Top Kommentare - Woche

Schoork vor 5 Tagen
50
Ciao a Tutti
Buongiorno. Come stai ?
Na haben einige schon Lagerkoller?
Das gewohnte Leben, das Treiben und das Selbstverständliche geht uns allen ja momentan ziemlich ab und man überlegt zum einen wie es wohl weitergehen wird, hat Sorge um die Existenz, das man vielleicht aus irgendwelchen Gründen den Virus in sich trägt und zum anderen wie einfach das Leben doch vorher war. Wie selbstverständlich vieles war im Alltag, so das man vielleicht, wenn man etwas Gutes aus der ganzen Geschichte nehmen will, das "normale" Leben vielleicht zukünftig mehr schätzen wird.
So geht es mir zumindest und nachdem ich heute mal wieder einkaufen war und das erste Mal seit letzter Woche wieder unter fremden Menschen war, kommen einem schon so manche Gedanken. Heute waren viele mit Mundschutz unterwegs, Sicherheitsabstandsbänder an den Kassen, Plastikschutz am Verkaufsschalter und die Einkaufswagen wurden vom Azubi immer frisch desinfiziert. Toast, Klopapier und der fertige Kartoffelpüree waren immer noch aus, nur einige Dinge die mir aufgefallen sind. Blumenkohl kostet aktuell 4,99 und ist wohl aus Gold. Ein bisschen Paranoid wird man ja schon, wenn man sich unbewusst die Nase kratzt beim einkaufen und ich hoffe ich bin gesund wieder heimgekehrt,

Tja und wie ich nun zuhause sitze, fällt mir die Geschichte ein wie ich zum Dolce & Gabbana Pour Homme gekommen bin, denn es war eigentlich keine Geschichte, sondern das normalste auf der Welt.
Denn als man es noch konnte, habe ich ihn zufällig getestet. Einfach so, im Laden, aus Langeweile, oder eher Verzweiflung.
Doch der Reihe nach.
Eine Reihe Neuerscheinungen wollte ich zusammen mit meiner besseren Hälfte testen, denn noch immer macht es mir am meisten Spaß, den Duft den ich testen will im Laden stehen zu sehen und drauf los zu sprühen um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das geht vorranging zumeist nur im Mainstreambereich, was mir aber egal ist. Wenn ich mir hier tagtäglich Statements durchlese sind gefühlt 80% davon Düfte und vor allen Dingen Marken von denen ich mein Leben lang noch nicht gehört habe. Das ist zunehmend anstrengender geworden. Alle Nischensnobs geworden?
Wobei das ist zum Teil schon nicht mehr Nische, das ist Underground.
Aber ok, jeder wie er mag.
Eine der Neuerscheinungen die ich testen wollte, war der neue The One Intense. Ich muss vorab sagen, das ich mit der Marke Dolce & Gabbana bisher wenig anfangen konnte. Die gängigen Düfte gefielen mir bis jetzt fast gar nicht.
Light & blue finde ich einfach blass, das Eau Intense davon, erzeugt Übelkeit und Kopfschmerzen, K war ein kompletter Reinfall und The One fand ich ok, erzeugte bei mir aber überhaupt keine Gefühlsregung. Nur um mal einige zu nennen.
Der einzige Duft der mich bisher wirklich begeistern konnte, war Velvet Desert Oud. Und das aber dann auch richtig. Natürlich von der Exklusiven Linie noch der exklusivste, sprich teuerste. Oh fuck, ich bin auch ein Nischensnob!
Doch man gibt die Hoffnung nicht auf und so wollte ich den neuen Intense von The One testen. Das tat ich auch, aber darüber möchte ich auch kein weiteres Wort verlieren.

Nun stand ich da im Laden vor dem D&G Regal und ärgerte mich schon wieder innerlich wieso ich den auch testen musste und da fiel mir der Flakon auf vom D&G pour Homme und mir fiel auf, das ich den ja überhaupt nicht kannte, noch nicht mal davon gehört hatte und dies schon die 2. Version von 2012 ist. Ja ich kann ignorant sein, selbst Le Male kenne ich erst seit 2 Jahren.
Tja und dann gab ich mir einen Sprühstoss auf die Hand und WOW! So sollte ein Test verlaufen, ich war direkt begeistert und zeigte ihn sogleich Frau Schoork die das ganz genauso sah.

Ein frischwürziger Lavendel Salbei Mix ganz leicht gepfeffert und mit etwas fruchtigen unterlegt kam zum Vorschein und war dabei so mild und smooth wie es ein Italiener nur sein kann. Der Duft riecht klar nach 90er und ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch mal mit Roma Uomo, der allerdings so lange hält wie Pommes warm bleiben.

Tabak und Tonka mischen sich nur ganz leicht dazu und runden das Gesamtbild ab. Viel Verlauf hat der nicht, aber er vermittelt ein unheimlich apartes Gefühl. Es wird ein Hauch seifig, ist aber kein Saubermann im klassischen Sinne, denn er hat noch diese leichte Süße, die nicht so arg ist wie beim Intenso. Ein Ganzjahresduft den man immer und mit allem tragen kann. Ich finde ihn sehr elegant, aber doch auch Casual genug.
Natürlich testete ich ihn dann auch komplett an mir und nach 2x Tragen kann ich sagen, das der einziehen wird. Quanto costa? Online sehr günstig. Ich ärgere mich aber schon ihn nicht schon zu besitzen, dann hätte ich aktuell wenigstens ein wenig La Dolce Vita in der Flasche.

Ein Duft der den Italiener in dir weckt, denn er isse Molto Bene. Allora isse Duft isse spruh bis isse Flasche leer. Was erlaube Dolce & Gabbana? Machen Dufte heute wie STRUNZ. Riechen heute wie Socken voll mit die Gorgonzola. Aber hier isse un classico. Non ci piove. Fantastico. Ragazzo Mille Grazie Calzone Stracciatella.

Und der ging ewig an mir vorbei. Nun ist mir mal wieder klar, das einige den ersten Duft, die Urversion kennen und sagen werden das der besser war. Kenn ich schon. Kommt dann immer. Attenzione.....
Nach wie vor freue ich mich auch für euch, ich kenne diese Version, finde diese Version sehr gut und bespreche hier diese Version. Capito?

Ich mag Italien, das Essen, die Sprache, die Kultur und jetzt auch Düfte. Ich bin jahrelang auch Fiat gefahren, was nicht umgangssprachlich Fehler In Allen Teilen heißt, sonder Feuer In Allen Töpfen!

