Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Turandot vor 5 Tagen
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Braver Sommerduft in großer Robe
Zugegeben, der Flakon ist wunderschön. Der Name des Duftes verspricht energetische Erfrischung in fröhlicher Stimmung. Die Marke mag ich - nicht nur, weil "Der Kaufmann von Venedig" mein erstes Schauspiel im Theater war. Und der Duft?

Unterm Strich ist das für mich ein angenehmer Erfrischungsduft für den Sommer oder die Schreibtischschublade, um geistige Durchhänger zu überbrücken. Die Mandarinen, bzw. für meine Nase eher Orangen tun, was man erwartet, sie erfrischen, beleben, erinnern an Vitamincocktails und wecken die Lebensgeister. Mehr passiert da nicht. Das ist ja auch nichts Negatives. Im Gegenteil, Aber der Duft wurde von der Marke gnadenlos overdressed auf den Markt gebracht. Der Auftritt verspricht für mich einen anspruchsvolleren Duft, eine Stimmung, die vielleicht sogar die Opulenz der wunderschönen Kostüme im Karneval von Venedig vor dem geistigen Auge entstehen lässt. Da gibt es aber noch sehr viel Luft nach oben.

Ich gehöre durchaus nicht zu der Fraktion, die Parfums am liebsten in puristischen Flakons à la Chanel bevorzugen. Aber Duft, Auftritt, Flakon, Werbung usw. sollten eine Einheit bilden. Das ist hier nicht gelungen und wohl auch gar nicht gewollt, denn ich habe das Gefühl, der Marke ist zumindest bei diesem Duft der Flakon mit seiner Murano-Geschichte wichtiger als der Inhalt. Kommt noch dazu, dass das Parfum als unisex bezeichnet wird, ich mir aber nicht vorstellen kann, dass sich ein Mann dabei wohlfühlt, wenn er in der Mittagspause diesen Flakon mit dem lustigen Troddelchen aus der Aktentasche zieht, um sich zu erfrischen.

Einen Duft wie Mandarin Carnival haben wohl viele in ihrer Sammlung. Aber wenn ich wieder einmal dafür Bedarf haben sollte, greife ich zu Concentré d'Orange Verte von Hermès, denn da stimmt für mich all das, was ich bei Mandarin Carnival bemängele.

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Angelliese vor 4 Tagen
35 Auszeichnungen
……. die glühende Hitze wäre vergessen.
Sie nahmen die Helme ab. Gleißende Helligkeit und glühende Hitze.
Ihre Augen adaptierten sofort. Die Anzüge hatten sie schon vor der Landung auf Kühlmodus gestellt. Sie hatten gewusst was sie erwartet. Auch wenn ihre Körper enorme Temperaturen gewohnt waren, auf diesem Planeten konnten auch sie nicht auf Kühlung verzichten.

Dabei sollte es hier einmal Leben gegeben haben. Vor langer Zeit. Ozeane, Wälder, Tiere, Bewohner …… nur noch der Sage nach.

Langsam bewegten sie sich in der flirrenden Luft während sie Proben nahmen.

Bei jedem Schritt zischte ein erfrischender Duft aus der Halskrause ihrer Anzüge. Sie sogen ihn ein und ihre schmalen grünengelben Lippen zuckten dabei.

Sie genossen diesen gelbherb angefrischten Schwall, der fast ebenso steil aufstieg wie die partiell grünorange gesprenkelten Stelen, die in der Ferne zu sehen waren. Eine kleine säuerliche Note schwebte darin und ab und an wurde vom Kompomat auch ein ganz klein wenig Blütenhauch und einige blauatmige Frischemoleküle beigemischt. Das Duftlaboratorium hatte außerdem dafür gesorgt, dass die Komponenten in ihrer Gesamtheit nach einiger Zeit zwar immer noch bemerkbar aber von ihrer Steilheit durch eine leicht cremige Komponente etwas runtergeholt wurden. Dabei dominierte durchgängig diese gelbherbe Empfindung die sie bei ihrer Arbeit erfrischte.

