Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Angelliese vor 6 Tagen
28 Auszeichnungen
„Brückenschlag nach mehr als 60 Jahren ......”
Sehr gespannt war ich auf den Vergleich zwischen den beiden Düften. „Colony“. Von Patou lanciert 1938 und dann die Neuausgabe von 2015.

Würde es Thomas Fontaine gelungen sein den Zauber des Duftes neu zu beleben, ihn in die heutige Zeit zu transportieren dabei aber noch in seinen Ursprüngen erkennbar zu erhalten?

1938 :
Taillierte Kostüme, die Röcke schmal und über die Knie reichend. Plissee ist angesagt. Wollstoffe und auch Seide. Dazu Sakkos, Boleros und Capes. Die Kleider oft mit Ornamentmuster. Die Farben werden bunter und die Garderobe durch auffällige Accessoires betont. Die Abendgarderobe aus Chiffon mit Spitze, das Decolleté schulterfei und gern genommen dazu sind große Ansteckblüten. Getanzt wird zu den Andrews Sisters, Benny Goodman und anderen Swing und Jazzgrößen. In Clubs, Bars und großen Tanzlokalen mit Orchester. Allerdings nicht mehr überall ....

Dazu passt das „Colony“ aus dieser Zeit. Die Begrüßung übernimmt eine säurefreie Ananasnote die von holzigen Nuancen begleitet wird und so keine Fruchtfanfare wird. Blüten fließen mit ein. Warm, weich und würzig. Nelke ist auf jeden Fall dabei und sie wird ummantelt von leicht pudrig floralen Ornamenten. Aber es fängt nicht an süßlich zu blümeln. Zart herbkrautige Noten deckeln ab und ein feinseichter Lederakkord schwebt in dem Duft. Leicht erdig moosige Akkorde lassen ihn sacht ausklingen. Wobei die Blüten und eine gewisse fruchtige Ahnung noch über eine lange Zeit erkennbar sind. Und für mich ist dem Duft ein zart forderndes Wispern zu eigen.

2015:
Die Mode ist vielfältig. Getragen wird im Großen und Ganzen was gefällt. Es werden Trends aufgezeigt. Besonders bei den Farben. Tragetechnisch geht es von Mini zu Maxi über Hotpants, Jeans, Lagenlook, Boho, klassisch und bauchfrei. Piercings, Brandings und Tattoos. Nichts muss, alles kann. Musikrichtungen gibt es wie Sand am Meer. Von Klassik bis Experimentell, von Pop zu Blues, von Rock bis zu Ballade, Chanson und Schlager.

Und „Colony“ 2015? .......

Eröffnet ebenfalls fruchtig. Die Ananas ist erkennbar aber verhaltener. Ihr Saft tropft mir nicht durch die Finger, sie ist eher etwas introvertiert. Ohne sich jedoch zu ducken oder nur kurz schüchtern um die Ecke zu linsen. Einen leichten Kick bekommt sie durch einen weichherb orangigen Einschlag der zugleich eine unterschwellig süßliche Ahnung dabei hat.

Und sie hat sofort Begleitung dabei. - Um nochmal zur Mode zurück zu kommen: Hier wird Korsage getragen. Weich, schwarz, vielleicht ganz leicht verrucht. Aus feinstem, anschmiegsamen Leder. Sie sitzt wie eine zweite Haut. Anschmiegsam bei jeder Bewegung. Matt und seidig. Kein Lackglanz, keine Nieten, keine Gedönse. Einfach und dabei sehr edel zieht sich diese Note durch den Duftverlauf bis sie langsam seicht und fein ausklingt.

Sacht warmwürzig unterlegte Blüten. Nicht dominant aber spürbar. Gewürznelke auch hier. Mit einem hellen Hauch von Iris und dunkelsamtiger Rose. Ein Triumvirat das sich versteht, gut harmoniert, sich facettenreich dreht und dem fein austariert, balsamweich aromatisch hauchfeine Nuancen ebenso wie zart holzige und erdkrautige Akkorde eben dieses Wispern einhauchen, das auch dem Vintage inne ist. Dazu trägt wohl auch eine sehr fein dosiert süßlicher Atemhauch bei. Und immer noch ist da diese fruchtweiche Komponente. Wenn sie sich jetzt auch immer mehr zurückgezogen hat, so hinterlässt sie doch für einige Zeit immer noch mehr als nur eine vage, nebulöse Anfangserinnerung.

Für Vintage Düfte habe ich ein Faible. Aber in diesem Fall gefällt mir die Neuinterpretation noch einen Tick besser als das Original. Ein Duft der charaktervoll ist, der für mich durchaus einen Wiedererkennungswert hat und Facetten aufweist. Der für mich eine gewisse Eleganz mit einer ungekünstelten Lässigkeit verbindet. Das heutige „Colony“ ist für mich ein sehr gelungener Brückenschlag nach mehr als 60 Jahren.

Herzlichen Dank, liebe Gerdi!

19 Antworten

Ergreifend vor 3 Tagen
28 Auszeichnungen
Jade

Jade - soOud

10.0
„Schamlippen zum Küssen?”
Komische, auch etwas anstößige Überschrift.
Finde ich auch - aber es passt irgendwie. :D

Ja, jetzt denkt ihr sicher, die Ergreifend ist nun völlig durchgeknallt und widmet so einem wunderbaren Duft, solche anstößige drei, kleine Wörter - die so manchen weißen Dominostein im Leben einer Jungfrau zum Fallen bringen. Ich höre schon die Streber und Klugscheißer stöhnen und heucheln. Aber da schalt ich auf taub! Lässt doch auch mal eure Libido im Freudentanz über die Erde wirbeln! Mit Jade könnt ihr das auch!