Mein Fazit ist wie ich auch schon in meinem Statement schrieb, das man guten Mainstream finden kann, wenn er nicht klatschneu ist. Aus meiner Sicht steckt dieser Duft alle bisherigen Neuerscheinungen immer noch locker in die Tasche, da er aus dem momentanen Einheitsbrei immer noch heraus ragt und für alle die ihn auch nicht kennen sicher einen Blick wert ist.

Nun wünsche ich mir, das ich bald mal wieder testen gehen kann und vielleicht habe ich mit irgendeinen Duft den ich ebenfalls lange ignoriert habe wieder Glück.
Ich wünsche euch, das diese Zeit bald vorbei ist, das wir wieder zur Normalität zurückkehren können und vielleicht ein wenig mehr schätzen, was wir im Leben haben.

Saluti Ciao
Signore Schoork

32 Antworten

Pollita vor 4 Tagen
28
Zart – kuschlig – wunderschön, doch nicht ich
Alle Düfte von Matthew Meleg, die ich bislang testen durfte, haben etwas in mir ausgelöst. Sie sind allesamt besonders, wie noch niemals zuvor dagewesen. Sie schaffen den Spagat zwischen einem Traditionsparfum und einem modernen Duft nahezu perfekt. Dieses Traditionelle, das allen anhaftet, macht sie für jedoch mich etwas schwer tragbar. Ich komme nicht umhin, bei diesen Düften an Parfums zu denken, die vor allem in meiner Kindheit als modern galten. So auch bei No. 39 Honey and Deermusk. Ein ganz besonderer Duft mit unglaublichem Tiefgang. Dieser weckte nicht nur mein Interesse – nein, er verzauberte mich auf den ersten Riecher. Dennoch fühle ich mich nicht wie ich selbst, wenn ich ihn trage. Da ist kein Störfaktor, wirklich gar nichts, was meiner Nase missfällt, aber das bin einfach nicht ich, was ich da erschnuppere.

Melegs No. 39 startet wie ein typischer Chypre. Ich nehme zunächst zitrische Noten und diese chypre-typische Schärfe wahr, die vermutlich dem Eichenmoos zuzuordnen ist. Der Auftakt erinnert mich zu allererst an einen Duft, den ich nie wirklich mochte und zwar KL. Als ich ein Kind war, war KL der Signatureduft meiner Mutter. Immer wieder versuchte sie ihn auch mir aufzusprühen, da sie ihn so sehr liebte. Ich war damals zehn oder zwölf Jahre alt und zog es vor, im Dreck zu bohren statt gut riechen zu wollen. Und auch wenn das der Duft meiner Mutter war, wollte er mir einfach nicht gefallen. Das war künstlich, scharf, stark und einfach nicht schön für meine Kindernase, was ich da roch. KL ist ja kein klassischer Chypre sondern eher ein Orientale. So ähnlich würde ich den Meleg No. 39 auch einordnen. Irgendwo dazwischen.

Ist der Duft ein paar Stunden auf der Haut, wird er immer milder, feiner und süßlicher. Diese KL-Ahnung ist lediglich noch in der Projektion wahrzunehmen, nicht mehr, wenn ich direkt die besprühte Stelle beschnuppere. Jetzt kommt der Honig zum Zug und die Moschusnoten und das mag ich sehr, sehr gerne. In dieser Phase wird der Duft für mich eine glatte 10. Er erinnert entfernt an mein allererstes Parfum, Extase Musk for Women. Nur ist er viel milder und weicher und um einiges wertiger als der damalige preisgünstige Muelhens. Ja, wäre er so vom Start weg und hätte nicht diese KL-Phase, dann dürfte er sofort hier einziehen. Ich würde keine fünf Minuten überlegen, denn so passt er auch zu mir. Gehe ich mit der Nase wieder etwas weg von meinen Handgelenken, fühle ich mich wieder wie verkleidet. Als hätte ich die Klamotten meiner Mutter an, die niemals mein Geschmack waren. Bis heute nicht. Warte ich noch etwas länger, ist der Duft fast verschwunden.

Ihr seht, ich bin hin- und hergerissen von diesem Duft. Werde ihn mit Sicherheit noch das eine oder andere Mal testen, aber das bin einfach nicht ich, was ich da wahrnehme. Erst kurz bevor er verschwindet, zeigt er mir eine Seite, die ich durch und durch liebe. Ich bin mir sicher, dieser Duft findet seine Fans. Viele Fans! Endlich ein Duft mit Honig, der nicht penetrant ist, so wie die zoologische Biene und Konsorten, die nach Honig im Hippieladen riechen. Endlich ein Duft mit animalischen Noten, der in keiner noch so winzigen Phase des Duftverlaufs pissig wirkt oder an Kuhställe denken lässt. Der ist einfach nur zart, kuschlig und schön. Ich würde auch so gerne dazugehören, aber für meine Nase steckt da einfach zu viel drin, was mit mir nichts zu tun hat. Wie eine Verkleidung, die zwar hübsch anzuschauen ist, aber es ist und bleibt eine Verkleidung. Abzüge gebe ich lediglich ein paar in punkto Haltbarkeit. Die dürfte für einen solchen Qualitätsduft etwas besser sein. Ist aber sicher auch von Hauttyp zu Hauttyp unterschiedlich.

Ganz lieben Dank an Floyd, durch den ich diesen Duft kennen lernen durfte und an AdAstra72, der es mir ermöglichte, ihn auch mal testweise zu tragen.

25 Antworten

DrGourmand vor 6 Tagen
27
Meine kleine Schwester
Ich liebe meinen Duft und den meiner kleinen Schwester. Ebenso werden wir von vielen Damen und Herren geliebt, dabei oft sehr überschwänglich und kompromisslos. Andererseits mögen uns manche Menschen auch nicht, wobei oft sogar schon etwas Abscheu mit eingeschlossen ist. Was uns selten begegnet ist Gleichgültigkeit.

Wir sind forsche, verwegene Schwestern mit einem Hang nach feminin-erotischer Sinnlichkeit, eher provokativ als schüchtern und voller frivoler Eleganz. Die Düfte, die wir repräsentieren, Black Orchid EdP und Black Orchid EdT, gehören zum Besten was unser beider Väter, Tom Ford und David Appel, je geschaffen haben.

Deren Motive für ein solches Herangehen waren vielfältig. Der Wunsch, die einschränkenden Werte und Normen auch im Duftbereich erneut zu überwinden oder der Drang nach Identitätsfindung, Selbstverwirklichung und kreativer Freiheit spielten ebenso eine Rolle wie ein exzentrisches Wesen, Auflehnung gegen die Elterngeneration und natürlich die leidenschaftliche Hingabe an die Parfümeriekunst, egal ob diese zum Broterwerb reicht oder nicht.

