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Tivellon's Kommentare zu Parfüms (13)

Kommentare 1 - 10 von 13

3 Kommentar-Auszeichnungen

Note Poudrée von M. Micallef

Dienstag, 10. August 2010 um 20:01 Uhr

Frolleinschen mit unartigem Kater

Hm, naja... bin enttäuscht. Die Duftnoten lesen sich gut, es gibt so wunderbare Beschreibungen, der Name ruft "Verlockung" und auch der Flakon gefällt mir.

Nur leider riecht Note Poudrée für mich altbaksch und nicht im Mindesten puderig, sondern unangenehm blumig-süß. Als wäre man bei einem "alten Frollein" zu Besuch und auf dem mit Nippes zugestellten Buffet steht auch ein konfuser Strauß Blumen. Blütenstaub und welke Blütenblätter liegen bereits um den Fuß der Vase herum. Da ist ein ganz bisschen Pfirsich im Hintergrund, aber der reißt das Ruder auch nicht mehr herum.

Der Duft erinnert mich auch an Omas Lieblingsseifen.

Jasmin und Rose habe ich kaum wahr genommen, mehr ein wildes Durcheinander div. muffiger Blumen. Mit der Zeit wird der Duft jedoch etwas cremiger - nicht puderiger - und das Durcheinander der Blumen wird irgendwie klarer.

Allerdings scheint die alte Dame - Pardon! - das "Frolleinschen" - auch Katzenbesitzerin zu sein. Und entweder hat sie es nicht so mit der Reinigung der Katzentoilette (sie hats sicher im Kreuz) oder sie bringt es nicht übers Herz, ihrem Kater die Eicherchen entfernen zu lassen. Bei einem tiefen Schnüff rieche ich doch tatsächlich einen – zwar hintergründigen – Katzenpipigeruch à la "Geht nicht mehr aus dem Teppich raus".
8 Kommentar-Auszeichnungen

Havana Vanille von L'Artisan Parfumeur

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 22:26 Uhr

Maître - reiche mir ein Lätzchen!

Mein Kopfkino zeigt mir gleich im Auftakt etwas Edles: Eine gediegene, geschmackvolle Küche (viel dunkles Holz, ausschließlich liebevoll ausgesuchte Gerätschaften) und eine Edelstahlschale, in der eine luftige Creme aus Vanille, Butter und Rum angesetzt wird. Ich höre das regelmäßige "Schrab-schrab" des Schneebesens und wahrscheinlich sitze ich dem Maître gerade mit den Füßen baumelnd gegenüber und wische mir die zusammenlaufende Spucke aus den Mundwinkeln. Duftet aber auch wirklich zu köstlich!

Als der Maître die bereits fein gehackte, dunkle und himmlisch riechende Schokolade von einem duftigem Brettchen aus wunderschönem, altem Holz in die luftige Masse schiebt, werden meine Pupillen riesig und ich bekomme einen Tunnelblick.

Durch die offenen Fenster fallen lange Strahlen goldenen Nachmittagslichtes, in dem sich feinste Partikel wie Elfenstaub trudelnd zeigen. Geschäftige Stille, in der niemand redet. Gerüche, Vorfreude. Kennt ihr diese wunderschönen Momente, in der die Zeit still zu stehen scheint? So einen Moment empfinde ich jetzt.

Nun schlägt der Meister eine gestärkte Serviette für mich auf, schiebt eine kleine Vase mit wenigen, ausgesuchten Blumen aus dem angrenzenten Garten dazu und richtet mir so – mit seinen nach süßem Tabak duftenden Händen – ein kleines Tellerchen zum Probieren an.

(Ich glaub, ich floss wie eine von Dalis Uhren von der Anrichte herunter...)

Das ist für mich Havanna Vanille. Toll - obwohl er mir auf Dauer leicht auf den Magen schlägt.
1 Kommentar-Auszeichnung

Vanille Intense von Parfums de Nicolaï

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 22:20 Uhr

Piraten-Lagerfeuer

Erster Eindruck: Zitronig-frisch.

