Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Schoork vor 3 Tagen
47 Auszeichnungen
Das goldene Ticket
Ich gehöre zu den glücklichen Gewinnern und bekam durch die liebe Cocinera ein goldenes Ticket für einen Besuch in Wolly Winkas Schokoladenfabrik. Dafür möchte ich mich direkt noch einmal bedanken.

Eindrucksvoll und erstaunlich freundlich wurde ich begrüßt. Kleine Sarottis gaben mir zur Begrüßung einen Orangensaft und eine Handvoll Trockenfrüchte, die ich während der Tour knabbern durfte.

Wir bestiegen die Schogetten und los ging sie die wilde Fahrt.

Die erste Station war ein Fluss aus Schokolade, an dessen Ufer Lila Kühe grasten. Hier gab es reichlich Kakao zu trinken und wir bekamen ein Nutella Brötchen.
Der Fluss war lang und führte an eine Leichtathletikanlage vorbei, hier machen Ritter wohl Sport.
Wir sahen noch den Ritter Haselnuss, wie er für den Tobleronenlauf übte. Auch der Mars machte mobil.

Ein wenig später kreuzte der Milky Way den Fluss und einige erschraken, aber ich sagte nur Kinder, alles Bueno.
War aber schon ein ziemlicher Knopper, so morgens halb 10 in Deutschland. Hinten fuhr ein großer Pick Up, der nahms knackig durch das Feld. Die Fahrerin winkte uns zu und machte faxen. Steckt halt viel Spaß in Toffifee.

Eine ganze Weile passierte nicht viel, der Geruch von Schokolade und Kakao lag dennoch die ganze Zeit in der Luft. Eine weitere Gewinnerin wurde ungeduldig und zickig und sie war nicht sie selbst, wenn sie hungrig war, aber das legte sich später wieder. War eigentlich eine echt scharfe Milchschnitte. Ich hab sie mir zum Freund gemacht und guten Freunden gibt man ja mal ein Küsschen.

Kleine Kinder die dabei waren spielten eigentlich nur die ganze Zeit mit Duplo und Hanuta die auf die kleinen aufpasste, gab Ihnen Kekse, die schmeckten wir hausgemacht. Tja die hohe Kunst der Duplomatie eben.

Als wir dann im Laboratorium von Dr. Oetker waren, wurde es noch einmal spannend. Er zeigte uns wie sein Vanillepudding gemacht wird und was soll ich sagen..Qualität ist das beste Rezept.

Als musikalischer Act spielten Milli Vanilli dann eine halbe Stunde ihre Hits, kam mir aber wie Playback vor. Da hätte ich mir die Kugel geben können, aber Adel verpflichtet. Vorher spielten Twix, die sich früher Raider nannten. Die spielten ihren Hit..Montale Oh Oh und wir so Cantare Oh Oh Oh.

Dann gab es kurz Alarm und die Sirene heulte die ganze Zeit: TREETS..TREETS..TREETS, aber das war nur kurz, jemand hatte wohl eine Extra Portion Milch in seinem Kakao.

Ich hatte immer noch meine Früchte in der Hand und tunkte diese dann noch einmal in einen Schokobrunnen, einige waren aber sehr Corny.

Die gesamte Anlage roch sehr süß, aber nicht zu süß und hauptsächlich nach Schokolade mit einem Hauch Vanillekeks. Wir waren kaum am Ende angekommen da verteilten M&M noch ein paar Smarties. YES! voll Torty und dann ging auch schon das Rollo runter. Die Werther waren Echte Kerle. Apropos...ingesamt waren hier viel
mehr Damen anwesend als Herren.


Die ganze Tour ging recht lange und nach einigen Stunden waren wir dann auch am Ende angelangt. Wir sagten Merci und schön dass es dich gibt Schokoladenfabrik. Nice to Sweet you und es gab viel zu sehen, wir sind ja nicht Lindt. Im Sommer hätte das nicht so viel Spass gemacht, daher waren wir froh heute dabei gewesen zu sein.

Das goldene Ticket hat sich in jeden Fall gelohnt. Hat Spass gemacht und auch wenns mal wieder länger dauerte.... Nogger dir einen!



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Schoork vor 6 Tagen
43 Auszeichnungen
Nachbarn
Neulich im Hausflur, irgendwo in Deutschland......

Tach Frau Brodesser, haben Sie schon gehört? Familie Schniedermann hat sich ein Parfum gekauft. Ein reinrassiges, ich weiß gar nicht ob das hier im Haus erlaubt ist.

