPEC
Freitag, 26. März 2010 um 21:24 Uhr
Die Invasion der bitteren Chyprenoten
XPEC, wieder eine Marke von der ich zuvor noch nicht gehört habe. Dank Apicius habe ich hier eine Probe des Duftes ,,Original". Als ich mir den Flakon von Original anschaute, dachte ich: ,,Das sieht nach einem alten Duft aus!". Auch die Duftnoten sind eher klassisch. Doch das Erscheinungsdatum hat mich dann geschockt: 2008!! Ein Jahr, in dem der Markt von Celebrity Düften nur so überschwemmt wurde. Frisch und fruchtig wolten es die Leute. Ob XPEC mit Original diesem Trend folgt? Ein Sprühstoss genügt, um diese Frage zu verneinen:Intensiv, brutal, laut! Der erste Eindruck ist das pure Chaos, bitter und undefinierbar. Ich wollte das Wässerchen schon zur Seite legen, als es sich plötzlich anfing zu entwickeln. Die Tuberose erscheint auf der Bildfläche und verbündet sich schnell mit dunklen Chyprenoten. Was für eine Kombination! Da kommen mir sofort Bilder von einer alten Apotheke in den Kopf. Die Holzregale, auf denen die Tigel und Fläschchen stehen, ein Herr in weißem Kittel... Die Tuberose ist es, die dem Ganzen einen leicht medizinischen Beiklang gibt. Eine Brise Fenchel will durch die starken Kopfnoten hindurch, schafft dies jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Die Kopfnote ist tatsächlich sehr haftend und will nicht so recht verfliegen. Erst nach vielen Minuten meine ich den Pfeffer erkennen zu können. Neben der Tuberose tauchen weitere Blüten auf, neben der der Tuberose wäre da noch das Veilchen, welches durch seinen unaufdringlichen Duft besticht. Der Ingwer ist für mich hier nur ein unterstützer, keine Hauptnote. Das Herz ist würziger als der start, die Blumen sind präsenter und die bitteren Chyprenoten sind intensiver! Das Bild der Apotheke ist längst aus meinem Kopf verschwunden, mittlerweile sehe ich einen schlichten Flakon in einem Herrenzimmer. Der Inhalt dieses Flakons duftet nach XPEC Original. Der Geruch des Parfums wird immer bitterer, das Eichenmoos trägt die Komposition und ist das tragende Element der Chyprenote. Die Basis ist erdig, holzig und auch leicht pudrig. Da ist eine leichte Andeutung von Gewürznelken, welche sich geschickt integriert ohne negatv aufzufallen. Viel mehr ist da nicht zu sagen.
XPEC Original ist ein sehr klassischer Duft. Das er im Jahr 2008 erschienen sein soll, ist für mich kaum zu glauben. Ich dachte es handele sich hier um einen alten Klassiker! Herzlichen Glückunsch an XPEC und Shirley Brody für so viel Mut, dieser Duft ist wirklich sehr außergewöhnlich und anders. Soetwas im Jahr 2008, dazu hat nicht jeder den Mut. Dennoch muss ich leider Kritik ausüben. Denn für meine Nase riecht Original eher unangenehm. Die bittere Chyprenote hat mich doch beinahe in den Wahnsinn getrieben. Da hilft keine Tuberose, da hilft kein Ingwer. Zuerst dachte ich mir, dass ich für diese Art von Duft noch zu jung bin. Aber mit anderen Klassikern hatte ich bisher weniger Probleme (Vetiver de Guerlain ausgenommen). Ich vermute eher, es liegt an der Duftrichtung. Ich habe hier einen kleinen Flakon stehen, enthalten ist eine beunruhigend dunkle Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit duftet ähnlich bitter wie XPEC Original. Es nennt sich Domino Viole' und ist aus der "Moderne Kollektion" der Nischenmarke Soivohle'. Im direkten Vergleich wirkt Domino Viole' eine ganze Ecke blumiger und auch etwas süßlicher. Aber es hat die gleiche bittere Chyprenote!! Bisher dachte ich, Domino Viole' wäre das grausamste Parfum der Welt. XPEC Original ist nochmal eine ganze Ecke extremer.
