Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Meggi vor 4 Tagen
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Von der Bedeutung gewisser ‚Stellen‘…
Nanu? Kurz auf den Kalender geblickt - nein, es ist noch ein paar Tage hin bis zum ersten April. Ein solcher Gedanke drängte sich nach der Lektüre des Textes zum Duft auf: Abgedruckt auf dem Pröbchen steht in winziger 4- oder 5-Punkt-Schrift (alles ‚sic‘):

„CBMUSK ist ein tiefer Duft, reich mit einer annimalisch, erotischen Presenz. Er scheint in der Haut zu verschwinden mit der Wirkung den eigenen Körpergeruch zum glühen zu bringen.“ (Leerzeile) „CBMUSK ist ein wunderschöner Duft ganz für sich aber auch als Basis, getragen mit anderen Düften.“

Eine derart heroische Beschreibung ist ja nichts gänzlich Ungewöhnliches. Nur leider rieche ich nach dem Auftragen zunächst eine cremig-kokosartig-säuerlich-holzige Mixtur und nach rund fünf Minuten in Margarine gedünstete Champignons. Na gut: Ich erhöhe auf Butter. Daneben dezentes Holz. Später, mittags, wird CBMUSK sanfter, ist freilich insgesamt bereits auf dem Rückzug. Die Pilze haben nunmehr sozusagen was Gartenhafteres gekriegt, wie die Dinger auf einem gemütlich und diskret vor sich hin modernden Baumstamm vielleicht. Das riecht keineswegs per se unappetitlich. Allein: Was soll das?

Hm. Ich habe bei meiner Beschäftigung mit Lômusk von Santi Burgas und Jewel for Him von Micallef Parallelen von Moschus, Holz und Pilz gefunden. Würde also passen. Jedoch ist es erklärter Anspruch des Parfümeurs, seine Vorstellung von echtem Tonkin-Moschus zu schein-verduftifizieren. Offenbar handelt(e) es sich dabei quasi um die Krone des Moschus. Wir dürfen indes wohl bezweifeln, dass der annähernd so roch... Angabegemäß hat der Parfümeur eine Aversion gegen manche künstliche Moschus-Varianten. Bloß was hilft der ehrenvollste Alternativ-Ansatz, wenn ich damit wie ein mit Pilzen gefüllter Wok rieche, in dem wer mit einem just ausgepackten Holzlöffel herumrührt?

Nochmal ‚Hm‘… Habe ich es an den falschen Stellen probiert? Im Internet heißt es ergänzend: „This is a very rich scent that wants to be worn only in specific places.“ Klar, gelegentlich kann die ‚richtige Stelle‘ entscheidend sein. Allerdings nahm ich den …äh… Geruch in meinem Büro sitzend nicht anders wahr als bei einem Ausflug beispielsweise in die Buchhaltung.

Drittes ‚Hm‘… Aaaaaah, es sind womöglich Körperstellen gemeint! Da erlebt man tatsächlich die lustigsten Sachen. Als ich mal mit Aua-Schulter zur Früher-hieß-das-Krankengymnastik war, wurde mir nicht allein von einem muskulösen Typen das übliche Gezerre und Gedehne an der Schulter verabreicht; nein, zwischendurch betätigte sich eine offensichtlich tief heilkundige Dame mit großem Erfolg auch andernorts. Nur beim ersten Mal handelte es sich tastenderweise noch grob um die Schulter-Gegend. Beim zweiten Mal zog und knetete sie Knöchel und Füße, beim dritten Mal drückte sie gar von oben her durch den Bauch („Platz da, Ihr Innereien!“) auf der Wirbelsäule herum. Ich war schon sehr gespannt, wo sich mich als nächstes betüteln würde, doch mit einem letzten Besuch bei dem kräftigen Herrn waren die sechs Termine dann leider vorbei. Egal. Wir halten fest: Auf die richtige Stelle kommt es an.

Nee nee, Herr Brosius! Guter Versuch, aber es gibt da so Körperteile, an die lasse ich Ihr Elaborat bestimmt nicht ran!

Ich bedanke mich bei Bartholomeo für die Probe.

PS (Achtung, bitte genau am 1. April lesen!): 10(!)ml „absolute perfume“ für 125 Dollar…

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Meggi vor 2 Tagen
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Mission TOPT
Sowjetunion, Ende 1990: Eine Aeoroflot-Maschine aus Berlin war auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo gelandet und spie auch eine Gruppe Jugendlicher auf dem Weg zu einem internationalen Chor-Festival aus. Mit dem Bus ging es noch rund zwei Stunden von Moskau bis Twer, wo wir auf die Gastfamilien aufgeteilt wurden, die uns für eine gute Woche aufnehmen würden.

