Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Yatagan vor 7 Tagen
29 Auszeichnungen
Barfuß durch die Glut
Unkommentierte Düfte No. 112

Ruth Mastenbroek macht es uns wirklich nicht leicht. Ihre Düfte zeichnen sich durch widerstreitende, zuweilen extrem sperrige Duftkombinationen aus. Erstmals fiel mir das bei ihrem Signature-Scent "RM" (von 2010) auf. Die Kombination aus Ananas, Cassis, Jasmin und Patchouli setzt harte Nerven bei Träger/in und seiner resp. ihrer Umwelt voraus. Auch "Amorosa" (2012) gehört nicht gerade zu den unkomplizierten Alltagsdüften, mischt sich doch eine geradezu metallische Herznote in die wuchtige Frucht-Blüten-Kombination. Ihr erster auch für Herren leichter tragbarer Duft, "Oxford" (2015), wirkt zunächst vergleichsweise angepasst, strengt dann aber Träger (oder Trägerin) mit einer Kombination aus intensiv grünen (Galbanum und Gewürze) und floralen Noten nachhaltig an, zumal auch hier eine metallisch wirkende Grundierung ergänzt wurde. Diese Kurzbeschreibungen sollen Interessierte keinesfalls abschrecken, denn die Düfte punkten allemal mit eigenwillig britischen und gewagt originellen Kompositionen - weitab vom traditionellen Mainstream des Kontinents. Das ist mir grundsätzlich schon mal sympathisch.

Firedance reiht sich als neuester Duft von Ruth Mastenbroek in diese britisch eigenwillige Tradition ein, kombiniert wiederum schwer Kombinierbares und ergänzt dabei noch eine dezent animalische Rauchnote, die dem Duft einen verhalten innovativen Charakter verleiht. Was bei RM, Amorosa und Oxford für einige vielleicht nach missglückter Mixtur roch, wirkt hier wie eine bewusst in Kauf genommene Provokation im Rahmen einer gemäßigten Avantgarde. Deutlich erkennbar im Mittelpunkt steht eine seifige Rose, Sinnbild englischer Parfum-Tradition. Von Anfang an begleitet wird diese pudrig florale Note von der bereits erwähnten Rauchnote, die an Räucherwaren aus dem Ofen (Stichwort Schinken) erinnert. Dabei bleibt diese rauchige Note eher dezent, drängt sich nicht so stark in den Vordergrund wie bei den Düften von Beaufort, ist also auch für Vegetarier wie mich noch gut erträglich.
Darüber hinaus ist in der Kopfnote die angegebenen Frucht, in der Basisnote recht deutlich Patchouli erkennbar.

Besonders originell wirkt der Duft vor allem auch deshalb, weil er sich bei mir auf Haut und Duftstreifen bei drei mit zeitlichem Abstand vorgenommenen Tests jeweils anders und neu entwickelte: einmal stand die Räuchernote klar im Vordergrund, dann dominierte die seifige Rose stärker, ein anderes Mal erschien mir Patchouli viel deutlicher wahrnehmbar als bei den vorausgegangenen Tests. Die fruchtige Kopfnoten roch ich anfangs stark, beim letzten Test dagegen kaum noch. Eine solche Variationsbreite bei Tests ist mir selten an einem Duft aufgefallen. Das mag an der letztlich wirklich sperrigen Kombination von Inhaltsstoffen liegen, die einen Blindkauf keinesfalls ratsam erscheinen lassen.
Zu ergänzen wäre, dass auch in diesem Duft die allzu häufig gerochene Kombination aus Oud und Rose enthalten ist, hier jedoch in einer ganz anderen und neuen Weise eingebunden wurde.

Wer Freude an originellen Düften hat, die nicht im engeren Sinne zur Avantgarde gehören, von Träger oder Trägerin aber eine gewisse Eingewöhnung verlangen, dem seien die Düfte von Ruth Mastenbroek empfohlen, insbesondere die neueste Kreation "Firedance".

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Angelliese vor 5 Tagen
26 Auszeichnungen
Für Manfred Mann bin ich noch am überlegen.


