Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Helena1411 vor 21 Stunden
35 Auszeichnungen
Vom Weglaufen und Wiederkehren
Manchmal möchte sie weglaufen. Aus ihrer eigenen Haut schlüpfen und sie wie einen alten, abgelegten, schon längst nicht mehr zeitgemäßen und verlebten Mantel zurücklassen. Und mit ihm auch ihr Leben, so wie es ist, all die dunklen Täler, die undurchsichtigen Nebelfelder, die stolperigen Steinwege, die tiefen Gewässer...

Dann möchte sie in ihrer neuen Haut in einem Meer von Blumen baden, sich durch bunte, duftende Blütenblätter treiben lassen, die samtweiche Textur derselben spüren und die Opulenz der Blumenfülle in Kaskaden über sich fließen lassen.

Dann möchte sie aufregende Abenteuer in fernen exotischen Ländern erleben, mit einer Karawane durch einen Zimtsturm ziehen, sich in Oasen, durch die zarte Pflaumenwinde wehen, lustwandelnd erholen.

Dann möchte sie gen Himmel fliegen, losgelöst von aller Schwere und vogelfrei, und durch watteweiche Puderwolken schweben, einer leuchtenden Vanillesonne entgegen, die sie auch von innen wärmt und nährt.

Dann möchte sie wieder in der Kirche ihrer Kindheit staunen, über die riesengroßen Säulengänge, in den auch Goliath sich klein gefühlt haben muss, und den schwachen Geruch des Weihrauchs einatmen, der in kleinen Duftschwaden ein Gefühl von Frieden erriechbar macht.

Dann möchte sie am endlosen Meer an irgendeinem Strand der Südsee wie ein Delphin pfeilschnell durch Wellen tauchen und mit ihnen gleiten, um geschmeidig im warmen, Sonnenlicht reflektierenden Sand zu landen und den Duft des Südseezaubers zu inhalieren.

Dann möchte sie sich erden, ähnlich einem Baum ihre Wurzeln tief in den Boden versenken und die Verbundenheit mit der Erde, der Natur fühlen, sich groß, alt und weise fühlend mit ihren Wipfeln im Wind, der warm, balsamisch und süß den Geruch des Holzes von ihren Waldgeschwistern mit sich trägt, wiegen lassen.

Erst wenn das letzte Duftmolekül verflogen, die leise Ahnung verschwunden und der sanfte Hauch der zauberhaften LouLou verstrichen ist, schlüpft sie wieder in ihren abgelegten Mantel, immer noch alt, immer noch ver- oder, lächelt sie, besser gelebt, aber er passt wie angegossen, ein zweite Haut, die sie schützt und kleidet wie keine andere, die ihr bekannt, ja sogar angenehm vertraut ist und die sie wunderlicherweise liebgewonnen hat. Und ihr wird klar, dass sie keinen anderen Mantel tragen möchte.

Sie ist weggelaufen. Mit LouLou.
Und sie ist wiedergekehrt. Dank LouLou.

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Ilovecoffee vor 3 Tagen
28 Auszeichnungen
Montagsenthüllung - Jolene (freie Interpretation)
Jolene, Jolene, Jolene
Ich flehe dich an, nimm mir nicht meinen Mann. Nimm ihn dir nicht, nur weil du es kannst.
Du hast es doch getan, gnadenlos.
Ich konnte nicht ihn nicht festhalten.

Der Start ist herb-fruchtig, nicht leicht, sondern vollendete, reife Früchte. Schon ab der ersten Minute ahnst du was für ein gehaltvoller Duft das ist.

Deine Schönheit ist unvergleichlich. Mit flammenden Locken aus kastanienbraunem Haar, mit einer Haut wie Elfenbein und smaragdgrünen Augen.
Meine geliebten Söhne weinen sogar im Schlaf seit ihr Vater uns verlassen hat. Ich kann ihnen den Schmerz nicht nehmen. Ich finde keine tröstenden Worte mehr.

Der Jasmin ist schwer und düster, gleicht einem flammendem Herz. Heliotrop nimmt ihn in seine Arme und tanzt weiter...

Er redet im Schlaf von dir. Ich kann mich der Tränen nicht erwehren wenn er deinen Namen ruft.
Ich weine mich jede Nacht in den Schlaf, jeden Tag versuche ich zu überstehen. Wir kämpfen!

Deine schützende Vanille, groß und anmutig.
Dein sanftes Kaschmirholz stimmen mich zuversichtlich.

