Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Yatagan vor 4 Tagen
32 Auszeichnungen
Der kompromisslose Snob
Unkommentierte Düfte No. 105

Das Schöne an Penhaligon's ist, dass sie zuweilen über die Stränge schlagen. Anders als Geo F. Trumper und D.R. Harris, zwei englische Marken, die ich sehr verehre, sind einige Penhaligon's laut und ordinär, dabei aber doch so britisch wie Monty Python.
Exkurs: Schien es anfangs so, dass auch Floris den Weg allen spleenigen Mainstreams gehen wolle, hat man sich beim (angeblich) ältesten Parfumhersteller der Welt (je nach Rechnung, Perspektive oder Selbstwahrnehmung kann das auch Farina, Santa Maria Novella oder wer weiß wer sein) darauf besonnen, doch wieder mehr dem britischen Understatement zu huldigen. Exkurs Ende.
Seitdem ist also offenbar Penhaligon's allein zuständig für englische Marotten.

Penhaligon's hat da eine gewisse Tradition (in England gibt es für alles Traditionen). Schon vor Jahrzehnten lancierte man Düfte, die Mut zur Dandyexistenz bewiesen, so zum Beispiel Hammam Bouquet von 1872 (kann man als Mann außerhalb von zwielichtigen Etablissements nur mit viel Mut tragen; ist aber toll); Lord's von 1911 (ein Sprühstoß zu viel und Du fliegst aus jedem Bus; ist aber toll) oder English Fern von 1910 (der aufdringlichste Fougère-Duft, der jemals komponiert wurde; ist aber toll).

In diese Tradition reihen sich auch die neuesten Penhaligon's der Portraits-Reihe ein, die, - auch das eine eigenwillige Tradition dieses skurrilen englischen Hauses -, wie Popcorn aus dem Labor der Marke ploppen: allein 11 Düfte tragen den Portraits-Schriftzug seit 2016 und dabei lanciert die Marke fröhlich noch weitere Reihen und Einzeldüfte, so dass man mit dem Testen (und / oder Kaufen) gar nicht mehr nachkommt.

Der kompromisslose Sohan ist der jüngste Spross der Portraits-Reihe und die Homepage weiß über ihn: "Ambitious, intelligent and astute, Sohan has worked diligently with flair and talent to establish himself in the world of affairs."
Das glaube ich sofort gerne, denn der Kerl hat, wie die oben genannten Klassiker, einen Hang zum starken Ausdruck. Zum unbekümmert Lauten und stilvoll Ordinären (doch, doch, das geht) sollte man vielleicht besser sagen.
Da ist nichts sophisticated oder distinguiert. Das ist kein Gentleman, sondern ein Snob, ein Dandy, ein rücksichtsloser Verführer. Auch hier gilt: ein Sprühstoß zu viel und jemand fordert dich zum Duell, weil er dir unlautere Absichten unterstellen wird, wenn Du dich im Kreise anständiger Ladies aufhältst. Also lass es lieber gleich mit dem grauen Anzug. Zieh dir ein stark gemustertes Tweed-Jacket an. Statt der Krawatte wäre ein Seidenschal auch nicht schlecht, gerne auch mit Maßschuhen kombiniert - und stürz dich ins Getümmel.
Der Duft wird dir gute Dienste bei deinen Abenteuern leisten, denn er riecht nach Oud (muss er ja heutzutage, zumal der Name Sohan wohl aus dem Indischen stammt - und mit Indien haben die Engländer ja eine gewisse zweifelhafte Tradition); denn er riecht nach Safran, so stark, dass es fast verdickt, verdichtet, ölig wirkt; denn er riecht nach Harz, das sich hinter den beiden erstgenannten Protagonisten schon fast versteckt (was auch immer das bei diesem Duft heißt); und er riecht nach etwas Floralem (kann schon Rose sein, wer will das hier noch so genau wissen), denn Sohan trägt natürlich eine Blume im Knopfloch.

Ich resümiere:
- Der Duft eignet sich gut für den Abend bei zweideutigen Absichten, nicht aber für den Abend im kultivierten Theater.
- Der Duft eignet sich gut für den Genuss zu Hause allein, nicht aber für den Genuss zu Hause im Kreis der Familie ("Papa, geh duschen!").
- Der Duft eignet sich gut für mutige Männer mit Lust am Auftritt, nicht aber für Männer, die einen spektakulären Auftritt vor ihrem Chef planen. Diese Männer würde ich nicht als mutig, sondern als kühn bezeichnen.
- Der Duft eignet sich nicht für Frauen. Oder doch. Oder doch nicht. Es käme auf den Versuch an.

Penhaligon's hat, um zum Anfang zurück zu kehren, einen Hang zum stilvollen Trash, zum Halbseidenen, zum Dandytum, zum Snobismus in Duft. Das mag man für weniger elegant halten als die Düfte der königlichen Hoflieferanten Trumper, Harris und Floris, aber es unterhält gut. Ich mag ihn ab und zu ganz gerne, was auch immer das über mich aussagen mag.