Jetzt mögen sich einige Fragen, warum ich die Macher von Original zu dem einzigartigen Duft beglückwünsche und ihn gleichzeitig als grausam bezeichne. Das liegt ganz einfach daran, das ich den Duft aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet habe. Einmal habe ich bloß den Duft analysiert und festgestellt, dass er so wie er ist, sehr ungewöhnlich und vor allem für die Zeit in der er erschienen ist, fremd wirkt (was für mich immer positiv ist). Unabhängig davon, habe ich dann meiner persönlichen Meinung freien Lauf gelassen. Und diese ist eher negativ. Das bedeutet Pluspunkte für die Andersartigkeit und Minuspunkte durch meine persönliche Meinung. Das lässt dann noch knappe 30% für XPEC Original übrig. So leid es mir auch tut, das Parfum trifft nicht meinen Geschmack, was nicht heißen soll, dass es schlecht ist.
10 Kommentar-Auszeichnungen
L'Eau Serge Lutens von Serge Lutens Les Salons du Palais Royal Shiseido
Freitag, 19. März 2010 um 18:57 Uhr
Alles, nur kein Parfum...
Kein Parfum sorgte in den letzten Monaten für so viel Aufruhr wie L'Eau Serge Lutens. In Amerika schrieb man vom "Aus" für Serge Lutens, man beschwerte sich und wollte wissen: Was hat sich der Mann da nur gedacht...? Lutens selbst sagt, dass die Leute von Shiseido nicht sehr begeistert waren, als er ihnen dieses neue L'Eau präsentierte. Ich stellte mir die Frage: ,,L'Eau, sauber, rein, frisch und Serge Lutens - geht das überhaupt?" Zwar sind einige seiner früheren Eaux de Parfum ebenfalls leicht (Clair de Musc, Fleurs de Citronnier), aber diese driften in eine süßliche Basis ab, die einen orientalischen Touch hat. Und so fing ich an mir vorzustellen, wie denn dieser Duft nun riechen könnte. Ich malte mir die großartigsten Dinge aus, verglich diese mit anderen Parfums. Silver Musk von Nasomatto war von allem was ich kannte das Parfum, welches meiner Vorstellung zu L'Eau am Nächsten kam. Heute war es endlich soweit. Ein kleiner Brief vom Onlineshop Essenza-Nobile begrüßte mich und ich öffnete ihn. Ich hielt es endlich in den Händen: Eine Miniatur von L'Eau Serge Lutens! Beinahe nervös öffnete ich den Flakon und es folgte der erste Riechtest.Das Parfum, welches keines sein will. Nach dem aufsprühen überfluten einen die Zitrusfrüchte, der Duft ist kühl und macht Lust auf den Sommer. Die Kombination der zitrischen Noten kommt mir sehr bekannt vor. Ich erinnere mich direkt an zwei Parfums, die einige hier ebenfalls kennen: Coney Island von Bond No. 9 und Artisan von John Varvatos. Aus Artisan die sommerliche frische, aus Coney Island das positive, zitrische Feeling. Das ist L'Eau Serge Lutens! Doch wer jetzt denkt, das ist alles, der irrt sich. Eine banale Mischung aus zwei bekannten Düften ist der neue Lutens nämlich nicht. Da ist noch mehr, da ist eine ozonische Duftnote, die zusammen mit den Aldehyden für Leichtigkeit sorgt. Doch irgendetwas fehlt... wo ist das saubere, weiße Hemd? Ein unbeschriebenes weißes Blatt, wo ist das alles? Hier ist Gedulg gefragt, denn L'Eau Serge Lutens ist ein sehr gemütliches Eau de Parfum, es lässt sich etwas Zeit, bis es sich beruhigt. Doch nach und nach meint man hin und wieder