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Intensive Leichtigkeit – Francis Kurkdjian’s Interpretation des ,,Oud”

11. Mai 2012 – 20:31

Maison Francis Kurkdjian – Heute ist dieses Nischenlabel jedem Duftliebhaber ein Begriff. Es steht für außergewöhnliche Duftkompositionen auf höchstem Niveau. Innovation trifft auf Können, denn Francis Kurkdjian ist ein Meister auf seinem Gebiet. Er war bereits für viele Namenhafte Parfum-Häuser tätig. Unter anderem kreierte er Parfums für: Guerlain, Gaultier, Lancôme, Elie Saab, Dior und Kenzo. Sein Durchbruch gelang ihm bereits im Jahr 1995, mit dem Herrenduft ,,Le Mâle”. Hätte uns da nicht schon von vornherein klar sein müssen, dass das Label eines so talentierten jungen Mannes ein Erfolg wird? Mit Oud beschert uns Monsieur Kurkdjian einen weiteren Duft, welcher sich dem Adlerholz widmet. Ganz anders soll dieses Oud sein, wie ein Aquarell. Passt das denn überhaupt, ein Oud in Aquarell-Tönen? Ist dem tatsächlich so?

Ja, dieses Oud ist anders. Der Auftakt ist eine Symbiose aus Oud, bzw. der holzigen Facette des Oud und sehr zarten Fruchtnoten. Kurkdjian hat dem Oud seine animalische Note genommen, daher wirkt es sehr ätherisch und leicht. Auch von der weithin bekannten, medizinischen Note fehlt jede Spur. Oud ist ein gradliniger Duft, der dennoch interessant ist. Das Adlerholz Thema wurde in den letzten Jahre so häufig in Parfums verwendet, dass ich oft der Meinung bin, dass jetzt nichts neues oder gar überraschendes kommen kann. Ich habe mir sogar angemaßt zu behaupten, alle Variationen des Oud zu kennen. Francis Kurkdjian zeigt uns: Oud geht auch anders! Das einst so exotische Holz birgt immer noch überraschungen, es kann noch immer begeistern.

Nach einigen Minuten scheint die Oud-Note mit den subtilen Früchten zu verschmilzen. Wer hätte gedacht, dass diese sogar in fruchtigen Düften nicht fehl am Platz wirkt? Vielleicht mag der ein oder andere Duftliebhaber jetzt denken: ,,Fruchtig? Nicht schon wieder!”. Ich kann euch beruhigen: Der Frucht-Akkord ist nicht quietschig, kitschig, essbar oder gar stickig süß. Viel eher wirkt er leicht, beschwingt und unbeschwert. Er lässt das Oud schweben und schenkt der sonst eher opulenten Note eine charmante Simplizität. In der Herznote wird der Gesamteindruck des Duftes wärmer. Eine Spur Safran und etwas Patchouli sorgen für den angenehmen Ton, der nun in Oud vorherrscht. Trotz der schweren Duftnoten wirkt der Duft auch jetzt nicht wirklich schwer. Er bewahrt sich eine luftige Leichtigkeit.

Auch in der Basis bleibt die Leichtigkeit bestehen. Anklänge von Vanille soften den ohnehin schon zarten Duft ab, er wirkt nun sehr sinnlich und wird eins mit der Haut des Trägers. Dieser Duft ist eine wunderschöne Interpretation des Oud, welche sich nahtlos in den Rest der Maison Francis Kurkdjian Kollektion einreiht. Mit seinem fruchtigen Oud wirkt er neuartig und macht Lust auf mehr. Und trotz aller Leichtigkeit ist Oud ein recht intensiver Duft, welcher eine lange Haltbarkeit aufweist und mit seiner körpernahe Sillage seinen Träger wie ein verführerisches Geheimnis umgibt. Beautiful!

Weitere Informationen und die Möglichkeit, Proben des Duftes zu bestellen, gibt es bei Aus Liebe zum Duft, die mir eine Abfüllung von Oud zur Verfügung gestellt haben.

Kankuro für ParfumoBlog

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Global Art of Perfumery: Interview mit Jean-Paul Millet Lage, Chef und Nase von Maître Parfumeur et Gantier

8. Mai 2012 – 18:24

Ganz im Mittelpunkt der „Maître Parfumeur et Gantier“-Präsentation auf der Global Art of Perfumery steht „Cuir Fétiche“, der gewissermaßen in doppelter Weise eine Brücke schlägt: Der Duft von Lederhandschuhen soll in ein Parfum eingefangen werden, als Signaturduft eines Hauses, welches sowohl „Parfumeur“ als auch „Gantier“ – also Handschuhmacher – ist. Die Verbindung dieser beiden Kunsthandwerke kann ebenfalls als Brücke in die Vergangenheit angesehen werden, zu den Wurzeln der heutigen Parfümeurskunst. Im frühen 17. Jahrhundert vergab der französische König den Titel „Maître Gantier Parfumeur“ an diejenigen, die die Tradition des Parfümierens von Handschuhen in Vollendung beherrschten. Handschuhe wurden ursprünglich parfümiert, um den Gerbgeruch zu überdecken.

Am Stand werden wir von zwei Informationen überrascht: Zum einen davon, dass die Dame des sinnlichen „Cuir Fétiche“-Werbeplakates, ihre Nacktheit nur verhüllend mit verschränkten Armen in oberarmlangen Lederhandschuhen, die Tochter von Jean-Paul Millet Lage ist. Zum anderen davon, dass er selbst kommen wird. So können wir kurzfristig einen Interviewtermin vereinbaren.

Jean-Paul Millet Lage übernahm das Label „Maître Parfumeur et Gantier“ vom Gründer Jean Laporte… und auch dessen Handwerk: Er war 4 Jahre lang zunächst Lehrling, danach Mit-Créateur des visionären Meisters, der mit L’ Artisan Parfumeur 1976 gewissermaßen die Nische „erfand“: L’ Artisan Parfumeur war die erste international erfolgreiche Parfummarke, die bewusst und betont abseits der großen Labels eigene explizit künstlerische Wege ging und das Firmenprofil darauf aufbaute. Millet Lage erlernte die Parfumerie nach seiner vormaligen Banker-Karriere  bis zu dem Punkt, wo er eigene Visionen verfolgen wollte. Als Jean Laporte 1997 das Label verließ, übernahm er es als alleiniger Chef voll Idealismus und Engagement. Sein eigener künstlerischer Weg ist von dem geprägt, was er von seinem Lehrer lernte: konsequente und individuelle olfaktorische Kunst ohne Rücksicht auf Markt und kurzlebige Trends  - und unter Rückbesinnung auf das französische Kunsthandwerk der Parfumerie.

Mit Stolz präsentiert er auf der GAoP seinen Duft „Cuir Fétiche“.