Als wir endlich aufbrachen, ging es keineswegs direkt „heimwärts“. Mein Gastvater und sein Bruder, gleichfalls einer der Beherbergenden, führten meinem Mit-Sänger und mir zunächst die „Mission TOPT“ vor: Ein wildes Herum-Gegurke, viel rasches Russisch (geiler Zungenbrecher!) und schließlich einige Warterei, denn uns war irgendwann via Gestikulieren bedeutet worden, im Auto zu bleiben, während die beiden Gastgeber verschwanden.

Nach geraumer Zeit tauchten sie wieder auf, in den Armen einen nahezu meterhohen Stapel Pappkartons, ähnlich den Pizza-Verpackungen vom Liefer-Service, nur ungefähr doppelt so hoch. Auf deren Seiten stand jeweils in dicken Lettern das Wort TOPT. Sprich: „Tort“ – wie „Torte“ ohne „e“ und mit gerolltem „r“. Aha. Es hatte Torten gegeben und eine solche Gelegenheit musste wahrgenommen werden, ob man nun Gäste hatte oder nicht.

Die meisten der bestimmt fünfzehn Kartons waren schneller weg, als ihr Inhalt hätte gegessen werden können, sie wurden natürlich ver-tauscht. Lediglich eines jener Vorzeige-Elaborate spätsowjetischer Industrie-Backkunst gab es unter tapferer Beteiligung des kapitalistischen Besuchs zu essen.

Und allein die Tatsachen, dass erstens das gute Stück tagelang ohne Kühlung auskam und ich zweitens ausgerechnet jetzt daran denken musste, mag den geneigten Leserinnen und Lesern einen Anhaltspunkt liefern, wie ich Musc Maori empfinde und wie er mir gefällt.

Die hier bisweilen gerühmte Musc-Maori-Schokolade riecht für mich leider ziemlich billig, geradezu fettig, eher wie miese Kuvertüre. Ich reise erneut gen Russland: Die Schokolade dort – sofern es überhaupt welche gab – hatte einen vergleichbaren, seltsam stumpf-mehlig-schmierigen Beigeschmack. Ich weiß nicht, ob es zugesetzter Zucker war, jedenfalls rieb zudem etwas ganz merkwürdig an den Zähnen. Und es handelte sich nicht um Zahnweiß-Schokolade, da bin ich sicher. Insgesamt war das, genau wie besagte Torten, gar nicht mal übersüß, doch die Süße hatte eine bappig-klebrige und eben fürchterlich billige Art. Mit dieser Erinnerung verbringe ich die Auftakt-Stunde von Musc Maori. Danach: fiese, süße H-Sahne. Dafür habe ich immer Guajak im Verdacht, durfte inzwischen allerdings lernen, dass Sandelholz das wohl auch kann. Was die Sache indes mitnichten angenehmer macht. Ein vanilliger Dreh im Laufe des Vormittags verdrängt das unglücklicherweise nicht, sondern kleckst bloß obendrauf.

Am Nachmittag ist die H-Sahne schlichtweg penetrant. Eine Assoziation zu Buttercreme kann ich zwar verstehen, aber nicht begreifen. Konservierungmittel-gesättigte Also-ob-Buttercreme auf einer TOPT vielleicht? Die übrigen angeblichen Zutaten mögen sich darunter erahnen lassen. Mir fällt das freilich schwer und ändern täte es ohnehin wenig.

Fazit: Ein Schokoladen-Duft? Derlei stelle ich mir anders vor. Musc Maori ist diesbezüglich Lichtjahre entfernt beispielsweise von der Qualität eines L'Heure Défendue von Cartier.

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First vor 4 Tagen
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"Ich trage Chanel, und sie?" "Ich trage Lehmann."
Als mein Vater irgendwann in den 1970er Jahren zu einer Fortbildung in Berlin war, brachte er meiner Mutter drei kleine Fläschchen Parfum mit. Es waren die drei, die er nach ausgiebigem Testen am schönsten fand und sich am besten an ihr vorstellen konnte. Und so standen diese drei kleinen dann neben dem ebenfalls kleinen, aber etwas größeren Fläschchen Je Reviens im Bad. Auf dem dunklen, mit Goldfarben ziselierten Etikett stand jeweils "Lehmann" und darunter mit einem extra Aufkleber der jeweilige Name des Duftes.

