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TVC15's Kommentare zu Parfüms (163)

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7 Kommentar-Auszeichnungen

Slate von Banana Republic

Donnerstag, 03. Juni 2010 um 00:57 Uhr

Banani Republic

Nein, in der Überschrift ist kein Rechtschreibfehler. Doch dazu später mehr, erstmal zum Blendwerk. "Slate" kostet in den USA umgerechnet um die 35 Euro/50 ml, bei Douglas und Konsorten ca. 50,-, doch mit offenen Augen und Ohren kann man ihn noch sehr viel günstiger abgreifen, denn es handelt sich wohl um einen Ladenhüter.

Selten empfand ich die Diskrepanz zwischen Verpackung und Inhalt bemerkenswerter. Der an sich schon recht protzig wirkende Flakon, mit dem man die Schwiegermutter erschlagen könnte, ruht auf Moosgummi in einer echten Holzbox, deren Deckel mit vier Magneten festgehalten wird und einen schicken silbernen Streifen in der Mitte offen lässt. Wow! Irgendjemand in der Marketingabteilung von Banana Republic scheint da von Amouage geträumt zu haben.

Haben wir die edel anmutende Schatulle erstmal geöffnet, den Chrom & Glas-Klotz in die Hand genommen und den Sprüher betätigt, verflüchtigt sich das äußere Hui leider in Nullkommanix. Beauty's only skin deep.

Was uns da entgegennebelt, ist die handelsübliche ingwergeschwängerte 08/15- Zitrus-Frischenote von der Klein- oder Boss-Reste-Rampe. Spätestens wenn sich schon in der Kopfnote ein aufdringlich künstliches Hölzchen (offiziell soll's Mahagoni sein) andeutet, das eigentlich erst viel später dran wäre, würde Apicius seine Nase mit der Bemerkung "kratzt!" abwenden. Erschwerend kommt nun auch noch eine unterschwellige Apfelsaftigkeit hinzu, die durchgehend an parfümistische Geisterbahnen wie "Bottled" erinnert. Etwas Minze, Tabakblüten, Salbei und Muskat sollen auch enthalten sein, aber wer will das schon so genau wissen, wenn in der Grauzone zwischen Aquatik, Fruchtigkeit und Würze alles bürogerecht glattgerührt wird?

Ein - nun ja, etwas zweifelhafter - Verdienst von "Slate" ist, dass sich das Wässerchen länger hält als manche Drogeriemarktkollegen, und auch gar nicht soooo leise ist. Anspruchsvolle Nasen werden aber wahrscheinlich eher froh sein, wenn sie der wirklich nicht bescheidenen US-Synthetik möglichst schnell entkommen können.

Von mir dennoch 60 %, denn es gibt Schlimmeres und die verbauten Kunststoffe sollen angeblich sogar toxi- und dermatologisch getestet sein.
8 Kommentar-Auszeichnungen

Bvlgari pour Homme von Bvlgari

Samstag, 29. Mai 2010 um 15:02 Uhr

Publikumsscheu

Verblüffend, wie Jacques Cavallier dermaßen viele unzusammenhängende Zutaten verbraten konnte, um dann im Endeffekt einen Duft zu haben, den man mit dem Spürhund suchen muss. Bulgari Pour Homme ist weitestgehend geruchsfrei, was mich etwas an die Anämie von Kenzo Power oder Lacostes Challenge erinnert. Beim Sprühen ist einmal keinmal, zweimal bedeutet "try again" und dreimal heißt "zwecklos", denn ganz gleich, welche Menge verpulvert wird, man schafft es nicht, die Phonzahl zu erhöhen. Auf Neudeutsch sagt der anspruchsvolle Kritiker wohl auch "close to skin" zu einem solch bescheidenen Verhalten. Da ich gar nicht so anspruchsvoll bin, würde ich es mal als fußlahm bezeichnen.