Ich, das EdP als älterer Duft, war immer der olfaktorische und burlesque Provokateur mit Saft und Kraft im Sinne des Wortes, gemacht für starke Frauen und Frauen die solches ausstrahlen wollen und für Männer, die diese Frauen lieben. Und meine kleine Schwester? Fragen wir sie selbst!

Ich, das EdT, bewundere meine große Schwester. Ihre olfaktorische Schwere und ihre trunken, aufreizende Noblesse war immer Teil des Rückgrats, das ihren stolzen Kundinen und auch Kunden den Tag stützen und die Nacht versüßen sollte. Gestandene, erfahrene und lebensbejahende Menschen!

Mein Duft, in den Grundzügen sehr, sehr ähnlich dem EdP, hat, im direkten Vergleich, etwas von einer jugendlich-heiteren Frische, die man in jenem nur ansatzweise erahnen kann. Gleichzeitig fehlt mir diese wuchtige, massige Komplexität, die etwas ölig und bleischwer erscheint, aber Teil der geheimnisvollen und verführerischen Aura von Black Orchid ist. Dies zeigt sich auch im Drydown. Im EdP feucht-erdige, süße Schwere und im EdT nur leicht süßliche, balsamisch-holzige, erdige Feuchte. Hier, im Eau de Toilette, sind die Duftnoten klarer zu spüren. Der Trüffel ist fein pilzig bemerkbar, die fruchtigen und blumigen Akkorde sind als solche zu erkennen und die erotische Sinnlichkeit trägt eher einen seidigen Spitzen Panty als einen String Tanga. Vemittle ich das burlesque, aufreizende Gefühl in Form eines charmanten Schwipses, erhalte ich bei meiner Schwester einen anregenden Rausch. In beiden Fällen ist Frau/Mann, sofern man es zulässt, sexuell betrunken.

Black Orchid EdT möchte vorrangig sellbstbewuste, junge Leute locken, die gerade ihr Teenageralter verlassen haben und auch olfaktorisch neue Wege suchen. Sie wissen die Ponnyhofzeiten beendet und sind, wie Tom Ford und David Appel, auf der Suche nach Identität, Verwirklichung und kreativer Freiheit sowie voller begehrlicher Ungeduld ihre gedankliche Unkeuschheit endlich auszuleben. Ich, Black Orchid EdT, werde ihnen dabei ein treuer und unterstützender Begleiter sein. Und wer weiß, vielleicht lernen sie dann auch irgendwann einmal meine Schwester kennen!?

Herzlichen Dank!

23 Antworten

Can777 vor 2 Tagen
27
Narcissus Lips
Phantasma. Welcher Name würde mich wohl mehr ansprechen als dieser? Ich,der zu viel von dem Wasser der Lippen schon eh gekostet hatte. Phantasma das Wasser der Trugbilder,der geheimen Wünsche,der Fantasien und visuellen Halluzinationen. Phantasma hatte mich sofort in seinen Bann gezogen. Vom ersten Augenblick schon. Er war noch nicht mal auf meiner Haut,da wusste ich schon er wird mein sein. Ein kurzes schnuppern nur am Flakon hatte schon gereicht um die Tore meiner Fantasien noch weiter zu öffnen als sie eh schon waren und sind. Phantasma trägt seinen Namen zu recht,weil er Dinge olfaktorisch erscheinen lässt,die eigentlich nicht vorhanden seien dürften. Nichts ist so wirklich zu riechen was angegeben wurde. Zumindest nicht viel davon. Aber dafür viele andere Dinge. Sehr schöne Dinge!

Phantasma
Man kann sich bei Phantasma nicht an die Auflistung der Duftnoten halten. In keiner Weise. Zu Anfang ist ein zarter Hauch Yuzu eventuell zu erahnen. Eine kleine zitrische Frische die kurz erscheint und schon wieder verschwunden ist. Dann beginnt es augenblicklich grün zu werden. Grüne,saftige Zweige werden gebrochen und ihre saftige Rinde geschält und geschnitten. Fast gleichzeitig kommen zwei weitere Noten hinzu. Beide sehr prägnant. Um nicht zu sagen dominant. Der Duft von prallen und vollen Narzissen die in voller Blüte stehen und der Duft von schwarzen,rau-rauchigen und getrockneten Teeblättern mischt sich mit dem Grün. Eine pflanzlich-blumige Animalik durchzieht Phantasma. Sie wird mit einer Prise leicht stechenden Salbei noch verfeinert. Er ist auch gut wahrnehmbar,wenn aber auch nur kurz und nicht sehr lang. Ebenso ein leicht kreidiger,dumpfer,mineralischer Unterton,dem ich dem Reispuder zuschreibe. Es duftet etwas wie erdig-trockener Waldboden. Holzige und nussige Nuancen kommen zart dazu,aber selbst diese sind noch relativ grün in ihrer Erscheinung. Es ist eine Haselnussnote von einer noch jungen Haselnuss die noch grün ist und nicht durchgehärtet und verholzt. Ungefähr so als würde man sie aufbrechen und an ihren Inneren riechen. Das Stadium zwischen reif und unreif trifft es glaube ich am besten.

Fazit
Phantasma ist wie ein blumiger,herb-grüner Brei aus den von mir genannten Noten,die man alle in einen alten Steinmörser gelegt hatte und zerquetscht und verrührt hat. Narzissen samt Knollen,raue schwarz-dunkle und getrocknete Schwarzteeblätter,würzig-stechender Salbei,diverse saftige Rinden und Hölzer und ein Hauch mineralischer Waldboden. Phantasma einzuordnen fällt nicht so leicht. Er spielt der Nase Streiche und ist wie ein Phantom. Er lässt Noten erscheinen die unmöglich vorhandene seien können,wie zum Beispiel Eichenmoos. Die Kombination der vielen grünen Noten und dem rauen fast rauchigen Tee gaukeln es einen vor es wäre aber so. Phantasma hat sehr chyprische Anklänge,ist aber auch nicht wirklich einer. Er ist blumig,grün,erdig,holzig und teilweise fast mineralisch. Er ist ein olfaktorische Halluzination und ein rau-grün,florales Mysterium. Nichts ist wie es scheint und wer von dem Wasser der Lippen kostet,der wird wissen was ich meine. Für mich persönlich der Schönste aus der neuen oder besser gesagt alte Kollektion. Aber ich liebe auch Narzissen und Hirngespinste!