Ein großer Duft. Ein wundervoller Duft, süß und schwer. Kaum Blüten, viel zu entdecken.
Ich habe durch dich erfahren, dass ich manche Düfte nicht tagen kann. Sie schmerzen zu sehr.
Dieser hier würde mich wegspülen, mitreißen. Ich betrachte und bewundere ihn aus der Ferne.
Er verkörpert gnadenlose Schönheit und ganz versteckt lauert eine subtile Kälte.
Er ist für andere gemacht. Die mit den Smaragdaugen.
Ich bin froh, dass diese Zeit vorüber ist. Der Duft musste weiterziehen.
Es gibt Neues zu entdecken.

Die Haltbarkeit ist übrigens großartig und die Aura perfekt.

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Helena1411 vor 3 Tagen
28 Auszeichnungen
Das samsarische Telefonat
„Hallo, hier ist... ach Hallo, Tante Herta! Na, wie geht es...aha....Hmmh, jaja...und was macht Onkel...achso... .... ... ja, das ist hört sich doch...ja...soso... ... ... Was? Mein Parfum letztes Mal? Das war... ja, fast... das war... ja riecht wie Dein Samsara, nur... ja, finde ich auch, schön würzig....ja...ach... heller sagst Du...meines? Ja, ist zitrisch frisch, liegt an ... ähm... ja also...genau Zitrusfrüchte...ach, echt nicht? ... Bei Deinem nicht zitrisch... ja... aha... Stimmt, im EdT...was? ... Eau de Toilette, Tante Herta... nein hat nichts mit Toilette zutun, sondern...ja, weißt Du...aha, ja, schlimm mit der Verstopfung bei Onkel... ach sach... ja, interessant (Seufzer)...also, EdT ist eine Bezeichnung...nein...NEIN, Tante Herta...ich schrei doch nicht...also nochmal... ist eine Bezeichnung für ein leichteres Parfum... wofür die Bezeichnung? Na für...ach egal...(tieferer Seufzer)...ja...ja...hast Recht, Samsara ist dunkler am Anfang...meines ist... genau ... ja....heller... und frischer...immer noch (zwei Seufzer)...das Samsara ist ein wenig seifiger... ja, aha... ja, ich lege Seifen zwischen meine Wäsche ... ja ...Hmmh...ich weiß... duftet gut, jaja ... wie bitte? Ach so... ja, mein Parfum riecht nicht seifig und ...aha... ja... heller (sehr tiefer Seufzer)... und wird dann auch würzig wie Dein... ja...stimmt... aha... finde ich auch, bei beiden eine Zimt-Note... dochdoch... Nelke? Ja, irgendwie auch ... ja, weiß ich... jaja, Garten- und Gewürznelke sind unterschiedlich... ja klar weiß ich, dass die unterschiedlich riechen... ja, hat meine Mutter mir beige... ja, Deine Schwester (Stoßseufzer)... was ist mit den Blumen?... ach so... ja, im Samsara sehr blumig... Hmmh... nein, kann ich auch nicht so einzeln herausriechen... jaja, Nelke hatten wir... ja, die Gartennelke... jaha... bei meinem Duft auch... und bei meinem auch Ingwer, oder was meinst ... aha... aha... findest Du auch... ja, ich koche mir jeden Morgen heißen Ingwertee... hmmmh, ja...weiß ich...gesund... im Duft? Nein, zum Trinken gesund...(Seufzer mit Blick zur Uhr)... nee, Ingwer rieche ich in Samsara nicht... ach schau, Du auch nicht... aha... meiner bleibt heller... ja, leicht säuerlich, finde ich auch, aber... soso... ja... doch... frisch-säuerlich... nein, im Samsara ist nichts säuerlich, Tante Herta... ach, echt... sauer geworden, sach an... aber ihr habt die Bohnen doch eingekocht... ach schau... was, das Säuerliche riecht gut?!... ach so, in meinem Duft.... ja, finde ich... aha...stimmt, ein wenig seifig bleibt Samsara.... nein, bei meinem nicht... hab‘ ich doch schon... ja... Seife zwischen die Wäsche ... aha... aha... (dreifacher Seufzer) ... holzig? Wie, die Wäsche? Ach Samsara!... ja... stimmt... hmmmh, wird etwas holzig nach einer Zeit... ja... aha ... würzig auch dabei... soso... jaja... blumig auch... und seifig...(ängstlicher Seufzer) ... ja, schöner Duft... Sonnencreme...wieso... aha, bei meinem Duft hast Du das geroch.... aha... ja... mmh, stimmt...cremig... ist bestimmt von YlangYlang... nein... was? .... nein nein... hat nichts mit innerer Ausgeglichenheit... nein... Du meinst Yin und Yang, Tante Her... aha, ja... Ausgeglichenheit ist wichtig... aha... ja... nein, ich hab‘ keinen Stress (total gestresster Seufzer) ... nein, ich mache die Entspannungsübungen ... wieso cremig-weich?... ach der Samsara... ja, ist wie meiner auch cremig-wei... hmmh... aha ... ja, sind beide nach hinten heraus... wie... ich meinte zum Schluss... nein... nein, Tante Herta, nein, ich will noch nicht Schluss machen... ja... ja, ich telefoniere auch immer gerne mit Dir (stoßgebetsartiger Seufzer) ... aha ... Onkel... jaja, redet nicht viel ... hmmmh ... Waldmeister ... bei meinem Duft... ja, vielleicht ein wenig... ach... hast Du geroch... hmmh ... liegt vielleicht an der Tonkabohne ... ja... ja, hattest Du schon erzäh... ja, die Bohnen sind sauer geworden... aha... nein, Dein Samsara ist nicht so säuerlich-frisch wie meiner... beide cremig... ja... hmmmh ... liegt am Amber, denke ich ... ja... haha, witzig... ja klingt wie rambazamba... (ganz verzweifelter Seufzer) ... an sich schon recht ähnlich... beide Düfte... ja... ja, stimmt... beide würzig... aha... meiner heller... ja, das hatten wir doch ... ja...ja... Deiner dunkler ... wie meiner heißt? Samsara Shine... nein, das ist nicht der Gleiche ... nein... das ist ... Was, es hat bei Euch an der Tür geklingelt?... ja ... schade... ja... ganz bald wieder... ja... Grüße... ja, Tante Herta... Tschüss... ja... Tschühüüss!“ (allumfassender Seufzer der Erleichterung)