Die schönsten Zutaten wie Lavendel oder Eichenmoos suhlen sich hier auf der Couch ohne den geringsten Ehrgeiz, mal in die Puschen zu kommen. Mit viel homöopathischem Einfühlungsvermögen könnte man gewisse, in Maßen hoffnungsvolle Ansätze erkennen - wie z.B. einen fünfmal aufgebrühten Beutel Reformhaus-Tee oder eine gerade in Spüli eingeweichte Pfeffermühle -, aber noch bevor die Einzelbetreuung schüchterner Duftstoffe greift, haben sich die Sensibelchen nach 15 Minuten auch schon vollständig verzogen. Ein hochlangweiliges florales Nichts.
11 Kommentar-Auszeichnungen

Reflection Man von Amouage

Montag, 24. Mai 2010 um 19:39 Uhr

Des Scheichs neue Jogginghose

Ach bin ich froh, Andi und meine anderen Vorredner nun doch nicht mit einem Dampfhammerrundumschlag brüskieren zu müssen. Denn nach etwas großzügigerer Applizierung dieses - natürlich wieder mal jedes realistische Preis-/Leistungsverhältnis ad absurdum führenden - Protzproduktes aus dem Sultanat Oman war ich zumindest ansatzweise in der Lage, den Worten der bisherigen Fürsprecher folgen zu können, was mir beim allerersten Test überhaupt nicht gelingen wollte.

Lange fragte ich mich, ob beim Testerröhrchen evtl. eine Verwechslung mit dem Damenduft vorliegen könnte, denn Reflection Man puderquastet dank der im allgemeinen Mischmasch noch einigermaßen erkennbaren Iriswurzel lange Zeit opulent vor sich hin. Des Rätsels Lösung für meine plötzliche Einsicht lag in einer durchaus verkraftbaren, ja fast schon netten Basisnote versteckt, die vieles wieder wettmacht, was mich im ersten Moment noch völlig nervte. Mit viel Fantasie konnte ich mir sogar einen Hauch der bei diesem Duft vielzitierten Frische vorstellen - was DeGe allerdings mit “frostig” meint, bleibt mir unergründlich. Beim Männer-Reflection mag etwas mehr Luft im Spiel sein als beispielsweise bei manch Umweltverbrechen a la Lutens, wodurch Reflection aber nicht gleich zum Bofrost-Mitarbeiter wird; im Gegenteil, der Duft wirkt auf mich eher brühwarm und denkbar ungeeignet als sommerlicher Grillfetenbegleiter. Dazu wäre der Stoff auch viel zu süß. Über lange Strecken des Duftverlaufs kann er das bonbonhafte nicht abschütteln. Das mag hier und da vielleicht sogar etwas säuerlich-beerig bizzeln, aber im Großen und Ganzen muss ich Luca Turin zustimmen, der sich an Marshmallows erinnert fühlte.

Wirken die anfänglichen Sprüher allerdings noch wie flüssiges Natreen, ist es aber glücklicherweise so, dass die Süße mit der Zeit abnimmt. Da sich Reflection recht lange hält (tja, irgendwas sollte es für einen solchen Preis schließlich können), hat man also auch noch genügend Spaß an einem stundenlangen, gemäßigten Drydown. Welcher für mich aber auch einige Diskrepanzen zur edlen Anmutung aufweist, also nicht feierlich oder highbrow ist, sondern in etwa einem Schälchen Karamellpudding gleicht, mit dem man an einem verregneten, aber noch ganz freundlichem Herbsttag in der Küche herumschlunzt. Die vielzitierte Frische finden wir hier allenfalls in Form eines kleinen Deko-Pfefferminzblättchens. Nicht gerade ein Schnäppchen als Jogginghose.

