27. Dezember 2016 – 14:13

Kuschelige Wohlfühldüfte – Interview mit Sylvaine Delacourte

Sehr verehrte Madame Delacourte, lange Jahre waren Sie Teil der Guerlain-Familie, genauso wie Thierry Wasser. Nun gibt es eine zusätzliche Leidenschaft in Ihrem Leben: Die Veröffentlichung einer eigenen Duftlinie hat einen ebenso hohen Stellenwert gewonnen! Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie, die mich immer unterstützt und angeregt hat. Schon seit langem trug ich mich mit dem Gedanken, eine eigene Marke zu gründen und ein anderer junger Unternehmer verschaffte mir die Flügel, eigene Wege zu gehen und mit viel mehr Freiheit eine eigene Linie ins Leben zu rufen! Unser Ziel ist es, Menschen, die mehr und mehr nach exklusiven Parfums suchen, Authentizität und Wissen über die Düfte, die sie kaufen, zu gewährleisten. Daher auch die Entdeckungsreise, die wir auf unserer Website anbieten.

Als Sie das Thema der Duftlinie wählten, entschieden Sie sich für die Richtung “Muscs” (Moschus) – ein Synonym für weiche, kuschelige Wohlfühldüfte. Wie kamen Sie auf diese Richtung?

Ich wollte mich von anderen abheben und wählte eine Grundidee und einen bestimmten Rohstoff, um daraus 5 verschiedene Düfte zu erschaffen. Viele erwarteten eine Anleihe an die “Guerlinade” oder neue Gourmands, aber ich wollte eine neue Aufgabe, einen Anreiz, darum wandte ich mich dem weißen Moschus zu.

1. In der Nischenparfümerie findet man wenige Düfte zu diesem Thema, und wenn, dann ähneln sie sich sehr im Aufbau.

2. ​Ist es kompliziert, mit weißem Moschus zu arbeiten, er ist nicht sehr ausdauernd und es ist ein Ansporn, ihn in jedem Duft neu zu erfinden.

Nun findet man in meiner Kollektion 5 verschiedene Interpretationen zu diesem Thema, zum Beispiel: Smeraldo hat eine grüne Facette, während Helicriss eine würzige aufweist. Mein Ziel war es, ihnen eine große Projektion zu geben, sie erinnerungswürdig zu gestalten, aber natürlich auch kuschelig, denn ich nenne sie auch die “Pashminas der Duftwelt”.

Ihre Kollektion umfasst derzeit 5 Parfums in der Eau de Parfum Konzentration: Smeraldo, Dovana, Helicriss, Lilylang und Florentina. Während alle wunderschön, märchenhaft und sehr angenehm zu tragen sind, fragen wir uns, ob Sie auch in andere Richtungen gehen möchten? Zum Beispiel mit der Verwendung von Oud oder in die Kategorien Chypre oder Floriental?

Derzeit denke ich schon an die nächste Kollektion und arbeite auch schon daran, die Richtung zu finden, evtl. Holz, Vanille oder Zitrus.

Derzeit kann man Ihre Düfte nur auf Ihrer website ​www.sylvaine-delacourte.com bestellen und Sie versenden in alle Welt. Ist geplant, auch in Geschäfte zu gehen?

Wir bieten die “Entdeckungsreise” auf unserer Website an, d.h. für 4 Euro inkl. Versand erhält man Proben aller 5 Düfte nach Hause geliefert und kann sie so kennenlernen. Man kann online Videos schauen, wie die Düfte gemacht werden und ich freue mich über Feedback. Man kann dann auch die Originalgröße des Duftes online bestellen. Im Moment führen wir Gespräche mit Partnern, die die Düfte genauso repräsentieren würden, wie ich es täte und erwarten, dass einige von ihnen diese in 2017 in wenige ausgewählte Geschäfte bringen werden.

Es ist ja auch riskant, einen Duft zu kaufen, von dem man nichts weiß. Daher ist es gut, dass man sie mit Hilfe des Sets testen kann. Ist auch geplant, die Produktpalette zu erweitern, mit Körperpflege o.ä.?

Wir sind ein junges Unternehmen und bauen die Marke Stück um Stück aus, aber der Hauptaugenmerk wird bleiben, Menschen auf eine Duftreise in das Herz des jeweiligen Parfums zu begleiten!

Während die von Ihnen geschaffenen Guerlain-Düfte Ihre ganz eigene Handschrift tragen, gourmand, verspielt und traumhaft sind, werden Sie in Zukunft auch weiter für das Haus Düfte kreieren oder gar noch für andere?

Ich werde keine weiteren Düfte für Guerlain mehr schaffen, aber noch auf dem Sektor “Düfte nach Maß” (Bespoke perfumes, Kreationen nach Kundenwunsch) tätig bleiben und Trainingsprogramme leiten. Auch werde ich weltweit der Botschafter der Marke Guerlain bleiben!
Das Interview führte Chanelle – vielen Dank!

30. November 2016 – 09:17

Weihnachtsgewinnspiel 2016 von Ludwig Beck & Parfumo

Die Suche geht weiter! Auch in diesem Jahr gibt es vom 1. – 24. Dezember täglich dufte Preise zu gewinnen.

So nimmst du teil

Trage zunächst deine Postanschrift in den Einstellungen ein, da du sonst nicht mit im Lostopf landest!

Ab dem 01.12.2016 wird täglich ab Mitternacht das Logo von Ludwig Beck auf der Detailseite eines bestimmten Parfums bei Parfumo zu sehen sein. Finde das Parfum, bei dem das Logo groß oben auf der Seite zu sehen ist und klicke auf den Link unter dem Logo!

Ein kleiner Tipp: Der Name des Parfums hat immer etwas mit Weihnachten oder Winter zu tun. ;-)

Hast du am jeweiligen Tag bis spätestens 23:59:59 Uhr den Teilnahme-Link angeklickt, nimmst du an der Verlosung teil.

Unter allen erfolgreichen Teilnehmern des Tages verlosen wir eine dufte Überraschung.

Wichtig: Du benötigst ein Parfumo-Konto mit eingetragener Postanschrift und musst eingeloggt sein, um das Logo zu sehen und teilzunehmen.
Das Gewinner-Parfum des Vortages wird täglich im Forum bekanntgegeben.
Das Parfumo-Team und Ludwig Beck wünschen viel Spaß und Glück beim Suchen!

