TVC15's Kommentare zu Parfüms (163)
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Sun Men von Jil Sander
Donnerstag, 25. Februar 2010 um 01:12 Uhr
Kuschelweich
Nette Idee, Toby, ich hab's gerade auch mal rausgekramt.Viele Stimmen sagen "langweilig" und "eckt nicht an". Das mag richtig sein, sehe ich aber nicht als entscheidendes Kriterium, wenn man sich mit (oder in) dem Duft vorrangig erstmal selbst wohlfühlen will und sich weniger Gedanken darum macht, ob der Clive Christian auf der Piste denn nun auch erkannt und genügend gewürdigt wird.
Sicher ist der Sunnyboy keine Revolution auf dem Gebiet der Herrendüfte, aber eines kann ich nicht leugnen, SM macht gute Laune statt Kopfschmerzen. Und obwohl er mit der überstrapazierten Meeresfrische von Calone recht synthetisch ist, kann ich das hier gut tolerieren. Vielleicht macht die freundliche orange-weiße Verpackung sämtliche Kritik zunichte, aber mir fallen nur Attribute wie frisch, sauber, hell, fluffig oder Wäscheleine ein. Und ich bin alles andere als ein Sonnenfetischist.
SM ist natürlich recht niedlich, aber das "süß" unten im Tortendiagramm scheint sich eher von der Damenversion hierher verirrt zu haben. Die sowieso keine Frau braucht, denn wenn SM nicht unisex ist, habe ich den Begriff nie verstanden.
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Comme des Garçons Parfum von Comme des Garçons
Dienstag, 23. Februar 2010 um 21:05 Uhr
Poison
Erstmal vielen Dank an Murcielago für die Probe. Dafür darfst du meine Headline natürlich gerne haben :)Da ich bisher noch keinerlei Kontakt mit CdG hatte, war es sicherlich nicht ganz falsch, chronologisch anzufangen. Der erste Duft dieses, in der Modewelt skandalträchtig gestarteten Labels wurde im Jahr 1994 von Mark Buxton kreiert, der "Wetten Dass"-Supernase, die später weltweit Karriere machte. In seinem Briefing stand wahrscheinlich, er möge etwas richtig Schräges und Gefährliches machen, denn die Düfte von "Wie Jungen" (= CdG) sollten laut Rei Kawakubo keine netten Allerweltswässerchen, sondern knallharte "Non Perfumes" mit Industrie- und Alltagsgerüchen diverser Kulturen werden. CdG wurde mit der tagline "Works like a medicine and behaves like a drug" vermarktet, was eigentlich viel zu lieb klingt.
Die anarchistische und bösartige Mixtur hat Murcielago in ihrem Kommentar schon bestens beschrieben. Nachtragen möchte ich den alkoholischen Aspekt. In den vergifteten Gewürzkuchen gehört meiner Nase nach noch ein guter Schuss Rotwein oder sogar Sherry. Und etwas verkokeltes Plastik, ein nicht ganz stubenreiner Meerschweinchenstall, ein paar Räuchermännchen aus dem Erzgebirge, eine Tasse ekliger Öko-Tee und und und...
Interessiert habe ich gelesen, dass nicht nur mein Pröbchen, sondern auch der Original-Flakon in Plastik eingeschweißt ist. Ich nehme an, das hat pragmatische Gründe. Welche Parfümerie möchte schon mit einer Ausnüchterungszelle verwechselt werden?
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Miyabi Man von Annayaké
Dienstag, 23. Februar 2010 um 01:03 Uhr
Zwanghaft nett
"Tschuldigung, dass ich störe, darf ich mal den Sprüher drücken?" möchte man diesen introvertierten kleinen Saubermann fragen. Man scheint es mit der EdT-Version der Knigge-Benimmregeln zu tun zu haben. Miyabi möchte nichts falsch machen, spricht nicht laut, und hat die Manieren mit dem Löffel gefressen. Man kann ihm noch nicht mal richtig böse sein, obwohl es wahrscheinlich mehr als 456 Düfte gibt, die genauso duften. Die übliche frischgewaschene Zitrus-Blümchen-Holz-Nummer eben.Eigentlich mag ich Zitrisches sehr gern, und es kommt hier wirklich nicht zu kurz, nur ist es quälend zaghaft und devot. Machen wir das Fläschchen lieber wieder zu, bevor sich der Kleine noch verkühlt. Gutnachtchen und schlaf schönchen, aus dir wird bestimmt mal ein Muster-Schwiegersohn.
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Antidote von Viktor & Rolf
Sonntag, 21. Februar 2010 um 20:40 Uhr
Chamäleon
Gegengift, wie konntest du mich nur so zum Narren halten? All meine Liebe wollte ich dir schenken in der Annahme, du wärest so grün wie es deine Farbe verspricht. Zwei Duftphasen lang hieltest du mir die Treue mit frischer Bergamotte, kühler Minze, floraler Eleganz und sakraler Mystik. Doch für einen Moment ließ ich dich aus den Augen und du wurdest zum harzverschmierten Gewürzregal-Sultan. Traurig.PS: Wo wir doch immer so musikinteressiert sind: Antidote ist der Signature-Duft von Rufus Wainwright. Passt!