Kein Laut kam über ihre gelbgrünlichen Lippen während sie die Proben verstauten und zu ihrem Schiff zurückgingen. Gleich würden sie sich in ihre Schlafkammern legen und während der Bordcomputer den nächsten Planeten ansteuerte würden sie einen letzten Schwall des Duftes einatmen. Angesteilt gelbherbfrischgrün würde ihre letzte Empfindung sein und die glühende Hitze wäre vergessen.

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Palonera vor 3 Tagen
28 Auszeichnungen
mit ein wenig Weh
Sie ist – und da bin ich gar nicht traurig – nicht auch in Ansätzen nur meins: die Welt des Boulevards mit ihren grellen Lichtern, den schrillen Tönen und des Talmi-Blings.
Mit zentimeterhohen Lettern in Rot und Schwarz auf Weiß, bildentblößt, schockgefrostet, fremdschäm-sensationell.
Bunte, Bild, Express und wie sie alle heißen – drüben auf der Insel halt The Sun.
Sie zeigen Bilder, die ich nicht sehen will, und drucken Texte, die so seicht und sandig sind, daß oftmals nicht einmal die Druckerschwärze hält.
Boulevard, Yellow Press, schmeißfliegende Paparazzi – was kann schon Gutes daraus werden, wenn jene Pate eines Duftes sind, so dachte ich, auch und vielleicht gerade wenn daneben Roja Dove steht?!

Balsamisch harzig-würzig eröffnet "Buzz Entertainment Bottled" auf meiner Haut – das Zitrisch-Frische der Pyramide hat vielleicht die Hitze dieser Tage verschluckt; es läßt sich jedenfalls nicht finden, wie sehr ich mich auch mühen mag.
Stattdessen erkennt meine Nase einen Hauch von Haarspray, kennzeichnend sonst für weißen Moschus, der jedoch nicht gelistet steht.
Das wirkt ein wenig kratzig, doch nicht wirklich unangenehm.
Minuten später bilde ich mir Holzstaub ein – ein Zeitungspapier-Hinweis? – und wiederum ein wenig später erstarkt auf meiner Haut Vanille, jene rauchig-tropisch-dunkle aus "Noir Tropical" und "Eau des Missions".
Warm ist das, sanft ist das und schön und gar nicht laut, gar nicht grell und schrill – keine Paparazzi nerven mich auf meiner Haut, nichts wirkt um der Wirkung willen oberflächlich übertüncht.
Sommerwarme Blüten fügt die Zeit alsbald hinzu, messerscharf geschnitten - irgendwo blitzt noch Metall, nur einen Augenblick.
Schon wird es wieder warm, sonnenwarm, holzigwarm, blütenwarm – ein klassisch schöner Duft, sehr freundlich-feminin, verbindlich und erwachsen, durchaus auch elegant.
Mit Herz, mit Hirn, mit Sinnlichkeit.

Ein Roja – sicher, doch.
Was das mit Boulevard zu tun hat – keine Ahnung.
Und warum er eingestellt ist, verstehe nun, wer will.
Ich werde morgen meinen letzten Tropfen tragen - und Abschied nehmen mit ein wenig Weh.

PS: Bigalchen - danke!

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FrauLohse vor 4 Tagen
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Flüssiges Glück * Lichtduft * Sonnennektar
Als mir dieser Dior das erste Mal unterkam, war ich noch recht grün hinter den Ohren und dachte, ach all diese Duftsnobs hier. Ich brauch das nicht, irgendwelche Exclusiv Reihen. Düfte, für die ich lange, dunkle Nächte nähen muß und mir meinen Stundenlohn als Lachnummer vor Augen führen. Ich bleibe dem Mainstream treu und finde auch im 2 Buchstabenladen mein Duftglück. Ich lache noch immer. Übrigens.
Aber was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Eine Frau, weiß genau, was sie will und was sie nicht will und manchmal kann sich das sogar überschneiden.

