Ausgezeichnete Kommentare der letzten 7 Tage

Schoork vor 5 Tagen
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Status Symbol
Sooooo nun darf ich kurz einmal um eure Aufmerksamkeit bitten für ein kleines Review über Aventus Cologne. Eigentlich wollte ich Sommerpause machen, mit Kommis schreiben und testen, aber was sind schon Pläne. Von den Noten 1 bis 10 ist ja in kurzer Zeit schon alles dabei gewesen und nun ist mit der Duft unter die Nase gekommen.
Jaja so ist das mit den Düften mit großen Namen. Da gibt es die eine Seite die völlig aus dem Häusschen ist und die andere, die sowas grundsätzlich ablehnen. Wo liegt die Wahrheit? Irgendwo in der Mitte wie so oft würde ich sagen.
Ich will hier nix zereissen und meine Bewertung sagt das grundsätzliche aus, dennoch war mir ein Statement zu wenig und ich nehme euch einfach mit(so fern euch das interessiert) und lasse den neuen Creed für euch mal Review passieren.
Doch viel passiert eigentlich nicht. Ich könnte jetzt laut HAHA schreiben und allen Flankerhassern eine lange Nase zeigen, die sich grundsätzlich über Flanker aufregen und diese vor erscheinen darüber aufregen. Sowas gibts ja nur im Mainstream, ne? Ne mach ich aber nicht, auch wenn Creed an der Grenze zum Mainstream zumindest für mich kratzt, ist es ja eher untypisch in der Nische, doch der Name Aventus zieht einfach so gut, das sich eben auch Creed gedacht hat, das die Kuh weiter gemolken werden muss. Man hätte ja wie immer einen neuen Namen nehmen können, doch und das ist logisch, wenn man den Duft kennt, ist die Nähe zum großen Bruder zu deutlich und nun kommen wir auch dann endlich zum Duft.

Dieser beginnt für mich mit der typischen Aventus DNA, sprich Ananas, büsschen Rauch und dann für mich Zitrone. Nun lese ich hier Mandarine und Ingwer in der Kopfnote, gut das mag sein, jedenfalls wird das ganze zitrisch untermalt. Das wirkt frischer als Aventus, somit passt der Name erst einmal.
Nach 5-10 Min habe ich durchgerechnet wie oft ich mir für den im Laden heute angegebenen Preis von 180€/50ml bei Zara den Vibrant Leather kaufen könnte, denn ab sofort erinnert mich Aventus Cologne an eben diesen Duft. Etwa 9x könnte ich mir diesen kaufen, bei einer Größe von 120ml hätte ich mehr als einen Liter Parfum dafür bei Zara bekommen und würde bis zum Tag meiner Beerdigung und darüber hinaus nie mehr anders riechen müssen.
Tja, natürlich ist der Vibrant Leather kein Status Symbol wie ein Aventus, mir aber relativ furzegal, weil ich aus dem Alter raus bin, oder nie in dem Alter war so was zu brauchen. Ich bin cool auch ohne sowas.

Wer den VL von Zara nicht kennt, dem sei gesagt, das dieser einer der Aventus ohne viel Rauch Klone ist, der auch frischer daher kommt und den ich gerne trage. Und hey...das ist nur mein Vergleich, hier haben schon einige andere Klone aufgezeigt, also bleibt entspannt, wenn ihr das lieber mit euren Klon vergleichen möchtet.

Ich verneine auch Anleihen an Allure Sport, Noir Anthracite, oder Explorer, da ist mir zuwenig und nur mit viel Phantasie ein Vergleich zu ziehen. Für den Chanel fehlt es mir an Aquatik und dem pudrigen hintenraus, für den Explorer das zuviele Ambroxan und für den Tom Ford einfach an krautigen und allen anderen. Vielleicht ein Hauch Gentle Fluidity, was aber normal ist, weil dieser eben ein Stückweit Aventus zitiert. Doch unsere Nasen sind eh alle unterschiedlich. Für mich ist er einfach frischfruchtig/holzig und auch von einem echten Cologne weit weg.

Nun, das macht den Duft jetzt nicht wirklich schlecht, aber auch nicht sehr speziell. Es gibt mittlerweile an jeder Ecke westlich von Entenhausen einen Duft der so daherkommt. Meistens billiger, fast immer aber genauso gut.
Die Haltbarkeit ist moderat für einen frischen Duft, auch hier kann ich kaum besseres feststellen, als bei so manchen günstigeren Produkten. Wer braucht den also letztendlich?

Wer unbedingt ein Iphone braucht, sich den Apfel noch aufs Auto klebt um allen zu signalisieren, das man Apple ganz doll lieb hat und ein Produkt dieser Firma hat, der braucht auch Creed Aventus Cologne. Wenn es das geben würde, hätte man auch einen Creed Aufkleber auf der Rückscheibe, da wo früher bei so vielen Kenwood stand, oder Pioneer.
Das meine ich auch nicht abwertend, denn ich kenne viele Menschen die diese Signale nach außen brauchen um sich wohl zu fühlen. Das ist ok.
Ich brauche das nicht, komme mit meinem Zara Duft ausgezeichnet zurecht und hätte persönlich ein schlechtes Gewissen 180€ für diesen Duft zu bezahlen. Ich bin da genau anders gestrickt, auch wenn ich auch schonmal viel Geld für einen Duft bezahlt habe. Nur war dieser dann nicht hundertmal auf dem Markt vertreten und ausgelutscht.
Creed hat mit Kalkül diesen Duft auf dem Markt gebracht und wird diesen auch ordentlich verkaufen, denn wer Aventus liebt, wird den hier irgendwie auch mögen, jedoch glaube ich, das viele Creed Fans ein Stückweit überlegen ob sie geschröpft werden, oder ob das immer noch das Nonplusultra ist und als Status Symbol dient.