Nicht vergessen: Auch bei Cosmetio wird gesucht! Hier geht es zum Cosmetio-Gewinnspiel

26. November 2016 – 16:23

80.000 Parfums – Der nächste Meilenstein ist erreicht

Mit „Parfum Royale No. 3“ nahm Parfumo-Research die 80.000ste Duftkreation in seine Datenbank auf. Damit baut Parfumo seinen Vorsprung als Online-Informationsprovider zu Düften aus.

Erst im März hatte das Parfumo-Research-Team den 70.000sten Duft kategorisiert. Mit dem anstehenden 80.000sten Parfum erreicht die vermutlich größte Duft-Wissensbasis der Erde ihren nächsten Meilenstein. Unser Duft Nummer 80.000 trägt den klangvollen Namen „Parfum Royale No. 3“ und stammt von „Roja Parfums“.

Als ambitioniertes Projekt steckt Parfumo-Research seit 2013 im Kern der wachsenden Duft-Datenbank. Frei nach dem Wikipedia-Prinzip recherchieren Parfumo-Nutzer laufend Informationen zu neu sowie zuvor eingetragenen Düften. Als ehrgeiziges Ziel sieht die Community die komplette Erfassung der enormen Parfumhistorie: Alle entsprechenden Daten gehören aufbewahrt für die Zukunft.

Praktisch kein Provider dürfte mehr Wissen zur vielfältigen Welt der Parfums anbieten. Letztlich lässt sich Parfumo bereits als globale Referenzbasis zu Düften betrachten – dank zahlreicher Nutzer und der ausdauernden Suche des Research-Teams nach Parfüms aus der ganzen Welt.

Bei Bedarf ziehen unsere Informationen auf jeweils leistungsfähigere Serverlandschaften um. So wachsen das Projekt „Parfumo“ und die Parfumo-Research-Gemeinde sowie „Cosmetio„, die noch recht kompakte Community zur Kosmetik.

Wir bedanken uns besonders beim Research-Team und sämtlichen Beteiligten für ihre spürbare Leistung. Gemeinsam mit unserer gedeihenden Community freuen wir uns bereits auf Parfum Nummer 90.000!

18. November 2016 – 10:51

Die „Global Art of Perfumery 2017“ – neue Düfte, neue Location, neue Auflage, neue Chancen

Die Verehrer einzigartiger Duftkreationen kommen natürlich auch 2017 wieder zur „Global Art of Perfumery“ zusammen, um den unvergleichlichsten Aromen zu huldigen. Dabei werden gerade 2017 die Duftkarten neu gemischt.

Schon die Liste der Aussteller, die sich bis Mitte 2016 bereits für die Messe angemeldet haben, liest sich wie ein Streifzug durch die Welt der Parfüms, Lotions und Cremes. Dazu kommen zahlreiche Schöpfungen in den Bereichen Accessoires, Dekoration und Kosmetik. Abgerundet wird die Messe von Vorträgen, in deren Verlauf die Fachbesucher und Teilnehmer aktuelle News und Hintergrundinfos aus der Branche erhalten.

Das wichtigste Novum der „Global Art of Perfumery 2017“ ist der Veranstaltungsort, denn 2017 treffen sich die Duftliebhaber im NRW-Forum in Düsseldorf. Das gesamte Areal ist ein denkmalgeschützter Kulturkomplex, der sich bereits mit anderen Events in den Bereichen Kunst, Design, Architektur und Fotografie als ideal für Messen und Ausstellungen hervorgetan hat. Dadurch hat sich das Düsseldorfer NRW-Forum zu einem Zentrum der Popkultur entwickelt.

Termine für die „Global Art of Perfumery 2017“ sind Samstag, der 6. Mai und Sonntag, der 7. Mai 2017 jeweils von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt voraussichtlich 10,00 Euro (nach der Onlineregistrierung) bzw. 20,00 Euro an der Tageskasse. Anmeldungen für die „Global Art of Perfumery 2017“ sind ab sofort möglich.

Weitere Informationen und Anmeldung:

http://global-art-of-perfumery.com

21. Oktober 2016 – 09:48

Interview mit Victor Wong – dem kreativen Kopf hinter Zoologist

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, ein paar Fragen an Victor Wong, den kreativen Kopf hinter ZOOLOGIST Perfumes, zu richten und er hatte einiges dazu zu sagen. Ich habe ihn als Katzenliebhaber (besonders seine süße kleine Ragdoll Dor-Dor) und humorvollen Menschen kennengelernt, der vom Nischenduftfan zum Nischenduftmacher gewachsen ist. Geboren in Kowloon, wohnhaft in Toronto, kam er eigentlich aus einer ganz anderen Ecke der Ideenschmieden…

Zuerst einmal, wie kamen Sie dazu, eine eigene Parfummarke zu lancieren?
Damals, im Jahr 2013, war ich mit meiner Laufbahn sehr unzufrieden und fühlte mich unsicher und frustriert. Ich glaube, ich hatte das, was man eine Midlife-Crisis nennt. Viele Leute machten Politik und trafen Entscheidungen, die nirgendwo hinführten. Ich wollte ein Projekt, das ich selbst steuern konnte. Ich wollte ein Produkt auf den Markt bringen, auf das ich stolz sein konnte. Zufällig hatte ich gerade die Welt der Nischendüfte entdeckt (ich war ziemlich besessen davon, wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann) und fragte mich, ob ich eine eigene Marke ins Leben rufen könnte. Ich hatte keine Geschäftsverbindungen, keine Erfahrung, keine Strategie und keine Kenntnis des Marktes, also war alles reines Bauchgefühl. Ich rief in basenotes dazu auf, ob mir jemand von den Parfümeuren dabei helfen könne, einige Düfte zu entwickeln, und zwei Indie-Parfumeure meldeten sich.