"Guten Tag Frau Schlönzke, ja ist es denn die Möglichkeit? Ich hab die beiden zusammen mit der Phiole schon gesehen, kam mir vor wie aus dem Labor gezüchtet. Ich hab schon allerhand darüber gelesen, da muss man ganz vorsichtig sein"

Das ist doch bestimmt gefährlich, habe ich mal gehört.

" Ja ich hab mal gelesen, dass wenn man nicht aufpasst und das Parfum durchdreht der reinste Horror sein soll. Mein Schwägerin hat mal jemand gekannt, der einen kannte, der auch so was hatte und der beide Arme verloren hat, dabei wollte das Parfum angeblich nur riechen, von wegen der tut nix und so."

Das ist ja entsetzlich! Und sowas in unseren Haus, da wird mir ja ganz blümerant.

" Ja ich werde das mal der Wohnungsgesellschaft melden und dem Parfumschutz, ich meine das kann man doch nicht so einfach frei tragen"

Ich darf gar nicht daran denken, ich mein hier leben doch auch Kinder.

"Na eben drum, wer denkt denn an seine Mitmenschen hier, wenn so ein Parfum frei rum riecht nachher. Familie Pennkopp hat auch gesagt, das geht so nicht und wenn die schon was sagen, das will was heißen. Ich hab ja auch gehört, das die das aus dem Labor geholt haben, von wegen hier auf Natur machen. Ich kann Ihnen sagen, das wird schon einen Grund gehabt haben, warum das im Labor war. Normale Parfums landen da nicht"

Achtung da kommen Sie!




"Ach schau her, die Familie Schniedermann und ist das nicht Ihr neues Parfum? Ach das ist aber schön. Jetzt schaut sich doch einer mal dieses frische Parfum an, wie zitronig du bist, das ist ja fein. du bist ja ein ganz frisches, was? So ein zitronisches Stück. Wissen Sie, ich habe gerade der Frau Schlönzke gesagt, dass ich Ihr neues Parfum ja ganz schön finde und gar nicht verstehen kann, warum so viele Angst davor haben und diese Rasse nicht mögen."

Ja das stimmt! Ich habe gesagt, das mich das auch gar nicht stört und es ja auch so schön holzig ist.

"Sie sollten auch auf keinen Fall auf die anderen hören, wenn die ihnen was anderes sagen Herr und Frau Schniedermann. Das sie sich dazu entschieden haben ein Parfum bei sich aufzunehmen, das finden wir ganz toll. Ist auch eine schöne Rasse diese Hermes. Wie heißt er denn gleich? Eau de Citron Noir? Das ist aber ein schöner Name. Und wie alt werden die so im Schnitt? 5h, das ist aber ordentlich, da haben Sie ja auch was davon"

Ich glaube ich muss jetzt auch los, mein Tee ist mittlerweile schon durchgezogen.

"Machen Sie es gut meine Liebe, ich werde auch gleich mal weiter, mein Hans kriegt heute Schnitzel. Nein so ein nettes Parfum. Ich weiß gar nicht warum die Leute sagen, dass du so schrecklich sein sollst. Künstlich gezüchtet ja und? Wenns doch gefällt? Hast du fein Holz geholt? Toll! Ja da kann man im Sommer auch mal mit raus gehen, nicht wahr. Der tut ja nix, der will nur riechen"

"Also Leute gibbet"

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SchatzSucher vor 4 Tagen
34 Auszeichnungen
Der grüngewordene Dufttraum
Zu Dioressence wollte ich schon länger einige Zeilen schreiben, doch kamen mir zum einen immer wieder andere Dufteindrücke dazwischen und zum anderen fielen mir kaum die passenden Worte ein, die diesem einzigartigen Duft einigermaßen gerecht werden könnten.
Dioressence ist ein unglaublich beeindruckender Duft, der sich mit einem wahren Füllhorn an Aromen, Blüten und Gewürzen präsentiert.

Es ist gar nicht einfach, einzelne Komponenten herauszuerkennen, da man es hier wirklich meisterhaft verstanden hat, sowohl klassische Chypreelemente als auch wunderbare orientalische Einflüsse zu verknüpfen, ohne daß der Duft zu aufgesetzt oder überladen wirkt. Und das Ganze ist so schön dicht miteinander verbunden, daß die Nase es ein wenig schwer hat.
Doch einige Elemente lassen sich gut wahrnehmen.
Dioressence startet grün, etwas Zitrus gesellt sich dazu, doch nur ganz leicht und gedimmt. Dann wird es sehr schnell blumig-würzig, die Blütenpracht ist opulent, unsüß, strahlend und recht trocken. Zimt läßt sich gut erkennen und gibt der Pracht diesen feinen orientalischen Hauch.

