Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Schoork vor 7 Tagen
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Fanpost
Liebe Annette,
dank der lieben 0815abc habe ich das Vergnügen gehabt diesen Duft kennen zu lernen und darf nun darüber schreiben. Liebe 0815abc, vielen Dank und fühl dich gedrückt.

Nun ist es so, das es ausgerechnet bei diesem Duft nur 3 Kommentare gibt, diese auch noch von 3 meiner Kommentarhelden geschrieben wurden, die Düfte in Worte beschreiben können, wie ich es nie könnte. Drum habe ich nachgedacht und mir ist eingefallen, dass du mir in der Vergangenheit auch mal liebes Feedback gegeben hattest, auf Kommentare von mir. Da mich dies sehr gefreut hatte, hoffe ich du freust dich ebenfalls, wenn ich dich direkt anschreibe.
Nur was soll ich dir noch zu deiner Kreation sagen, wenn die Jungs hier unter mir derart kreativ zu Werke gegangen sind? Ich bin kein Freund der Poesie und wenn doch wird es bei mir schnell ironisch so ala " nu fliegt die Magd gen Stern empur, rutscht auf dem Teppich aus im Flur" So in etwa halt.

Zunächst möchte ich dir sagen, das mir dieser Duft sehr gut gefallen hat, obwohl ich jetzt nicht unbedingt ein Fan von Amber/Ambra bin, geschweige denn Oud, was ich leicht dosiert mag, aber auch nicht im vollen Umfang. Dafür mag ich Tabak sehr gern, Labdanum finde ich wunderbar balsamisch schön und Sandelholz sehr angenehm. Auch Kardamom und Iris weiß ich sehr zu schätzen.

Dein Duft ist warm, startet würzig Süß in meiner Nase und es funkeln leichte Früchte zunächst in meiner Nase. Ich nehme an Ingwer und Orange. Es dauert nicht lange bis sich Amber breit macht, gepaart mit Tabak, doch kein Sishasüßes Kraut, sondern dunkle Blätter.
Ich muss dir sagen, dass dies jetzt im Herbst/Winter ziemlich gut passt. Ich sage Herbst, weil wir ja hier wo ich wohne aktuell keinen Winter haben. Das Wetter ist herbstlich, regnerisch und windig.
Später dann kann ich Oud erkennen, es schwingt im Hintergrund mit und gibt dem ganzen ein holziges Fundament. Patchouli nehme ich auch wahr und jetzt wirst du schmunzeln...es "erdet" den Duft ein wenig.

Ich kann nicht alles herausriechen und ich glaube, das ist auch nicht der Sinn und Zweck eines Parfums. Ich denke das ein Duft ein Gefühl herstellen soll, meinetwegen auch ein Bild oder eine Szenerie, es muss insgesamt passen und ganz gleich was für Inhaltsstoffe drin sind. Deine Inhaltstoffe sind fernab jeglicher Synthetik, das kann man riechen, sogar jemand wie ich.
Dein Duft lässt mich wohlig zurück, ist angenehm zu tragen und hält sehr gut. Wie bereits erwähnt ist er wärmend und tatsächlich Unisex.
Er hat aber auch eine gewisse Kante, ist nicht so glatt wie typische Kuscheldüfte, was ich als Mann aber auch durchaus positiv sehe.
Nun habe ich ziemlich doll gelobhudelt, ich hoffe das ist nicht schlimm und klingt nicht zu schleimig.
Wenn ich etwas nicht kann und zwar so schreiben wie meine Vorredner, dann gebe ich das auch offen zu. Dann schreibe ich lieber, so wie es ist und versuche nicht krampfhaft einen auf Geschichtenerzähler, obwohl ich einer bin, jedoch eher in Richtung Quatsch Comedy Club.

Du hast hier sicher keinen Alltagsduft, keinen sogenannten Immergeher entwickelt, sondern etwas für spezielle Anlässe. Dies hast du kreiert und das ist aller Ehren wert.

Ich habe selbst sicher keine so gute Nase um selbst ein Duft zu kreieren, aber ich stelle mir das sehr spannend vor.
Es ist immer spannend, etwas zu erschaffen und die entsprechenden Reaktionen zu sehen, wenn man sein "Baby" vorstellt und ähnlich wie viele Kommentarkritiker hier, hat man überhaupt keine Ahnung wie viel Zeit und Mühe man investiert. Doch ich weiß das zu schätzen.

Du bist ein kreativer Mensch, machst ja auch Musik und auch wenn ich gestehen muss, das ich dem Jazz nicht so zugeneigt bin, schätze ich auch hier die Kreativität ein Instrument spielen zu können und auch Songs zu schreiben.
Ich spiele selbst ein bisschen Gitarre, meisten für mich, weil alle anderen fluchtartig den Raum verlassen, aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

Ich freue mich jedenfalls auf weitere Düfte von dir und diese zu entdecken.

Nun liebe Annette, ich hoffe du freust dich über diese kleine Fanpost und schaust bald mal wieder vorbei.
Bis dahin....

der Schoork

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Maxi3000 vor 7 Tagen
42 Auszeichnungen
Der Zeitgeist will es so
Zunächst eine wichtige Info vorweg: ich habe letzten Sommer meinen 30. Geburtstag gefeiert.
Ist deshalb relevant, da der folgende Kommentar vermutlich den Eindruck erweckt, ich wäre mindestens doppelt so alt. Oder dreifach. Wollte ich nochmal schnell loswerden.

Und nun gleich zum Outing: Ja, ich gehöre zu den Heulsusen, dich sich von Dior ans Bein gepisst fühlen, jetzt da die Franzosen einen ihrer modernen Meilensteine der Herrenparfumerie völlig entkernen und als quasi komplett neuen Duft auf den Markt bringen. Dass es die ursprüngliche Version zumindest noch vorläufig als "Dior Homme Original" gibt und die Intense und Parfum-Version des Duftes allen Anschein nach unangetastet bleiben, lässt darauf schließen, dass die Entscheidung auch im eigenen Hause umstritten gewesen sein könnte. Das letztere beiden Versionen (EdP und Parfum) früher oder später auch umgebaut werden halte ich nur für eine Frage der Zeit - eine Linie, in der das Eau de Toilette und Eau de Parfum überhaupt nicht zusammenpassen, wird auf Dauer schwer zu vermarkten sein. Scheint ja in einigen Parfumerien angesichts Diors Geschäftpolitik jetzt schon ein heilloses Durcheinander zu geben.