Es ist kurz vor halb sechs in der Früh. Ich sitze im Büro und habe mir gerade einen Tasse Kaffee geholt. Telefon. Ok, die Kollegen auf der anderen Seite der Welt vielleicht. - Nein, der beste Ehemann von allen.

„Weißt du wer auf Tour ist?“
„Nö, aber gleich ....“
„Jane“
„Ne nich .....“
„Und, was meinste?“
„Ja, klar! Auf jeden Fall!“
„Hab ich mir gedacht. Umarmung und Kuss!“

Sauber! Jane. Die höre ich heute noch liebend gern.

Irgendwann steckt mein Lieblingskollege seinen Kopf durch die Tür. Kurz berichtet, aus dem Netz „All My Friends“ abgerufen und den besten Ehemann von allen angerufen. Wir brauchen vier Karten.

Auf den Abend freu ich mich tierisch und ich weiß auch schon genau welcher Duft dabei sein wird. „La Nuit“. Den habe ich damals mehr als geschleppt und nun hatte ich vor einiger Zeit das große Glück die EDP Variante ins Regal stellen zu können. Ne, stimmt nicht, der steht mit den alten anderen Schätzchen im Kühlschrank. Egal, der soll es jedenfalls ein.

Auch wenn der Duft leicht zitrisch unterlegt startet. Hell ist er deshalb nicht. Die sofort aufwabernde weichwürzige Note dimmt ihn auf Zwielichtniveau ab. Zugleich ist eine aromapikante Nuance dabei die schon mal etwas Kante gibt und die Richtung anweist. Süßliches Hintergrundrauschen und seichtfein hauchharzige Klänge schweben ebenso im Duft wie eine herbweiche Ahnung.

Schon im ersten Verlauf vibriert der Duft leicht auf meiner Haut, hat er Tiefe und eine ganz eigene, unverkennbar kraftvoll charaktervolle Aura.

Florale Akkorde machen sich bemerkbar. Rosenblütenblätter, dunkel und samtig. Ein paar kleinstbestachelte Stiele. Wie eingestreut in den Duftverlauf. Sie haben ebenso wenig eine Chance sich in Szene zu setzen wie der zartwüchsige Jasmin. Sie sind da, zusammen mit einer softfruchtigen Ahnung. Sie sind nicht nur stumme Statisten aber sie sind trotzdem keine Floralfanfaren. Sie singen nicht, sie simmern. Bringen noch mehr Tiefe, einen warmen Hauch und sind umfangen von dieser würzigen Melange die sich mit ihrem vibrierend sinnlichen Timbre immer fließender entwickelt und dabei gleichzeitig seit einiger Zeit von sich immer weiter einarbeitend moosigen Elemente angeraut und gekonnt abgekantet wird.

Holzige Attitüden und erdig unterschwellige Berührung. Dazu erscheint schemenhaft ein rauchweiches Leder. Nicht dominant, eher wie eine Impression die sich in Bodennähe manifestiert und permanent einen zarten Halbton in den Duft sendet. Vor einiger Zeit lief sie vorbei, die Katze. Hat ein paar Tröpfchen verloren und nun machen die sich bemerkbar. Ein animalisches Schnurren durchzieht nun „La Nuit“. Nicht exorbitant. Eher atemtief sich integrierend und zusammen mit der ledrigen Impression gibt es dem Duft damit den entscheidenden Touch.

Ein ganz eigen markanter Charakter und starke Persönlichkeit. Vielleicht ein wenig exzentrisch erscheint mir dieser Fluss der nicht nur mit würzwarm angeledert süßlich blumigen Noten lockt, sondern dabei zugleich elegant lässig kraftvoll und mit einer lasziven Ahnung ganz geschmeidig aus der Hüfte kommt.

Jane und „La Nuit“. Für Manfred Mann bin ich noch am überlegen.

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Meggi vor 7 Tagen
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Klingt lustig
Ein preisgekrönter Duft ist ‚Eau de Céleri‘ – so zumindest berichtet die Hersteller-Webseite und führt zudem mehrere lobende Presse-Zitate an. Ich tue mich mit dem Duft allerdings schwer.