Haben Sie jemals überlegt, selbst als Parfümeur tätig zu sein und wenn nicht, warum nicht?
Ich habe kurz darüber nachgedacht, kam aber zu dem Entschluss, es zu lassen. Ich hätte erst lange lernen müssen, um gut genug zu werden und Zeit ist ein Luxus, den ich nicht habe. (Ich habe ja dann auch noch einen „richtigen“ Job. Wenn ich nach Hause komme, habe ich jetzt noch gerade genug Zeit, Bestellungen zu erledigen, den nächsten Duft zu entwickeln und für entsprechendes Artwork).

Wie würden Sie den Weg beschreiben, wie Sie den „richtigen“ Parfümeur zum jeweiligen Duftkonzept gefunden haben – oder war es eher umgekehrt? Haben etwa die Nasen ihre „Tiere“ ausgesucht, die Sie umsetzen wollten?
Bevor ein Projekt beginnt, ist es für mich am wichtigsten zu wissen, wie der Stil und das Temperament des Parfümeurs sid (durch Online-Chat). Nachdem ich seine / ihre Art kennengelernt habe, kann ich feststellen, welche Art von Tier passt. Einige Parfümeure machen beispielsweise sehr unkonventionelle und einzigartige Düfte, also werde ich ein Tier zuordnen, das unerwartet oder weniger allgemein beliebt ist. Einige Parfümeure entwickeln eher klassische Parfums, und ich werde diesen eher Tiere zutrauen, die generell als schön oder elegant angesehen werden. Natürlich gab es einige Parfümeure, die mich direkt angesprochen haben, ein bestimmtes Tier wiederzugeben. (Zum Beispiel Ellen Covey – Bat) Da habe ich natürlich nicht Nein gesagt (lacht).

Gibt es eine Verbindung zwischen der Arbeit als Spieleentwickler und einem Duftaficionado?
Vielleicht nicht, aber die Arbeit im Studio hat mich einiges gelehrt: was laufen wird, was nicht, sollte man mit unkonventionellen Dingen Risiken eingehen usw. Außerdem habe ich gelernt wie man ein Produkt entwickelt und bekannt macht…Social Media, Verpackung, Marketing. Kollegen, die jeweils auf eine dieser Dinge spezialisiert sind, haben mich mit Rat und Tat unterstützt (z. B. bei den Illustrationen der Etiketten).

Wird Zoologist bald einem größeren Publikum in Deutschland zugänglich gemacht?
Viele hier halten viel von dem Projekt und der Qualität der Düfte, doch sie sind nicht leicht zu bekommen, zumal die Bestellung im Ausland manche abschreckt. Im Moment sehe ich daher keine Möglichkeit, einen großen Markt zu bedienen. Ich mache quasi alles alleine, auch die Abfüllung, das Verpacken und Verschicken. 30 Flacons ist schon eine Tagesaufgabe. Wenn ich jetzt noch einen Zwischenhändler einschalte, kann ich die Preise nicht halten, also ist die zweitbeste Möglichkeit, direkt an kleine Händler zu verkaufen. Die beste Lösung ist derzeit Direktbestellung auf meiner Website, aber auch dann zahle ich beim Versand dazu, da der Versand aus Kanada leider sehr teuer ist.

Wie entstand die Idee einer tierbezogenen Serie und wird es in absehbarer Zeit noch eine in eine andere Richtung geben?
Im Moment bestehen nur folgende Vorgehensweisen:

1. Ein bestimmter Stoff, z. B. Castoreum, steht im Vordergrund des Konzeptes, in dem Fall Beaver.
2. Ein Duft wird vom Lebensraum des Tieres (Bat – versucht den Geruch einer Höhle umzusetzen) inspiriert.

Macaque hebt sich ein wenig von diesen Denkweisen ab, da bei diesem Duft die meditative Stimmung erlangt werden soll, die dieses Tier angeblich bei vielen Menschen auslöst.

Vielen Dank, Victor Wong!

Das Interview führte Chanelle – vielen Dank!

3. Oktober 2016 – 12:47

Nasengold im Parfumo-Interview – Vier Düfte, vier Fragen!

#S, :P, G. und /L – Nasengold, das Nischenduftlabel mit den kryptischen Namen, meldet sich erneut zu Wort!
An einem Montagabend im Juli treffen der Parfümeur Christian Plesch von Nasengold und ich uns zu einem zweiten Interview für Parfumo in der Tapas-Bar Altamira in Hamburg-Altona. Wir kennen uns seit etwa 15 Jahren, sind befreundet und ich freue mich, Christian mal wieder zu seiner Arbeit befragen zu können. Bei warmem Wetter, erfrischenden Getränken und leckerem Essen geht’s los:

 

Seit unserem ersten Interview hast Du zwei weitere Düfte auf den Markt gebracht. Zuerst erschienen #S und :P. Nach unserem Gespräch hast Du G. und /L entworfen. Magst Du was zu diesen beiden neuesten Kreationen erzählen?

Ja, G. basiert, wie das „G“ schon andeutet, auf Grapefruit. Was anderes ist gaaar nicht beabsichtigt. Das gehört zu Nasengold, dass der Name so ein Augenzwinkern hat, Ironie beinhaltet.
Es ging bei G. darum, einen Duft zu konzipieren, der die Grapefruit schön einkleidet. Normalerweise ist Grapefruit so ein Naturstoff, der sehr schwierig ist. Viele stören sich an seinem schwefeligen Akzent. Es ist nicht so einfach, daraus einen Unisex-Duft zu entwickeln, der auch etwas Weiches ausstrahlt. Ich hab das mit meinen Lieblingsgewürzen wie weißem Pfeffer, Ingwer und Kardamom probiert. Die Grapefruit explodiert damit förmlich als richtiges Frischegewitter. Um die Blitze abzuwehren, habe ich mit weichen Moschusnoten abgepuffert. Ich mag „kopfnotige“ Düfte. Aber nicht „monofrisch“, sondern so, dass sie auch Komplexität besitzen. Die Haltbarkeit ist ebenfalls ein Thema bei Grapefruit. Diese ganzen agrumigen Bestandteile sind normalerweise schnell weg. Aber durch Fondnoten, wie warme Holznoten beziehungsweise moderne ambrierte Akkorde, bekommt der Duft eine ganz andere Haltbarkeit.
Und /L ist ganz frisch rausgekommen. Das ist erst einen Monat (Interview war im Juli) in den Läden. Und „ / “ (SLASH) bedeutet in der Internetsprache „Pfad“. Und „L“ steht für „Luxus, Laster, Lenzen“. Und dieser Luxus als Attribut von /L ist ein anderes als das, was wir aus dem Fernsehen kennen. Es ist der Pfad, den wir einschlagen können: Den Luxus frei zu haben, zu entspannen, rauszugehen und ein Bier mit Freunden zu trinken, vielleicht auch ein bisschen den Lastern zu frönen. Aus diesem Grund ist der Duft zwar frisch, aber auch mit so einer lustvollen rauchigen Note. Dieser Kontrast besteht aus frischen Agrumennoten auf der einen Seite und Veilchennoten und Leder auf der anderen. Das ergibt einen ungewöhnlichen Effekt. Auch Maiglöckchen, krautige Akkorde und Litschi klingen an. Die Gesamtkomposition duftet für mich persönlich „luxuriös“.
Und zum Namen: Die Komposition der beiden Zeichen (/L) finde ich cool und avantgardistisch. Sie stehen optisch ein wenig im Kontrast. Jeder kann sich da hinein interpretieren, was er möchte.