Lange muß man nicht auf die Basis warten. Und die Basis ist ein absoluter Traum aus Harzen, Balsamen und diesem köstlich herben Moos, das den Chypres ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.
Und irgendwo ganz tief verborgen läßt sich eine Ahnung von Lebewesen wahrnehmen. Und das ist wohl sicher auch die richtige Bezeichnung, denn dieser Duft ist voller Leben. Er pulsiert, er strahlt, er wirkt, er atmet.
Dieses Leben in Dioressence läßt den Duft nicht direkt animalisch wirken, aber er gibt dem Duft einen feinen und pikanten Unterstrich, diese gewisse dunkel gefärbte Note, die einen Duft erst so raffiniert macht.
Als Farbe sehe ich für diesen Duft ein schönes sattes moosiges Grün.

Ich habe mal aufgeschnappt, daß ein Duft eine gewisse Drecknote haben sollte, einen Gegenpol, damit etwas vorhanden ist, woran die Nase sich ein wenig stoßen und hängenbleiben kann. Das hat man hier bei Dioressence wahrhaft gut verstanden!
Was die Haltbarkeit betrifft, können sich so manche Düfte eine dicke Scheibe abschneiden. Es handelt sich um ein Eau de Toilette, doch hält es auf der Haut locker 12 Stunden. Abends aufgesprüht, ist es am anderen Morgen noch gut wahrzunehmen.
Man wird auch sehr gut wahrgenommen und das auch für eine recht lange Zeit. Was mir auch aufgefallen ist, der Duft wirkt in der Aura noch wesentlich schöner als direkt auf der Haut erschnuppert. Da stimme ich Kleopatra, die es bereits in ihrem tollen Kommentar so prima erwähnt hat, voll und ganz zu. Direkt an der Haut ist eine gewisse "körperliche" und leicht unangenehme Note spürbar. Aber mit einigem Abstand ist das Ganze ein einziger Traum.

Dioressence ist ein Duft, der prinzipiell zu jeder Jahreszeit tragbar ist. Er ist nie zu laut, nie aufdringlich, nie störend, nie zu viel.
Auch zu allen möglichen Anlässen paßt Dioressence sehr gut, im Büro, zu Geschäftsterminen, in der Freizeit, abends, in der Oper, zum Essen.

Verwunderlich erscheint, daß die klassischen Chypredüfte wie z.B. Mitsouko, Diorella, Dioressence und noch einige andere für unsere heutigen Duftgewohnheiten und -wahrnehmungen so herb und maskulin erscheinen und eben heutzutage durchaus als Unisexdüfte gelten.
Dem stimme ich zu, habe ich Dioressence auch schon oft "offiziell" getragen und niemand wäre auf die Idee gekommen, daß Dioressence eigentlich als Damenduft kreiert wurde.
Aber in der Hinsicht schere ich mich eh nicht um Konventionen und beachte es kaum, daß da auch mal "Für Sie" auf der Verpackung stehen kann.
Und da spreche ich auch den Herren die Empfehlung aus, ruhig mal bei den klassischen Damendüften vor 1980 zuzugreifen. Es lohnt sich nämlich!

Diese Zeilen habe ich jetzt der Vintage-Version von Dioressence gewidmet, die ich besitze und mit der mich eine große Liebe verbindet.
Die überarbeitete Version ab 2009 kenne ich noch nicht, es wäre aber interessant, mal Vergleiche ziehen zu können. Ich kann mir aber vorstellen, daß ich die neuere Version auch mögen würde.

Zusammengefaßt möchte ich sagen, Dioressence macht seinem Namen alle Ehre. Eine wahrhaft schöne und kostbare Essenz aus vielen Duftbausteinen, die zu einer einzigen Pracht zusammengefügt wurden und meiner Meinung nach die Höchstpunktzahl verdient hat.

24 Antworten

FrauLohse vor 36 Stunden
32 Auszeichnungen
Der Stalkerduft
Poison Girl verfolgt mich.
Erst war es die Kollegin, guck mal, das ist dein Duft, musste probieren.
Ich muß gar nix.
Dann die Douglette vor Ort bei praktisch jedem Besuch. Poison Girl müssen Sie probiert haben.
Ich muß gar nix.

