Räucherstäbchen im Frühlingsgarten – White Aoud von Montale (Aus Liebe zum Duft)

2. September 2010 – 11:33

Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern. Ich hatte mit Fire Island meinen ersten Nischenduft gekauft und hatte vor noch mehr Düfte aus diesem exklusiven Segment kennen zu lernen. Voller Erwartungen betrat ich die Parfümerie und das Erste was ich sah, waren die Flakons von Montale. Aluminiumflakons, großartig! Zu diesem Zeitpunkt waren Begriffe wie Oud oder Adlerholz noch Fremdworte für mich. Ohne Scheu nahm ich den einzigen weißen Flakon, missachtete die Aufschrift völlig und gab zwei Sprühstöße auf meine Jacke (warum ich damals so handelte ist mir heute schleierhaft…). Was soll ich sagen? White Aoud ist nicht der beste Duft, um in die Welt des Oud einzusteigen. Abschreckend, medizinisch, kratzig, laut! Das waren meine ersten Assoziationen zu diesem Parfum. Meine noch sehr ungeübte Nase war noch sehr Massenmarktverwöhnt und dachte, alles zu kennen. Weit gefehlt, denn ein solches Spektakel war mir bis dahin noch nicht unter gekommen. Ich ärgerte mich dieses Monstrum auf meine Jacke gegeben zu haben, dann auch noch gleich zwei Sprühstöße! Doch, wie so oft, veränderte sich der Duft. Er gefiel mir immer besser, trotzdem kam er nie in die engere Auswahl. Heute, viele Monate später, habe ich mir eine Probe zukommen lasse, vielen Dank an ,,Aus Liebe zum Duft” dafür! Nur ein Sprühstoss und meine mittlerweile nicht mehr Oud scheue Nase schwelgt in Erinnerungen.

Ja, so habe ich White Aoud in Erinnerung. Was ich damals als unerträglich empfand, ist jetzt großes Kino. Eine solide Wand des begehrten, arabischen Holzes verbreitet sich: Reich, tief, markant und gleichzeitig auch weich. Hinter dem Oud, zunächst schwer zu erkennen, verbirgt sich bereits jetzt ein cremiger Akkord aus weißen Blüten. Etwas Jasmin nimmt man wahr, glücklicherweise kein animalischer Jasmin, sondern eher ein grüner, taufrischer. Was für ein sonderbares Szenario: Räucherstäbchen im Frühlingsgarten nach dem Regen. Das findet man in dieser Form nur sehr selten. Ist es doch oft so, dass Oud mit dunklem Patchouli und anderen finsteren Duftnoten kombiniert wird. Tatsächlich ist es so, dass auch in White Aoud solch markanten Noten enthalten sind, aber sie werden alle durch zarte, cremige Akkorde aufgehellt. Das Herz des weißen Räucherstäbchens erscheint mit deutlichem Vetiver Anteil auf der Bildfläche und bringt auch Safran mit sich. Aber auch hier wirkt alles weich. Es ist wie bei einem Foto, welches man mit dem Weichzeichner bearbeitet hat. Alle Kanten wirken angerundet, eben soft. Trotzdem sind sie noch erkennbar. So verhält es sich bei White Aoud. Es hat Ecken und Kanten (und was für welche!) aber eben keine allzu scharfen. Wer zum Vergleich Black Aoud kennt, weiß wovon ich spreche. Währenddessen hat sich auf meinem Handgelenk wieder einiges getan. Das Oud tritt langsam in den Hintergrund, wird immer anschmiegsamer und zarter. Die Bilder vom Frühlingsgarten nach dem Regen schwinden, es ist Abend geworden. Im Garten weht nun ein ganz und gar anderer Wind. Mysteriös, knisternd, erotisch. Der Geruch der Räucherstäbchen ist noch zu erkennen, ist aber eins mit der Natur geworden. Patchouli und Sandelholz vermischen sich mit Vanille, was für eine Wandlung! Obwohl ich schon zu Beginn etwas hinter dem Oud ahnte, hätte ich nicht gedacht, dass es dieses verdrängt und die Oberhand gewinnt. Meistens ist es so, dass keine andere Note gegen das arabische Holz ankommt. Pierre Montale hat sich bei White Aoud scheinbar dazu entschieden, einen Ausgleich zu schaffen und das Oud nicht komplett dominieren zu lassen. Eine weise Entscheidung, andernfalls wäre dieser Duft dem Black Aoud viel zu ähnlich gewesen. So aber hat Monsieur Montale eine wunderbare Variation des heutzutage überlaufenen Themes geschaffen. Für Liebhaber solcher Parfums kann ich eine klare Empfehlung aussprechen!

Wer denkt, er habe alle Oud Varianten getestet, sollte White Aoud eine Chance geben, denn ich bin mir sicher eine solche Interpretation des Genres ist nicht alltäglich. White Aoud ist kein zarter Blütenduft, soviel ist sicher. Aber jene die vor markantem, medizinischem Adlerholz nicht zurückschrecken, können dieses Eau de Parfum sicherlich genießen. Ein weiterer Pluspunkt ist die enorm hohe Haltbarkeit des Duftes. Ein länger haltbares Parfum kenne ich nicht, der Geruch hält sich über Monate. DIe Jacke, welche ich damals in der Parfümerie besprühte, würde heute noch duften, wäre sie nicht einige Male durch die Reinigung gegangen. Und das ist erstaunlich. Montale hat mich wieder einmal überrascht, er ist ein sehr talentierter Parfumeur, auch seine “nicht-Oud-Parfums” sind grandios komponiert und haften sehr lange an Haut und Kleidung. Jeder sollte wenigstens eine kleine Auswahl an Montale-Parfums kennen. Wer Interesse hat, sollte sich an ,,Aus Liebe zum Duft” wenden.

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Memoir – Neue Düfte von Amouage

1. September 2010 – 13:35

Inspiriert vom dekadenten Genie des französischen Poeten Charles Baudelaire aus dem 19. Jahrhundert und der deutschen Philosophie des Doppelgängers, geht Christopher Chong auf eine wissbegierige und tiefgründige Reise um die unergründlichen Mysterien, welche der menschlichen Natur innewohnen, zu entschlüsseln. Er äußert diesen Einfluss durch die Zusammenführung von provokanten und potenten Duftstoffen, wie Absinth mit anderen Blüten- und Holzakkorden um eine düstere Stimmung heraufzubeschwören.