Wie ist es denn bisher so mit Nasengold gelaufen?

Ich hab 2013 angefangen mit #S (ssssss, spritzig, sprudelnd). Und der lief gleich ganz ordentlich, da hab ich nach den ersten zwei Monaten schon nachproduzieren müssen. Und mit dem Erlös auch gleich das Geld verdient, um damit die zweite Variante :P anzuschieben. Wir sind in immer mehr Läden gekommen, was nicht zuletzt an meinem Distributeur Sven Eric Moos von willbeabrand liegt. Der kümmert sich darum, dass die Düfte hinkommen, wo sie gut aufgehoben sind, nämlich in Concept Stores und in kleine, feine Parfümerien. Da wo meine Düfte auch hingehören. Mittlerweile sind wir auch in anderen europäischen Ländern vertreten, so zum Beispiel in Dänemark, wo ich mit meinem Debut von #S einen Preis gewonnen habe („Best Niche Perfume in 2015“). Das war überraschend und geil.
Nasengold hat seit dem Start etwas Bekanntheit erlangt. Es ist schön zu erkennen, dass die Düfte an den Menschen unterschiedlich rüberkommen. Durch einen anderen Typus bekommen sie plötzlich eine ganz neue Aussage.
Ich arbeite auch weiterhin als angestellter Parfümeur und werde auch dabei bleiben, ganz einfach, weil es mir Spaß macht. Und ich genieße auch diesen Kontrast zwischen kommerzieller Arbeit und der Arbeit, die ich für mich selbst mache, die im Massenmarkt einfach nicht funktionieren würde.
Ich muss für mein eigenes Label nicht kommerziell sein. Von mir aus darf eine Sache auch mal floppen. Ich mach einen Duft in die Flasche rein, weil ich denke, der soll da rein.


Wie geht es weiter?

Nasengold sollte als Linie nicht zu weit aufgebläht werden. Sie soll belassen bleiben bei circa sechs Düften. Und das ich auch gut. Es soll eine kleine, feine Linie sein, die auch organisch gewachsen ist. Das ist mir wichtig. Dafür war es zu Beginn entscheidend, jemanden zu finden, der den Mut hat, eine Marke zu vertreiben, die mit nur einem Duft auf dem Markt startet. Risikobereit sind ja leider wenige heutzutage.
Und dann wird es so weiter gehen, dass ich nächstes Jahr mit einer neuen Marke starten werde. Die wird einen ähnlichen Duktus haben, zumindest von der Frechheit des Namens, wie Nasengold. Die beiden Düfte, mit denen ich reüssiere, sind fertig, da mache ich jetzt nur noch den Feinschliff. Und ich hoffe, dass die auf jeden Fall auch Fans finden werden, weil das auch so richtige kleine Drecksäue sind (lacht). Sie sind allerdings etwas erwachsener als die Nasengold Düfte. Sie sind immer noch sehr eigen und „sophisticated“, aber sie sind nicht mehr so „durchgeknallt“ wie die Nasengold-Sachen.


Was reizt Dich künstlerisch in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Es reizt mich, vielleicht mal ein paar Projekte mit Kollegen wie Mark Buxton oder Geza Schön anzustossen. Eine interessante, coole und moderne Koproduktion. Denn Nischenparfümerie betrachte ich auch ein bisschen als Avantgarde. Und mit den beiden Parfümeuren, die ich ja noch aus der Industrie kenne, verstehe ich mich nach wie vor gut. Nur dass wir uns an unterschiedlichen Standorten befinden…ich habe so viele Ideen, dass mir nicht langweilig wird.

Nasengold im Internet: http://www.nasengold.com/de

Nasengold bei Facebook: http://www.facebook.com/nasengold

Das Interview führte Milosava

7. September 2016 – 09:11

Mit den besten Freunden eine Parfummarke gründen – Interview mit Richard Lüscher Britos

Einfach einmal mit seinen besten Freunden eine Parfummarke gründen. Was wie ein Traum klingt, ist für Malvin Richard, Lukas Lüscher und Serena Britos Wirklichkeit geworden. Bei einem gemütlichen sowie inspirierenden Gespräch über einem Glas Weißwein wird eines klar: Diese Marke ist es definitiv wert, mit so viel Leidenschaft entdeckt zu werden, wie sie auch von ihren Schöpfern kreiert wurde.

 


Wenn Du von Euren Parfums sprichst, spürt man die Leidenschaft, welche Du für dieses Projekt empfindest. Wie würdest Du denn „Leidenschaft“ definieren?

Leidenschaft ist für mich das Gefühl, das mich antreibt. Ich habe keine Zweifel, stelle keine Fragen. Ich gehe einfach in eine Richtung und spüre, dass sie richtig ist. Und es macht unglaublich Spaß.

Und ihr seid alle drei einfach in eine Richtung gegangen?

Ja, wobei „in eine Richtung gehen“ in diesem Fall mehr „gemeinsam reisen“, „gemeinsam überall die Nase reinzustecken“ und „gemeinsam Menschen und Kulturen kennenzulernen“ heißt. Auf dem Fundament unserer Freundschaft ist ein Team gewachsen, das im Businessalltag funktioniert.