etwas reines und sauberes zu erhaschen. Ganz schüchtern und zart liegt es verborgen hinter der Zitrone. Es traut sich nicht so recht heraus, hat aber den Willen dazu. Mehrere Versuche und viele Minuten später ist es, als erblühe das weiße Hemd endlich. Dieser saubere Akkord hat eine sehr leichte Seifigkeit und liegt dem Muskatellersalbei zugrunde. Die Minze ist präsent, aber nicht so übertrieben, was mir bestens gefällt. Eine große Rolle übernimmt der weiße Moschus, er sorgt für eine schwerelose Süße, wobei "süß" eigentlich das falsche Wort ist. Es ist eine extrem saubere, beinahe sterile Duftnote die sich kaum einordnen lässt, sie entzieht sich beinahe jeder Kategorie. Sie erinnert an den Geruch, wenn man Wäsche bügelt. Heisser Wasserdampf schiesst aus dem Bügeleisen und trifft auf ein reines, weißes Hemd. Es ist weniger ein Geruch, sondern mehr ein Gefühl. Ein Gefühl von absoluter Klarheit. Keine trübenden oder störenden Akkorde sind vorhanden. Der Eigengeruch der Haut wirkt neutralisiert, so seltsam das auch klingen mag, es ist die Wahrheit. Dieser himmlische Akkord hat etwas grünes, leicht bitteres an sich. Doch wie ich schonmal in einem anderen Duftbericht schrieb, bitter ist nicht immer schlecht. Die Farbe weiß ist hier mehr als angebracht und die Bezeichnung, leeres Blatt Papier, ist wohl die aussagekräftigste Kurzbeschreibung, de es je zu einem Eau de Parfum gab. L'Eau Serge Lutens vollbringt eine Verwandlung. Von der Zitrone die Lust auf Sommer macht, geht das Parfum langsam über in die versprochene, reine, Note.
Serge Lutens hat mit jedem Wort, welches er über L'Eau Serge Lutens sagte recht. Der Duft ist (nach einem zitrischen Start) tatsächlich ein Anti-Parfum. Der Geruch ist (vorallem in der Basis) beinahe neutral, wie Wasser. Wer diese Wolke der Frische um sich herum hat, wird nicht negativ auffallen. Klares Wasser, frische Luft. Durchatmen, in einer Welt die überparfumiert ist. Ein wundervolles Konzept und eine ebenso grandiose Umsetzung. Ob Monsieur Lutens mit diesem EdP den asiatischen Markt erobern will, Leute erreichen, die seine übrigen Werke für abschreckend befunden haben? Seine Ziele werden wohl sein Geheimnis bleiben, doch die Hauptsache ist doch, dass das Ergebnis gelungen ist. Gerüchten zufolge soll sich der Duft in den Salons du Palais Royal in Paris nur dürftig verkaufen. Dort wollen die Leute wohl nichts von dem cleanen Geruch wissen, sondern begehren die schwere, balsamischen Orientaler, für die Lutens bekannt ist. Ich wünsche L'Eau Serge Lutens alles Gute und hoffe auf ein langes Bestehen. Es wäre zu schade, eine Einstellung der Produktion mit anzusehen.
Weiterhin muss ich Sjörn bestätigen, L'Eau Serge Lutens hat mit Silver Musk von Nasomatto nicht viel gemeinsam. Die beiden unterscheiden sich sehr, obwohl sie beide sauber sind und auf weißem Moschus basieren. Es ist schon ein kleines Wunder, wie wandelbar eine einzelne Duftnote sein kann. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Sjörn von Essenza Nobile. Ich bin ganz begeistert von der Miniatur und werde mir den Duft demnächst kaufen - natürlich bei Essenza Nobile ;)






