Also ich mein, hallo. Guckt mich mal an, Girl, das nimmt mir nun echt keiner mehr ab. Wie kommen die alle darauf, bekommen die bei Douglas jetzt Provision von Dior? Fragen, die ich mir stellte, während ich einmal (!) lustlos am Duft roch. Ausserdem hier ja gelernt: süß = böse / Mainstream + süß = schlechter Geschmack.
Interne Gründe für die Ablehnung -> Poison mag ich nicht, Tendre Poison mochte ich nicht, Hypnotic Poison hasse ich.

So und nun guck, das ist Poison Girl:
- ultrasüsser Start
-> dickflüssig wie Samtgelee
- kurzes Winken der Orange
-> unter Zuckerberg
- geilste Bittermandelnote
-> wie toll ist das denn? Dieser Bittermandeltwist unterbricht die Geleesamtsüsse, ich liebe das
- Vanilledrydown
-> trocken, kein Pudding, nicht wirklich dunkel, nicht wirklich hell, leicht unterlegt von der Tonka

Fazit: unpudrig, uncremig, aber mit dem Hang dahin. Stoppt, kurz bevor es das ein oder andere werden kann. Bricht die 2010 Süsse gekonnt durch Bitterfaktor, das Elementare am Duft. Zuckerbrot und Peitsche. Gar nicht so girly wie man denkt. Nicht so häufig draußen zu riechen. Sehr potent, wenig Duft reicht vollkommen aus, ergiebig. Mega Sillage, ewig haltbar, Winterknaller.

Ja sorry, ihr da oben, ihr wusstet es besser. Man sieht mir Poison Girl halt doch an, oder aber ihr kennt mich und mein Innerstes zu gut. Ihr hattet Recht. Poison Girl musste ich mal probiert haben.

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JoHannes vor 6 Tagen
32 Auszeichnungen
"Dich Schönheit bet ich an!" (Charles Baudelaire)
Die Liebe zur Lüge

Bist du des Herbstes Frucht, von auserlesner Milde?
Bist eine Urne du, die sich nach Tränen bangt,
Ein Duft, der träumen macht von seligem Gefilde,
Ein schmeichlerischer Pfühl, ein Korb, der Blüten prangt?

Ich weiß es: Augen sind, voll trauervoller Reine,
Wo sich kein Rätsel birgt, das köstlich zu erschaun,
Wie leere Medaillons, kleinodienarme Schreine,
Und tiefer, öder noch als selbst der Himmel Blaun.

Doch die Erscheinung ists, die zagendem Gefühle,
Das vor der Wahrheit flieht, das Sein versüßen kann.
Was kümmern Torheit mich und seelenlose Kühle?
Ob Maske oder Zier – dich, Schönheit, bet ich an!

(Charles Baudelaire, aus: 'Les Fleurs du Mal')

Dieser Ausschnitt aus 'Die Blumen des Bösen' ist für mich wie ein perfekter Kommentar zu diesem Duft. Als hätte Baudelaire (Charles) Baudelaire (Byredo) schon damals gekannt. Vielleicht haben ja gerade diese Zeilen den Parfumeur beeindruckt. Vielleicht.

Baudelaire ist im Prinzip ein ambrierter Patchouli—Duft (in der Basis), der zu Beginn fruchtig (tiefdunkle Früchte — dafür ist wohl der saftige Wacholder verantwortlich) mit einer fein—würzigen Schärfe (die roten Pfefferkörner) und dann mit einem feucht—warmen Weihrauch daherkommt.

Die ganze Melange aufgestrichen auf einer angefeuchteten Lederhaut.

Sakral — sinnlich — dunkel — und trotzdem: strahlend.

Und: faszinierend changierend.

[In einem für mich schwierigen und abgründigen Jahr war Baudelaire immer da, wenn ich keinen passenden Duft mehr fand bzw. mir Duft nicht mehr wichtig war. Baudelaire ist dunkel, ja. Aber Baudelaire ist auch tröstend, weil er für mich eine Wandlung von finster zu strahlend durchläuft.

Baudelaire ist für mich wie ein Freund, der mich an der Hand nimmt und ins Licht führt.]

17 Antworten

Meggi vor 3 Tagen
25 Auszeichnungen
Digitaler Bilderrahmen oder Heimatmuseum
Als „Studie“ rund um die genannten Zutaten bezeichnet Parfümeur Andreas Wilhelm sein Elaborat, welches ausdrücklich – Perfume „sucks“ ja schließlich – kein Parfüm sein will. Ich bin mit sowas immer skeptisch und dachte spontan vor allem an die teils grausigen Gerüche aus der Rührküche des Herrn Brosius zurück, der als Marke mit dem Namen „CB I Hate Perfume“ auf derselben Saite fiedelt.