Funktionieren?

Ja, an Serena und Malvin schätze ich auch, dass wir uns gegenseitig direkt Feedback geben und auch gleich mit Lösungen kommen. Ich bin überzeugt, dass das Team von RLB nur dank dieser Eigenschaft funktioniert. Jeder hat unterschiedliche Stärken, wird aber gleichzeitig sehr stark vom Team reflektiert und kritisiert. So kann man sich enorm weiterentwickeln.

Wie hat Eure Tätigkeit begonnen?

Für uns war das größte Fragezeichen, ob im Markt ein reines Naturparfüm ankommt. Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns entschlossen, nach der Entwicklung der ersten Parfüms uns direkt den Kunden zu stellen. Aus diesem Grund hatten wir in Zürich für 3 Monate einen Pop Up Store. Eine unglaublich spannende Erfahrung – wir habe in einem nächsten Schritt das Konzept noch einmal vom Markt genommen und die Feedbacks der Kunden verarbeitet. Dann erst gelangten sie wirklich in den Markt und in den Vertrieb.

Das klingt auch alles sehr anstrengend. Wie entspannt man da nebenbei?

Joggen – das ist meine persönliche Meditation über den Mittag. Egal ob im Team oder alleine, es ist immer ein absolutes Highlight in meinem Tag. Und wenn ich einmal etwas Abstand vom Alltag, zieht es mich ins Oberengadin. Die felsige Halbinsel Chasté ragt sehr weit in den Silser See hinein und ist für mich Ruhe pur. Die dortige Kulisse mit den kleinen Buchten, das Wechselspiel zwischen den Bergen und dem Wasser sowie den Wind liebe ich über alles.

Gut, kommen wir jetzt zu Euren Parfums. Bei allen geht es um Terroirs. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Dies sind Orte von Individualität und Charakter, dort blüht die Natur, dort begegnet man Menschen mit Passion und Leidenschaft – Emotionen pur. Ein Terroir ist Inspiration, Lebensfreude und Erinnerung. All unsere Terroirs haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen und schaffen es immer wieder, mich enorm zu berühren und zu bewegen.

 

 

Eines Eurer Terroirs liegt ja in der Schweiz.

Ja das Terroir d’Annivier – liegt im Kanton Wallis. An der Baumgrenze dort wachsen die Arven/Zirbelkiefer an unglaublich exponierten Stellen – jeder, der einmal durch die Berge und Arvenwälder gewandert ist, kennt dieses Parfüm der Nadeln. Wenn die Sonne fast im Zenit ist, verströmt sich dieser Duft und hüllt die ganze Umgebung ein.

Dann gibt es noch die beiden Terroirs in den Nachbarländern, Italien und Frankreich.

In Italien steht die Bergamotte im Mittelpunkt, eine oft vergessene Frucht. Kennst Du deren wunderbaren Duft, den sie als Rohstoff hat? Das ist wirklich schon fast ein Parfum. Früher galt sie als das Gold der Parfümerie, heute ist sie etwas in den Hintergrund gerückt. Spannend ist, dass die Bergamotte nur in Italien gedeiht – die Legende sagt, nur dort, wo man den Ätna sieht, wachsen die Bäume.

In Frankreich steht der wilde Berglavendel im Fokus. Von 6 Frauen wird dieser jedes Jahr gesammelt und noch mit einer Sichel von Hand geerntet. Wir hatten das Glück, einmal bei der Ernte dabei zu sein. Also Glück ist relativ, am Abend hatten wir Rücken- und Knieschmerzen. Heute habe ich großen Respekt von der Leistung dieser Frauen.

Wenn ich mir die Beschreibung des Terroirs von Frankreich ansehe – es geht auch um Schafe?

Eine lustige Geschichte – Schafe sind sehr präsent im Terroir. Der Grund ist einfach: Die Pflückerinnen sind auf die Hirten angewiesen, da die Schafe die jungen Bäume essen. Wäre das nicht der Falls, so wäre im Terroir nur Wald. Nach unserer Reise hatten wir die Vision des Parfüms und gingen zu Andy Tauer. – ein unglaublich talentierter Parfümeur. Nach einiger Überzeugungsarbeit sagte er zu und wir teilten mit ihm die Vision des Parfüms. Unter anderen sagten wir „Andy, es riecht stark nach Schafen“. Er schaute uns an, als ob wir vom Mond kommen. Doch dann hat er uns verstanden: Heute hat das Parfüm eine leichte animalische Nuance.

Ok, anders exotisch sind Madagaskar und Kolumbien

Ja, bei beiden stehen Blumen im Mittelpunkt, doch beide sollen auch diese beiden Hotspots an Biodiversität in vielen Facetten zeigen. Bei Madagaskar hat Vero Kern die florale Note von Ylang-Ylang genial umgesetzt mit der scharfen Nuance des Rosa Pfeffers. Und Kolumbien zeigt die Schönheit der Gardenie, aber auch die kolumbianische Lebensfreude.

Jetzt kommt bald Euer neues Parfum auf den Markt. Was hat Euch an eben diesem Terroir besonders fasziniert?

In Marrakesh gibt es unglaublich viele Traditionen. Etwa die Gastfreundschaft. Vor allem die Teezeremonie ist sehr wichtig und deshalb führt sie meist das Familienoberhaupt durch. Dabei wird Tee aus frischer Nanaminze mit reichlich Zucker zubereitet. Der verströmt ein unvergleichliches Aroma. Süßlich-aromatisch und doch auch frisch. Dazu gibt es Wassermelonen, deren Duft dann auch noch die Umgebung durchzieht. Während man den Tee trinkt, tauscht man die neuesten Geschichten aus. Jedes Mal gibt es drei Aufgüsse, dann verabschiedet man sich. Auch das ist Teil der Tradition.

Dieses Parfum wurde ja bereits mit Crowd Funding finanziert. Wie sieht es jetzt aus? Neue Pläne und wieder dieses Modell?