Zunächst ist es einfach frisch und grün. Koriander zeigt seine zitrischen Aspekte. Nach ein paar Minuten geht es via Fenchel-Schiene für eine Weile etwas typischer in Richtung Sellerie. Gleichwohl hätte ich primär auf einen Vetiver-Duft getippt, eher trocken-holzig als aromatisch. Binnen weniger Minuten nimmt er sogar eine bittere oder stichige Note an – wie von halb kompostiertem Grünzeug. Wirklich böse bin ich deshalb nicht, als ‚Eau de Céleri‘ sich bereits im Laufe des Vormittags in Hautnähe zurückzieht. Eine fahle Würze schwebt heran, doch sie vermag nicht, dem dünnen Holz einen Hauch von Verbindlichkeit zu geben.

Das gelingt erst gegen Mittag. Ich denke, nun ist Vetiver im Verein mit ordentlich Iso am Werk und die Angelegenheit kommt gefälliger daher, nicht mehr so kratzig-trocken. Später mag ein bisschen Moschus abrundend beteiligt sein. Nach ganz hinten raus vermute ich auch noch anderweitige laborielle Nachhilfe in Sachen Holz. Gähn.

Fazit: Ich hatte schon den einen oder anderen Duft mit offensiverem Einsatz von Sellerie vor der Nase, wenngleich vielleicht partiell getarnt als der botanisch wie geruchlich nahe Fenchel: ‚Onice‘ von Omnia Profumi oder ‚Murmure des Dieux‘ von Une Nuit Nomade fallen mir spontan ein. Da sich außerdem „Sellerie“ in unserem Kontext ohnehin um Längen schräger anhört, als er tatsächlich riecht, kann der heutige Kandidat leider nicht groß punkten.

Na ja, wenigstens klingt er lustig.

Ich bedanke mich bei Kovex für die Probe.

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Meggi vor 4 Tagen
23 Auszeichnungen
Zarte Hilfe
Nur kurz verwirrt mich ein Gedanke an Kompost, ehe sich rasch ein moosig-schaumiger Untergrund der feineren Art ausrollt – er wird sich als Konstante und Leitmotiv des Duftes entpuppen. Eine päonien-gestützte Rose mit Zitrus-Nachhilfe wird allmählich durch eine diffuse, florale Süße ersetzt. Für den mehrfachen Hinweis auf Maiglöckchen bin ich dankbar, ich hätte lange gerätselt: ein Flieder-Fragment? Honig von allerlei Blüten?

Der späte Vormittag liefert – neben unserem verlässlichen Moos, versteht sich - einerseits einen warm-cremigen Anflug, andererseits eine Päonien-Reminiszenz, die ihren benzinigen Part gut im Griff hat und stattdessen mehr auf Rose und Frucht setzt. Schon ab dem frühen Nachmittag konzentriert sich der Duft allerdings ganz überwiegend auf mildes, unaufgeregtes Moos. Ein Hauch von Erdigkeit verweist auf Patchouli.

Aber stets und bis zum Ende schwebt darüber eine sanfte Floralität. Und jene zarte Hilfe grenzt den Duft trotz seines sozusagen klassischen Kostüms von den wuchtigen Altvorderen ab.

Fazit: ‚Dupont Circle‘ verbindet eine behagliche, moosige Grundstimmung mit einem Tupfer elegant-floraler Leichtigkeit. Das Ergebnis
a) macht Spaß,
b) ist einschränkungslos unisex und
c) bietet einen (im besten Sinne!) rundum passenden Begleiter, der dennoch allen Interessierten hinreichend Abwechslung zeigt. Den Übrigen drängt er sich nicht auf.

Ich bedanke mich bei Kovex für die Probe.

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Can777 vor 3 Tagen
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Chinatown
Jetzt war ich hier,obwohl ich es erst gar nicht wollte. Eine Geschäftsreise nach New York zu einer Schulung. Dieser Abend fiel unter „Freizeit“. Unser Touristenführer hatte uns für diesen besonderen Abend etwas sehr „entspannendes“ versprochen. Wir befanden uns in Manhattan-Chinatown. Es war eine Lounge mit den Namen -The Jasmine-Dragon- ein sehr angesagter Nightclub. Ohne persönliche Fürsprache gab es keinen Einlass! Die Lounge wurde geführt von einer gut aussehenden Asiatin mit dem Namen...Miss Zuì.