Nach Berlin fuhr man damals nicht einfach mal so. Schließlich lag die deutsch-deutsche Grenze dazwischen, die man pro Strecke sogar zweimal überschreiten musste. Mit dem Unterton des Außergewöhnlichen, Kuriosen wurde fortan bei Gelegenheit immer wieder berichtet, dass Vater diese Düfte in West-Berlin in einer wundersamen kleinen Parfümerie erstanden hatte, in der die Parfums selbst hergestellt und in Gegenwart des Kunden eigenhändig in Fläschchen abgefüllt wurden! Weiterhin wurde berichtet, dass in dem Geschäft, das Vater zufällig im Vorbeigehen entdeckt hatte, nur ein einzelner Mann war, vermutlich der Parfumeur selbst! Hatte man soetwas schon einmal gehört? Nein. Keiner hatte soetwas in den 70ern oder 80ern schon mal gehört. Jedenfalls in unserem Umfeld nicht. Und dann dufteten diese Parfums auch noch sehr gut. Die waren wirklich deutlich besser als Vieles, was man sonst so an gängigen Düften kaufen konnte.

Das fand auch meine Mutter und sie benutzte sie alle drei ab und zu, besonders eines der Fläschchen verzeichnete stetig weniger Inhalt. Ich weiß leider nicht mehr, welche Düfte es waren, denn ich war noch sehr klein. Und ich weiß auch nicht, wo sie geblieben sind. Vermutlich wurden sie aufgebraucht und dann weggeworfen. Eines weiß ich jedoch: Lindenblüte war nicht dabei, denn keiner der Düfte meiner Mutter war süß. Und Lindenblüte ist sehr süß, so süß, wie Lindenblüten eben duften.
Ja, Lindenblüte duftet für mich 1:1 wie die blühenden Linden unter denen ich im Sommer mit dem Fahrrad entlangfahre. Genauer kann man es meiner Meinung nach nicht beschreiben. Ich kann sagen, dass es süß und weich und nach Weite duftet und ein wenig würzig und - weil ich diesen Duft von den Linden im Sommer kenne - nach Sommer. Ich empfinde diese Lindenblüte als vollkommen authentisch. Und: Der Duft hat über die langen Stunden, die er anhält, so gut wie keinen Verlauf. Lindenblüte bleibt Lindenblüte. Unter anderem deshalb hatte ich auch erst nur ein Statement geschrieben.
Heute habe ich in freudiger Erwartung sonnigerer Tage, Lindenblüte das erste Mal in diesem Jahr aufgetragen und dachte mir, dass ein Statement für diesen außergewöhnlichen Duft eigentlich zu wenig ist, besonders, da sich für mich obige Geschichte darum rankt. Die Aufkleber auf den Fläschchen sind, so scheint es mir aus der Erinnerung, dieselben geblieben. Nur hatte mein Vater für meine Mutter, kleine linsenförmige Flakons gewählt.
Und wenn man mich genau heute fragte: "Sie duften so gut. Darf ich fragen: Ist das Chanel?", dann antwortete ich wie früher meine Mutter: "Nein, es ist Lehmann".
Es wäre zu kompliziert zu sagen: "Nein, es ist Lindenblüte von Lehmann gelayert mit Himalayan Blue von Crabtree & Evelyn". Aber Euch kann ich das sagen. Lehmanns süße Lindenblüte und Himalayan Blue, der so unsüß ist, wie kaum ein anderer Duft, ergänzen sich auf interessante Art.

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Angelliese vor 2 Tagen
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Im Gestern, dem Heute und sicherlich auch morgen.
Flieder. Wenn er erblüht ist für mich die schönste Jahreszeit. Besonders den weißen liebe ich sehr. Und den Duft den er verströmt. Lange Jahre stand ein riesiger Fliederbusch seitlich der Terrasse meines Elternhauses. Eigentlich waren es zwei. Sie waren so ineinander verwachsen, dass sie wie einer wirkten. Zur Blütezeit ein duftendes Meer aus weiß-lila Blütenständen.

Irgendwie hängt ihm für mich immer etwas zeitentrücktes an. Er entführt mich und ich denke an die wunderbaren Bilder von Manet oder Sisley.

„Vacances“ hat für mich auch einen leichten Hauch dieser Impression und bleibt dabei doch in der Moderne.

Flieder ohne romantische Betulichkeit und doch nicht als Zerrbild seiner selbst. Keine weißen Korsettkleider, keine spitzenbesetzte Sonnenschirmchen, sondern eine ganz natürlich lässige Eleganz mit einem hintergründigen Quäntchen wohldosiert nostalgischer Reminiszenz.

Die Eröffnung für einen Wimpernschlag fast spritzig und mit einer fein herbgrünen Noten unterlegt. Flieder zeigt sich sogleich aber er blümelt nicht auf, entwickelt keine Zuckrigkeit, vermittelt mir eher weiße, ganz natürlich wirkende Blüten die, ohne eine schwere Nektarnote zu transportieren, von Blattgrün begleitet sind, die sich in klarer Luft gegen den blauen Himmel abzeichnen und dabei sanft im angefrischten Wind wiegen. Ein Spaziergang der mir außerordentlich gefällt und auf seine Weise ein Gefühl der Unbeschwertheit vermittelt.