Ja, hier müssen wir uns nicht vormachen – als Nischenmarke ist Geld immer ein Thema. Aus diesem Grund haben wir das Crowd Funding für unsere Parfums eingeführt – wir suchen das Terroir und unsere Kunden kaufen nur anhand einer Terroir Impression das Parfüm im Voraus. Dieses Geld verwenden wir für die Entwicklung und die Crowd Funding Paten erhalten das Parfüm exklusiv vor dem Handel. Für uns eine erfolgreiche und spannende Geschichte. Das nächste werden wir auch so finanzieren. Es könnte eine Rose aus dem Iran sein – mal schauen.

Klingt wunderschön.

Ja, das ist es auch. Einerseits das Parfum, aber andererseits auch, dass wir dies machen können.

Schön ist auch, dass ich noch erwähnen darf, dass ihr etwas verlost. Unter allen, die hier einen Kommentar hinterlassen, wird ein Probenset verlost. Also einfach kommentieren und auf das Glück hoffen.

Danke Dir für das Interview!

Alle Parfums bei Parfumo >>

Website von Richard Lüscher Britos >>

Das Interview führte Barbara Korp, vielen Dank!

17. August 2016 – 09:50

Interview mit Didier Gaglewski aus Grasse

„Es ist schwierig, ein einfaches Parfum zu machen, nicht zu viel sagen zu wollen.“

Wer Grasse schon einmal einen Besuch abgestattet hat, weiß, dass die 50.000-Einwohner-Stadt im Hinterland der Côte d´Azur vom ersten Eindruck her eher kommerziell als pittoresk wirkt. Schon am Ortseingang wird man von den riesigen Werbetafeln der dort ansässigen, großen Parfumhersteller erschlagen … und möchte seine romantisch-verklärte Vorstellung von der Welthauptstadt des Parfums – zweifelsfrei der Süskind-Verfilmung geschuldet – am liebsten sofort wieder begraben.

Begibt man sich jedoch offenen Auges in das historische Herz von Grasse, lässt sich beim Flanieren durch die schmalen Gässchen das ein oder andere Kleinod der Parfumkunst entdecken! „Immer der Nase nach“ zog es uns an jenem Tag in die Rue de l’Oratoire, wo wir auf das kleine Atelier des Parfümeurs Didier Gaglewski stießen. Angetan von Gaglewskis offener und warmherziger Art sowie der Vielfalt seines Sortiments baten wir ihn um ein Treffen für den darauf folgenden Tag.

Das Interview und die Übersetzung aus dem Französischen machten Marie (alias Landlady) und Stefan (alias Landlord).

 

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit Geruch zu beschäftigen?

Diese Leidenschaft habe ich bereits seit meiner Kindheit. Ich habe schon als Kind viele Informationen über die Düfte des Gartens gesammelt. Und ich war mein ganzes Leben lang interessiert an Kreativität. Ich fand heraus, dass die Parfümerie ein Bereich ist, in dem es viele Möglichkeiten des Schaffens gibt. Ich denke, wir können mit jedem Parfum etwas Neues erzählen. In der Malerei zum Beispiel ist vieles bereits ausgeschöpft. Aber ich denke, mit Parfum kann man neue Türen öffnen. Es ist Material für die Kreativität. Und das ist es, was mich in dieses Universum hineingezogen hat: Es lässt mich etwas Neues ausdrücken.


Haben Sie denn schon als kleiner Junge entdeckt, dass Gerüche etwas Besonderes für Sie waren?

Ich glaube, in der Kindheit ist das ganz natürlich, da hat man keine besonderen Eindrücke, man liebt viele Gerüche und erfasst sie. Dass Gerüche etwas Besonderes für mich sind, habe ich erst später gemerkt – ausgerechnet durch ein Praktikum in der Weinkunde, das ich bei einem sehr bekannten Önologen in Paris machte. Es war dieser Mann, der mir sagte: „Du hast wirklich Potential, und du solltest dieses Potential zum Ausdruck bringen. Du bist eine Nase.“ – auf französisch sagt man Nase. Das ist wirklich eine Anerkennung. Und er war es, der mich dazu brachte, den Weg in diesem Bereich weiterzugehen.


Wie alt waren Sie damals?

31.


Hatten Sie Vorbilder im Bereich der Parfümerie?

Das ist eine gute Frage, finde ich, weil es ein „Erbe“ in der Geschichte der Parfümerie gibt. Ich habe den Eindruck, in einer Tradition zu stehen. Damals hatte ich kein Idol, aber es gibt Menschen, die mich beschäftigt haben, zum Beispiel Edmond Roudnitska, weil er viel geschrieben hat. Es gibt ein französisches Sprichwort: Wenn Du auf die andere Seite des Flusses willst, hilft Dir derjenige, der schon auf der anderen Seite steht.


Wie eine Art Mentor?

Ja, das ist es. Ich habe viele seiner Bücher studiert. Das ist wirklich interessant. Um in diesem Metier Fuß zu fassen, musst du viel über Parfum wissen, um das „Innere“ zu verstehen. Und du brauchst einen Abstand, weil, wenn du sehr nahe dran bleibst an den Parfums, die schon gemacht worden sind, dann wirst du nichts Neues schaffen. Und das ist das, was ich versuche.


Wir beobachten ja fast jeden Tag das Erscheinen neuer Parfums. Wie schaffen Sie es, Parfums zu kreieren, die sich von denen unterscheiden, die bereits existieren?

Wir haben heutzutage eine sehr interessante Epoche. Bisher haben wir die Parfums in Familien eingeteilt: Es gibt die Parfum-Familie der Chypren, wir haben die Familie der Orientalen, usw. Das war es einfach. Heutzutage haben wir wirklich viel mehr Kreativität und viel mehr unglaubliche Sachen. Die Kreativen öffnen eine Tür, machen neue Sachen, manchmal entsprechen sie nicht dem Zeitgeist und so wird der Duft kein Erfolg. Aber heutzutage gibt es viele Kunden, die neue Sachen suchen. Etwas Neues zu schaffen ist nicht schwer, aber es ist schwer, etwas zu schaffen, das den Bedürfnissen der jeweiligen Person entspricht. Wenn Du etwas zu Revolutionäres schaffst, dann werden die Menschen es nicht verstehen. Das heißt, Menschen, die in Kategorien denken, werden es nicht verstehen. Aber heute gibt es viele Menschen, die mich verstehen. Es gibt viele Leute – wie euch zum Beispiel – die etwas in Bewegung bringen. Von daher ist es eine wirklich gute Zeit für Parfum.