Verkörpert druch die introspektiven Seiten von Baudelaire’s Buch der Poesie: Les Fleurs du Mal (Blumen des Bösen), versucht Memoir Man seine eigene Idendität in der Unterwelt zu entschlüsseln, wo er auf sein anderes Ich, sein Alter Ego trifft, den schwarzen Schwan. In diesem Zentrum der Untugend und der Verdammung, sind die Angst, das Unerwünschte, das Dunkle, das Eindringliche und das Unaussprechliche die Pracht der Wahrheit.

Das weibliche Geschlecht in dieser Geschichte, der schwarze Schwan ist Memoir Woman; sie ist er und er ist sie. Eindringlich kommen sie zusammen und repräsentieren die Vergangenheit des anderen, Gegenwart und Zukunft in der sie den Schmerz und den Kummer des anderen imitieren. Sie wurden getrennt und wieder vereint durch die Erinnerung die sie Teilen. Diese Erinnerungen werden durch widersprüchliche Duftakkorde repräsentiert, welche philosophisch und hypnotisierend anmuten.

Memoir Man ist ein ledrig/holziger Fougére, kreiert von Karine Vinchon-Spehn, mit Noten von: Absinth, Amber, Basilikum, Eichenmoos, Estragon, Guajakholz, Lavendel, Leder, Minze, Moschus, Rose, Sandelholz, Tabak, Vanille, Vetiver und Weihrauch.

Memoir Woman ist ein ledrig/animalischer Chypre, kreiert von Dorothée Piot, mit Noten von: Absinth, Bibergeil, Bockshornklee, Eichenmoos, Gewürznelke, Hölzer, Jasmin, Kardamom, Labdanum, Leder, Mandarine, Moschus, Pfeffer, rosa Pfeffer, Rose, Styrax, Weihrauch und weißen Blüten.

Erhältlich als 50 und 100 ml Eau de Parfum Spray

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Natürliche Inhaltsstoffe – Die Lüge

28. August 2010 – 19:46

Natürliche Inhaltsstoffe – Die Lüge

,,Dieses Parfum besteht nur aus natürlichen Essenzen, daher ist es so hochwertig!“ Dieser Satz sollte allen Parfumliebhabern bekannt sein. Ob Hersteller oder Parfümeriefachverkäuferin, alle vermitteln sie das Bild, je mehr Natur in einem Parfum enthalten ist, desto besser. Aber warum ist ein natürliches Parfum besser? Ist etwa alles was von Mutter Natur kommt rein und hochwertig? In diesem Artikel möchte ich für etwas Aufklärung um die mysteriösen natürlichen Inhaltsstoffe sorgen, denn das was viele Konzerne uns glauben lassen, ist eine Lüge. Jeder weiß, dass ein Parfum aus Alkohol, Wasser und Parfümöl bestehen. Und dieses Parfümöl setzt sich wiederum aus natürlichen Essenzen und synthetischen Duftmolekülen zusammen. Anfangen möchte ich mit dem Unterschied zwischen natürlich und synthetisch.

Um eine natürliche Essenz zu erhalten, gibt es verschiedene Verfahren. Ich möchte diese nicht genauer Erläutern, dennoch sollte gesagt sein, dass bei diesen Verfahren eine große Menge an Rohstoffen nötig sind und am Ende nur kleinste Mengen an Essenz entstehen. Somit ist die Herstellung sehr teuer, was sich auch natürlich auf den Endpreis der Essenzen auswirkt. Ein natürlicher Duftstoff kostet (wenn er zu den günstigeren zählt) pro Kilogramm ca. $500. Nach oben gibt es kaum Grenzen und es ist nicht selten das man auch über $1000 pro Kg investieren muss. Etwas günstiger ist da die Herstellung von Extrakten aus Gewürzen und ähnlichem. Ein natürlicher Geruchsstoff setzt sich teilweise aus hunderten einzelnen Aromen zusammen und zeichnet sich durch einen komplexen und tiefen Geruch aus. Ein Parfumeur drückte diese Tatsache einst so aus: ,,Synthetische Duftmoleküle sind die Knochen eines Parfums, natürliche sind das Fleisch.“ Oft ist es so, dass die Kunden in der Parfümerie gezielt nachfragen, ob ein bestimmtes Produkt nur aus natürlichen Stoffen besteht, in der Hoffnung etwas unschädliches und exklusives gefunden zu haben. In Wahrheit ist es aber so, dass die meisten Essenzen nicht so riechen, wie der Rohstoff an sich. Das bedeutet, natürliches Rosenöl riecht nicht so, wie die Rose im Garten, wenn man an den Blüten schnuppert. Wenn man also ein Parfum haben möchte, welches genauso duftet wie die Rose im Garten, dann muss man auf Synthetik zurückgreifen. Es gibt eine Technik, die man als ,,headspace“ oder auch ,,living flower“ bezeichnet. Bei dieser Technik analysiert man die Luft um die Blume herum und versucht diesen speziellen Geruch mit synthetischen Duftmolekülen nachzumischen. Da passiert es schnell, dass das chemische Gemisch eher nach echter Rose riecht, als die natürliche Essenz. Und wer hat es bemerkt? Ich behaupte niemand!

Und da wären wir bei der ungeliebten Synthetik. Ein synthetischer Duftstoff ist im Vergleich zur natürlichen Essenz günstiger, aber vom Duft her flacher und simpler. So kostet ein typisches Synthetikmolekül ca. $50 pro Kilogramm. Ja, da ist ein gravierender Unterschied zum Natürlichen. Das zeigt, dass die Herstellung eines solchen Moleküls wesentlich einfacher und günstiger ist, als die teils schwierige Extraktion von Blüten. Die ersten Parfums mit Synthetik wurden bereits um 1868 entwickelt. Einer dieser ersten ,,künstlichen“ Düfte ist das großartige Jicky von Guerlain. Es erschien im Jahr 1889 und enthält unter anderem Vanillin und Coumarin. Und dennoch besteht Jicky nicht nur aus künstlichen Stoffen, sondern es ist eine raffinierte Verbindung aus Natur und Synthetik. Ohne Vanillin und Coumarin wäre Jicky wohl niemals so möglich gewesen, wie man es kennt und liebt. Möchte jemand von euch Jicky jemals wieder missen, nur weil es nicht zu 100% Natur ist? Riecht es etwa billig? Nein! Ganz im Gegenteil, es ist einer der großartigsten Düfte die man heutzutage noch bekommen kann. Es sollte allen bewusst werden, dass ein Parfum auch mit chemischen Duftstoffen hochwertig sein kann.

