Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Schoork vor 6 Tagen
51 Auszeichnungen
Ein Original
Nun wage ich mich heute mal an einen Klassiker. Einem Duft, der mir mit jedem Mal tragen besser gefallen hat und der das interne Duell mit dem ebenso guten EDT gewonnen hat.
Bald 25 Jahre auf dem Markt sagen eigentlich schon viel aus. Zum einen, das dieser Duft zurecht immer noch seine Fans hat und zum anderen, das diese Duft DNA noch immer klar erkennbar ist.

1995 sagte man dazu noch einzigartig statt Unique und ich persönlich kenne auch keinen anderen Duft der so riecht, wenn man die Opium Reihe als solches mal beiseiteschiebt.
Die Geschichte des Duftes ist eigentlich auch schnell erzählt, denn saftige Johannisbeeren fallen auf ein fluffiges Amberbrett voller Vanille. Vieleicht sind hier und da noch ein paar Gewürze, ein Hauch Pfeffer, eine Prise Anis zu erahnen und runden den Gesamteindruck ab.

Dieser Eindruck ist ein warmer weicher Orientalischer Wummser, der bei Kälte seine ganze Kraft entfaltet und auch nur dann getragen werden sollte.
Hat das EDT noch Kanten und wirkt heller und fruchtiger, so hat das EDP alle Kanten abgefeilt, wirkt runder und kuscheliger, wärmer und gehaltvoller. Man kann auch beide haben, doch würde ich immer wieder zum EDP greifen, weil ich das einfach schöner finde.

Ich habe den Duft nie besessen und trotzdem erinnert er mich an früher. Ich nehme an, das ihn damals der ein oder andere in der Clique getragen hat und auch wenn ich nicht weiß wer es war, erinnert der Duft mich einfach an eine gute Zeit in der wir jung waren und viel unternommen haben, viele Parties gefeiert haben und noch unbeschwerter durchs Leben zogen.

Auch wenn ich ein Verfechter der Moderne bin, was Düfte angeht und diese Früher war alles besser Attitüde ermüdend finde, ist es dennoch Fakt, dass man früher sein eigenes Ding gemacht hat, statt nur zu kopieren und zu vervielfältigen.
Es kam noch auf den Wiedererkennungswert an und nicht auf den Massenmarkt und das trifft ja auf viele Bereiche zu.
Bei Düften im Herrensektor riecht jedes zweite gefühlt nach Duschgel, mal mehr und mal weniger gut, Ananas und Rauch hat ebenfalls den Mainstream erreicht.
Ich kann heute auch nicht immer sagen, ob das Auto ein BMW, Audi oder ein Japaner ist, sehen die manchmal alle gleich aus für den Laien.
Es ist auch überhaupt nicht meine Musik, aber wenn im Radio irgendwas Deutsches läuft, ist es dann Giesinger, Forster, Bourani und Konsorten? Alles eine Pampe.
Doch Gott sei Dank werden viele Klassiker nicht kopiert, ein Porsche 911 oder ein VW Käfer werden zwar modernisiert, aber erkennt man unter 100 anderen. Ein Grönemeyer oder Westernhagen erkennt man bereits an den ersten Tönen.

Ebenso dieser Duft und das ist gut so. Man weiß direkt um welchen Duft es sich handelt und könnte sich höchstens zwischen EDT und EDP vertun. Aber es ist halt Opium. Es kommt ja auch keiner auf die Idee die Mona Lisa nochmal zu malen, das wäre auch eher eine Mona Loser. Wer klaut bzw. kopiert ist faul, hat selbst keine eigenen Ideen, keinen Mut oder Fantasie und will nur auf einen bestimmten Zug aufspringen und was vom Kuchen haben und/oder sich profilieren. Man möge dazu hier mal Herrn Zu Guttenberg befragen.

Für mich am schlimmsten aber sind die, die sich dann noch unter dem Vorhang der Inspiration verstecken, wenn sie etwas nachahmen. Das hat man ja ganz oft in offiziellen Duftbeschreibungen der Hersteller. Da steht dann z.b. "Inspiriert vom Mond von Wanne-Eickel und dem morgendlichen Wind der A40" und riecht am Ende wie Sauvage. Da verliere ich jeden Respekt, weil es einfach nicht ehrlich ist.

Opium riecht wie Opium und haut den stärksten Opi um. Das ist nun mal so und ich kenne nichts vergleichbares. Dieser Duft ist fruchtig, trotz Vanille nicht zu süß, würzig, strahlt extrem ab und hält ordentlich durch. Das triste Wetter ab Herbst macht dann etwas mehr Spaß und das seit fast 25 Jahren und auch wenn ich relativ spät auf diesen Duft aufmerksam wurde, was kein Einzelfall ist, bin ich recht angetan von diesem Orientalischen Wummser. Das EDP ist in Geschäften meist nicht erhältlich, oder sehr selten fast immer steht dort nur das EDT, das sehe ich aber nicht als Nachteil an, nur das es generell teurer ist. Das EDT bekommt man online nachgeschmissen, das EDP ist preislich höher, was natürlich klar ist, weil ich es wieder besser finde. Ich hab ja immer das Glück bei sowas.