-Sie nehmen..es seien Geschenk des Hauses. Sie machen sehr,sehr schöne Träume. Sie mir vertrauen können!-. Das waren die Worte von Miss Zuì als sie mir diese dampfende Pfeife in die Hand gab...es war eine Opiumpfeife. Der Grund warum hier jeder so...entspannt...war!
OK! Die Neugier siegte. Ich nahm den ersten Zug aus der Pfeife und wartete ab was wohl mit mir passieren würde. Abflug!

Ich fühlte mich schwer,sehr schwer. Alles um mich herum versank in dichten Rauch der Pfeife. Die Bewegungen der anderen Gäste verlangsamten sich,einschließlich der von Miss Zuì. Der erste Zug aus der Pfeife schmeckte holzig-bitter mit einem leichten Unterton aus benzinlastigen Akkorden. Zug um Zug wurde mein Körper schwerer und schwerer. Eine sehr angenehme Wärme überkam mich. Es fühlte sich an als würden meine Gliedmaßen mit heißen Harzen übergossen. Ich hatte das Gefühl meine Haut würde goldig und amberfarben zu leuchten beginnen,wie die Luft um mich herum. Süß und würzig war der Tabakgeschmack auf meiner Zunge und in der Luft. Wie in Zeitlupe schritt Miss Zuì an mir vorüber. Auf dem blanken Rücken ihres weit ausgeschnittenen und rückenfreien Kleides war ein riesiger Drachen tätowiert,der mit Jasminblüten verziert war. Sie drehte sich zu mir um und blickte mit einem Augenzwinkern über ihre Schulter. Aber was war das? Es schien so als würden sich alle Jasminblüten auf ihren Rücken nacheinander langsam öffnen und den Raum mit ihren Duft erfüllen. Selbst der Drachen wand sich in sanften Bewegungen auf ihrer Haut. Wie wunderschön!

Am nächsten Morgen wachte ich in meinen Hotelzimmer auf. Meine Kleidung roch immer noch holzig-würzig nach Rauch. Auf meinen Kopfkissen neben mir lag ein Wörterbuch mit chinesischen Übersetzungen. Eine Seite war markiert. Ich öffnete es und las......Zuì...ist die Bedeutung für...Rausch!

Ryder ist ein Rausch. Ein süßlich-würziger Weihrauch und Amber-Rausch. Warm und weich wie eine zweite Haut aus warmen Harzen legt er sich auf die Seele und den Körper. Er ist wie eine flüssige Suggestion aus schönen Gedanken und Gefühlen. Stark und betäubend zu Beginn aber immer weicher und fließender im Übergang zu seinen Noten und Akkorden. Ein Duft zum wohlfühlen mit sich selbst oder mit wem auch immer. Ein schönes Gefühl für jedermann. Egal ob Frau oder Mann.
Ryder tut beiden gut. Ein wunderbar duftendes Narkotikum. Ich bin berauscht!

Übrigens ist die Geschichte frei erfunden. Oder glaubt etwa wirklich jemand das ich wüsste wie eine Opiumpfeife wirkt oder duftet.
Ich...niemals!

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loewenherz vor 3 Tagen
18 Auszeichnungen
Das Herzzerreißende der Dinge
Ich weiß ja, dass es - hier und anderswo - viele Parfumfreundinnen und -freunde gibt, die kräftige, ausdauernde - sagen wir allgemein: 'performante' Düfte mögen. Da lese ich dann Klagen, 'dass nach vier Stunden kaum noch was zu riechen war' oder 'dass die Kollegin gegenüber gar nicht bemerkt hat, dass man überhaupt ein Parfum trage'. Ich hege durchaus keine grundsätzliche Abneigung gegen solche Wuchtbrummen, wie hier offenbar allgemein gefordert - wenn denn das Voluminöse und das Ausdauernde zur Wesensart des Duftes passen. Und freue mich aber anderseits auch sehr an - meinen und solchen, die vielleicht mal meine werden könnten - stillen Düften, die kaum zwei Stunden wahrzunehmen sind. Und wenn es zwei schöne Stunden waren, tut es mir kein bisschen Leid.