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Louvre vor 6 Tagen
21 Auszeichnungen
In Gefahr und höchster Not, bringt der Mittelweg den Tod
Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Frischesynthetik. Keine Sorge: Es folgt kein linkes olfaktorisches Manifest, sondern ein Erklärungsversuch, weshalb es für viele jüngere Männer seit Beginn dieses Jahrzehnts erstrebenswert zu sein scheint, nach einer diffusen, extrem künstlichen, halb süßen, halb würzigen Frische zu duften. FabianO hat sich kürzlich seinen Unmut über diesen omnipräsenten Trend mit polemischer Verve vom Herzen geschrieben – mein Interesse gilt den möglichen Ursachen des Erfolges der aktuell so populären Duftmode. Nahezu Wortgleiches – manche Pauschalisierung bitte ich nachzusehen, maliziöse Spitzen hingegen sind beabsichtigt – könnte ich auch zu Bleu de Chanel oder Sauvage, zu Invictus oder Pure XS, zu Eros oder Dylan Blue, zu Luna Rossa oder Allure Homme Sport – um nur ein paar prominentere von unzähligen, kompositorisch gleichgestrickten Herrendüften aufzuführen – formulieren. Den Kommentar der neuesten Kreation des Hauses Yves Saint Laurent – alias L'Oréal, alias IFF – zu widmen, gründet in dessen werbestrategischem Anspruch, ein archetypisches Parfum für die Generation Y auf den Markt gebracht zu haben.

Jener Altersgruppe der Anfang Zwanzig- bis Mitte Dreißigjährigen, die gerade im Beruf durchstarten, für die Internationalität ebenso selbstverständlich ist, wie Kreativität und der souveräne Umgang mit jeder Art von digitalem Equipment. Denen man in den Metropolen gern in der rustikalen Gestalt vollbärtiger, flächendeckend tätowierter, Craft Beer trinkender, englisch parlierender Hipster mit kariertem Flanellhemd und dicksohligem Schuhwerk begegnet.

Zugegeben – dies ist das Bild, das Medien und Werbung gerne von dieser Generation zeichnen. Im Saint-Laurent-Spot müssen ein britischer Rapper, ein bildhauerndes amerikanisches Model und ein französischer, zur künstlichen Intelligenz forschender Wissenschaftsassistent für dieses Image herhalten. Doch die Realität ist meistens etwas weniger hip und so richten sich Düfte wie Y eher an das Fußvolk der Normalos, die sich vielleicht ein bisschen wie Trendsetter fühlen möchten, aber im Grunde nicht vom Job in einer angesagten Werbeagentur oder einem freiberuflichen Künstlerdasein träumen, sondern der sicheren Anstellung im Autohaus oder bei einer Rechtsanwaltskanzlei.

Düfte, die seit etwa 2010 den metrosexuellen Trend, dem wir feminin anmutende, pudrig-süße, vom Duett Iris und Vanille dominierte Parfums wie Dior Homme 'verdanken', peu à peu ablösen. Zunehmend ist eine als jung, modern und maskulin geltende synthetische Frische angesagt, die entweder mit einer undefinierbar zitrischen oder einer an Alcopops erinnernden, süß-fruchtigen Note startet und einem schlichten, leicht angewürzten oder angeräucherten Holzakkord endet – in den Pyramiden gerne als Zeder, Sandelholz oder Vetiver tituliert, vermutlich aber wohl eher Synthetika der Kategorie "woody-amber". Entscheidend für den häufig als duschgelartig beschriebenen Flair der Düfte sind zwei andere hochdosierte Riechstoffe aus dem Labor: Dihydromyrcenol und Ambrox(an) . Eine altbekannte Kombination, die schon Ende der Achtziger neben Calone eine der chemischen Grundpfeiler des Genres der Aquaten bildeten, die einst die Symbolwelt des New Age – das Zeitalter des Wassermanns – in Duft übertragen wollten. Heutzutage ist der Anteil von Dihydromyrcenol und Ambroxan, zu deren geruchlichen Eigenschaften Ronin in seinem brillanten Kommentar zu Sauvage detailliert Auskunft gibt, an der Gesamtkomposition so hoch, dass sie von Beginn an das Zepter übernehmen und alle anderen Duftkomponenten überdecken. Wie ein blickdichter Schleier legen sie sich über die Komposition und machen es – zumindest mir – unmöglich, einzelne Noten zu bestimmen. So kann ich bei Y weder die Bergamotte identifizieren, noch die für die minimale Würze der Kopfnote Verantwortlichen. Und auch der Weihrauch zeigt sich später von dem Duo, sicher attestiert von weniger bekannten und berüchtigten Kumpeln aus der Retorte, bis zur Geruchsverweigerung eingeschüchtert. Jede Kontur, jede Ecke und Kante wird von dieser groben Synthi-Raspel abgeschliffen – es bleibt allein eine vage, gespensterhafte Duftstimmung zurück, die an Hygieneprodukte erinnert, bei denen fast identische Riechstoffe Verwendung finden. Das Resultat sind seichte Düfte ohne Charakter und Temperament – spirituell Begabtere als ich würden sie wohl seelenlos nennen –, blutleere Zombieparfums, die nicht mehr bieten als geruchliches Hintergrundplätschern, als olfaktorische Muzak.