Auch wenn es etwas Positives hat, das es günstigere Dupes gibt für Menschen die nicht viel Geld ausgeben wollen und ich nutze selber welche, ist es wohltuend zu sehen, das es Dinge gibt die Original sind und Original bleiben und dazu klar erkennbar. So wie Opium eben.

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Can777 vor 41 Stunden
46 Auszeichnungen
Das Miststück
So etwas oder ähnlich werden wohl so einige Damen gedacht haben wenn eine Frau den Raum betrat die Must de Cartier trug. Dies war entweder aus Neid und Missgunst gemeint oder im übertragenen Sinne als Kompliment gedacht. Ich kenne nur wenige Parfums die es schafften innerhalb kürzester Zeit in einem Raum;und sei er noch so groß einen massiven Kollateralschaden an anderen Parfums anzurichten wie Must de Cartier. Es sei denn eine der Damen trug noch Opium von Yves Saint Laurent oder Knowing von Estée Lauder auch als reines Parfum. Somit hatte man noch einen ebenbürtigen Gegner mit im Spiel was die enorme Präsenz und Aura betraf. Man kann wohl zu recht sagen das Must de Cartier ein Titan war,was Opulenz,Eleganz und Charisma anging. Was Must de Cartier so besonders machte? Schauen wir mal!

Must de Cartier
Man kann nicht wirklich sagen das Must de Cartier In seiner Aura schwer ist,im Sinne von erdrückend,erschlagend oder üppig. Wäre Must de Cartier ein Stoff würde ich ihn mit dem edelsten Kaschmir vergleichen der je gewebt wurde. Seine feinen Noten sind unglaublich warm,weich und geschmeidig gesponnen. Beim ersten Kontakt mit der Haut wirkt er noch spritzig und frisch-fruchtig durch eine zarte und saftige Mandarinen-Note. Was aber keineswegs so bleibt. Schnell kommen die anderen Noten dazu. Zimt der hier überhaupt nicht gelistet ist kommt in warm-würzigen Schüben hinzu und durchzieht mit sanft,harzig-rauchigen Galbanum das Parfum. Florale Noten schleichen sich mit ein,sind aber nicht wirklich zu identifizieren und einzuordnen. Sie sind mehr nur sanfte Akkorde und mehr zu erahnen. In diesen Stadium duftet Must de Cartier so als würde man Orangen weihnachtlich würzen und sie dann sanft samt Schale erhitzen. Aber dem nicht genug! Eine frisch ausgekratzte,würzige Vanilleschote gepaart mit einem unglaublich fluffig-wolkigen und butterweichen Moschus und Amber,lassen Must de Cartier bildlich schweben. Ein Tupfer Zibet und Tonka krönt das Parfum und lässt es förmlich pulsieren auf der Trägerin und um sie herum. Must de Cartier strahlt eine sehr erwachsene,sinnliche,warm-würzige,cremige und sanft angerauchte Eleganz und Grazie aus wie selten erlebt. Pure Perfektion gepaart mit sinnlicher Dekadenz!

Fazit
Must de Cartier hat eine einmalige Signatur die sehr eindrucksvoll und mächtig ist. Ich kenne nur wenige Parfums die so charmant und gleichzeitig dominant sagen: „Ich bin hier!!!“. Ein Parfum was wahrlich die Luft brennen lässt und schwerlich andere Parfums im Raum duldet. Hört sich vielleicht schlimm an,ist es aber nicht! Must de Cartier ist zwar sehr stark in seiner Sillage und Haltbarkeit,aber keineswegs erdrückend dabei. Must de Cartier ist vergleichbar mit einem meterlangen Kaschmirschal,der tonnenschwer aussieht,aber im Grunde genommen nicht viel wiegt. Oder einer schützenden,weichen Kaschmirdecke die ein warmes,fluffiges,sinnliches und delikates Hautgefühl auf der blanken Haut gibt. Must de Cartier ist vorzugsweise im Herbst und Winter zu tragen,weil er durch den hohen Anteil an Zimt und Mandarinen-Noten sehr weihnachtliche Assoziationen hervorruft. Kein Parfum was man bedenkenlos auflegen sollte im Bewusstsein man würde nicht damit auffallen. Man tut es definitiv! Und dafür reicht schon eine minimale Dosis völlig aus. Must de Cartier ist wohl eine der schönsten und elegantesten Wände gegen die ein Mann laufen kann meines Erachtens . Ob das allerdings für manch andere Dame auch so gilt die dagegen läuft,wage ich stark zu bezweifeln? Es sei den sie selbst trägt es vielleicht genau aus diesem Grund!

Böse ist wer Böses denkt!

