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TVC15's Kommentare zu Parfüms (163)

Kommentare 31 - 40 von 163

2 Kommentar-Auszeichnungen

1740 - Marquis de Sade von Histoires de Parfums

Sonntag, 14. März 2010 um 02:41 Uhr

Lieber im Mief ersticken als in der Kälte erfrieren

Fenster zu, Heizung an, Arte-Kulturprogramm. Natürlich kann man hier die gängigen Männerklischees aus der Parfümwerbung gleich in der Schublade lassen. Keine nackten Oberkörper, weder Bade- noch Cargohosen - eher Alfred Biolek beim Abstauben seines Gewürzregals. Riecht schonmal nicht sehr aufregendend. Nervigerweise, aber nicht ganz unpassend, ist jedes zweite Wort, das man zu diesem Duft liest, "Lutens", was mich sehr vorsichtig an den Marquis herangehen ließ, erwartete ich doch zugegebenermaßen die üblichen akademischen Kammerspiele.

Das Intro überraschte mich allerdings positiv mit einer unerwartet lebendigen Fruchtigkeit, welche mir die Ingredienz Davana vorstellte. Nun ja, man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht: ein Korbblütlergewächs, das nach Mango riecht. Kann hinkommen, aber jedes andere Obst mit weniger Ayurveda im Namen hätte es sicherlich auch getan.

Danach ist dann auch schnell Schluss mit lustig und es beginnt die harzige Muff-Phase, die ich schon bei vielen anderen olfaktorischen Sperenzchen zu hassen lernte. Elemiharz und Labdanum schlagen erbsensuppenartig Blasen. Das Wort Labdanum leitet sich übrigens vom syrischen "Ladan" ab, was "klebriges Kraut" bedeutet. Nur zur Abschreckung. Die Allerweltszutaten Kardamom und Koriander wirken wie No-Name-Darsteller, da man das Budget schon für die Special Effects verplempert hat. Als sich dieser planlose Dunst bei mir gerade zum "Ali Baba light" entwickeln will, verlautet aus gut unterrichteten Kreisen, dass "1740" ein...äääh..."Waldduft" sein soll?! Robin Hood - Männer in Gaultier-Strumpfhosen?

Was das nun alles mit Marquis de Sade zu tun hat, weiß selbst Gérald Ghislain, bekennender Lebemann und Schöpfer des etwas löchrigen "Histoires de Parfums"-Konzepts, nicht so genau; er merkt gerade mal an, dass der Duft dem Marquis bestimmt gefallen hätte. Wahrscheinlich wäre der gar nicht wählerisch gewesen, denn wie alle geschichtsinteressierten Parfümliebhaber mal nachgelesen haben, stank es im Paris des 18. Jahrhunderts entsetzlich.
7 Kommentar-Auszeichnungen

Armani Code for Her von Giorgio Armani

Samstag, 13. März 2010 um 03:59 Uhr

Auf vielfachen Wunsch:

Klein-Dani, die 1986 in eine Welt hineingeboren wurde, in der CC Catch, Modern Talking und Tina Turner die deutschen Charts beherrschten und im TV "Miami Vice" lief, nach dessen Farbvorgaben die Kinderzimmerwände gestrichen wurden, ist eine Süße. Sie liebt Zuckerwatte vom Rummelplatz über alles, huscht in der Frühstückspause mal schnell zum Bäcker nebenan, um sich ein Puddingteilchen zu holen und kippt sich dann "Flotte Biene" in den Früchtetee, weil das so totaaaaaal praktisch ist. Und wenn der Büroalltag mal zu stressig wird, greift sie zu "Nimm 2", denn Naschen ist gesund.

"Armani Code For Her" gehört zu den Düften, deren Trägerinnen ich am liebsten mit den Worten "Schön dass du mal reinschaust, wann willst du wieder gehen?" empfange :)
4 Kommentar-Auszeichnungen

Undo von Annayaké

Freitag, 12. März 2010 um 00:55 Uhr

Mehr Schein als Sein

Tschuldigung liebe Douglas-Kunden, es mag sehr arrogant klingen, aber wer sowas kauft, hat meiner Meinung nach die Nase am Eingang abgegeben. Zumindest sollte er sich nicht Parfümfreund nennen.

Das Verwerfliche hier sehe ich in der Tatsache, dass wir es mit einem tolldreisten Hochstapler zu tun haben. Undo (welches übrigens eine recht unglückliche Namenswahl ist, da es sich nicht um das technische Rückgängigmachen handelt, sondern um das japanische Wort für Bewegung) blendet für immerhin 64,90 mit fernöstlicher Spiritualität, Ästhetik und Eleganz, aber hinter der hohlen Fassade eines würzig-frischen Eau de Toilette in einer geschmäcklerischen Blumenvase steckt kaum mehr als billige Synthetik, die sich nicht einmal bemüht, ihr Unwesen zu verschleiern. Selbst Laien sollten dies erkennen können, wenn ihr Handgelenk irgendwie nach Hugo Boss riecht.
9 Kommentar-Auszeichnungen

Challenge von Lacoste

Donnerstag, 11. März 2010 um 20:00 Uhr

Duftest du noch oder halluzinier ich schon?