‚Green‘ nun kommt mir vor wie ein digitaler Bilderrahmen, der in tiefer Gleichmut die Dateien des eingeschobenen Mediums ohne erkennbare innere Ordnung wiedergibt. Ähnlich ergeht es womöglich beim Gang durch ein winziges Heimatmuseum, in dem die zwei Dutzend Ausstellungsstücke aus fünf Jahrhunderten irgendwie nebeneinander platziert sind. Alphabetisch sortiert vielleicht.

Das kann für sich allein betrachtet jeweils alles ganz kunstvoll, spannend oder zumindest kurios sein. Und damit sind wir im Thema: Der Rhabarber zum Auftakt heute etwa ist gut gelungen. Die sogenannte Haselnuss lässt sich ebenfalls abhaken, und dass sie mir eher grün als braun daherkommt, darf vor dem Hintergrund des Parfüm-Namens sogar als Pluspunkt gelten. Mango ist…na ja…nachvollziehbar, sofern man’s weiß. Ob die grasige Note auf Marihuana verweisen soll, kann ich mangels Erfahrung nicht beurteilen und für Kaffee muss ich sozusagen auf eine übergeordnete Ebene ausweichen und mir die große Bandbreite der Aromen in Erinnerung rufen, die in handwerklich statt industriell hergestelltem Kaffee zu finden sind.

Tja, und da stehe ich jetzt vor dieser Folge von nicht uninteressanten Exponaten, während der „innere Kurator“ verzagt. Dass die Geruchs-Stoffe bereits im Laufe des Vormittags unscharf werden, führt leider nicht zur bislang vermissten Verschmelzung zum Parfüm, sondern ist reines Verwischen. Spätestens gegen Mittag ist eine diffuse braun-grüne Soße mit säuerlichem Tupfer (siehe unten) entstanden, der sich nachmittags mit viel gutem Willen der Vollständigkeit halber ein Gedanke an Amber entnehmen lässt.

Eine Erkenntnis hat der Duft außerdem noch parat, als ich ab dem Nachmittag vermeine, Vetiverylacetat sowie einen Anflug laborieller Allgemeinfrucht wahrzunehmen und einen Rückbezug zum Rhabarber erahne. Aha, so geht das also!

Gleichwohl gelange ich zum Fazit, dass ‚Green’ zwar nicht weh tut, aber auch nicht Not tut.

Ich bedanke mich bei Garcon für die Probe.

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Schwälbchen vor 32 Stunden
23 Auszeichnungen
Beipackzettel
Lieber Anwender,

vielen Dank, dass Sie sich für unser Produkt entschieden haben. Wir wollen Sie aus gegebenem Anlass mit diesem Beipackzettel über etwaige Nebenwirkungen aufklären. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass von einer Auflistung der Ingredienzen Abstand genommen wurde, da hier der Gesamteindruck und die Wirkung des Produktes im Vordergrund stehen:

„Black Orchid“ ist ein Antidepressivum mit Gewöhnungseffekt. Es kann in Einzelfällen zu leichter bis mittelschwerer Abhängigkeit kommen. Unmittelbar nach dem Auftragen auf geeignete Hautpartien entwickelt sich ein buttrig-vollmundiges Aroma, das in seiner opulenten Fruchtigkeit an überreife Ananas erinnert. Einige der verwandten Früchte sind vergoren und dem Verfall preisgegeben. Der indolische Eindruck des Fluidums wird durch eine blumige Penetranz unterlegt, die bei einigen Anwendern das fleischliche Verlangen nach körperlicher Hinwendung steigern kann. Von einer Inhalation der aufkommenden Trüffelnote wird zu diesem Zeitpunkt strikt abgeraten. Die darin enthaltenen Hallozinogene führen zu Sinnestäuschen und beeinträchtigen das Entscheidungsvermögen des Trägers.
Einige Patienten berichteten sogar von lüstern-verwirrten Geisteszuständen bis hin zu chaotisch-leidenschaftlichen Phasen, ausgelöst durch eine möglicherweise zu massige Anwendung des Extraktes. Der Eroberungswillen des Fluids ist der barocken Verwendung sinnlich-verführerischer Komponenten geschuldet. Bei massvoller Anwendung des selbstbewußten Trägers vermag das Mittel mit eroberndem Charme eine samtig schwarze Aura zu generieren. Wohlige Gefühlszustände bis extatische Endorphinschübe sind eine vom Hersteller beabsichtigte Nebenwirkung und führen nicht zur Reklamation. Das Produkt eignet sich in der Anwendung sowohl für Damen als auch für Herren und zeigt keinerlei Präferenzen für ein Geschlecht.
Die Komplexizität des Mittels erlaubt eine äußerst sparsame Verwendung. Performance und Haltbarkeit sind auf einen gesamten Tag angelegt, ein erneutes Auftragen ist weder notwendig noch anzuraten.