Diptyques Eau de Lierre ist nachgerade der Archetyp eines solchen Parfums: flüchtig und scheu und doch mit einer Lebhaftigkeit darin, die an das Schlagen von Schmetterlingsflügeln erinnert - kaum intensiv genug, um beschreiben zu können, woran man sich erinnert - und doch erinnert man sich dran. Da ist eine zartgraugrüne Zärtlichkeit, darin ein Hauch Gebrochenweiß oder Blassrosa, der an den Duft von Erbsenblüten erinnert und eine hautnahe Bräunlichkeit in der matten Schattierung von gebrannter Umbra. Und dennoch sind hier Freundlichkeit und Heiterkeit, ist hier die feine Poesie von Sternenblumen, die im Schatten blühen - melancholisch und doch wunderbar in all der Kurzlebigkeit ihres Seins. Eau de Lierre berührt - wenn man sich denn berühren lassen will.

Fazit: im Japanischen gibt es ein eigenes Wort für die Melancholie des Vergänglichen: 'Mono no aware', auf deutsch eben 'Das Herzzerreißende der Dinge' - etwas Schönes, das aus eben dieser Vergänglichkeit und Endlichkeit seine Schönheit schöpft, das den Verlust von etwas Kostbarem bedauert und ihn doch als einen Teil des Seins erkennt. Wie Kirschblüten, die nach wenigen Tagen schon wie ein leuchtender rosafarbener Regen im Frühlingswind verwehen. Wie ein Rotkehlchen mit wehem Flügel, das dem Schwarm nicht nachfolgen konnte und in der Novembersonne sitzend nie wieder fortfliegen wird. Wie Eau de Lierre, der flüchtig wie die Erinnerung nach kaum zwei Stunden voll sanfter Traurigkeit verweht. Und doch berührt so wie ein Streicheln - wenn man ihn lässt.

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Pluto vor 2 Tagen
16 Auszeichnungen
Anwendungshinweise: Nicht unter den Achseln auftragen....
Quorum – kürzlich stach mir in der Stadt ein Flakon ins Auge und ich musste schmunzeln, weil mir eine kleine Anekdote dazu einfiel. Jeden Mittwoch gingen meine Eltern nach Geschäftsschluss in ihrem Stammlokal essen und ich ging öfters mit. Ich war schon zu Hause ausgezogen, blieb aber unserem Stadtteil treu. Und als Berufsanfänger mit kleinem Einkommen genoss ich es, zum Essen eingeladen zu werden. Eines Mittwochs saß ich mit meiner Mutter in der Küche, wir warteten ungeduldig auf meinen Vater, er war erst spät nach Hause gekommen und wollte sich frischmachen. Endlich klappte die Badezimmertüre und wir hörten ihn ins Schlafzimmer marschieren. Dann folgte „... Mist, verdammter, das brennt wie Hölle….“ Schließlich kam er ins Zimmer, knöpfte sich sein Hemd zu. „Was brennt?“ „Meine Achseln, ganz rot.“ Da das Deo nicht auf Anhieb griffbereit war, hatte er sich auf der „Herrenseite“ des Badregals den Flakon Quorum gegriffen, rasch unter den Achseln verteilt…der Rest ist Geschichte. Meine Mutter lachte Tränen, ..“das ist doch kein Deo, sondern Parfüm..“ Die ganze Damenwelt schwärmte damals von Quorum und sie hatte es für meinen Vater gekauft, der es wohl beharrlich ignorierte. Nun, Vaters Generation war Kernseife gewohnt, mit Rasierwasser und Deo hatte man sich angefreundet, aber Parfüm….was für Weicheier. Wir gingen trotzdem essen.