Sie sollten es sich zumindest überlegen.

Haut rein.
S.

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Can777 vor 7 Tagen
33 Auszeichnungen
Die Ästhetik des Nichts
Der perfekte Schnitt. Silhouetten. Scharf und weich zugleich. Die Kunst des Minimalismus. Die Perfektion der Schlichtheit im Vollendung. Keiner beherrschte es so wie Jil Sander. Sie machte aus wenig sehr viel. Die Mode die sie erschuf war für Frauen und Männer mit Selbstbewusstsein und Charakterstärke die ihre Kreationen ausfüllten mit ihren eigenen Ich. Clean,pur und schlicht. Wenn auch ihre Mode dem Minimalismus sehr gleich kam,so waren es ihre Parfums nicht immer. Ihre Parfums waren nicht dazu gedacht ihre Mode zu unterstreichen,sondern die Trägerin oder den Träger selbst. Im Kosmos der Sander waren schon immer Frauen und Männer gleichermaßen in
Selbstbewusstsein,Charakterstärke und Stil gleichgestellt. Was sie für die Frauen tat,tat sie auch gleichermaßen für die Männer. So erschuf sie 1981 Jil Sander Man Pure. Also nahm sie Maß am Mann und kreierte ihn eine Aura aus perfekten Molekülen. Die Moleküle der puren Männlichkeit,Souveränität und Eleganz. Jil Sander Man Pure

Der Duft
So augenscheinlich kühl und distanziert wie Jil Sanders Mode beginnt auch der Duft. Kühle und fast schon etwas statisch wirkende mediterrane Kräuter eröffnen die Kopfnote. Leicht zitrisch unterlegt und metallisch-herb. Vergleichbar mit einem präzisen,scharfen Scherenschnitt durch Stoff. Floralen und würzige Noten fügen sich hinzu. Maßgeblich Nelke und Rosengeranie. Die für mich wohl männlichsten Blumen überhaupt. Sie durchziehen die Herznote wie eine feine und stilsichere Naht. Die Würze und der herb-krautige Verlauf wird nach und nach immer tiefer und wärmer durch Muskatnuss und feinen Akkorden von Zimt. Alle Übergänge zu den einzelnen Noten sind perfekt aufeinander abgestimmt und so fließend wie die Nadelstreifen auf einen perfekten Maßanzug. Was die Basis betrifft ist Jil Sander Man Pure pure Perfektion. Sie vernäht sozusagen die einzelnen Noten oder fast schon Schnittteile miteinander. Ein tief-warmes und ledriges Castoreum gibt tiefste animalische Wärme frei und fusioniert mit einem rauchig-weichen und beschützenden Eichenmoos.

Fazit
Jil Sander hat mit Jil Sander Man Pure dem Mann eine Silhouette gegeben aus scharfen und gleichzeitig weichen Konturen. Man könnte mit diesen Duft nackt sein und wäre immer noch perfekt angezogen als Mann. Dieses Parfum wirkt beim ersten Kontakt auf der Haut vielleicht erst kühl,frisch und steril,aber das täusch gewaltig. Nach kürzester Zeit verbreitet Jil Sander Man Pure eine tiefe,sinnliche und souveräne Aura aus Wärme und unendlicher Gelassenheit. Und dies über sehr viele Stunden. Dieses Parfum ist Minimalismus in seiner maßlosesten Form. Die geruchliche Formensprache der männlichen Ästhetik.

Der moderne Mann muss nicht viel von Mode wissen, aber die Sensibilität haben, einen guten Schnitt zu fühlen.
-Jil Sander-

Gilt meiner Meinung nach in einer anderen Form auch für Parfum!

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Can777 vor 5 Tagen
28 Auszeichnungen
Der Seidendrachen
Wie duftet Città di Kyoto? Komm her zu mir und setz Dich. Ich werde es Dir beschreiben!

Stell Dir vor Du bist in einem wunderschönen Garten oder Park irgendwo in Japan. Du hast gerade einen Seidendrachen gekauft und willst ihn im Park fliegen lassen. Der Wind ist sanft,aber stark genug. Er trägt so einiges mit sich. Die Luft ist angereichert mit zarten Tönen aus Zitrusfrüchten. Leicht bitter-grün ist ihr Geruch. Du läufst den endlosen Weg entlang durch den Park und lässt dabei immer mehr Drachenschnur frei,während du immer schneller läufst und läufst. Gerüche streifen dabei Deine Nase. Du nimmst den Duft von zarten Blüten wahr. Sie sind nicht einzuordnen aber wunderschön. Fein und zart ist ihr Duft. Der Seidendrachen ist nun schon sehr hoch im strahlend-blauen Himmel und zieht dort in ruhigen und sanften Bewegungen seine Bahnen. Er hat die Form eines Koi und ist auch so bemalt worden. Die Bemalung ist wie eine kostbare japanische Tuschzeichnung in den wässrig-pastellensten Farben. Sanft flattern die Seidenbänder an den stilisierten Flossen des Drachens im luftiger Höhe als würde er dort oben schwimmen.