Warum Synthetik?

Es stellt sich die Frage: Warum werden synthetische Duftmoleküle überhaupt in Parfums benutzt? Das hat sehr viele Gründe, aber ursprünglich ging es (wie so oft) um das Finanzielle. Ich erwähnte oben bereits, wie teuer natürliche Essenzen sein können. Und daher fing man an, die Natur gegen Synthetik auszutauschen. So konnte man die Kosten von Parfums konstant auf einem Level halten, denn der Preis vieler natürlicher Rohstoffe variiert von Jahr zu Jahr. Das hat den Grund, dass die Ernte von Jasmin, Rose und co. jedes Jahr anders ausfällt. Im letzten Jahr können noch ausreichend taugliche Blüten entstanden sein, während in diesem Jahr schon bedeutend weniger „gute“ Blüten geerntet werden konnten. Aus einer schlechten Ernte resultiert weniger Essenz. Somit kann die hohe Nachfrage der Konzerne nicht mehr komplett gedeckt werden, was die Preise in die Höhe treibt. Und je mehr ein Hersteller für seine Rohstoffe ausgibt, desto teurer wird auch das Endprodukt, das Parfum. Wie ist die Vorstellung, dass der Lieblingsduft in diesem Jahr 50€ kostet, im nächsten schon 100€ und im darauffolgendem wiederum 80€? Da ärgert sich der Kunde und kehrt dem Produkt den Rücken zu. Genau diese resultierende Preisdifferenz kann oft nur durch den Einsatz von künstlichen Stoffen unterbunden werden.

Eine weitere Ursache für den Einsatz von Synthetik, ist das Verschwinden bestimmter natürlicher Rohstoffe. Auf unserer Welt ist nichts unendlich. So wie das Leben eines Lebewesens irgendwann endet, so können auch bestimmter Pflanzen und Hölzer ausgerottet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist das Sandelholz aus Mysore. Früher war es ein beliebter Duft in orientalischen und warmen Parfums, da es sich durch einen unverwechselbaren, cremig, milchigen und holzigen Geruch auszeichnet. Immer mehr Hersteller verwendeten Sandelholz, was beinahe zur Ausrottung führte. Daher darf aus Naturschutzgründen nur noch ein synthetischer Ersatzstoff benutzt werden, welcher dem Geruch von echtem Sandelholz zwar nahe kommt, aber ihn niemals wirklich ersetzen kann. Ein ähnliches Schicksal wird in Zukunft auch viele andere natürliche Rohstoffe treffen, wie zum Beispiel das zur Zeit sehr begehrte Oud. Der charakteristische Geruch von Oud kommt nur zu Stande, wenn das Holz aus dem es gewonnen wird, das Adlerholz, von einem bestimmten Parasiten befallen ist. Da es recht schwer ist, zu erkennen ob das Adlerholz von diesem Parasiten befallen ist oder nicht, werden auch die Bäume abgeholzt, die letztendlich gar nicht für die Parfümerie tauglich sind. Und sollte man so weitermachen, dann wird auch natürliches Oud in Parfums aussterben und man wird auf den synthetischen Ersatz zurückgreifen. Es muss also jedem klar sein, dass die Hersteller oft keine Wahl haben und künstliche Stoffe verwenden müssen. Gleiches gilt für tierische Stoffe wie Zibet oder Moschus. Aus Tierschutzgründen sind diese Stoffe in natürlicher Form verboten.

Seit 2009/10 hört man immer wieder von einer Firma namens IFRA. Die IFRA hat begonnen, viele Duftmoleküle zu testen und deren Schädlichkeit auf den Menschen zu erproben. Das Resultat dieser Untersuchungen ist das Verbot von vielen natürlichen Duftstoffen. Am dramatischsten ist der Verbot von größeren Mengen an Eichenmoos in Parfums, denn nur durch Eichenmoos ist ein richtiges Chypre Parfum möglich. Chypre ist eine alte und legendäre Duftrichtung, erfunden von François Coty. Durch das Verbot von Eichenmoos, wurden zahlreiche Chypre-Düfte reformuliert und die Herstellung neuer Chypre ist sehr schwierig geworden. Auch viele Zitrusöle wurden verboten, Jasmin und Vanille hat es auch getroffen. Wieder Mal sehen sich die Hersteller gezwungen, auf Natur zu verzichten.

And Last but not least, es gibt schlichtweg viele Blüten und andere Rohstoffe, deren Geruch man auf natürlichem Wege einfach nicht extrahieren kann, von denen keine natürlichen Essenzen existieren. Ein Beispiel ist das Maiglöckchen, es gibt kein Verfahren, in dem man den Geruch des Maiglöckchen als Duftöl erhalten kann. Daher ist, zumindest jedes Parfum mit Maiglöckchen als Inhaltsstoff, schon mal nicht zu 100% natürlich.

Wie viel Natur ist in heutigen Parfums noch enthalten?

Diese Frage wird auch sehr oft gestellt. Ich sage es mal so: Heutzutage sind rein natürliche Parfums sehr selten und extrem teuer. Außerdem kann ein Parfum, wegen der oben genannten Gründe, kaum noch auf Synthetik verzichten. Und doch wird uns vorgegaukelt, dass manche Parfums nur aus natürlichen Stoffen bestehen. Wem ging es bisher noch nicht so? Man testet sich durch die Parfums von Amouage, by Kilian oder Serge Lutens und bekommt von der Verkäuferin den Hinweis, dass die rein natürlichen Inhaltsstoffe den Duft auszeichnen würden. Als kleines Beispiel nehme ich Amouage Gold. Dieser exquisite Duft enthält einige Duftstoffe, die nicht auf natürlichem Wege extrahiert werden können, oder die mittlerweile verboten sind. Und dennoch ist es ein luxuriöses Parfum wie kein zweites, welches durchaus einen hohen Anteil an natürlichen Essenzen enthält, aber nicht zu 100%. Wer ein Parfum sucht, welches komplett ohne Synthetik auskommt, der sollte sich auf hohe Preise für wenig Duft einstellen. Wie ich bereits sagte, die Natur hat ihren Preis.