Die wahre Challenge bei diesem Bachblütenauszug war wohl, den Parfümeur vor die Frage zu stellen, wieviel Liter Wasser ein Zitronenbonbon verträgt bis der letzte Käufer abspringt. Wird sowas in 5-Liter-Kanistern verkauft?
7 Kommentar-Auszeichnungen

Basala von Shiseido

Donnerstag, 11. März 2010 um 14:25 Uhr

Philosophisches Kauderwelsch

Basala (vorm. Basara) war ein Geruchs-Statement für alle, die gern mit der Brechstange an ihrem Image arbeiten, um nur nicht wie die Masse zu riechen. Die Fingerabdrücke von Serge Lutens sind unverkennbar; wahrscheinlich ist er hier mal am Labor vorbeigeschlendert, während Dominique Preyssas versuchte, Kastanien in der Pfeife zu rauchen.

Das Zeug riecht so entsetzlich, wie es die Duftpyramide verspricht - ein frischluftloses, böses, krautiges, kompottartiges, chemiekeulenhaftes, knochentrockenes, balsamisches, harziges, ranziges, bitteres, süßes, muffiges, würziges, orientalisches Männer-Chypre. Oder so. Mit Sellerie-Einlage! Da sowas für den westlichen Markt weit over the top war, dichtete man ihm schnell noch etwas fernöstliche Mystik an (Basara/Basara jap. = frei, unkonventionell), was aber auch nicht mehr half. Das Ding floppte und wurde eingestellt. Meine Trauer hält sich in Grenzen.
1 Kommentar-Auszeichnung

Blu Mediterraneo Mirto di Panarea von Acqua di Parma

Donnerstag, 11. März 2010 um 01:10 Uhr

Hier fahren wir nächstes Jahr wieder hin

Die Myrte, ein Symbol für Liebe und Treue, als Öl auch Engelswasser genannt, gern gesehen als Küchenkraut bei mediterranen Barbecues, antiseptischer Schleimlöser im Hustensaft, Beruhigungsmittel, Katzenklo-Geruchstilger usw. usf...., hat hier die Namenspatenschaft übernommen. Sie hat nur einen klitzekleines Manko: Man findet sie nicht.

Dafür aber viel sonnige und unbeschwerte Italien-Urlaubsstimmung. 36 Grad, der Cinquecento hat einen Platten, die Kühltasche ihren Geist aufgegeben, die Kinder nerven und die zwei Dosen Fanta im Handschuhfach explodieren gerade. Schön orangig.

PS: Mirto di Panarea war mein zweiter Blu-Mediterraneo-Testkandidat an einem Tag. Hätte ich nicht vorher das wunderbare Bergamotto di Calabria kennengelernt, wäre er bestimmt noch etwas besser weggekommen. Er ist wirklich nicht schlecht, mir nur 'n bisschen zu pauschaltouristisch :)

Danke an Hermessenz.

5 Kommentar-Auszeichnungen

Blu Mediterraneo Bergamotto di Calabria von Acqua di Parma

Mittwoch, 10. März 2010 um 13:55 Uhr

Meine Freundin, die Bergamotte

Ich liebe die Bergamotte, dieses etwas bittere Zitrusfrüchtchen, das für mich die Grundlage eines jeden anständigen Parfums darstellt. Umso erfreulicher, dass sie im neuesten Neuzugang der Blu-Mediterraneo-Serie von AdP ganz speziell gefeatured wird.

Ich kenne bisher nur drei BM-Düfte, von denen aber ist Bergamotto di Calabria der herbste. Selten war eine spartanische Duftpyramide so vielsagend wie die oben angegebenen, sehr übersichtlichen Noten. Die kalabrische Bergamotte, der am Start solidarisch die Zitrone zur Seite steht, roter Ingwer und eine administrative Zeder sind hier die klaren Hauptdarsteller; der Oscar für die beste Nebenrolle geht an das gut wahrnehmbare, aber gemeinschaftsdienlich auftretende Vetivergras. Gutes Script.