Der weiche, blumige und ambrierte Lederduft hat in einer limitierten Sonderausgabe ein rotes Lederkosett bekommen. Dünnes, fein gegerbtes Leder lädt zum Entschnüren ein. Der charmante und sympathische Jean-Paul Millet Lage nennt das eine „nostalgische Geste“, die an früher erinnert und muss lächeln, als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass auch heute Korsetts getragen werden: „Ja… aber heutzutage ist das nur noch der Fétiche-Kontext. Nicht mehr zeitgemäße Mode, sondern sehr privates Vergnügen.“

Er bestätigt die in Parfumo-Kommentaren erwähnte Entstehungsgeschichte, dass er in Vorbereitung auf seine neue Handschuhkollektion Station machte in einem traditionellen Ledergeschäftes in Millau. Genau diesen Duft wollte er einfangen für ein Parfum – was nicht einfach war: „Wenn man eine solche genaue Geruchsvision hat und nun versucht, genau diese konkret entstehen zu lassen, bedeutet das eine unglaubliche Arbeit und benötigt viel Zeit und Mühe.“

Er verzieht kurz, schmerzhaft erinnernd, das Gesicht, als er von der schwierigen fast zweijährigen Arbeit spricht. Er erzählt von den vielen, vielen Versuchen, die nötig waren und den unzähligen Miss- und Teilerfolgen, bis endlich die genau richtige Kombination gefunden war. Jetzt strahlt er wieder glücklich über das ganze Gesicht und seine Augen leuchten, als er sagt: „Und das ist das Ergebnis.“ Er blickt auf den Flakon „Es hat sich gelohnt!“. Für Düfte wie z.B. „Bahiana“, bei denen es zu Beginn nur eine abstrakte Geruchsvision gibt, nimmt der kreative Prozess der Parfümentstehung demgegenüber nur 2-3 Monate in Anspruch, erzählt er.

Nach unserem Lob der schönen Amberbasis von „Cuir Fétiche“ gesteht Millet Lage, dass dies auch sein favorisierter Akkord sei, deutlich herausgearbeitet z.B. in „Ambre Précieux“.

Ein anderes Amber-Beispiel ist „Ambre Doré“ (ab Sept. auch in Deutschland erhältlich): Ein limitierter, oudgekickter Amber-Duft, den wir nun live auf der GAoP testen. Er hat eine schöne leicht animalische Note ähnlich dem laotischen Oud, das XerJoff für die „Oud Stars“-Kollektion verwendet. Diese Note ist aber so dezent eingesetzt, dass sie kaum abstoßend wirken dürfte. Der Duft wird dadurch vor allem etwas komplexer und sinnlicher. Wir sind beide sehr angetan, können uns nur nicht recht einigen, ob er besser für Damen oder Herren geeignet sei. Millet Lages Intention war es nach eigener Aussage nicht, ebenfalls auf den Oud-Zug zu springen, sondern „seinem“ Amber eine andere Perspektive zu geben, eine weitere Ausdrucksform. Er wählt dafür die unter Parfumeuren beliebte englische Wendung „creating a different angle“. Bezeichnend, dass „Ambre Doré“  einige Jahre wenig erfolgreich war und erst mit dem Oud-Hype signifikante Verkaufszahlen erzielte.

Augenzwinkernd fragen wir ihn, ob es für ihn eine „ganz geheime Amber-Spezialformel“ gibt. Er erklärt: „Heute gibt es solche Geheimnisse nicht mehr. Wenn man ein Parfum auf den Markt bringt, kann es chemisch so exakt analysiert werden, dass da keine Frage mehr offen bleibt.“ Louce glaubt ihm das nicht ganz und schaut weiter fragend. Schmunzelnd gibt er dann zu: „Na gut, ja, … da gibt es schon etwas, das ich nicht verraten will… aber das verrate ich eben nicht. Es bleibt geheim!“.

Louce & Ronin für ParfumoBlog

Genie und Wahnsinn? – Kinski als Parfum

30. April 2012 – 22:58

An verstorbene Schauspieler zu erinnern, scheint ein neuer Trend in der Parfumbranche zu sein. Neben Steve McQueen muss nun auch Klaus Kinski Namen und Ruf hergeben. Wer erinnert sich nicht an diesen Schauspieler, der fast immer nur den unerkannt Verrückten, das exzentrische Genie oder das traurige Monster gab, im Leben wie auf der Bühne. Klar, bei einer solchen Vorgabe darf sich auch der Parfumeur gehörig austoben.

So greift Geza Schön mit viel Lust am Außergewöhnlichen in sein Arsenal und mischt so manches zusammen, was man seit dem Tode Klaus Kinskis nicht mehr so häufig in Parfums findet. Kinski ist eine Reminiszenz an früher. Ich fühlte mich hier an die Welt der vergangenen Powerhouse-Düfte erinnert, von Aramis bis Marbert Man, und an 70er Jahre Friseurladen. Den Kennern dieser Sparte sei es vorbehalten unter den eingestellten oder reformulierten Schätzchen jener Zeiten nach einer eventuellen Vorlage zu suchen.

Kinkis 70er Jahre Ansatz wird realisiert über eine Art Chypre-Note mit deutlich harzigem Einschlag, aufgelockert durch ganz geringe florale Anteile. Hinzu gesellen sich bittere, rauchige Stoffe (Marihuana-Akkord?) welche den betont maskulinen Charakter unterstützen.

Wie so manches 70er Jahre Designstück aus gegenwärtiger Produktion ist auch Kinski bei genauer Betrachtung als Duft von heute erkennbar: hinter dem nostalgischen Duft-Feuerwerk verbirgt sich eine solide Zedernholz-Vetiver Basis, wie wir sie aus Terre d’Hermès kennen, vielleicht mit etwas aromatischerem Einschlag. Zu jedem Zeitpunkt der Duftentwicklung ist sie mehr oder weniger präsent, als vertrauter Anker für die Nase des heutigen Parfumfreundes.

Unter den heutigen Herrendüften nimmt Kinski eine Außenseiterrolle ein. Es gibt nicht vieles, was ihm ähnlich wäre, aber ganz alleine steht Kinski nicht da. Am deutlichsten erinnert mich Kinski in Stil und Charakter an Shirley Brodys XPEC Original. Allerdings ist Kinski bei weitem nicht so opulent-floral wie dieser englische Exzentriker. Kinski ist schon mehr auf der bitteren, harzig-herben Seite. Mit dem grün-rauchigen Marihuana Einschlag, der besonders im Herzen auffällt, ergibt sich eine stilistische Nähe zu den Hanf-Parfums von Robbie VanGogh, aber auch an Boadiceas Rauchbombe „Intricate“.