Kurz darauf kommt bei mir eine ganz starke Lagerfeuer-Rauchnote durch, ich assoziiere auch eine salzige Meeresbriese und alte, offene Holzfässer voll Rum.

Und was ergibt das zusammen? Ich habs: Piraten-Freudenfeuer!

Gesellte sich da jetzt gerade ein Hauch von Popcorne dazu? Okay, dann kann ich mich ja entspannt zurücklehnen - offenbar bin ich nicht live vor Ort, sondern sehe lediglich nur einen "Film" über Piraten. Piraten, die gerade vielleicht von einer sehr erfolgreichen Kaperfahrt heimkehren und nun in karibischer Nacht mit viel Rum, süßen Köstlichkeiten und wild-lodernden Strand-Lagerfeuern feiern.

Der Duft ist anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Für ein "Vanille Intense" ist er mir zu wenig vanillig, zu wenig rund und dafür zu kratzig. Die sehr rauchige, beißende Rauchnote befremdet mich zudem in einem Parfum. Allerdings wird er nach einiger Zeit doch etwas runder, weicher und eine recht interssante, weil würzige Note von Piniennadeln mischt sich unter die ohnehin schon ungewöhnliche Vanille-Komposition.
5 Kommentar-Auszeichnungen

Fragrance d'Autore - Dolce Riso von Calé

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 22:00 Uhr

Apfelpuder

Im Auftakt hat er keinen guten Eindruck hinterlassen: Medizinisch, metallen, leicht stechend, sehr hell.

Dann Puder und Apfel - also Apfelpuder. (o;

Doch nicht verzagen! Rasch wird er dann so richtig lecker: Kommt doch da tatsächlich ein frischer Reisgeruch durch. Gekochte, wässrige, schneeweiße, aufgequollene, klebrige und wunderbar duftende Reiskörner. Dazu die frische Süße von Äpfeln. Riecht zwar wie ein diätisches Gericht, dafür aber gesund und lecker. Und wie man sich so fühlt bei Diäten, sprich: "tapfer, attraktiv, sich auf dem Weg befindend, aktiv etwas tun, schlanker, beweglicher, fitter..." so verbinde ich gerade genau diese Gefühle mit Dolce Riso.

Gut, nun habe ich also diesen frisch-fruchtigen, irdenen Duft aufgetragen und bin positiv und bester Dinge. Also, was stelle ich nun an?

... ich sehe mich gleich schon wieder nach den Puschen um (übertragen gemeint). Irgendetwas Gesetzteres kommt jetzt durch, das mir ein wenig den Aktivismus nimmt. Reis und Apfel sind noch da, aber im Hintergrung. Auch die lecker-leichte Nuance von Getreide mag ich (sie ist es auch, die mich dann doch "im Haus "hält), doch das Moschusaroma finde ich jetzt wieder ein wenig zu metallen und medizinisch.

Das müsste doch ein schöner, frischer und ganz spezieller Duft für die Moschus-Tonka-Liebhaber sein? Und für alle Joop! All about Eve-Fans.
5 Kommentar-Auszeichnungen

Alkemie von Laboratorio Olfattivo

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 21:42 Uhr

Scheherazades Duftteppich

Ein schwerer, süßer Duftteppich entrollt sich da mit geschmeidiger Eleganz. Die Zutaten lesen sich wie eine von Scheherazades Erzählungen aus "1001 Nacht":
Ylang-Ylang, Ambra, Weihrauch, Patschouli, Myrrhe, Atlas-Zedernholz und in der Basis Hölzer, Ambra, Vanille und Sandelholz.

Dieser Duft ist sehr opulent und dichtgewebt. Wie eine orientalische Nacht in einem Raum voll erlesen gekleideter Frauen in der Vorfreude auf ein gemeinsames Fest.