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Freigeist von Wolfgang Joop
Sonntag, 21. Februar 2010 um 02:52 Uhr
Geistfrei (aber nicht gänzlich unsympathisch)
So, jetzt habe ich ihn auch mal testen können. Wie Kankuro schon sagte, ganz klar ein Crowdpleaser, also ein Duft, zu dem Lieschen Müller ihren parfümierungskritischen Gatten überreden soll. Ok, Joops Anbiederungsmentalität mag etwas verwerflich sein, ist aber doch auch nichts anderes als das, womit Calvin Klein schon seit Jahren seine Brötchen verdient.Da wir bisher nur Enttäuschungsbekundungen, aber kaum was zum Duft gehört haben, versuch ich's mal: Freigeist möchte gern anspruchsvoll und elegant rüberkommen, aber die billigen und sehr synthetischen Zutaten verhindern das leider weitestgehend. Ich sage leider, weil ich dem theoretischen Ansatz, nicht ganz so holzfällermäßig wie "Hugo" durchs McDonalds zu stampfen, durchaus einige Sympathien abgewinnen kann. Daraus hätte man mehr machen können.
Die angegebenen Duftnoten können nur fragmentarisch sein, denn außer den durchaus wahrnehmbaren Prozenten in Form von Gin (eher Gin Fizz a la L'Eau D'Issey) und einem Hauch von Jasmin (a la Acqua Di Gio und 281 anderen bei Parfumo gelisteten) haben wir es hier wieder tonnenweise mit fruchtiger und immer etwas zu süßlicher Aquatik (schätzungsweise Calone) zu tun.
Etwas unentschlossen münden die lieblichen Mittelnoten in einen überraschend männlichen Holzakkord, der aber dummerweise schon wieder mächtig nach Plastik müffelt. Mahagoni, soso! Einigermaßer überraschend war das aber noch nicht der Schlusspunkt, denn nun beginnt das Laminat, mit dem nimmermüden Frische-Spuk um die Wette zu pulsieren. Ungewöhnlich. Vielleicht auch ein kleines Lehrbeispiel dafür, dass künstliche Marine-Noten immer unkaputtbarer werden, denn so unbefriedigend die ganze Sache auch sein mag, ein gewisses Durchhaltevermögen lässt sich nicht leugnen.
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Boss Bottled von Hugo Boss
Samstag, 20. Februar 2010 um 15:24 Uhr
Naturtrübe Massenware
Da mir der VW Golf unter den Herrendüften gerade in Form einer unverlangten Probe über den Weg lief, muss ich nun auch mein Dauergenörgel zum Besten geben.Boss-Düfte sind durch die Bank so einfallsloses Abzockertum, dass sie mir völlig auf den Keks gehen. Die Parfümeurin bekam anscheinend die plärrend künstliche Grundmischung von "Hugo" in die Hand gedrückt mit den Worten: "Kipp mal'n bisschen Apfelsaft dazu!"
Dass sich sowas verkauft wie geschnitten Brot, ist klar, dass aber selbst unsere Parfumo-Expertennasen es loben, in der gleichen Ecke aber einen gar nicht mal sooooo üblen Duft wie Joops Freigeist verdammen, wundert mich etwas.
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Soir de Lune von Sisley
Samstag, 20. Februar 2010 um 02:04 Uhr
Breitwand-Chypre
Eigentlich wollte ich mich in spontaner Begeisterung direkt an Kankuros Worte hängen und hatte mein Loblied auch schon fertig geschrieben, als ich am Morgen nach dem Test mein Arbeitszimmer betrat und die schmalzig-bittere Rosenwolke, die dort in der Luft hing, definitiv zehnmal schlimmer empfand als kalten Zigarettenrauch. Das große Problem des wahrscheinlich sehr guten "Soir De Lune" ist für mich seine maßlose Dauer. Es hält unnötigerweise ewig, wird aber, nachdem es sämtliche Schönheit verbraucht hat, zur Qual. Hier folgen die etwas abgeänderten Fragmente meines Erst-Reviews:1974 erschien "Eau De Campagne", 1990 "Eau de Soir" und wiederum genau 16 Jahre später "Soir De Lune". Bei Sisley kennt man keine Hektik oder Halbgares. Nachdem Eau De Soir bereits die höchsten Erwartungen erfüllte, wurde an Soir De Lune nicht weniger als acht lange Jahre gearbeitet. Das riecht im wahrsten Sinne des Wortes nach Perfektion. Dominique Ropion hat hier sein Meisterwerk abgeliefert, wiederum ein fruchtig-florales Chypre von gewaltiger Größe. Wobei er das Rad keineswegs neu erfand, aber mit einiger Stilsicherheit und nahezu pedantischer Akribie ans Werk ging, um Eau de Soir in die Schranken zu weisen.