Der originale "Dior Homme" ist eine von mir nach wie vor heißgeliebte Parfum-Großtat: edel, opulent, etwas dandyhaft, und durch den von Iris gertragenen, legendär-pudrigen "Lippenstift-Akkord" auch immer ein Statement, vielleicht sogar eine kleine Provokation: gegen starre Definitionen, wie Männlichkeit auszusehen (und zu riechen) hat, gegen die Durchschnittlichkeit. Hier wurde kein verschämtes Versteckspiel mit Duschgel-, Deo-, oder Rasierschaum-Assoziationen gespielt - hier bekannte man sich als Mann eindeutig zum "Parfümiert-Sein". Bis heute finde ich das Konzept unglaublich cool und progressiv.

Wäre der neue "Homme" nun unter komplett neuem Namen erschienen, hätte ich über den Duft gar nicht viele Worte verloren. Aber auch so fällt die Zusammenfassung meines Dufteindrucks recht knapp aus: zitrisch-gepfeffert im Auftakt, ein paar sparsam maskulin-holzige Noten im Herz, umspielt mit etwas Iso E Super und Veitver, recht gute Haltbarkeit, sehr schnell abflachende Sillage.

Nicht schlecht gemacht, nicht zum Davonlaufen, sondern viel schlimmer: belanglos. Unscheinbar. Einfach nicht der Rede wert.

Es ärgert mich schon immer etwas, wie so eine Langeweile dann als "Immergeher", "Crowdpleaser" oder "versatile" (schlimmer Ausdruck) schöngeredet wird. (Oder besonders schlimm: "Büroduft" - als müsse man im Büro immer aalglatt sein und das Stromlinienförmig-Devote olfaktorisch auch noch unterstreichen.)
Das soll jetzt grundsätzlich nicht gegen diese Art von Düften gehen, die ja auch ihre Daseinberechtigung haben. Aber: möchte ich so ein Parfum haben, suche ich mich etwas in der Drogerie aus oder lege einen Zwanziger für einen Jil Sander oder Joop auf den Tisch. Für den Preis, den ein Premium-Hersteller wie Dior aufruft - 100ml von "Dior Homme" bekommt man auf der Dior-Website für 96 Euro - finde ich das Gebotene schlichtweg eine Unverschämtheit. Da hilft auch kein "Crowdpleaser" und kein "Immergeher" mehr. (Monsieur Demachy trifft unfreiwillig ins Schwarze, wenn er diese fade Banalität als "offene, absolute Einfachheit" beschönigt.)

Aber was rede ich - den meisten Leuten scheint es ohnehin entweder wurscht zu sein oder sogar gelegen zu kommen. Jedes Parfum ist auch ein Kind seiner Zeit. Dass Dior-Kreationen wie "Fahrenheit" oder eben das Ur-"Dior Homme" trotz aller Extravaganz Kassenschlager wurden, ist ja auch dem damaligen Zeitgeist geschuldet. "Dior Homme 2020" passt sehr gut in eine Zeit, in der jeder sein Leben "performen" will/muss, aber ja bitte im vorgegebenen Rahmen. Bloß nicht zu sehr aus der Reihe tanzen. Geht man durch die Einkaufsmeilen der Großstädte, sieht man superindividuelle Menschen die wie ein Ei dem Anderen gleichen. Markenklamotten sind wichtig, aber bitte nicht Unkonventionelles oder Ausgefallenes. Unscheinbare Sweatshirts, Basic-T-Shirts, Hosen im Jogging-Look, alles schluffig sitzend und ohne jeden Pfiff geschnitten, aber Hauptsache eines der Brand-Logos von Calvin Klein bis Gucci ist drauf.

Also Schluss mit dem Metro-Fummel und der ganzen neumodischen Exhaltiertheit! Das 2020er-Remake von "Dior Homme" fängt den aktuellen, politisch-gesellschaftlich wieder eher konventionell konnotierten Zeitgeist gekonnt ein und wird sich daher sehr sehr gut verkaufen. Riecht okay, fällt nicht unangenehm auf, ist von Dior - Safe, Bro.
Das kann man jetzt doof finden (wie ich), muss aber so zur Kenntnis genommen werden.

Dazu fällt mir als Musikinteressierter noch eine Dokumentation über Hi-NRG ein, die ich kürzlich im Fernsehen gesehen habe - jener synthiegetriebene Dance-Sound, der in den 80ern aus den Trümmern der irrelevant gewordenen Disco-Musik auferstand und zu Ende des gleichnamigen Jahrzehnts wieder in der Versenkung verschwand: plötzlich wollten alle Acid und House und die alten Epigonen verstanden die neue Sprache der Clubs und Diskotheken nicht mehr.
Peter Watermann (von Stock Aitken Watermann), der mit seinen Fließbandproduktionen zum kommerziellen Ausverkauf der Hi-NRG beitrug, dazu etwas ratlos im Interview über den damals neuen Sound: "Die haben nur noch einen Beat - keine Songs mehr, keine guten Melodien! Aber die treffen sich zu Zehntausenden auf einer Wiese und haben einen Riesenspaß. Die machen es richtig - und ich liege falsch."

Und auch ich liege vermutlich falsch. Der Zeitgeist will es so.