Die Meldung bekam ich von meiner Freundin, die ihre Augenbrauen gleichmal hochzog, als sie meine Wohnung betrat. Ich sah schon ihre Fragen im Gesicht stehen. Eine leichte Verwirrung huschte auch noch übers Gesicht. Ein schnnüffeln an mir, den Kopf nach hinten gebeugt, ein Stöhnen widerfährt ihr prompt. Es war aber mehr eine Frage - als eine Feststellung. Musterung. Von oben bis unten. Ihre Mundwinkel waren dabei angezogen, so als würde sie mich gedanklich vernaschen wollen. Sie verfiel mir in wenigen Sekunden - Jade hatte sie mit einer Hand zu mir gezogen und liebevoll , wenn auch anrüchig umschlossen.Wir mussten lange darüber kichern. Wie kleine Mädchen bogen wir uns ab.

Schamlippen zum Küssen. Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter fand ich diese karge Wortwahl über so einen schönen Orientalen - denn Jade ist wahrlich eine Verführerin. Eine intime Instanz, die sich wie ein Brocken in der Wüste aufstellt und sich sehr standhaft gibt. Der Duft wirbelt erstmals mit würzigen Bestandteilen über die Wüste, stellt einen schwarzen Brocken auf. Tabak, Zeder und Harz verschmolzen im Kern. Süße Töne, geben sie flüsternd der Welt weiter. Cremig, fast schon balsamisch. Überall eine stickige, heiße Luft, die mich aber nicht erstickt. Vielmehr bringt es meinen Puls in Höchstform. Sandige, beige Farben zieren den Orient, worüber sich die orange Sonne geneigt hat. Sie hängt in der Landschaft, so als würde sie sich ausruhen. Wärmend gibt sich Jade alsbald. Sie umarmt mich sanfte mit ihren kleinen, sanfen Händen. Leich schrubbelt sie meine Haut mit feinen Kristallen. Diese wird immer Wärmer und bekommt einen sanften, roten Touch. Ölig finde ich Jade - so als würde mir jemand eine erotische Massage verpassen. Über den ganzen Körper - mit einer öligen Substanz, die einen leichten Film über die rote Haut zieht, sich aber nach wenigen Momenten in jede Hautzelle einistet. Und dann in immer kürzeren Interwallen zückt Jade ihr Puderdöschen und verteilt diesen auch noch auf der Haut.

Die fährt ein! So richtig unter die Haut. Der Kern des Brocken beginnt nach einer halben Stunde zu schmelzen und alles fließt in einem goldenen Fluss durch die karge Wüste. Eine Oase der Lustvollen. Eine Oase, derjenigen, die sich genüssliche ihre Lippen ablecken, nachdem sie, erstmals unschudlige Schamlippen küssen und diese zu sündigen Genossinen der Wüste machen.

Harz ist so goldig umschimmert von der Sonne, so dass ich es gedanklich richtig, bildlich vor mir habe.
Jade ist so intim, dass man sie direkt an sich spürt. Wie ein Handabdruck, der sich an den weichen Oberschenkeln festgesetzt hat. Eine unheimlich, schöne Verführerin!

Der Duft wird nach etwa zwei Stunden etwas ruhiger - die Wärme bleibt aber bestehen. Die Gewürze, allen vorran etwas Safran, beigemischt ein Hauch Zeder mit Zimt ruhen sich auf der Haut aus. Immer wieder kommt aber ein Sprudel von Harz daher - rauchige Facetten geben dem Duft ein Herz, welches imposant schlägt. Seichte erdige Töne werden mit der Zeit wach - lassen sich aber schnell vom Harz untergraben. Etwas Tonkabohne zischt daher - gibt nochmals einen harten , süßen Druck auf all dies ab. Doch nach wenigen Augenblicken wird die Süße, wie vom Sandsturm aufgewirbelt. Esbleibt nur noch ein sanfter Ton von Harz, Tabak und Zimt über - alles durchgemischt mit warmen Sandkörnern.

Die Haltbarkeit ist enorm, die Sillage etwas zurückhaltender. Frisch aufgetragen aber, lässt Jade aber die Lassos durch die Gegend schwingen und zieht so manche Geschöpfe an.

Schamlippen zum Küssen. Einer der intimsten Düfte für Frauen, der mir seit langem untergekommen ist. Sorry Männer, an euch kann ich mir dieses Werk nicht vorstellen. Dafür ist es einfach viel zu weiblich.

Eine kleine zierliche Perle, einer Dame, eingebettet zwischen den weichen Beinen, umschlossen von zierlichen, weichen Schamlippen, die vor Lust zittern- genüsslich betrachtet und verspeist von ihrem Verehrer!

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Meggi vor 4 Tagen
25 Auszeichnungen
„Um welchen Pilz geht’s hier eigentlich?”
Dem Aufsprüh-Aerosol entsteigt ein Geruch nach Pflaumenmarmelade. Oder nach dem Belag eines Pflaumenkuchens. Jedenfalls mit ordentlich Zuckerzeugs drumherum. Ein bisschen (rosen?)-beschwipst geht es außerdem zu, das mag allerdings der Transport-Alkohol sein; zum Thema Rum siehe unten.