Visionen sind Halluzinationen, bei denen sich erst nachher herausstellt, was sie nun waren!
— Erhard Blanck—

22 Antworten

FvSpee vor 5 Tagen
26
CoViD-Kommentare, achtes Stück: Lourmarin
In Zeiten der Ausgangssperre wird viel gelesen, was ja mal grundsätzlich nicht schlecht ist. Gekauft wird, was dick ist. Aber auch, was thematisch passt. Wie man hört, laufen die Druckerpressen heiß für eine Neuauflage der "Pest" von Albert Camus. Der 1947 erschienene Roman beschreibt - vor einem realen historischen Hintergrund, der aber eher als Folie für eine stark symbolisch und philosophisch aufgeladene Handlungsführung dient - den erst langsamen, dann immer mehr an Fahrt gewinnenden Ausbruch der Pest in den 40-er Jahren in der damals französischen (heute algerischen) Stadt Oran in Nordafrika und den Umgang der verschiedensten Arten von Menschen mit der Seuche und der ständigen Todesgefahr.

Der Roman soll derzeitin Deutschland so nachgefragt sein, dass antiquarische Ausgaben auf ebay für mehrere Tausend Euro aufgerufen werden. Gibt's den eigentlich nicht online? Ich hab mal in meiner Bibliothek nachgeschaut, ich hab das Werk sogar, allerdings auf Rumänisch (da heißt Pest "ciuma"), als Teil einer rumänischen Camus-Gesamtausgabe. Gelesen habe ich es aber nicht. Das ist ein bisschen verrückt, denn seit Teenagerzeiten, und die sind bei mir nun schon eine ganze Weile her, habe ich eine Faszination für, eigentlich eher eine Zuneigung zu, Camus, und doch hab ich fast nichts von seinen Werken wirklich gelesen, und auch keine richtige Biografie. Das muss eigentlich mal nachgeholt werden.

Camus sah übrigens echt gut aus; würde ich mich für Männer interessieren, hätte ich mich in den vielleicht verlieben können (das ist jetzt auch ein Beitrag zur Gendergerechtigkeit, dass auch männliche Philosophen und Schriftsteller mal als erstes nach ihrem Knackarsch beurteilt werden!). Ob seine Werke wirklich so gut sind, dass er den Literaturnobelpreis, den er bekommen hat, auch verdient hat (einige Verleihungen sind ja rückblickend eher peinlich), und ob er als Philosoph wirklich Weltklasse ist, sei jetzt mal dahingestellt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er ein echt cooler Typ und ziemlich sympathisch war. Seine Gesundheit war angegriffen wie bei Kafka (Tuberkulose), sein Liebesleben war wohl ziemlich abgefahren, Franzose und Künstler halt. Politisch war er ein Linker, griff aber schon seit den 40-ern scharf den Sowjetkommunismus als menschenfeindlich und totalitär an, was nicht nur Sartre ärgerte, sondern auch zu Vermutungen führte, dass vor seinem tödlicher Autounfall 1960 (da war irgendwas mit den Reifen) russische Touristen, die zum Bewundern der gotischen Kathedralen angereist waren, neben Reiseführern auch einen großen Schraubenschlüssel im Gepäck gehabt haben könnten. Überzeugter Atheist, der er war, vertrat er die universale Liebe als Heilmittel angesichts der tiefen Absurdität des Daseins und hätte sich da möglicherweise mit dem Zimmermannssohn aus Nazareth ganz gut verstanden.

Camus, in Französisch-Nordafrika geboren war, seiner Biografie wie den Lehren seines philosophischen Lehrers folgend, ein Liebhaber der Sonne und ein Mittelmeer-Apostel und ließ sich in Lourmarin im Deparement Vaucluse in der Provence nieder. Auf meiner (nachgeholten) Hochzeitsreise vor vielen Jahren hatte ich Gelegenheit, das Dorf (das offiziell zum Club der "schönsten Dörfer Frankreichs" gehört) zu besuchen und dem Grab des Dichters dort die Ehre zu erweisen.

"Un Dimanche à la Campagne" heißt "Ein Sonntag auf dem Lande", und dieses Land ist nicht die Bretagne, nicht die Champagne, nicht Burgund, es ist die Provence. Dieser Sonntagsausflug führt in die südliche Sonne, allerdings nicht unter die sengende und brennende, sondern unter eine noch freundliche Juni-Sonne, ebenso menschenfreundlich wie die Philosophie des großen Dichters. Es ist ein Frühsommersonntag, vielleicht in Lourmarin.

Der Duft startet mit einer hellen, gelben (aber niemals scharfen, spitzen, sondern) runden, vollen und wertigen Zitrik mit minimalen hellgrünen Einschlägen. Im Laufe der nächsten halben Stude treten grünere zitrische und grasige Noten hinzu und in den Vordergrund, nach ein bis zwei Stunden ist "Un Dimanche à la Campagne" (für den Namen gibt es neun Punkte) schon eher als Kräuter- denn als Zitrusduft anzusprechen, aber die Entwicklung verläuft klar, folgerichtig und natürlich aus sich selbst heraus, ohne künstlich auf Überraschung angelegt komponiert zu wirken. Wie ein Bach in der Landschaft, der eben so fließt, wie er fließt. Über alldem liegt ein linder, sanfter, kaum spürbarer, cremig-moschüssiger Schleier, als ob ein leichter Dunst über der Landschaft liege. Und dieses Bild bleibt dann für einige Stunden.

Der Sonntag auf dem Lande ist ein Duft von fast eskapistisch-unwirklicher Schönheit, der verzaubert und zum Genuss der Traumbilder einer schöneren Welt einlädt. Daher kann ich diejenigen gut verstehen, die 9 und sogar 10 Punkte vergeben haben. Man muss, wenn man sich dem Duft vorbehaltlos hingibt, allerdings wirklich bereit sein, sich in eine leere Projektionsfläche hineinzuträumen (mit der Gefahr, dort vielleicht auch vor Langeweile ein bisschen einzudösen).

Damit ich zehn gegeben hätte, hätte noch irgendetwas schönes, und sei es noch so unbedeutend, auf diesem Ausflug geschehen müssen: Der Anblick eines verschrobenen Kauzes beim Pastis in der Dorfschänke, das erhaschte Augenzwinkern einer sich lächelnd umwendenden jungen Landschönheit oder ein verdrücktes Tränchen am Grab Alberts. Dergleichen ereignet sich nicht an diesem Sonntag: Die Dorfschänke und der Friedhof geschlossen, die Mädchen zuhause. Nur immerzu Sonne, Blüten, Plätschern des Baches, Dunst und der weite, weite Himmel.