Was macht diese Kreationen – innerhalb eines bescheidenen Rahmens mag es durchaus qualitative Unterschiede geben, doch ihr einförmiger, überpräsenter artifizieller Vibe macht sie einander zum Verwechseln ähnlich – für ihre Käuferschaft so attraktiv? Der Eindruck moderater Gepflegtheit und diffuser Sauberkeit, ein gefühltes Nichtzuviel-Nichtzuwenig an duftender Kultiviertheit, die Empfindung, den Zug der Zeit nicht verpasst zu haben. Denn nichts treibt dieser Zielgruppe den Angstschweiß rascher auf die noch weitgehend faltenfreie Stirn, als der mögliche Anwurf, man dufte nicht zeit- und alterskonform, röche gar alt(backen). Selbst jene, die im Grunde ihres Herzens andere, prägnantere Duftlieben hegen, flüchten sich aus Furcht vor sozialer Ächtung ihrer Peergroup kritik- und klaglos in den vermeintlich sicheren Hafen der als modern deklarierten synthetischen Frische. Mögen sich deren Anhänger mit Ohr und Nase auch am Duftpuls der Zeit glauben, ästhetisch modern im Sinne von innovativ, fortschrittlich, avantgardistisch gar, ist sie mitnichten. Ihr Trumpf ist vielmehr die vollkommene Beliebig- und Belanglosigkeit, die Aura des Ungefähren und Unbestimmten. Es sind Düfte für junge Männer, die recht froh sind, nicht eindeutig Stellung beziehen oder gar gegen den Strom zu schwimmen zu müssen – und dies nicht allein in geschmacklicher Hinsicht.

Die Frischesynthetiker erfüllen diese Sehnsucht nach folgenloser Unentschiedenheit perfekt: Es sind unkomplizierte, multifunktionale Konsensdüfte, die eben aufgrund ihres Unspezifischen und ihrer Mittelmäßigkeit auf breite Akzeptanz stoßen. Düfte eines kleinsten gemeinsamen ästhetischen Nenners. Düfte, mit denen man keinerlei Risiko eingeht, sich stets auf der sicheren Seite wähnen kann, die in der Arbeitswelt – vom kreativen Start-Up-Unternehmen bis hin zu konservativen Bänkerkreisen – als passend empfunden werden. Die ebenso wenig wie ihre Träger anecken. Warum also die vergnügliche Anstrengung auf sich nehmen, ein individuelles, vielleicht nicht mehrheitskonformes Stilgefühl zu entwickeln, wenn solch konfektionierte Biederkeit auf so große Zustimmung stößt?

Nicht zuletzt bei den Frauen aus der gleichen Generation – eine Milf wird sich vermutlich weit weniger enthusiastisch zeigen –, also jenen weiblichen Counterparts, die hin und wieder flauschige Einhörner knuddeln und nach La vie est belle riechen. Mädels, die auf 'nice guys' stehen und genau wissen, dass die modernen Duschgeljungs keine Tagträumer und Tunichtgute sind, keine Poser und Protzer, keine Spinner und Phantasten, keine wirren Wilden, keine intellektuell Irrlichternden. Sondern seriöse und solide Nestbauer: angenehm und angepasst, zielstrebig und zuverlässig, geerdet und gemäßigt. Da nimmt man ein wenig Langeweile doch gerne in Kauf.

Jede Generation bekommt die Düfte, die sie verdient. Oder – um den Kreis zu schließen: Die Geschichte allen bisherigen Parfums ist die Geschichte von Zeitgeist. Und der kann einem manchmal ganz schön stinken!

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Angelliese vor 3 Tagen
19 Auszeichnungen
Und da ist noch eine kleinzartfeine Prise Zimt.



Bodennah schwebend angeherbt subtil zarte Frucht.
Nicht viel, nicht laut. Gerade mal eben so.

Zartwürzsüßlich und ein Hauch von Zimt.

Der Gedanke an Lavendel.
Nicht muffig, kein ganzes Feld. Ein paar Blüten nur.

.... und eine zartfeine Prise Zimt.

Warmweichwürzig vanillsamten süßliche Melodie
Fließender Schmelz mit angemandelt wisperleise unterlegtem Unterton.

.... und eine zartfeine Prise Zimt.

Verhalten sich manifestierender Unterton aus der Ferne.
Kühlmetallisch spinnfadenfeinst vibrierend.

.... und eine zartfeine Prise Zimt.

Würzfrisch süßlicher Nebel aromapikant feinstnappiert.
Gazegleich pudersanft langsam vorüberschwebend.