Das Gewirbele beruhigt sich binnen Sekunden und macht einer safran-rauen Leder-Andeutung Platz. Bin gespannt, welche Sorte es am Ende werden wird. Ich bleibe dabei, dass Rose beteiligt ist, die irgendwie ins Pflaumige gedreht wurde, wie auch immer das funktionieren mag. Vielleicht hilft die Orange. Daneben jene diffuse Dosenobst-Note, für die ich Davana im Verdacht habe.

Nach fünf Minuten erahne ich schließlich den Rum. Seltsam, dass ich als Fast-nicht-Trinker diesbezüglich nicht empfindlicher bin, aber Rum eröffnet sich mir meist nicht oder nur im Ansatz oder als zuckriger Amber. Hier rieche ich nach wie vor eher beschwipste Rose als Rum. Und – um das vorwegzunehmen – im Fortgang dann zuckrigen Amber. Hmpf.

Guajak hält sich erfreulich zurück und liefert allenfalls von Ferne was Sahniges. Angesichts des Potentials der angegebenen Zutaten finde ich den Duft überhaupt rasch vergleichsweise still und kompakt. Alles kapriziert sich auf die nunmehr drängende Frage: Aus welcher Ecke wird das Leder kommen?

Es kommt aus der Halspastillen-Ecke – sehr edel! Wir erleben ab der zweiten Stunde einen weichen Halspastillen-Lederduft mit feiner Würze und nur noch wenig Frucht. Der Eukalyptus ist bloß als Hauch bemerkbar und vornehmlich in der Projektion tätig. Eine Spur Vanille auf hellem, staubigem Holz mag im Untergrund rumoren, dazu am späten Vormittag der oben bereits erwähnte zuckrige Amber; insbesondere freilich besagtes Halspastillen-Leder. So weit, so angenehm. Ich wollte Gold Leather schon als solide-vorhersehbar abhaken.

Bis am Nachmittag eine Überraschung erscheint, den verwendeten Pilz betreffend: Ich rieche Trüffel. Konkret: Trüffel-Öl. Gedacht ist das wohl als Annäherung an Oud – ich vermute eine dunkel-synthetische Holznote in Kombination mit irgendeiner Moschus-Variante. Auf mich wirkt derlei eben wie Trüffel, und das nicht zum ersten Mal. In Oxford Street von Hugh Parsons war Trüffel als Zutat sogar genannt, auch in Jewel for Him von Micallef habe ich ihn gewittert, ohne pyramidalen Hinweis. Den grundsätzlichen Zusammenhang zeigt (der ansonsten unschöne) Lômusk von Santi Burgas in seiner Konzentration auf Moschus gut nachvollziehbar auf.

In Gold Leather runden Leder und Süße das Aroma behutsam ab, das mich in den kommenden Stunden begleitet. Ein Klecks Frucht ist unverdrossen im Spiel, ich hätte Mandarine gesagt, dürfte indes die diffuse Davana-Fruchtnote sein. Ein verblüffend hartnäckiger Anklang von Eukalyptus schwebt weiterhin still im Raum, vor allem jedoch umweht mich die Ich-nenne-es-störrisch-Trüffel-Note. Wäre mal spannend zu lesen, wie andere das wahrnehmen.

Fazit: Ein eleganter Duft für kühlere Tage.

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe.

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Louvre vor 4 Tagen
23 Auszeichnungen
„Mitsy oder das Geheimnis einer spröden Schönheit”
'Von' – im Amerikanischen zu einem quarkigen 'One' breitgetreten – war im Hollywood der zwanziger Jahre der Spitzname eines der schillerndsten Regisseure der Kinogeschichte: der aus Österreich stammende Erich von (er adelte sich in USA kurzerhand selbst) Stroheim war in vielerlei Hinsicht die Nummer Eins – in Sachen Talent und Können, aber auch was Egozentrik und Extravaganz anbelangte. In seinen Filmen warf er einen gnadenlosen Blick auf die amerikanische Gesellschaft, in der von ihren geschäftstüchtigen Männern vernachlässigte Ehefrauen leichtes Opfer des von ihm selbst gespielten erotischen Freibeuters in schicker Uniform wurden. Mit maßlosem Realitätsfanatismus und manischer Detailversessenheit entwarf er auch bildgewaltige Sittengemälde der untergegangenen K.-u-k.-Monarchie. Die Vorgaben der Produzenten missachtend, sprengte er alle Budgets und überzog jede Drehzeit. Ins Kino gelangten seine überlangen Filme nur stark gekürzt, manchmal auch radikal verstümmelt.
Stroheim war der erste 'Maverick' Hollywoods – er drehte in der sengenden Hitze des Death Valley, bis die dehydrierten Schauspieler am Rande des körperlichen Kollapses standen, ließ für eine einzige Einstellung über Wochen zehntausende künstlicher Apfelblüten an den Zweigen eines Baumes befestigen, bestand bei Festgelagen für die Kamera auf dem matten Glanz echten Kaviars. Und er verlangte von Komparsen, unter ihren Kostümen seidene Unterwäsche zu tragen – denn erst das Gefühl des exklusiven Stoffes auf der Haut verleihe ihnen die erwünschte Körperspannung.
Ob Stroheim auch angeordnet hat, sich mit Mitsouko (von Guerlain im selben Jahr lanciert, in dem der Regisseur seinen ersten Film inszenierte) zu parfümieren, ist nicht überliefert – wundern sollte es einen nicht. Denn dieser Duft hat eine spezielle Aura: er strafft – Körper wie Geist. Stärkt einem den Rücken, befeuert das Denken zu größerer Klarheit. Kein Duft, der zum 'sich gehen lassen' einlädt, vielmehr einer, der mit einer gewissen Strenge zur Ordnung ruft und von seinem Träger ein bestimmtes Maß an Haltung einfordert. Gleichsam einem Korsett bringt er einen in Form – nicht sportiv, sondern ästhetisch. Nicht zuletzt auch dank seiner Legende. Wie nur wenigen anderen Parfums ist ihm die eigene Historie eingeschrieben. Jenseits des Mythos gibt es kein Parfum namens Mitsouko. Wir riechen seine Geschichte mit – selbst wenn wir sie nicht kennen.