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Meggi vor 4 Tagen
27 Auszeichnungen
Fällt mit dem Brett in die Bude
Das ist wieder so ein richtiges Profumum-Roma-Brett. Anders gesagt, fällt ‚Aquae Nobilis‘ hinsichtlich seines zentralen Themas sozusagen direkt mit dem Brett in die Bude: Vetiver, die Salz-Variante à la ‚Sel de Vetiver‘. Zwar spielt der spritig-krautige Beitrag unleugbar ebenfalls eine bedeutende Rolle, doch ist er nach meinem Dafürhalten heute in der zweiten Reihe untergebracht – wenngleich sich die Rangfolge zugegebenermaßen erst im Rückblick offenbart.

In der Auftakt-Phase verleiht er der Angelegenheit noch einen durchaus arzneihaften Dreh, eher medizinischer Likör als Schnaps, vornean überdies gestützt von einem minzhaft-rauen, seifigen Ton. Im Laufe des Vormittags steuert er schließlich eine stabile, krautige (ausdrücklich nicht gewürzige!) Würze bei, abgerundet mit ein bisschen Süße. Nachmittags übernimmt ein Anflug von „grüner Seife“ diesen Part. Rosengeranie und Eichenmoos dürften ihre Moleküle im Spiel haben.

Aber vor allem bietet ‚Aquae Nobilis‘ eben Vetiver. Das Besondere daran ist der cremige, womöglich typisch italienische Schmelz, der in apartem Zusammenwirken mit dem Salzhaften eine über viele Stunden stabile Beduftung bietet, die echt was hermacht.

Erst gegen Abend, als sich immer deutlicher eine ziemlich kräftige Moschus-Note zeigt, die nach ganz hinten raus sogar eine geradezu animalisch-dickflüssige Dominanz entwickelt, glaube ich, der Cremigkeit von oben auf die Spur gekommen zu sein.

Fazit: Macht keine halben Sachen, dazu lässt sich nur ja oder nein sagen. Mir gefällt’s.

Ich bedanke mich bei Gerdi für die Probe.

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Stanze vor 7 Tagen
27 Auszeichnungen
Mitternacht mit den Gangstern
Letztes Jahr verstarb ein alter Freund der schon in jungen Jahren an Krebs erkrankt war, nennen wir ihn B.