Feinste Gewebe wehen im Nachtwind, glänzende, schwarze Khol-Augen, Ornamente, die Sterne glühen kristallklar am Firmament und aus silbernen Schalen vermischen sich aromatische Räucherschwaden mit den Gerüchen fremder, exotischer Speisen. Sehr dicht und interessant, mir jedoch persönlich etwas zu fremd und zu süß.
3 Kommentar-Auszeichnungen

Alambar von Laboratorio Olfattivo

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 21:34 Uhr

Wohlwollen

Was für ein wunderschöner, kuscheliger, zarter, wohl ausbalancierter, gourmandiger Ambra-Traum!

Kakao, Ambra, Zimt, Vanille und nochmal Ambra – bleiben da noch Wünsche offen?
Durch die Bergamotte bleibt der Duft trotzdem immer lebendig, wach und – geschmeidig (jawohl!).

Dieser Duft wird nie trocken oder staubig, sondern bleibt stets sanft und cremig, vollmundig - ohne zu übersättigen. Der schönste Kakao-Duft den ich kenne!

Da blitzt wirklich ein Tässchen Kindheitserinnerung durch:
Stellt euch vor, ihr seid traurig... und eine liebevolle, fürsorgliche Person kredenzt euch wohlwollend eine bauchige Tasse mit heißer, köstlich-süßer, dickflüssige und wunderbar duftenden Schokolade MIT Sahnehäubchen und Schokostaub als Deko obendrauf! Genau so empfinde ich Alambar. Nicht nur edle, schwere, süße Schokolade, sondern auch Wohlwollen.

Trotz seiner relativen Sanftheit (für einen Ambra-Duft) hält er gut. Für mich spätestens zum nächsten Herbst ein Kaufkandidat.
7 Kommentar-Auszeichnungen

Fluo von Masakï Matshushïma

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 21:09 Uhr

Vor sich hin gärendes Obst-Stilleben mit Kindergalle

Sehr fruchtig. Üppig fruchtig. Im ersten Moment noch mit etwas Frische behaftet, die sich aber schnell wieder verflüchtigt. Für meine Nase entwickelt sich da ein überreifes Obst-Stilleben in schwüler, brütender Sommernachmittagshitze.

Wie ein Obstkorb auf dem Familienküchentisch, der längst vor sich hin gärt. Die Hitze hat alle vertrieben, es ist mucksmäuschenstill... bis auf eine penetrant brummende Fliege, die nicht mehr ganz konzentrische Kreise fliegt und... eine kleine Kinderhand, die sich aufgrund mangelnder Restkörpergröße ein wenig blind über den Tisch ihren Weg ins Obstkörbchen tastet.

Nun ein kurzes Geschmatze.

– Fliege –

Wilde Würgegeräusche.

- Fliege -

Plötzlich eruptionsartig ein nassen Platschen auf dem Küchenfußboden, ein kleines Schniefen.

- Fliege –

Dann lauthalses „Mama“-Geschreie und kleine Stummelbeinchen, die aus der müffelnden Küche fliehen.

- Fliege –

Und nun bleibt genau das zurück, was ich rieche: Ein ausgegöbeltes Mus aus zu reifen, dumpfen Beeren, Bananen und Mango, vermischt mit bitterer Kindergalle.

Beeren machen sich irgendwie nicht gut auf meiner Haut. Multiple Rouge von Humiecki & Graef riecht bei mir auch verboten. Aber an ein fröhliches Multi-Kulti NY-Straßengetümmel erinnert mich dieser Duft leider gar nicht. Es sei denn, die reiern gerade alle und bewerfen sich mit gammeligem Obst. *g*
2 Kommentar-Auszeichnungen

Carriere von Gendarme

Sonntag, 18. Juli 2010 um 18:39 Uhr

Königreich aus Seifenblasen

Obs die Kombination geballter Zitruspower von Limette und Zitrone plus Lavendel ist?
Für mich riecht Carriere im Auftakt Original wie das gute Spüli meiner Oma aus den 70er Jahren. Es muss Pril gewesen sein, denn ich durfte immer die runden Blumenaufkleber von der Packung auf die blass-gelben Kacheln über Omas rudimentärer Spüle kleben.