21 Antworten

Santalwalti vor 5 Tagen
25
Ein Duft mit Charisma und schillernder Leuchtkraft
Ihren Balsam noch verschließend
Und wie einen kostbaren Schatz bewahrend
Säumen erhabene Zedern den Horizont /
Das Holz, herbe und dunkel, würzt die Luft /
Die Sonne verneigt sich vor der Erde /
So scheint es – doch in Wahrheit ist es umgekehrt

Welch kräftiges Rosenholz, voller Knospen und Triebe /
Tiefrot sind sie und auf geheimnisvolle Weise
Dem dicht verzweigten Stamm entsprungen /
Wer hat den Stock über Nacht entriegelt /
Wer den Trieben die Wege gebahnt? /
Stille Verkünder einer eleganten Blütenpracht /
Die Rosen lassen sich schon jetzt erahnen /
Auf leisen Sohlen kommen sie daher

Jasmin – hell, perlend, getränkt von Abendfeuchte –
Umleuchtet das duftende Geschehen /
Puderflöckchen wehen von den Bäumen ringsum /
Blüten sind's, cremeweiß und rosenzart /
Bestäubt und zufrieden lösen sie sich ab /
Machen Laub, Äpfeln und Nüssen Platz

Sie verdichten sich am Boden zu einem Teppich /
Den man kaum betreten mag, so weich, so samtig /
Ich fasse einige Blüten, fühle seidene Glätte /
Führe sie zur Nase, an den Mund /
Blüten darf man zärtlich küssen /
Sie wurden mit Vanille getränkt und in Marzipan gewälzt /
Unschuldiger Blütenflor verzaubert fortan meinen Pfad

Bei den sich im Wind wiegenden Zedern ankommend
Erblicke ich einen Tisch aus hellem Holz /
Die Tafel ist gedeckt, eine Karaffe zieht meine Blicke auf sich /
Hellgolden schimmert klare Flüssigkeit darin /
Ein Glänzen und Leuchten geht davon aus /
Wieder drängt es mich, daran zu riechen /
Und mich umfängt etwas Verführerisches

Moschusöl – hauchzarte Ledernoten verfangen sich
In unwiderstehlicher Süße, eine Süße ohne jede Schwere /
Eher so, als verlöre man sich im Haar des Geliebten /
Tastend und suchend und verlangend nach mehr /
Ich lasse mich nieder an diesem Tisch bei den Zedern /
Bei einer durchscheinenden, wundersamen Glaskaraffe
Bei bald erblühenden Rosen und seidigem Blütengewebe

**

Das Eau de Parfum Poudrée macht seinem Namen alle Ehre.
Es beeindruckt in den ersten Minuten mit seiner markanten Präsenz, verströmt sich dann aber sogleich auf meiner Haut, dringt tief darin ein, wird milde, behutsam und bleibt lang. Es hat etwas Süffiges, Befriedendes und macht stille, tröstet eine beunruhigte Seele, wärmt und umhüllt wie eine rettende Stola bei kühl werdender Abendluft. Und es verwöhnt meinen Gaumen !

Was ich oben in Bildern beschrieben habe, rieche ich tatsächich: Rosiges, Holziges, Jasminiges, Apfelfruchtiges, Gourmandig-Cremiges, Marzipanig-Vanilliges, einen Hauch erdigen Leders und vor allem strahlend süßes Moschusöl. Ein heller Duft mit geheimnisvoller Tiefe und doch leichtflügelig und mit erfrischendem Sexappeal. Ein Duft mit Charisma und großer Anziehungskraft.

Der schwere Flakon wirkt hochwertig und ist schön gestaltet. Sein zentimeterdicker Glasboden zaubert überraschende Leuchteffekte wenn man ihn gegen das Licht hält, was sehr gut zum Duft passt. Die Flüssigkeit wirkt durch Bemalung liebevoll, feminin und ist roséfarben. Ich bin einmal mehr begeistert von einem Parfum, das ich wohl im kühlen Frühling und an kuscheligen Herbst- und Wintertagen bevorzugt tragen werde.

**
Ergänzung zu meinem neuen 90 ml Flakon:
Zwei firmeneigene Proben aus meiner Stammparfümerie gefielen mir so gut, dass ich den Flakon online bestellte (der Laden ist zzt leider geschlossen.....) und meinen begeisterten kommentar verfasste. Nun habe ich meinen Flakon und ich stelle nach 3-tägigem Vergleichen fest, dass es zwar irgendwie der gleiche Duft ist, es aber spürbar anders riecht, nämlich milder, leiser, weniger intensiv und weniger haltbar; er ist nicht so warm-pudrig, nicht so gourmandig, letztlich nicht so schön (für meinen Geschmack). Vor allem nehme ich viel Tuberose wahr. Der dezente Kaugummi-Effekt verdeckt nun dieses Prickeln vom süßlichen Leucht-Moschus und das Florale von Rose und Jasmin.
Tuberose nahm ich bei meinen Proben absolut nicht wahr.

Bemerkenswert ist auch: mein Flakon mit 90 ml kostete bei easycosmetics nur ca. 65 €, während die 50ml Flakons allerorten auf demselben Preisniveau liegen.

21 Antworten

Konsalik vor 4 Tagen
25
Elternteil auf Klassenfahrt
Da Parfumo seit Neuestem eine sehr sinnvoll klingende Anpassung des Bewertungssystems vorgenommen und die Top-Düfte jeder Kategorie zudem durch kleine Banner sichtbarer gemacht hat, dachte ich mir, warum nicht mal bei eben diesen Top-Düften der Community nachschauen? Und warum nicht bei den Unisexlern anfangen... Vielleicht habe ich ja was daheim? Nun, neben ein paar Tropfen Cuir Beluga (Jawollo!) stehen noch rund zwei Milliliter "Layton" im Bad, die Teil eines tollen Paketgewinns waren.

Seufz. Parfums de Marly, hm? Das gibt doch sicher 'nen Verriss. Zum einen bin ich sowas von nicht die Zielgruppe (Ich wurde vor über 30 Jahren "gelauncht", die meisten Parfums in meiner Sammlung im Schnitt eher vor 70 Jahren), zum anderen ist mir die Marke in ihrem ganzen Habitus noch unsympathischer als Creed - ja, das geht. Ein kursorischer Blick durch die bisherigen Reviews zeigt auch gleich, dass es sich hier um eine parfumologische Parallelwelt handelt. Ich kenne keinen der Autoren - und damit meine ich nicht einmal die interpunktionsverweigernden Beischlafbettler (Marke: "Der strahlt so hart ey der projiziert dir die F---- auf dein Sch---- Alter!!!!11!1"), sondern auch die (durchaus zu findenden) respektablen Schreiber. Also kann ich nur versuchen, diesem Publikumsliebling für Besserverdienende bzw. Dispomutige aus meiner Perspektive gerecht zu werden und so objektiv wie möglich zu beschreiben, was hier passiert. Da die Elite der PdM-Freunde sicherlich wesentlich trainierter ist als ich, gehe ich sogar noch weiter und formuliere Unangenehmes strikt positiv. Folgendes fällt auf:

1. Layton steht so stabil und verlässlich, wie die zwei steigenden Hengste über dem Wappen der Scuderia de Marly *hust*. Er beginnt und endet im Wesentlichen auf gleicher Note und verschont einen somit vor bösen Überraschungen. Wer diesen Duft testet und auf Anhieb schätzt, darf ruhig zugreifen: Der bleibt so.