Tschuldigung, aber ein kleines Wiki-Zitat kann ich mir angesichts der bei Reflection vertretenen Iriswurzel nicht verkneifen: “Aus der Wurzel der Veilcheniris, ‘Florentinischen Schwertlilie’ (Iris germanica var. florentina, Syn. Iris pallida), auch Veilchenwurz oder Violwurtz, wurden die im 19. Jahrhundert beliebten Veilchenparfüms gewonnen und in alten Zeiten daraus auch ein Brechmittel hergestellt.” :)
9 Kommentar-Auszeichnungen

Blue Stratos von Parfums Bleu

Freitag, 21. Mai 2010 um 14:42 Uhr

Die weißen Möwen sind müde

"Licht aus - Womm! Spot an - Jaaa!" Blue Stratos, ein enger Verwandter des Brusthaar-Toupets, ist ein schwer betagter, aber kultig gehegter und gepflegter Duft aus den tiefsten Abgründen der Siebziger. Der "Old Spice"-Hersteller Shulton brachte ihn 1975 auf den Markt, um sein schon damals leicht angestaubtes Rasierwasser-Programm upzudaten, was ihm im Umfeld einer an Bachmann Turner Overdrive und der George Baker Selection krankenden Unterhaltungskultur auch gelang. Wem diese Namen nichts sagen, der darf nun weiterblättern, denn er gehört nicht zur Blue-Stratos-Zielgruppe. 1990 wurde Shulton von Procter & Gamble übernommen, die Blue Stratos schleunigst aus dem Programm kickten, da es zu dieser Zeit doch schon etwas komisch roch.

Verrückt, wie manche Engländer sind, ließ es sich ein gewisser Tim Foley nicht nehmen, den Markennamen, in dem er immer noch Potential sah, zum Schnäppchenpreis zu erwerben und BS wieder aufzulegen, denn einige (vorwiegend australische) Rauhbeine hatten in der Tat ihr After Shave vermisst. Wirft man einen Blick auf Foleys Unternehmen, www.parfumsbleu.com, so fügen sich die Mythen, die Blue Stratos umranken, zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen: Trashig! Aber auch in unseren Gefilden hatte der Duft seine Anhänger, so dass man ihn heutzutage dank der rührigen Bemühungen eines Herrn Frey wieder bekommen kann. Und zwar exklusiv online und zu einem Preis, der eigentlich jede Kritik im Keim erstickt. Außerdem besitzt Frey einen gewissen Sinn für Humor: "Ihre Zahlung haben wir erhalten! Vielen Dank. Unser Auslieferungszentrum (meine Frau), wird die blauen Wässerchen heute noch zur Post bringen." :)

Man kann diesem Duft also gar nicht richtig böse sein, obwohl er einige Steilvorlagen für spöttische Bemerkungen im Gepäck hätte. Womit wir zum Olfaktorischen kommen. Blue Stratos hat ein sehr schlichtes Gemüt. Hier experimentierte man nicht nach den Motto, aus dem Ganzen mehr als die Summe der Einzelteile machen zu wollen, sondern die gängigsten Verdächtigen wurden einfach zusammen in eine Flasche gesperrt. Zitrus, Lavendel, Moschus, Moos, ums kurz zu machen. So weit, so gut, und das wäre auch alles irgendwie bläulich, wenn nicht sogar stratosphärig geblieben, hätte man nicht - für 1975 verblüffend prophetisch - wieder mal einen meiner Lieblingsfeinde, nämlich Dr. Oetker Vanillezucker dazukippen müssen. Hierzu muss man wissen (was ich neulich in dem sehr interessanten Buch "Parfum" von Renate Lohse-Jasper las), dass das internationale Duftverständnis keineswegs einheitlich, sondern sehr vom kulturellen Kontext abhängig ist. Zitrusdüfte werden von Amerikanern grundsätzlich mit Spülmitteln assoziiert, wohingegen Süßes und Vanilliges in den USA gleichbedeutend mit Frische ist. Blue Stratos ist ein amerikanisches Produkt, und nur so lässt es sich erklären, dass man dieses Zuckerwasser in den Rocky Mountains als umwerfend frisch empfindet. An diesem Punkt fiel mir übrigens eine gewisse Ähnlichkeit mit Nikos Sculpture Homme auf, bei dem die Vanille ähnlich nervig durchs morsche Cologne-Gerüst schleicht.

