Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Yatagan vor 5 Tagen
46 Auszeichnungen
Kirche oder Bett
Unkommentierte Düfte No. 107

Um es gleich vorweg zu nehmen: Rojas Parfums de la Nuit haben ein extravagantes Preis-Leistungs-Verhältnis. Um die 1.200,00 Euro sollen die drei Düfte regulär (für 100 ml reines Parfum, für Extrait?) kosten und selbst wenn man berücksichtigt, dass klassische Parfümmarken wie Guerlain für reines Parfum auf den Milliliter umgerechnet noch mehr verlangen, sind das letztlich Preise, die jenseits meiner üblichen Kaufgewohnheiten liegen. Im vorliegenden Fall habe ich einen 7.5 ml-Travel-Atomizer verschenkt. Teuer genug. Hat es sich gelohnt?

Aus meiner Sicht liegt mit Parfum de la Nuit 3 einer der besten Roja-Düfte überhaupt vor. Im Vordergrund steht hier der Weihrauch, der von verschiedenen Noten umrahmt wird. Dabei erinnert de la Nuit 3 an opulente, feierlich-sakrale Kompositionen wie Messe de Minuit (ohne diesen nachzuahmen), die zwar Assoziationen zu Kirchenweihrauch zulassen (bei Messe de Minuit schon durch den Namen nahe gelegt), im Grunde aber in eine ganz andere Richtung weisen. Rojas de la Nuit-Serie spielt dabei sogar mit sexuellen Konnotationen, wenn Roja Dove einräumt, er sei besonders davon angetan gewesen, "when I was described as the ‘pornographer of perfume’" und er habe mit dieser Serie besonders sinnliche Düfte für die Nacht entwickeln wollen.
Tatsächlich präsentiert sich der Duft erotisch opulent, ohne die Trägerin (ein Träger ist auch gut vorstellbar, aber nicht ganz so naheliegend) und ihre Umwelt zu erschlagen: Spürbar sind neben Weihrauch vor allem holzige Noten, zahlreiche schwer differenzierbare florale Akzente (diese allerdings weit weniger im Vordergrund) und eine verwirrende Vielfalt (dezenter) Gewürze, sinnigerweise bei einem sinnlichen Duft gerade auch Kreuzkümmel. Die gefürchtete Schweißnote bleibt aber aus, ist allenfalls als Ahnung unterlegt und verstärkt den erotischen Aspekt.

Zwischen trockenen Hölzern, trockenem Weihrauch, dezent orientalischen Gewürzen und floralen Tönen: Der Duft pendelt zwischen transzendenten Sphären (eher unterbewusst mag der Weihrauch an einen feierlichen Gottesdienst erinnern) und weltlichen Freuden (das Sinnliche ist nicht von der Hand zu weisen).

Bis vor einigen Wochen lag die Durchschnittsbewertung unter 8.0. Eine Blindbestellung sollte also tunlichst vermieden werden; der Duft ist weniger vordergründig süß und gefällig wie die beiden anderen de la Nuit-Varianten (1 und 2), ist vielmehr durch den hohen Anteil an Weihrauch und Hölzern etwas sperrig, vielleicht sogar polarisierend (vgl. die Bewertungen der User oben).

Kirche und Bett, Transzendenz und Immanenz, oben und unten: der Duft hat einiges zu bieten.


34 Antworten

Sweetsmell75 vor 22 Stunden
31 Auszeichnungen
Warm wird mir um's Herz
Der Herbst ist des Jahres schönstes farbiges Lächeln.
-Willy Meurer-

Es war Liebe auf den ersten Sprüh :)
Sofort dachte ich an einen Sonnenuntergang im Herbst, wenn die letzten Sonnenstrahlen die Seele erwärmen und die Natur im schönsten Licht erstrahlt.
Rot-orange-braun-gold ... Farben die dem Herbst gehören ... Farben die Grand Soir gehören :)