Eine deutsche Großstadt in den 90ern. B. wohnte in einer Wohngemeinschaft mit seinem Geschäftsfreund. Die Wohnung war groß. Eine ganze Etage hoch über einer Hauptverkehrsader in einem Ballungsgebiet. Der Geschäftsfreund hatte eine Frau gefunden, heiratete und zog aus. Ein neuer Mitbewohner musste her. Der neue Mitbewohner wirkte nicht einmal besonders furchteinflößend. Er sah nicht gerade gut aus. Aknenarben entstellten seine groben Gesichtszüge. Ich kannte ihn nicht näher und wusste nichts über ihn. Er war immer höflich. Dann feierte B. seinen 30. Geburtstag und die Wohnung war voller Freunde des neuen Mitbewohners. Eine seltsame Stimmung. Natürlich tranken die Leute alkoholische Getränke aber niemand wurde laut, niemand war betrunken. Abgesehen von leiser Musik und intimen Gesprächen war es ungewöhnlich still. Die Männer sahen alle ernst aus. Dunkel, und da meine ich nicht die Hautfarbe. Geheimnisvoll. Gebremster Schaum quasi. Zu den Männern gehörten keine Frauen, das hatte aber nichts mit ihrer sexuellen Einstellung zu tun. Es war eine Art Arbeitstreffen. Es wurde auch gekifft. Rauch lag in der Luft und der Geruch von starken alkoholischen Getränken. Man konsumierte gewiss auch weißes Pulver, aber davon habe ich nichts mitbekommen.

Später stellte sich heraus, dass der neue Mitbewohner schon länger von der Polizei observiert wurde. Und während wir den Geburtstag feierten, wurden wir die ganze Zeit von der anderen Seite der größeren Verkehrsader mit Kameras überwacht. In einem Hinterzimmer lagerte der neue Mitbewohner einen Koffer mit teuren, illegalen Dingen. Und natürlich Geld.

B. klagte den neuen Mitbewohner dann irgendwie raus. Später zog B ins Ausland.

Daran erinnert mich Midnight With The Mobster. Wahnsinnig tolles Zeug, das von sich behauptet ein Dupe von Rojas Enigma pour Homme zu sein. Enigma pour Homme ist bestimmt gräßlich teuer. Midnight With The Mobster ist wahrscheinlich ziemlich ähnlich geraten und ist dementsprechend ausverkauft. Dafür wäre ich sogar zum Zoll gewandert.

Ich rieche bei Midnight With The Mobster besonders die holzig-harzigen Anteile stark heraus. Neroli und Jasmin spielen wenn überhaupt nur eine Nebenrolle. Patchouli, Benzoe, Tabak und Cognac geben hingegen alles und Vanille spendet anheimelnde Süße.

Man kann Midnight With The Mobster auch als rechtschaffener Bürger tragen. Selbst wenn man überhaupt keinen Gangster kennt. Männlein und Weiblein können Midnight With The Mobster gleichermaßen tragen. Die kalte Jahreshälfte ist zu bevorzugen, aber man kann Midnight With The Mobster wahrscheinlich ganzjährig tragen, wenn man möchte. Zur Arbeit eignet es sich nicht nur, wenn man kriminell ist. Wahrscheinlich ist die Haltbarkeit und Sillage nicht ganz so heftig wie beim Original. Um so besser. Falls ihr es schafft, an Midnight With The Mobster heranzukommen. Gönnt es euch ruhig. James Cagneys und Humphrey Bogarts Geist wird über euch wachen.

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Siebenkäs vor 5 Tagen
26 Auszeichnungen
Edmond
Zum Glück hatte sie noch fast eine Stunde, bis der Film anfing.
Sie waren direkt vor dem Kino verabredet und sie wollte auf jeden Fall
als Erste da sein. Er sollte nicht auf sie warten müssen. Diese Spielchen
nach dem Motto „Männer sollst du immer ein bisschen warten lassen“
waren doch einfach nur peinlich.
Sie beschloss, einen kleinen Umweg durch den Park zu machen.
Es war ja noch reichlich Zeit und sie würde sich noch ein bisschen
auf eine Bank in die Spätnachmittagssonne setzen.
Allzu viel Schlaf hatte sie die letzte Nacht nicht gehabt.