Was ist besser: Natur oder Synthetik?

Es herrscht die allgemeine Meinung, dass chemische Duftstoffe Allergien auslösen und die Haut und die Umwelt der Nutzer schädigen. Und genau deswegen kaufen viele Menschen nur teure Parfums, wie Amouage Gold oder Love by Kilian, weil sie aufgrund der Angaben von Hersteller und/oder Verkäuferinnen einer Lüge glauben. Mittlerweile wissen wir, dass auch sehr hochpreisige Düfte nicht ohne künstliche Riechstoffe auskommen. Und bisher haben Gold oder Love, sowie No. 5 oder Shalimar noch keinen Menschen umgebracht, obwohl sie die gefürchteten Moleküle enthalten. Natürlich gibt es Menschen, die auf eben diese Parfums allergisch reagieren, dies muss aber nicht an den chemischen Stoffen liegen, sondern kann genauso gut auch von den natürlichen Essenzen verursacht worden sein. Wie viele Menschen haben eine Allergie gegen Nüsse oder Zitrusfrüchte? Ich denke es sind mindestens genauso viele wie jene, die auf künstlichen Moschus allergisch reagieren. Was bringt einem dann ein Naturparfum, wenn man auf den enthaltenen Jasmin, die Rose oder anderen Blütenöle allergisch reagiert? Um es milde auszudrücken: Man kann sowohl von chemischen, als auch von natürlichen Riechstoffen Hautrötungen, Ausschlag und andere Reaktionen bekommen. Gleiches gilt für die Umwelt. Es ist also egal ob man ein natürliches Parfum benutzt oder nicht, Allergien und andere Schäden sind nie ausgeschlossen. Ich selbst habe bisher schon auf Parfums teils heftige Reaktionen erlebt. Die ausgeprägteste Reaktion (Asthma Anfall) hatte ich von einem Duft, der laut Hersteller einen hohen Anteil an natürlichen Essenzen enthält. Es kommt auf den eigenen Körper an, denn jeder Mensch reagiert anders aus gewisse Stoffe. Meine Schwester bekommt Atemprobleme, wenn sie an Lavendel riecht, ich hingegen genieße diesen Duft ohne jegliche Beschwerden. So harmlos ist Mutter Natur also gar nicht.

Wie man vielleicht unter dem Punkt ,,Warum Synthetik“ bemerkt hat, haben natürliche Essenzen gegenüber der Chemie viele Vorteile, was die Tiefe und die Komplexität des Geruchs angeht. Auch habe ich geschrieben, dass ein synthetisches Sandelholz, dem natürlichen niemals das Wasser reichen kann. Damit will ich aber keinesfalls ausdrücken, dass die Natur in Parfums besser ist. Ich würde es ebenso bedauern, wenn z.B. Aldehyde oder Coumarin verboten werden würden. Es ist schade, wenn bekannte und beliebte Gerüche in ihrer bisherigen Form verbannt werden, ob das nun natürliche oder chemische Gerüche sind, ist mir persönlich egal. Im nächsten Punkt will ich zu den Vorteilen von synthetischen Molekülen kommen.


Das Potential synthetischer Duftmoleküle

Die Natur hat viele Vorteile, aber die Nachteile sollten trotzdem nicht aus den Augen verloren werden. Nicht nur das durch die Parfümerie einige Pflanzen- und Holzarten gefährdet sind, viele Naturparfums haben eine geringere Haltbarkeit als jene mit chemischen Anteilen. Und überhaupt sind Naturparfums in den meisten Fällen nicht so spektakulär, wie man erwartet. Zwar haben natürliche Riechstoffe mehr tiefe als synthetische, dafür ist die Auswahl der natürlichen Riechstoffe stark begrenzt. Wegen der vielen Verbote und Einschränkungen durch die IFRA können immer weniger Stoffe von Mutter Natur verwendet werden. Ein Naturparfum verzichtet also auf hohe Mengen an Eichenmoos, Jasmin und Vanille und enthält niemals Moschus, Zibet und Sandelholz. Das kann sehr eintönig werden und hier kommt das Potential der synthetischen Duftmoleküle. Denn sehr oft werden diese Stoffe auch verwendet, weil sie einen Geruch haben, den man in der Natur nie finden würde. Nennt mir eine Blume, welche nach Meer duftet… keine Idee? Dafür gibt es umso mehr chemische Moleküle, die nach Meer riechen. Eines ist z.B. Ultrazur von Givaudan. Viele charakteristische Gerüche können nur durch Synthetik zu Stande kommen und ohne diese wären die Parfums langweilig und eintönig. Erst die Chemie ist es, die sehr viele innovative und kreative Gerüche erschafft. Die meisten Parfumeure sind davon überzeugt, dass eine Mischung aus Natur und Synthetik die ideale Weise ist, ein Parfum zu kreieren. Ich bin gleicher Meinung. Ich will nicht auf Moschus und Zibet oder Vanille und Jasmin verzichten. Mit diesem Artikel möchte ich nicht für 100% synthetische Parfums werben, ich möchte ganz einfach die Lüge der natürlichen Inhaltsstoffe aufklären und den Menschen die Abneigung gegen chemische Riechstoffe nehmen. Heutzutage sind wir von Synthetik umgeben. Ob Lippenstift, Haarspray, Make-up oder Textilien, wir nehmen täglich eine Menge Chemie auf. Sogar das Essen ist nicht davor sicher, Farbstoffe und andere Chemikalien die für die Haltbarkeit mancher Produkte sorgen sind alltäglich. Warum sollte man dann ausgerechnet beim Parfum auf die Echtheit der Inhaltsstoffe achten? Oft sind Parfums nicht wegen der Inhaltsstoffe so hochpreisig, meistens sind es Marketing, Werbung, Flakon und Verpackung, die einen Großteil des Preises ausmachen. Lasst euch von den Herstellern und den Parfümeriefachverkäuferinnen nicht in die Irre führen. Akzeptiert die Gegenwart von Synthetik in Parfums, genießt sie genauso wie ihr die Natur genießt, denn ohne sie wären die meisten Düfte nicht möglich. Wollt ihr auf N°5, Shalimar oder Gold verzichten? Ich möchte es nicht und ich bewundere die Kunst der Parfümerie, Natur und Chemie zu kombinieren und dadurch einzigartige Gerüche zu erschaffen, die uns verzaubern und uns in ihren Bann ziehen.