Komisch, was für längst vergessene Bilder ein Duft herauf beschwören kann. Als wir vor einigen Jahren nach dem Tod meiner Großmutter ihre Wohnung ausräumten, entdeckte ich 4 dieser Prilblumen... ich kann mich nicht mehr an das Aufkleben erinnern, doch nur ich kann sie dort gemeinsam mit Oma hingeklebt haben.

Jedenfalls riecht Carriere genau nach diesem Spüli-Wasser, mit welchem ich vor dem Haus die schönsten Seifenblasen zauberte und mir vorstellte, jede von ihnen enthällt eine von mir erdachte Welt, in die ich nach Belieben reisen konnte.

Für mich ist es also eine äußerst angenehme Spüli-Note, die sich nach einiger Zeit durch Flieder und Jasmin entschärft und lieblich-blumiger wird. Es schnuppert dann auch schon mehr wie ein Parfum als eine Reinigungslauge. Im Drydown wird Carriere bei mir puderig Bleu, sauber, durchsichtig Gelée-artig, lieblich, rein und frisch-blumig.

Die Haltbeikeit pendelt sich auf meinem Häutchen im unteren Mittelfeld ein.

Clair de Musc von Serge Lutens Les Salons du Palais Royal Shiseido

Samstag, 10. Juli 2010 um 16:40 Uhr

Ich würde dich so gerne lieben...

Der cremigste aber auch süßeste Moschusduft, den ich kenne!

Definitiv Moschus, aber ich komme nicht drauf, woher die Süße stammt. Iris rieche ich da kaum, eventuell eine verhexte Neroli? Nicht wirklich blumig, nicht wirklich vanillig, nicht wirklich Zucker, Honig auch nicht – jedoch eindeutig recht süß. Hält bei mir gute 5 Stunden und schwächt sich dann zu einem Keiko Mecheri – Loukhoum Eau Poudree-Hauch mit Moschus ab.

Ich würde ihn so gerne lieben! Aber er ist mir auf eine unerklärliche Art zu cremig-süß.
1 Kommentar-Auszeichnung

Simple Elements Perfect Cotton von Avon

Freitag, 09. Juli 2010 um 12:01 Uhr

Sehr viel Rose, sehr viel süß

... das ist mein erster Eindruck. Ja, und wo ist denn nun die Baumwollblüte, in die ich so vernarrt bin?
Ist auch da, aber inform einer ausgeprägten Waschmittelnote. Ungefähr so, als würde man das Waschmittel seines Vertrauens (Pulver) mit etwas Wasser in einem Schälchen zu Brei verrühren und sich dann mit der Nase drüber hängen.

Die Rose wird auf meiner Haut leider sehr künstlich und riecht gar nicht nach Rose, sondern nach künstlichem Blumenpotpourri unbestimmter Arten.

Ja und die Hölzer? Hm, so richtig nach schönen Hölzern schnupper ich da auch nichts. Lediglich, ähnlich wie beim Bali Bliss, eine künstliche Weichheit. Vielleicht sind sie das?

Perfect Cotton ist nicht gleich zum Weglaufen. Aber für meinen Geschmack viel, viel zu künstlich süß, was eigentlich sehr schade ist. Aus der Baumwollnote hätte etwas werden können. Ein "rattiger" Frische-Wäsche-Duft, dazu ein Hauch guter Hölzer, um die Vision von Sauberkeit zu erden und vielleicht noch eine ganz kleine Prise Lotus oder Wasserlilie - das wäre für mich "Perfekt Cotton".

Leider erfüllt Simple Elements Perfect Cotton das überhaupt nicht. Für meinen Geschmack bleibt er trotz der kribbelnden Waschmittelnote unschön künstlich süß.
Wahrscheinlich darf er jedoch als Wäsche- und/oder Raumduft bleiben.

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