Bei Fragen berät Sie gerne Ihr zuständiger Duftdealer.

Das Team von Tom Ford wünscht Ihnen rauschhaftes Vergnügen mit „Black Orchid“ und gute Besserung.

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SchatzSucher vor 29 Stunden
23 Auszeichnungen
Das warme Leuchten in der Dunkelheit
Ich habe mal gehört, wie jemand sagte: Die Nacht ist doch eigentlich dasselbe wie der Tag, bloß daß nicht so viel Licht da ist. Und irgendwie hatte dieser Jemand auch recht, auch wenn es nur augenzwinkernd gesagt war.
Das läßt sich fast auch auf diesen Duft übertragen, denn hier wird höchst gekonnt mit Licht und Dunkelheit gespielt.

Wer mich hier schon ein bißchen kennt, weiß auch, daß ich bei Düften einige ausgeprägte Abneigungen habe. Besonders, wenn von gewissen Duftbausteinen zu viel vorhanden ist, wenn es zu überfrachtet wird und der Duft gar in Richtung Penetranzmonster geht.
So ergreife ich beinahe schreiend die Flucht, wenn mir ein Duft zu streng animalisch daherkommt, es womöglich nach Stall oder komplettem Wildtierpark riecht, oder ich rümpfe die Nase bei zu viel Leder, habe da immer die Assoziation zur ollen abgewetzten Tasche. Oud ist auch oft so ein rotes Tuch für mich, wenn es da streng nach Dung oder nach Desinfektionsmittel riecht, bin ich in einer Staubwolke am Horizont verschwunden.
Das sind natürlich nur meine persönlichen Empfindungen. Und dann stellt man aber immer wieder mal an sich fest, oh es gibt ja Ausnahmen! Nein sowas aber auch. Der Blick über den eigenen Tellerrand lohnt sich eben. Und was interessiert mich mein Gewäsch von übergestern.

Normalerweise lasse ich mir in der Regel auch einigermaßen Zeit mit dem Kommentieren von Düften und man kann sich ja auch ganz schön in die Nesseln setzen, wenn man einen falschen Nerv trifft oder einen Duft nicht gut genug kennengelernt hat und falsche Fakten präsentiert.

Doch auch hier mache ich mal eine Ausnahme, denn dieser Duft hat mir viel erzählt und ich habe zugehört.
Mir ist vor kurzem eine Probe von Frau Neuffers jüngster Kreation in die Hände gekommen.
Mir sagte der Name durch Erwähnungen hier bereits etwas, doch waren mir die Düfte bis auf einen, den ich auch vor kurzem testete und der mir leider nicht gefiel, gänzlich unbekannt.
So probierte ich ganz neugierig Per Fumum: Ambar aus und was soll ich sagen: Ich finde ihn großartig!
Er vereint einige Duftbestandteile, die ich ja eigentlich gar nicht mag, auf eine höchst ansprechende Weise. Ich erkenne Tiefe, ich erkenne Dunkelheit, ich erkenne viel Herbes, ich erkenne das Lebewesen, das dem Duft eine Seele gibt, ich erkenne Wärme und ein Strahlen, das mich vom tiefsten Inneren her anspricht.
Wenn ich den Bestandteil, auf dem Ambar aufgebaut ist, erkunde, dann ist es jener animalische Duftbaustein, der mir am zugänglichsten vorkommt. Die Ambra, die auch gern klassischen Chypredüften ihr warmes und goldenes Herz verleiht, die animalische Komponente, die mir am sympathischsten erscheint und mich in Düften längst nicht so abschreckt wie andere animalische Substanzen.