Wie gesagt, Blue Stratos ist sehr günstig zu haben, auf jeden Fall ein 1A-Tipp für eine 70er-Jahre-Motto-Party. Die normale tägliche Anwendung allerdings könnte außer einer nicht ganz topmodernen Wolke auch einige höhnische Kommentare nach sich ziehen.
8 Kommentar-Auszeichnungen

Déclaration von Cartier

Donnerstag, 13. Mai 2010 um 19:14 Uhr

Neulich beim Friseur

Ellena goes Barbershop, interessant. In der Tat riecht es fast schon antiquarisch, was einem in den ersten Minuten entgegenschlägt. Nix Udo Walz, Mitte/Ende der Sechziger hieß sowas noch Salon Beushausen, und der sonnengegerbte Friseur-Innungsmeister im hellblauen Plastikkittel wickelte der verehrten Kundschaft flink eine Halskrause aus kratzigem weißen Krepppapier um, bevor lautstark vibrierende Haarschneidemonster aus schwarzem Bakelit bei jugendlichen Kunden jede gewollte Ähnlichkeit mit John, Paul, George und Ringo zunichte machten.

Birkin (nein, nicht Jane!) gehörte ebenfalls zum Ritual. Kennt ihr, oder? Findet man kaum noch und selbst wenn, erkennt man's nicht, weil Laboratoires Garnier das schöne klassische Design völlig verhunzt haben. Ich geh mal kurz am Konkurrenzprodukt Seborin schnüffeln, bin gleich zurück... Bevor das nun aber ausufert, halten wir trotzdem mal fest: Haarwasser. Nicht die allerschlechteste Idee, ein Herren-EdT so riechen zu lassen. Das hat nicht nur was Gewinnendes für ältere Semester, sondern dank der birkengepowerten Orange auch viel Frische. Je mehr der Duft fortschreitet, desto deutlicher wird Jean-Claude Ellenas Handschrift. Wie eigentlich immer liebt er Grünes, vermeidet dabei aber herb-bittere Stolperfallen und scheint seine Kräutchen (hier z.B. Beifuß) grundsätzlich mit (...keine Angst, wirklich nur einer winzigen Prise) Zucker vorzukochen. Das ist dann durchaus noch naturverbunden, aber auch schon wieder etwas zu rund und sanftmütig, so dass er hier fürs Finale nicht ganz überraschend und vielleicht von Cartier als Abgrenzung zu Hermes sogar gewünscht, schließlich ein recht maskulines Trio unter der Leitung unseres alten Freundes Vetiver einfliegt. Was sich in Worten ein wenig bemüht anhören könnte - der Bogen vom Old School Macho zum herzensguten Naturburschen - überzeugt im Praxistest bestens. Der Duft nervt nicht, ist männlich, ohne zu protzen und vor allem schön grün. Wie gut das nun zum Selbstverständnis einer Nobel-Uhrenschmiede passt, steht auf einem anderen Blatt, aber in Jean-Claude Ellenas Portfolio macht sich Declaration sicherlich genauso ausgezeichnet wie bei mir am Handgelenk.

PS: Die Verpackung ist dunkelrot. Irrwege des Produktdesigns sind manchmal unergründlich.
4 Kommentar-Auszeichnungen

Eau de Cartier von Cartier

Mittwoch, 05. Mai 2010 um 02:36 Uhr

Ruhe im Karton!

Tja, was soll man dazu noch groß sagen, wenn man als Vorredner einen Apicius hatte, der die allgemeine Schwächlichkeit dieses hauchzarten Wassers schon ganz treffend schilderte? Natürlich bin ich mit ihm nicht ganz einer Meinung, dass sich richtige Parfümliebhaber vorrangig mit expressiven Parfums beschäftigen, aber von einem Duft mit einem wichtigmachenden Namensteil wie "Eau de [Firma XY]" hätte ich mir durchaus auch einen Tick mehr Präsenz erwünscht. Ähnliches bemerkte ich übrigens gerade neulich auch bei Bulgari Pour Homme - außen Klotz, innen Hyperflüchtiges.