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Floyd vor 4 Tagen
29 Auszeichnungen
Boswellianische Hypnose
Nehmen Sie eine bequeme Sitzposition ein und atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Ignorieren Sie die Pyramide, sie ist übermäßig, uferlos und kolossal. Störende Geräusche schicken Sie einfach weg. Achten Sie nicht auf den Preis, Gedanken kommen und gehen. Sie befinden sich ausschließlich hier - in genau diesem Moment. Ihre Schultern dürfen hängen, ihr Körper ist angenehm schwer und strömend warm. Sie sind ganz ruhig.
Sie atmen nun einen frischen säuerlich hesperidischen und zugleich süßlich wachsähnlichen Duft. Sie sehen reife opulente Orangen, die in heißem goldenen Bienenwachs zergehen, eine polaroidfarbene Gedankenfotografie von Cranberries in Lorbeerblättern? Wie Sie wollen. Gedanken kommen und gehen.
Während Sie nun langsam immer tiefer gleiten, nehmen Sie von edlen Hölzern, herben und süßeren Harzen und Gewürzen begleitet zunehmend neblig-weichen, vielschichtigen Weihrauch wahr, erhaben lodern seine Schleier, prachtvoll branden seine Wellen, legen sich wie feinster brauner Sand über die Wunden Ihrer Seele. Lassen Sie das Harz des Boswellia-Baumes seine psychoaktive Wirkung entfalten, lassen Sie sich fallen, der Weihrauch wird ihr Gehirn stimulieren, Sie beruhigen, den schwarzen Hund, der durch die dürre Wüste tobt, verstummen lassen, ihn zahm unter der knotigen Rinde, den trocknenden Harztropfen, schlafen legen. Spüren Sie die tiefe Stille, die vollkommen ebenmäßige Oberfläche des cremig-balsamischen Bernsteinsees in der Ferne? Der Weihrauch wird uns dorthin begleiten, wie harziger Tau durch Fragmente züngelnden Vanilledunstes, dichter werdend, wie eine Wolke den See bedeckend im Angesicht der nahenden Nacht. Bleiben Sie dort. Wachen Sie nicht auf.
In acht bis zehn Stunden werde ich rückwärts zählen, dann werden Sie Ihre Augen öffnen und sich vollkommen entspannt und erholt fühlen. Sie können diese Hypnose eigenständig das ganze Jahr über durchführen, nehmen sie dabei gerne die Mitmenschen ihres nahen Umfeldes etwas mit, zumindest zu Beginn der Übung.

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Meggi vor 38 Stunden
29 Auszeichnungen
Kammermusikalischer Soundtrack
Die Symphonien von Anton Bruckner klingen über weite Strecken wie der Soundtrack zur US-Außenpolitik. Sogar dann, wenn ein Dirigent am Pult steht, dessen Drang zur Selbstdarstellung unterdurchschnittlich ausgeprägt sein mag, wie ich es etwa vom greisen Günter Wand vermute. Der war beruflich nämlich eigentlich schon „durch“ gewesen, als er Anfang der 80er in vorgerücktem Alter eine zweite, noch 20 Jahre währende (Welt)-Karriere startete, deren Auftakt vielbeachtete Bruckner-Aufnahmen bildeten.

Bruckner lässt die Streicher nun einmal einen gewaltigen Teppich ausrollen, der reichlich Platz für dröhnendes Paradieren der Blechbläser bietet. Wie wunderbar transparent und von kristallener Klarheit die Symphonien des Österreichers allerdings auch klingen können, zeigen exemplarisch die Einspielungen von Sergiu Celibidache. Der gebürtige Rumäne war ein proben-besessener und kompromissloser Orchester-Erzieher alter Schule, der sich in besonderem Maße um den musikalischen Nachwuchs verdient machte, nicht zuletzt – in der Nachfolge Leonard Bernsteins – um das Jugend-Orchester des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Ich erinnere mich an Berichte junger Musiker, die beide Dirigenten erlebt hatten und den Unterschied wie folgt skizzierten: „Bernstein schaut dich nur an und du spielst wie noch nie in deinem Leben!“. Die Arbeit mit Celibidache hingegen sei hart und mühsam, aber von spürbarer Nachhaltigkeit.

Die Schallplatte hatte der Maestro stets verabscheut, hielt einzig die Aufführung für den richtigen Rahmen. Einiges hat gleichwohl, teils nicht ganz legal, den Weg in Regale und Archive gefunden. Die folgende Passage aus Bruckners 6. Symphonie zeigt, was ich mit Transparenz und Klarheit innerhalb Brucknerscher Opulenz meine: www.youtube.com/watch?v=8gNKadsHff4 – ab 15:10 min.

Zunächst hatte ich gezögert, den Begriff „kristallene Klarheit“ zu verwenden, denn nun, beim Brückenschlag zum Duft, wird er unweigerlich eine völlig falsche Assoziation zu heller Kälte hervorrufen – und von heller Kälte ist ‚Per Fumum: Ambar‘ gewiss nicht, vielmehr exakt das Gegenteil. Ich will bloß darauf hinaus, dass uns Frau Neuffer heute wieder einmal demonstriert, wie zärtlich und fein Aromen einander umspielen können, die sonst nicht selten in spätromantischer Üppigkeit schwelgen (wogegen ich, nebenbei bemerkt, per se nichts habe).

Während ich beim Schnuppern am Testerchen noch Gewürz-Tee mit einem Schuss Likör rieche und unmittelbar nach dem Aufsprühen an Hustentropfen denke, so lässt doch jenes Grummeln nicht lange auf sich warten, mit dem die Neuffer-Düfte gern eröffnen: Wächsern-rau und kratzig an der Schwelle zum Schinkenhaften geht es los, rasch bereits mit dezenter fruchtiger Süße versehen. Fruchtige Rose vielleicht. Außerdem kandierte Orange. Eine Prise Schärfe macht Ingwer plausibel.