Gleich hinter dem Apollobrunnen fand sie eine Bank, die ihr gefiel.
Der Blick ging weit über die Rasenflächen bis zu den Baumgruppen,
hinter denen die Silhouette der Stadt im Dunst des frühen September-
abends lag.
Sie schloss die Augen und genoss die letzten, sanftwarmen
Sonnenstrahlen. So lieb fühlten sie sich an. Sie spürte die Müdigkeit,
die über sie kam wie eine weiche Decke.
Ihre Gedanken wurden weit und dunstig.
Dann hörte sie mit einem Male Schritte auf dem Kiesweg.
Sie öffnete die Augen.
Ein älterer Herr mit Spazierstock kam des Wegs, begleitet von einem
kleinen, struppigen Hund.
Aber bevor sie ihn noch genauer sah, roch sie ihn.
Es gab keinen Zweifel – er trug Eau Sauvage. Sie wunderte sich
überhaupt nicht, dass ihre Nase so sensibel war, obwohl sie doch wusste,
dass der Duft eigentlich nicht sehr weit ausstrahlte.

Sie kannte das Parfum gut. Sie hatte es sogar vor ein paar Jahren mal
einen Flakon lang getragen, aber dann irgendwie vergessen.
In diesem Moment kam ihr das geradezu unbegreiflich vor. Der ältere
Herr stand jetzt direkt vor ihr, irgendwie ging von ihm das ganze
Orchester des Duftes zugleich aus. Die frische, natürlich-zitronige,-
gelbe Eröffnung, diese wunderbar grüne Tautropfen-Krautigkeit,
das dahinter auftauchende holzig-Moosige mit einer fast weh-
mütigen trockenen, ganz zarten Bitternote. Alles zusammen als ein
Klang, der vollkommen zeitlos wirkte und zugleich beruhigt und
froh machte.
Der Herr schwieg und lächelte sie nur an.
Sie hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen.
„Sie…Sie riechen so gut!“, brachte sie schließlich heraus.
„Ich wollte mit diesem Duft nicht viel – nur etwas ausdrücken,
das, wie ich fand, zu sehr vernachlässigt wird…“, sagte der Herr.
„Also Sie, Sie haben…“
„Nennen Sie mich einfach Edmond, mein Liebe. Was ich wirklich
ausdrücken wollte, das war im Grunde die Einfachheit. Nur in ihr
kann man mit etwas Glück das vielleicht wertvollste finden –
die Poesie. Denn die ist ein wenig scheu und vor allem – wild.
Très sauvage.“
„Ich verstehe…“
„Seit ich auf der anderen Seite bin, haben sie viel daran herum-
gedoktert. Aber irgendwie ist wie durch ein Wunder das Geheimnis
nie ganz verloren gegangen…“
„Aber… wieso können Sie denn so einfach herumspazieren, wenn
Sie doch eigentlich…“ Sie spürte sofort, dass Sie im Begriff war,
etwas Falsches zu sagen.
„Ich bin einfach ein etwas seltsamer Mann, meine Liebe. Ich kann
ein paar sonderbare Dinge… Sehen sie, wenn ich jetzt mit den
Fingern schnippe, werden alle Menschen überall auf der Welt
für einen Moment völlig glücklich sein.“
Er schnippte mit den Fingern.
Sie atmete tief durch.
„Schon vorbei…“, sagte Edmond. „Ich bin jetzt ein wenig müde.
Aber Sie haben vielleicht gemerkt, dass Sie gerade von den einfachen
Dingen etwas lernen können… zum Beispiel von der Bank, auf der
Sie sitzen..“
Sie strich mit der Hand über das weiß lackierte Holz.
„Reich willst du sein?“, sagte die Bank. „Warum bist du es nicht?“
Edmond lächelte. „Ich muss jetzt weiter…“
Da kam auch schon der kleine struppige Hund aus den Büschen
und zupfte an seinen Hosenbeinen.
„Ist ja gut“, sagte Edmond und klopfte ihm das Fell.
Dann griff er in seine Manteltasche und nahm etwas heraus.
Über ihrem Kopf öffnete er seine Hand und ließ viele fein
geraspelte Zitronenschalenstückckchen auf sie herabrieseln.
„Voila…“, sagte er.
Dann machte er sich wieder auf den Weg.

Nach ein paar Metern drehte er sich noch einmal um.
„Denken sie daran“, rief er, „ewig währt am längsten.“
Sie streckte sich wohlig - und wachte auf. Die Sonnenwärme und
die Müdigkeit waren einfach zu stark gewesen.
Plötzlich fiel ihr die Verabredung wieder ein. Sie blickte auf ihre
Armbanduhr – es war kurz vor halb acht.
Im Eilschritt machte sie sich davon – laufen wollte sie nicht.