Beim Stichwort Legende gilt es gleich ein Gerücht auszuräumen: Zwar borgte sich Jacques Guerlain den wohlklingenden Namen Mitsouko von dem 1909 erschienenen Roman „Le Bataille“ des befreundeten Schriftstellers Claude Farrère aus, der Duft selbst jedoch hat mit dem melodramatisch-traurigen Schicksal einer Japanerin, deren Männer – Gatte und Geliebter– auf gegnerischen Seiten in eine Schlacht des russisch-japanischen Krieges ziehen und sie am Ende als zweifache Witwe zurücklassen, nicht das Mindeste zu tun. Vielmehr revanchierte sich der Parfumeur bei dem Autoren dafür, dass dieser in einem seiner früheren Werke Guerlains Jicky Referenz erwiesen hatte. Ein Freundschaftsdienst. Mit anderen Worten: Die Jungs haben sich – eine Gepflogenheit, die mir auch bei Parfumo nicht unüblich zu sein scheint – gegenseitig die Eier geschaukelt. Die Fans des Duftes haben die Japanerin eh rasch europäisiert – bei ihnen heißt der Klassiker schlicht Mitsy.

Mitsouko ist durch und durch ein Parfum der Nachkriegsmoderne – entstanden in Zeiten gesellschaftlicher Krisen und revolutionärer Umbrüche. Es trägt Wandel und Aufbruch in sich, riecht nach weiblicher Emanzipation und Androgynität, nicht nach betulicher Damenhaftigkeit, nach erotischer Libertinage, nicht nach romantischer Liebe. Der Duft blickt nicht zurück Richtung 'Belle Epoque' und 'Art Nouveau', sondern schaut voraus zu den 'Roaring Twenties' und der Neuen Sachlichkeit. Selbst der noch auf die Vorkriegszeit verweisende herzförmige, jugendstilverschnörkelte Flakon ist zeitgeschichtlichen Umständen geschuldet: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sah sich Guerlain aus akutem Rohstoffmangel gezwungen, auch Mitsouko in das von Georges Chevalier 1912 für L'Heure Bleue und Fol Arôme entworfene Behältnis abzufüllen.

Von den beiden Duftvarianten EdT und EdP bevorzuge ich generell meist Erstere. Ich schätze deren scharf konturierte Einzelnoten, die knackigen Übergänge, das Filigrane und Transparente. Für meine Nase verhalten sie sich zueinander wie eine Jazzcombo zu einer Big Band oder – wer es klassischer mag – wie ein Kammermusikensemble zu einem Symphonieorchester. Abstriche bei der Lautstärke nehme ich gerne in Kauf. Bei Mitsouko hingegen liegt der Fall deutlich anders. Schon bald nachdem die zitrischen und floralen Noten verklungen sind, bestimmt beim EdT der volle samtene Klang des Pfirsichs die Melodie und erst gegen Ende des Stücks übernehmen nach und nach andere Instrumente wie Eichenmoos und Vetiver die musikalische Führung. Mir ist der reife, langlebige Pfirsich viel zu laut und dominant – fast vergesse ich, einen Chypre vor mir zu haben, so sehr scheint die Balance zu Gunsten der fruchtigen Herznote verschoben. Beim EdP sind die konträren Duftakzente weit harmonischer austariert – die Bergamotte bleibt wesentlich länger präsent, der Pfirsich tritt seine Herrschaft später an und muss seinen Machtanspruch früher mit Harzigem und Herben teilen: vom Solisten wird er zum Mannschaftsspieler.