.... und eine zartfeine Prise Zimt.

Warmherbwürzig und doch seidenweiches Holz.
Samtchangierend im cremepuderweichen Sonnenlicht.

.... und eine zartfeine Prise Zimt.

Verhalten versteckter Erdblick und zartkrautig horizontentfernte Impression.
Im vanillwürzwarm orientalbehaucht süßlichen Fluss.

Und da ist noch eine kleinzartfeine Prise Zimt.

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Meggi vor 2 Tagen
19 Auszeichnungen
Viele Dahinters
Der Place de Furstemberg in Paris ist eine ziemlich übersichtliche Angelegenheit. Die schmale Rue gleichen Namens teilt sich und führt - als wolle sie möglichst eilig an der nahen Kirche Saint-Germain-des-Prés enden - knapp links und rechts verschwenkt an einem Verkehrs-Inselchen vorbei, welches lediglich Raum für vier Bäume und eine (zugegebenermaßen ansehnliche) Straßenlaterne bietet. Eher ein Plätzchen…

In einer Häuser-Ecke findet sich ein düsterer Eingang, der des großen Plakats daneben bedarf, um überhaupt als öffentlich erkannt zu werden. Dahinter geht es durch einen Torbogen auf einen versteckten Innenhof und erst von jenem aus erreicht man das Musée National Eugène Delacroix, untergebracht in dessen einstigem Wohnhaus. Wer Eintrittskarten zum Louvre vorzeigen kann, erhält am selben Tag in der kleinen Dependance freien Zutritt.

Das enge Häuschen mit steiler Treppe beherbergt manches aus dem Nachlass des Künstlers sowie einige Bilder, die vielleicht nicht der vordersten Reihe des Schaffens entstammen mögen, dafür jedoch ganz in Ruhe beguckt werden können, denn die mona-lisa-fixierten Horden verirren sich nicht dorthin. In einem der kleinen Räume steht übrigens – warum auch immer – ein Tisch mit ein paar Dufttest-Gläschen darauf, wo sich zum Beispiel Feigenblatt-Geruch schnuppern lässt.

Durch eine Hintertür im ersten Stock geht es hinaus auf eine Treppe, die zunächst zum ehemaligen Atelier und dann in einen teils von den umgebenden Gebäuden, teils von einer Mauer eingefassten Garten hinabführt. Welch eine Wohltat! Nach dem Trubel des Louvre nebst drumherum auf den stilleren Straßen des Rive Gauche etwa an den Kunstgalerien in der Rue Bonaparte entlang zu spazieren und anschließend unvermutet in einem lauschigen Hinterhof-Garten auf einer Bank zu sitzen. Die wenigen anderen Besucher schienen nicht minder froh über die Oasen-Stimmung.

Das war unser Ausflug auf das linke Seine-Ufer. Sowas! Da waren wir ein zweites Mal in Paris und ich war wieder nicht im Stammgeschäft von Diptyque auf dem Boulevard Saint-Germain. Dabei hatte ich mir den Besuch fest vorgenommen, vor allem, um eine Probe des exklusiven „Benjoin Bohème“ zu ergattern. Aber bereits am ersten Abend unseres Aufenthalts waren wir an der Diptyque-Filiale in der Rue Saint Honoré vorbeigekommen, wo die vier „Splitterglas“-Flakons ebenfalls standen. Ein Testerchen gab es auch. Aha: ‚Exklusiv‘ beschränkt sich offenbar nicht auf das Stammgeschäft, sondern meint die hauseigenen Läden.

Zum Duft: Edel-Karamell eröffnet das Geschehen. Die ohnehin maßvolle Süße zieht sich weiter zurück. Ich lese, dass Styrax Vanillin enthält. Passt. Ein würzig-bitterer Stich unterstreicht die Ernsthaftigkeit. Nach einer Stunde gesellt sich sanftestes Tam-Dao-Sandel hinzu. Tiefe steuert ab dem späten Vormittag dunkles, doch un-erdiges Patchouli bei. Bald zeigt das Harz eine hellholzgestützt staubige und luftige neben einer bitter-kompakten Seite.

Leider geht Benjoin Bohème am frühen Nachmittag stilistisch ein wenig der Atem aus. Ein bisschen H-Sahne mischt sich unglücklich mit dem hellen Holz, welches die übrigen Zutaten für ein paar Stündchen sozusagen indirekt an die Wand drückt; in dem Maße nämlich, in dem Letztere schlichtweg weichen. Erfreulicherweise gibt’s zum Abend hin einen zweiten Harz-Anlauf: Eine wackere Ambernote übernimmt – und versöhnt.

Fazit: Ein feiner Kuschler. An Tam Dao (ich kenne das EdP) reicht er indes nicht ganz heran.