Wir haben auch festgestellt, dass die Namen vieler Parfums sich heutzutage auf ihre Inhaltsstoffe beziehen. Was denken Sie, ist das eine moderne Entwicklung?

Ich glaube, der Name ist wichtiger geworden. Selbst wenn er etwas aussagt, was sehr weit entfernt ist vom Geruch. Zum Beispiel „Das ist das fünfte Parfum“, also Chanel No. 5, das war modern, das war interessant. Lange Zeit drückte man wenig aus mit Parfums, die sehr nah an ihren Ausgangsstoffen waren. Man hat viele Kompositionen gemacht, die sehr gehaltvoll waren, die zu viel sagen. Heute gibt es ein Bedürfnis nach einfacheren Dingen. Es ist schwierig, ein einfaches Parfum zu machen, nicht zu viel sagen zu wollen. Das ist schwer. Heutzutage bezieht man sich im Namen vielleicht eher zurück auf die Ausgangsstoffe, man erweist dem Ursprung – zum Beispiel der Pflanzen – ihren Respekt. Ob das ein guter Grund ist oder nicht: Letztlich entscheiden die Menschen darüber, ob es funktioniert oder nicht.


Wo finden Sie die Inspirationen für Ihre eigenen Parfums?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, weil die Inspirationen sehr variabel sind. Am Besten gebe ich ein Beispiel. Ich habe hier beispielsweise ein Parfum namens „Cambouis“ (Schmieröl). In diesem Fall ist es wirklich der Name, an dem sich die Kreation orientiert. Es ist sozusagen ein Universum des Mechanikers und des Motorrads.

 

 

Sie fahren also mit Ihrem Auto in eine Werkstatt und schnuppern und denken dann, das könnte ein Parfum werden?

Ja. Hier war es so. Ich bin in eine Werkstatt gefahren, habe mich vorgestellt, erzählt, dass ich an einem Duft arbeite. Der Mechaniker hat mich aufgenommen, hat mir ein kleines Fläschchen des Öls abgefüllt, das er benutzt und mit dem konnte ich arbeiten. Dann habe ich mich zurückgezogen und es analysiert. Das war sehr interessant für mich. Das ist ein Beispiel für ein Parfum. Aber es gibt auch Parfums wie z.B. „Journaliste“, die aus einem Spiel mit zwei Grundstoffen entstanden sind, Zedernholz und Gewürzen wie Zimt. Dann arbeite ich wirklich wie ein Kind, das spielt.


Ein Spiel im Laboratorium?

Nein ein mentales Spiel. Es ist wirklich zunächst ein gedankliches Spiel.


Ich selber, ich mache Theater. Manchmal schlafe ich – und mitten in der Nacht wache ich auf und habe eine Idee für eine Szene. Ist das ähnlich bei Ihnen?

(lacht) Ja, ich muss mich nur kurz hinlegen. Es ist das Vertrauen in die Muße. Ein Beispiel: Ich will an einem Damenparfum arbeiten. Ich habe „Cambouis“ für den „starken Mann“ – und für seine Freundin will ich etwas entwerfen, aber es wird nicht so, wie ich es will. Auf dem Weg treffe ich aber auf einen Akkord, der wirklich sehr interessant ist. Dann wechsle ich im Verlauf komplett meine Idee und gehe ganz woanders hin, als ich vorhatte und bin sehr glücklich, diesen durch Zufall getroffen zu haben. So ist es oft, wenn ich etwas will. Bei meinem letzten Duft „De Memoire de Rose“ wollte ich einen Soliflor machen, also einen Duft, der nur einer Blume gewidmet ist, der Rose. Er sollte einfach sein, nahe an der Blume sein, und ich arbeitete mich rundum und mit viel Feingefühl an die Blume heran – und nach viel Arbeit wurde es gut.


Würden Sie als Konsequenz sagen, dass die Zeit, in der Sie ein Parfum komponieren, unterschiedlich lang ist, abhängig von der Inspiration?

Ja. Ich bin auch sehr neugierig. Wenn ich reise, beobachte ich viel. Ich weiß, dass ich mich durch andere Schöpfungen inspirieren kann als nur durch Düfte. Auch die Malerei und die Literatur geben mir Ideen für die Kreation eines Parfums. Deswegen kann die Zeit zur Entwicklung eines Parfums sehr unterschiedlich lang sein.


Ist das der Grund, warum Sie auch viel fotografieren? Um Ihren Blick zu schärfen? Ist die Fotografie für Sie sozusagen eine „Schule des Sehens“, um Inspirationen zu entdecken?

Es geht mir um Ästhetik. Ich glaube, es gibt in ästhetischer Hinsicht Verbindungen zwischen der Komposition eines Fotos, eines Parfums oder eines literarischen Werkes. Die Schönheit ist die Brücke, das Bindeglied. Und das ist wirklich interessant. Ich fotografiere viel, wenn ich reise, nicht digital, sondern schwarz-weiß mit meiner Leica und entwickle die Bilder auf altmodische Weise selbst. Dadurch muss ich gut beobachten und eine gute Auswahl und Entscheidung treffen – und das ist auch nahe an unserem Metier.


Fertigen Sie auch die Bilder für Ihr Parfum-Marketing selbst?

Nein. Gut, ich mache auch Bilder für meine Website, aber Bilder meiner Parfums, das ist eigenartig, aber das kann ich nicht. Und vielleicht habe ich Recht (lacht). Dabei, ja, wäre es nachvollziehbar, beides zu verbinden, Parfum und Fotografie, schöne Schwarz-Weiß-Bilder zu machen für die Website, das könnte wirklich sehr schön sein. Ja. Grundsätzlich fotografiere ich allerdings lieber in den Großstädten, ich mag die Menschen, die Lebhaftigkeit der Städte, es passiert immer etwas. Aber ich bin auch interessiert an ruhigeren Motiven, zum Beispiel an Stillleben.


Ihr Laden ist sehr oft geöffnet. Zu welcher Zeit kreieren Sie Ihre Parfums?