Zum Duft:
Grand Soir ist schlicht harzig und süß ... den Auftakt macht Labdanum und Benzoe. Eine dezente Animalik schwingt mit. Das Tierchen ist aber ganz klein und zwinkert mir nur immer mal kurz zu :)
Ich kann zwischen Herz und Kopfnoten keinen arg großen Unterschied erkennen. Der Duftverlauf ist an mir ziemlich linear.
Die Basis wird mit pudrig-trockener Tonka und wärmenden Amber verfeinert. Ein süß-dunkler Vanilleschleier schwingt schon im Duftverlauf mit, ist aber nicht der Hauptakteur. Ich empfinde den Duft süß ... aber nicht pappig und schon gar nicht gourmandig. Dafür ist er zu harzig.
Pudrig-süß-harzig .. das ist Grand Soir ... wärmendes Herbstlicht auf meiner Haut.
Für mich großes Amber-Duftkino :)
Die Haltbarkeit ist überragend ... locker überschreitet der Duft die 10 Stunden-Marke. Die Sillage ist kräftig und raumfüllen die ersten Stunden wird aber mit der Zeit weicher und anschmiegsamer, leiser.
Vorsicht vor Überdosierung ... bei Grand Soir ist weniger mehr ... er kann sonst ganz gehörig auf die Nerven gehen! ;)
Herbst und Winter ... das ist die beste Zeit für Grand Soir.
Unisex? Unbedingt!
Der Flakon ist schlicht, wertig und schön.

Fazit:
Herbstlicher Sonnenuntergang...
die letzten Sonnenstrahlen erwärmen die Seele. Warm wird mir um´s Herz.
Grand Soir ... großes Amber-Duftkino!

Psssst ... ich spreche einen Testempfehlung aus für alle, die noch auf der Suche nach einem schönen Herbstduft sind :)

21 Antworten

Meggi vor 6 Tagen
30 Auszeichnungen
Stell Dir vor, es gibt eine neue Riesen-Parfümerie und (fast) keiner geht hin!
Schon bei unserem Besuch im Sommer 2015 war das Kaufhaus „Printemps“, unweit des Lafayette am Boulevard Haussmann gelegen, nicht eben kärglich ausgestattet, was Nasen-Spaß anbetrifft. Mittlerweile haben die noch ordentlich einen draufgesetzt: Gleich nebenan, bloß ein paar Schritte in die schmale Rue de Caumartin hinein, wurde der ganze Beauté-Kram in einem separaten Gebäude untergebracht. Auf – laut eigenen Angaben – schlappen eintausend(!) Quadratmetern davon, einem kompletten Stockwerk, geht es um Parfüm.

Unlängst, Mitte September, war die offizielle Einweihung besagter Beauté-Dependance. Muss tierisch voll gewesen sein, wie eine ortsansässige Parfuma berichtete. Geöffnet war allerdings bereits seit Juli. Wir waren im August dort und es war wenig los. Ob das an mangelnder Bekanntheit nach womöglich langem Umbau lag oder daran, dass wir immer eher früh zugange sind, sei dahingestellt, jedenfalls hatten wir das Duft-Stockwerk nahezu für uns allein. Eine erschlagende Fülle. Am Tresen von Atelier Cologne stand eine besonders freundliche Dame und so blieben wir etwas länger hängen. Großzügig wurden wir mit Pröbchen versorgt, darunter das noch recht junge Camélia Intrépide.

Eine zunächst leicht muffige Note, die mich dann rasch an die floral-dosenobstig-pilzige Art von Le Mimosa von Goutal denken lässt, sogar inklusive der Pfirsich-Anwandlung; nur hier bitterer, binnen kurzem geradezu ledrig durchwirkt. Mit Muskat komme ich dafür nicht aus, auch im Fortgang nicht.

Das ist sehr extravagant und nicht typisch ateliercolognig. Darüber schwebt eine zarte Floralität und tatsächlich was Duftig-Teehaftes, vielleicht ein bisschen zu lange gezogen. Wir selbst hatten mit Kamelien im Garten leider kein Glück; an was ich mich diesbezüglich erinnere, mag passen oder nicht. Halten wir heute schlichtweg eine mimosig-magnolienhaft-teeig-bittere Duftigkeit fest.

Meine Lieblingskollegin, gewiss nicht zimperlich, befand dagegen, derart wolle „doch wohl niemand stinken“. Sie diagnostizierte Tagetes-Artiges und liegt damit – allemal im Stil – nicht falsch. Das Zeug bietet eine irre Kombination. Pointiert ausgedrückt: Le Mimosa mit Leder. Letzteres zwar kräftig, aber fein gearbeitet. Und ich habe beim Nachschnuppern zu oft unsere Sommer-Magnolie „vor Nase“, als dass das Zufall sein könnte. Von Rose hingegen bemerke ich nichts.