Foto oben: Steve Jurvetson, ,,Biofuels” von http://www.piqs.de/

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Gardenia Grand Soir und Bois Naufragé – Neue Düfte von Parfumerie Générale

25. August 2010 – 12:49

Der französische Parfumeur Pierre Guillaume ist bekannt für seine progressiven Duftkompositionen.

Für seine Marke Parfumerie Générale hat er nun zwei wunderschöne, streng limitierte Düfte kreiert: Gardenia Grand Soir und Bois Naufragé.

Gardenia Grand Soir (Eau de Toilette, 50 ml)

Der intensive, sommernächtlich weiße Hauch der Gardenie, unterstützt durch die Vibration von Sandelholz – ein luxuriöses Abendparfum.

Bois Naufragé (Eau de Toilette, 50 ml)

Inspiriert von Lucien Clergues Foto „Nu au bois flotté“ (1971) – eine einzigartige Kombination aus Johannisbrotbaum, hochwertigem Meersalz (Fleur de Sel), grauem Amber und Karobholz, das wie Treibholz behandelt wurde – ein eleganter Unisex-Duft.

Die beiden Kreationen sind für den deutschsprachigen Markt auf eine Stückzahl von 120 Flaschen limitiert und werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz exklusiv über die Aroma Company vertrieben. Die Edition Limitée ist ab sofort in ausgewählten Parfümerien und Concept-Stores zu einem Preis von 95 Euro erhältlich.

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Luxuria ac Superbia – The Infidels von Agonist

17. August 2010 – 17:33

Agonist, wem dieser Name kein Begriff ist, der sollte nun gut aufpassen. Denn auch mir waren die Parfums dieser Marke bisher nicht bekannt. Nur durch Zufall bin ich auf die wunderschönen Flakons aufmerksam geworden und habe angefangen, Informationen über diese kleinen Kunstwerke zu finden. Agonist ist ein schwedisches Unternehmen und vereint Glaskunst mit luxuriösem Parfum. Ihre Werke sind von der Melancholie und der Schönheit von Film, Poesie und Literatur schwedischer Ikonen inspiriert. Ihr erstes Werk kreierten sie in Zusammenarbeit mit Åsa Jungnelius, es ist ,,Kallocain”. Dieser war in limitierter Version nur kurze Zeit erhältlich, ist ausverkauft. Das Nachfolgewerk nannte man ,,The Infidel”. Zwei Flakons, einer stellt den männlichen, der andere den weiblichen Teil dar. Auch dieses kleine Kunstwerk ist limitiert, aber noch erhältlich. Und jetzt kommt die schöne Geschichte: Die beiden Flakons von The Infidel stellen die Eltern für den Flakon von ,,The Infidels” dar. Der Duft ist jedoch in beiden Flakonversionen identisch. Einige Zeit suchte ich verzweifelt nach einer Probe, die Suche blieb aber erfolglos. Und nur dank der freundlichen Mitarbeiter von Agonist war es mir möglich, das Parfum zu erleben, zu entdecken. Man ließ mir eine Probe zukommen, zusammen mit einer persönlichen Notiz auf edlem Briefpapier und dem Hinweis, dass ich mich bei Fragen jederzeit an den Creative Director des Unternehmens wenden kann. Das ist Service! Doch nun zum Duft, denn um ihn geht es in diesem Bericht.

The Infidels offenbart sich zunächst als frisch, leicht zitrisch mit trockener Lavendelnote. Die Bergamotte erfrischt das Geschehen und so strahlt der Duft Leichtigkeit aus. Das überrascht mich etwas, anhand anderer Reviews und der Duftnotenpyramide erwartete ich einen eher würzigen Start. Stattdessen bekomm man die Frische der Provence. Die schwarze Johannisbeere wirkt hier leicht bitter, was sehr gut zum Lavendel passt. Diese angenehme Frische hält sich gute 3-5 Minuten, ehe der Kreuzkümmel beginnt sich einzumischen und die ersten animalischen Beiklänge erahnen lässt. Welch interessante Wendung! Eine tierische Note hinter einer frischen Wand, das sieht man nicht alle Tage. Kreuzkümmel ist dafür bekannt scharf und schweißartig zu riechen. Je nach Mischung und Mischverhältnis kann das Ergebnis angenehm animalisch wirken, aber auch abstossend. In The Infidels duftet der Kreuzkümmel genau wie er duften muss: Scharf und animalisch, trotzdem angenehm. Eric Moraldo fand genau die richtige Balance zwischen trockenem Lavendel und provozierender Würze. Die Kopfnote verflüchtigt sich, aber das Cumin bleibt erhalten und durchzieht als dominantes Element das Herz. Die anfängliche Schärfe wird abgesoftet durch einen florale Note (Magnolie) und Tonkabohne, welche einiges an cremiger Süße einbringt. So entsteht der Eindruck, man betrete die Gemächern zweier Liebender, am Morgen danach. Die Luft ist heiß und schwül und es ist noch etwas Parfum von der ereignisreichen Nacht zu erkennen. Eine äußerst erotische Ausstrahlung geht von The Infidels aus, anziehend und magisch. Dessen Bann kann man sich schwer entziehen. Das Parfum von Agonist fesselt und begeistert, außerdem hüllt es ein, wird eins mit seinem Träger. Der vielschichtige Duft zeigt all seine Facetten und beeindruckt mit einem fast schmerzhaft sinnlichen Fond. Hier vereinen sich Amber und Labdanum mit feinstem Patchouli und einem zarten Beiklang von Leder. Eine erdige Note erhebt sich, wirkt tief und luxuriös. Selten empfinde ich erdige Duftnoten als luxuriös, aber in The Infidels hat Eric Moraldo das Patchouli gezähmt, anstatt ihm zu erlauben, zu staubig zu wirken. Nein, hier wirkt nichts abgestanden oder alt. Und mit ,,gezähmt” meine ich nicht etwa, aller Ecken und Kanten beraubt. In Infidels wurden keine modernen Designermoleküle verwendet, man setzt bei Agonist auf naturnahe und hochwertigste Rohstoffe. Bemerkenswert ist, dass sich das Eau de Parfum auch jetzt noch verändert, nach so vielen Stunden! Der animalische Geruch kehrt zurück, dieses Mal nicht scharf, sondern eher anschmiegsam. Vielleicht kennt jemand von euch diese Art von Parfum. Sie strahlen sehr viel erotik aus, jeder der daran riecht erkennt das sofort und doch sind sie so weich wie eine Kaschmirdecke. Ich erlebe solche Kombinationen nur selten. Wenn sie aber auftauchen, dann schaffen sie es oft nicht, die beiden gegensätzlichen Attribute perfekt ausbalanciert zu vereinen. The Infidels – die Ungläubigen! Die Zusammenkunft von Luxuria und Superbia, denn einer Person, welche dieses erstklassige Parfum trägt, kann man durchaus Wollust und Stolz zutrauen.