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Can777 vor 3 Tagen
38 Auszeichnungen
Die Sonnenfinsternis-L'éclipse solaire
Sonia Rykiel. Nein,sie mag wohl nicht eine der hübschesten,damaligen Designerinnen gewesen sein die die Welt der Mode prägte. Sie hatte die stechendsten und kältesten grau-grünen Augen die ich jemals gesehen hatte. Damals schon in Smoky-Eyes Look geschminkt. Ihr korallrot gefärbtes Haar sah immer aus wie nach einem Kampf mit einer Katze. Die Primärfarbe ihrer Kleidung war überwiegend schwarz. Meistens trug sie Kleider und lange Röcke. Auf den dünnen Lippen,dem meistens nur ein halbes Lächeln entglitt,prangte leuchtend,roter Lippenstift. Und ihr blasser Teint wirkte damals schon geisterhaft und nicht gerade gesund. Ihren persönlichen Look würde man heute als Black-Avantgarde bezeichnen in der Mode. Nein,sie war nicht die Hübscheste,aber sie war eine der charismatischsten,geheimnisvollsten und bemerkenswertesten Mode-Ikonen der 80er Jahre. Sie brachte die Strickmode auf die Laufstege dieser Welt und wurde mit ihren schwarz-weiss Kreationen weltweit berühmt. 1979 brachte sie ihren erstes,eigenes Parfum auf den Markt mit dem Namen 7e Sense. Ein Parfum in dessen feinen Maschen man sich schnell verstricken kann! Manchmal kommen wir einen Designer näher als es uns vielleicht lieb ist, in dem wir sein Parfum tragen. Manchmal schauen wir dadurch so tief in seine Seele,dass man meint man würde darin ertrinken. Aber manche Parfums trägt man nicht einfach so,man wird getragen. Oder wie im Fall von Sonia Rykiel‘s 7e Sense,einfach fortgetragen und umschlossen von abgrundtiefster,schützenster Dunkelheit!

7e Sense
Das Parfum beginnt anfänglich noch recht harmlos mit Unmengen von duftigen Aldehyden,aber das ändert sich alsbald. Übereifer Jasmin und diverse andere florale Noten aus Nelken und Narzissen treten empor. Fruchtige Noten schleichen sich ein. Eine leichte Süße schwingt zart mit. In diesem Fall ist es der reife Duft von Pfirsichen. Alle bisherigen Noten bewegen sich noch eine Zeit lang in luftigen Höhen,bis sie im wahrsten Sinne des Wortes herabgerissen werden ins Erdreich. Dunkle Töne von Patchouli kommen wie düstere Schatten herbei. Es riecht nach feuchter,warmer Erde und nach sanft,rauchigem Torf. Der Duft von dunkelsten,grün-braunen Moosen mischt sich mit bei und krautig-würzigen Korianderblättern. Alles wir untermalt von einem tiefen olfaktorischen,animalischen Grollen aus ledrigen Castoreum und säuerlichen Zibet. Vergleichbar mit einem Raubtier was drohend die Lefzen hebt und die Reißzähne zeigt und dem ein tief-warmes,drohendes oder wollüstiges Brummen entsteigt. Hier liegt wortwörtlich Gefahr in der Luft!

Fazit
Mit was vergleicht man 7e Sense am besten? Am besten vergleichbar ist 7e Sense mit einer Sonnenfinsternis. Das eigene Leuchten wird durch das Parfum verdunkelt wie durch einen Nebel aus geheimnisvoller,duftender Anti-Materie. Man wird förmlich verschluckt davon. Aber nicht ganz! Es bleibt eine zarte,leuchtende Umrandung der Persönlichkeit erhalten. Dies mag sich vielleicht schlimm anhören,ist es aber keineswegs. Durch diesen mächtigen Schatten der sich auf einen legt,fühlt man sich im Inneren sehr geborgen und beschützt. Ruhe,Stille und unglaubliche Kraft pulsieren im Zentrum der Finsternis. Man fühlt sich fast ein wenig unverwundbar! Was immer Sonia Rykiel mit ihrem Signaturduft sagen wollte,wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Mir kommt es so vor als hätte sie diesen Duft einzig und alleine gemacht um sich selbst zu schützen. Zu schützen vor dem was dort draußen lauert! Sie hat ein so feines,engmaschiges,schwarzes Netz aus melancholisch und düsteren Noten gestrickt,dass die zerbrechliche Seele dort hinter fast verschwindet. 7e Sense von Sonia Rykiel ist für mich persönlich gesprochen,wohl eines der schwermütigsten,geheimnisvollsten,tiefsinnigsten und unergründlichsten Parfums was mir seit sehr langer Zeit begegnet ist.

Und dass,...mag was heißen!

She's not crazy, she's different.
— Sonia Rykiel—

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SchatzSucher vor 40 Stunden
32 Auszeichnungen
Mogelpackung enttarnt
Vor kurzem habe ich einige Düfte von Dali Haute Parfumerie kennengelernt. Diese Düfte werden seit 2016 als exklusive Parfumlinie vom Unternehmen Cofinluxe vertrieben.
Cofinluxe mit Sitz in Paris wurde 1976 von Jean-Pierre Grivory gegründet, zunächst unter dem Namen Cofci, der 1985 dann in Cofinluxe geändert wurde.
Dieses Unternehmen lancierte u.a. Düfte mit Namen wie Taxi oder Watt. Diese sagten mir jetzt gar nichts. Und nachdem ich mal nachgeschaut habe, scheinen sie hier auch nicht allzu bekannt zu sein.
1983 wurde dann mit "Dali" der erste Duft unter Federführung von Salvador Dali veröffentlicht, zunächst noch in limitierter Auflage. Dieser Orientkracher war dann schon ziemlich bemerkenswert. Herr Dali persönlich bestimmte noch mit über die Art und Weise, wie die Düfte zu riechen hatten und das Flakondesign mit den berühmten Dali-Lippen stammt ebenfalls von ihm.
1987 folgte dann mit "Dali pour Homme" der erste Herrenduft, ein ebenfalls herausragender und außergewöhnlicher Duft und ein Frühwerk von Thierry Wasser.
Ein ebenfalls sehr schöner Duft ist noch Laguna von 1991.
Dalis exzentrische Persönlichkeit spiegelte sich in den ersten Düften sehr gut wieder, denn seichte Werke sind diese ganz gewiß nicht.