Etwas problematisch empfinde ich die Duftentwicklung. Kinski ist ein richtiger Knaller. Seine ganze Munition verballert er gleich am Anfang: da gibt es eine spektakuläre Duftvielfalt, die schon deutlich die Frage nach der Tragbarkeit stellt. Doch innerhalb von zwei Stunden wird Kinski immer zahmer, und zum Schluss bleibt vor allem der Zedernholz-Vetiver Akkord übrig. Nur bei großzügiger Dosierung halten die harzig-rauchigen Aspekte länger an. Während man sich mit dem Duftauftakt höchstens in übel beleumundete Kneipen traut, empfiehlt sich die puristische, wohlbekannte Basis eindeutig für die Büroetage.

Ich gebe zu, man kann bei einem solchem Konzept geteilter Meinung sein. Dass die Nase nicht über viele Stunden einem Dauerstress ausgesetzt sein sollte, ist durchaus vertretbar. Nichts gegen spürbare Duftentwicklung – doch einen grundsätzlichen Wechsel in Stil und Aussage sollte sie nicht beinhalten. Ich persönlich bevorzuge Düfte mit etwas dezenterer Lautstärke, bei denen es dem Parfumeur aber gelingt, die Spannung gleichbleibend aufrecht zu erhalten, über viele Stunden.

Kinski stellt die Coolness der Parfumfreundes auf die Probe: Wer schafft es, dem Kaufreiz der Kopfnote zu widerstehen, und erst nach Stunden eine Entscheidung zu treffen?

Apicius für ParfumoBlog

Bild mit freundlicher Genehmigung von Essenza Nobile

Global Art of Perfumery 2012: Oud Stars Kollektion von Xerjoff

28. April 2012 – 22:14

Oud oder Adlerholzöl ist ein sehr komplexer Rohstoff mit einem Duftspektrum von ätherisch-würzig-bitter über holzig und animalisch bis balsamisch-süß. Wird der seltene Adlerholzbaum von speziellen Pilzen befallen, entsteht als Reaktion ein Harz. Nach längerer Lagerung des Holzes wird aus diesem Harz das ätherische Öl isoliert. Je nach Holzart, Klima, Pilzart und Dauer des Befalls sowie der Lagerung werden unterschiedliche Facetten des aromatischen Spektrums betont. Diese Vielfalt die zeremonielle, religiöse Verwendung, z.B. im Islam  oder Hindu-Tantrismus und nicht zuletzt die Seltenheit (und damit verbunden der hohe Preis) erklären den Mythos rund um dieses Öl. Im arabischen Kulturkreis wird Oud als Räucherholz und Parfumrohstoff verwendet, in Europa war es lange Zeit nicht verbreitet.

Martine Micallef kreierte mit „Rose Aoud“ den ersten Duft mit Oud als Hauptnote für den europäischen Markt. Es folgten die immer etwas lauten – für manche vorlauten – Oud-Düfte von Montale. by Kilian wiederum hat mit fraktionierender Destillation so lange herum experimentiert, dass ihr Oud nicht nur die Nasen europäischer Kunden nicht mehr irritieren konnte, sondern ihm auch die Ecken und Kanten wegpoliert. Mittlerweile hat fast jedes Nischenhaus, was etwas auf sich hält, seine Oudlinie und bewegt sich stilistisch zwischen diesen Antipoden (qualitativ meist darunter). Auf der GAoP wurde nun ein schöner Bogen über diese Entwicklung gespannt, denn in direkter Nachbarschaft zum Micallef-Stand präsentierten Alexandra und Herbert Stricker von Classic Parfums die Kollektion Oud Stars von Xerjoff. In gewisser Weise ist damit die arabische Oud-Tradition endlich in Europa angekommen. Was Micallef vorbereitete, setzte Xerjoff jetzt um.

Xerjoffs Motto “Naturae Xquisite”, die Exzellenz der Natur, zeigt bereits die Richtung an: Wenn Xerjoff sich mit einem Rohstoff auseinandersetzt, geht es um die Kostbarkeit des Materials. Hier geht es um Oud an sich. 3 Jahre soll Xerjoff-Mastermind Sergio Momo nach der passenden Rohstoffqualität gesucht haben, bis er fündig geworden ist. Mit einem Bestand, der für die nächsten 1,5 Jahre reichen soll, konnte eine Linie von sechs Düften erschaffen werden. Die Namen der Parfums sind historische nordafrikanische und weitere arabische Städtenamen, entnommen den Reiseberichten Ibn Battutas aus dem Jahre 1325.

Die Chronologie der Beschreibungen deckt sich mit der, wie wir die Düfte auf der Messe testeten – sortiert nach ansteigendem Oud-Charakter.

Fars“ ist das Parfum der Linie, was am ehesten der europäischen Dufttradition entspricht. Mit einer frischen Kopfnote um Bergamotte, Lavendel und Wacholder und einer Herznote mit Geranie und Jasmin wird das feine Adlerholzöl elegant umspielt. Dazu gesellt sich etwas Honig, ähnlich der typischen Oudinterpretation von Micallef. Die Honignote ist nicht so präsent wie bei „Aoud“ oder „Aoud Gourmet“, ähnelt eher der von „G. Nejman – Emir“. Tatsächlich ist eine deutliche Ähnlichkeit zwischen letzterem und „Fars“ zu erkennen.  „Fars“ hat nicht die herben Noten von Tabak und Pfeffer, ist dafür etwas stärker vom Oud geprägt.Dadurch passt der Duft wunderbar zu beiden Geschlechtern.

Deutlich gourmandiger ist „Mamluk“ mit Noten von Honig, Karamell, Benzoe und Vanille. Auch dieser Duft geht also in die durch süße Noten der europäischen Nase gefälliger gemachten Richtung, hat aber eigenen Charakter, da stärker von Benzoe als Honig geprägt. Die guten Adlerholzölen eigene ätherisch-würzige Note ist hier gut zu erkennen und gibt „Mamluk“ Frische, stellt eine schön Balance her mit den süßen und schweren Komponenten. Ich empfinde den Duft zwar als unisex, aber doch besser für Damenhaut geeignet.

Das Oud von „Al-Khatt“ stammt aus Laos, was besonders fein und teuer ist. Das Parfum hat eine gleichzeitig irritierende und anziehende Note, die mit „fäkalisch“ beschrieben werden kann. Sie erinnert mich an Spaziergänge vorbei am Frankfurter Zoo. Ich vermute, dass das laotische Oud für diese Note verantwortlich ist, die ich gar nicht als so unangenehm empfinde wie es gerade klingen mag. Auf der Haut ist sie weniger deutlich zu erkennen als auf dem Papierstreifen.