Und so ist auch der Name ,,The Infidels” perfekt gewählt. Denn Agonist hat der Sünde einen Duft gegeben. Aber nicht nur der Duft ist Sünde, das ist auch der Flakon, welcher an sich schon ein kleines Kunstwerk ist. Jeder dieser Kunstwerke ist Handgefertigt von Åsa Jungnelius und daher kommt auch der sündhaft hohe Preis. Für 50ml Eau de Parfum in besagtem Flakon zahlt man 407€. Eine astronomische Summe, die aber für Liebhaber von feinstem Parfum und Glas wohl kein Hindernis für einen Kauf sind. Zudem kann man den jederzeit Nachfüllungen für den Flakon für ca. 75€ bestellen, was ich persönlich als Investition in die Zukunft sehe. 75€ gibt man eher als 407€ aus.

The Infidels ist das erste ,,Parfum Nordique” das ich testete und ich muss sagen, es hat sich gelohnt! Gefährlich, ausschweifend, sinnlich, weich – Das wollüstige Verlangen, versteckt hinter der unschuldigen Frische der Provence. The Infidels ist überraschend und wiegt die Nasen in Sicherheit, bevor es sein wahres Wesen zeigt. Doch nicht alle Menschen empfinden diesen Duft als angenehm. Die extremste Reaktion war die Aussage, dass Infidels nach toten Tieren riecht. Das überrascht mich garnicht, denn mir war von Anfang an bewusst, dass nicht jeder von der tierischen Wonne der ungläubigen überzeugt ist. The Infidels ist ein Eau de Parfum und als solches sehr intensiv. Fast zu intensiv, ich hätte instinktiv eher Extrait de Parfum vermutet. Und nun verstehe ich auch, warum man beim Flakon auf einen Sprühkopf verzichtet. Aufgesprüht würde der Duft unangenehm und stark wirken. Denn bei mir genügen wenige Tropfen um lange zu riechen, auch die Duftaura ist überzeugend. Hier hat man mit dem Tupfen die beste Methode gefunden, The Infidels zu genießen.

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Scheherazades bezaubernder Garten – Amouage Lyric Woman (Aus Liebe zum Duft)

14. August 2010 – 16:20

Ein weiteres Mal möchte ich über Amouage berichten. Über das Unternehmen an sich gibt es nicht mehr viel zu sagen. Mit Gold startete der Erfolg und seitdem findet man dort die feinsten Parfums. Im Probenpaket des Monats August bekam ich vom Onlineshop ,,Aus Liebe zum Duft” auch eine Probe von Lyric Woman. Schon Lyric Man konnte mich restlos begeistern, da es sehr wandelbar ist. Vom Rosenmeer zum sauberen Frisch-Gewaschen Duft, was für eine tolle Verwandlung! Ob da Lyric Woman ähnlich riecht? Zunächst erwarte ich (natürlich) Rose. Aber sehr oft schon wurde ich überrascht, meistens sind Parfums ganz anders als man sie sich vorstellt nur in den seltensten Fällen bekommt man genau das, was man sich vorgestellt hat. Ein Sprühstoss und ich kann eines sagen: Lyric ist anders als ich erwartet habe.

Lyric überrascht mit einem leichten und luftigen Aroma, welches jedoch in den ersten 2 Sekunden an alte Chypre Klassiker erinnert. Wie gesagt, nur einige Sekunden und dieser Eindruck schwindet dahin, bricht in sich zusammen und hinterlässt etwas sanft süßliches mit zitrischen Beiklängen. Die Kombination aus Ingwer, Zimt und Kardamom ist bezaubernd und ich meine sogar noch etwas Grapefruit ausmachen zu können. Lyric ist nicht im Geringsten die Gewürzbombe, für die viele es halten. Es ist fein balanciert und hat trotzdem einen ganz eigenen Charakter. Nach einer Weile wird der Zimt etwas kräftiger und die ersten Vorboten des Herzen sind zu erkennen. Erste Blüten erscheinen auf der Bildfläche, wie zum Beispiel der Jasmin und auch etwas Iris. So fein müssen wohl die jungen Frauen aus 1001 Nacht duften, einen anderen Geruch kann ich mir für sie nicht vorstellen. Wen man an einen orientalischen Duft denken soll, dann fallen einem Gewürzbomben wie Opium ein, aber niemals kommt man auf den Gedanken, dass es auch anders geht. Lyric beweist eindrucksvoll, wie zart und sanft ein Orientaler sein kann. Das Herz des lyrischen Meisterwerkes eröffnet einem eine Welt der Blumen, ob Jasmin oder Iris, Geranie oder Rose, in diesem Garten findet man sie alle. Aber so richtig dominant ist sie nicht, ich rechnete eher mit einem Meer aus dunkelroten Rosenblüten. Aber es funktioniert auch ohne ein Meer aus Rosen. In Lyric Woman ist sie zwar deutlich spürbar, aber ich würde eher sagen sie ist gut eingefädelt in die anderen Gerüche und begleitet aus dem Hintergrund. Lyric ist also nicht das orientalische Blütenmeer, sondern Scheherazade’s bezaubernder Garten im Frühling. Und die Engelswurz, ist das dieser sanfte Hauch der für Leichtigkeit sorgt? Der Duft ist kaum da und dennoch präsent. Nahe an der Haut ist nur ein süßlicher Schimmer erkennbar, von weitem offenbart sich ein vielfältiges Aroma. Wie ein Gedicht liegt der Geruch auf der Haut und verschmilzt mit dieser. Ist es ein gutes Zeichen, wenn ich selbst den Duft kaum noch wahrnehme, aber die Umwelt es tut? Einige sagen, es ist das Zeichen dafür, dass dieser Duft optimal zu einem passt. Ich würde Lyric auch ohne Zweifel tragen, denn ich empfinde ihn als recht androgyn, wie die meisten, vom Orient inspirierten Parfums. Der Fond von Lyric Woman wird vom Moschus angeführt. Die Vanille und die Tonkabohne geben einen sinnlichen Grundton an, der von feinstem Sandelholz noch untermalt wird. Der Silverweihrauch aus dem Oman ist wunderschön, ich muss aber ehrlich sagen dass er mich nicht mehr überrascht hat, da ich ihn bereits erwartet habe. Er passt wie immer wunderschön in die Komposition und ist meisterhaft eingefädelt. Zu gerne würde ich wissen, welcher Parfumeur für dieses wundervolle Düftchen verantwortlich ist. Ich tippe jedoch auf Lucas Sieuzac, da der Fond von Lyric Woman dem von Reflection Man ähnelt. Nur empfinde ich Lyric wesentlich angenehmer als Reflection, da hier der Puderzucker-Effekt ausbleibt und stattdessen einige Gewürze die Süße ausgleichen. Einen typischen Rosenduft hat man hier nicht, dafür aber eine wunderschöne Kreation, welche beweist, dass Amouage wunderbare Parfums kreieren kann.