Um die Mittagszeit hat sich der Duft deutlich beruhigt, ohne indes irgendeines seiner skizzierten Grund-Aromen aufgegeben zu haben. Und Ruhe ist keineswegs gleichbedeutend mit Trägheit. Im Gegenteil, es wartet eine weitere Überraschung: Plötzlich kommt mir – kein Witz – ein Hauch eines Anflugs jenes würzig-bibergeilen Leder-Zeugs aus Epic Man in den Sinn, bloß natürlich viel, viel leiser. Irrtum ausgeschlossen, denn den Amouage besitze ich und habe ihn zigmal gerochen. Und überhaupt: Wer spinnt sich sowas schon zusammen?

Dass nach rund sieben, acht Stunden verblüffend schnell eine basale Hedion-(Helional?)-Synthetik hervortritt, die den obigen Magnolien-Tee-und-so-Dreh trefflich erklärt, trübt das Vergnügen ein wenig; auch, weil das Wissen darum den Labor-Part bei Folge-Tests sozusagen eher zu Tage befördert. Geschmackssache und nicht zu ändern. Trotzdem bleibt bei mir eindeutig ein erfreulicher Gesamt-Eindruck eines relativ mutigen und originellen Atelier-Cologne-Parfüms.

Fazit: Ich hätte nicht gedacht, dass mich mal ein Duft namens ‚Camélia Intrépide‘ dermaßen positiv überraschen könnte. Das spricht vielleicht für sich.

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Angelliese vor 40 Stunden
29 Auszeichnungen
Heute hat sie keine Angst mehr.


„In den Lehnsessel, kommen Sie. Da sitzen sie doch sonst auch immer so gern“. Nein, da saß sie nicht so gern. Aber es war ihr egal wo man sie hinsetzte. War ihr egal, dass die anderen sie für mürrisch und verschlossen hielten. War ihr egal, ob das Essen im Speisesaal kalt wurde während sie saß und mit offenen Augen ins scheinbare Nichts blickte. Was wussten die denn alle schon. Anfangs hatte sie noch versucht zu erzählen aber es interessierte ja doch keinen. Die eigene Welt, darin hatte sich immer mehr zurückgezogen.

„Hello Fräulein!“ ..... So hatte es angefangen. Wie oft lauschte sie diesen Worten in ihren Träumen.

Jetzt hört sie die Worte ganz deutlich, ganz nah.

Erste Worte, erstes Lachen, erste wie rein zufällige Berührung. Erste Abende im Swingclub. Die Eltern vollkommen dagegen und überhaupt ..... irgendwann muss er fort. Er bittet aber sie kann nicht, sie traut sich nicht, die Angst ist zu groß. Sie bleibt.

Sein Gesicht in ihrem Haar. Ihr Duft auf seiner Haut.

Ein kurzes Prickeln liegt über warmfrisch würzig zarten Fruchtnuancen. Rosenblütenlippen, Pfirsichhaut und braune Augen. Blütennebel schweben moosverhangen.

Sie spürt die sanfte Berührung, hört das weichwürzige Timbre in seiner ganz zartleicht rauchatmigen Stimme. Blinzelt in den Himmel. Sonnenstrahl vanillcremig und warm.

Es ist als höre sie wieder das leise Rascheln im feinen Kraut, als atme sie wieder seinen holzigen Duft. Die Würze des Lebens, mit beiden Füßen die Erde spüren. Alles wieder da. Ein charaktervoll weiches Lächeln, zart und doch so tief wie ihre Sehnsucht.

„Hello Fräulein!“ Heute hat sie keine Angst mehr.