Und der Weg führt weiter. Andere Blüten erscheinen, fließen ein ohne, dass auch nur eine das Zepter übernehmen würde. Rose ist zart vertreten und auch Hyazinthe gibt eine süßliche Nuance dazu aber sehr dezent, gekonnt abgefedert. Wie ein Pinselstrich erscheinen Blumen die dem Gesamtbild das letzte, fehlende Tüpfelchen bringen.

Eine leichte, fast mircofeine Pudrigkeit liegt wie ein Gazeschleier zwischen den Blüten ohne sie zu beschweren, ohne ihnen etwas von ihrem jetzt etwas süßlicherem aber immer noch von grünlicher Basis geprägtem Erscheinungsbild zu nehmen. Und immer noch duftet der Flieder zartpräsent wie an einem unbeschwerten Urlaubsfrühlingstag, wird getragen und lässig umfangen von anderen Blüten, ist dieser Spaziergang für mich harmonisch und jeder Schritt ein Vergnügen.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ganz leichte und fast balsamisch anmutend vanillige Note, bringt ein wenig Wärme ohne dabei den Duft in seiner Richtung zu verändern. Ganz subtil seichtfernharzig kommt sie mir vor. Und ist dabei feinstfließend ahnungsvoll in den facettenreichen Duft integriert.

Eine vage, holzige Nuance schwebt ein, manifestiert sich dabei aber nicht konkret im Geschehen, sondern ist für mich nur nebulös ab und an auszumachen. Ebenso wie mir der entfernt verschwommene Gedanke an samtweiches, fast wolkenzartes Moos aufkommt.

Und immer noch begleitet mich der natürliche, austariert angegrünt blütengetragene Fliederduft. Wenn auch nun noch etwas leiser, etwas wärmer, dezent abgecremt und verhaltener. Viele Schritte wird er das noch tun. Bis dieser harmonisch komponierte Frühlingstag sich seinem Ende zuneigt und zu einer wunderbaren Erinnerung wird. Im Gestern, dem Heute und sicherlich auch morgen.

Dankeschön, liebe Gerdi!

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Meggi vor 5 Tagen
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Und dafür ruft einer extra an?
Bislang kenne ich bloß eine einzige Parfümerie, die nicht nach Marken sortiert ist: In der Bloom Perfumery in London sind Duft-Familien das Kriterium. Mein Lieblingsladen in Hamburg hingegen hat das Sortiment konventionell geordnet - „Solitäre“ fallen da sofort auf. Und so erging es mir mit dem heutigen Kandidaten. Der stand ganz einsam rechts neben den Profumi del Forte und weckte bei mir gewissermaßen Neugier und Beschützerinstinkt gleichermaßen. Tja, der Herr Barrois habe sich einfach gemeldet, hieß es, und dann was zum Testen geschickt. Man sei von seiner Kreation angetan gewesen und habe ein paar Flaschen geordert.

Schon auf dem Papierstreifen hatte mich ein exquisiter, heller Lederduft begrüßt, nasenscheinlich aus der Veilchen-Ecke, garniert mit einer Spur Frucht. Sehr vornehm, so das Urteil auf den ersten Riech, mal nicht Leder und Frucht auf Tuscan-Leather-Art, sondern schwebend leicht und sommeranzugs-elegant.

Der Haut-Test bestätigte den Eindruck: Helles Veilchen-Leder mit einem brausehaften Schleier darüber, ein Spritzer von roter Frucht. Bald ein Hauch von… augenzwinkernder Cumin-Schwitzigkeit(?), spürbar lediglich direkt auf der Haut, nahe dem Spekulativen. Dazu ein vorsichtiger Pfeffer. Und ich habe mich tatsächlich ätherisch-fein und edel beduftet gefühlt.

Zunächst. Für bummelig eine Stunde. Ich weiß nicht genau, wann es kippte, wir waren halt in der großen Stadt unterwegs. Wie auch immer, jedenfalls sackten die Mundwinkel nach unten: Eine limonadenhaft-andeutungsholzig-latentmineralige Synthetik wie aus Escentric 02 oder Knowledge. Dürftig maskiert mit irgendeiner Alibi-Allgemein-Frucht. Für diesen Cocktail in puncto Labor allein auf Ambroxan zu verweisen, genügt kaum. Keine Ahnung, woher die Pyramide hier überhaupt stammt, die Hersteller-Seite ist eine Baustelle.