Als sie am Kino ankam, stand er vor den Schaukästen und sah sich die
die Bilder an.
Sie tippte ihm zart auf die Schulter.
„Das tut mir so leid… wartest du schon lange…?“
„Ach was, eine Minute vielleicht…“
„Ich war eigentlich super früh, aber dann…“, sagte sie, dann bin ich…“
Er unterbrach sie. „Was hast du denn da…?“
Er griff ihr in die Haare und nahm etwas heraus.
„Komische kleine gelbe Dinger…“, sagte er und schnupperte daran.
„Riechen nach Zitrone.“

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Gold vor 7 Tagen
26 Auszeichnungen
Boring Baïkal, Bonjour (und Tschüß)
War es wirklich eine gute Idee, sich diesen Jubiläumsduft von Patricia de Nicolaï (im weiteren Verlauf PdN genannt) blind zu bestellen?
Mit "Baïkal Leather Intense" feiert die große Parfümeurin diesen Monat ihr 30. Firmenjubiläum. Da ich seit Beginn des Jahrtausends zu ihren Bewunderern zähle und außerdem Lederdüfte liebe, darüber hinaus sogar schon mal am Baikalsee gewesen bin (kleine persönliche Sentimentalität am Rande) dachte ich mir, dass ich kein Risiko eingehen würde und bestellte mir 30 ml für 59 Euro ( plus 16 Euro Versand aus Paris - warum eigentlich so teuer?) nach Hause.

Seit Stunden begleitet mich nun der neue PdN-Duft, morgens aufgesprüht, mittags aufgefrischt, abends nochmal gesprüht, jetzt zu nachtschlafender Zeit weiterhin auf meiner Haut.
Meine Tochter und mein Partner sind natürlich auf "olfaktorischem Gebiet" (zu anderen Lebensbereichen schweige ich jetzt besser) sehr viel von mir gewohnt und äußern sich gerne zu meinen Parfums.
In diesem speziellen Fall konnte meine Tochter (17! Ja, ich bin schon stolz auf sie...) sogar Vergleiche zu einem PdN-Duft ziehen, den sie mal getragen, dann aber an mich zurück gegeben hat, weil er ihr zu stark war (PdNs "Patchouli Intense" ).
Ihre Reaktion auf den Neuen: "Intense stelle ich mir anders vor. Riecht nicht so nach PdN." "Ja, ganz okay, aber wo ist das Leder?"

Der Mann an meiner Seite nahm den neuen PdN wesentlich positiver zur Kenntnis. Gleich zur Begrüßung meinte er: "Hmm, du riechst aber heute besonders gut."

Immerhin! (Er könnte mir den Duft also abnehmen).

Denn ich selbst bin ziemlich enttäuscht.
Ach, was sage ich, ich bin geschockt.
Dieser Duft entspricht meinen Erwartungen überhaupt nicht.
Die Cracks hier unter Euch kennen natürlich die ganze Palette an Lederdüften... ich muss Euch nicht langweilen mit Vergleichen, angefangen mit Cuir de Russie über Bandit bis zu Juri Gutsatz oder Tom Ford bis zu Produkten von Rossmann.
Aber vielleicht hat sogar der Rammstein - Duft mehr Lederanklänge als dieses Produkt einer unabhängigen französischen Nischenmarke.
Und was ist eigentlich mit den Guerlain - Genen in PdNs Nase passiert? Davon will ich erst gar nicht sprechen.

Also, was hat sich Madame de Nicolaï dabei gedacht, einen so zahmen, angepassten Duft zu ihrem Jubiläum herauszubringen und diesen dann auch noch "Baïkal Leather Intense" zu nennen? Ja, es gibt eine PdN -Facebook - Seite in russischer Sprache, aber setzt die Firma wirklich so stark auf Kunden aus der Russischen Föderation? Oder auf alte Fans wie mich, die in der Hoffnung auf einen spannenden Lederduft zugreifen?

Zu Beginn hoffte ich ja wirklich noch, war sehr positiv gestimmt, denn die Kopfnote ist frisch, explodiert förmlich, macht Spaß.
Safran kann ich übrigens absolut nicht wahrnehmen, soll angeblich in der Kopfnote enthalten sein. Dafür viel Grünes, eine angenehme Frische.