Da ich mich gar nicht mehr an den Duft von Quorum erinnern konnte, verteilte ich einen kleinen Sprüher auf’s Handgelenk. Würzig, eher krautig und tiefgrün ist der Auftakt. Recht rasch kommt Seife ins Spiel, frisch und bitterherb, und feuchte, dunkle Erde, garniert mit ordentlich Leder, Moos und Rauch. Quorum ist kerlig und schnörkellos, tragen würd ich den auch, zumindest an Tagen, wo ich als Frau ausstrahlen möchte: MIT MIR SO NICHT! Haltbarkeit und Sillage bewegen sich im guten bis mittleren Bereich, ich könnte mir vorstellen, dass diese früher noch besser waren. Quorum spielt in der Liga von Jacomo und Jaguar classic (der grüne) und ist ein prima Begleiter im Herbst. Und ja, er ist altmodisch – aber richtig gut. Ist euch auch schon aufgefallen, sagt man oldschool oder klassisch wird das eher positiv aufgenommen, altmodisch = bäh…

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FabianO vor 44 Stunden
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Asterix´ 2.0-Wikinger in karibischen Fahrwässern - eigenartig gestaltetes Zitrus-Pfeffer-Stumpfholz-Werk
Ja, die vielfach unten formulierten Enttäuschungsergüsse möchte ich nahtlos fortsetzen - allerdings bin ich bei Creed auch mittlerweile seit einigen Jahren vor zu großen Erwartungshaltungen gefeit.

100 ml = 280 Euro- langsam werden sie wirklich unverschämt. Und wofür? Nein, wenngleich ich von "Viking" trotz des Hypes qualitativ nicht viel im Vorfeld erwartet hatte - zumindest stilistisch dachte ich in eine ganz andere Richtung.

Vielleicht etwas, das eine nordisch noble (um Grönemeyers wunderbare Sprachkreation mal wieder hochzuhalten) Gesinnung hätte haben können. Kühl, vielleicht leicht animalisch im besten Fell-Met-Hörner-Suff-Sinne.

Hier nun hat sich das Wikingerschiff verirrt. Sicher, sie kreuzten mal in zumindest spanischen oder italienischen Gefilden. Aber das hier riecht nach schlecht abgemischter Karibik. Man muss schon an die wirklich miserabel gewordenen Asterix-Comics denken, die in den letzten Jahren immer mehr seelenlosen Mummenschanz verbreiten oder halbgare Stories servieren. Da wären wohl mittlerweile auch Wikinger blumenbekränzt und aloha-summend denkbar.

Nein, das hier geht gar nicht. Eine eher stechend geratene Zitrone eröffnet "Viking", einem kreuzenden Schwert gleich (immerhin das....) drischt ein komplett unausgewogener, fast scharfer Pfeffer auf die Zitrone ein.
Eine unsauber geschnittene, unecht wirkende Minze komlettiert diesen Schmu-Reigen. Riecht nach Labor, leider - und das für diesen monströsen Preis!

Die Basis bietet einem leider auch nichts Besseres. Recht kakophon durchdringt diese auslandend zitrisch-säuerlich-stechpfeffrig-synthiminzige Auftaktmischung eine herb-stumpfe Sandelholznote, begleitet von einer verkratzten Patchouligrundierung.

Ganz, ganz minderwertige Konstruktion, ähnlich enttäuscht hat mich zuletzt in dieser Audi-A8-Preisklasse der Düfte Amouage mit seiner verrottenden, muffig-schweißigen Strandhütte "Beacht Hut Man". Kaum zu sagen, was schlimmer ist. Hätte Creed wenigstens die armen, wilden Wikinger namentlich verschont. "Carribean Nightmare" könnte man eher dafür verbraten..

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Meggi vor 42 Stunden
16 Auszeichnungen
Mit aller Gewalt auf den Holzweg
Mit diversen Varianten mehr oder weniger offensiven Kunstholzes stehe ich auf Kriegsfuß, un-schmeichelhaftes Vokabular inklusive. „Bananig“ und „Kokosnuss-Schalen-Abrieb“ sind zwei meiner Begriffe dazu - und blöderweise kommen beide heute zum Einsatz.