Womöglich noch ärgerlicher ist, dass das Wissen um den Fortgang mir beim zweiten Test bereits den Auftakt vermieste - das vormals als feines Leder Empfundene geriet unmittelbar ins Abseits und gemeinsam mit dem Pfeffer in der Sagen-wir-Limo-Note fast unter. Nur die Kreuzkümmel-Idee blieb mir als Ansatz-Originalitäts-Anker und da ich nicht aufgeben wollte, habe ich nach einigen Stunden damit eine Art Tabak-Versuch gestartet. Natürlich nicht wirklich Tabak, aber ich kann mir sowas einbilden, wenn ich den süßlichen Reagenzglas-Part in Richtung Cumarin deute und die Rest-Würze als tabakhaft interpretiere. Schwacher, punktueller Trost. Am dritten Test-Tag verpuffte schließlich der Cumin-Gedanke: Nix schwitziges Gewürz, es handelte sich bloß um muffiges Kunstholz mit etwas Pfeffer. Oder vielleicht abgestandenes Paprika-Pulver. Egal, ich geb’s auf…

Der Duft mit dem treffend retortenhaften Titel zeigt übliche Manieren: Ein gefällig-geradliniger Nett-und-Frisch-Auftritt ohne nennenswerte Ecken und Kanten. Leider fehlt es dem vorliegenden E-labor-at meines Erachtens völlig an Seele. Eine solche scheint Düften mit zumindest ein bisschen mehr Beitrag von Natur oder wenigstens Naturnähe vorbehalten.

Ich bin fürchterlich enttäuscht. Und dafür hatte der extra angerufen?

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Azahar vor 4 Tagen
21 Auszeichnungen
Black Afgano und seine Brüder
Dieser Kommentar ist nicht schön. Ob jugendfrei oder nicht, mag jeder selbst entscheiden, aber es ist ein Thema, das mir am Herzen liegt und das ich hier unverfälscht und ungeschönt als Erfahrungsbericht weitergeben möchte.
Eine gute Duftbeschreibung kann man hier auch nicht finden, es ist eher ein Eindrucks- und Stimmungsbericht, für den es sehr hilfreich ist, wenn man Black Afgano schon mal gerochen hat.

Letztes Wochenende musste ich die Wohnung putzen.
Es gibt wenige Tätigkeiten, die mich so schnell in üble Laune versetzen wie Putzen, daher brauchte ich starke Unterstützung.

Also lud ich mir zur Stimmungsaufheiterung vier Jungs ins Haus ein, die mir eine gute Hilfe sein sollten.
Sie bestachen durch eine krasse Optik und einen noch krasseren Geruch, und ich dachte mir: die werden mein Wochenende schöner machen. Ich sollte recht behalten.

Einer der Jungs war mich schon aufgefallen, der hatte mich mal bei Selfridges angemacht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Angeblich hat mal ein Plattenboss zu Leonard Cohen gesagt „Darling, we know your’re great, we just don’t know if your’re any good!“, und ähnlich geht es mir mit Black Afgano.
Aber, „Wenn Du mit mir nicht kannst“, hatte mir Black Afgano zugeraunt, „dann hol ich meine Brüder.“
Das hatte mich schwer beeindruckt. So eine service- und problemlösungsorientierte Einstellung findet man ja selten.
Die beste Strategie für eine schlaue Frau stand also fest: Ein Wochenende mit allen vieren verbringen und schauen wer mich am meisten anmacht ;-)

Black Afgano von Nasomatto
Wie sich das für eine richtige Gang gehört haben natürlich alle vier Spitznamen.
Der „Schwarze Afghane“ hat sich noch dazu eine schöne Legende ausgedacht um die Leute zu beeindrucken, aber letztlich tut diese Seite der Geschichte wenig zur Sache, denn Frau A. verträgt nicht mal 'ne halbe Flasche Wein, raucht nicht und kennt sich mit so 'nem Kram natürlich gar nicht aus. (Ihre bevorzugte Droge sind Chips, gähn)
Black Afgano ist jedenfalls großartig, eines der krassesten Parfüms, dass ich je gerochen habe. BA ist düster und sexy, haut einen erstmal um und wird dann erheblich netter, ist aber in jedem Fall eine echte Ansage.
9/10

Black Oud von LM Parfums
Man nannte ihn „Schwarzer Oud“ oder auch den „Krawallbruder“. Definitiv der lauteste von allem stürmt er herein und haut auf alles was in der Nähe ist. Er sagt er sei Drummer und gleichzeitig Leadsänger einer unglaublichen Band aber ich glaube der Typ hat vor allem ein Konzentrationsproblem. Black Afgano in laut. Und es ist ja nicht so, dass BA besonders leise wäre.
Mir ist er zu krass, mir fehlt die versöhnliche, sexy Seite. Falls er auch eine hat versteckt er die für mich zu gut, ich höre einfach nur 10 Stunden Dauerbrüllen.
7/10

Die beiden nächsten Kandidaten stammen übrigens von der selben Parfümeurin. Sonia Constant hat sich also auch einen Spitznamen als „Konrad Kujau der Black Afganos“ verdient. Davon kann man halten was man will, und ihre beiden Kreationen haben schon auch ihre eigenen Chartereigenschaften, aber gehörige Chuzpe braucht man schon um gleich zwei, nun ja „Reminiszenzen“ an Alessando Gualtieri auf den Markt zu werfen...