Dann kommt... kein Leder.
Es folgen sanfte Töne, so als ob einer Sängerin nach einem Lauf vom hohen C herunter die Stimme versagt hätte.
Sie ist kein strahlender Sopran mehr, sondern haucht sich in der Mittellage irgendwie heiser und verhuscht einen ab. Man möchte ihr ein Mikro zuwerfen, aber nun merkt man, dass die Musik sich bereits auf einem angenehm daherplätschelnden "Muzac-Level" eingependelt hat, diesem musikalischen Grundrauschen eines durchschnittlichen Shoppingcenters.
Welche Blumen dafür jetzt verantwortlich gemacht werden müssen - mir ist das ziemlich egal, Euch hoffentlich auch. Angeblich Rose, Veilchen und Iris. Die üblichen Verdächtigen eben.

Nach einer Stunde folgt der komplette Absturz des Duftes in die Beliebigkeit eines generischen Männerdufts neuerer Machart. PdN benutzt offenbar kein Ambroxan, aber viel Moschus und Tonkabohne. Das ist ganz nett, aber wenn ich einen süßlichen Herrenduft in der Art suche, kann ich im Mainstream weit Besseres finden.
Am Baikalsee garantiert auch, ich erinnere mich an einen kleinen Ort, Listwjanka, dort gab es einen Laden, der einige typische Düfte führte, z. B. "Russian Forest". Für drei Euro zu bekommen. Oder man greift zu einer Kopie aus China, zum Beispiel zu "12 Million" oder "La Nuit d'Yves".
Vom Ufer des Baikalsee aus kann man übrigens bei gutem Wetter die Mongolei sehen...
Der Baïkal steht weltweit exemplarisch für eine Vielzahl an endemischen Tieren und Pflanzen, deren Existenz bedroht ist.
PdN stand mal für eine innovative und geschmackvolle französische Parfumkunst... deren Existenz offensichtlich ebenfalls bedroht ist.
Da hat Madame de Nicolaï wahrhaftig selbst eine tolle Analogie geliefert mit ihrer Namensgebung.

Well, those were the days...
Ich rufe PdN ein wehmütiges "Adieu" zu und krame meine alte Pulle "Sacrebleu" heraus.

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Pluto vor 34 Stunden
25 Auszeichnungen
Selection alias Paulahandzahm - Spitznamen…
Wer schon mal Kommis (Succus, Champs-Élysées) von mir liest, hat vielleicht mitbekommen, dass unsere Familie Spitznamen liebt. Herr Pluto und ich können uns mit Spitznamen blind verständigen, kein Außenstehender weiß, wen wir meinen. Da gibt es Schnipp-Schnapp, Schöner Rasenpeter, Lobster, der Schlafwarme, Bonsai 3 und einige mehr. Und es gibt Düfte z. B. Diemitdemwolftanzt für Azzaro Pour Elle Extreme (geliebt vom Terrier Lucky), Bumbumhierbinich für Private Collection und jetzt gibt es noch Paulahandzahm für Selection Women. Die zickige Paula (Katze meiner Schwester) mit der niemand – außer meiner Schwester – alleine im Raum sein möchte (sie greift gerne unvermittelt an, wenn der Besuch ihr zu lange dauert und ich habe tatsächlich etwas Angst vor ihr) mag diesen Duft, ja, sie liebt ihn.

Ich las die vielversprechenden Kommis von JetonToni und FrauLohse und habe mir Selection beim nächsten Drogeriebesuch ohne Test gekauft. Selection startet nur eben zitrisch mit einer leichten Fruchtnote und duftet nach wenigen Minuten wie eine hochwertige Körperbutter. Für mich ist dieser Duft eher Cremepuder denn Parfüm. Man fühlt sich nicht parfümiert, sondern schlicht sauber und gepflegt. Florale Noten nehm ich nur schwach wahr, identifizieren könnte ich sie nicht. Im Großen und Ganzen überwiegt bei Selection der cremige Moschus, der in einer zartholzigen Basis endet. Der Duft ist angenehm, belästigt keinen und fällt nur beim Nahekommen auf. Und das übrigens auf höchst angenehme Weise. Kurzum ein idealer Alltagsduft für Büro und Freizeit.

Die Haltbarkeit ist gut, die Sillage verhalten und ich könnte ihn mir tatsächlich auch an androgynen Männern gut vorstellen, also nicht am Holzfäller, da will ich Black Masculin. Der weiße Flakon ist bei 30 ml gut zu händeln, formschön wie ich finde und man kann den Füllstand durch den durchsichtigen Streifen in der Mitte gut erkennen. 30 ml für 10,95 €.....