Najaf“ ist ein sehr holzgeprägter Duft. Der Start irritiert mit einer synthetischen Note, die am ehesten mit dem Duft von Graphitpaste umschrieben werden kann (der Politur, mit der z.B. Ofenplatten wieder schwarz und glänzend gemacht werden). Nach ca. 30 Minuten tritt diese Note langsam zurück und der Duft wird komplexer und vielfältiger. Insgesamt ein eher herbes, für Herren geeignetes Parfum.

Auf „Gao“ war ich besonders gespannt. Bei den anderen fünf Düften steht Oud zwar im Mittelpunkt, wird aber durch kontrastierende Noten ergänzt. Diese schwächen nicht den Oudcharakter, sondern geben Halt und jeweils unterschiedlichen Kontext – wie ein Bild, bei dem Oud das Motiv ist und die kontrastieren Noten für einen Rahmen in einer anderen Farbe steht. Im Unterschied dazu verstärken Noten wie Safran und Nagarmotha bei „Gao“ eher noch den Oudcharakter, statt Kontrast zu geben. Dies ist sehr ähnlich meinem Lieblingsoudduft „Collection Excessive – Oud Shamash“ von The Differnt Company. Die Düfte sind im direkten Verglich in der Tat sehr ähnlich.  Der ätherisch-würzige Aspekt wird in letzterem Duft stärker betont, dadurch wirkt er frischer. Im Unterscheid dazu wirkt „Gao“  etwas dunkler und wagt die schon erwähnte stark körperliche („fäkalische“) Note. Auch hier wird Oud aus Laos verwendet, in Kombination mit solchem aus Thailand. Ein sehr komplexes, sinnliches, wunderschön balanciertes Parfum und m. E. tendenziell etwas besser für Herren geeignet.

Das Oud in „Zafar“ stammt aus Laos und reifte 15 Jahre lang. Laut Herrn Stricker dürfte die Konzentration im Jus bei 35 – 40 % liegen. Der Start ist recht originell mit Noten von Apfel, Rose und schwarzem Pfeffer, aber schon nach kürzester Zeit rückt Oud in den Vordergrund. Die stark körperliche Note ist am Anfang sehr deutlich, wird jedoch mit der Zeit immer mehr eingebunden und gibt einen sinnlichen Aspekt. Alle Düfte der OUD STARS Kollektion sind komplex, aber „Zafar“ ist noch einmal deutlich subtiler und tiefer. Der Duft schafft es, breit und voluminös zu sein, ohne Frische, Halt und Fokus zu verlieren. Auf Damenhaut empfinde ich „Zafar“ als sehr erotisch, was nicht heißen soll, dass er nicht für Herren tragbar ist.

Generell sind sämtliche Geschlechtszuordnungen nur als grobe Anhaltspunkte zu verstehen. Die Düfte sind viel zu vielschichtig dafür. Die Flakons wirken sehr edel, sind aber für meinen Geschmack etwas zu protzig.

Deutschland ist weltweit das erste Land, in dem die Kollektion erhältlich sein wird. Zurzeit erfolgt die Auslieferung an die Parfümerien, in ca. 1-2 Wochen wird der Verkauf starten. Die Preise sind mit € 297.- (Zafar) bzw. € 247.- (die restlichen fünf Düfte) für 50 ml Eau de Parfum sehr hoch, in Anbetracht der ausgesprochen hohen Qualität der Rohstoffe und der Sorgfalt der Komposition jedoch durchaus angemessen.

Das Messefeedback war erstaunlich positiv in Anbetracht der für europäische Nasen ungewöhnlichen Kompositionen. So wird diese limitierte Edition vermutlich recht schnell vergriffen sein.

Ronin für ParfumoBlog

Global Art of Perfumery 2012 – Keiko Mecheris Bespoke-Collection

24. April 2012 – 20:32

 

„Sieben auf einen Streich“

Heute berichte ich von einem meiner persönlichen Highlights von der Messe: Die neue Kollektion von Keiko Mecheri „Bespoke“ wurde erstmalig in Deutschland dort präsentiert. Diese Kollektion besteht derzeit aus sieben Düften. Mecheri plant aber jetzt schon, diese Linie noch zu erweitern.

In Anwesenheit von Kamel Mecheri, dem Ehemann von Keiko Mecheri und Designer der Bespoke-Linie, durften wir in die Welt dieser Kollektion eintauchen.

Grundsätzlich unterscheidet sich diese Linie von ihrer regulären Kollektion. Es beginnt mit dem wirklich sehr edlem Design der Flakons. Klare Linien, ein massiver goldfarbender Deckel und die typische Mecheri-Prägung an der Front wurde hier im Druck einer Geldmünze umgesetzt. Die schwarze Farbe erinnert an die bekannten Mecheri-Flakons und auch hier wurde edles Material verwendet – ich vermute sogar eine Klavierlackummantelung.

Mit dieser Kollektion wagt sich Mecheri in die obersteLuxusklasse. Denn es erwartet uns ein erheblicher Preissprung, welcher natürlich auch auf die Verwendung edelster Rohstoffe zurückzuführen ist. Während die reguläre Kollektion mit 75ml und ca. 140€ ihre Liebhaber gefunden hat, befindet sich die Bespoke-Linie mit 50ml bei 245€. Werden die Mecheri-Fans diesen Preissprung akzeptieren? Nun das bleibt abzuwarten. Ich kann nur so viel sagen, jeder Duft dieser Kollektion ist ein kleines Meisterwerk und ich persönlich habe meinen nächsten Schatz darunter entdecken können!

Nun aber zu den Düften.

Ambre Mirabilis / Duftnoten: Ambra, rote Rose, Gewürze, Atlaszeder, Patchouli / Duft: Ambre Mirabilis ist ein sanfter und dennoch intensiver Duft. Die Rose spielt hier die Hauptrolle, ergänzt sich aber mit den anderen Duftnoten fantastisch / Fazit: facettenreich, spannend

Canyon Dreams / Duftnoten: Mandarine, Bergamotte, Rose, Sandelholz, Patchouli / Duft: Canyon Dreams ist aromatisch würzig und birgt was der Name schon verspricht; Sommer, Sonne in Kalifornien / Fazit: sinnlich, orientalisch

Cuir Fauve / Duftnoten: Leder, Tabak, Orangenblüte, Ambra, Vanille / Duft: CuirFauve ist ein wunderbarer Lederduft, welcher sich warm auf der Haut entwickelt. / Fazit: sinnlich, elegant

Soussanne / Duftnoten: Lilie, Rose, Stechapfel, Sandelholz, Moschus / Duft: Soussanne ist ein blumiger und sehr weiblicher Duft. Die Lilie ist der Mittelpunkt und wurde in absoluter Perfektion verarbeitet / Fazit: sinnlich, aufregend

Bal De Roses / Duftnoten: Rose, Jasmin, Ylang-Ylang, Tuberose, weißer Moschus / Duft: In Bal De Roses stehen weiße Blüten in Kombination mit der Rose im Vordergrund und erwachen zu einem strahlendem Duft / Fazit: intensiv, weich

Tangeri / Duftnoten: Wildleder, Balsam, Kardamom, Iriswurzel, Moos / Duft: Tangeri ist ein würziger Lederduft, welcher durch zitrische Noten an Alltagstauglichkeit gewinnt / Fazit: elegant, männlich

Vetiver Velours / Duftnoten: Vetiver, Gewürze, Edelhölzer, Moschus / Duft: Vetiver Velours ist für mich der erste Vetiver-Duft, welchen ich eher an einer Frau interessant finde / Fazit: sinnlich, frisch

Abschließend kann ich sagen, alle sieben Duftkreationen sind kleine Liebhaberstücke und bieten jeder „Duftnase“ die Möglichkeit sich selbst in ihnen wiederzufinden.