Behutsam breitet sich eine latente Animalik aus, die ich ohne Kenntnis des Namens nicht als Ambra erkannt hätte, aber sie muss es sein. Hintergründig bleibt sie, cremig und sacht befruchtet. Cumarin-Pritzeln, ganz sanft, zweifellos vom Tabak-Absolue. Auch weitere Aspekte des Tabaks sind präsent: Teerige, würzig-bittere, die mich an Malbrums „Bengalen-Tiger“ erinnern – und an den vorzüglichen ‚Maroquin‘ aus selbem Hause. Dazu dezent medizinisches, nur minimal käsig-kuhstalliges, eher holziges Oud, alles ist eingerahmt von zuckrig-glasigem Amber; Copal glaube ich sofort.

Und wie so oft bei den Neuffer-Düften lassen sich all diese Zutaten recht gut identifizieren. Ich habe schon öfter vermutet, dass der Aromen-Reichtum natürlicher Duftstoffe eine Beschränkung auf eine vergleichsweise geringe Zahl an Ingredienzen zulässt und dass daher der Gewinn an Transparenz – oder eben Klarheit – rühren mag, ohne dass das Ergebnis fragil und dünn wird, wie ich es leider beispielsweise beim einen oder anderen Ellena empfinde.

Ab dem späteren Vormittag zeigt ‚Ambar‘ seine Verwandtschaft zu einem weiteren Geschwist: Es geht heute zwar ein bisschen weniger süß und warm zu als bei ‚Ambra Luminosa‘, hier ist es cremiger, weißer, das Harzige am Harz ist Tupfer. Gleichwohl strahlt ‚Ambar‘ ebenfalls eine honighaft-süß-rauchige Wärme aus, gar mit einem zarten Anflug von Weihnachtsbäckerei. Etwas „labdanum-liköriger“ und im Fortgang (die Parfümeurin schreibt es selbst) staubiger ist er. Apartes Gegenstück ist der anhaltende Beitrag bitteren Tabaks.

Überhaupt gilt dasselbe wie bei vielen Neuffers: Die Duftnoten bieten keine eindeutige Abfolge im Sinne einer Ablösung, sondern verschieben eher ihre Gewichtsanteile im Laufe des Tages, ein kontrapunktisches Miteinander diverser, mehr oder weniger gleichberechtigter Stimmen.

Fazit: Ambra? Ich nehme ‚Ambar‘ vorrangig als Amber-Oud-Duft wahr. Ich gestehe, dass ich – ich drücke mich vorsichtig aus – nahezu nichts rieche, was ich bislang mit Ambra in Verbindung gebracht hatte. Lediglich eine cremige Grundstimmung, die sich praktisch durch den gesamten Verlauf zieht und die eben auf die wahrscheinlich (aus naheliegendem Grund) sparsam dosiert eingesetzte Kostbarkeit zurückzuführen sein dürfte. Von allein hätte ich die Ambra wohl nicht ausmachen können.

Dessen ungeachtet gefällt mir ‚Ambar‘ außerordentlich gut, wenngleich er meinen Neuffer-Favoriten ‚Maroquin‘ nicht vom Sockel zu stoßen vermag.

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SchatzSucher vor 18 Stunden
29 Auszeichnungen
Die Orangenblüte kriegt ein Veilchen verpaßt
Die Idee, eine Gruppe von Düften einem bestimmten Thema zu widmen, finde ich sehr schön.
Angefixt durch den fabelhaften Kommentar von Kovex zu Oranzo und da ich Orangenblüte ja sowieso sehr gern mag, schaute ich mir den Internetauftritt von Frau Delacourte an und bestellte mir das fünfteilige Probenset zum Thema Orangenblüte.
Die Webseite ist meiner Meinung nach sehr sympathisch und ansprechend gestaltet und das Probenset ist zudem noch sehr erschwinglich. Also zögerte ich nicht lange.
Obwohl es erst hieß, daß es ungefähr 2 Wochen dauern würde mit der Zustellung, war das Set schon innerhalb einer Woche bei mir. Sehr ansprechend verpackt und mit einem schönen Begleitheftchen zu den Themendüften aus dem Hause.

Zu Frau Delacourte hat Kovex schon sehr wertvolle Informationen gegeben, da kann ich nichts mehr ergänzen.

Nun testete ich mich durch die 5 Orangenblütendüfte und stellte fest, daß sie alle sehr unterschiedlich gestaltet sind. Und ich finde auch alle 5 gut, wenn auch den einen mehr und den anderen etwas weniger.
Die Orangenblüte taucht in allen Düften auch mehr oder weniger deutlich auf.

Oscarine gefällt mir sehr gut, da der Duft noch um eine weitere Blütenfacette erweitert wurde.
Doch zunächst nehme ich ein Zusammenspiel von frischen Zitrusfrüchten wahr, einzeln vermag ich sie nicht herauszuerkennen, sie wirken aber sehr natürlich und authentisch. Nichts ist spitz oder scharf bzw. wirkt künstlich.
Die Orangenblüte spielt auch gleich mit, ist hier aber nicht tonangebend. Mitunter wird der Orangenblüte vorgeworfen, ein wenig zu stickig, zu schwülstig und zu wächsern zu sein. Und die Süße kann auch mitunter zu viel werden.
Das ist hier nicht der Fall, bei Oscarine ist die Orangenblüte zurückhaltend und harmoniert sehr gut mit allen anderen Noten.
Sehr schnell gesellt sich eine sehr schöne und frische Veilchennote hinzu, die sehr schnell die Hauptrolle übernimmt und während des gesamten Duftverlaufs auch präsent bleibt.
Das Veilchen wird noch von sanften grünen Aspekten begleitet, die aber auch nicht dominieren.