Dieser Dior ist leichtherzig auf sein Wesentliches reduziert und dabei derart nobel komponiert, dass er dich trifft bis ins Herz.

Eine güldene Aura. Ein Schmetterlingflügelchen, der deine Haut streichelt. Balsamharzige Sonnennoten. Eine Ahnung von Heu, mit Honig gesüßt. Würzigsüsseszartes Puder. Spuren von bitterer Erde. Windstilles Sonnenglück. Idyllisch, intim, innig mühelos. Er ist die Mitte eines Tagtraumes. Das Ende eines Traumtages; seelenruhig liegt die Sonne auf der Erde, wärmt und lächelt. Das laue Sommerlüftchen wispert dir Versprechungen von ewigen Zeiten, Zuversicht, Zufriedenheit und füllt dich aus mit purem Loslassen. Fallenlassen. Rüstung, Maske. Einfach sein und treiben lassen. Das schöne Leben. Friedvolles Inneres. Du bist dir selbst genug. Und strahlst voller Licht.

Für mich müßte er Goldholz heißen. Silber ist kalt, distanziert, Bois d'Argent ist warm. Drängt sich niemals in den Vordergrund, stärkt dich wie eine unsichtbare Hand im Rücken. Ständig will ich ihm nachriechen, doch wenn ich das tue, kann ich ihn nicht halten, bändigen. Er ist ein Freigeist. Lass los, was du liebst, dann bleibt es bei dir. Er umgarnt und umschmeichelt mich den ganzen Tag. Wird tiefer, süsser und in meiner Nase auch eine Spur vanillig.

Dieser Duft flutet mich mit flüssigem Glück. Ich kann nicht sagen, warum. Er beruhigt mich innerlich und ist dabei edel und apart, so delikat. Ein Duft, der für mich immer geht und immer bleibt, der nicht überrascht, dennoch nicht langweilig wird. Er ist genau das, was man von einem Signature erwartet. Nie aufdringlich, nie laut, immer schön, immer ein "hach, du riechst so gut", ohne sich allzu parfümig aufzuspulen.
Und wenn mein innerer Finanzminister rechnet, in fast Halbliter, dann auch nicht teurer, als so mancher Plastikduft und jeden Cent wert. Für das Gefühl, eins mit sich zu sein. Angekommen zu sein.

#pudrig #sonne #apart #edel #sinnlich

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Meggi vor 4 Tagen
27 Auszeichnungen
Nächtliche Jagd von Tartu nach Tallinn
‚Wild Hunt‘ und ‚Forest‘ – offenbar sind für den Duft gleich zwei Bezeichnungen geläufig. Was liegt nun (jedenfalls für einen Freund abseitiger Einleitungen) näher, als die Begriffe textlich zu verknüpfen und eine wilde Jagd durch einen Wald als Einstieg zu bemühen? Zumal sich auf der Hersteller-Seite, wo der Duft übrigens allein unter ‚Wild Hunt‘ spaziert, beim Klick auf „The Story“ ein leeres Feld öffnet…. Da springe ich natürlich gern in die Bresche!

Estland, im Oktober 1994: Nach einem Besuch in Tartu begaben sich drei deutsche Studenten in einem uralten, geborgten Schiguli (= Lada) auf den Rückweg nach Tallinn, am Steuer der Chronist. Schlappe 200 Kilometer – kein Problem, oder? Zwar war die Straße, obwohl Verbindung zwischen den beiden größten Städten des Landes, zuweilen eher eine Piste, aber den Hinweg hatten wir schließlich heil absolviert.