Odeur23 für ParfumoBog

Global Art of Perfumery 2012: Interview mit Rainer Diersche von LINARI

20. April 2012 – 14:33

Inala: Wie lange gibt es die Marke LINARI schon am Markt und was bedeutet der Name?

Rainer Diersche: Die Marke LINARI wurde vor etwa 10 Jahren gegründet und rührt von einem kleinen Ort in der Toskana. Er bildet den Bezug zum italienischen Design der Produkte.

Inala: Wie entstand diese, für Sie und Ihre Marke LINARI so typische Symbiose, aus Design und Duft und woher rührt Ihre besondere Affinität zur Parfumkunst?

Rainer Diersche: Als so genannter Quereinsteiger in die Branche bestand bereits vor Gründung der Marke eine große Affinität zu zeitlos-modernem Design. Inspirativ waren für mich besonders die Bereiche Interiordesign und Architektur. Daneben waren Gerüche und Düfte bereits seit meiner Kindheit immer ein sehr interessantes Thema. Aus diesen verschiedenen Einflüssen ergab sich die spätere Affinität zur Parfümkunst.

Inala: Hat sich die Priorität der Raumbeduftung seit Ihrer Gründung von LINARI verändert?

Rainer Diersche: Die Akzeptanz der Beduftung von Räumen im Allgemeinen hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich verändert. Während Raumdüfte anfangs zum Teil eher belächelt wurden, so erfreuen sich Raumdüfte heute stetiger Beliebtheit. Diese Tendenz geht sicherlich einher mit einer insgesamt gestiegenen Qualität der auf dem Markt befindlichen Produkte.

Inala: Welche Kriterien muss ein Raumduft erfüllen und gibt einen Unterschied im Vergleich zu den Rohstoffen der traditionellen Parfumherstellung?

Rainer Diersche: Raumdüfte bieten einen anderen Blickwinkel auf die Parfümerie, da nicht der individuelle Träger, sondern der Raum im Focus steht. Die Fragestellung bei Raumdüften lautet daher: welcher Duft passt zu einem Raum und welche Duft-Atmosphären lassen sich damit erzeugen und sind erwünscht? Durch die zum Teil über einen sehr langen Zeitraum wirkenden Düfte stellt sich zudem die Frage, ob ein Duft auch auf Dauer gefällt. Durch die bei Raumdüften fast durchgängig stetige Wirkung gibt es oft eine Verschmelzung der Top-, Herz- und Basisnoten, wodurch die Duftwahrnehmung eine andere ist als bei klassischen Parfums.

Inala: Lassen sich in diesem im Bereich der Raumparfümerie, ähnlich wie beim Körperparfum, gewisse Trendentwicklungen und Modebewegungen beobachten und feststellen?

Rainer Diersche: In der Tat gibt es immer wieder mehr oder weniger lang andauernde Dufttrends, die beobachtet werden können. Die Trendwechsel vollziehen sich in der Regel mit einer deutlich langsameren Geschwindigkeit als im Fashionbereich. Typische olfaktorische Trends in den letzten Jahren waren zum Beispiel Feigen- und Ouddüfte, wobei wir festgestellt haben, dass am Beispiel der Feigendüfte bereits ein mehrfacher Trend zu verzeichnen war.

Inala: Was ist zuerst da – ein bestimmtes Duft-Thema als Idee in Ihrem Kopf oder der Parfümeur mit dem Sie arbeiten wollen und mit dem Sie dann das Projekt entwickeln?

Rainer Diersche: Zuerst steht in aller Regel die olfaktorische Idee, auf deren Basis Kontakt mit den Parfümeuren aufgenommen wird, die für die jeweilige Aufgabenstellung als am besten geeignet erscheinen. Jeder gute Parfümeur besitzt eine eigene olfaktische Handschrift, die es zu nutzen gilt, um einer Kreation die gewünschte Note zu verleihen.

Inala: Wie lange dauert es durchschnittlich, bis Ihre Idee dann im Flakon für den Endkunden erwerbbar ist?

Rainer Diersche: Von der Idee bis zum fertigen Produkt gehen in der Regel 12 – 18 Monate, vereinzelte Projekte haben auch schon bis zu drei Jahre in Anspruch genommen, bis sie die hohe Qualität besaßen, um final als LINARI-Produkt auf den Markt zu kommen.

Inala: Woher nehmen Sie die Inspirationen für Ihre so wohlklingenden italienischen Produktnamen und für das passende olfaktorische Thema?

Rainer Diersche: Als bekennender Ästhet habe ich immer ein Auge auf schöne Dinge, so auch auf schöne Italienische Namen, wobei wichtig ist, dass der Produktname Bezug auf den Duft nimmt. Die Inspiration zu olfaktorischen Themen resultiert einerseits sehr oft aus Reisen. Besonders in Ländern mit feucht-heißem Klima sind intensive neue Gerüche wahrnehmbar, die als Basis für neue Ideen dienen. Andererseits  gilt generell, dass, je mehr man sich mit Düften beschäftigt, die Inspiration zum Neuem steigt.

 

Inala: Der Weg vom Home-Parfum zum klassischen Parfum ist eher ungewöhnlich. Bei den meisten Marken ist es umgekehrt. Wie kam es dazu, dass Sie seit 2010 auch extrem hochwertige Parfum-Kreationen für den Nischenduftmarkt kreieren?