Fortis - Eau Delà von Les Liquides Imaginaires
„Der Starke“ in der Tat. Dieser Duft riecht nach Sex. Damit meine ich nicht, dass es ein Boxershortdropper ist. Höchstens für sehr abgefahrene Parfumos, wobei sich diese seltene Spezies dazu ja auch noch untereinander finden müsste. Die meisten Männer, die ich so kenne, fliegen ja eher auf ganz andere Stöffchen (und würden auf die Frage, was ihnen denn besonders gefällt allen Ernstes: ßamßingwißvanilla antworten!)...
Also dieser Duft ist, eher so „für einen selber“. Mich macht er aber extrem an. Er riecht sehr menschlich, schweißig, versaut, könnte auch ein Arschloch sein. Damit meine ich nicht, dass er fäkal riecht, aber die Oudnote hier in Verbindung mit dem Cumin - geiler Scheiß.
9/10 edit: ich muss das nach heute nochmal testen doch auf 8,5/10 korrigieren

Cuirs von Carner Barcelona
„Leder“ ist anders. Doch, definitiv. Das ist mehr ein Cousin als ein Bruder. Vielleicht sogar eine Cousine, man sieht das hier nicht so genau. Ich finde ihn irgendwie etwas femininer, aber das ist letztlich auch vollkommen egal, denn diese Typen hier machen es mit jedem, der Ihnen so vor den Sprühkopf kommt, so viel ist klar. Leder hat genau den Black Afgano Auftakt, aber nach einer halben Stunde stimmt das Bild einer Ledermanufaktur. Ich finde ihn etwas unrund, auf meiner Haut fügen sich die Teile irgendwie nicht so schön zusammen, was schade ist, denn der Ansatz ist interessant. (Das nur am Rande aber der Flakon ist eines der riesigsten unpraktischsten Quadratteile, das ich je gesehen habe…)
8/10

Zu welchem Schluss komme ich also?
Wer geil ist muss nicht schön sein.
Der irgendwie doch Beste ist letztlich Black Afgano.
Fortis hat seine eigene Anziehungskraft.
Beide Brüder bleiben als Abfüllungen bei mir.
Ich glaube allerdings, dass ich mit den kleinen Abfüllungen eine ganze Weile auskommen werde, denn ich werde sie mir nur gelegentlich zu Gemüte führen.
Zumindest im Moment wird keiner der vier als Flakon bei mir einziehen, sie werden Männer für spezielle Stunden bleiben. Es sei denn, es sei denn ich finde noch einen Bruder, den richtigen Bruder für mich.
Oder Black Afgano kriegt mich am Ende doch.

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Turandot vor 5 Tagen
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Schön, dich wieder zu treffen....
...so begrüßt man einen guten Freund, den man länger nicht gesehen hat. Ein ähnliches Gefühl überkam mich, als ich gestern Desert Gold auftrug, ein Parfum, das mir sofort ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Aber ein Wiedertreffen kann ja gar nicht sein, denn der Duft ist ganz neu, erinnert mich auch nicht wirklich an ein anderes Parfum und die Probe bekam ich als Zugabe von einer großzügigen Parfuma mitgeschickt. Ich hatte mich also auch vorher noch nicht damit beschäftigt. Und trotzdem - da war etwas, das mir einfach vertraut ist, obwohl Düfte, die die Wüste zum Thema haben bei mir normalerweise keine offenen Türen einrennen. Meist zu viel Orient, zu schwer, zu süss, zu viel Oud, zu viel Gewürze, einfach von allem zu viel.

Hier aber spüre ich tatsächlich den warmen Sand an den Füßen, seidigen Wind, Wärme, jedoch keine lähmende Hitze und eine seltsame Geborgenheit. Das Rätsel, warum Desert Sand in mir Saiten zum Klingen bringt löste sich dann auf den zweiten Blick, denn das Parfum wurde von Thomas Fontaine kreiert und er versteht es wie kaum ein anderer, meine Gefühle in puncto Duft anzusprechen. Seine Parfums - egal ob für Lubin, für Le Galion oder wie hier für Friedemodin geschaffen sind subtil und ausdrucksstark gleichzeitig und er hat eine sehr elegante Handschrift.