Ambar eröffnet zunächst herbsüß und warmwürzig, hier wirkt es noch recht hell am Anfang, die dunkle Richtung läßt sich aber schon gut erkennen.
Schnell kommen rauchige Noten von Tabak hinzu, die dafür sorgen, daß der Duft nicht zu süß wird und es wird zunehmend dunkler. Blumige Noten vermag ich kaum herauszuriechen, das ist auch gut, ich glaube das hätte sich etwas störend ausgewirkt. Und hier sind dann auch nur die herben Auszüge verwendet worden, denn die eh recht leichte Süße ist nicht mehr vorhanden.
Assoziationen von einem wärmenden Lagerfeuer spätnachts am Meer kommen in mir auf. Ja da schwebt auch ein leichter Seewind mit, der diesen Hauch von Meer noch etwas verstärkt.
Zur Basis hin unterstreichen dann Ambra, Patchouli, ein Hauch von Oud und ein Klecks Labdanum den dunklen, herben aber wärmenden Charakter. Das brennende Holz ist von edler Natur und stellt einen Fixpunkt in der dunklen Umgebung dar.

Doch wirklich finster wirkt Ambar auf mich nicht. Und der Duft ist nicht von lauter Natur, er ist präsent, er wird wahrgenommen aber er erschlägt nicht, ist keine Urgewalt.
Er ist für mich das warme Leuchten, das eine dunkle Nacht erhellt. Der Duft ist herb und rauchig, doch ist er nicht barsch und bissig, sondern hüllt schützend ein. Das Lebewesen in seiner Seele hat ein warmes Herz und weicht den Duft auf.
Er hält an mir an die 8 Stunden, bis er dann sanft wieder ins Dunkle entgleitet.

Für mich persönlich ist Per Fumum: Ambar ein richtig gelungener Duft, der mich auf‘s Angenehmste überrascht und wirklich sehr tragbar ist. Für mich paßt er am besten zu ganz besonderen Gelegenheiten am Abend und in dieser kalten und eher ungemütlichen, Jahreszeit kommt er hervorragend zur Geltung.

Mein großer Dank geht an die liebe 0815abc, die es mir ermöglicht hat, dieses Juwel kennen- und schätzen zu lernen!

19 Antworten

Nurmalso vor 6 Tagen
23 Auszeichnungen
Ubar

Ubar - Amouage

10.0
Loyalität ist Treue im Smoking
In meiner Sammlung befinden sich die unterschiedlichsten Düfte. Mal liebe ich die sanfte Ruhe der Odins und Diptiques, dann die edle Klarheit der Chanels oder die blumige Verspieltheit eines Diors.

Wenn ich aber einen Duft wählen müsste, der die treueste Seele hat, dann wäre es Ubar.

Das ist deshalb so, weil Ubar nicht Liebe auf den ersten Sprüher war. Nix Herzchen in den Augen und von hier ab blind. Eher zunächst Stirnfalten. Wer ist denn die Wuchtbrumme? Und was für eine ölige Jasminwolke zieht die hinter sich her? Soll das orientalisch sein? Nö. Deckel wieder drauf. Das wird nix mit uns beiden. Ab in die Kiste mit Abfüllungen und mal sehen, wem ich die unterjubeln kann.

Zwei Stunden später saß ich gedankenverloren vor dem Bildschirm und stütze meinen Kopf mit der linken Hand. Was riecht hier so verdammt phantastisch? Nach Blüten, ganz dicht gewoben, unglaublich nobel und trotzdem nicht piekfein. Das ölige ist inzwischen cremig, Jasmin und Maiglöckchen weniger dominant. Die laute Wuchtbrumme entwickelt sich zu einer zarten eleganten Freundin mit sehr viel Tiefe. Die cremig-hölzerne Basis ist eine sanfte freundschaftliche Umarmung. Wir passen einfach gut zusammen. Egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit, Ubar riecht immer zuverlässig gleich an mir. Und genau das schätze ich so an ihr.

To make a long story short: Die Abfüllung war bald Geschichte. Ein Flakon zog ein. Ubar und ich sind inzwischen Freundinnen. Wir sehen uns manchmal monatelang nicht. Aber es reicht uns völlig aus, von der Existenz des anderen zu wissen. Wir kennen uns eben inzwischen sehr gut und können uns blind aufeinander verlassen. Und wenn wir uns treffen ist es immer eine große Freude und Vertrautheit.

Schön, dass es dich gibt.

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Parma vor 4 Tagen
22 Auszeichnungen
Creeds Saubermann
Was für ein Name für einen Duft! Für alle, die frische Düfte lieben, klingt das wahrscheinlich nach der ultimativen Erfüllung aller Träume. Klar, rein, frisch, natürlich, erfrischend, zurückhaltend. Da ich frischen Düften sehr zugeneigt bin, war ich gespannt, in wieweit er diese Erwartungen erfüllen konnte.

