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Bois des Îles (1926) von Chanel
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Bois des Îles (1926)

von Chanel (1926)  
100%
3 Bewertungen

Details

Verfügbarkeit: Im Jahr 1926 erschienen, wird noch produziert.
Parfümeur: Ernest Beaux

Duftnoten

Kopfnote: Aldehyde, Bergamotte, Koriander, Neroli, Pfirsich
Herznote: Flieder, Iris, Iriswurzel, Jasmin, Maiglöckchen, Rose, Ylang-Ylang
Basisnote: Amber, Benzoe, Moschus, Opoponax, Sandelholz, Tonkabohne, Vetiver

1 Kommentar zu Bois des Îles (1926)

Profumo - Mittwoch, 09. Juni 2010
100%
Ein exotisches Soufflé
7 Kommentar-Auszeichnungen
Die zwanziger Jahre in Paris: die Hautevolee erging sich in rauschhaften Festen, die zumeist unter einem exotischen Motto standen. Häufig war es die Begeisterung für den fernen afrikanischen Kontinent die Pate stand, und man vergnügte sich im ‚Bal nègre’, tanzte extatisch zu Jazz- und Dixie-Klängen und huldigte Josephine Baker, dem ersten schwarzen Superstar. Mode, Schmuck und Kunsthandwerk war ebenso häufig von Afrika inspiriert und so war es kein Wunder, dass die Begeisterung für Exotisches auch nach einem exotischen Duft verlangte. Coco Chanel und ihr Parfumeur Ernest Beaux nahmen dieses Bedürfnis auf und kreierten einen Duft voller exotischer Blumen und Hölzer, feinen, rauchigen Opium-Nuancen und den für das Gespann Chanel/Beaux so typischen Aldehyden. Es wurde ein opulenter, sonnendurchfluteter, von heißen Winden durchwehter fröhlicher Duft von starker Substanz, der sich bei aller Fülle eine gewisse Leichtigkeit und grazile Aura bewahrt – ein Duft, der auf der Haut und in der Luft förmlich zu fremden Rhythmen tanzt. Ein Duft, gänzlich ohne schwere und lastende Süße, ein Duft, so beschwingt – ja fast beschwipst – wie die ganze Josephine Baker und ihrem Bananentanz huldigende Pariser Gesellschaft. Ein Duft der seiner Zeit um viele Jahre voraus war und dessen Modernität erst heute so richtig auffällt, da er in keiner Weise altmodisch oder überholt daherkommt, sondern ganz im Gegenteil: nach wie vor wirkt er frisch und vital, zeitlos modern - wie die Kunst Picassos oder die Architektur des Bauhauses.

Viele Jahre später schließlich diente ‚Bois des Iles’ Jacques Polge als Inspirationsquelle für sein ‚Bois Noir’, aus welchem nach kurzer Zeit das berühmte ‚Egoïste’ hervorging. Beide, ‚Bois des Iles’ und ‚Egoïste’, eint vor allem die Vereinigung von feinen Vanillenoten und leichten, wie polierten Sandelholznoten im Fond – eine Vereinigung ‚made in heaven’! ‚Bois des Iles’ bleibt allerdings, im Vergleich zu ‚Egoïste’, während des gesamten Duftverlaufes viel leichter und frischer, dank der luftigen Aldehyde, die ‚Bois des Iles’ beinahe wie ein Soufflé aufgehen lassen und ihm dennoch Halt verleihen, sowie einer nach einiger Zeit deutlich hervor scheinenden Vetivernote, die dem Duft eine frische und dezente grüne Nuance verleiht.

Wer ‚Egoïste’ mag, der sollte unbedingt einmal ‚Bois des Iles’ probieren, allein um die Genealogie des Chanel´schen Duftkosmos ein kleines, aber nicht unbedeutendes Stück weit zu erforschen - aber natürlich auch um einen der besten Düfte die je kreiert wurden kennen zu lernen! (Ernest Beaux selbst, der immerhin auch No. 5 komponierte, bezeichnete ‚Bois des Iles’ als seinen gelungensten Duft!) Auch Männern, besonders jungen, sei dieser Duft empfohlen, obwohl er sich doch ein gutes Stück mehr auf die feminine Seite schlägt als beispielsweise ‚Cuir de Russie’. Dennoch aber ist noch soviel maskulines in ihm vorhanden, dass ‚mann’ sich durchaus wieder erkennen kann - vorausgesetzt er weiß seine feminine Seite zu schätzen!

So gut der Duft auch ist, ‚Bois des Iles’ war dennoch einige Jahre vom Markt verschwunden, bezeichnenderweise von den späten 70ern bis Ende der 80er, als Düfte wie Diors ‚Poison’ & Co. die olfaktorische Landschaft wie Neutronenbomben verwüsteten. Zu jener Zeit war offenbar kein Platz für ein derart sublimes Wunderwerk der Parfumkunst, und ein Soufflé – um bei diesem Bild zu bleiben – ist doch eine recht empfindliche Angelegenheit, die vor allem eines braucht um sichzu entfalten : Luft, und die ließen ‚Poison’ & Co. ihren Mitstreiterinnen nicht wirklich.
Hinzu kommt, dass ‚Bois des Iles’ nicht annähernd so populär war wie sein berühmter Vorgänger No. 5. Anders als jenes, zartgliedriger und intellektueller, fand es nie eine derart loyale Fangemeinde, die es sicher durch alle Moden geführt hätte, wie es ‚Mitsouko’ oder ‚Shalimar’ geschafft hatten, oder auch ‚Joy’ und ‚Arpège’. Und so verschwand es für kurze Zeit in der Versenkung, doch offenbar wusste man bei Chanel dieses wunderbare Parfum dennoch zu schätzen und beließ es nicht lange dabei.

Und so kam es Ende der achtziger Jahre wieder zurück und wurde zusammen mit den ebenfalls verschwundenen ‚Cuir de Russie’, ‚Gardenia’ und ‚No. 22’ erneut lanciert. Die Reihe wurde nach dem Epizentrum der Chanel´schen Welt benannt: ‚Rue Cambon’, und die Düfte wahlweise als Eau de Toilette oder Parfum angeboten, allerdings nur in den eigenen Boutiquen.
Mittlerweile sind die Düfte Bestandteil der Reihe ‚Les Exclusifs de Chanel’, haben einige Mitstreiter mehr bekommen und sind leider nicht mehr in Parfumkonzentration erhältlich, dafür aber in gigantischen 200ml Flakons, die zwar großartig aussehen und einiges hermachen, für jeden Parfum-Enthusiasten aber vermutlich eine Zumutung darstellen.
Es bleibt zu hoffen, dass eines - bitte nicht allzu fernen - Tages diese großartige Reihe um kleinere Flakons, sowie um Parfumkonzentrationen der Düfte ergänzt wird.
1 Antwort
Phantastischer Kommentar, fundiert und persönlich! Danke!




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