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Kleopatra vor 7 Tagen
29 Auszeichnungen
Dem perfekten Moschusduft so nah!
Auf der Suche nach dem perfekten Moschusduft Teil 25

Im Grunde könnte ich diese Reihe neu eröffnen, weil die beiden Moschusdüfte, die es damals auf Platz Eins meiner Rangliste geschafft haben („Musc Bleu Absolu“ und „Iris & White Musk“ von Jo Malone), von mir launenhafter Königin längst wieder vom Thron gestoßen wurden… Aber wirklich suchen brauche ich gar nicht, denn hier ist einer, der der Perfektion schon sehr sehr nahe kommt. Diesen Duft habe ich hier ersoukt und erst eine Weile überlegt, weil ich bis dahin nur Tova Signature Platinum kannte und mir der damals viel zu seifig war. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und so musste mal wieder ein Blindkauf ins Haus. Und den habe ich nicht bereut!

Tova Signature startet ebenfalls etwas seifig, aber bei weitem nicht so stark wie Platinum, zumindest in meiner bereits etwas verblassten Erinnerung. Die erste halbe Stunde finde ich den Duft nicht sooo dolle, aber dann wird er immer schöner und pudriger und hält auch ziemlich lange! Ab der Herznote und ganz besonders in der Basis kommt er meinem perfekten Moschusduft reichlich nahe!

Tova Signature ist sauber und hell, der Moschus weiß, der Duft zart pudrig und unaufdringlich. Man zieht keine Duftschleppe hinter sich her; der Duft bleibt eher bei einem. Damit fühlt sich Frau immer gepflegt und wohlbeduftet. Ich nehme ihn immer gerne, wenn ich auf alles andere keine Lust habe, nicht auf Wumms, nicht auf Süß, nicht auf Experimentelles. Wenn ich einfach nur angenehm riechen möchte.

Durch seine leicht ölige Konsistenz lässt er sich schön auf dem Körper verteilen und verschmilzt mit der Zeit perfekt mit der Körperwärme und dem eigenen Hautgeruch. Es fühlt sich dann an, als hätte man sich keinen „Fremdduft“, also ein Parfum, aufgesprüht, sondern als ob dieser schöne Duft zu einem gehört. Schade ist nur, dass ich ihn selbst kaum noch wahrnehme, wenn ich ihn ein paar Tage hintereinander getragen habe. Und doch: Immer wenn ich denke, ich rieche nix mehr, umweht mich plötzlich doch immer wieder mal dieser schöne Moschushauch.

Fazit: Ein wunderschöner weicher Sauber-Moschus-Duft, der immer geht, der niemals nervt, der immer passt, vom Arztbesuch über das Büro bis hin zum Kuscheln auf der Couch.

Ich aktualisiere meine persönliche Moschus-Duft-Rangliste also wie folgt: Platz 1: Tova Signature und gleich dahinter Essence Eau de Musc, der es immer wieder schafft, sich nach vorne zu drängeln. Der kommt bei mir aufgrund seiner Frische aber eher im Frühjahr/Sommer zum Einsatz. Tova Signature empfinde ich als wärmer und somit ganzjahrestauglich.

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Jazzbob vor 6 Tagen
27 Auszeichnungen
Ich wäre ooch gerne ä Wikingor...
... abor mir durfdn ni so weid reisn in dor DDR. Immor bloß an de Ostsee im Sommor odor ma zu de Tscheschn. So enne Scheiße! Da war nüschd mit Welln und Abendeuorn, sondorn nur ä laues Lüfdschn. Dor Ronny hadde abor Beziehungn übor'n VEB Kombinat Weixdorf und konnde mir meisdens zwee, drei Brühn Radebergor mitbringn, die mir dann in eener viehschen Dämmse genascht hamm, bis ich weggeradzd bin. Da habsch mir dann vorgestelld, ich wäre so ä Winkingor! So risch offn Schiff mit emm Bard bis zur Plaudze! Ebn so'n Kerl, der vor nüscht Angst had und wenn ihm so ä Voochl bleede kommt, ihm ma so übelst Een off'n Nüschl ziehd! Eenor, der üborn Adlandik seeschld und saufn kann wie kee Zweedor!
Nuu bin ich abor offgewachd, weil'sch mir'n Ranzn verkohld hab...
Da had mich de Realidäd wiedor eingehold und ich war ni mehr in dor großn weidn Weld, sondorn nur bei de Fischköbbe in Megg-Bomm. Es is ä Jammor!

(Eine Hommage an meine Heimat Sachsen, insbesondere an die Dresdner Mund- und Denkart.)