Das Lächeln, mit dem man in die Duftreise von Desert Gold einsteigt ist noch relativ vage. Ich kann keine Noten des Auftaktes erkennen und bemühe mich auch nicht darum. Deutlicher wird Thomas Fontaine dann in der Herznote, denn die Iris und eine gottlob dezente Orangenblütennote leiten bereits in die Basis über, die für mich den Höhepunkt, ein wahres Fest der Sinne darstellt. Weiches Sandelholz, herbes Eichenmoos, Leder und ein gekonnt eingesetzter Hauch von Patchouli vermittelt mir dieses Gefühl von Geborgenheit, Wärme und Entspannung, in das ich mich gerne hineinfallen lassen würde.

Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere Parfumofreund die dezente Sillage bemängeln wird. Aber gerade diese Zurückhaltung und Nähe mag ich sehr. Ich freu mich, wenn ich auch mal einen Duft fast ganz für mich alleine genießen kann. Das tut seiner Schönheit jedenfalls für mich keinen Abbruch.

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Meggi vor 30 Stunden
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Verbal abenteuerlastig
Eine Art ambrierter Fruchtbonbon eröffnet. Bald zeigt sich eine Holz-Melange, die mir sozusagen zwischen Virginia, dem Atlasgebirge und dem Hagebaumarkt Sprockhövel zu vermitteln scheint. Anders gesagt: Wenn das Kunstholz ist (was ich vor allem wegen der Sinuston-Haftigkeit nach hinten raus vermute) ist es gut gelungen. Zum Grund siehe unten.

Aus der Bonbon-Frucht schält sich eine üppig-süße florale Note empor, die freilich rasch vom Holz reguliert wird. In der folgenden Stunde verteilt ein Trio aus einer pieksig-fruchtigen Meinetwegen-Rose, einer zwar stillen, aber relativ breiten Weißblüher-Note sowie besagtem Holz-Mix in gelassener Eintracht seine Duft-Moleküle.

Während des Vormittags bildet sich in Letzterem allmählich eine cremig-süße, halspastillige Anmutung. Derlei bringe ich gemeinhin mit Lederdüften in Verbindung, hier allerdings wirkt das überhaupt nicht lederhaft, sondern kommt schlichtweg dem Holz zugute, dessen Bedeutung stetig wächst. Die Blüten verschwinden und um die Mittagszeit hat sich auch der fruchtig-florale Part bis auf ein leises, doch zähes, obstiges Hintergrundrauschen verabschiedet. Im Fortgang nimmt die Süße schließlich vanillig-sandelige Züge an, ohne indes je pampig zu werden. Wer also auf sehr ausdauernde, holzig-süße Basisnoten mit ansatzfruchtigem Tupfer steht, wird zuverlässig bedient.

Warum einem Duft, der zum Start fröhlich-harmlos als Fruchtbonbon daherkommt und danach einfach stabil-nett ist, ein dermaßen abenteuerlastiger Titel verpasst wurde, bleibt Scheichens Geheimnis. Trotzdem ist der Kollege schon O.K.

Ich bedanke mich bei Yatagan für die Probe.

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Taurus1967 vor 18 Stunden
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Frisch aus den 70ern
Ja, die 70er Jahre. Was waren das noch für Zeiten?! Da wirkte alles irgendwie weitaus unbeschwerter, die Auswahl an Unterhaltung und Produkten war überschaubarer, qualitativer und alles wirkte noch handgemacht oder analog. Natürlich gab es hier und da Schrott – aber egal zu welchem Genre oder Thema, es war eher die Ausnahme und weniger die Regel, wie es scheinbar ab den 80er mit Beginn des schleichenden digitalen Zeitalters üblich war.

Okay, diese Zeiten sind Geschichte und irgendwie muss es ja auch Fortschritte geben. Und wer ein wenig in die Vergangenheit reisen und in Nostalgie schwelgen möchte, für den ist Bogart ideal. Auch dieser Duft ist vor über 40 Jahren wahrscheinlich mangels Angebot und Verfügbarkeit vollends an mir vorbei gerauscht, jedoch beamt er mich in meine Kindertage zurück und suggeriert mir knallheiße Sommertage, die sich mit Bogart ertragen lassen. Egal ob die Träger damals Kotletten bis zum Hintern oder Plateau-Schuhe als Stelzen getragen haben – dieses Eau de Toilette hat für mich immer noch seine absolute Berechtigung und separiert Individualisten von Mitläufern.