Allerdings im Hellen. Nun war es bereits dunkel und die tranfunzeligen Lämpchen des Gefährts erhellten den Weg, der über weite Strecken unbeleuchtet durch die Wälder führte, nur unzureichend. Keine Chance, dort Hindernisse wie größere Schlaglöcher oder Äste rechtzeitig zu erkennen, unsere Geschwindigkeit schmolz dann auf die eines Dauerläufers.

Irgendwann erschienen Lichter im Rückspiegel, ein Wagen schloss rasch auf und überholte uns in geradezu wahnwitzigem Tempo. Eine Sicherungslokomotive! Mit praktisch durchgetretenem Gaspedal bin ich hinterhergeheizt, bis wir besser illuminierte Regionen erreichten. Schweißtreibend.

Vom Wald hatten wir seinerzeit verständlicherweise wenig mitbekommen. Na und? Das eben war ja auch eine abseitige Einleitung.

Und damit endlich zum Duft. Es riecht tatsächlich wie ein verrottender Haufen Laub. Ich wende oben eine Lage davon, darunter hat sich eine weiße Schicht von Pilzen angesiedelt, deren Geruch mir, sacht emporgehoben von entweichender Zersetzungs-Wärme, ebenfalls in die Nase steigt.

Dieses Blattwerk hatte definitiv am Baum den Weg vom Grün zum Braun hinter sich gebracht. Nix „heat of a summer afternoon“, wie es beim Hersteller unter „The Scent“ heißt - die Passage überarbeite ich gerne direkt mit… Das hier ist ein Haufen herabgefallenen Laubes im fortschreitenden Herbst. Es ist noch nicht richtig kalt, bloß die Nächte sind frisch. Und heute früh, an einem Morgen, der Beginn eines trüben Herbsttags zu sein verspricht, kondensiert der Atem in der umgebenden Luft.

Fleißige Würmer, Insekten und Mikroben haben in den vergangenen Wochen beharrlich daran gearbeitet, die ausgedienten Blätter wieder in Ursprüngliches zu verwandeln, am Boden des Haufens verwischt schon die Grenze zwischen Blättern, Kompost, Humus und Erde.

Apropos Pilze: Gewisse Parallelen zu #215 CBMUSK aus demselben Hause drängen sich auf, der roch phasenweise ähnlich - als hätten sich Pilze auf einem gemütlich vor sich hin verwitternden Baumstamm eingerichtet.

Das war’s im Wesentlichen. Die breit gefächerte Palette von Angaben hin oder her, ich bleibe ganz überwiegend, stundenlang, bei einem Haufen modernder Blätter. Ein bisschen milder und ansatz-cremiger wird es später, die Nähe zu #215 nimmt im Laufe des Tages zu. Zumindest scheint es mir so, ich hatte keine Lust, das ärgerliche Geschwist vergleichenderweise erneut zu benutzen. Wichtigster Unterschied ist die Anmutung von feuchter Erde bzw. halt Kompost im vorliegenden Fall. Und auch die verabschiedet sich während des Nachmittags. Ein Fragment eines moschushaft-bepilzten Etwas bleibt, dem nach hinten raus zudem eine Spur süßlich-zuckriger Nadelholzigkeit innewohnt. Abends ist der Duft nahezu rückstandslos verschwunden.

Fazit: #704 Wild Hunt ist ziemlich lebensecht; keineswegs unappetitlich, allemal für ein Land-Ei wie mich. Lustig für Garten-Freunde. Nur kein Parfüm im engeren Sinne, sondern schlichtweg ein Geruch. Das eine Thema getroffen – und damit das andere verfehlt.

Ich bedanke mich bei Bartholomeo für die Probe.

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Kovex vor 2 Tagen
24 Auszeichnungen
Harmonie
Ob meine frühkindliche Leidenschaft für alles Japanische oder die Marketing-Abteilung von The Merchant Of Venice meine Assoziationen hervorrufen, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls verkörpert für mich Asian Inspirations wie kein anderer Duft die Essenz der japanischen Kultur.