Vom Start weg sind meine Widersacher präsent und ärgern das Veilchen mit ebenbürtiger Ausdauer. Das sanfte Gewürz, das eher die ihm immanente Bitterkeit liefert als echtes Aroma, kriegt auch einen übergebraten und zwar – Stichwort „bananiges Kunstholz“ – wie folgt: Statt an Gewürznelke denke ich an das schwarze, bittere Ende der Banane; die enthält nämlich gleichfalls Eugenol. Ein Hauch von fruchtiger Rose wird kurzerhand in eine Sperrholz-Kiste gestopft.

Aber vor allem kommt es mir vor, als sei per Kunstholz eine Kokos-Nachahmung versucht worden. Ich weiß nicht, ob sich Kokos „einfach so“ in Düfte packen lässt, insofern mag das als Handwerksstück eine tolle Sache sein. Bloß leider werde ich persönlich, obwohl es sozusagen objektiv vermutlich gar nicht derart stark nach Holz riecht, davon gewissermaßen mit aller Gewalt auf den Holzweg gezerrt.

Besserung gibt’s nicht. Obstige Anwandlungen, eine Spur süßlich-würzigen Rauches an der Schwelle zum Cremigen, vielleicht ein wackeres Holz-aus-der-Patchouli-Ecke-Wagnis… Egal - alles wird baumarktlich syntötet und eingesargt. Das Ergebnis ist zu keiner Zeit untragbar, versteht sich, ohnehin ist der Duft relativ still. Er nervt mich trotzdem.

Ipanema Posto Nove? Posto Nove… Aaaaaaah: „Neue Post“! Anscheinend gibt es auch in Rio eine Klatsch-Postille, in der immer dieselben ollen Kamellen stets aufs Neue verbraten werden. Und hier halt olle Hölzer.

Mir ist natürlich klar, dass ich Frau Michaud großes Unrecht tun mag und keineswegs rate ich von einem Test ab.

Ich bedanke mich bei Kovex für die Probe.

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Blauemaus vor 2 Tagen
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Stosslüften bringt auch nichts
Lange schon möchte ich diesen Klassiker von Dior testen - und nun bin ich froh, dass das unterwegs nie der Fall war. Denn Zuhause gibt es Wasser und Seife. Undenkbar, mit diesem Duftgeschwader es bis nach Hause schaffen zu müssen. Statt dessen habe ich ihn in Ruhe zu Hause testen können und versuche nun, der Duftglocke, die schwer im Haus liegt, mit einer ausgiebigen Stosslüftung Herrin zu werden. Und draussen stürmt und regnet es bei 3 C! *bibber*

Ich wil Pure Poison keineswegs verreissen. Nein, so schlecht ist er nun wirklich nicht. Er erinnert mich an das wesentlich dezentere Style by Night von Betty Barclay, wovon ich noch irgendwo einen Restflakon haben muss. Von dem habe ich auch keine Kopfschmerzen bekommt, von dem Dior hingegen schon. Ich muss mich mal auf die Suche machen, den habe ich lange Zeit oft und gerne getragen. Und problemlos vertragen, sogar das eine oder andere Duftkompliment dafür bekommen.

Pure Poison hingegen ist einfach von allem zu viel und kommt komplett überladen daher. Weissblüher en masse, Neroli en masse - keine Ahnung, was alles noch. Aber auf alle Fälle en masse. Nase und Kopf quittieren den Dienst - die Quittung hierfür bekomme ich als dröhnende Kopfschmerzen. Ich hoffe, den nirgends riechen zu müssen, bisher hatte ich da Glück.

Ich bin froh, mir Pure Poison nicht blind bestellt zu haben. Mehr als einmal hat der Bestellfinger gezuckt, die Kommentare und Duftnoten lesen sich ja schön. Von einem Blindkauf kann ich jedoch nur warnen - bei mir wäre er schiefgegangen... Ich gehe dann mal die Fensterbank trocken wischen. Der Duft hängt immer noch schwer im Raum, das dauert, bis er restlos verduftet ist. Unbekannte Düfte werde ich künftig einfach ausser Haus aufsprühen, sicher ist sicher. ;-)

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