Das Unternehmen ist bis heute in Familienhänden und unabhängig von den großen Luxusgüterkonzernen wie LVMH oder Coty.
Auch nach dem Tod von Salvador Dali behielt Cofinluxe die Lizenz, weiterhin unter dem Namen Dali Düfte zu vertreiben.

Da mich nun auch weitere Düfte der relativ neu lancierten Dali Haute Parfumerie interessierten und ich die Gelegenheit hatte, bereits 4 Düfte aus der 5-teiligen Daligramme-Serie kennenzulernen, bestellte ich mir Probensets, um mich auch noch mit den anderen Düften zu befassen.
So nahm ich mir jetzt die Serie The Fabulous Collection vor, die auch aus 5 Düften besteht.
An Fabulous Bukhara blieb ich erstmal hängen und hier fiel mir relativ schnell etwas auf.
Der Duft ist einer dieser modernen opulenten Düfte mit orientalischen Anklängen, präsenter Rose, gourmandigen Noten und oudigen Tönen.
Nun ja, das Thema Rose-Oud ist für meinen Geschmack in der letzten Zeit ein wenig überstrapaziert worden und mir kamen jüngst recht viele Rose-Oud-Düfte vor die Nase. Gewisse Ermüdungserscheinungen kann ich mittlerweile nicht mehr verleugnen und ich lege gern erstmal eine Rose-Oud-Pause ein. Die darf auch länger dauern ;-)

Nun aber folgendes:

Fabulous Bukhara ist tatächlich ein lupenreiner Duftzwilling von Lancômes Ôud Bouquet. Es gibt da keinerlei Zweifel. Ich habe Ôud Bouquet in meiner Sammlung und habe beide Düfte parallel getestet. Sie sind praktisch identisch.
Alles ist vorhanden, die Gewürze, die süffige Rose, die Schoko- bzw. Pralinennote, die leichte Oudnote, der gleiche Verlauf. Ganz exakt.
Mit einem Unterschied: Der Dali ist etwas leichter, weniger intensiv und hat eine kürzere Haltbarkeit.
Aber sonst kann ich keine prägnanten Unterschiede ausmachen.
Das führt bei mir nun zu einer gewissen Ernüchterung, denn meiner Meinung nach hat man es sich hier ein wenig zu einfach gemacht. Denn der Internetauftritt verspricht etwas hochtrabend "luxuriöse Kollektionen mit dem Wissen und Anforderungen der hohen französischen Parfümerie". Doch lehnt man sich da für meine Begriffe etwas weit aus dem Fenster.
Es ist zwar gang und gäbe, daß hier und da erfolgreiche Konzepte kopiert werden und immer wieder Duftzwillinge auf den Merkt gebracht werden, aber etwas mehr Eigenständigkeit und Ideenreichtum hätte ich mir doch gewünscht. Gerade bei einer als exklusiv vermarkteten Serie denke ich, man könnte sich da gern etwas eigenes einfallen lassen, statt etwas schon Vorhandenes 1:1 zu kopieren.
Fabulous Bukhara ist auch nicht der einzige kopierte Duft. Nachdem ich mich durch die anderen 4 Düfte durchgeschnuppert habe, konnte ich feststellen, daß auch andere Düfte (u.a. von Tom Ford) kopiert wurden und mind. auch einmal bei sich selbst.
Der Duft bekommt nun von mir zwar die gleiche gute Wertung wie der Lancôme, da mir die Machart trotz Rose-Oud-Überdrüssigkeit gefällt, aber einziehen wird der Duft nicht. Er wäre zwar im Vergleich die günstigere Alternative zu Lancôme, bietet aber unterm Strich etwas weniger und zusätzlich ein Gefühl, daß man hier mit großem Selbstbewußtsein doch eher eine Mogelpackung vorgesetzt bekommt, läßt sich nicht abstreiten.
Ich habe noch 5 Düfte aus der Jewels Collection, die auf einen Test warten und schaue mal, was diese mir zu erzählen haben. Vielleicht werden da noch andere Duftzwillinge enttarnt oder es gibt große Überraschungen.
Die Probensets werden demnächst weitergereicht und ich bin gespannt auf die dann folgenden Meinungen.

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Meggi vor 7 Tagen
29 Auszeichnungen
Eher Pamina
Cierge de Lune. Ein des Nachts blühender Kaktus, deshalb auch „Königin der Nacht“ genannt. Aber nicht allein auf die Pflanze – deren Duft ich ohnehin nicht kenne - spielt der Name an, sondern ausdrücklich zudem auf die Mozart’sche Figur.

Mir scheint, das sei der Besprechung vorausgeschickt, jedoch ein Bezug etwa auf die berühmt-berüchtigte Höllen-Arie mit ihren Spitzen-Tönen völlig fehl am Platze. Von „crystalline high notes“, wie es beim Hersteller heißt, verspüre ich im Duft nichts – das Beißen des Transport-Alkohols wird wohl kaum gemeint sein. Falls wer das Stück nicht kennt: Online ist eine Vielzahl von Aufnahmen verfügbar. Die Spannbreite reicht von der spektakulär grausigen Darbietung Florence Foster-Jenkins‘ (youtube.com/watch?v=ZD-_2QEXCRk - in „erweiterten Fachkreisen“ kursiert die Platte seit Jahrzehnten, nicht erst seit dem Film) bis hin zu Weltklasse-Einspielungen, von denen jene der zur Unzeit verstorbenen Lucia Popp hervorgehoben sei (youtube.com/watch?v=Zt56hgQe1co).

Nee, nee, selbst die vergleichsweise zurückgenommene Arie „O zittre nicht, mein lieber Sohn!“ (youtube.com/watch?v=aJA1dFqr1QI) ist diesbezüglich gewagt. Wenn überhaupt Zauberflöte, dann fiele mir aus deren Personal die lyrischere Pamina ein. Die ist einfach einen Zacken entspannter, das passt besser…

…zum Duft: Zart-zahm-duftige Vanille auf einer dünnen Leder-Unterlage. Inklusive einer…staubig-steinigen Anmutung? Feuerstein, frisch zusammengedötscht? Nur ein Funken von einer Idee. Wären das besagte „high notes“, sie entstammten Mrs Foster-Jenkins‘ schütterer Kehle. Definitiv gibt’s allerdings ein bisschen was Bitteres als Ausgleicher. Das hat, um den Faden „Wild“leder auszuspintisieren, was vom sachten Muff eines Wild-Gerichts, Hirschgulasch mit Preiselbeeren vielleicht, ein Anflug von Fruchtig-Säuerlichem ist nämlich ebenfalls beteiligt.