Die Grundlage für das starke Bedürfnis der Japaner nach Harmonie wurde bereits im Jahre 604 n.Chr. in Japans erster Verfassung gelegt. Es war eine Art Gesetzeswerk, welches auch viele Fragen der Manieren und Höflichkeit regelte um Harmonie herzustellen. Es war auch die Zeit, in der der Buddhismus Japan erreichte und zusammen mit Einflüssen des Taoismus sowie des Konfuzianismus zu einer synkretischen und harmonischen Koexistenz mit der japanischen Urreligion Shinto führte. Das Ziel blieb stets das gleiche: Harmonie

Das Streben nach dieser Harmonie ist in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens offensichtlich. Will man das weniger öffentliche Leben der Japaner mit all seinen Ritualen, Höflichkeitsfloskeln und Benimmregeln in ursprünglicher Weise ergründen, muss man sich in das gebirgige Hinterland Japans begeben.

Asian Inspirations nimmt mich mit auf eine Reise in das traditionelle Japan, fernab der großen Städte. Eine schmale Straße führt auf einer hügeligen Straße zwischen unzähligen kleinen dicht bewachsenen Bergen entlang. Ab und an blitzt das gewölbte, goldene Dach eines Tempels aus den satt-dunkelgrün überschatteten Hängen hervor. Unzählige Wasserlandschaften. Das Teehaus in der Nähe ist bewusst sehr schlicht gehalten um seinen Gästen die Möglichkeit zur inneren Einkehr zu geben. Die Luft ist jetzt klarer und feuchter geworden. Das Plätschern von Wasser ist allgegenwärtig, dennoch liegt eine beruhigende, fast träge Stille in der Luft.

Asian Inspirations startet mit einer außergewöhnlichen grün-würzigen Frische, die mich sofort an klares Gebirgswasser denken lässt, das auf seinem schmalen Weg durch das dicht bewachsene, von Moosen und Kräutern gesäumte Ufer, glasklar in einen Teich mit Koi-Karpfen rinnt.

Während sich bereits recht früh ein zarter Teppich aus feinstem Velourleder als Grundlage für den Duft zeigt, versuchen die anderen Gewürze, Kräuter, Hölzer und Harze erst gar nicht um die Vorherrschaft zu kämpfen. Auch Vetiver ordnet sich unter, wenngleich es neben den flankierenden Hölzern als unsüßes stabiles Gerüst dient, dem tief grüne Gewürze und abrundende milde Harze zur Seite gestellt werden.

Alles verschmilzt zu einer vollkommenen Symbiose, die Ruhe und Gelassenheit aber auch eine stille Autorität ausstrahlt.

Asian Inspirations ist ein eher leiser Duft mit moderater Sillage und mittelmäßiger Haltbarkeit. Hier aber empfinde ich diese Merkmale als perfekt austariert und harmonierend mit dem Duft. Nach 4-5 Stunden hat er sich hautnah zurückgezogen und hinterlässt eine zarte Melange, der etwas sanft Meditatives anhaftet.


Da der Duft weder blumige noch süße Anteile in sich trägt sehe ich ihn entgegen meines Vorkommentators fast mehr auf der Männerseite, wenngleich die Statistik (siehe rechts) gegen mich spricht ;)

Das Konzept, im vollkommenen Einklang mit der Natur zu sein, Ruhe einkehren zu lassen und zu sich zu finden, erscheint mir hier hervorragend umgesetzt. Ein Konzept, das umso mehr in der heutigen hektischen und schnelllebigen Zeit aufgehen sollte. Für mich tut es das.


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Meggi vor 2 Tagen
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Ortstermin in Neuendorf-Sachsenbande
Ein seltsames Gemisch, diese aquatischen, beinahe maritimen Noten - kombiniert mit einer Fruchtbonbon-Rose. Mehr Bonbon als Rose. Sollte das der Pfirsich sein, wäre es einer von Haribo. Binnen weniger Sekunden finde ich die „aquatischen Noten“ (im Hersteller-Original-Sprech: „Akkord von gefrorenem Wasser“) außerdem mehr baumarkt-holzig als aquatisch. Das fängt ja nicht gut an.