2. Die schwer zu überblickende Vielzahl der gelisteten Duftnoten wurde von Firmenich dankenswerterweise auf einen Kandierter-Apfel-auf-Holzstäbchen-Akkord heruntergebrochen. Dieser, umflort von frisch gesponnener Zuckerwatte, ist ausgesprochen anschaulich und realitätsnah geraten. Ich meine es ganz ernst: Ich wähne mich auf einer Kirmes! Huiiii!!

3. Er hat auch die Haltbarkeit und die Sillage einer Kirmesbude, was wiederum das - auf den ersten Blick vielleicht fragwürdige - Preis-Leistungsverhältnis relativieren dürfte: Für das Vorstellungsgespräch ein viertel Sprüher, für das Tinderdate ein Halber und der Ganze für's wilde Wochenende: Da kommt man mit hin! Gut gemacht, Parfums de Marly!

Nur die Frage nach der F----, die "der" einem auf den Sch---- projiziert, will sich nicht so recht lösen lassen. Die Dame des Hauses drückt es auf Nachfrage so aus: "Der ist niemals unisex. Dieser Duft zieht Penisse an, keinesfalls Scheiden."

Hm, nichts für mich also. Aber als Klientelduft allemal besser gemacht als aktuelle Davidoffs oder Armanis und damit auch nach meiner Rechnung klar überdurchschnittlich.

21 Antworten

Stanze vor 2 Tagen
25
Soviel Leistung möchte ich gar nicht
Lignum Vitae (Lebensholz) ist die lateinische (botanische) Bezeichnung für Guajakholz und Forte heißt stark. So stark finde ich das Guajak in Lignum Vitae Forte gar nicht. Aber es ist bestimmt drin. Holzig ist Lignum Vitae Forte auf jeden Fall. Es wirkt auch natürlich. Leder konnte ich nicht ausmachen und da ich Leder nicht gern mag, vermisse ich auch keins. An der Aufsprühstelle war der Duft für meine Geruchsnerven einfach zu stark (hier steckt also das Forte). Er begann zu flimmern und dann zog ich meine Nase schnell wieder weg. In der Aura war es aber okay. Die Aura reichte allerdings einige Meter weit. In Zeiten von Corona ideal, denn man wird meterweit gegen den Wind wahrgenommen. Noch am Ende des Ballsaals, in dem die Leute dann jetzt in zwei Meter Abstand stehen oder falls nur zwei Leute pro Ballsaal zugelassen sind, wenn sie nicht zusammen wohnen, dann müssen sie in zwei Metern Abstand tanzen.

An sich kam mir der Duft aber nicht so besonders vor, soll heißen, dass es sich um einen Holzorientalen handelt und die gibt es gefühlt wie Sand am Strand (Parfumo verdirbt mich). Hier ist kein Oud drin! Das ist ein Pluspunkt.

Eine der Duftnoten bleibt leider quasi für immer überall auf der Kleidung, wo man sie mit einer homöopathischen Menge von Lignum Vitae Forte berührt hat. Ohne die Pyramide zu sehen, roch die Basis (und der Kleidergeruch) fruchtig und annähernd wie Nelkenöl. Ich weiß nicht, ob das Nardenöl oder Nagarmotha oder beides ist. Ich musste heute alles waschen. Nicht weil es schlecht riecht, sondern weil es überhaupt riecht. Mein Handgelenk riecht jetzt am Abend noch nach Lignum Vitae Forte, weil mein Arm mittags kurz im Ärmel des Kleides steckte, das ich gestern trug. Für andere Leute wäre die starke Sillage und die lange Haltbarkeit wahrscheinlich ein Grund, das Parfum höher zu bewerten. Das Preis-Leistungsverhältnis steigt zwar aber soviel Leistung möchte ich gar nicht.

Lignum Vitae Forte eignet sich meiner Meinung nach eher für die kältere Jahreszeit. Der Duft ist eher aber nicht ausschließlich männlich. Es ist offensichtlich, wann man Lignum Vitae Forte tragen kann: wenn man in Quarantäne ist. In Zeiten von Pest, Cholera, Corona. Man kann es vorn in seinen Pestschnabel träufeln, dann riecht man die schlimmen Gerüche der Welt garantiert nicht mehr. Eignet sich somit auch für Pathologen. Den einsamen Ballsaal habe ich oben schon erwähnt. Man kann es benutzen, um eine Spur zu markieren, die andere erschnüffeln sollen. Also zum Beispiel bei einer Schnitzeljagd (bei der es nicht um Schnitzel geht). Wenn man damit einen Raum beduften möchte, kann man sich einfach an den Wänden reiben oder schnell durch den Raum hindurchlaufen. Lignum Vitae Forte ist bestimmt nützlich, wenn man den Ausgang eines Labyrinthes sucht oder sich im Wald verlaufen hat, dort, wo es nach Lignum Vitae Forte riecht, muss man schon gewesen sein. Vielleicht am Vortag oder vor zwei Tagen, aber irgendwann war man da schonmal.

16 Antworten

FvSpee vor 6 Tagen
24
CoViD-Kommentare, siebtes Stück: Gummientchen und Marshmallows
An sich hatte ich erwogen, diese Serie in "Gummientchen-Kommentare" umzubenennen, nachdem mir eine geschätzte Mit-Parfuma sehr nett und voller gesunden Humors mitgeteilt hatte, sie vergebe mir zwar gerne Blindpokale dafür, lese aber meine Serie (jedenfalls momentan) schon wegen des bösen C-Worts im Titel nicht. Obgleich ich diese Kommentare hier ja gerade zur Unterhaltung des verehrten und geneigten Publikums auch in schwierigen Zeiten schreibe und daher mit dem Blindpokalieren ihr eigentlicher Zweck recht vollständig verfehlt wird, und obwohl ich nicht ausschließen kann, dass die Kollegin nicht alleine mit ihrer Haltung ist, will ich es aber dann doch beim altbekannten Serientitel belassen. Nicht nur um der Kontinuität willen. Es soll ja auch nicht so getan werden, als wäre nichts. Es ist ja was.