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Creeds neuer Duft wäre gerne ein Wikinger. Maximal für ein paar Minuten hält er diesen Schein aufrecht durch einen frischen Akkord aus zitrischen Noten, rosa Pfeffer und Minze. Leider dauert es nicht lange und das Wikingerschiff wird zum Tretboot auf einem kleinen Tümpel, an dessen gepflegtem Wiesenrand ältere Herren in beigen Jacken Enten mit Brotkrümeln füttern. Eine äußerst seifige Rose verschafft „Viking“ einen sehr altmodischen Charakter, der noch durch den klassischen Fougère-Akkord unterstützt wird. Das Ganze driftet zwar nicht allzu sehr in süßliche Gefilde ab, hat aber so rein gar nichts Neues zu bieten. Die pfeffrige Würze bleibt lange erhalten und durch die etwas trocken geratene, holzige Basis wird der Eindruck verstärkt, dass es sich hierbei gut und gerne um einen Duft aus den 80er Jahren handeln könnte.

Wenn Positives über diese Neuerscheinung zu sagen ist, dann, dass der Gesamteindruck gar nicht so mies ist. „Viking“ ist tragbar (für die Camp David-Kleidung tragende Ü40-Generation) und wirkt durchaus natürlich. Wenn eine Marke wie Creed jedoch solch einen Duft mit großer Werbung und einem Namen, den man schon als klare Ansage verstehen kann, lanciert und ihn übertrieben teuer verkauft, finde ich das genauso peinlich, wie sich ein nicht gerade unerheblicher Bevölkerungsteil meiner Heimatregion momentan verhält... Zum Glück gilt das nicht für die Mehrheit und zum Glück kann ich - im Gegensatz zu so einigen Idioten unserer Zeit - diesen Duft einfach ignorieren.

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Leimbacher vor 5 Tagen
25 Auszeichnungen
Poison Ivy aka Mrs. Forest Bubblegum
"Aura" ist Edeltrash, typisch Mugler, eine der wunderbarsten Neuerscheinungen des Jahres.

Er vermischt die grüne Aura einer Waldkönigin wie Galadriel mit dem HubbaBubba einer Teenagerin. Trifft den süßen Zahn der Zeit, interpretiert diesen aber magisch und intensiv neu. Eine grüne Erscheinung, in die sich selbst Hulk verlieben könnte. Rhabarber verleiht dem Duft eine bittere Fruchtigkeit, Orangenblüte küsst Vanille in einem zuckrigen Überguss und synthetische aber sehr feine Waldgeister aus dem Chemielabor (hier mal nicht böse gemeint!) tun den Rest. "Aura" ist spektakulär und eine Frau samt Kleid das zum Flakon passt, wirkt mit diesem Wässerchen wahrscheinlich übernatürlich erotisch und fast zu erhaben um sie anzusprechen.

Keine Außerirdische, kein Engel, sondern eine Waldelfe, die den bisherigen Mugler-Damenmeilensteinen nicht nachsteht. Anders, mutig, reizend. Von Poison Ivy bis Green Lanterns Frau sind davon sicher alle angetan. Dschungel trifft auf Esoterik meets Pausenhof. Das muss man erstmal so elegant hinbekommen. Kopfkino passt. Duft passt. Trägerin passt. Mugler enttäuscht mal wieder nicht. Vom Flakon-Geniestreich über die funkelnde Werbung bis hin zum exzellenten Duft - hier stimmt das Gesamtpaket.

Flakon: ein Meisterwerk... Chapeau, Mugler! Done it again.
Sillage & Haltbarkeit: auch hier enttäuscht ein Mugler nicht. Diese Aura hat es in sich. Und das locker 9 Stunden lang!

Fazit: verführerisch, mystisch, edel trotz enormer Süße - "Aura" ist für mich einer der sexiesten Damendüfte des Jahres. Polarisiert aber stark! I love it und jede Dame die ihn trägt.