Bei Eau de Cartier hatte ich - sicherlich mit dem freudigen Gedanken an das großartige Eau de Guerlain - eigentlich ein klassisches Cologne erwartet. Ist es aber nicht. So wie auch das - wie ich finde - sehr eng verwandte Mugler Cologne kein Cologne ist. Zu schlappe Zitrusnoten, zuviel selbstverliebtes, aber uneffektives Kunstschaffen, Rasenschach sagt man beim Fußball. Und auch zuviel Blümchen, so dass ich diesem Duft ohne größere Bedenken eine Überweisung in die Damenabteilung ausstellen würde.
7 Kommentar-Auszeichnungen

M7 von Yves Saint Laurent

Dienstag, 04. Mai 2010 um 20:56 Uhr

Mindestabstand 7 Meter

Ich geb's ja zu, vor einem Kommentar habe ich mich bisher auch nach monatelangem Herumtesten erfolgreich gedrückt, da der ausufernden Plärrigkeit von M7 nicht mit zwei Worten beizukommen ist. Man könnte sagen: ein schwerer und schwieriger Duft, läge aber mit "erbärmlich aufdringlich" auch nicht ganz falsch.

Schicken wir mal voraus, dass ich mit dem von YSL unter dem damaligen Creative Director Tom Ford propagierten Männerbild wenig anfangen kann. Die Kampagne für M7 erregte viel Aufsehen, aber für mich hätte sich Samuel de Cubbers nicht entkleiden müssen. Als Hetero kann ich den verkaufsfördernden Aspekten der Schniedel-Präsentation bei einem Herrenduft nicht ganz folgen. Wollte man hier lediglich Tabus brechen oder hoffte man auf die paar Damen, die ihrem Göttergatten das Zeug kaufen sollten, in der Hoffnung, er möge sich zuhause auf dem Lammfell genauso räkeln? Nun ja, allzu oft ging dieser Flop nicht über die Ladentheke, aber vielleicht gelingt dem Duft doch noch eine andere Antwort. Was hat M7 außer einem behaarten Schwarzweiß-Nackedei aus der Martial-Arts-Ecke zu bieten?

Die Legende behauptet, M7 (das siebte Männerparfüm von YSL) war einer der ersten Düfte, in dem die mittlerweile so hippe Trendzutat Oud verbraten wurde. Da sich meine Nase vehement weigert, Oud zu erkennen bzw. als reizvoll zu empfinden, falls es wirklich dieser bitter-süße orientalische Gesamtmoder sein sollte, der M7 ausmacht, wurden meine Recherchen etwas detaillierter. Ich las mir in diversen Internet-Foren speziell die Kommentare einiger arabischer User durch, bei denen M7 auf verblüffend viel Ablehnung stieß. Wie ich lernte, wird Oud in seinem eigentlichen Kulturkreis hauptsächlich als Raumduft eingesetzt, ist also geschlechtslos, sprich: unisex. Die Verbindung zu Tom Fords lanciertem Körperkult, bzw. die Beziehung Oud/Erotik wird in arabischen Ländern als unangenehm und höchst befremdlich empfunden.

Tja, wie so manches in diesem Duft wirken seine orientalischen Bemühungen mindestens aufgesetzt, wenn nicht für die Katz. Alberto Morillas (mit CK One, Acqua di Gio oder Tommy nicht gerade ein Lawrence von Arabien), macht hier einen überforderten und hilflosen Eindruck. M7 möchte ein Breitwand-Epos sein, besteht aber aus Einzel-Episoden, die nicht so recht zueinander finden wollen, was dann doch eher nach Dia-Schau im Dorfgemeinschaftshaus aussieht. Trotz kräftiger warmer Farben bleibt diese...ja, man kann wirklich von Suppe sprechen...kalt. Nicht etwa kühl oder erfrischend, sondern gefühlskalt. Eine emotionslose Aneinanderreihung von mystischem und mega-maskulinem Murks. Im Duftverlauf so'ne Art Promenadenmischung aus holzig, animalisch, hustensaftig, ja sogar muckibudig. Im Vergleich zum ebenfalls orientalisierten, leicht schmuddeligen Kollegen Habit Rouge wirkt M7 schon richtiggehend siffig. Seine langlebige und zähe Projektion verwandelt jegliche Frischluft im Raum nachhaltig in ein brechreizförderndes Grauen. (Der eingeweihte Leser findet hierzu Näheres unter dem Stichwort "Lolles Badewanne" :)