Dann legst Du Dich an einen großen Teich auf den Rücken ins feuchte Gras und schaust in den Himmel wo der Seidendrachen fast wie meditierend am Himmel steht. Der Lotus ist erblüht und mischt sich mit dem zarten Duft von feuchten Hölzern und Wurzeln. Ein sanfter Hauch Süßwasser liegt in der Luft. Du hörst leises Gekicher hinter Dir und schaust Dich leicht um. Drei Geishas gehen gerade den Weg hinter Dir entlang am Teich. Sie verstummen als sie Dich bemerken und nicken Dir freundlich und synchron zu. Ihre Gesichter sind makellos und mit iris-gleichen Reispuder geschminkt. Sie scheinen über dem Boden zu schweben während sie über die hölzerne Brücke schreiten an der die Schwertlilien wachsen. Während Du weiter auf dem Rücken liegend und den Seidendrachen beobachtest der immer noch meditativ im kristall-blauen Himmel steht wirst Du langsam immer müder. Die Drachenschur hälst Du noch immer stramm gespannt in Deiner Hand dabei. Und dann kannst Du es hören! Es hört sich an als würde eine Geisha ein Streichinstrument in weiter Ferne spielen. Aber das ist es nicht! Es ist der Wind den Du hören kannst durch die Drachenschnur in Deiner Hand. Es ist der Gesang des Windes in endloser Höhe. Du merkst noch wie sich langsam Deine Hand öffnet,während Du sanft abgleitest und einschläfst und dabei den Drachen frei gibst. Und dann fliegt er sanft davon. Wie all Deine Sorgen und Kummer im Wind in diesen einen Moment

Genau so duftet Città di Kyoto. Wie ein Seidendrachen im Wind. Sorgenfrei,meditativ,leicht und unendlich frei!

https://m.youtube.com/watch?v=BTZl9KMjbrU

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SchatzSucher vor 3 Tagen
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Zu Unrecht vernachlässigt
Der ach so groß angekündigte Mega-Sommer 2019, der uns als noch heftiger, noch wärmer, noch superer, noch trockener als der von 2018 angedroht wurde, schwächelt ja seit einiger Zeit. Nach einem ersten Aufbäumen fiel der Sommer wieder ratzfatz in sich zusammen und krabbelt jetzt lust- und orientierungslos herum.
Morgens ist man ja schon wieder gezwungen, mit Jacke aus dem Haus zu gehen.
So ganz beleidigt bin ich darüber zwar nicht, weil ich bei Temperaturen um 20 Grad herum oder drunter einfach besser funktioniere, aber etwas sonniger und schöner darf es bitte gern sein.

So richtig Lust auf die leichten frischen Düfte verspüre ich da auch gar nicht. Für die wummsigen Winterdüfte ist es aber eigentlich auch keine richtige Zeit.
Da fiel mir ein, irgendwo habe ich doch auch noch solche Düfte, die selten passen, selten getragen werden und doch viel zu nett sind, als daß sie im hintersten Winkel einsam und vernachlässigt ihr kümmerliches Dasein fristen.

Und an genau einem solchen Tag durfte Passion for Men Cologne von Elizabeth Taylor aus ebendiesem Winkel hervorgeholt werden und mich durch meinen Arbeitstag begleiten.
Es war ein bißchen so, als hätte man einen lieben Bekannten nach längerer Zeit wiedergesehen.

Ich wurde freundlich begrüßt von einer mehr als angenehmen Duftwolke aus würzigen und leicht süßlichen Elementen. Ein Hauch Bergamotte, begleitet von Lavendel, der recht deutlich wahrzunehmen ist. Ein bißchen mehr Florales tritt hervor, Jasmin, nicht aufdringlich. Dazu gesellt sich Muskat, das mag ich in Düften eh gern. Kommt Muskat doch herrlich im Cacharel pour l´Homme zur Geltung. Wobei die Düfte nicht groß miteinander verwandt sind.
Mit etwas Patchouli, einem Klecks Vanille und Vetiver wird die Würze noch etwas wärmer und tiefer.
Moschus sorgt für den letzten Schliff, wenngleich der Duft keinen sonderlich starken animalischen Ton hat.
Die hier angegebene Duftpyramide scheint mir nicht ganz vollständig zu sein. Ich meine auch holzige Töne erkennen zu können, Zeder und Sandelholz dürften mit vorhanden sein. Und sicher ist auch Eichenmoos mit eingearbeitet. Das fehlt ja in klassischen Herrendüften eigentlich kaum.
Das Ganze wirkt leicht orientalisch angehaucht, ohne wirklich ein orientalischer Duft zu sein.

Der Duft ist insgesamt schön ausbalanciert, wirkt auch bei ein, zwei Sprühern mehr nicht raumgreifend oder erschlagend. Damit kann ich auch eine sehr gute Bürotauglichkeit bestätigen.
Recht haltbar ist das Passion for Men auch, so ungefähr 6 Stunden bleibt er. Es wird aber recht schnell hautnah.

