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Die 50 neuesten Kommentare ausgezeichnete Kommentare »

Bewertung von Igraine
90%
4 Kommentar-Auszeichnungen
Igraine vor 5 Stunden

Zitrus-Pretiose

Das Leben ist hart und ungerecht. Da testet man sich während der unerträglichen Hitzewelle vor ein paar Wochen durch Unmengen kühlende Zitrus-Schnüffchen und findet nichts Genehmes - und jetzt, wenn einem bei fast winterlichen Temperaturen der Hintern abfriert, stolpert man zufällig und ganz unverhofft über ein Kleinod, das vielleicht der heilige Zitrus-Gral gewesen wäre.

Grain de Plaisir startet mit einer beeindruckenden Zitronen-Minze-Kombination. Die Zitrone (im Stück, bittere Schale + Saft) ist die schönste und natürlichste, die mir bisher in einem Parfum begegnet ist. Da ist eigentlich keinerlei Assoziation mit Entkalker, Putzmittel oder quietschgelben Plastikzitronen möglich. Dazu mischt sich die Minze, ebenfalls sehr natürlich und unaufdringlich. Das hat ein bißchen was von einem Cologne, wirkt aber überhaupt nicht billig oder altmodisch.
Zur ätherischen, frischen Zitronenminze kommt dann das, was mich bisher vom Testen dieses Duftes abgehalten hat: Sellerie. Fällt bei mir als Nahrungsmittel unter völlig ungenießbar und inakzeptabel, und auch das ätherische Öl aus Selleriesamen duftet zwar nicht direkt schlecht, war aber als heraussriechbare Parfumnote eher unvorstellbar. Bis jetzt. Hier ist der Sellerie eine perfekte frische, hellgrüne Ergänzung zur Zitronenminze. Sehr ungewöhnlich, aber dezent und absolut tragbar. Statt der in der Pyramide angebenen Myrte und Lavendel glaubte ich, ein bißchen Anis und Basilikum zu riechen. Ist aber auch egal, die Komposition wird jedenfalls zitrisch-krautig und ist noch immer wunderschön herb und erfrischend.
Die Basis ist eher unspektakulärer Moschus mit dezentem Vetiver, aber das große Kino davor lohnt einen Test.

Insgesamt für mein Empfinden ein sehr ausgewogener, herb-grüner Sommerduft. Paßt immer, erfrischt und macht gute Laune.
Mit meinem mangelhaften Rest an Schulfranzösisch hab ich "Grain de Plaisir" im ersten Moment zweifelnd als "Lustkörnchen" übersetzt, was zwar zur der bei ALZ erwähnten aphrodisierenden Wirkung gepaßt hätte, aber irgendwie nicht so naheliegend schien. Tatsächlich ist es wohl eher "Ein kleiner Moment der Freude", und das paßt auf jeden Fall. Leider auch, was die Haltbarkeit angeht: Die ist auf der Haut (oder meiner zumindest) nicht überwältigend und wirklich ein eher kleiner Moment. Aber auf Klamotten oder Haare gesprüht wird der Moment der Freude deutlich länger.
Bewertung von Apicius
70%
4 Kommentar-Auszeichnungen
Apicius vor 5 Stunden

Eine Überraschung aus Parma

Erst für kommende Woche soll der Verkaufsstart in Deutschland sein, doch eine freundliche Verkäuferin in der Galeries Lafayette zauberte für mich heute bereits einen Tester aus der Schublade.

„Der entwickelt sich noch“ - dieser Satz des Verkaufspersonals nach dem Aufsprühen klingt immer wie ein hilfloser Rechtfertigungsversuch, eine Notlüge, um der allzu kritischen Miene des Kunden ausweichen zu können. Sicher legte sich auch meine Stirn in Falten: Colonia Essenza ist - ein Kölnisch Wasser!

Deutlich und bestimmend präsentiert sich die Neroli-Note in jenem typischen Akkord, der aus der Frühzeit der Parfumerie auf uns gekommen ist. Ohne Zweifel ist der hier sehr fein gemacht. Sehr duftig und trotzdem recht standfest, mit schönem floralen Touch. Etwas, was ich zunächst als minimal verwendete aquatische Frischenote auszumachen glaubte, erkenne ich beim Blick auf die Pyramide als Maiglöckchen - sehr gelungen! Und drunter gibt es ein recht trockenes, etwas puderiges Fundament.