8 Antworten

Palonera vor 5 Tagen
25 Auszeichnungen
Die blaue Lagune
...kam mir in den Sinn vom ersten Augenblick an, vom ersten Atemzug, nach dem allerersten Sprüher "Jewels of Blu" auf meiner Haut.
"Die blaue Lagune", jener romantisch-kitschige Kultfilm aus dem Jahr 1980, der Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt in die Kinos zog, um die rührend unschuldige, sinnlich-süße Kindfrau Brooke Shields zu bewundern an der Seite des nicht minder unschuldigen Christopher Atkins, dessen knapper Lendenschurz mehr enthüllte als verbarg.
Ich war zwölf in jenem Jahr, gerade alt genug für FSK 12, doch viel zu jung für "Schweinekram" aus der Sicht meiner Eltern, die mir schlicht verboten, den Film im Kino anzusehen – ein Verbot, das ich ihnen herzlich übel nahm, das zu umgehen ich mich jedoch nie getraut hätte.
Und so schmachtete ich heimlich all die Bilder an, die es vom Film zu sehen gab – das türkisgoldglitzernde Meer, den schneesamtweißen Strand, das schmeichelnd weiche Licht auf aprikosengleicher Haut.
Ich träumte mich in die weichen Wellen warmen Wassers, spürte das Prickeln der Sonne, das Knirschen des Sandes, den seidigsanften Wind mit seinem Duft von hellen Blüten, von reifen Früchten irgendwo noch hoch am Baum.
Ich war zwölf – sehr viel weiter gingen meine Träume nicht, nicht in jener Zeit.
Das änderte sich mit den Jahren, mit den Jungen, mit den Männern auf dem Weg, der meiner war und mich weiter, immer weiter trug, fort von der blauen Lagune, von ihrer sanften Sinnlichkeit, von der Unschuld jener Tage, die auch Brooke und Christopher nicht lang erhalten blieb.
Und irgendwann vergaß ich sie, vergaß die schönen jungen Menschen und die Insel Nanuya Lailai, jenes kleine Paradies, vergaß meine Träume von Düften und Farben –

- bis "Jewels of Blu" mich unvermittelt rückwärts wirbeln ließ durch die Zeit und durch den Raum, ich für die Dauer dieses Tests noch einmal zwölf war.
Bis der Duft mich schwelgen ließ in Licht und Luft und Leichtigkeit, eingehüllt in einen spinnwebfeinen Kokon aus zarten Blüten, reifen Früchten, saftig, doch nicht klebrig süß, nicht überzuckert penetrant.
Leicht gebräunte Haut, seidig schimmernd, sanft gecremt.
Wasser, das nur Wasser ist, kein Duschgelblau, kein Seeluftsalz, kein Brack, kein Fisch, kein Treibholz gar.
Sinnlich-sanfte Zärtlichkeit, kindlich noch beinah.
Und nah, so sehr nah an meiner Haut, in meinem Haar, erahnbar nur dem Wir.

"Jewels of Blu" ist ein klarer Duft, schnörkellos, unkompliziert, ohne anspruchslos zu sein, billig und banal.
Er ist eingängig, doch nicht einfältig – er erschließt sich seinem Träger, seiner Trägerin sehr bald, er ist freundlich, offen, unverstellt.
Ein Duft, der mich willkommen heißt, immer wieder, Tag um Tag, der sich nicht aufdrängt, mich nicht beiseite drängt, dem Drängen und Bedrängen gänzlich fremd sind.
Ein "Es geht mir gut, Du tust mir gut", der genau dies sein will und gar nicht mehr.
Eine Insel in der Hektik dieser Zeit, ein Fluchtpunkt vor dem Wahnsinn mancher Tage – eine blaue Lagune eben, ganz für mich allein.
Und für jene, die mir nah, ganz nah sind.

PS: Bigalchen - danke!

19 Antworten

Meggi vor 3 Tagen
24 Auszeichnungen
Quartett
Ouzo. Wer hätte gedacht, dass ein Atelier Cologne die Traute hat, nach Ouzo zu riechen? Der Anis schafft gemeinsam mit dem Transport-Alkohol eine lebensechte Nachbildung. Daneben steht ein fein ausgestalteter Pfeffer. Bald gesellt sich Grapefruit hinzu, derart naturgetreu sauer, dass glatt das Wasser im Mund zusammenläuft. Darüber schwebt, angesäuselt-weltenthoben, der Anis.

Allmählich mischt sich kratzige, völlig un-stinkige Rosengeranie hinein. Der unverdrossen angespritete Anis, dazu diese rau-gepflegte Herren-Note….der Duft zum Film ‚Alexis Sorbas‘? Der Anis hält stundenlang, bis weit über die Mittagszeit hinaus, nur ganz behutsam erfolgt eine Stützung, vielleicht durch Iris und Süßholz?