Duftverlauf.
Silver Mountain Water startet schön frisch mit einer sehr natürlichen, aber auch zurückhaltenden grünzitrischen, herben Bergamottenote, die recht zügig von einer fluffigen, leicht seifigsauberen, Moschusnote unterfüttert wird. Beide Bestandteile sind auf meiner Haut über den gesamten Verlauf die klar bestimmenden Protagonisten. Die Herbheit der Bergamotte wird in diesem Duft durch den Moschus deutlich abgeschwächt, ist aber doch gut vernehmbar, sodass er noch einen ausreichenden „Charakter“ behält. Die angegebene Fruchtnote (aus der Knospe!) kommt auf meiner Haut nur sehr gedimmt durch (leicht beerig), fügt sich dadurch aber auch angenehm in den sehr zurückhaltenden Charakter des Duftes ein. Eine leicht frischblumige und dezent holzige Nuance (Neroli, Sandelholz), die toll mit dem Moschus zusammenwirken, fließen ebenfalls mit ein.

Im Verlauf nimmt die seifigsaubere Moschusnote deutlich zu und verleiht dem Duft eine sehr gepflegte, grünweiße Ausstrahlung, die von der Tendenz her in vielen frischen Creed-Düften zu finden ist.
Dabei ist Silver Mountain Water insgesamt ein sehr zurückhaltender Vertreter, der die eigene Erscheinung lediglich dezent unterstreicht. Mich erinnert dieser sehr saubere Bergamotteduft in seiner Leichtigkeit - fast Durchlässigkeit - seiner Zurückhaltung und der leicht angeherbten Reinheit u.a. an den ein Jahr früher erschienenen Klassiker „CK One“, wobei der Calvin Klein Duft eher leger und deutlich blumiger daherkommt und der Creed eine understatete Eleganz ausstrahlt. Der Calvin Klein-Duft dürfte mit seinem durchschlagenden Erfolg Creed eventuell zu SMW inspiriert haben.
Ich hatte aber auch schon die Rückmeldung, dass der SMW etwas billig riecht. Diesen Eindruck hatte ich bei den allerersten Test auch, allerdings ist es mir dann wie bei einigen anderen Creed-Düften ergangen, dass sich diese Wahrnehmung nach einer „Eintragzeit“ gelegt hat und der qualitative Unterschied z.B. zum CK One (dieser ist etwas zitrischer, v.a. blumiger, etwas weniger moschuslastig und synthetischer) oder auch zum Dupe „Silver“ von Al Rehab deutlich ist (SMW ist frischer und natürlicher, der Silver ist potenter und herber).

Manchmal ist mir der sehr saubere Moschus allerdings etwas zu viel, weshalb SMW für mich den spritzigen, erfrischenden Teil eines Fresh Scents nur zu Beginn voll erfüllt. Alle anderen der oben genannten Merkmale bedient er aber richtig gut.

Haltbarkeit und Sillage:
Beides ist sehr überschaubar. Auf meiner Haut nehme ich ihn etwa 4 Stunden wahr, wobei er nach einer Stunde schon viel von seiner „Präsenz“ einbüßt. Die Sillage fällt sehr moderat aus. In meinen Augen ist es schon kurz nach Beginn ein Skinduft. Auf der Kleidung hält er sich allerdings über Tage erstaunlich lange in gleichbleibender Qualität und dabei präsent, was ich so bei frischen und leichten Düften eher selten erlebe.

Einsetzbarkeit:
Aufgrund seines frischen, sauberen und sehr zurückhaltenden Charakters kann er im Grunde immer getragen werden. Man wird damit nicht negativ auffallen, aber auch nicht besonders wahrgenommen. Er passt, wie oben beschrieben, aufgrund seiner legeren Eleganz eher zu etwas formelleren Anlässen, aber auch als Büroduft ist er hervorragend geeignet. Er unterstreicht ein gepflegtes Äußeres sehr subtil und ist neben den v.a. wärmeren Monaten auch ganzjährig gut tragbar, da der Moschus schon ordentlich Unterfütterung bietet. Für mich ist er durch die leicht grüne Herbheit etwas mehr auf der männlichen Seite verortet, aber auch hervorragend von Frauen tragbar, die etwas herbere Düfte bevorzugen.

Fazit:
Mit Silver Mountain Water ist Creed ein sehr zurückhaltender, leger eleganter, zeitloser, frischsauberer Bergamotte-/Moschusduft gelungen, der für mich ein Skinduft ist und eine gepflegte Erscheinung subtil unterstreicht. Wem Green Irish Tweed zu traditionell, Millesime Imperial zu herb und Aventus zu laut ist, sollte sich diesen angenehmen Saubermann mal näher ansehen.

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