Oscarine überrascht mich mit einer sehr angenehmen und unaufdringlichen Präsenz. Der Duft wird nicht laut und stark, umgibt mich aber mit seiner feinen und schönen Aura. Insgesamt wirkt der Duft eher kühl auf mich.
Es findet auch keine große Veränderung statt, was mich aber keineswegs stört. Herz- und Basisnoten vermischen sich weich miteinander.
Die Haltbarkeit ist für einen leichten und frischen Duft recht gut mit ungefähr 7 Stunden, einen großen Duftschleier verbreitet er nicht. Auch ein oder zwei Sprüher zu viel wären kein Drama.

Durch seine Frische und die eher leise Art sehe ich Oscarine eher in der wärmeren Jahreszeit als jetzt im Herbst oder Winter. An kalten Tagen könnte der Duft ein wenig untergehen.
Der Duft ist als Unisexduft angegeben, allerdings könnten sich eher Damen zu diesem Duft hingezogen fühlen, da er doch insgesamt sehr blumig ist und keine deutlichen Ecken und Kanten hat.
Ich selbst kümmere mich bekanntermaßen wenig um die Einordnung und scheue sowieso nicht vor der Damenabteilung zurück.
Und ein Herz für Blümchen hatte ich immer schon :-)

Insgesamt erfindet diese Duftreihe das Rad sicherlich nicht neu, doch werden uns hier handwerklich sehr gut gearbeitete schöne Düfte präsentiert, bei denen sich der eine oder andere Schnüff auf jeden Fall lohnt. Und ganz bestimmt auch ein Zugreifen.

Wer Freude an unaufgeregten blumig-frischen Düften hat, kann hier unbesorgt zugreifen. Ich kann mir auch gut vorstellen, daß ein Duft aus dieser Serie bei mir einziehen könnte.
Oscarine gefällt mir aus der Reihe zusammen mit Oranzo und Osiris am besten.

Ich danke Kovex für´s unbeabsichtigte aber erfolgreiche Anfixen ;-)

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MsPralinchen vor 6 Tagen
25 Auszeichnungen
Liebesbriefe aus vergangenen Tagen
Damals, als man sich noch Briefe schrieb.
Damals, als noch Blumen verschenkt wurden.
Damals, als man sich trotz großer Distanzen die Treue hielt.
Damals, als man in Worte fassen konnte, was heute kaum noch gefühlt werden kann.

Erinnerungen an das Herzklopfen, an die Schmetterlinge im Bauch.
In Gedanken an die gemeinsamen Stunden, die langen Nächte.
Hoffnung, die Zeit könne still stehen und der Moment für immer bleiben.
Träume vom Reiz des Verbotenen, der Sehnsucht.

"Anständige Mädchen rauchen nicht, sie tanzen keinen Tango und sie tragen niemals Shalimar"

Rosen. So anmutig und schön. So zaghaft und unbedarft.
Vanille. Schwer und rau. Wie der Geruch von Büchern in einer alten Bibliothek.
Puder. Wie ein feiner Nebel, wenn man die alten Seiten durchblättert voller Geschichte von Helden, die so vieles wagten.
Rauchig. Wie in jener Nacht. Als sie nur einander sahen. Umgeben von lauter Musik, tanzenden Paaren und knisternder Leidenschaft.

Das Versprechen von ewiger Liebe. Ein Leben lang.

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Kiwii vor 3 Tagen
25 Auszeichnungen
Dich kenn ich
Opium, Mein erster Kommentar hier soll Dir gewidmet werden. Wir sind wahrlich alte Bekannte. Du und ich. Mit 70er Baujahr kann ich mit Stolz sagen: mit Dir bin ich aufgewachsen. Meine Mutter hat Dich täglich mit Inbrunst getragen und ich - nach dem Abschiedküsschen am Morgen - zwangsläufig auch. Du warst (über)mächtig, hast mich - nach dem Küsschen - den ganzen Tag begleitet. In guten wie in schlechten Zeiten. Mochte ich Dich? Ich weiß es nicht mehr, Du hast mir so manches Mal die Luft zum Atmen geraubt, hast mich an anderen Tagen tröstlich umarmt. Du warst immer da, für lange Zeit. Und dann? Was passierte mit uns? Wir verloren uns aus den Augen, für viele Jahre. Waren es 20 oder 30? Eine gefühlte Ewigkeit. Meiner Mutter besitzt Dich immer noch und neulich habe ich ihrer Sammlung gestöbert und an Dir geschnuppert - und plötzlich überrollten mich lawinenartig, alte, längst vergessene Erinnerungen,Erlebnisse, Bilder, Lieder aus Kinder- Teenietagen... ein Flashback, den ich so intensiv noch nie erlebt habe. Ich bekam weiche Knie und mußte mich setzten. Was für ein emotionaler Moment!
DANKE, danke das war wunderbar! Allein dafür liebe ich Dich jetzt!