Und Honig, bei weiteren Tests empfinde ich ihn als Klassen-Primus der ersten Stunde. Im Verein mit einer süßen Rauchigkeit, die ich vom Stil her aus 03.Apr.1968 von Rundholz kenne. Einschließlich eines gewissen „Stichs“, der dem bereits erwähnten Anflug von Frucht eine leichte Aura von Morbidität verleiht. Gut vorstellbar, dass ein Gewächs südlicherer Gefilde mit derlei nächtliche Flatterer anlockt.

Zwischenfazit: Insgesamt hatte ich mit deutlich mehr Vanille gerechnet.

Die zweite Phase des Duftes zeigt ein ganz anderes Gesicht. Im Laufe des Vormittags entwickelt er sich luftig-distanziert. Von der einstigen Süße bleibt lediglich ein Rest-Hauch, der von ferne an Backaroma erinnert. Herbe, aber keineswegs dunkle Vanille übernimmt allmählich und driftet in eine staubig-stumpfe Richtung. Ihr immanent ist gleichzeitig was Wächsernes, gar mit einer leisen Andeutung von Plastik versehen.

Am Nachmittag bildet sich auf der Haut ein Intermezzo in Form eines floralen Untertons, fast wie Fruchtbonbon-Rose. Doch bald kehren wir zurück zu unserer staubig-unsüßen Vanille, in der sich neben einer Spur Rauch meinetwegen weiterhin ledrige Aspekte entdecken lassen. Ich denke eher zunehmend an helles Holz. Bis in den Abend hinein hält der Duft, es flackern gelegentliche Honig-Reminiszenzen.

Fazit: Buchstäblich zu jedem Zeitpunkt fühle ich mich bei Cierge de Lune, als hätte ich das alles schon gerochen und das nicht bloß einmal. Trotzdem ist der Duft schlichtweg gelungen und in der Ausdauer seines hochwertigen Erscheinungsbildes sicherlich ein Test-Tipp.

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe. Den Rest davon habe ich meinem Sohn (12) geschenkt, der liebt Vanille-Düfte und hat sich tierisch gefreut. Eines Morgens kam er noch schelmischer als sonst aus dem Bad – er hatte sich damit eingesprüht. Soll er zur Schule ja nicht... Jetzt, wo ich’s bedenke: warum eigentlich? Hat doch offenbar Geschmack, der Junge!

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Fresh21 vor 7 Tagen
28 Auszeichnungen
Neroli & ich … dass ich das noch erleben darf :)
Derzeitig von 371 Usern durchschnittlich mit 8,0 bewertet spricht schon für sich, das ist kein schlechter. Und doch sollte es gut drei Jahre dauern bis Dunhill's Icon erneut bei mir einzog, nachdem er damals wohl zu schnell wieder in der Bucht landete …

Zwei Dinge hielten mich davon ab, mich ihm nochmals zu nähern: Ich hatte den markanten Duft immer deutlich krautiger in Erinnerung, und laut Duftpyramide enthält er 'ne ordentliche Portion Neroli. Doch nun testete ich ihn nochmals ausgiebig, und was soll ich sagen?

WOW … her damit !

So hat es nun im zweiten Anlauf doch noch geklappt und der britische Flakon-Schönling durfte wieder bei mir einziehen. Inhaltlich ist er eher ein Sonderling, wenn auch ein guter: Icon riecht ziemlich einzigartig, wozu ich im Internet auch etwas von seinem Parfümeur Carlos Benaïm fand. Auf mich wirkt dies etwas irritierend, fast wie eine persönliche Aufzeichnung (bitte verzeiht ihm sein leicht gebrochenes Englisch, das wie meins klingt;)

"Damned … need more money, … what can I do? Make a new frag … mmh, … what sells? What shall I put in? … I tink I taik Neroli. When notting goes, Neroli goes. Neroli is a crowd pleaser*. I will taik many Neroli. But maybe Neroli is too women-like … what shall I do? … mmh, … need to balance … let me see what I have on the men side: Pepper! … Yep, I will taik many pepper and other spicy stuff … sooo many that nobody tink Neroli is in."

Dieser Ausschnitt sollte im Moment genügen, die wesentliche Duftrichtung von Icon zu vermitteln. Sein Begriff *crowd pleaser würde ich i.Ü. mit "Gruppenvergnügler" übersetzen, wenngleich dieser Dunhill sicher kein "Everynicer" ist ;-) Denn dafür ist er zu speziell. Hier die Details:

Gleich beim Aufsprühen der WOW-Effekt: What? So noch nie gerochen. Ungewöhnlich und richtig gut. Dabei wirft Icon im Grunde schon alles in die Waagschale was er hat, und liefert im Anschluss einen recht linearen Duftverlauf. Zwar ist anfänglich durchaus eine schöne Zitrik sowie eine leicht rauchige Tabak(?!)-Note vernehmbar, doch der Duft wird stets dominiert von der Kombination Neroli + Würze.

Nach ca. 1,5 Stunden beginnt Icon ein wenig weicher, wärmer, ja fast lieblicher zu werden, wobei sich das Neroli zunehmend in die anderen Noten fügt. Zum Glück (für mich), denn dies ist eigentlich kein typischer Neroli-Duft, weil der schwarze Pfeffer immer deutlich dagegen hält. Er bringt eine schöne Schärfe rein, die den Duft ordentlich bitzeln lässt und stets maskulin hält. Doch auch Kardamom, Salbei und Wacholderbeere sind wahrnehmbar und machen im Mix ca. 50% der Würze aus, während die andere Hälfte auf den Pfeffer entfällt.