Amouage Lyric Woman ist in gewisser Hinsicht ähnlich zum männlichen Pedant. Lyric Man aber ist rosiger, aber weniger Würzig, sauberer. Der Damenduft erinnert mehr an den Orient und ist gleichzeitig etwas zarter. So interpretieren die Araber also das Thema Rose, eine durchaus einzigartige Interpretation. Lyric erhielt zu Recht durchweg positives Feedback auf den bekannten Duftseiten. Und einmal mehr hat sich gezeigt, dass Amouage ein durchaus vielfältiges Angebot an Düften hat. Für die Freunde von lauten und orientalischen weißen Blüten gibt es ,,Gold”, wer es etwas leichter mag, benutzt Dia oder Reflection. Für die Liebhaber der zart blumig/würzigen Parfums gibt es Lyric usw. Es sind sehr viele verschiedene Eaux de Parfum, für jede Stimmung ist das Richtige dabei. Wer Amouage Entdecken möchte, sollte ,,Aus Liebe zum Duft” besuchen.

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Die Meeresbrise – Corallium von Carthusia (Essenza Nobile)

10. August 2010 – 20:40

Heute möchte ich über einen Duft berichten, der von einem Hersteller kommt den ich bisher noch nicht kannte. Es ist Corallium von Carthusia. Corallium ist der neue Damenduft des Herstellers und soll den Geruch des Meeres, der Korallen einfangen. Meer und Korallen, das hört sich vielversprechend an! Corallium war im Probenpaket des Onlineshops Essenza Nobile enthalten, vielen Dank dafür! Ein guter Meeresduft, ohne Calone oder sonstige synthetische Hilfsmittel (welche mit Meer so wenig zu tun haben wie ein Hund mit Klavier spielen) ist selten. Corallium ist ein solcher, keine “blauen” Duftnoten sind angegeben, was aber nichts heissen muss. Voller Neugierde sprühte ich etwas auf den Teststreifen:

Kein Calone, kein “blau”! Corallium startet wie eine mediterrane Brise am Meer! Ein frischer Windstoss, ein hauch von süßer Freiheit. Die Kopfnote strahlt mit etwas Bergamotte und Mandarine, aber vorallem durch den Wohlgeruch der Myrrhe! Ich liebe diesen eigenwilligen und unverwechselbaren, würzig/süßen Geruch, der trotzdem eine gewisse, kühle Frische ausstrahlt. Corallium verzaubert durch einfachen Charm und muss nicht mit vielfältigen Aromen prahlen. Schon die Kopfnote ist simpel aber kann überzeugen. Genauso geht es im Herzen weiter. Durch Patchouli und Zeder bekommt Corallium relativ früh einen erdigen Touch, welcher tatsächlich an Korallen erinnert. Weiterhin meine ich Eichenmoos wahrnehmen zu können, welches für einen zarten Chypre-Charakter sorgt. Hin und wieder fühlte ich mich sogar an Chanel Cristalle erinnert. Ja, Cristalle, aber in der Eau de Parfum konzentration! Corallium teil sich mit diesem nicht nur den Anfangsbuchstaben im Namen, sondern auch einige Geruchseigenschaften. Cristalle ist schwereloser, grüner, ja sogar bitterer. Corallium dagegen riecht mineralischer, süßlicher und dichter, aber das Grundgerüst ist ähnlich. Nun will ich aber nicht weiter auf Cristalle eingehen, sondern mich auf Corallium konzentrieren. Es erstaunt mich, wie natürlich Corallium riecht, es ist Carthusia sehr gut gelungen, die von ihnen beschriebenen Eindrücke naturgetreu einzufangen. Denn nicht nur ich spreche vom Meer, sondern auch Carthusia selbst tut das. Oft muss ich die Beschreibung des Herstellers verneinen, bei Corallium trifft sie zu. Auch eine gewisse Blumgikeit taucht im Herzen auf, hierbei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um etwas Jasmin und Iris, die jedoch kaum erkennbar sind. Man vernimmt eher eine allgemeine Blumigkeit. Diese beugt einer zu erdigen Patchouli-Note vor. Denn zu viel Patchouli vermittelt oftmals den Eindruck von alten Kellern. Corallium aber bewahrt sich eine gewisse Leichtigkeit, sogar noch im Fond. Dieser zeigt sich durch etwas Moschus und (glücklicherweise) nur einem Hauch von Salbei. Der Moschus sorgt für etwas tiefe, ohne animalisch zu wirken. Es bleibt eine sanfte, entspannende Brise und der Wunsch, am Meer zu sein, entspannen zu können.