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Profumo vor 7 Tagen
23 Auszeichnungen
Die Wiedergeburt des Chypres
Wer heute noch behauptet, wahre Chypre-Düfte gehörten der Vergangenheit an, den straft ‚French Affair’ Lügen. Wie schon ‚Maai’, Chypre Palatin’,‚The Afternoon of a Faun’ oder ‚Chypre Shot’ zeigt der Duft, dass Chypres klassischer Machart auch heute noch machbar sind, ja dass sie dank des neuesten, weitgehend allergenfreien Eichenmooses sogar durchaus neben den Klassikern bestehen können.
Da es aber eine lange Durststrecke gab, in der die Entwicklung eines Chypre-Duftes im Grunde unmöglich und daher keine Kontinuität in der Weiterentwicklung des Genres gegeben war, werden diese neuen Kreationen gerne mit dem Attribut ‚neo-klassisch’ versehen.
Und tatsächlich, die Bezugspunkte liegen zumeist in jener Zeitspanne, die für Chypre-Düfte eine klassische war: von den 50er Jahren bis weit in die 70er hinein.
‚French Affair’ zitiert eindeutig das letzte große Jahrzehnt der Chypres, die 70er Jahre. Und hier besonders eine Spielart, die der Rosen-Patchouli-Chypres, deren profilierteste Vertreter ‚Aromatics Elixier’ und ‚Aramis 900’ waren, beide zu Beginn der 70er Jahre von Bernard Chant kreiert.
Dass die junge französische Firma Ex Nihilo fast ein halbes Jahrhundert später mit einem Werk um die Ecke kommt, das genau diese Düfte zitiert, zeugt schon von einigem Mut, da die Originale im heutigen Duftgeschehen, ganz im Gegensatz zu früher, überhaupt keine Rolle mehr spielen. Andererseits aber passt es zum allgegenwärtigen Bemühen die ‚gute alte Zeit’ wieder aufleben zu lassen: reihenweise tauchen plötzlich neue ‚klassische’ Fougères auf, auch Patchouli, Amber und Moschus, die Lieblingsdüfte der Hippies sind wieder schwer ‚en vogue’, ebenso wie orientalische Schwergewichte à la ‚Opium’ gerne wieder zitiert werden.
Warum also nicht die rosigen Patchouli-Chypres von Bernard Chant.

Quentin Bisch, sein Nachfolger, hat mit ‚French Affair’ einen waschechten Chypre-Duft kreiert, wie er bis vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schien. Zu platziert war die Kugel, die die IFRA direkt in das Herz des Chypre-Genres gelenkt hatte. Der Delinquent schien mausetot, war tatsächlich aber nur komatös, und das auch nur zeitweilig.
‚French Affair’ trumpft nun also wieder mit einem Chypre-Gestus auf als wäre nichts gewesen, rein gar nichts.
Gleich zu Beginn des Duftverlaufes schwillt der für Chypres so typische bitter-holzig-moosige Grundakkord an, zunächst begleitet von fruchtiger, süß-herber Litschi, die sehr schön mit dem trockenen, grün-grasigen Veilchenblatt kontrastiert, das wiederum zu einem schönen, samtig-kräftigen Rosenakkord überleitet, der seinerseits auf sattem holzig-erdigem Patchouli, bitterem Eichenmoos und rauchig-grünem Vetiver zur Ruhe kommt.
Alle Phasen des Duft-Verlaufes offenbaren sich zugleich, nur der Fokus verändert sich langsam. Noch nach vielen Stunden kann man sich zum Beginn zurück riechen, wie man von diesem schon in die Tiefe, zum Ende hindurch schnuppern kann. ‚French Affair’ entfaltet dabei ein ziemliches Volumen, ohne überladen und allzu schwer zu erscheinen Trotz dieser enormen Präsenz wirkt der Duft nicht laut oder gar aufdringlich, sondern hält wunderbar die Balance zwischen einem starken Auftritt einerseits und angemessener Zurückhaltung andererseits.
Damit reiht er sich gewissermaßen zwischen seine Vorgänger ‚Aromatics Elixier’ und ‚Aramis 900’ ein: nicht gar so volltönend wie der eine und etwas mutiger als der andere.

Die Idee zu diesem Duft entsprang angeblich dem Wunsch jenem Typus des Pariser Dandys der 70er Jahre zu huldigen, dieser raren, aber doch Klatschspalten-füllenden Spezies, die zwischen schillernder Modewelt, glamourösem Jetset und existenzialistischem Rive-Gauche-Chic mäanderte.
Jacques de Bascher z.B. wurde zu einem Inbegriff dieses Typs: Lebensgefährte von Karl Lagerfeld und zeitweiliger Liebhaber von Yves-Saint Laurent – ein eleganter Stenz mit melancholisch verschattetem Blick und gepflegtem Moustache. Auch Marcel Proust war einst ein solcher Beau, wie es heute Pierre Niney ist, der Schauspieler, der Yves-Saint Laurent im Film verkörperte.
Ja, ich finde, dass passt ganz gut. Die Verknüpfung mit diesen typischen Pariser Szene-Gewächsen funktioniert.
Es ist aber nicht so, dass sich mir diese Inspiration aufgedrängt hätte, man musste mich schon drauf stoßen. Im Falle von Patricia de Nicolaïs ‚Patchouli Homme’, dem heutigen ‚Patchouli Intense’, auch eine Patchouli-Rosen-Kombo, hatte ich diese Assoziation mit einem Marcel Proust-Typus dagegen tatsächlich.