Passion for Men hat so gesehen alles, was einen typischen Herrenduft der 80er Jahre ausmacht, doch tritt er nicht als lauter Schreihals auf, sondern erfreut mich mit angenehmer Zurückhaltung. Auf mich wirkt der Duft insgesamt erwachsen, wenn ich das mal so ausdrücken darf. An eher jugendlichen Typen kann ich mir Passion for Men weniger vorstellen, auch wenn ich jetzt keine strenge Einordnung mit dem erhobenen Zeigefinger festlegen möchte. Mir als in der zweiten Hälfte der 40er stehendem, nicht mehr ganz so jugendlich erscheinendem Typen, steht der Duft aber sehr gut.

Die Einstellung zu den Promidüften ist ja eine sehr breitgefächerte bis hin zu völliger Ablehnung.
Ich möchte mal sagen, das ist in diesem Fall doch anders. Heutzutage werden ja massenhaft Star- und Sternchendüfte auf den Markt gebracht. Frau Taylor war in der Hinsicht wohl auch eine der ersten.
Was in den Jahren an Düften unter dem Namen Elizabeth Taylor veröffentlicht wurde, kann man wirklich nicht als schlecht bezeichnen. Ich denke da an Passion und White Diamonds, großartige Düfte mit hohem Wiedererkennungswert, auch die Ableger von White Diamonds sind für mich durchweg schön (die neueren Düfte kenne ich nicht).
Schade, daß es nur zu einem Herrenduft gereicht hat, denn Passion for Men gefällt mir sehr gut. Hier ist nichts beliebig oder aufgesetzt künstlich. Es wäre sicher spannend gewesen, weitere Herrendüfte von Liz Taylor zu kennen.
Ich meine, mal gelesen zu haben, daß Liz Taylor seinerzeit ein Mitspracherecht bei den Düften hatte. Das glaube ich nur zu gern.
Leider hat man sich beim Flakon keine große Mühe gegeben. Ich habe 118 ml und das Teil liegt alles andere als gut in der Hand. Der einfache Plastikdeckel paßt auch nicht so recht dazu.
Zumindest ist der Sprüher gut.
Doch es zählt der Inhalt. Und der ist gelungen.
Man kann bzw. konnte den Duft mehr als günstig erwerben, doch duftet Passion for Men alles andere als günstig.
Mich würde es aber mal interessieren, wer diesen Duft kreiert hat. Leider habe ich keine Informationen dazu gefunden. Es würde mich aber nicht überraschen, wenn der Duft einer namhaften Hand entstammen sollte.

Nun betrübt mich der Punkt, daß die Produktion offenbar eingestellt wurde, ein wenig. So nach und nach verschwinden augenscheinlich so manche Kostbarkeiten aus vergangenen Zeiten und müssen Platz machen für andere Kreationen. So ist aber eben alles im Fluß.
Ich freue mich jedenfalls, daß ich diesen schönen Duft doch mal wieder hervorgeholt habe. Und evtl. gibt es bei Gelegenheit mal einen Bunkerflakon.

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Schoork vor 37 Stunden
26 Auszeichnungen
Die Alternative
Eher etwas unfreiwillig und dem Zufall geschuldet schließe ich heute quasi eine Creed Triologie ab. Vor fast 2 Wochen erzählte ich euch vom L'Aventure Knight, dem Klon vom Green Irish Tweed und vor ein paar Tagen dann vom Aventus Cologne.
Heute geht es um den Zwilling vom bisher einzigen Creed der es in meine Sammlung schaffte und mich als bisher einzigen Duft aus dem Hause Creed tatsächlich überzeugte...dem Himalaya.

Und dann auch noch ein Paco Rabanne. Ehrlich gesagt hätte ich niemals damit gerechnet, das mich ein Duft aus diesem Hause mal begeistern könnte, geschweige denn, das ich mal einen besitzen würde. Ich fühle mich für die meisten Herrendüfte aus diesem Hause schlichtweg zu alt. 1 Million, Invictus und diese Pure XS Klamotten waren und sind für mich einfach nix und zielen in meinen Augen auf junges Publikum. Extrem Süßes synthetisches Zeug mit langer Haltbarkeit um im Club die Nacht durchschwitzen zu können. Bestätigt wurde ich vom Sohn (Louis, 13) meiner Freundin, der sich Invictus und Pure XS auf die Arme sprühte bei einigem gemeinsamen Bummeln und von beiden sehr angetan war, vor allem vom Invictus. Hat der den gefeiert.
Allein schon die Marke brachte mich zum schaudern, noch dazu mit alle den grottenhäßlichen Flakons, da war nicht einer dabei der nett aussah bis jetzt, ganz egal welchen man jetzt nimmt. Plastikbomber die genau das Versprechen was in den Düften ist. Auch der Originale mit der gelben Flüssigkeit, den ich jetzt besitze ist nicht wirklich hübsch und mit dieser Kappe zum aufklappen total unhandlich.

Doch nun habe ich XS pour Homme, ein Duft der mit den heutigen Paco Rabannes wenig zu tun hat. Ist er doch auch von 1993 und damals hat man eben auch anders gerochen. Tatsächlich wäre Creeds Himalaya der Dupe, der ja später auf dem Markt kam, doch gucken wir mal wie sehr sich die beiden ähneln.