Abends. Zwischen vier und fünf Uhr schließe ich den Laden und dann arbeite ich. Manchmal ist es schwer, hier zu sein. Aber im Moment mag ich es sehr gerne, hier mit Menschen zusammenzutreffen. Ich mag es, den Menschen meine Parfums zu erklären und Menschen zu treffen, die etwas entdecken wollen. Die Menschen, die mein Geschäft besuchen, kommen aus Amerika, Deutschland, Australien, von überall her. Es ist wirklich sehr interessant, etwas Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich mag es sehr, meine Faszination für Parfum mit ihnen zu teilen.


Kann das so weit gehen, dass Sie durch die Gespräche mit Kunden zu neuen Kreationen inspiriert werden?

Nein. Ich finde es einfach sehr angenehm, einen „warmen Moment“ mit den Menschen in einer gemeinsamen Leidenschaft zu teilen. Aber dass ich durch diese Gespräche inspiriert werde oder mir Kunden eine Idee schenken, nein, im Allgemeinen nicht.


Ich kam auf die Frage, weil in großen Unternehmen die Parfum- und die Marketingabteilung natürlich getrennt sind und hier bei Ihnen…

(lacht) Ja, ich bin alles zusammen…

 


… und das ist eine besondere Herausforderung?

Ja. Ich bin sehr schlecht in Marketing. Aber die Leute dazu zu bringen, miteinander zu sprechen und es weiterzuerzählen, das ist meine Werbung. Dadurch habe ich einige gute Artikel bekommen, z.B. im Michelin-Reiseführer und im Polyglott. Das ist meine Werbung. Ich verfolge keine Marketing-Strategie. Ich bin in der Lage, zu tun, was ich mag. Und das ist schon sehr viel, finde ich.


Ist es für Sie denn möglich, ein Parfum zu kreieren, das Sie selbst nicht mögen, das Sie aber kreieren, um Erfolg bei den Kunden zu haben?

Nein. Aber das ist mit Recht eine gute Frage. Aber ich bin frei, ich habe keinen Chef, außer meiner Frau (lacht). Ich habe keine Sorgen wegen meiner Unabhängigkeit. Diese Freiheit in meinem Beruf ist für mich sehr interessant. Wenn ich ein Parfum mache, weiß ich nicht, ob es dir gefällt. Es gefällt mir, aber ich weiß nicht, ob es dir gefällt. Und wenn ich das an einem Menschen teste und frage: Magst du es? Und er sagt Ja. Gut. Manchmal mag er es nicht. Gut. Ich mag es. Meine Parfums sind wie Kinder. Und sie sind alle verschieden.


Tragen Sie Ihre eigenen Parfums auch selbst?

Das ist sehr selten, muss ich sagen. Manchmal ja, aber ich kann zum Beispiel nicht essen und ein Parfum tragen, das ist für mich sehr schwer. Deshalb bleibe ich meist „neutral“. Ich liebe Düfte – aber sie zu tragen…, naja, ich weiß, das ist jetzt keine gute Werbung für mich (lacht).

 

 

Aber konsequent. Als wir Sie gestern zum ersten Mal besuchten, haben Sie gesagt, dass Ihre Produktion sehr „natürlich“ ist. Heißt das, dass Sie nur Duftstoffe aus ökologischer und nachhaltiger Produktion nutzen?

Nun, ich versuche das Maximum. Aber es ist sehr schwer, nur biologische Essenzen und Absolues zu benutzen. Für die Komposition brauchen wir noch andere Dinge. Die Geschichte der modernen Parfümerie ist die der Mischung verschiedener Inhaltsstoffe, biologisch nachhaltig erzeugter und chemischer. Ich nutze viele biologische Stoffe, die mir einen großen Duftreichtum bieten, aber ich muss auch andere Dinge nutzen. Die Antwort ist deshalb nicht schwarz oder weiß. Ich nutze zum Beispiel biologischen Alkohol und viele natürliche Grundstoffe, die nachhaltig für die Umwelt sind, aber ich muss sie erweitern mit künstlichen Stoffen. Das ist notwendig für jede Kreation.


Kommen die Pflanzen, die Sie nutzen, aus Ihren eigenen Gärten?

Nein. Hier in der Region haben wir Lavendel, Jasmin, Tuberosen, Mimosen, Orangenblüten, Rosen, aber zum Beispiel kein Zedernholz, kein Sandelholz, kein Ylang-Ylang, das von den Komoren-Inseln kommt. Aber in Grasse finden wir Parfümeure was wir wünschen. Wir importieren viel und wir haben, was wir wünschen. Das ist ein Traum für einen Parfümeur.

In einem anderen Artikel haben wir allerdings gelesen, dass Sie einen eigenen Garten haben, drei Hektar groß…

(lacht) Oh, das wusste ich nicht. Nein, das ist eine Freundin, die einen großen Garten hat. Mit ihr habe ich viele interessante Projekte zusammen gemacht. Zum Beispiel haben wir mit der „Enfleurage à froid“* gearbeitet. Diese Technik existiert kaum noch und ist sehr teuer. Sie erlaubt es, den biologischen Charakter der Blumen zu konservieren. Mit der aktuellen Technik, wenn man Blumen mit Mineralöl mischt, das ist nicht mehr biologisch. So haben wir auch mit der alten Technik gearbeitet, um die natürliche Seite zu erhalten.


Das klingt spannend. Wann können wir mit einem neuen Parfum von Ihnen rechnen?

Schon bald. Im September 2016 erscheint „Bal à l’Ambassade“ (Ball in der Botschaft), ein Soliflor, der der Tuberose gewidmet ist.


Dann wünschen wir Ihnen viel Erfolg mit dem neuen Duft und für Ihre weitere Arbeit. Und herzlichen Dank für das Interview!


* Mehrmonatiges wiederholtes Aufstreuen von Blütenblättern auf mit fett bestrichene Glasplatten. Ähnlich wie Butter im Kühlschrank nimmt das Fett die Geruchsstoffe auf, die dann durch Alkohol ausgewaschen werden. Zurück bleibt das reine Blütenöl, das Absolue d`enfleurage (Anm. der Übersetzer).

Weitere Informationen: www.gaglewski.com