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Serafina vor 6 Tagen
19 Auszeichnungen
Für die Art von Mädchen, die ich nie war
Mit 14 oder 15 (das war Anfang der 80er) gelangte ein Fläschen des EDT in meinen Besitz, ich weiß nicht mehr, ob es ein Geschenk war oder ein Spontankauf. Denn so wirklich war „Janine D“ nie so ganz das richtige für mich! Doch, ich habe es gelegentlich schon verwendet, aber es passte aus zweierlei Hinsicht nicht so recht zu mir.

Ich empfand den Duft als „sportlich-frisch“ (das steht hier unter meinen Abneigungen in den Duftvorlieben) bis leicht „herb-holzig“ – letzteres waren für mich viele damals zeittypische Parfums. JD war zwar nicht so krass wie die damals weit verbreiteten klassischen Chypres, aber Eichenmoos war eben auch hier enthalten. Heute weiß ich, dass „holzig“ etwas anderes ist und ich diese bittere, manchmal (im ersten Moment) sogar „saure“ Note dem Eichenmoos zuordnen muss. Mittlerweile bin ich aber auch hier toleranter, auch wenn Chypres oder auch generell (Vintage)Parfums mit Eichenmoos wohl nie ein Bewertung von mehr als 8,0 von mir erhalten werden.

Das andere war das Image von JD bzw. die Werbekampagne: sportlich-unkomplizierte junge Damen in modische-legerer Kleidung, meist mit weißer Hose. Darin konnte ich mich nie wiederfinden! Sportlich war ich nie im Leben und unkompliziert auch nicht – eher galt ich (freundlich ausgedrückt) als exzentrisch oder (weniger freundlich) als „verschroben“. Das Attribut „zickig“ wurde mir aber erstmals in Parfumo zugewiesen. Da es für mich das Gegenteil von „willig“ bedeutet, trage ich es gerne!

Aber ich schweife ab! Das alte Fläschchen des EDT ist heute kaum mehr verwendbar. Gelegentlich trage ich heute das erst viel später erworbene Extrait, das ich sogar noch einen Tick herber als das EDT empfinde, das aber eine gewisse kühle Eleganz hat. Von den in der Herznote aufgeführten Blüten (z.B. Maiglöckchen) kann ich keine als solches erkennen, das Extrait erscheint mir als noch weniger blumig als das EDT. Aber auch mein Extrait ist ja ein Vintage – so dass auch hier u.U. das Alter an „Kopf- und Herznote“ genagt hat. Allenfalls das Galbanum könnte für den eher „grünen“ Charakter verantwortlich sein.

Ein Klassiker aus meiner Jugend, der bei mir eher nostalgische Gefühle als echte Begeisterung hervorruft.

Nachtrag:
habe mir jetzt noch mal gezielt die damaligen Werbebilder angeschaut. Auffallend: alle Models langen sich an den Knöchel (bzw. eine hebt ihn an). Mückenstich?

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Pluto vor 5 Tagen
19 Auszeichnungen
Der Flakon........Gott gütiger.....
Seit Parfumo probiere ich immer wieder mal Düfte von Al Haramain und Rasasi. Ich dachte lange Zeit, arabische Düfte seien grundsätzlich schwülstige, süße Wummser. Da habe ich mich ziemlich getäuscht, das gebe ich gerne zu. Oudh al Misk ist z. B. ein frischer, zitrischer Sommerduft – keine Spur orientalisch-opulent, den ich an Herrn Pluto sehr gerne schnuppere (an mir riecht er längst nicht so gut).

Night Dreams wurde so ganz nebenbei mitbestellt, wie viele meiner Düfte. Night Dreams startet mit einem kühlen, frischen Rosenbukett, garniert mit Pfeffer, Safran und Kardamom. Und einem ganzen Holzstapel. Und, obwohl nicht erwähnt, mit Oud. Es liegt immer diese leichte Dungnote in der Luft, nicht stechend oder unangenehm, aber sie ist da. Oder ist sie woanders her? Night Dreams ist herb und kühlt die Raumtemperatur, ehrlich gesagt, es fröstelt mich fast ein wenig. Ich stelle fest, dass die „frischen Düfte der Araber“ oft eine metallische Note haben, die ich nicht so gerne mag. So auch bei Gold und Oud al Mubakhar. Die nächsten Stunden verändert sich der Duft nicht, kühle, herbe Rosen duften vor sich her. Nach 4 Stunden wird Night Dreams lieblicher, eine leichte Süße breitet sich aus, die ich mir schon früher gewünscht hätte. Wohlgemerkt „leichte Süße“, nicht klebrig oder schwer. Ich tippe auf etwas Vanille.

Die Haltbarkeit ist wirklich gut, ca. 8 bis 9 Stunden, die Sillage eher mittel bis dezent. Die Angabe unisex unterschreibe ich auch. Night Dreams ist für heiße Sommertage, wirkt belebend und kühlend. Der hier abgebildete Flakon ist nicht der meinige (da wäre ich fast froh!!), sondern wird hier unter dem Night Dreams Parfümöl abgebildet. Mir gefällt der Flakon gar nicht, Gott gütiger, einfach zu viel Chichi, aber was zählt sind die inneren Werte. Ach so, der Name. Hm, wenig passend finde ich. Bei Night Dreams denke ich an etwas Wohliges, Weiches, Beruhigendes, für mich ist der Duft das genaue Gegenteil.