Da dieser XS eher selten in den Geschäften zu finden ist, bin ich auch durch Zufall vor ein paar Wochen in Venlo/Holland auf ein Parfumgeschäft gestoßen, da sehr viele Düfte dort hatte, die man hier im Laden selten bis gar nicht findet. CH Man Prive, die ganzen Bentleys, F by Ferragamo um nur einige zu nennen. Eben auch den XS pour Homme. Keiner hatte mich zum Kaufen animiert, den XS sprühte ich auf unseren Jungen um zu sehen, wie weit der dem Creed ähnelt, denn ich wusste, dass der hier als Zwilling angegeben war. Tja das Resultat war, das der uns allen echt gefallen hat und ich sofort diese leicht krautige Barbershopnote in der Basis vom Himalaya erkannte. Das machte neugierig und ich schaute mich online um, doch die Preise ließen mich erschaudern. Ich mag es zwar einen günstigen Ersatz zu haben für den Alltag, aber nicht für die aufgerufenen Preise. Ich hatte aber Glück einen fast vollen 100ml Flakon im Originaldesign hier im Souk für wenig Geld zu bekommen. Dieser kam dann auch noch vor meinem Urlaub an und ich konnte ihn mit dem Creed nun direkt vergleichen.

Grundsätzlich beginnt der Creed viel frischer und ist leicht süßer durch die Früchte in der Kopfnote, das macht dann gerade wenn es wärmer ist mehr Laune und das ist auch facettenreicher als der XS. Die Note die ich aber am Himalaya so mag, beginnt etwas später, nach einer Stunde ungefähr, dann kommt nämlich besagte Barbershopnote, die leicht krautig, völlig unseifig und unscharf, etwas knarzig ist und ich mega finde und diese bietet der XS fast 1 zu 1 von vorne bis hinten. Etwas trockener vielleicht, aber unschwer zu erkennen. Beide werden dann holzig und der XS bleibt in Nuancen würziger. Wacholderbeere scheine ich hier noch wahrzunehmen, etwas was ich scheinbar sehr mag. Durch die fehlende Frische ist das bestens geeignet für den Herbst, wenn der Himalaya vielleicht zu kühl wird.
Auch die Haltbarkeit liegt zumindest bei mir bei beiden so um die 7h. Das geht in Ordnung. Ich würde sagen die ähneln sich zu 80%
Wer einen von beiden mag, der kann den anderen für die jeweiligen anderen Jahreszeiten nutzen, zumindest werde ich das so machen.

Im Gegensatz zu den heutigen Paco Rabanne ist dies ein echter Gentleman Duft. Pour Homme steht hier zurecht, statt für Jungs wie es bei den heutigen passen würde. Ich habe in anderen Kommis gelesen, dass er recht schnell unspektakulär, bieder, unauffällig und brav daher kommt. Kann man so sehen, vor allem wenn Paco Rabanne drauf steht. Ich allerdings finde ihn bei richtiger Dosierung schon laut, aber nicht aufdringlich. Gepflegt und sauber. Ein Businessduft, der auf Anzug geht, sowie auf Hemd, aber auch mal Casual.

Für mich persönlich eine tolle Alternative zu meinem Himalaya und für Leute die den Creed mögen eine echte Testempfehlung. Für alle anderen eine günstige Variante.

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Anarlan vor 4 Tagen
25 Auszeichnungen
Ikigai in a bottle
Ganz kurz ist es so, als würde eine noch regenfeuchte Hanfmatte mit Schwung vor Dir ausgerollt, damit Du darüber schreitend die Stände mit grünen und gelben Früchten und Kräutern betrachten kannst, während Du über den Markt der Obst- und Kräuterverkäufer mitten in Tokyo schlenderst. Die unzähligen kastenförmigen Auslagen der Stände aus Bambusrohr bilden enge Gassen, fein säuberlich zu kubistischen Kulissen aufgetürmt, an ihren Enden den Blick auf die dunstigen Umrisse der Hochhäuser einer endlosen Stadt freigebend. Die Strassen brüten unter der schwülen Hitze der Regenzeit, überall scheint ein Feuchtigkeitsfilm auf den Oberflächen zu liegen. Sobald Du über die entblösste Haut Deiner Unterarme streichst, möchtest Du die Hände am nächsten bunt blinkenden, piependen und sprechenden Automaten trocknen, kühlen und desinfizieren lassen.
Du bist Dir sicher, dass es hier auch dafür Automaten gibt, aber erfolglos in Deiner Suche, natürlich, weil nichts von der Bestimmung und dem Zweck der bunt beschrifteten Kästen, die an jeder Ecke zu stehen scheinen, für Dich verständlich wäre. Wie durch eine biologische Besonderheit scheint es den Einheimischen vergönnt, dass keinerlei Feuchtigkeit auf ihren Gesichtern haftet, die Hausfrauen, Geschäftsleute, Teenager in ihren Babyklamotten und gefärbten Haaren, die durch die engen Gässchen eilen, alle scheinen wie auf Verabredung die Schweissproduktion eingestellt zu haben.

Die kurze Aufruhr, welche Dir der erdige Geruch des feuchten Hanfs bereitet, als Du den Markt betrittst, ist schon nach einigen Sekunden verflogen, und die herbe, saure, umwerfende Lebendigkeit des Duftes der Bitterorangen, die hier allgegenwärtig zu sein scheinen, trifft Dich wie ein Schlag. Sauer duften sie, ähnlich dem Duft frisch geriebener Zitronenschalen, dabei komplexer, tiefer, an Grapefruit und Limetten erinnert ihr Aroma, ohne die schwefelige Mattheit der Grapefruit oder die eindringliche Exotik der Limetten zu verbreiten. Kühl duftet es, eine Wohltat an diesem regenfeuchten heissen Tag.