Insgesamt ist der Icon sehr gut ausbalanciert. Ein feiner, weicher, warmer doch gleichsam züngelnd angewürzter Duft. Seine dichte Leichtigkeit ist hell, niemals schwer oder dunkel, sondern spitz, pfeffrig, ein wenig provokant, doch dabei auch lieblich und weich. Er umarmt und piekst dich zugleich - ungewöhnlich, ausdrucksstark, wertig !

Auf der Haut projiziert er bei halber Armlänge 5-6 Stunden, auf einem Shirt 3-4 Stunden länger. Dunhills Icon ist zwar kein Blindbuy-Kandidat, aber eine unbedingte Empfehlung für markante Düfte. Würde nicht Neroli in der Duftpyramide stehen, wäre ich wohl nicht gleich darauf gekommen, so stark wird es ausbalanciert von den Gewürzen. Drum wurde diese Note auch für mich attraktiv und mein persönliches Highlight ist, dass Icon nach hinten 'raus sogar noch besser wird, indem auch ein wenig klares Vetiver dagegen hält. So hat es Carlos Benaïm doch tatsächlich geschafft, mir einen Neroli-Duft anzudrehen und ich danke ihm dafür mit den Worten

Neroli & I … that I this once experience may :)

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Pluto vor 5 Tagen
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Couture, die grüne Waldfee
Unter einer Waldfee hab ich mir als kleines Mädchen eine schwebende Lichtgestalt vorgestellt, eine eher androgyn anmutende Frau mit zarter Figur, langen rötlichen Haaren und grünen Augen, gekleidet in wallender, hellgelber Seide und betörend duftend nach einer taubenetzten Blumenwiese und würzigen Kräutern.

Mit dem Auftragen von Couture erscheint mir die Waldfee aus meiner Kindheit. Der Duft startet intensivst grün und leicht bitter, Galbanum sollte man zugetan sein. Iris, Rose und Mimose vereinen sich zu einem Strauß mit leicht krautiger Würze und Ambrettesamen gibt diese wunderbare herbe und pfeffrige Note. Die Iris pudert hier nicht, sie cremt eher, tritt ohne Möhrennote auf und ist die Blume, die ich am stärksten wahrnehme. Der Duft legt sich schwebend um mich, spielt mit mir, verschwindet kurz, kommt wieder… In der ersten Zeit des Tragens fand ich die Sillage daher eher schwach, aber das täuscht, bitte nicht überdosieren.

Couture ist ein grüner Florale, elegant, distanziert, kühl und duftet teuer. Herr Pluto bemerkte mal, ich sähe heute so aus, als wäre ich vermögend, (Jeans, Lederjacke, weiße Bluse, schlichte Perlstecker, Sneakers) das lag wohl mehr am Duft, also besser nicht tragen, wenn ihr um Rabatt bittet. :o).

Den Duft würde ich unisex einstufen, die Haltbarkeit ist mittel bis gut, von Frühling bis Herbst entwickelt Couture sich am besten. Und zweifellos hat Couture Chypretendenzen, das wird hier einige ansprechen.

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Floyd vor 5 Tagen
28 Auszeichnungen
Ostindien 1749
Gespenstisch schwerfällig scheint die alte Brigg in der See zu liegen, ungewöhnlich lang sind die Zeitabstände, in welchen das hypnotische Ächzen und Knarzen sich vom Kiel her ins Gebälk des Zweimasters arbeitet, als ob einer ganz langsam ein Stück Holz über ein Waschbrett zieht. Dann ist da noch das Rollen einer Flasche über die Planken, mit jedem Intervall einmal von der einen Seite zur anderen, ehe sie mit einem hellen Schlag auf Widerstand stößt. Kaum Wind. Schwach schwappen wenige Wellen um den Bug, gedämpftes Gluckern, sonst ist alles totenstill. Was ist mit der Mannschaft? Da waren diese Nachrichten letzte Nacht, von der Pembroke und der Namur, der Zyklon.
Ich kann meine Augen nicht öffnen. Es riecht verbrannt. Hatten wir Feuer an Bord? Dann ist da noch ein fast schon scharf ätherischer Geruch, wie Kampfer, das muss der Pfeffer sein, der neben dem Rauchtee verstaut war, vermutlich ist die Ladung im Sturm ineinander geraten.
Der chinesische Lapsang Souchong, den sie über Kiefernwurzeln räuchern, schon möglich dass der so riecht. Ich nehme ihn immer stärker wahr. Er scheint sich mit hellerem, frisch zitrischem Rauch zu verweben. Hatten wir indischen Weihrauch geladen? Ist der etwa auch in Brand geraten? War da ein Feuer? Das Opium. Zum Teufel, wo hatten wir das? Ich kann es nicht ausmachen. Ob es verbrannt ist, verloren? Ob wir sinken werden?
Was war das? Die Flasche. Sie muss geborsten sein. Ich war wohl wieder ohnmächtig gewesen. Wieviel Zeit mag vergangen sein? Eine Stunde? Ich kann immer noch meine Augen nicht öffnen. Diese Stille. Was ist mit den Anderen? Schottischer Single Malt, der riecht ja an sich schon rauchig, verdammt, meine letzte Whiskyflasche war das. Der schwarze Zware-Tabak, er muss hier in meiner Kajüte sein, vermutlich sogar hier in der Koje, zwischen all dem alten verkokelten Holz. Wenn die von der Kompanie wüssten, dass ich lieber den Tabak der Niederländer rauche. Ob das überhaupt noch eine Rolle spielt?
Ich glaube, es wird dunkel. Das Meer liegt jetzt ganz still. Eine halbe Ewigkeit liege ich hier im Ungewissen. Es riecht nach verbranntem Holz, der Räuchernote in meinem Whisky, der sich über die Reste der eingeschleppten Erde und der Asche auf den Planken der Kajüte verschmiert hat. Meine Ladung werde ich wohl nicht mehr löschen, in keinem Hafen. Sorry George. Rule Britannia...