P. S. Ich hab Scheuklappen auf den Augen, mein Flakon sieht nicht aus, wie der vom Parfümöl. War wohl zu geblendet, was nicht bedeutet, dass er hübscher ist!

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Ernstheiter vor 6 Tagen
18 Auszeichnungen
Yatagan oder Yatagaehn
Ort: Nuernberg Tiergarten
Zeit: Anfang der 70er Jahre

Da stehe ich 10-jaehriger Knirps nun mit meinem Vater vor dem Freigehege der Tiger, aber kein einziger ist zu sehen. Aha, sind alle im Raubtierhaus, also schnurstracks hin. Schon beim Betreten erfasst mich eine gewisse Erregung, die aber nicht nur von der Vorfreude kommt. Es ist auch diese fuer mich voellig neue Aura, mit der die Luft geschwaengert ist, eine wabernde Mischung aus tierischen Ausduenstungen, Waerme und trockenem Holz. Bis dato kannte ich nur die Ausduenstungen und die Waerme in einem Kuhstall - und das empfinde ich mehr stinkig als angenehm. Das hier riecht ganz anders. Nicht so dumpf-warm wie im Kuhstall, sondern viel schneidender und praegnanter. Fuer einen kurzen Augenblick streift eine Wuerze meine Nase, die beinahe etwas von Ammoniak an sich hat. Bevor aber auch nur ansatzweise ein Gefuehl der Anwiderung aufkommt, gleitet das Ganze blitzschnell ins Harzige ab. Zusammen mit dem ueberall ausgestreuten trockenem Heu ergibt das eine Mischung, die Kraft und Wildheit ausstrahlt.

Ort: Erlangen Universitaet
Zeit: Anfang der 80er Jahre

Das Jahrzehnt des Hedonismus. Einen Powerhouse-Duft zu tragen ist ein Must. Wahrend der Grossteil meiner Kommilitonen Antaeus, Jil Sander Pure Man oder Marbert Man traegt, trage ich Yatagan. Die Erinnerung an meinen Besuch im Raubtierhaus hatte sich in mein Gedaechntnis eingegraben. Und als ich dann zufaellig auf einer meiner gelegentlichen Entdeckungsreisen durch die staedtischen Paerfuemerien auf Yatagan gestossen war, musste ich mir natuerlich einen Flakon zulegen. Schon der erste Spruehstoss bestaetigte mir, ja das ist das Raubtierhaus aus dem Nuernberger Tiergarten. Diese kurz stechende Kopfnote, die schnell zu einem balsamischen und wuerzigen Teppich wird, auf dem trockenes Heu und Holz ausgelegt ist. Ich hatte damals das Gefuehl, das sei MEIN Duft. Und ich bekam dafuer nicht nur Komplimente. Etlichen erschien Yatagan zu aggressiv, zuwenig harmonisch. Mich fesselte genau das; dieses nebeneinander Bestehen von Harz, Leder, Heu und Holz, bei dem Harz und Leder zwar den Ton angaben, ohne aber alle anderen Duftnoten wegzudraengen.


Ort: Mailand Rinascente
Zeit: September 2017

In meiner Sammlung habe ich bereits zwei Duefte von Caron, "Le 3e Homme" und "Impact". Ausserdem ist da noch "Bel Ami" von Hermès. Der laesst, aehnlich zu Yatagan, fuer einen kurzen Moment die Assoziation zu Ammoniak aufkommen, entwickelt sich dann aber in die ledrig-wuerzige Richtung. Mehr "Lederwaren auf dem Weihnachtsmarkt" und nicht Nuernberger Raubtierhaus.

Yatagan gibt es immer noch und meine gelegentlichen Streifzuege duerch Parfuemerien ebenfalls; und so habe ich letzten Samstag in der Rinascente "Yatagan" wieder einmal getestet. Aber welche E............, fast wollte ich schreiben Enttaeuschung, was aber nicht fair waere. Yatagan ist immer noch ein guter Duft. Er ist auch immer noch anders als der Grossteil der gaengigen Dufte. Sagen wir es so: ich hatte mit etwas anderes erwartet, Alles was mir an Yatagan aus den 80ern gefiel scheint noch da zu sein. Allerdings ist der Duft jetzt ausgeglichener, das Harzige beisst nicht mehr, das Tierische hat nichts mehr Raubtierhaftes. Harz, Leder, Heu und Holz bilden jetzt einen "schlierigen Oelteppich" auf dem die verschiedenen Farben ineinander verlaufen. Zugegeben, das ist geafellig gemacht, es ist weder Oud, Rose, Vanille drin und schon deswegen riecht man es nicht an jeder Strassenecke. Aber alles Widerspaenstige ist weg, ebenso die einstige Sillage und Haltbarkeit. Ich musste keinem Kaufimpuls widerstehen und fragte mich nur, mit welcher Version von Yatagan die Umsaetze von Caron hoeher sind / waren: mit der aus den 80-ern oder heute.