Gleich daneben die Buden der Kräuterhändler, die Bündel stehen in vasenartig geflochtenen Behältern aus Bambus oder liegen, einer Dir unbekannten Geometrie folgend, geordnet in kleinen hölzernen Kästchen. Minze, Du zerreibst ein paar Blättchen zwischen Deinen Fingern: Keine Kaugummiminze, wie erwartet, sie würde übrigens gut in dieses unverständliche Umfeld passen, sondern ein krautiges, dunkles, stängelig-holziges Minzearoma, die Pflanzen wie im warmen Wind getrocknet und durch geheime Magie wieder zum Leben erweckt. Darunter ein weiteres Bündel einer kleinen Duftexplosion: Aromatische, grüne, zitrische Zitronenverbene, mit ihrem metallischen herben Duft, den Du fast schmecken kannst, ein dunkler, krautiger Ton, der sich ganz delikat unter die Spritzigkeit der Bitterorangen legt.

Du meinst immer noch den erdigen Geruch der regenfeuchten Hanfmatte wahrzunehmen, der gelegentlich in dieser exquisiten sauer-bitteren Stimmung aufsteigt, aber schon bald vermählen sich die herben Eindrücke mit der flirrenden Holzigkeit der Zedern und warmem, tiefen, angenehm trockenem und leicht reibendem Moschus. Etwas erinnert Dich an die mineralische Dunkelheit von Eichenmoos, aber es ist nur eine Illusion, die Hitze spielt Dir einen Streich, die Herbheit und Exzentrik des Duftes erzeugt diesen Eindruck. Dennoch, und das überrascht Dich am meisten, liegt der Duft Deiner feuchten Haut an wie ein kühlender, trockener, ideal temperierter, pudriger Seidenkokon, alles passt, Du bist bei Dir selbst angekommen, und die Hitze und die Stadt um Dich herum, sie können Dir nichts mehr anhaben.

...

Der Korse Marc-Antoine Corticchiato, die Nase hinter Parfum d´Empire, hat mit Yuzu Fou eine Hommage an das moderne Japan schaffen wollen, so die Marketingsaga, und seine Sichtweise darauf ist, ohne dass ich das konkretisieren oder erklären könnte, französisch, so wie die exquisiten Düfte, die er schafft, französisch sind. Ob es daran liegen mag, dass seine Düfte stets eine gewisse Sperrigkeit und Exzentrik haben, mit Duftkomponenten, die zunächst oft gewöhnungsbedürftig sind, dann aber in der Gesamtkomposition eine raffinierte Verwendung finden und einen starken Reiz ausüben, oder er sich offenbar gerne historischer Duft-Vorbilder oder historischer Figuren bedient, um Düften eine Geschichte zu geben, oder weil er das Thema Chypre (der schönste mir bekannte Orangen-Chypre stammt von ihm) auf spannende Weise immer wieder bedient (womit er bei mir sowieso in´s Schwarze trifft), seine Düfte haben oft eine eigene Eleganz und Feinheit, die ich mit „französisch“ assoziiere. Das mag als Charakteristikum so klischeehaft sein wie es will, Parfum d´Empire war und ist eine meiner persönlichen Markenentdeckungen des vergangenen Jahres und Yuzu Fou momentan mein Sommerliebling, hier auf Parfumo leider auf haarsträubende Weise unterbewertet.

Ich hoffe sehr, dass die Düfte der Marke bald wieder verfügbar sind, in Deutschland sind sie seit Jahresbeginn offenbar nur noch aus Lagerbeständen erhältlich, wer Näheres weiß, möge sich bitte gerne mitteilen.

14 Antworten

Helena1411 vor 6 Tagen
22 Auszeichnungen
Mondnacht
„Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Aehren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.“

Joseph von Eichendorff (1837)

...
Jedes Mal, wenn ich dieses Gedicht, eines meiner liebsten, rezitiere, überläuft mich ein Schauer ob der unglaublichen Poesie dieser Worte.

Und tatsächlich verspüre ich, im Lichte eines Vollmondes unter sternenfunkelndem Himmel, dabei das Gefühl, als spreizte meine Seele ihre Flügel weit, als löste sie sich von meinem Körper und erhöbe sich in die Lüfte, als streifte sie sanft die sich wiegenden Baumwipfel, glitte sie mit dem leichten Nachtwind über die mondbeschienenen Felder und genösse die friedliche Ruhe der Mondnacht..

Und nun habe ich einen Duft für dieses Gefühl gefunden.
Cartier de Lune.

Ich könnte den Duft jetzt auseinandersezieren, einer Analyse unterziehen, Bestandteile nennen... Aber das will ich diesmal keineswegs. Wer solches erwartet, sollte lieber einen der anderen hervorragenden Kommentare lesen.
Ich möchte die Assoziation einfangen, die dieser Duft in mir weckt, die ihn so vortrefflich zu Eichendorffs lyrischer Mondnacht und meinem damit verbundenen Gefühl passen lässt.