Rainer Diersche: LINARI als anfänglich ausschließlicher Hersteller von Raumparfums bildet als Produzent von hochwertigen Parfums in der Tat  eine Ausnahme in der Duftwelt. Im Laufe der Raumduftentwicklungen verstärkte sich bei mir der Wunsch zunehmend, neben Raumparfüms noch eine eigenständige Parfümlinie unter dem Marke LINARI aufzulegen. Jeder riet uns im Vorwege der Planungen zunächst davon ab, was mich paradoxer Weise umso mehr verstärkte, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Gegensatz zu den Raumparfüms galt es in dieser Disziplin, den individuellen Träger in den Mittelpunkt zu stellen, woraus eine völlig andere Art von Parfüms im Hause LINARI entstand. Die hohe olfaktorische Qualität und  die Authentizität und Ehrlichkeit der Produkte war der Schlüssel zum Erfolg. Wir konnten große Parfümeure wie Egon Oelkers, Maurice Roucel und Mark Buxton gewinnen, die ohne jegliche Preiseinschränkungen für LINARI entwickeln durften.


Inala: Dürfen wir auf weitere luxuriöse Neuerscheinungen auch im Parfum-Bereich hoffen und wird diese Linie weiter ausgebaut?

Rainer Diersche: Der anhaltende Erfolg der LINARI Parfümlinie und insbesondere die drei Duftstar-Nominierungen bestärken uns, dieses Segment weiter behutsam auszubauen. Das Erscheinen neuer Düfte wird in unregelmäßigen Abständen erfolgen – ganz davon abhängig, wann eine neue Duftkreation den gewünschten Qualitätslevel erreicht hat.

Inala: Mit welcher berühmten “Nase” würden Sie gerne ein Projekt durchführen und zusammenarbeiten?

Rainer Diersche: Ich würde gern noch ein weiteres Projekt mit Herrn Egon Oelkers durchführen. Leider ist er vor rund 2 Jahren in Ruhestand gegangen. Ich liebe die unglaubliche Harmonie und die Präzision in seinen Kreationen. Oelkers hat sich mit seiner fast schüchternen Art nie in den Vordergrund gestellt, Präsenz zeigt er stets mit seinen wundervollen Kreationen

Inala: Welches ist Ihr ganz persönlicher LINARI-Lieblings-Raumduft?

Rainer Diersche: Mein Lieblingsraumduft ist ONICE – eine zeitlos-moderne Interpretation des klassischen olfaktorischen Themas Lavendel in einer tiefschwarz samtbeflockten Glasflasche. Der Duft durchströmt den Raum mit einer für mich fast erotische Anmutung.

Persönlich trage ich – besonders während der kalten Jahreszeit – FUOCO INFERNALE, ein wunderbar krautig-erdiger Duft mit süß-würzigem Olibanum. Dies ist ein Duft, dessen Auflage mir persönlich sehr am Herzen lag.

Inala: Herr Diersche, ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen für dieses spannende Interview und dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten!

Inala für ParfumoBlog

Global Art of Perfumery – Messe-Rundgang 2012

19. April 2012 – 23:56

Was für ein Wochenende! Die GAoP ist vorbei – Zeit für einen kleinen Bericht. Dankenswerterweise haben es die Kollegen übernommen, offizielle Parfumo Interview-Termine   mit den Parfumeuren und Markenvertretern zu machen. So konnte ich mich etwas treiben lassen und das Ambiente genießen. Es ist immer wieder toll, sich aus erster Hand informieren zu lassen. Alle sind hilfsbereit und geben sich viel Mühe.

So bin ich denn als Parfumo-Biene von Blüte zu Blüte geflogen und habe überall Informationen für euch aufgesogen. Hier meine Übersicht:

Micallef

Diese wunderbare Marke aus Grasse ist mittlerweile Stammgast auf der GaoP. Ihre oft überreich mit Svarovski-Kristallen verzierten Flakons sind immer ein willkommener Anblick. Zur Messe präsentierte Micallef eine interessante Kollektion von Vanille-Düften, mit denen sie offenbar Guerlain ein wenig Konkurrenz machen wollen.

Ihr neuer Damenduft “Ylang in Gold” hingegen gewann den zweiten Preis beim Prix de Parfum Artistique. Pazuzu hat Parfumo ja in der Jury würdig vertreten (Schreib mal was!). Ylang in Gold besitzt ein nettes Gimmick. Die zunächst goldene Füssigkeit wird beim Schütteln des Flakons milchig-weiß!

Änderungen gibt es im Sortiment: G.Nejman ist als eigenständige Marke aufgegeben worden, und die Düfte sind nun in den bekannten runden Micallef Glasflakons erhältlich. Diese waren bislang vielleicht kein Highlight unter den ansonsten sehr künstlerisch gestalteten Flakons. Nunmehr hat man sie überarbeitet, sie sind richtig schick geworde. Den “Emir” fasst man jetzt auch gerne an!

Vielleicht lohnt es, nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Aoud Man, Aoud Gourmet und natürlich die G.Nejman Düfte in den alten Verpackungen könnten eventuell hier und da preiswert abverkauft werden.

Jovoy

Ein radikaler Wechsel: das komplette Sortiment wurde eingestellt; dafür gibt es jetzt eine ganz neue Serie. Jovoy hat sich von den kugelförmigen Flakons verabschiedet, das neue Design ist geschwungen rechteckig. Das wirkt weniger feminin, sodass zukünftig Herren sicher nicht mehr abgeschreckt werden.

Jovoy hat den ersten Preis gemacht mit “L’Enfant Terrible”. Meine Aufmerksamkeit richtete sich allerdings auf zwei andere düfte der Serie. Das Feigenblattparfum “L’Arbre de la Connaissance“ ist einen genaueren Blick wert. Es scheint zusätzlich fruchtige und sehr saftig wirkende Anklänge zu haben. Dem Papierstreifen nach zu urteilen wird hier wohl eine neue Facette von Feigenblatt-Duft gezeigt.

Sehr interessant ist “La Liturgie des Heures“, inspiriert von einem belgischen Kloster. Ich weiß ja, dass ausgesprochene Weihrauchparfums viele Parfumo-User aufhorchen lassen. Dieses hier scheint nach erstem Eindruck ein feinerer zu sein als etwa Montale’s Full Incense.


Parfumerie Générale

Schade, Pierre Guillaume war diesmal nicht persönlich da, und es wurden nur einige Düfte präsentiert. Erwähnenswert ist “Corps et Ames”. Dieser Duft wurde für 2012 komplett neu aufgesetzt, es ist ein gänzlich anderes Parfum als vorher: ein schöner Zitrusduft mit durchaus wahrnehmbarer Tiefe. Wie man hört, soll er “Yuzu ab Irato” ersetzen. Na ja, ich freuemich, dass vom Yuzu eine große Flasche in meinem Schrank steht.

Farmacia SS. Annunziata

Gute Nachrichten aus Florenz: Bei dieser traditionsreiche Marke hat man sich nun doch dazu durchgerungen, die produzierten Düfte tatsächlich auch verkaufen zu wollen. Endlich sind Vertriebsaktivitäten in Deutschland spürbar, und AusLiebezumDuft hat sie bereits im Sortiment.