M7 zusammen mit Landplagen wie Black Orchid oder Gris Clair in einen Sack und dann immer mit dem Knüppel drauf. Es trifft nie den Falschen.
6 Kommentar-Auszeichnungen

Tommy von Tommy Hilfiger

Freitag, 30. April 2010 um 15:32 Uhr

Das Kind im Manne

Bevor man diesem beliebten Schulhof- und Wandertagsduft Unrecht antut, sollte man sich sein Erscheinungsjahr ansehen. 1994. Bis dahin hatten Herrendüfte noch nicht allzu viel mit Obstsalat zu tun. Tommy war in Begleitung des gleichaltrigen CK One ein recht innovativer Trendsetter, der auch jüngeren Knaben die Möglichkeit eröffnete, aktiv am Parfümierungsritual teilzunehmen, ohne dabei Papas sowieso viel zu herbe Rasierwassersammlung bemühen zu müssen. Getreu dem Motto "Sprüht mehr Obst" war Tommy dann auch ein großer Erfolg, besonders als Abschleppwasser an amerikanischen Colleges. Nachdem er von Sportfeind Luca Turin überraschenderweise die Absolution erteilt bekam (***), durfte ihn auch manch älteres Semester auf der Suche nach der verflossenen Jugend gern mal als Jungbrunnen benutzen. Warum auch nicht? So kindisch ist die Amber-Baumwoll-Kaktus-Basis gar nicht, obwohl ich glaube, dass bei den angegebenen Noten eindeutig die Hölzer fehlen.

Tommy ist zwar einigermaßen süß, klebt aber nicht und behält durchgehend eine nette sommerliche Grundfrische sowie eine immer wieder gern gesehene unverfängliche Sauberkeit. Ein netter Stimmungsaufheller. Warum Hilfigers Erstling trotzdem vorwiegend den Kleinen vorbehalten blieb, ein nicht gerade Welten entfernt liegender künstlicher Apfelsaft wie Boss Bottled hingegen Büro-Standard wurde, ist eines der ungeklärten Rätsel der Menschheit.

Tommy fand Hunderte von Nachahmern und beeinflusste sogar ganze Produktreihen eher Teenie-orientierter Häuser wie z.B. Benetton. An seine für einen fruchtigen Frischling zwar dezente, aber recht ansehnliche Haltbarkeit indes kam kaum einer der Epigonen ran. Meinen Segen hat der Bursche.
2 Kommentar-Auszeichnungen

Joop! Homme von Joop!

Montag, 19. April 2010 um 22:25 Uhr

Übriggeblieben

Ein ganz nettes Damenparfüm, das seine besten Tage Lichtjahre hinter sich hat.
1 Kommentar-Auszeichnung

Adventure Eau Fraîche von Davidoff

Samstag, 17. April 2010 um 00:29 Uhr

Das Gleiche in grün

Dass wir es bei einem solchen Kaufkraftausreizungs-Flanker nicht gerade mit der höchstoriginellsten Kreation zu tun haben, dürfte klar sein.

Das Positivste, das man zu DAEF sagen kann, ist, dass der Duft zumindest nicht im leeren Raum hinfantasiert wurde, sondern er sich unverkennbar an seinem Papa, dem sehr ordentlichen "Adventure" orientiert. Bergamotte, Mandarine, Moschus, Vetiver, Zeder hatten wir dort auch schon und hier ist eben alles noch ein bisschen frischer. Der Name sagt also wenigstens die Wahrheit.

Etwas, das man kaum schönreden kann, ist seine Synthetik. Hier ist es wieder, das ozeanfrische Laminat aus dem Baumarkt, das dem Duft zwar eine recht ordentliche Haltbarkeit spendiert, beim näheren Hinriechen aber sofort Juckreiz auslöst. Schade schade.

Fazit: Kopfnote hui, Basis pfui. Nach Freigeist, Dior Homme Sport, Lacoste Challenge, Pi Neo, Guerlain Homme, Roadster Sport und Konsorten die nächste Überflüssigkeit im Herrenregal.

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