Thierry Wasser, seit 2008 Chefparfumeur bei Guerlain, unternahm 2011 den Versuch einer Neureformulierung – zuvor zeichnete Edouard Flechiér für die durch die Restriktionen der IFRA notwendig gewordene „Modernisierung“ des Duftes verantwortlich –, die dem Original von 1919 so nahe wie nur möglich kommen sollte. Weniger die Rekonstruktion des Eichenmooses entpuppte sich als Schwierigkeit, sondern das Unterfangen, der Bergamotte und dem Piment mehr Tiefe und dauerhaftere Geltung zu verschaffen. Für seine Version erhielt Wasser 2013 in Frankreich den von einer Jury aus Experten und Journalisten erstmals vergebenen Preis für die beste Rekonstruktion eines Parfums. Doch im Sommer 2015 irritierte Kenner zunächst eine ungewohnte Leder-, dann auch störende Benzin- und Teernoten. Daraufhin beschloss Guerlain Ende des Jahres, keine weiteren EdP und Extraits mehr an den Handel auszuliefern. Wie sich herausstellte, waren die geruchlichen Veränderungen Folge einer chemischen Instabilität der synthetischen Riechstoffverbindung Iriséine, die einen Veilchen-Iris-Charakter mit holzigen und fruchtigen Facetten besitzt. (Wer tiefer in die überaus komplexe Problematik eindringen möchte, sei der Artikel „Mitsouko et L'Heure Bleue: Un Problème de Base“ auf der Webseite www.auparfum.com empfohlen). Nach einer erneuten Reformulierung durch Wasser, kam die aktuell erhältliche, immer noch ansprechende, an Volumen und Ausgewogenheit aber hinter der vorherigen zurückbleibende Version im September 2016 auf den Markt.

Mitsouko hat vor knapp hundert Jahren dem abstraktesten und intellektuellsten aller Parfumgenres zu Popularität verholfen: das Chypre schnitt alte Duftzöpfe ab und lehrte, geruchliche Gegensätze zu goutieren, scheinbar Widersprüchliches reizvoll zu finden. In seiner oftmals sperrigen, spröden und distanzierten Art erscheint Mitsouko wie ein Antipode der kuscheligen Seelenschmeichler von heute, mit seiner Transparenz und Komplexität wie ein Gegenentwurf zur synthetischen Kompaktheit und kompositorischen Simplizität unserer Tage. Sicher – man muss Mitsouko nicht mögen, aber kennen schon.

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Leimbacher vor 6 Tagen
21 Auszeichnungen
„Die zarteste Versuchung seit es No. 5 gibt ”
No. 5 ist das Damenparfum der Damenparfums. Das größte olfaktorische Werk in der Geschichte dieser Kunst. Das kann & will man gar nicht toppen, fast 100 Jahre später & mit "L'eau" betitelt. Und trotzdem gefällt mir "No. 5 L'eau" unheimlich gut. An meiner Freundin vor allem, doch sogar auch etwas an mir. Eines der schönsten Frühlingsparfums, die in den letzten Jahren den Weg in die Parfumregale dieser Welt geschafft haben. Ich bin kein No. 5-Profi, doch kenne das Original gut genug um 1) eine extrem verdünnte & modernisierte DNA in "L'eau" zu erkennen & 2) sagen zu können, dass dieses Update für alles steht, für das No. 5 nicht (mehr) steht. Das perfekte No. 5 für jüngere Mädchen. Facelifting done right. Etwas flach, lieb, dezent & naiv, doch ein wunderschöner Creme-Engel, der einem den Kopf verdrehen kann & jeden Tag erhellt. Schön das es dich gibt!

Wo No. 5 eine Diva ist, bleibt L'eau jugendlich unbedarft. Wo No. 5 dick aufträgt & umhaut, setzt L'eau auf Understatement. Wo No. 5 nervt & zu schick ist, kann ich von L'eau nie genug kriegen. Wo No. 5 die Monroe nackig im Königinnenbett trägt, trägt das L'eau eine ungeschminkte Unbekannte nackt auf einer feuchten Frühlingswiese. Wenn No. 5 mit Aldehyden überfordert, schmeichelt das L'eau mit cremigem Moschus & typischer Chanel-DNA des neuen Jahrtausends. Wo No. 5 nur zu großen Events geht, funktioniert L'eau unkompliziert jeden Tag. Wo No. 5 selbst für deine Oma altbacken wirkt, guckt mit dem L'eau sogar deine 16-jährige Schwester neidisch zu dir hoch. Wenn No. 5 trällert, flüstert dir L'eau ins Ohr. Wenn No. 5 Gold ist, ist das L'eau Keramik. Wenn No. 5 zeitlos ist, muss dies das L'eau noch beweisen. Und trotz aller Vorteile, guckt das schüchterne L'eau voller Ehrfurcht auf die Über-Großmutter No. 5 & kann noch viel lernen. Doch insgeheim ist sogar die Omi stolz auf ihre Ur-Enkelin!

Flakon: hell, klar, linear - Chanel im neuen Jahrtausend.
Sillage: Understatement done Chanel.
Haltbarkeit: 6 Stunden Cremigkeit von Wolke Chanel.

Fazit: wie Marilyns kleine Urenkelin - spritzig, sympathisch, schön. Kein Aldehydgewitter, sondern ein cremig-strahlendes No. 5, das man nur lieben kann. Oder hassen, wie einige Vorrednerinnen beweisen. Kein Jahrhundertparfum, doch das schönste No. 5 für junge Damen, alle Tage & jede Stimmung. Ein großer Wurf im Stillen. Daseinsberechtigung locker flockig erzaubert.

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DonJuanDeCat vor 4 Tagen
20 Auszeichnungen
„Mein Gesicht geht zur Neige….”
Ha ha ha, was für ein blöder Titel. Man könnte fast meinen, dass einem das Gesicht „ausgeht“, also verschwindet. Naja, vielleicht auch anfängt zu schmelzen, so wie am Ende vom ersten Indiana Jones Film, bei der die Bundeslade geöffnet wird und ich fange schon wieder damit an, daher schreibe ich nicht weiter… ahhh zurück zum Duft!