Für den Fortgang wird „Eisberg-Rose“ versprochen. Hm, ich nehme einen anämischen Rosenduft wahr. Eisberg? Es gibt eine Rose namens ‚Schneewittchen‘, die andernlands als ‚Iceberg‘ firmiert. Hat angeblich einen schwachen Duft, den ich leider persönlich nicht kenne. Schwacher Duft… Hm… Joah…

Der Werbetext zu Snowing Rose verspricht, wir würden in eine Fantasiewelt entführt. Aha, das ist ein zweiter Anhaltspunkt. Was tue ich, wenn ich jetzt ganz schnell Schnee brauche? Richtig, ich werfe Sägespäne. Wir werden nicht von Schnee sondern mit Sägespänen aus Baumarkt-Holz berieselt. Wieder ein Teil des Duftes abgehakt.

Sägespäne. Verfolgen wir diese Spur weiter. Ortstermin in 25554 Neuendorf-Sachsenbande im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein. Dort geht wahrscheinlich exakt so viel ab wie zu vermuten. Aaaaaaber der Ort beherbergt die ganz wunderbare (!!!) Baumschule Schütt, spezialisiert auf historische Rosen. Ab und zu mag eine brackige Brise von der bloß ein paar Kilometer entfernten Elbmündung herüberwehen, während die Damen ihre Rosen versandfertig machen. Ich erinnere mich nicht, dass die Container-Rosen von Schütt mit einer Schicht Sägespäne auf der Erde versehen waren, doch womöglich wird wurzelnackte Ware auf diese Weise feucht gehalten.

Die meisten historischen Rosen riechen zwar intensiver (und schöner!), als es Snowing Rose auch nur zu erträumen vermag, aber man kann nicht alles haben. Vielleicht ist es sehr windig - von der Elbe her, das hatten wir schon - und das Aroma wird weitgehend verweht. Darüber hinaus kriegt der Snowing-Rose-Rosen-Geruch (Bezeichnung als Rosen-Duft unangebracht) später im Stil tatsächlich was von Montale. Natürlich nicht in puncto Lautstärke, ich meine diese wässrige Art mit dem penetranten Grundcharakter.

Brackiges Wasser, leichter Rosen-Geruch, Sägespäne. Passt. Wow, wie sich das fügt!

Magnolie? Na gut, irgendetwas aus der Richtung mag man sich einbilden, sofern man’s weiß. Steht halt so’n Ding auf dem Gelände. Eine frühe Sorte, die bereits blüht, wenn im April die letzten wurzelnackten Rosen vor der Sommerpause verpackt werden. Moschus? Hm. Wie erkläre ich die schwächliche Kunstholz-Moschus-Basis? Vor allem den banalen Moschus? Tja, Frau P. benutzt eben irgend ’ne Creme.

Fertig. Sherlock Humbug hat ermittelt. Howgh.

Ich bedanke mich bei Tiara für die Probe.