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Meggi vor 5 Tagen
18 Auszeichnungen
E-rös-chen
Was immer sich bei einem Duft namens „Piccadilly“ alles vermuten lässt, ich wäre von selbst niemals auf einen Bezug zur Statue des…Eros gekommen, die mitten auf dem Piccadilly Circus, an der Spitze der Shaftesbury Memorial Fountain, im Lauf erstarrt scheint. Vielleicht in Empörung, schließlich handelt es sich offiziell um den „Engel der christlichen Nächstenliebe“, nicht um einen verspielt-lüsternen, antiken Hüpfer, also bitte…!

Hm. „Verspielt“ ist zwar nicht der bestmögliche Einstieg in die heutige Duft-Beschreibung, besser als „lüstern“ jedoch allemal: Eine zunächst verhuschte Rose entblößt erst einmal zart-süßes Gewürz, welches freilich rasch sehr safran-staubig daherkommt. Das Ganze kann als eine Art Atemholen gelten, denn bald entfaltet die Rose eine freundliche, allerdings unmissverständliche Dominanz. Sie zeigt leise Anwandlungen jener ölig-teerigen Bitterkeit, die ich bei der Nennung von bulgarischer Rose (beim Hersteller nicht derart präzisiert) oft wahrnehme und die das Ledrige streift. Den Begriff „verspielt“ vergessen wir tunlichst endgültig.

Auch ein bisschen was Edelrosen-Wässriges ist an Bord, liebevoll abgerundet. Der „Preis“ dafür ist der übliche: Es entsteht eine (im Ansatz) Fruchtbonbon-Anmutung. Gleichwohl mischt sich das schön, lieblich-fruchtig auf der einen und kräftig-ölig auf der anderen Seite. Ich meine eindeutig „lieblich“, nicht „süß“. Und „Bonbon“ wird der Note nicht wirklich gerecht – außer, die Nascherei wäre von elysischer Qualität. Ich empfehle in diesem Zusammenhang zum wiederholten Male für den Garten die Rosensorte „Nostalgie“, ein zweifarbiges, züchterisches Meisterstück aus dem Hause Tantau. Einer ihrer vielen Vorzüge ist, dass sie nach… nun ja, eben elysischem Rosen-Bonbon duftet.

Während des Vormittags gewinnt ein holziger Part an Gewicht, entwickelt gar Anklänge an Oud. Nicht in einem Ausmaß, dass die Mundwinkel der diesbezüglich Übersättigten abwärts sacken müssten, vielmehr in einer Dosierung, die als Winz-Camouflage-Beitrag in Anlehnung an eine nicht grundlos beliebte Kombination dem Duft einfach gut tut.

Rosengeranie. Sie muss es sein. Latent kratzig. Doch keine Herren-Würze, kein über Nacht stehengelassener Aschenbecher. Fast seifig stattdessen. Hell. Und ihrerseits nur Assistenz der Grande Dame, deren „Grande“ sich hier – das sei erneut betont - aus innerem Rang infolge unwiderstehlich-resoluter Liebenswürdigkeit speist.

Um die Mittagszeit scheint sich mir ein cremiger Hauch in den Duft zu schleichen. Dazu Sprenkel von Grün, vor allem aber von Amber-Süße. Das Bonbon enthüllt seine Wurzeln? Das darf jetzt straflos „süß“ genannt werden. Am Nachmittag finde ich den Amber-Gedanken phasenweise ziemlich deutlich, wenngleich er die Labdanum-Rose-Pipi-Gefahr durchweg umschifft (höhö…). Die Rose ist nun ins Hintertreffen geraten und im Endstadium ließe sich Piccadilly als heller, sauberer Amberduft mit einer Spur fruchtiger Floralität bezeichnen. Trotzdem spendiert er bis abends zuweilen einen dunkelwuchtigen Rosen-Tupfer, der jedwede Banalität auf Abstand hält.

Fazit: Originell ist „Piccadilly“ sicherlich nicht, und 290 Euronen dafür finde ich sportlich; dessen ungeachtet ist er ein sehr feiner Rosenduft, den ich mir eher an Damen vorstellen mag. Er ist bei aller stilistischer Ausgeglichenheit in der Projektion übrigens von einiger Präsenz.

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe.

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loewenherz vor 4 Tagen
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Der Tauber
Tauben gehören nicht zu den allerbeliebtesten Vögeln - zumindest jene graublauen Ringeltauben mit vielfach räudigem Gefieder nicht, die häufig nur zwei Zehen haben und die wir gemeinhin 'Straßentauben' nennen. Ich bin kein ausdrücklicher Fan von ihnen, fürchte oder verabscheue sie aber auch nicht so sehr wie manch andere, die ich sie schon manchmal als 'Ratten der Luft' bezeichnen habe hören.