Es ist, als würde ich etwas Silbriges, Filigranes riechen, dabei doch auch transparent. Fragil und zeitgleich monumental. Zart und dennoch gewaltig.
Der Duft erzeugt ein Gefühl, als sei mein Körper in fließende zartduftende Seide gehüllt, so zart, dass sie durchscheinend ist. Und doch schützend, schmeichelnd, schillernd.
Ein Hauch von silbern glänzendem Nachttau auf grünem Blattwerk funkelt zusammen mit den Sternen; zarte Blütenblätter schimmern hell im Mondlicht, man kann förmlich sehen, wie sie ihren Duft in die Nachtluft steigen lassen.
Die Nacht trägt die Farbe silbrig-blau, in allen funkelnden Facetten.

Und ich verspüre das Gefühl, das Irdische für einen Moment loslassen zu können, meine Seele in den Nachthimmel steigen zu lassen und einen kurzen Augenblick von Transzendenz genießen zu können.
Und meine Seele atmet tief den Duft von Cartier de Lune ein, saugt die kühle Nachtluft in sich auf und spreizt ihre Flügel...

... „als flöge sie nach Haus.“

13 Antworten

Helena1411 vor 40 Stunden
22 Auszeichnungen
Sagen alle. Hier.
So. Der wird jetzt getestet. Aha. 8,1 Bewertungspunkte von anderen Parfumnasen. Der muss ja gut sein. Hab deswegen ja auch die Abfüllung bestellt. Soll ja samtiger sein, erwachsener, weniger süß. Sagen alle. Hier. Und das heißt schon was.
Dann wollen wir mal, Ärmel hochgekrempelt und auf die Sprüher, fertig, los.

Woohooo. Das ist aber mal wieder ... kirschig. Aber sowas von! So richtig maraschino-amarena-kirschig. Aber hallo! Und so ... süß. Oh Mann.
Aber er ist ja gut. Sagen alle. Hier. Und die kennen sich ja aus.

Also was soll‘s, Nase wieder ans Handgelenk. Mannomannomann! Kirsche hoch drei! Zuckersüße Kirsche! Nun gut, ist ja ein LPRN, das ist halt die DNA. Und sie schreiben ja alle, er sei nicht so süß. Nicht mehr so zumindest. Sagen alle. Hier. Und wer sonst soll es besser wissen?!

Na komm, Riechkolben ran an den Duft. Alter Schwede noch eins! Diese Amarena-Maraschino-Zucker-Likör-Kirsche macht mich echt fertig! Bergamotte? Nix. Mandarine. Auch nix. Veilchen? Wo? Das gibt’s doch nicht! Ich bin doch nicht so geruchsblind!! Oder doch?
Herrschaftszeiten, klebt mir der an den Nasenhaaren (den natürlich weiblich-dezent-feinhaarig-kaum vorhandenen) ! Aber es ist hier ja zu lesen, dass er nicht so süß ist wie die anderen LPRN. Sagen alle. Hier. Und die müssen es ja schließlich wissen.

Nicht, dass ich bei mir Zuhause nicht auch zwei LPRNs stehen habe, anders süß, ja schon, aber süß. Wie Hulle! Und wie dieser hier.
Egal, nochmal einen Zug nehmen. Joa, Rose ist auch dabei. Blümelt so vor sich hin, hinter dieser sausüßen Kirsche. Kehr noch eins, ich krieg diese Kirsche einfach nicht aus meinen Geruchsnerven heraus, dieses klebrige Früchtchen! Aber sie bestätigen ja alle, er sei erwachsener, der Duft. Sagen alle. Hier. Und das sind ja Kenner.

Komm, jetzt streng Dich an! Riechst Du schwarzen Tee? Riech jetzt!!! Nö, nein, niente. Kein schwarzer Tee zu riechen. Mach ich mir jetzt aber. Ohne Zucker. Bitterschwarz. Als Ausgleich. Ich halt diese doppelt gezuckerte Süßkirsche echt nicht mehr aus! Echt nicht!

Ja, ja, er soll erwachsener sein. Sagen alle. Er sei samtiger. Sagen alle. Er sei weniger süß. Sagen alle.

Meine Nase jedoch sagt zu mir: Hey, Du Blödmann hast mir ein Dutzend Amarena-Maraschino-Kirschen in jedes Nasenloch gestopft und jetzt ersticke ich daran! Nimm die da gefälligst wieder heraus, diese pappzuckerklebrigsüßen Mistkirschen!
Sagen nicht alle. Hier. Sagt meine Nase. Nachdrücklich. Und schert sich ein feuchten Kericht um das, was alle sagen.

17 Antworten

Meggi vor 37 Stunden
21 Auszeichnungen
Pfeffer mal anders
Das Zeug hieß „Sigaprim“ und war in meiner Kindheit eines der diversen Penicillin-Präparate. Ich habe noch gut einen schreiend rosafarbenen Saft vor Augen. Und ebenso künstlich schmeckte es, sämig, wie lokal-anästhesierend.