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HaraldK vor 6 Tagen
20 Auszeichnungen
'Krawall-Harald' und die Drogerie. Ein Lokalaugenschein.
Ich bin dankbar. Dafür, daß ihr euch inzwischen Spitznamen für mich ausdenkt. Ich find das voll cool. :)
'Krawall-Harald' gefällt mir wirklich gut.
Das bin ich hier offenbar immer noch. Das soll und muss auch so sein :)
Aber nicht, daß ihr glaubt, der Krawall-Harald geht nur in den Souk, um sich seine Vintage-Lieblinge zu holen. Oder in die Nischen-Parfümerie.
Nein, nein. Der Harald geht auch zum Müller. Weil, laut Flugblatt, haben die dort auch alle Jaguar-Parfums im Angebot. 14,99€, kein Witz.
Gut, der neue Süßkram/Plastik-Schrott interessiert mich nicht.
Aber. Der Erste. Ist auch dabei.
Kenne den, seit er rausgekommen ist. Mit Edelholz-Deckel. War toll grün/frisch/moosig.
Also die Jetztzeit-Version getestet.
Fein, das Eichenmoos haben sie ersetzen müssen, aber der ist immer noch (vorallem heutzutage in der Mimimi/Kinder/Nachspeisen(NICHT)-Männerduft-Welt) eine ziemliche Ansage.
Wie schön. Ich kann hier jeden Verriss (heute nennt man das 'Diss', glaub ich), verstehen. Wirklich.
Der ist trotzdem immer noch was für Männer. Hier ist nichts pink. Hier ist nichts süß. Hier gibts keine Nachspeise.
Auftakt: Hart, grün, trocken.
Danach viel klare Seife, fast Schaumbad-artig, aber ohne Aroma. Einfach nur Seifenschaum mit Grün.
Krizia Uomo ohne Patch, Polo Green ohne Gewürz-Hinrichtung.
Eigentlich sehr aromatisch angenehm, zumindest für meine Verhältnisse.
Fast leichtfüßig. Nicht wirklich was schwer/drückend old school-überladen hier. Schöne Tabak-Note rundet alles noch ab.
Das Original war eine Macht, aber der knallt auch noch ordentlich.
So schade, daß Herr Wasser jetzt nur noch Mainstream-anbiedernden Süßkram-Giftmüll macht.
Der hatte mal Talent. Shame.

Technisch:
Flakon: Wie immer, nur halt jetzt mit Silber-Plastikdeckel.
Sillage: Immer noch brav, natürlich nicht so arg wie der Vintage.
Haltbarkeit: 7 Stunden sind drin, für 15€ voll in Ordnung.

Ich kann auch Drogerie. In 'gut' :)

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Strtkds vor 4 Tagen
20 Auszeichnungen
Ein bipolarer Duft
Mit einem Kommentar zu Perles de Lalique quäle ich mich schon lange herum, denn es fällt mir sehr schwer diesen Duft irgendwo einzuordnen.
Perles de Lalique ist irgendwo zwischen pfeffrig und pudrig, zwischen blumig und krautig, zwischen holzig und frisch, zwischen süß und erdig.
Ist er eher maskulin oder eher feminin? Ich weiß es nicht.
Er erfrischt mich im Sommer und wärmt mich im Winter, er kann mich an einem lauen Morgen wach machen und mich genauso nach einem anstrengenden Tag runterbringen.
Wirkt er nun anziehend oder unnahbar? Keine Ahnung.
Er ist ein Kuschelduft und trotzdem ein Frischekick.
Perles de Lalique ist zeitlos und doch sehr modern. Er ist ein Duft für eine besondere Stimmung und trotzdem ein „Immergeher“.
Hasse ich ihn oder liebe ich ihn? Definitiv Letzteres!