P. S. Paulahandzahm hat mich mit Selection mehr als 2 Stunden ertragen, ohne mich zu kratzen. Im Gegenteil, ihre Barthaare haben ekstatisch gezittert beim Schnuppern an meinem Handgelenk. Und Lobster arbeitet übrigens an der Fischtheke, das hab ihr geahnt, nicht? :o)

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Palonera vor 24 Stunden
25 Auszeichnungen
Funde
So vieles fand ich in "Amber pour Homme"– vieles, vieles.
Mandarinen, wässrig frisch vom Baum.
Den Stich Neroli, ganz sanft nur, bald vorbei.
Die Dusche von soeben, ein Hauch vom Gel hängt noch im Raum.
Seidig glatte Haut, gepudert und gecremt.
Den alten "Zino" gar an manchem heißen Tag.
Lavendelveilchenblau, vielleicht ja nur geträumt.
"Infusion d'Homme", die Prada-DNA.
Den Barbershop, das Hammam auch.
Viel Licht, viel Luft, viel Komm-zur-Ruh.
Watteweiche Wärme, nicht dicht, ganz zart und leicht.
Dann wieder Spitzen, Kanten, sonnenbleiches Holz.
Fand Mann, fand Frau, fand viel dazwischen.
Jedoch den Amber – den Amber fand ich nie.
Nicht in der Sonne und nicht bei Wind und Regen, nicht im Frühling, im Sommer oder Herbst.
Vielleicht spart er sich auf für dunkle Winter, für klirrend kaltes Eis – wer weiß?!

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AdAstra72 vor 33 Stunden
22 Auszeichnungen
Der Preis des Hypes …
Ich muss zugeben, ich war durch den Hype um den Aventus total angefixt und habe ihn mir nach ausgiebigem Test dann auch gekauft … einfach weil ich ihn überzeugend fand.
(Und ich finde ihn immer noch überzeugend.)

Es gibt ja zig Meinungen zum Aventus und er polarisiert wie kaum ein anderer. Für die Einen ist er überteuert und überbewertet, für die Anderen kommt an ihm kaum einer vorbei.

Für mich wird ihm beides nicht gerecht.

Ich finde ihn tatsächlich teuer, aber nicht frech überteuert.
Wo fängt man da an und wo hört man da auf? Jeder wird Düfte die ihm nicht liegen oder die ihm widerstreben als überteuert empfinden. Da spielt uns allen die Subjektivität immer wieder ihre Streiche, und ich nehme mich da auch gar nicht aus.
Am Ende regelt ganz schnöde der Markt den Preis.

Der ultimative Duft - zu dem er ja gerne hochstilisiert wird - ist er sicher auch nicht.
Für Viele ist er das Non plus Ultra. Für den geneigten Liebhaber (höchstpersönlich) natürlich auch zu Recht.
Nur; wenn man von etwas sehr begeistert ist, dann neigt man dazu diese Begeisterung und seine persönliche Meinung als absolut zu proklamieren und triggert damit natürlich gleich mal Gegenwind von all denen, die das - auf welche Art und Weise auch immer - anders sehen.

Und da steht er dann der Aventus … zwischen diesen Fronten und im Strudel des immer noch anhaltenden Hypes wird ein gut komponierter und interessanter Duft zerrieben, zerfachsimpelt und totgeredet. Ganz zu schweigen von den ganzen Batch-Diskussionen.

Dabei steht hier einfach ein grundsolider Männerduft, der natürlich nicht alles, aber sehr vieles kann. Er hat einen spannenden Verlauf von der zitrischen Eröffnung mit spürbarer Ananas hin zu einem angenehm herben, frischen und sanft-konsequenten, maskulinen Ton. Er hält sehr lange und projiziert anfangs sehr kräftig, wird aber dann schnell dezenter und zurückgenommener ohne sich zu verstecken.

Ich hoffe, der Hype um ihn legt sich langsam mal wieder und die Bilder von irgendwelchen Influencern die den Aventus-Flakon begeistert und mit markigen Worten in die Kameras halten verschwinden aus unseren Köpfen.
Denn dann bleibt, was der Aventus wirklich ist … ein toll gemachter und würdiger Duft mit toller Performance.

Aber das sind halt auch nur meine 2 (s)cent ;)

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