Corallium besticht durch seine leichtigkeit, es ist ein lockerer, simpler und zugleich raffinierter Duft. Für alle die auf der Suche nach etwas entspannendem und natürlichem sind, wird Corallium die Antwort sein. Und der Preis für dieses Eau de Parfum ist fair: 85€ für 100ml EdP sind sogar im Massenmarktbereich ein Schnäppchen, da kann man bei einer Nischenmarke wie Carthusia erst recht zugreifen. Man bekommt für sein Geld ein qualitativ hochwertiges Produkt, dessen Haltbarkeit ebenfalls überzeugend ist. Wer Informationen zu Carthusia sucht, oder Interesse an weiteren, hochwertigen Produkten hat, sollte sich an Essenza Nobile wenden!

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Königliche Gemächer – Opus III von Amouage (Aus Liebe zum Duft)

9. August 2010 – 19:18

Ein neuer Tag, ein neuer Duft. Dank Aus Liebe zum Duft war es mir möglich zwei der drei Opus-Düfte aus der neuen Duftkollektion von Amouage kennen zu lernen. Nachdem ich zu Opus I keinen Zugang gefunden habe, hoffte ich bei Opus III auf einen weniger animalischen Duft. Amouage kündigt die Nummer 3 als einen blumig orientalischen Duft an und auch die Duftnoten lassen auf einen solchen schliessen. Ich hoffte vor dem Test auf ein Parfum das anders als Gold duftet, aber mit diesem auf gleicher Höhe steht. Ein schwieriges Unterfangen, ob es umsetzbar ist? Ein kurzes Testriechen am Röhrchen sagt eindeutig: Mit Gold hat Opus III nichts gemeinsam. Erst der Sprühstest zeigt dann das ganze Ausmaß des Opus:

Opus III wirft zu Anfang nur so mit Gewürzen um sich. Ob Nelke, Muskat oder Thymian, sie alle wirbeln umher. Zusammen mit etwas Ginster und Mimose ergibt sich eine sehr kräftige, beinahe Lack-artige Kopfnote. Ein sehr seltsames Gesamtbild, das muss ich zugeben, aber ein hoch interessantes! Unter dem Lack verbergen sich die ersten, fruchtig/orientalischen Anklänge. Diese kämpfen sich langsam aber sicher in den Vordergrund und vertreiben den Lack. Es entfalten sich nun die Gewürze, sie kommen zur Ruhe und können erst so zur Geltung kommen. Thymian und Muskat, erst jetzt sind sie so richtig genießbar. Und die Blüten! So reichhaltig, so komplex! Nachdem die ersten Sekunden von Opus III so seltsam waren, bin ich jetzt umso überraschter, wie wundervoll die Komposition wirkt. Erste Vorboten des floralen Herzen mischen sich schon jetzt unter die Kopfnote. Man kann nun den Jasmin sehr gut erkennen, er wird immer intensiver. Doch im Vergleich zu Opus I ist er in Opus III nicht animalisch, sondern bloß eine Ergänzung der anderen Blüten. Das Herz überzeugt nicht nur durch die Blüten, sondern auch durch weitere würzige Nuancen. Diese sind aber nun wesentlich weniger erkennbar als im Kopf. Es ist immer schön zu bemerken, dass die Kopfnote nicht vollständig zerfällt, sondern teilweise erhalten bleibt. Im weiteren Verlauf des Herzen, ist deutlich das Veilchen zu erkennen. Sein süßlicher, beinahe pudriger Duft ist unverwechselbar. Außerdem ist es mir viel lieber, als ein animalischer Jasmin. Und das bisschen Puder steht Opus III sehr gut. Wenn ich den Duft mit etwas vergleichen müsste, fallen mir nur die Gemächer einer Prinzessin ein. Das Zimmer ist mit purpurnen Vorhängen geschmückt und in jeder Ecke findet man Kostbarkeiten, die man sich kaum vorstellen kann. Das Bett ist mit Ornamenten versehen und ist so groß, so weich, dass allein der Anblick zum Träumen einlädt. Nur in einem so luxuriösem Zimmer kann ich mir einen solchen Duft vorstellen. Der Blütentraum schwindet dahin, um die Basis freizugeben. Und die ist eindeutig besser als die von Opus I. Während bei Opus I im Fond lediglich ein laues, dünnes Lüftchen übrig bleibt, erscheint bei der Nummer 3 ein kräftiger Windstoss. Ambrette, Vanille und Benzoe sorgen für eine gewisse Süße, welche aber von Guajak und Zedernholz ausgebremst wird. Ganz besonders im Vordergrund steht aber das cremige Sandelholz, in Zusammenarbeit mit nur etwas Moschus. Den Fond würde ich als holzig, cremig, süßlich bezeichnen. Es duftet so herrlich orientalisch, ohne schwülstig zu wirken. Hier hat man ein Musterbeispiel dafür, wie man einen Florientalen Duft erschaffen kann, der weder zu blumig, noch zu orientalisch ist, sondern genau in der Mitte liegt und von beiden Duftkategorien das Beste abbekommen hat. Ein Duft, der den Namen Amouage zu Recht trägt.

Opus III ist das, als was es angepriesen wird: Ein Florientaler nach allen Regeln der Kunst. Von würzig, zu blumig, zu orientalisch. Wer ein modernes Eau de Parfum sucht, welches trotzdem Amouage-Qualität hat, ist hier an der richtigen Stelle. Ich empfinde den Duft als unisex mit leichter Tendenz zum Weiblichen. Das ist aber kein Problem und sollte niemanden abschrecken, ihm eine Chance zu geben. Wenn ihr die Gelegenheit habt, testet Opus III. Die Haltbarkeit ist erstaunlich hoch, sogar nach einem ausgiebigen Bad konnte ich noch ganz deutlich den Geruch des Opus auf meinem Arm wahrnehmen. Das ist beachtlich und nicht jedes Parfum übersteht ein Bad. Einziger Wermutstropfen: An Gold reicht Opus III nicht heran. Wer Interesse an Opus III hat und/oder Probeabfüllungen sucht, der sollte sich an ,,Aus Liebe zum Duft” wenden!

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