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Fabistinkt vor 4 Tagen
19 Auszeichnungen
Frühling in der Flasche
Diorissimo füllt eine Lücke, die in meiner Parfümsammlung schon seit Beginn bestand. Ich fing mit ein paar wenigen Düften an. Sir Irisch Moos und Old Spice trug ich im Alltag, als das Taschengeld noch nicht mehr erlaubte. Habit Rouge kam bei besonderen Gelegenheiten wie Weihnachten oder Essen gehen zum Einsatz, nachdem ich mein Geburtstagsgeld dafür geopfert hatte. Hermès' Concentre d'Orange Vert kühlte mich bei hohen Temperaturen über viele Stunden mit seiner mediterranen Orangennote. Jeder der Düfte hatte seinen Zweck, den er erfüllte. Doch es gab noch ein anderes Thema, das ich gerne mit einem Parfüm erlebt hätte: den Duft eines Blumengeschäfts. Jeder kennt den charakteristischen Geruch, wenn man einen Floristen besucht: frisch, kühl, grün, tulpig. So wollte ich riechen. Selbst fand ich nichts in der Richtung, vor allem, da ich noch zu schüchtern war, um mich in die verbotene Abteilung der Damendüfte zu wagen. Beratung half genauso wenig, auch wenn es die Verkäuferinnen in unserer Ambiana-Filiale tatkräftig versuchten. Schließlich legte ich das Thema "Floristenduft" ad Acta.
Nachdem ich mich Anfang 2018 nach mehrjähriger Pause wieder intensiver mit Düften beschäftigt hatte, probierte ich den guten Diorissimo im Januar in der Parfümerie. Zwei Gedanken stiegen mir dabei in den Kopf: "seeehr klassisch" und, tatsächlich, "Blumenladen". War aber trotzdem Nix für mich. Irgendwie zu altmodisch, zu floral, zu matronenhaft (lustiger Gedanke, wenn man sich meine Miss-Sophie-mäßige Sammlung anschaut). Dennoch ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Wieder probiert, diesmal auf der Haut. Wir freundeten uns an. Was mir gefiel, war das Gefühl von Frühling, das er damals in der Eiseskälte schon aufkeimen ließ. Und mit zunehmendem Kennenlernen wich die erlernte Assoziation von "Oma" dem tatsächlichen, selbst erlebten Duftempfinden. Er wanderte in mein Bad.

Der Duft:
Diorissimo eröffnet sehr blumig und etwas süß. Das Blumige ist eine gut getroffene Maiglöckchennote, die sich aus vielen verschiedenen Substanzen zusammensetzt, da die weißen Blümchen selbst kein duftendes Material hergeben. Die Süße des Duftes könnte vom enthaltenen Jasmin kommen und erinnert mich an Gelee-Bananen. Dennoch wird Diorissimo niemals süßlich-schwer, sondern bleibt federleicht und strahlt eine glasklare, frühlingshafte Frische aus. Er entwickelt sich ziemlich linear; was man am Anfang bekommt, bleibt bis zum Ende erhalten. Eine Basis stellt sich nicht ein, vielmehr wird das Herz einfach immer schwächer, bis es schließlich aufhört zu schlagen. Von dem, was man so hört, soll früher die Zibetkatze noch kräftig dazwischen gefaucht haben. Von ihr ist leider weit und breit nichts zu riechen, auch das Sandelholz ist wahrscheinlich nur der Technik wegen da und ist ansonsten kaum wahrnehmbar.
Wahrscheinlich bilde ich mir das ein, aber mich erinnert Diorissimo stark an einen Duft, der damals schon zwanzig Jahre lang auf dem Markt war: Joy von Jean Patou. Ihre Rezepte teilen sich Maiglöckchen, Jasmin und Ylang-Ylang; die Basen sind sogar beinah die selben, nur dass Diorissimo der Moschus fehlt. Im Vergleich ist Joy dichter, komplexer und pudriger, aber auf ganz ähnliche Weise blumig und süß.

Mit seiner klassischen Anmut (in meiner Vorstellung schwebt Danielle Darrieux auf einer Wolke Diorissimo über die Gärten von Versailles) ist er der perfekte Hochzeitsduft: für die Braut selbst, für ihre Gäste, für ihren Bräutigam, für ihre Braut. Wenn man gerade nicht heiratet ist aber Vorsicht geboten: Diorissimo bietet Kopfschmerzpotential, deshalb lieber nur in ausgeschlafenem Zustand verwenden. Kein Alkohol und wenig aufs Handy starren, sonst zwickt einem Madame Darrieux direkt ins Hirn. Bedacht aufgetragen schafft er es dann aber zu jeder Jahreszeit, ein Gefühl von erwachender Natur und blühenden Gärten zu verbreiten.

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