Ebenso wie jene Dandys mit ihrer femininen Seite spielten, ist ‚French Affair’ ein absoluter Gender-Bender, zumindest nach meinem Empfinden. Eine Duft-affine Kollegin, die von ‚French Affair’ restlos begeistert war und mir dauernd am Hals hing, wiederholte dagegen mehrfach: “Ah, was für ein Duft, so männlich!“.
Seltsam wie unterschiedlich die Wahrnehmungen doch sind. Einen Duft wie Givenchys ‚Gentleman’ von 1974, der auch ein Patchouli-Rosen-Duft war, allerdings mit einem deutlich höheren Patchouli-Anteil (hier knarzte dieser holzig-erdig Akkord regelrecht) würde ich eher als maskulin bezeichnen – wobei ich eine gute Freundin hatte, die ihn jahrelang trug...
Aber ‚French Affair’?
Nein, ich finde, dieser Duft ist absolut unisex. So wie auch ‚Aramis 900’ unisex war, bzw. ist, obwohl Bernard Chant ihn als männlichem Counterpart zu ‚Aromatics Elixier’ entwickelte. ‚Aromatics Elixier’ dagegen empfinde ich eindeutig als feminin - zu ausgeprägt und vordergründig erscheint mir hier der florale Anteil.

Auf jeden Fall ist ‚French Affair’ ein wunderbares Chypre mit deutlichen Vintage-Vibes, in zugleich modernem Gewand: Litschi gibt der für jedes Chypre unverzichtbaren bitter-zitrischen Bergamotte einen fruchtigeren Anstrich, eine gute Prise Pfeffer und etwas herb-krautige Engelwurz akzentuieren die floralen Komponenten, Zeder und Vetiver durchlüften den moosig-harzigen Fond.
Litschi, Angelika, Pfeffer und Zeder bilden sozusagen das zeitgenössische Terre d’Hermès/French Lover-Outfit in welchem uns ‚French Affair’ als gute/r alte/r Bekannte/r gegenüber tritt.

Doch so gut der Duft auch meiner Meinung nach ist, man wird ihm nicht oft begegnen. Die Düfte von Ex Nihilo sind nämlich nicht nur ziemlich kostspielig, sondern auch schwer zu bekommen, was sehr schade ist, da die Kombination aus Inspiration, Können und guter Materialwahl eher selten ist. Meistens hakt´s an ersterem, häufig an letzterem und manches Mal an allem.
Nicht so bei Ex Nihilo, und schon gar nicht bei ‚French Affair’.

Vielleicht überdenkt die Firma ja eines Tages ihre Distributionspolitik, damit aus ‚French Affair’ vielleicht doch noch eine ‚Worldwide Affair’ wird.
Bitte!

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Chnokfir vor 7 Tagen
23 Auszeichnungen
Sonne für die Seele
Amouage näher ich mich von Natur her eher etwas vorsichtiger - orientalische Düfte sind einerseits nicht so mein Beritt, zum anderen wird es bei diesem Dufthaus ganz schnell mal etwas teurer. Wenn mich allerdings ein leuchtend gelber Flakon anstrahlt, so ist es fast schon um mich geschehen. Dramatisch wurde es schnell, als ich merkte, dass mich da der Damen-Flakon so verführerisch anlächelt. Aber nachdem die Amouages ja bekanntlich stets als Pärchen auftreten, wurde aus der Suche nach dem Herren-Pendant ein fast zwei-jähriges Warten. Doch wurde ich am Ende derbe enttäuscht, denn der Herrenduft hat mit der Damen-Version kaum etwas gemein, vor allem aber nichts Schönes. Davon an anderer Stelle demnächst hoffentlich mehr.

Erwirbt man ein Amouage-Parfum, empfängt einen der Duft in einem massiven Backstein von einem Karton, hier in einem sehr ansprechenden Hellblau, welches durch seine Maserung an gebrochene kleinste Wellen am Strand oder im Pool erinnert, darauf eine verspielte güldene Sonne. Ein wunderbarer Kontrast ist das glitzernde Gelb des Flakons - stellt den ins Sonnenlicht und der Griff zur Ray Ban wird zwingend. Dass der Flakon wie angegossen in der Hand liegt muss ich dem geneigten Publikum nicht extra erwähnen. Und obwohl ich orientalischen Zierrat nicht zwingend zugeneigt bin, bin ich immer wieder erfreut, wie wenig protzig und zugleich stimmig der Deckel und das Logo die Gestaltung des Flakons abschliessen. Weniger ist wie so oft mehr und hier ist es perfekt ausgewogen.