Die Gesamtkomposition wirkt klassischer und nicht zuletzt durch die gänzliche Abwesenheit niedlicher Blümchen weniger verspielt als die beiden anderen mir bekannten BMs, nämlich Fico und Mirto. Gut geeignet für unsüß kalabrie...äääh kalibrierte Männernasen. BdC hat nicht so sehr diesen Cocktail-im-Deckchair-Charakter, sondern ist etwas naturzugewandter, nach Bastian Sicks Adjektivtheorie sozusagen outdooriger. Und ja, hier sah ich zum ersten Mal ein wenig den Geist des von mir vergötterten Acqua di Parma Colonia durchschimmern.

Besten Dank an DeGe.
5 Kommentar-Auszeichnungen

Snow von Demeter Fragrance Library

Dienstag, 09. März 2010 um 16:00 Uhr

Bahn frei!

Hier kommt der nächste Maskierte. Lolita scheint größere Stückzahlen hergestellt zu haben. Ihre erste Probe versagte leider völlig, da sie in ein leeres Lempicka-Röhrchen abgefüllt war, was mich eher befähigt hätte, einen Kommentar zu "L" als zu Snow abzugeben.

Bei Snow dachte ich sofort an Dirt, ebenfalls aus der Demeter LoF. Wie meine Vorrednerinnen auch schon sagten, ist der Schneeduft eigentlich ein Schnee-Ambiente-Duft. Ich schnuppere hier wieder mit Patchouli gefakete Erdtöne und die bei einem verzweifelten Rodelbremsmanöver ausgerissenen Grasbüschel. "Angerostete Schlittenkufen" wäre auch ein prima Titel für diesen Duft gewesen, denn die frostigen Temperaturen klirren metallisch. Und drinnen wartet schon Mutti mit einem heißen Fichtennadelschaumbad auf die dreckigen kleinen Blagen. Irgendwie erinnert mich der Duft an Calvin & Hobbes :)
4 Kommentar-Auszeichnungen

Labyrinthe Libertin von Le Prince Jardinier

Montag, 08. März 2010 um 16:28 Uhr

Wirrgarten

Le Prince Jardinier, der Gärtnerprinz, das ist Louis Albert de Broglie, seines Zeichens leidenschaftlicher Züchter von über 650 Tomatensorten. 1995 hatte er die Idee, noble Gartengerätschaften zu verkaufen, preislich leicht über dem gewöhnlichen Baumarktschnäppchen, und war damit so erfolgreich, dass er mittlerweile sechs passende Düfte für den angesnobten Gartenfreund nachlegte, wie man munkelt, alle Zutaten aus eigenem Anbau. Zu Lebzeiten zählte auch Salvador Dali zu Broglies Bewunderern.

Mit Labyrinth Libertin sind die typischen, mit dem Lineal beschnittenen labyrinthartigen Buchsbaumhecken gemeint, die sich manche Monarchen gern mal aufs Gelände stellten. LL soll an einen französischen Garten im Morgentau erinnern, aber sagen wir's mal so: die Anlage kann nicht allzu groß sein, denn die Pflänzlein wirken in ihrer Vielzahl etwas gedrängt.

Es beginnt vielversprechend grün und frisch mit nur minimalen Zitrusanklängen, worauf gar nicht mal zimperlich eine leicht süßliche Blümchen-Armada über das Labyrinth herfällt und mich nochmal nachsehen ließ, ob da wirklich unisex dransteht.

Um die männlichen Hobby-Gärtner nicht zu verschrecken, wird die florale Hibbeligkeit im Finish aber von etwas kräftigeren Gesellen zusammengehalten: Rosenholz, Ambra, Moschus, Zedernholz, Vetiver und natürlich die Buchsbaumblätter, denen zumindest auf dem Papier eine zentrale Rolle zugeschrieben wird.

Als gelernte Buchsbaumheckenfachkraft, die von der Hausherrin einmal im Jahr mit der Wolf-Schere in den Garten gejagt wird, um dieses Zeug zu stutzen, hatte ich allerdings kein Aha-Erlebnis. So spektakulär finde ich unsere Buchsbaumblätter auch nicht.

Das sollte jetzt aber alles gar nicht so negativ klingen, der Duft ist durchaus ein Netter.
3 Kommentar-Auszeichnungen

Philosykos von Diptyque

Montag, 08. März 2010 um 02:37 Uhr

Kokos-Kokolores

Herrje, wieder ein Duft-Anschlag auf mich. Feigen! Sowas hasse ich schon in verschrumpelter Form hinter Cellophan. Ich dachte immer, wenn man Lutens durchhat, ist die Gefahr gebannt. Aber nein, auch Olivia Giacobetti, die selbst Kleinkindern Vorschriften in Sachen Körpergeruch macht (Baby Guerlain, 2005), engagiert sich hier für die Welthungerhilfe. Und dabei ist es noch nicht mal die Feige, die mich bereits vor dem zweiten Gang sättigte, sondern diese impertinente karies-auslösende Kokosnote. Riecht exakt wie Ehrmann-Joghurt.

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