Lubin

Längeres Gespräch mit dem sympathische Inhaber Gilles Thevenin: Er präsentierte u.a. “Idole de Lubin” und das neue weibliche Pendant “Idole de Lubin (Eau de Parfum)“ .

Die IFRA macht mal wieder Ärger. Das schöne „L’Eau Neuve“ enthält jede Menge Eichenmoos (Evernia Prunastri). Er wird seinen Bestand noch abverkaufen, kann aber nicht mehr nachproduzieren. Zur Zeit bemüht man sich beiLubin händeringend um eine gleichwertige Reformulierung – doch bisher ohne Erfolg. Gerade das Eichenmoos, so Thevenin, sei für die Eleganz von L’Eau Neuve verantwortlich. Schnell nachkaufen!

Und außerdem: Angeblich plane die IFRA das Verbot natürlicher Rosenessenzen zugunsten der synthetischen Ersatzstoffe. Angesichts der Personenidentität der IFRA mit dem Management der bekannten großen Dufthersteller ist wohl weiterhin Lobbypolitik unter dem Deckmantel der Gesundheitsvorsorge zu befürchten. Höchste Zeit, gegen diesen Filz aufzustehen.

Von den Parfümeuren und den unabhängigen Parfummarken ist jedoch wenig zu erhoffen – die haben derzeit soweit ich weiß nicht mal einen eigenen Verband

Officina delle Essenze

Diese Marke aus Rom war durch Maurizio Lembo bestens vertreten. Der Parfümeur präsentierte die “Puro”-Linie. Diese blitzsauberen und geradlinigen Düfte sind fokussiert auf jeweils einen Duftstoff. Solcherart Purismus liegt derzeit ja im Trend!

Montana

Totgesagte leben länger, und so gibt es auch von Montana Neues. Ihr Herrenduft “Graphite” ist das genaue Gegenteil des früheren Powerhouse-Stils. Graphite scheint sehr geradlinig einen dunklen und trockenen Akkord herauszuarbeiten, ohne viel Zitrone, Kräuter oder Blumen. Noch ein Purist!

Yosh

Sehr puristisch gibt man sich auch bei Yosh, zum Beispiel mit „Sombre Negra“. Der durfte sogar auf meine Haut. Das war richtig rauchig und erinnertemich sehr an Zigaretten. Merkwürdig: nachdem allerorts Rauchverbote herrschen, scheint es nun interessant zu werden, wie ein Raucher zu riechen. Aufbegehren mittels Parfum?

Maître Parfumeur et Gantier

Sehr willkommen war mir der Anblick dieses Standes. Diese hervorragende Marke hat endlich einen engagierten Vertrieb bekommen. Zur Zeit bemüht man sich um weitere Verbreitung. Immerhin konnte AusLiebezumDuft schon gewonnen werden.

Die neueste Veröffentlichung ist “Cuir Fètiche”, ein recht weicher Lederduft für Damen.  Der wird seinen Weg machen. Mir kam er wie das feminine Gegenstück des wunderbaren “Parfum d’Habit” vor, und der war ja offenbar eine Antwort auf Guerlains Habit Rouge.Ob somit Cuir Fétiche als eine Art Habit Rouge für Damen gelten darf?

Xerjoff

Ein Höhepunkt der Messe: die Oud Kollektion von Xerjoff wurde von den anwesenden Parfumos regelrecht umlagert. Mein Eindruck: offenbar wurde tatsächlich natürliches Oud-Öl verwendet, zumindest vorwiegend. So lasse ich ausnahmsweise die exorbitanten Preise jenseits der 200 € durchgehen.

Der Ansatz dieser Kollektion scheint traditionell arabisch zu sein, also kein fragwürdiges Herumexperimentieren mit Oud. So oder so ähnlich findet man das auch im Hochpreisbereich der arabischen Marken. Mir schien, jeder einzelne dieser Düfte zitiert eine andere Facette der traditionellen Parfümerie Arabiens.

Jesus del Pozo

Von Jesus del Pozo kommt “Arabian Nights”, der mir bereits auf der Seite der arabischen Parfum-Community aperfume.info aufgefallen war. Arabian Nights ist einer unter vielen Rose-Oud-Kombinationen im Gefolge von Montale, also eigentlich nichts besonderes.  Erwähnenswert ist aber der Preis: mit 99 € ein zaghafter Vorstoß in bezahlbare Bereiche.

Steve McQueen

Wer kennt noch diesen Schauspieler? Die Erben wollen seiner gedenken und gleichzeitig ein wenig Geld verdienen. Da erwartet man einen richtigen Macho im Stil eines Aromatic Fougères. Daneben! ”Steve McQueen” ist ein süßer, opulenter Orientale, recht nahe dran an Jaipur Homme EdP oder auch Charriol Gold. Viel Tagetes im Kopf!

Di Ser

Der vielleicht exotischste Stand war der von Di Ser. Die Marke kommt aus Japan, und in ihren Kimonos waren die angereisten Damen, die zum Teil nur wenig Englisch konnten, adrett anzusehen. Di Ser hat sich der Naturparfümerie verschrieben, und die präsentiert man ganz japanisch. Vieles davon hat mit Yuzu zu tun, und die Düfte sind so frisch und leicht wie Sushi. Di Ser such noch einen deutschen Vertrieb, wünschen wir Ihnen Erfolg!

Testa Maura

Naturparfümerie ist auch das Thema von Xavier Torre. Der sympathische Parfümeur lebt auf Korsika am Rande eines Naturschutzgebiets.Dort darf er Kräuter und Pflanzen sammeln, die er selbst zu Essenzen verarbeitet. So sind die Testa Maura Parfums in hohem Maße handgefertigt – mit viel Leidenschaft und Engagement, wie uns Herr Torre zu vermitteln wusste.  Sein Lavendelduft “Loriani” durfte auf meine Haut, Kommentar folgt.

Alyssa Ashley

Nicht nur Nische und Hochpreisiges war vertreten. Alyssa Ashley präsentierten einen Damenduft “Ambre Gris”, der zu sehr vernünftigen Preisen erhältlich ist. Ambre Gris ist ein Orientale. Die komplette Komposition vermochte ich nicht sofort zu erfassen, drang mir doch sofort die wohlbekannte Vanillenote in die Nase, die genau so auch in dem angenehmen Alyssa Ashley Duschgel vorhanden ist. Ambre Gris scheint ein Wohlfühl- und Preistipp – zu sein!

Casino Parfum Saxonia

Ein paar Parfumfreunde haben vor nicht allzu langer Zeit diese Ost-Marke erworben, und so ist das DDR-Chefsekretärinnen-Parfum “Casino de luxe Parfum” wieder erhältlich. Das ist ein ordentliches, recht traditionelles Chypre, und keinesfalls nur für Damen tragbar. Zum Ostalgie schnüffeln!