Colonia Essenza ist freilich kein flüchtiges Cologne, sondern ein ausgewachsenes Eau de Toilette, wenn nicht sogar Eau de Parfum. Es ist durchaus haltbar. Nachdem ich zwischendurch geduscht hatte, flog mich der Duft abermals an, nachdem ich meine Jacke anzog. Am Jackenärmel, der beim Aufsprühen etwas abbekommen hatte, haftete noch nach Stunden eine komplette zweite Portion davon. Die Frage, wie man die eigentlich flüchtigen (natürlichen) Zitrusöle so haltbar bekommt, stellen wir natürlich nicht…

Colonia Essenza ist angenehm und schön, fällt aber keinesfalls aus dem traditionellen Konzept heraus - wie man das etwas bei der entsprechenden Komposition von Pierre Guillaume - Papyrus de Ciane - erfahren kann. Es bleibt im klassischen Rahmen. Ich finde, über die Kölnisch-Wasser-artigen Parfums lässt sich sagen: Kennt man einen, kennt man alle. Somit sicherlich kein Kaufkandidat für mich, denn mit dieser Duftrichtung bin ich allemal überversorgt. Näheres, auch eine Auseinandersetzung mit den sicher vorhandenen feinen Unterschieden bliebe einem groß angelegten Kölnisch Wasser Vergleichstest vorbehalten.

Für sich betrachtet darf man schon die Frage stellen, ob die Welt auf dieses Colonia Essenza gewartet hat. Doch innerhalb der zitrischen Colonia Reihe dieser Marke macht es durchaus Sinn, die bisherigen Interpretationen durch ein Kölnisch Wasser zu ergänzen. Ich finde es angenehmer als Colonia Intensa und Colonia Assoluta,. An das legendäre Aqua di Parma Colonia reicht es aber nicht heran. Dennoch: Aqua die Parma Fans werden sicher nicht enttäuscht sein. Und der Flakon ist wirklich schön!
1 Kommentar-Auszeichnung
Enzo vor 5 Stunden

Noch modriger war das frühere GG

Ich kenne nur das alte nicht reformulierte GG aus meiner Jugendzeit. Da hat DeGe53 recht – modrig, moorig und feuchtes Holz, fast etwas von Altbaukeller. Ich mochte das sehr. Die Mädels jedoch nicht so. Jetzt würde ich es nicht mehr nehmen. Zuviele Komponenten, nicht straight genug.
Bewertung von Apicius
70%
2 Kommentar-Auszeichnungen
Apicius vor 6 Stunden

Rose auf Holz

Schlecht ist der nicht. Wenngleich eine etwas chaotische zitrische Kopfnote in eine moschuslastige scharfe Seifigkeit führt, die zunächst an Chanels Allüren erinnert. Doch das legt sich nach einer Weile. Jetzt wird der Duft schön. Es tritt eine attraktive floral-würzige Note hervor. Ich rieche insbesondere rosenartiges Geranium, das von den Zitrusresten der Kopfnote zusätzlich aufgehellt wird. Dahinter verbirgt sich Patchouli und anderes, sodass ich zunächst den Eindruck hatte, es mit einem Chypre zu tun zu bekommen.

Doch gefehlt, der Patchouli verblasst plötzlich und trockene Hölzer kommen hervor, meinetwegen auch etwas Vetiver. Dass es sich dabei um die Note Kaschmirholz handeln soll - darauf wäre ich nicht gekommen, und eigentlich glaube ich es nicht. Es riecht eher wie trockenes Sanderholz, meinetwegen mit einem +X. Und hiermit klingt der Duft dann lange und dezent aus, wobei die rosenartige Würze erhalten bleibt.

Das ist schön, mit so etwas kann man mir gefallen. Begeistert bin ich trotzdem nicht. Z Zegna Extreme ist ein mittelpreisiger Duft, den es ab gut 40 € zu kaufen gibt. Wer jedoch auf den chaotischen Start, die unangenehme scharfe Seifigkeit zu Beginn, die überflüssige Chypre-Andeutung in der Herznote verzichten kann und lieber gleich leichte, dezente Rose auf trockenem Holz genießen möchte, der besorge sich für kleines Geld das Parfum Sandelholz von Parfum-Individual Harry Lehmann, 10 ml für 4,50 € zuzüglich Flakon.
Manya vor 6 Stunden

Schöner Flakon

Nicht schlecht, aber auch kein Parfüm was mich umhaut. Am Anfang riecht es recht frisch, fängt dann aber an schwer und süß zu werden. Fand den Duft mal recht schön, mittlerweile steht er im Schrank, daher bekommt er im Moment keine gute Bewertung. Mal schauen, evtl. kommt er im Winter wieder raus.