Aufgrund der derzeit geltenden Ausgangsbeschränkungen, Heimarbeitsregelungen und, höchst traurigerweise, auch aufgrund der (hierzulande anders als in ärmeren Staaten aber gottlob wenigstens durch staatliche Schutzschirme abgefederten) Beschäftigungslosigkeit der von den Zwangsschließungen betroffenen Selbstständigen, haben (oder hätten) viele zwar gerade viel Zeit zum Testen von Düften. Allerdings nicht viel Gelegenheit zum Herzeigen von Düften auf der großen Bühne. Denn wir sitzen alle mehr oder weniger zu Hause, und soweit wir noch rauskommen, zum Einkaufen, oder diejenigen die nicht Heimarbeit haben, in die Fabrik oder ins Büro, ist social distancing angesagt. Sofern nicht noch ein Mundschutz beim Gegenüber on top kommt (dann ist sowieso vorbei): wie bitte sollen unsere Kollegen, Kunden, Gesprächspartner auf die jetzt gebotenen 2 Meter Entfernung unseren Duft wahrnehmen? Die Geschichte des Wechselspiels von Social Distancing und Beduftung will noch geschrieben werden. Jedenfalls kommen als Strategien u.a. die konsequente Applikation von Sillagemonstern und/oder die hemmungslose Überdosierung in Frage. Bei meinem heutigen Vormittagsduft "In Between" von Urban Scents kam, weil er so außerordertlich leicht und flüchtig ist, nur Strategie B in Frage. Angesichts des unanständigen Preises dieses Duftes, den ich mir in einem Anfall von Verschwendungssucht (vielleicht ein Anzeichen der Krise, in der Pestzeit soll es so etwas ja auch gegeben haben) nach Jahren des Drumrumschleichens vorgestern gegönnt habe, ein teures Vergnügen. Kam aber bei meinen Kollegen im wahrsten Sinne des Wortes gut an.

Leider habe ich über "In Between" bereits einen Kommentar geschrieben, sodass ich heute diesen Duft hier zum Gegenstand meiner Quarantäne- und Ausgangssperrenserie mache. Ich gebe ehrlich zu, ich habe Vorbehalte gegen die Marke. Die Flakons finde ich schrecklich, die Düfte, die ich bisher kennengelernt habe (es sind nicht so viele) gefallen mir nicht, die Preispolitik finde ich nicht nachvollziehbar und sie hat für mich etwas Snobistisches (350 Dollar der Flakon, ohne dass eine nachvollziehbare Begründung z.B. in Form von besodners erlesenen Zutaten gegeben würde, im Gegenteil, es ist ja Firmenpolitik, viel Synthetik einzusetzen), und zu allem Überfluss habe ich weder zu den USA noch zu New York ein irgendwie besonders inniges, emotional positiv vorgeprägtes Verhältnis aufgrund schöner Ferienerinnerungen, Lese-Erfahrungen oder dergleichen. Trotzdem nehme ich für mich in Anspruch, auch solchen Marken eine faire Chance zu geben, mich positiv zu überraschen.

Eine solche positive Überraschung ist diesem Pröbchen, das aufgrund von Zauber600s schönem Kommentar auf meine Merkliste und von dort über den Souk in meine Probenkiste gelangt war, aber nicht gelungen. Ohne zuvor auf die Duftpyramide oder die Vorkommentare zu schauen, roch ich zunächst mal Marshmallows. Marshmallows in ihrer nicht gegrillten (das sollen die Amis ja gerne tun), flauschig-süßen Grundform. Und zwar geschmückt mit Blumengirlanden. Das war das Bild, das sich in den ersten Sekunden aufdrängte. Ich kann nichts dafür, tut mir leid. Diese Note tritt dann nach einigen Minuten zurück; den weiteren Verlauf empfinde ich als ausgesprochen linear, allerdings mit einem leichten Hin- und Herchangieren des Duftes. Eigentlich rieche ich über Stunden hinweg mit relativ leiser Sillage süßlich weichgezeichnete unspezifische Holznoten. Und das ist es dann im Grunde auch für mich. Irgendwie nicht so der Brüller. Ab und an, immer mal wieder, treten dann auch dezidiert synthetische Noten und für mich ganz eindeutig so wahrnehmbar und vielleicht von einem der chemischen Stoffe hier provoziert, ein Schokoladenton hervor. Daher würde ich diesen Duft (auch) als Gourmand-Duft ansprechen, zumal nach der Marshmallow-Erfahrung am Anfang. Da ich Süßigkeiten im Allgemeinen und Schokolade im Besonderen zum Naschen zwar sehr mag, in Parfüms (obwohl die umgekehrte Methode günstiger für die Figur wäre) jedoch gar nicht, ist alleine das schon ein KO-Kritierium.

Erneut also eine mittelprächtige Bewertung von mir für einen heißgeliebten und vielgelobten Duft (immerhin bin ich nicht völlig alleine, siehe Parmas Statement). Ich hoffe, dass die vielen Fans mir diesen gemäßigten Verriss nicht krumm nehmen. Tja, wenn man sich eine mehr oder weniger regelmäßig-tägliche Duftkommentiererei vorgenommen hat, müssen manchmal auch die Düfte dran, die einen nicht zu Lobeshymnen inspirieren. Allen Freunden von Governors Island weiterhin viel Freude damit, und allen, die diesen Duft lieben, ihn hassen oder denen dieser Duft sowas von unvorstellbar schnurzegal ist: Kommt gut durch die Gummientchen-Zeiten!

19 Antworten

FvSpee vor 4 Tagen
24
CoViD-Kommentare, neuntes Stück: Sommer-Revisionen
Kennt ihr das Gefühl, es durch eine schwierige Woche ans rettende Ufer des Wochenendes geschafft zu haben und das dann mit einem guten Abendessen zu feiern. Klar. Ist irgendwie eine anthropologische Grunderfahrung. Das ist jetzt mein Zustand. Und deshalb wollte ich eigentlich die Folge 9 ausfallen lassen und mich sinnlos vor den Fernseher setzen. Aber genau in dem Augenblick hat mich eine PN einer (ausgesprochen schreib-begabten) Mitparfuma mit einem Lob des Einfach-Losschreibens trotz allerlei Widrigkeiten erreicht. Und damit war ich am Mantenkragen der Ehre gepackt. Also hab ich mich umentschieden, und hier kommt wieder eine Folge. Noch sinken die Einschaltquoten ja auch nicht...