Das wars – bis zum nächsten Jahr!

Apicius für ParfumoBlog

Bella Italia“ auf der Global Art of Perfumery 2012 in Düsseldorf

18. April 2012 – 11:57

Während ich bedeutend mehr französische Häuser aus der größten Duftnation erwartet hätte, und die anderen Marken häufig nur durch ihre Repräsentanten oder Vertriebsgesellschaften vertreten waren, ließen es sich mehrere italienische Parfumeure nicht nehmen, den direkten Kontakt zu ihren deutschen Kunden zu suchen und ihre Kreationen persönlich vorzustellen. Auch unserer „herumstreunenden“ Parfumo-Delegation gegenüber zeigten sich die Italiener außerordentlich aufgeschlossen und auskunftsfreudig und lieferten teilweise ein wahres Feuerwerk an Informationen und Geschichten ab.

So wurden wir von der Grandezza eines Enrico Bucella mit seinen Marken „Cerchi Nell’Acqua“ und „Sigilli“ geradezu verzaubert.
Er nahm sich für unser Klübchen viel Zeit und ließ sich mit unnachahmlicher patriarchalischer Geste von seinem jungen, extrem gut aussehenden Mitarbeiter immer wieder den entsprechenden Satz Parfümstreifen anreichen, um uns jeden einzelnen seiner – ich muss nachschauen – mindestens 25 Düfte – vorzustellen. Dabei sprach er italienisch und ließ seine ausführlichen Beschreibungen auf Aufforderung von einer Dolmetscherin übersetzen.

Eine großartige Darbietung!
Inala, die wunderbarerweise ganz gut italienisch spricht, bekam den Vorzug, ein anderthalbstündiges Gespräch mit dem Signore führen zu dürfen und war so begeistert, dass sie darauf bestand, den Bericht hierzu für Euch zu schreiben. Avanti, Inala!.

Aber auch Silvio Levi mit der Fraganze d’Autore-Linie bei Cale“ erwies sich als geradezu überquellendes Füllhorn an Geschichten zu seinen Düften. Das entspricht dem konzeptionellen Ansatz von Cale, den ich als außerordentlich phantasievoll und inspirierend empfinde. Leider war ich bei der zauberhaften Märchenstunde nicht persönlich dabei, aber Pazuzu und Florin brauchten nach dem Gespräch mit Silvio dringend eine Pause.

Mit in dieser Gruppe möchte ich eigentlich auch Xavier Torre mit „Testa Maura“ aus Korsika rechnen. Obwohl sich der temperamentvolle Franzose nach eigenen Angaben der französischen Parfumtradition zugehörig fühlt, gab es meines Erachtens doch sehr viel Ähnlichkeit mit seinen italienischen Kollegen. Denn so entschieden und ausdrucksstark Torre (als Korse, so wie wir ihn uns vorstellen) auftritt, so entschieden und kraftvoll sind seine Düfte, in deren Mittelpunkt die heimischen Pflanzen und Kräuter der Insel stehen.

Den Typus des smarten und intellektuellen Römers verkörperte der sympathische, eher dezente Maurizio Lembo mit „Officina delle Essenza“, dessen Düfte für italienische Verhältnisse geradezu modern und geradlinig erscheinen. Ursprünglich beschäftigte er sich mit Raumdüften, ganz in der Tradition der südländischen Sehnsucht nach Erfrischung und Kühle. Und das spürt man in der neuen Linie seiner Eau de Parfums – er nennt sie Puri – auch sehr deutlich.

Erwähnen möchte ich den ausführlichen und umfassenden Messeauftritt von „Farmacia di Santa Annunziata“ aus Florenz, einer ebenfalls sehr sympathischen, sehr italienischen Duftlinie, deren breites Spektrum an Düften hier auf Parfumo auch schon bekannter ist.

Für mich persönlich war es ein besonderes Erlebnis, die Bekanntschaft mit „Maria Candide Gentile“ machen zu dürfen. In diesem ganzen Trubel von schicken, eleganten und auffällig schönen Menschen wirkte diese stille und unprätentiöse Italienerin wie ein Stern aus einer anderen Galaxie. Nach einem freundlichen Interview mit ihr überlegten Pazuzu und ich, ob wir in unserem Twittertext das Wort „Parfümkunsthandwerk“ verwenden könnten, aber wir ließen es dann doch sein, denn diesem Wort haftet ein spezifischer Beigeschmack von „Bastelarbeit“ an. Tatsächlich ist es aber wohl der treffendste Ausdruck für die sechs Schätze der Ligurierin aus Lerici. Sie sind Parfümkunst und traditionelles Handwerk im besten Sinne des Wortes. Maria führt den Titel eines „Maître Parfumeur“, denn sie hat eine klassische Ausbildung in Grasse abgeschlossen.
Sie arbeitet ausschließlich mit natürlichen Stoffen und investiert ungeheuer viel Arbeit und Ausdauer in die Ausformung ihrer Grundideen. Und so gelingen ihr sehr komplexe und dichte Kompositionen, die sich nicht beim ersten Riechtest erschließen lassen. Bringt man jedoch nur ein klein wenig Geduld auf und wartet etwas ab, dann eröffnen sich wahre Duftwelten.
Hier fand ich meine Vorstellung von einer „Italianata“, von einem spezifischen italienischen Ausdruck und Charakter der italienischen Parfumkunst am ehesten bestätigt. Gibt es diesen besonderen Ausdruck tatsächlich oder ist er lediglich der ähnlichen Vorliebe zu gewissen Grundstoffen zuzuschreiben? Ich meine schon, den besonderen italienischen roten Faden auch auf dieser Messe entdeckt zu haben bzw., um es auf eine griffige, vielleicht auch platte Formel zu bringen: Die Italiener haben einen weniger eleganten, dafür aber einen sehr ehrlichen Ansatz in ihren Düften. Die Verwendung ihrer heimischen Pflanzenwelt verleitet dazu, sie manchmal als krautiges Durcheinander abzuqualifizieren, als unreife Duftbomben. Nicht die schmeichelnde Verführung, sondern Verbundenheit mit Natur und Heimat sind ihr Anliegen.
Dabei stehen nicht unbedingt die neuesten Trends, die innovativsten Ideen im Vordergrund, sondern man bleibt häufig bei Bewährtem mit persönlichen Variationen.
In unserer rasanten und hedonistischen Welt haben es solche Werte sicherlich oft schwerer, aber wer sich auf diese klassische Tradition einlässt, dem erzählen diese Düfte unzählige Geschichten.

Calliste für ParfumoBlog

Bildquelle: © dario – Fotolia.com

 

„Maria Candide Gentile“

 

Farmacia di Santa Annunziata