Von Anfang an zog mich bei dem Duft der omnipräsente und voluminöse Cassis-Akkord in seinen Bann. Ich mag diesen Geschmack in der Limonade, ich liebe Cassis im Cocktail. Hier ist derselbe Ton optimal wiedergegeben. Ich bin froh, dass diese Note in dem Duft lange und deutlich durchhält und nicht als Kopfnote nach den ersten Schnüfflern verfliegt. "Sunshine Woman" ist ein Duft für eine Aroma-Therapie. Man muss ihn aufsaugen und in sich einlassen. Hier entdeckt man nach und nach einige sehr weiche, leicht pudrige, fast schon balsamische blumige Noten, die den Cassis-Akkord aber nie überflügeln, sondern eher unterfüttern. Irgendwann merkt man dazu noch leicht holzige und würzige Noten, in der die Frucht am Ende sanft aufgeht.

Ich finde keine Worte, wie erleichtert ich bin, dass sich keine orientalischen Noten und schon gar kein Oud mit dazu mischen. Dadurch bleibt es ein internationaler Duft mit sommerlich mediterranen Anklängen. Durch seine sehr weichen, fruchtigen und blumigen Akzente ist "Sunshine Woman" klar ein femininer Duft, den ich als Mann aber auch gerne trage. Weniger in der Öffentlichkeit, sondern eher als Wohlfühlduft für daheim, wenn man sich in der tristen und dunklen Jahreszeit ein wenig die Gerüche und Gefühle des Sommers und die Sonne ins Haus holen will.

Trotz seiner weichen Facetten und seiner dezenten Akkorde ist der Duft mit acht bis zehn Stunden doch erstaunlich standfest. Seine Präsenz geht leider kaum über Armlänge hinaus, was ich einerseits schade finde, ich mir aber zugleich sicher bin, dass auch hier ein mehr fast schon zu viel wäre.

Ich hadere immer mal wieder mit mir, wieso Amouage keine für mich adäquate Herren-Version zu "Sunshine Woman" herausgebracht hat. Andererseits bin ich aber auch heilfroh, denn so musste ich mich irgendwann dazu durchringen und mir diesen sündhaft teuren Damenduft kaufen und habe mir so den für mich idealen Wohlfühlduft nach Hause geholt. Sonne für die Seele ...

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AdAstra72 vor 3 Tagen
23 Auszeichnungen
SYMPATHY FOR THE .....
Noch hört man es weit entfernt und tief im Urwald doch es kommt näher.
Und das schneller als erwartet.
Etwas großes Mächtiges bahnt sich seinen Weg durchs Dickicht.
Riecht es hier nach brennender Erde?

„Please allow me to introduce myself …“

Intensive, fast schwefelige Weihrauchschwaden steigen mir in die Nase.
Ja es brennt!
Und qualmt!
Es glimmt!
Aber nicht nur die dunkle Erde, nein der ganze Urwald schwelt gleissend hell unter altem Holz und dunklem Boden.
Und die Glut befreit all die würzigen, harzigen und animalischen Düfte, die sich kurz zuvor noch in der Flora und - ja auch in der - Fauna des Dschungels versteckt hatten.

„I’m a man of wealth and taste …“

In einem gewaltigen Handstreich entfesselt ER den kompletten olfaktorischen Reichtum der Umgebung. Ein im wahrsten Sinne atemberaubendes und alle Sinne betörendes Event.

„I´ve been around for a long, long year, stole many a man´s soul and faith …“

Uralte Hölzer, süße Harze und herbe Säfte, würzigste Kräuter und ätherische Essenzen schwängern die Luft mit ihrem kostbaren Rauch.
Kurz glaube ich zu keine Luft mehr zu bekommen, doch dann öffne ich mich und gebe mich IHM einfach hin.

„Pleased to meet you, Hope you guess my name …“

Oh ja, nun kenne ich seinen Namen. Und ich freue mich teuflisch, dass ich heute seine Bekanntschaft machen durfte!

„But what´s puzzling you, is the nature of my game.“

Ich werde ihm folgen … vorsichtig und nie zu nah. Werde seinen qualmenden aromatischen Duft immer wieder mal tragen um mit den, vom Feuer befreiten Molekülen der Natur eins zu werden.
Noch näher zu mir und zum Ursprung von Allem.

Ooops … entschuldigt bitte! Ist wohl grad ein bisschen durchgegangen mit mir ;)

„Tyrannosaurus Rex“ von Zoologist hat mich schlichtweg überwältigt und ich hatte sofort diesen großartigen Stones-Klassiker im Ohr (einer meiner absoluten Lieblings-Songs ever).
Ein Parfum wie eine Urgewalt.
Brachial aber nicht unelegant.
Übermäßig und überwältigend aber durchaus trag- und zumutbar.
Und dazu noch der typisch liebevoll gestaltete Flakon - ich liebe diese wunderbaren und charaktervollen Zeichnungen!

Traut Euch ran an dieses überraschend schöne Urzeitwesen … es lohnt sich!

“So if you meet me
Have some courtesy
Have some sympathy, and some taste
Use all your well-learned politesse
Or I'll lay your soul to waste, mmm yeah

Pleased to meet you
Hope you guessed my name, mmm yeah

But what's puzzling you
Is the nature of my game, mmm mean it, get down!

Woo woo
Woo woo
Woo woo
…“

Den Soundtrack zum Kommentar gibt es hier: https://youtu.be/GgnClrx8N2k

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