Also, wir bleiben mal in der Provence, wo wir ja gestern schon in Lourmarin warin. Heute geht es nach Esterel, das ist ein Mittelgebirge an der Cote d'Azur, und da ist es im Sommer scheiße heiß. Außerdem gibt es dort viel Wildnis und Landschaft mit viel Pflanzen und Tieren, und früher auch mal heiligen Einsiedlern in Einsiedlerhöhlen und weniger heiligen Räubern in Räuberhöhlen, worüber die gute Stanze, die in ihrem Job jetzt wahrscheinlich alle Hände voll zu tun hat, ja im Vorkommentar sehr anschaulich geschrieben hat. Harry Lehmann hatte vor etwa 2 Jahren mal wieder eine französische Phase und hat ein paar neuen Düften ebensolche Namen verpasst, diesem hier eben "Esterel". Ist also ein neuer Lehmann. Für den Namen gebe ich übrigens 9,5 Punkte, denn er klingt schön, ist kurz, trifft den Duft inhaltlich-thematisch und sitzt irgendwie wie angegossen. Ganz einmalig ist er nicht, denn es gibt noch ein paar andere Düfte, die so heißen. Sonst hätte ich vielleicht 10 gegeben.

Esterel ist von der Grundidee her ähnlich wie der gestern kommentierte "Dimanche à la Campagne" von Guerlain: Ein zitrisch-grüner Sommerduft, zuerst eher zitrisch, dann sachte ins Grüne wechselnd, und insgesamt sehr einfach gestrickt und trotzdem von großartiger, durchschlagender Wirkung in seiner Einfachheit. Die beiden Düfte unterscheiden sich aber trotzdem deutlich. Der Guerlain hat eine weiche Moschus-Basis, die im Grunde bis in die Kopfnote ausstrahlt, wodurch ein leichter Schleier über den Duft liegt, wie ein Dunst über der Sommerlandschaft. Dadurch erinnert das eher an Frühsommer, und der absolut unisexige Duft hat eine ganz leichte Neigung ins Feminine. Esterel dagegen ist viel härter, kantiger, ein bisschen schroff fast, und total ohne Weichzeichner. Das kommt maskuliner rüber, und hochsommerlicher. Klare Kontraste. Brüllende Hitze mit scharfem Licht, und dagegen vielleicht ein eisgekühltes, kristallines Wasser. Außerdem halten sich beim "Sonntag" die zitrischen und die grünen Noten (die hier auch Kräuter einschließen) in etwa die Waage, wohingegen Esterel ein vorwiegend zitrischer Duft ist, der nur leicht angegrünt ist. Und, nicht überraschend bei Lehmann: Esterel hat viel mehr Körper, Wucht, Haltbarkeit und Sillage als der Guerlain. Was beide gemeinsam haben, ist, dass die Zitrik eine helle, gelbe ist; ich tippe hier auf Zitronen in der Hauptsache, um die sich andere Zitrusfrüchte vielleicht rumgruppieren. Dadurch, dass das bei Esterel weniger stark durch grüne Noten und durch moschüssige Weichzeichnungen ausbalanciert wird, gewinnt die Zitrik gerade anfangs eine gewisse Schärfe, die dann in der Tat manchmal die gefürchtete "Ata-Scheuerpulver-Note" schrammt, wobei ich das gar nicht schlimm finde. Die haben dem Scheuerpulver diese Geruchsstoffe ja zugesetzt, weil sie gut riechen, nicht weil sie stinken, sonst röche Scheuerpulver ja nach altem Schweiß.

Freunde der Harrys werden jetzt vielleicht aufmerken und sagen: Moment mal, zitrisch-grüne Kracher, das haben wir doch schon im Sortiment. Richtig! Springfield. Und wieder ist er da, der Referenzfrischling aus dem Hause Lehmann. Daher auch hier noch ein Vergleich (ich habe mir vor Beginn dieses Kommentars extra je 2 Sprüher Springfield und Esterel auf je ein Küchentuch gemacht um direkt vergleichen zu können): Die Zitrik von Esterel ist zitronig, die von Springfield ist, und das merke ich erst jetzt im Vergleich so deutlich, viel bitterer und auch ein wenig süßer, das geht mehr in Richtung Pomeranze und Orange. Esterel ist, wie gesagt, ganz überwiegend zitrisch, wohingegen Springfield eigentlich umgekehrt etwas stärker grün ist. Und Springfield hat diesen ganz tief versteckten, kaum spürbaren animalischen Subtext, wodurch es noch maskuliner als Esterel und vor allem sowohl zum viel erotischeren, als auch zum viel raffinierteren Duft wird. Das will Esterel aber nicht sein, Esterel bleibt ein fröhlicher, ehrlicher, starker prima Sommerduft.

Gestern ging es ja auch um Camus, und eines seiner Hauptwerke, "l'homme revolté" wird im Deutschen immer mit "Der Mensch in der Revolte" übersetzt, aber ich denke, um Revolte im Sinne von Straßenschlachten geht es hier nicht, sondern mehr um so etwas wie die Umkehr (natürlich ist es so oder so ein Spiel mit Wort-Bedeutungs-Nuancen). Jedenfalls ein Anlass, mich auch hier nochmal gründlich zu revidieren, nach der Revision meines Entschlusses, heute keinen Kommentar zu schreiben. Ich hab nämlich mein altes Statement zu diesem Duft hier gerade ersatzlos gelöscht. Ich hatte damals 5,5 Punkte gegeben und von vergorenen Früchten gefaselt. Entweder der von mir probierte Duft war damals gekippt, oder ich habe bei Lehmann im Laden (ja, das sind solche Räume, wo früher, vor der Seuche, die Leute reingegangen sind, um Dinge zu kaufen) den falschen Glasballon erwischt, oder ich hatte zuviel vergorene Früchte gegessen. Unfug, das. Stanze hatte druntergeschrieben: "Wundert mich jetzt, ich war mir sicher, der würde dir gefallen". Recht hat sie. Der gefällt mir auch. Und ich nehme den Duft ja auch ganz ähnlich wahr wie sie in ihrem Kommentar.

Esterel ist also ein hell-zitrischer, mit etwas Grün verschönerter, ganz leicht ins Maskuline spielender Hochsommer- und Gute-Laune-Duft. Satt, rund, voll, ein bisschen laut, ein bisschen kantig, aber wirklich sehr schön. Ich habe ihn im Januar viel auf meiner Thailand-Reise getragen, und in dieser Hitze kam er sehr gut raus und wurde sowohl von den Farang (also Westlern) als auch von thailändischer Seite sehr gelobt. Aber auch in Deutschland unter Bürobedingungen ein Duft, dem immer Wohlwollen entgegengebracht wird und der die Stimmung der Umgebung hebt. Düfte wie Esterel zeigen, dass die Zeiten der guten Lehmänner noch lange nicht vorbei sind und lassen hoffen, dass der Laden noch lange bestehen wird. Klare Test- oder Blindkaufempfehlung für alle Freunde zitrischer Sommerdüfte und alls Fans der Lehmanniade!

18 Antworten