Und ja, ich weiß dass „neige“ schnee bedeutet und hier wohl eben die Farbe weiß gemeint ist. Ob damit auch etwas Kühles gemeint ist? Naja, wohl eher etwas pudriges bzw. reinliches. Außerdem gilt in einigen Ländern wie Japan ja ein weißes Gesicht als ein Schönheitsideal. Was bedeuten würde, dass dort sogenannte Nerds höchst willkommen sein müssten, da im Volksglauben diese ja angeblich weniger Sonne abbekommen und dadurch eine helle Haut hätten… Nerds wie du einer bist, wird so manch einer nun zu mir sagen, weil ich Star Wars und so mag… *seufz* … dabei komme ich ja aus der Türkei und bin nicht ganz so weiß wie ein Blatt Papier… naja… bin da wohl eher wie… ähm… Altpapier… aaah neeein… *seeeeufz*

Egal, kommen wir zum Duft. Viele scheinen ihn ja sehr zu mögen. Ich kenne bislang nur Yerbamate von dieser Marke, doch der hatte damals bei mir einen verdammt guten Eindruck hinterlassen (jaaa auch weil da Mate-Tee drin ist…).

Der Duft:
Der Duft beginnt sofort mit kräftigen, pudrigen Noten und ist sehr warm, weich und auch cremig. Dazu duftet eine ebenfalls toll riechende marzipan-mandelige Note, ich nehme an, dass dies der Heliotrop sein müsste, daher duftet der Duft auch süßlich.
Ein Teil dieser süßlichen Düfte kommt aber wohl auch vom Jasmin. Dazu rieche ich Rosen (und leichte, weitere blumige Noten), welche ziemlich gut zum restlichen Duft passen, wie ich finde.
Im Grunde ändert sich der Duft nicht mehr allzu viel, nur dass die süßlichen Noten etwas, sagen wir, dunkel süßlicher werden. Damit meine ich, dass man nun mehr den Moschus und die Tonkabohne riechen kann als beispielsweise den Jasmin.
Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass der Duft durch die warmen und pudrigen Noten auch äußerst reinlich riecht (aber nicht zu verwechseln mit seifig).

Die Sillage und die Haltbarkeit:
Die Sillage ist für einen puderigen Duft gar nicht mal so übel. Überhaupt ist sie richtig gut ausgefallen, da sie auch eine nette Duftwolke hinterlässt und daher sehr gut an einer zu riechen ist. Trotz der angenehmen Duft-Stärke ist der Duft aber eben weich, das heißt, er ist nie erdrückend.
Der Duft hält lange, also bei mir waren da mehr als zehn Stunden drin.

Der Flakon:
Der Flakon scheint wie aus Milchglas gemacht worden zu sein und ist zudem sechseckig. Wäre er siebeneckig, hätte er mich sehr an die Flakons von L’Artisan erinnert. Der verchromte Deckel ist ebenfalls sechseckig (wobei der untere Bereich zylindrisch ist) und man sieht den Markennamen auf ihn. Auf der Vorderseite des Flakons ist ein metallenes bzw. silbernes Etikett mit dem Duftnamen zu sehen, welcher allerdings achteckig ist. Alles in allem ein schöner Flakon.

Wow, ist dass ein Duft! Reinlich, süßlich, angenehm puderig und weich und zart. Einfach nur großartig. Eigentlich ist der Duft wegen dem Heliotrop, der (wie ich annehme), für die Marzipan- und Mandelartigen Düfte „verantwortlich“ ist, ja mehr für den Herbst und Winter geeignet. Da er aber trotz seiner Süße meiner Meinung nach nicht so erdrückend wirken müsste, könnte man ihn auch an nicht zu heißen Frühlingstagen wahrscheinlich verwenden. Ein Test wäre er jedenfalls wert.
Da der Duft nicht nur ein warmes und angenehmes Gefühl vermittelt, sondern auch recht gut rüberkommt, finde ich, dass Teint de Neige auch ein toller Ausgehduft für euch Mädels ist. Sogar zum feiern würde er sich eignen, wenn man einen netten, reinlichen… und okay… ihr wisst ja… leckeren Eindruck machen möchte.

Ein Duft, mit der ihr sowas ausstrahlt wie: „Kommt! Ich bin lieb, aber auch heiß und lecker. Ich beiße nicht!... wahrscheinlich nicht…!“ Und dann fallen wir Kerle auch noch darauf rein und gehen in unser Verderben… ups, nein wartet, das ist mir grad nur so rausgerutscht!!... *seufz*
Aber, damit will ich auch sagen, dass der Duft wie vorhin erwähnt eigentlich rein feminin riecht.

Wie dem auch sei, wie gesagt ist Teint de Neige ein toller Duft, den ihr mal ausprobieren solltet, sofern ihr auf reinlich riechende und puderige Düfte mit einer Marzipan- und Mandelnote steht.
Aber auf keinen Fall blind bestellen, denn auch wenn ihn viele mögen, gibt es hier auch sehr viele, die ihn eben nicht mögen. Daher auf jeden Fall erst einmal testen!

5 Antworten

Angelliese vor 3 Tagen
20 Auszeichnungen
„Da haben die kleinen Blüten zu pumpen ........”
Träumend im Lavendelfeld. Leicht frisch und aromatisch. Die Taggeburt könnte schöner nicht ..... was´n das? Karameldunst steigt auf. Von der Sorte Goldpapierbonbon. Legt sich über die Blüten, kriecht in sie hinein. Durchwabbert das Feld und nimmt der Frische was von ihrer Basis. Der Lavendel? Hat sich pikiert dünnegemacht, ist aber noch zu erkennen. Nur mit frisch aromatisch, nö, da ist bald nix mehr.