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Stanze vor 5 Tagen
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Prohibition
Frank erwachte mit einem furchtbaren Kater. Er öffnete die Augen und war froh, dass er noch etwas sehen konnte. Es ist nicht gesund, Bay Rum zu trinken. Bay Rum ist ein Rasierwasser oder Haarwasser, das ursprünglich aus Saint Thomas (Amerikanische Jungferninseln) stammte. Damals wurde es aus Bay und Rum hergestellt (ja, das ist jetzt nicht überraschend). Bay ist nicht etwa eine schöne Bucht sondern Pimenta racemosa, Westindischer Lorbeer. Das Öl des Bay enthält als Hauptkomponente Eugenol, das auch in der Gewürznelke und der Gartennelke zu finden ist. Zusätzlich enthält Bay Estragol (Estragon) und Chavicol (Betelpfeffer). Frank erwachte also, der gigantische Kater schnurrte in seinem Kopf und Frank roch stark nach Nelken. Nelken mit Alkoholfahne.

Auf dem Küchentisch standen oder lagen noch die leeren Bay Rum-Flaschen (58% Neutralalkohol, nur zur externen Verwendung). Nicht eine von ihnen enthielt noch einen Tropfen. Frank durchsuchte den Küchenschrank nach Aspirin, seufzte erleichtert, als er welches fand und nahm es mit ein bisschen Leitungswasser ein. Frank war am Vorabend zum Bowling gewesen, mit den Kumpels aus dem Büro. Es gab da ja nichts mehr zu trinken an der Bowlingbahn, seit 1920 die Prohibition eingeführt wurde. Aber "ein Mann bleibt ein Mann selbst wenn es den Suffragetten nicht gefällt", murmelte Frank und stöhnte. Frank benutzte Bay Rum sonst als Haarwasser. Er hatte sich 1919 einen größeren Vorrat angeschafft, da er befürchtete, es würde 1920 kein Haarwasser mehr geben. Zwar eine unberechtigte Befürchtung aber durch seine Vorsorge wurde er gestern Abend zu einem sehr beliebten Mann. Nach dem Bowling wanderte die ganze Truppe zu ihm nach Hause. Eine Flasche gab die andere. Man verbrüderte sich. Es wurden Lieder gesungen. Man tanzte auf den Tischen und die letzten Bowlingfreunde verließen das Haus torkelnd am frühen Morgen. "Hoffentlich leben sie alle noch", dachte Frank und machte sich ans Aufräumen.

Bay Rum riecht nach Bay Rum und zwar vor Allem nach Bay also Eugenol (Nelkenöl). Providence Perfume kommen aus Providence (Rhode Island, USA). Mit dem Cologne (Köln) Bay Rum wollten sie daran erinnern, dass die nahe Stadt Newport im 18. Jahrhundert ein Zentrum der Rumherstellung war, was wiederum daran lag, dass Newport damals auch das Zentrum des Sklavenhandels war, denn der Rum wurde in Westafrika gegen Sklaven eingetauscht. Ob das ein toller Grund ist, sich an Newport zu erinnern? Jedenfalls liegt Newport am Meer und deshalb ist die Duftnote "Gischt" in Bay Rum. Gischt riecht etwa wie Heizöl. Daher ergibt sich der Eindruck, dass Bay Rum Heizöl mit Nelkenaroma ist. Mal was Anderes.

Ich kann das eigentlich niemandem empfehlen. Aber wenn jemand - wie familiärer Tester M - der Meinung ist, dass Heizöl toll riecht, dann ist Bay Rum eventuell das Richtige für ihn. Zumindest in der Weihnachtszeit. Wenn Frank noch leben würde, würde er sagen, dass er zwar nicht genau weiß, was damals in jener Nacht vorgefallen ist, er seitdem aber kein Haarwasser mehr benutzt, da ihm vom Geruch schlecht wird.

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FvSpee vor 4 Tagen
25 Auszeichnungen
Weltenherrscher in Jogginghosen
Mit dem Programm von Fort & Manlé bin ich nun zu etwa Zweidrittel durch und erkenne gewisse Muster: Herr Fort liebt Essbares (Obst ist nie verkehrt, ab und zu gönnt man sich auch mal eine Kalorienbombe). Seine Lieblingsblume ist eindeutig die Rose. Und bei den Namen der Düfte überrascht er uns gerne: Fantasievolles im Stil von "Mr. Mitsubishi jodelt gerne auf dem Motorrad in rosa Socken" stehen neben Wässerchen, die ganz unprätentiös nach den großen Männern der Weltgeschichte benannt sind. Wie dieser hier.

Über Sultan Mehmed II., genannt Fatih ("der Eroberer") hat Don Juan im Vorkommentar ja schon etwas berichtet. Ich setze da mal an und füge hinzu, dass er einer der ganz großen Herrschergestalten der Weltgeschichte war. Er brachte in seiner langen Herrschaftszeit das von ihm regierte Osmanische Reich zur Hochblüte in allen Bereichen, kulturell, architektonisch, wirtschaftlich, als großer Gesetzgeber - und militärisch. Obwohl es nach ihm Sultane gab, die noch größere Gebietsvergrößerungen erreichte, eroberte er nämlich auch kräftig dazu: Serbien und Bosnien vor allem. Und natürlich Konstantinopel (dazu gleich noch mehr), wofür er auch postum den Beinamen "der Eroberer" bekam. In seinem Rang als Herrscher steht er sicher einem Julius Cäsar oder einem Karl dem Großen nicht nach, und wenn ihn - und mit ihm auch andere außereuropäische Herrschergestalten ersten Ranges, wie den sehr sympathischen indischen Kaiser Ashoka - hierzulande kein Schwanz kennt (außer, wie anzunehmen ist, Mitglieder der Community der türkischen Zuwanderer), dann sagt das einiges über unsere eurozentrische Ignoranz aus.

Ihn zu kennen heißt allerdings nicht unbedingt, ihn zu mögen. Ich mag ihn leider gar nicht. Dafür gibt es mindestens einen eher "subjektiven" und einen eher "objektiven" Grund.