Die angenehme Frische kommt hierbei nicht von irgendwelchen aquatischen Molekülen aus dem Labor, sondern vor allem aus würzigen Noten wie Rosmarin und Wacholder sowie grünen Statements aus Moos und Zedernholz. Gerade das Rosmarin fährt voll auf, was letztendlich auch den Unterschied zum Paco Rabannes pour Homme ausmacht, der fast in der gleichen Epoche entstand, nur ist jener weitaus muskatellersalbeilastiger und einen Tick dumpfer.
Dafür hat man dem Bogart eine dezente Seifigkeit verpasst ohne piefig zu wirken. Wer Mandarine und/oder Orange sowie Leder erwartet, wird eher enttäuscht sein, wobei letztgenanntes ganz gut gepasst hätte und eventuell mal in der Ur-Version zu vernehmen war. Auch die Haltbarkeit und Projektion ist für so ein Eau de Toilette mehr als anständig.

Alles in allem ein konsequenter Herrenduft, so cool wie urtümliche Rockmusik in einem offenen US-Car aus jenen Tagen. Da kommt halt noch mal richtig Lebensfreude auf!

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loewenherz vor 6 Tagen
14 Auszeichnungen
Toddlers & Tiaras
So heißt bzw. hieß ein US-amerikanisches Reality-Format, das - auch, aber nicht nur (und noch ein bisschen mehr als viele andere) - von der sittlichen Empörung seines Publikums und dessen gleichzeitiger Begeisterung und Verachtung lebt. Toddlers & Tiaras 'begleitet' Schönheitswettbewerbe für (Klein-)Kinder. Vordergründig geht es darum, zu zeigen, wie etwa die kleine Tiffany (5) aus Oklahoma - im paillettenbesetzten Einteiler, dauergewellt und geschminkt wie eine Hafennutte - übt, so zu singen und zu tanzen wie Britney Spears. Und wie sie dann im Wettbewerb 'performt'. Tatsächlich mindestens ebenso wichtig sind aber die Backstage-Szenen, in denen Tiffanys rotgesichtiger Vater sie anschreit, sie müsse gefälligst sexier sein - und die Mutter ihr voll passiv-aggressiver Zärtlichkeit das verheulte Gesicht abwischt und sie dann schneidend fragt, 'ob sie Mommy denn wirklich traurig machen wolle' bzw. 'ob Teddy denn erst wieder in der Garage schlafen muss?'

Ob kleine Kinder wirklich eines eigenen Parfums bedürfen - darüber zu urteilen will ich mir gar nicht anmaßen. Doch bin ich überzeugt, dass viele Düfte 'pour Enfants' nur gekauft werden, um das Bedürfnis der Mamis - und es müssen gar nicht solche überambitionierten Eislaufmütter sein wie die oben geschilderte - zu befriedigen, dem Nachwuchs etwas ebenso Exklusives angedeihen zu lassen wie sie selbst verwenden - gerade, wenn das die 'Flughöhe' Creed oder darüber hat. Fünfjährige Mädchen selbst wählten vermutlich eher irgendetwas Rosafarbenes mit einer Disney-Prinzessin drauf - so hübsch und liebevoll gemacht der Flakon mit den Vögelchen auch aussehen mag. Gleichwohl ist nichts gegen ein solches Parfum einzuwenden, geschieht sein Kauf denn aus einer Laune und dem Wunsch heraus, dem Kind mit einer hübschen Kleinigkeit eine Freude zu machen. Oder wenn - die vielleicht noch werdende - Mami sich damit selber eine Freude macht.

Creed pour Enfants ist harmlos im besten Sinne. Es fehlt ihm - und das genügt eigentlich schon für seine Daseinsberechtigung - die plärrend-klebrige Süße, die viele andere Kinderparfums haben. Es fehlt ihm die Disney-Prinzessin auf dem Flakon, die Creed-tragende Mamis nur schwer aushalten könnten neben den Vintage-Käthe Kruse-Puppen auf dem Riviera Maison-Sideboard im Kinderzimmer. Es fehlen Tiefe, Sillage und Entwicklung. Es fehlt der Alkohol. Es fehlt ihm vieles, was ein Parfum für ein Kind im Grunde auch überhaupt nicht braucht. Der Duft ist fruchtig, frisch und schwerelos - und von der gut erträglichen Intensität eines hochwertigen Kosmetikprodukts. Und er ist völlig asexuell arrangiert, was ihn für Tiffanys Vater wohl uninteressant macht - doch mich verstörte alles andere bei einem Kinderduft. Apfel ist der Kopfnote finde ich meist schwierig, doch hier - gemeinsam mit einer flüchtigen Pflaume - ist er sehr angenehm und unaufdringlich. Insofern: alles gut.

Fazit: nichts an diesem Duft ist ungeeignet für ein Kind. Und wenn seine Anschaffung eine Mami denn nun glücklich macht - und Teddy nicht in der Garage schlafen muss, sondern in Tiffanys Armen liegen darf - freuen wir uns doch einfach für die beiden. Ich drücke Tiffany die Daumen.

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