Und nun sucht der samtsämigsüße Karamelnebel einen Verbündeten. Vanille bietet sich an. Nicht zartpudrig. Eher als angecremte Sauce. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, zerfließen mit-, unter- und übereinander. Und versuchen nun dem Lavendel zu zeigen was sie können. Da haben die kleinen Blüten ganz schön zu pumpen. Aber sie halten sich wacker, sind immer noch nicht von der Bühne geplumpst. Wahrscheinlich, weil die sie umgebene Melange nicht zäh oder pappzuckrig daherkommt sondern die süße Ummantelung eben genau diese Grenze auf gelungene Art nicht überschreitet.

Während das lila Feld nun abgesüßcremt wird kommt auch noch eine Note dazu die ich schon als Kind nicht unbedingt favorisiert habe: warme Milchsuppe. Die ist nicht knirschsüß bestreut aber ein Teelöffelchen Zucker für den guten Geschmack wurde hier wohl doch beigegeben.

Der Lavendel ist nun weich, samtig und fließend von dieser süßen Wolke umfangen und lässt sich darin treiben. Ab und an macht er einen Atemzug um zu zeigen, dass er noch da ist.

Irgendwann schütteln sich die Blüten. Das warmsüßliche Cape bewegt und erhebt sich ein wenig. Da isser ja wieder, der Lavendel. Und er atmet. Zwar ein bisschen flach aber spürbar. – Bis sich die fluffig süßliche Decke wieder über ihn legt. Zwar auf leichtere, luftigere Art aber schon duckt sich die zart aromatische Blütenpracht wieder und verzieht sich in die zweite Reihe.

Die vanillige Note hat ganz langsam genug von dem Spiel und lässt sich ein wenig in den Hintergrund fallen. Das wird sofort von der warmen Milchsuppe ausgenutzt die sich mit dem nun weichcremigen Karamellbonbon vergnügt. Ungeachtet dessen, dass verschiedene lila Blüten nochmal versuchen mit Hilfe von leicht krautiger Seite eine Facette einzubringen. Für eine ganze Weile bleiben sie so als leise und sehr verhaltene Statisten im Spiel, können sich aus dem sie warmfließend und süßlich umfangenen fluffigen Dunst aber nicht lösen und schlummern darin irgendwann an.

Aus der warmen, angesüßten Milchsuppe und dem Goldpapierkaramell ist im Laufe der Zeit ein kleines Kuschelpaar geworden das sich zusammen mit einem zarten, softsamtenen Holzakkord noch einige Zeit auf der Haut räkelt um sich dann leise zu verabschieden.

Das bei „Lavandes Trianon“ subtile Wechselspiel zwischen den Noten finde ich interessant und ich mag ihn, diesen Duft. Auch wenn der Funke bei mir letztendlich doch nicht so ganz überspringen konnte.

Dankeschön, liebe Gerdi!

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Meggi vor 2 Tagen
18 Auszeichnungen
„Hänsel und Gretel…”
…verliefen sich im Wald. Aber auch nur die, von „Verlauf“ kann bei Tellus nämlich eigentlich keine Rede sein. Eher schieben sich an einem ziemlich stationären Zentrum einige weitere Sachen langsam vorbei, und mit Bäumen hat das lediglich am unteren Rande zu tun.

Es eröffnet ohne jedes Drumherum ein erdig-süßer Auftakt, sogleich mit einem stinkigen Biss darin. Die Patchouli-Note scheint rasch zu glühen. Eine Spur Zimt-Süße wittere ich, zudem vielleicht eine Prise Cumin, da ist irgendwas Schwitziges beteiligt.

Kostus kenne ich leider nicht. Die unschmeichelhafte Beschreibung im Vorkommentar lässt vermuten, dass diese Zutat für den unleugbaren Muff zuständig ist, der in nächster Nähe das Alt-Fäkale bzw. Universal-Kompostige streift, das Patchouli ergänzt und stützt und sich gemeinsam damit über den ganzen Tag hält – eine Art Mittelpunkt eben. Also: Nase ein paar Zentimeter weg von der Haut.

Und dann wird deutlich, dass für den unangenehmen Part einzig der konsequent unrund-erdige Einsatz des erweiterten Patchouli verantwortlich zeichnet. Das hat einfach nichts Nahbares. Doch das ist gewiss genauso beabsichtigt, denn letztlich lebt der Duft-Eindruck natürlich vom Kontrast zwischen dem muffig-erdigen Patchouli (nebst Unterstützer) und dem anderen.

Nachmittags wird es nur ein wenig balsamischer und süßer. Das Patchouli mit Anhang bleibt unleckere Konstante. Ließe sich allerdings die Molekül-Abstrahlung messen, käme eventuell mehr Veränderung heraus, als ich tatsächlich spüre, insofern ist das mit dem Zentrum durchaus geglückt. Ein kleines bisschen überstrapaziert wird die Idee womöglich gegen Abend, wenn nicht einmal eine zunehmende Moschus-Beigabe den Stinketeil ernsthaft zu dämpfen vermag. Eine besonders schräge Kombination.