Das helle Vetiver erinnert mich in der Kombination mit der Zitrusfrucht partiell an Kurkdjians masculin Pluriel, ohne dass ich das freilich genauer verifizieren könnte, der Pluriel ist längst weitergezogen. Das namensstiftende Patchouli ist lange kaum spürbar, lediglich als rauer Schleier. Erst ab dem späten Vormittag gewinnt es an Präsenz.

Und schließlich steht die Besetzung der Stimmen:
Anis – Sopran
Grapefruit – Alt
Vetiver – Tenor
Patchouli – Bass

Vier selbstbewusst-gelassene Solisten singen metaphorisch ein edles Quartett, welches den Rezipienten keinerlei Widrigkeiten beschert, sondern einfach wunderbar anzuhören ist. Wie stets in solchen Fällen, stellt just das die Mitwirkenden durchaus vor eine Herausforderung: Die Stimmen müssen sich mischen, sonst klingt es unrund. Das verlangt Können und Wollen.

Als Beispiel sei das Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus seinem Oratorium „Elias“ angeführt (youtube.com/watch?v=ZPSWuN5BZh0 – ab 18:37 Min.). Die Solisten in Wolfgang Sawallischs (Referenz)-Aufnahme hatten wahrlich individuelle, ja: markante Stimmen, allen voran Peter Schreier und Theo Adam. Doch wie geschmackvoll sie sich im Sinne des Ganzen zurücknehmen und zwar einzeln gut erkennbar bleiben, gleichwohl eine Einheit bilden.

Das gelingt den vier Solisten im Duft analog ebenso. Sehr schön.

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Ttfortwo vor 5 Tagen
23 Auszeichnungen
Hübsch sind viele. Larissa ist schön.
Larissa ist ein schönes, schweres, sinnliches Mädchen. Wir sind - ich hätte es zunächst nicht geglaubt - Freundinnen geworden in den letzten Wochen, dabei sind wir mindestens so verschieden, wie sie und ihre Schwester Sminta es sind.

Sminta ist Großstädterin, nein, mehr noch: Sie ist Berlinerin durch und durch. Sie ist elegant, feinnervig, etwas nervös vielleicht. Eine schlanke, etwas wangenknochige, Rosenpuder verstäubende Schönheit. Kapriziös. Kompliziert.

Larissa - wunderschön ebenso - könnte hingegen aus Flandern stammen und aus einer anderen Zeit (und ich meine, sie auch schon gemalt gesehen zu haben). Sie ist weich, leibig, samthautig und hat die Statur einer Königin. Sie bewegt sich mit fülliger, ruhig-bedächtiger, etwas träger und sinnlicher Anmut.

Hübsch mögen andere sein - sie ist von zeitloser Schönheit, meine Larissa, hat ein breites, weiches, ein Madonnengesicht, ihr Blick ist zeitweise ein wenig umschattet und manchmal sanfttraurig verdunkelt und sie spricht langsam und wenig und mit weich timbriertem Alt. Alles an ihr ist mütterlich, fraulich, einnehmend, sanft und von einer köstlichen Süße, die nie klebrig, nie zu viel wird.

Sie nimmt mich in die Arme und ich schließe die Augen und fühle mich aufgehoben. Angekommen.

Ein bißchen traurig macht mich, daß wir uns nicht so häufig sehen werden wie ich es mir wünschen würde, denn sie fühlt sich nicht überall wohl. Bei mir daheim ist sie gerne, aber sie spürt, daß sie unter den Kolleginnen und Kollegen in der Arbeit nicht gerne gesehen sein würde.

Sie liebt Musik, Kunst, Kultur, aber nichts zu Modernes, zu Experimentelles, weshalb ich sie auch nicht dorthin ausführen würde. Sie mag es, wenn das Licht etwas gedämpft ist, Kerzen mag sie sehr, und feines schweres Essen, alte dunkle Weine, dazu kleidet sie sich in kostbare dunkelbunte opulente Stoffe, da ist sie dann doch sehr anspruchsvoll, meine flandrische Schönheit.

Wir sind wirklich Freundinnen geworden. Wer hätte das gedacht?

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