SDL hat einen freundlichen, aber sehr sehr bestimmten Ton. Es ist eine Diva (hallo Ungaro :), die sich ihrer makellosen Schönheit in jedem Moment bewusst ist, Forderungen stellt und Gegenleistungen erwartet. Nichts fürs Posiealbum oder kleine Modepüppchen. SDL schreit nach Luxus, Eleganz und der selbstbewussten Frau. Nicht von ganz ungefähr erfreuen sich die abendlichen Sisley-Dinger einiger Beliebtheit an europäischen Königshäusern.
Vielleicht ein paar Worte zum eigentlichen Duft? :) SDL startet frisch, aber Zitruspanikerinnen sollten keine Angst bekommen, denn Bergamotte und Zitrone sind schon hier mit feinen Gewürzen versehen, wie geschaffen für den geschliffenen Übergang zu den floralen Mitteltönen. Was mich an dieser Stelle etwas verwunderte, war, dass ich doch eigentlich gar keine rosigen Düfte mag, SDL mir aber unmissverständlich klarmachte, dass es keinerlei Einwände duldet, denn die Rose - hier unter dem Namen Zentifolie zu finden - gehöre zweifelsfrei hierhin und ich solle die Klappe halten. Und wer mag dieser Lady wohl widersprechen? Die vornehme Grundfrische zieht sich derweil weiter durchs Thema und erinnerte mich (wieder mal) ein wenig an No. 19. Eine weitere Meisterleistung folgt im Übergang zur Basisnote, welcher so raffiniert ist, dass man/frau ihn leicht verpasst und sich dann etwas wundert, woher denn plötzlich die opulente, aber keineswegs aufdringliche Gravität kommt. Verbindendes Glied ist hier der Honig, der den schwereren Zutaten wie Moschus, Patchouli und Sandelholz den Weg ebnet und ein ziemlich schwüles Finale einleitet, das einen erotischen, fast schon animalischen Eindruck erweckt und nicht ganz jugendfrei ist.
Die billigen Rohstoffe, die Luca Turin in den beiden Düften vermutet (Soir De Lune und Eau de Soir bekamen eine unterirdische Wertung von ihm) konnte ich beim Test überhaupt nicht bestätigen, aber evtl. hat er Recht, denn die Kopfschmerzen kamen, allerdings erst am Morgen danach.
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Black Orchid von Tom Ford
Donnerstag, 18. Februar 2010 um 04:29 Uhr
Erbarmen, Maitre Tom!
Black Orchid riecht für mich nicht groß anders als viele umweltbelästigende orientalische Nervengifte, hat aber durch seine aalglatte Geschliffenheit zusätzlich noch einen Hauch von Börsennachrichten. Und sollte aufgrund seiner Lebensmittelaromastoffe, die sich jenseits von gut und böse bewegen, lieber in Dessertschälchen gereicht werden. Was das Ganze mit Orchideen zu tun hat? Vanille ist eine Orchideenart. Ja, da isses wieder, das aufdringliche Zeug. Unter Bergen von Trüffeln, Schokolade und vergammelten Obst.Wenn mich jemand sucht, ich gehe mal um den Block, frische Luft schnappen.
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Coco Mademoiselle von Chanel
Donnerstag, 18. Februar 2010 um 02:41 Uhr
Burschikoses Blumenmädel mit leichten Ambitionen
Nein, es wird keinen Verriss geben, denn Jacques ist mein Freund :) Aber mir fehlt der Background, sämtliche Chanel-Damendüfte zu kennen, weshalb ich die Mademoiselle losgelöst von allen Mamas und Tanten beurteile.Zuerst stimme ich mal DeGe zu, dass die Kleine recht frisch daherkommt, was für mich schonmal ein Riesen-Pluspunkt ist. Aber auch das Zappelige habe ich bemerkt. Nach der schnell entschwindenden Kopfnote weiß Klein-Coco nicht so ganz, wo sie hin will, Business-Coaching oder Heidi? Es wird kurz etwas süßlich, worauf die Bergamotte mit erhobenem No.19-Gedächtnis-Zeigefinger zurückeilt, "Ja aber, ich wollte doch nur..." ... "Klappe, sonst rufe ich Onkel Vetiver!" Leichte Unstimmigkeiten beherrschen die Herznoten-Szenerie - nicht ganz so souverän, wie ich Chanel kenne.
Alles was folgt, könnte sogar in einem modischen Weichei-Herrenduft untergebracht werden. Wäre es zu gewagt, wenn ich hier Issey Miyake oder Vera Wang trapsen höre? Will sagen: Bergamotte, Patchouli, Vetiver, Moschus... so kleinmädchenhaft ist das eigentlich nicht, und man(n) ist ja nun auch schon einiges an Süßstoff und Lieblichkeit gewohnt. Glücklicherweise hält sich die Horrorkombi Orangenblüte/Vanille sehr vornehm zurück, was zumindest meiner Vorstellung von einem klassischen Chanel-Chypre doch noch eine Chance lässt.
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