Mein Fazit leite ich ein mit einem Vergleich zu Film-Musik: Selbst solche zu Filmen, die ich gut kenne (was allein auf eine Handvoll eher älterer Streifen zutrifft), hinterlässt bei von der Leinwand losgelöstem Hören bei mir fast immer ein schales Gefühl. Es gelingt zumeist trennscharf, sie von „echter Klassik“ zu unterscheiden. Klar, sie soll begleiten und keinesfalls die Bilder überflügeln. Das ändert bloß nichts daran, dass ich sie sozusagen kastriert finde und beispielsweise im Radio nicht hören mag.

Hier geht es mir ähnlich. Tellus wirkt auf mich konzeptig-halbiert, wie die olfaktorische Begleitung zu einer Geschichte, die ich nicht kenne oder nicht erkenne. Er inspiriert mich auch nicht, mir eine dazu auszudenken. Schade. Und seltsam - die Zutaten waren eigentlich da.

Ich bedanke mich bei 0815abc für die Probe.

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Palonera vor 15 Stunden
17 Auszeichnungen
„Wenn ich eine Rose will...”
...eine große, stolze, starke, eine Rose voller Saft und Kraft, von heißem Blut und dunkler Glut, samtblättrig, granatrot und schwarzviolett, eine Rose, die mich zur Diva macht, und sei es nur in meinem Blick – wenn ich solch eine Rose will, die Primadonna, die Eiskönigin, dann ist "Rose 31" sicherlich nicht erste Wahl.

"Rose 31" führt mich weit hinaus auf's Land, hinein in den jungen Sommer, dessen Tage so lang sind wie hell, noch nicht heiß, doch warm genug, um einen feinen Film von Feucht auf meine Haut zu legen, den der leichte Wind vom Feld schon bald verweht.
Ein Bauerngarten in der frühen Sonne, Gras und Blüten taubeperlt, weit hinten an der Mauer steht ein junger Rosenstrauch.
Frischklares Wasser, darin Zitronenscheiben, der alte Tisch vom Sonnenlicht gebleicht und rauh.
Arbeitende Menschen auf den Feldern, gebeugte Rücken, Erde, frischer Schweiß.
Friedlich ist es, freundlich und sehr warm, jung sind die Menschen und doch sehr erwachsen.
Rosenseife, ein Rest von heute früh.
Ein Hauch von Rauch, dem Gottessohn geweiht.
Ein Beutel mit Gewürzen, Muskat vielleicht und Zimt.
Und dazwischen immer wieder zarte Knospen, junges Grün.

Bild um Bild um Bild in schneller Folge, kein Film, nicht eigentlich.
"Rose 31" facettiert, konturiert klar jede Note, schiebt sie vor, zieht sie alsbald zurück.
An manchen Tagen überwiegt die helle Frische, meist jedoch dominiert ein Würzigwarm, bäuerlich, lebendig, arbeitsam.
Das muß man mögen, das mag nicht jedermann.
Dabei ist "Rose 31" niemals laut, drängt sich nicht auf und flutet nicht die Räume – eher dicht bleibt der Duft an meiner Haut, zeigt sich nur mir und den Menschen meiner Nähe.
Und das ist vielleicht gar nicht so verkehrt.

PS: Ergoproxy, Yatagan - danke!

11 Antworten

Can777 vor 5 Tagen
16 Auszeichnungen
„Die Büste ”
Auf schwarz-marmornen Sockel ruht sie,sie die Büste deren Name nur ein Seufzer ist.
Aus edlem Holz gefertigt,und aus Traurigkeit geschlagen und geformt.
Die Hände in das hölzerne Gesicht vergraben,schluchzend und wimmernd in Pose und Haltung.
Weich,so weich ist deine Seele,so weich und warm wie einst das Holz aus dem du gemacht wurdest.

Aus deinem schwarz-braunen Körper tritt noch immer der Saft des Leben aus deinen Poren.
Safrangelb und sandelholzbraun fließt er unter deinen Händen hervor,wie bitter-süße Tränen.
Was ließ dich nur in dieser Pose erstarren,du zu Duft gewordene Büste der Melancholie?
Der Geruch von Zedernholz umkreist einem beim betrachten deinerseits,und die Weichheit von Moschus lässt einen näher treten.Du willst berührt werden,man soll dich spüren,das ist dein Begehren.

Die Lasur deines Körper ist noch feucht,ein matter Schimmer auf deinem äußeren.
Eine Politur aus cremigen Opoponax,Amyris und öligen Patchouli brechen das Licht auf deinem Gesicht.Sie sollen deine Schönheit bewahren und dir Schutz geben.Aber es schützt nur dich,und nicht die anderen.So scheint es gewollt,aber das Verlangen deine glatte Oberfläche zu streicheln ist groß.Was ging in deinem Erschaffer wohl vor,als er dich erschuf?,...sehnsuchtsvolle Traurigkeit!?

Bass Solo...
Wimmernde und zu tiefst berührende Schönheit.
Ein Schluchzen aus Melancholie und Demut auf der Haut.
Ein Duft der die Tore meiner Seele zum bersten geöffnet hat,
so das ich sie schwer wieder schließen kann.
Aber wozu auch!


Ich danke dir mein Seelenfreund Luxifer.
Ich trocke noch die Tränen die ich vor so viel Schönheit und Schwermut vergoss.
Bass Solo,..die Büste der Demut.

9 Antworten