Der subjektiv geprägte ist eben der, dass Mehmed - gleich nach seiner Thronbesteigung - im Jahr 1453 Konstantinopel eroberte. Das alte oströmische Reich war seit vielen Jahrhunderten nur noch geschrumpft und bestand zuletzt im Grunde nur noch aus seiner Hauptstadt am Bosporus, die allerdings noch immer eine Legende war: Trotz allem Niedergang noch immer unglaublich schön, unglaublich reich und mit unglaublich mächtigen, riesigen Festungsmauern. Und noch immer (und noch bis heute!) das geistige Zentrum des orthodoxen Christentums weltweit. Der frischgebackene Sultan sah das als Herausforderung und Chance. Er ließ einen Ratgeber, der ihm die Sache als zu riskant ausreden wollte, mit der (vielleicht nicht falschen) Begründung abmurksen, er sei vom oströmischen Kaiser bezahlt. Dann befahl er die Belagerung und den Sturm. Was dann geschah, kann man z.B. im Klassiker "Die Eroberung von Konstantinopel" von Steven Runciman nachlesen. Es ist eine Geschichte von heldenmütiger, aber aussichtsloser Verteidigung; Kaiser Konstantin XI. selbst fiel kämpfend an den Toren der Stadt. Es ist eine Geschichte von Verrat und Gleichgültigkeit, denn Venedig und die anderen Westmächte schickten die versprochene Unterstützung viel zu spät und in lächerlich geringem Umfang. Für die Freunde von Tolkien: Das Ganze war ein bisschen wie die Schlacht von Helms Klamm, nur dass am Ende weder die Elben noch die Ents kamen. Am Ende wurde Konstantinopel zu Istanbul und zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Wenn ich deshalb schlecht auf Mehmed zu sprechen bin, dann nicht wegen der kaum vorstellbareren Gewalt gegen Zivilisten: Nach dem Sturm wurde nämlich fröhlich gemetzelt und gemeuchelt. Die Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt (was die Staatspropaganda bejubelte), und was hernach noch lebte wurde in die Sklaverei geführt. Diese Exzesse waren seinerzeit nichts Besonderes und es gab kein Gesetz, das sie verboten hätte. An die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen dachte ja noch keiner. Mein Groll ist daher nicht moralischer, sondern strikt parteiischer Art: Meine Sympathien gelten dem tapferen letzten Kaiser und ich weine mit den letzten Byzantinern (und Römern) über ihr trauriges Los. Nicht weil sie "besser" waren als die Osmanen, sondern weil ich mir nun einmal die Freiheit nehme, als Römer zu fühlen.

Objektiv allerdings ist mein Zorn auf Mehmed, weil er eine - auch für damalige Maßstäbe - barbarische Institution, wenn nicht erfand und zum Gesetz erhob (dass er sie zum Gesetz machte, behaupten einige, andere widersprechen), dann doch jedenfalls salonfähig und zur faktischen Norm machte: Den dynastischen Brudermord: Da die osmanischen Gesetze keinen klaren Thronfolgevorrang für den erstgeborenen Sohn der Hauptfrau kannten, waren alle Söhne des Herrschers potenzielle Thronfolger, sodass Mehmed es für klug hielt, nach seiner Thronbesteigung (mindestens) einen (noch kindlichen) Bruder im Bett ersticken zu lassen. So wurde es die nächsten 200 Jahre zum Standard: Verkürzt gesagt: Die Sultane zeugten Söhne und erzogen sie so lange fürstlich, bis sicher war, dass mindestens einer dabei war, der thronwürdig war. Wenn es dem dann gelang, Nachfolger zu werden, wurden alle anderen routinemäßig mit der Bogensehne erdrosselt. Oder, so die etwas geregeltere Variante, der Vater nahm die Dinge in die Hand und ließ selbst alle überzähligen Söhne erwürgen, um es dem Wunschnachfolger zu ersparen, sich die Hände schmutzig zu machen.

Ich frage mich, was diese grauenvolle Art der Staatsräson mit den Menschen gemacht hat: Was waren das für Herrscher, die vor der Inthronisierung zuerst erleben mussten, gleichzeitig zum potenziellen Nachfolger aufgepäppelt zu werden und mit dem Risiko leben zu müssen, am nächsten Morgen erwürgt zu werden? Und deren erste Regierungserfahrung es war, ein Brüder-Massaker abzuhalten? Was machte das mit deren Seelen? Was mit denen des Hofstaates und der Minister? Was für Begriffe von "Staat" und "Pflicht" hatten diese Leute? Ich kann mir kaum etwas Abstoßenderes vorstellen. Wer sich näher dafür interessiert, kann vielleicht zur "Zeitschrift für Balkanologie" (gibt es wirklich), Jahrgang 2019, Seite 53 ff., greifen und den Beitrag von Murat Caglayan "Brudermord im Osmanischen Reich" lesen. Ich hab's noch nicht getan. Fest steht jedenfalls, dass verglichen damit Prinz Harry sich nicht beklagen kann, dass er nun mit der schönen Meghan Markle auf Vancouver Island Charity machen muss, ohne den Titel "Royal Highness" zu führen.

Darf man einen Duft nach Mehmed II. benennen? Klar. Auch wenn es für mich ein Grund wäre, ihn nicht zu kaufen, rein subjektiv. Was man aber nicht darf, ist einen Herrscher-Duft so lau riechen zu lassen. Ich hab nach dem Auftragen fast laut loslachen müssen. Nette süße Fruchtigkeit zum Auftakt, dann auch ein bisschen in Richtung sanfte Tabakblätter, ein harmloses Spiel würziger Nötchen, dann ein holzigerer, fester, stabiler, aber etwas nichtssagender Ausklang. Brudermörder in Jogginghosen, Weltenbezwinger beim Naschen von Fruchtkompott.

Nachzutragen: Mehmed II regierte 30 Jahre (und starb an Verfettung); dieser Duft dankt früh ab. Der echte Sultan erweiterte sein Reich und brachte es zum Strahlen, das nach ihm benannte Parfüm ist von eher mickriger Projektion.

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