Dabei waren es Tauben, die beim Sortieren der Erbsen und der Linsen aus der Asche halfen. Picasso liebte die Tauben und malte sie vielfach als zarte und anmutige Geschöpfe. Und der Ölbaumzweig, der Noah am Ende der Flut gebracht wurde, wurde im Schnabel einer Taube übergeben. Mag man die Stimme der Taube einfältig finden - es sind unaufgeregte Wesen, deren beiläufige Melancholie ich mag.

Finde ich in der Kopfnote eines (zumal Herren-)Duftes 'Limette, Pfefferminze, Rum' - also etwas, das sofort an eine Cocktailbar erinnert - ist meine Spontankonnotation nicht eben optimistisch. Im Gegenteil geht die Erwartung rasch in Richtung eines virilen 'Hoppla, hier komme ich'-Jungmannenwassers von jener Gattung, die den Zielpfad zu baldiger (idealerweise gleichnächtlicher) Beschlafung ebnen soll.

So einer ist Guerlain Homme nicht. Das merkt man schnell, das hätte mich - was immer man von Herrn Wasser und seinem Œuvre halten mag - auch überrascht. Stattdessen ist dieser - ich will das böse M-Wort nicht benutzen, sagen wir ganz einfach als 'Breitenparfum' angelegte - Duft von einer Wesensart ähnlich der Taube bzw. ihres männlichen Exemplars, des Taubers: bläulich-grau, in seiner Präsenz kaum mehr als mittellaut und von seiner Wesensart her zurückhaltend. Es liegt eine Bitterkeit in seiner Süße - anfangs die Minze, später ein spröder Patchouli und die herben Gräser - die sie in jeder Phase zähmen, ausbalancieren und aushaltbar machen. Selbst der gefürchtete Dreiklang seiner Kopfnote ist weit weniger präsent, als angenommen werden musste, sondern leitet nur einen sanftwarmen Leisetreter ein, der eine Feinheit hat und eine Weichheit und subtile Traurigkeit.

Fazit: will man es einfach haben, könnte man wahrscheinlich sagen: 'Passt immer. Stört keinen. Fehlt niemandem.' Doch gibt man ihm einen Moment der Ruhe, ist es, als ließe man einen Tauber zum ersten Mal auf dem Handgelenk sitzen - und bemerke erst von nahem, wie klug und schön er ist.

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Serafina vor 3 Tagen
14 Auszeichnungen
Understatement in Non-Colours
Dass Yves Rocher hier komplett neue Wege gegangen ist, wurde ja bereits mehrfach erwähnt – ich kann nur zustimmen! Und ich bin mir recht sicher, wenn man eine verblindete Probe unter eine Auswahl von teuren Nischenparfums mischen würde – kaum jemand würde es bemerken, dass er/sie hier ein Parfum der bekannten franzöischen Kosmetikmarke vor sich hat!

Beim ersten Test war ich ein wenig von der geringen Haltbarkeit enttäuscht, aber ich tat dem Parfum wohl unrecht. Die Haltbarkeit liegt durchaus im mittleren Bereich, dieser Duft ist nur eben eher dezent und hautnah.
Ich empfinde ihn als Mischung von hellen, edlen Harzen, zu denen ja letztlich auch der Weihrauch gehört. Denn eine typisch rauchige Note kann ich nicht vernehmen. Die Iris wirkt hier nicht wie sonst oft pudrig-trocken oder „karottig“, sondern steuert nur eine dezente blumige Note dabei, die den hellen und freundlichen Charakter des Parfums unterstreicht.

Manchmal habe auch ich diese Farbassoziationen zu Düften: dieser hier ist wie eine wohlausgewählte Zusammenstellung von Beige-, Creme- und hellen Brauntönen. Natürlich habe ich da auch eine typische Trägerin vor Augen: eine Dame, die großen Wert auf gute Umgangsformen und Höflichkeit legt, niemals aus der Fassung gerät oder laut wird und bei ihrer Kleidung im klassischen Stil (und den eben erwähnten „Non-Colours“) auf die hohe Qualität der Materialien bedacht ist, was oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Sie hat eher einen Hang zum Understatement als eine Schwäche für auffallende oder extravagante Outfits. Auch dieses Parfum ist aus meiner Sicht nicht bunt, laut oder kontrastreich – es ist gepflegtes Understatement.

Ich selbst habe mit der eben beschriebenen Dame natürlich so gut wie nichts gemeinsam. Beige und braun wird man in meinen Kleiderschränken ebensowenig finden wie gelb oder orange.

Aber „Accord Chic“ empfand ich kürzlich bei einer längeren Autofahrt an einem relativ sonnigen Septembertag als einen angenehmen Begleiter, der gut zu der frühherbstlichen Stimmung passte.

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