Daran erinnert mich der Auftakt von ‚Parfum Captive #1‘. Pilzig-pelzig wäre ein weiteres treffendes Adjektiv. Und dazu wird heute Pfeffer gereicht, mehr scharf als aromatisch. Im Hinblick auf sein Gewicht in den pyramidalen Angaben finde ich ihn im Einsatz allerdings moderat – bin jedoch kein Maßstab, weil ich gerne scharf esse. Ob das der Grund ist, dass mir der vorliegende Kandidat insgesamt wässrig-blass vorkommt? Selbst das angesagte helle Holz ist lediglich ein Hauch. Nun riecht es in einem Birkenwald (auf einen solchen beruft sich der Hersteller) nicht wie im Sägewerk, also sei’s drum.

Außerdem scheint mir, als sei ein Anflug ihrerseits wässriger Frucht dazwischen. Derart ent-aromatisiert, dass ich sie gar nicht näher benennen kann. Vielleicht ein ausgelutschtes Stück Wassereis*. Eigentlich nicht im engeren Sinne Frucht, eher ein ansatz-fruchtiger, säuerlicher Aspekt von etwas anderem. Hm. Bergamotte tritt gelegentlich völlig entobstet und allein zitrisch-adstringierend auf. Ähnlich ist es hier.

Und schließlich lese ich, dass Szechuanpfeffer – sicherlich aus gutem Grund – auch Zitronenpfeffer genannt werde und ein leicht betäubendes Gefühl im Mund hinterlasse. Das passt alles perfekt, zumal ich auf die ersten Absätze ehrlich ganz ohne lektürielle Nachhilfe gekommen war. Womöglich ist große Duft-Gestaltungskunst zu wittern, obwohl mir die Phantasie fehlt, was das mit einem Birkenwald zu tun haben soll.

Im Verlauf des Vormittags gewinnt der fruchtige Part an Substanz und entwickelt Trocken-Aprikosen-Ambitionen. Die Iris bleibt demgegenüber zurückhaltend. Frisch ist sie und nur minimal karottig; die entsprechende Süße ähnelt jener eines Schluckes Süßwasser nach einem ausgiebigen Bad im Meer. Am zweiten Testtag nehme ich die Iris zwar stärker, aber weiterhin als dezent wahr. Ein winziger Spritzer von ergänzendem Bitterem, eventuell ein Nanoliter Bergamotte, macht die Dame noch aparter. Und wenn ich’s recht überlege: Ja, ‚Captive #1‘ darf cum grano salis (zumindest auch) als Iris-Duft bezeichnet werden.

Im Fortgang liefern die säuerlich-fruchtige Richtung und das Sacht-Süße aus der Iris-Ecke fraglos eine gewisse Innenspannung, bloß leider wird mir die Angelegenheit über den Nachmittag hinweg in ihrer Unveränderlichkeit auf Dauer eintönig.

Fazit: Der Funke mag nicht wirklich überspringen, trotzdem ist ‚Captive #1‘ ein edler und universell tragbarer Duft, letztlich mehr Aura als Parfum.

Ich bedanke mich bei Garcon für die Probe.

* Bei unserem Höker im Dorf war besagtes Wassereis damals erhältlich für – meine ich – einen Groschen das Stück; auf dem sommerlichen Heimweg von der Grundschule Ende der 70er-Jahre. Für die Jüngeren unter uns: Der „Groschen“ ist mittlerweile gefallen, nämlich dem Euro zum Opfer.

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FvSpee vor 10 Stunden
21 Auszeichnungen
Dreifache Drüsen-Dröhnung
Ok, ich denke mal, der gute Maurice Roucel hat hier einen Themenduft erschaffen wollen; nach der Devise "alles, was im Tier- und Pflanzenreich quillt und wabert".

Da haben wir erstmal die volle animalische Dreifach-Drüsen-Dröhnung aus Zibet, Bibergeil und Moschus.

Hört sich das nicht schon krrrrrasssss an? Zzzzibet, Bbbibergeilll und Moschussssss? Zibet wird aus Drüsen unterhalb des Anus' (a.k.a. Arschlochs) von Zibetkatzen rausgepresst. Moschus kommt aus der Moschusdrüse in der Nähe des Penisses des Moschustiers, eines tooootal süßen (ein bisschen wie eine Mischung aus Bambi und einem Star-Wars-Hüpftier) hirschähnlichen Wesens aus Asien (früher hat man die Tiere zur Gewinnung des Moschus' einfach abgemurkst, heute soll man wohl weiter sein und schneidet ihnen das Zeug bei lebendigem Leibe raus) und Bibergeil wollt ihr jetzt nicht mehr wissen, oder? In der heutigen Parfümerie, und gerade bei Labels die sich so politisch korrekt geben wie Le Labo, werden ja in der Regel synthetische Ersatzstoffe verwendet, aber alleine schon bei der Überlegung, dass die Parfumeure früher solches Zeug verwendet haben, kommt einem ja die vegane Pizza wieder hoch.

Und dann zur Abrundung das pflanzliche Gequelle: Gurjunbalsam ist im Grunde ein Harz-Saft, der aus einem bestimmten asiatischen Baum herausquillt, wenn man ihn anbohrt und es ihm überhaupt so richtig ungemütlich macht. Für so etwas gibt es wohl noch keine Ersatzstoffe. Es müssen wahrscheinlich zuerst wie in Mittelerde ein paar Ents auftreten und den blöden Menschen, die ständig in den Bäumen rumbohren, ein paar auf die Zwölf geben. Und die Zistrose ist ein Strauch in der Mittelmeergegend, der rosenähnliche Blüten hat und der (auch ohne dass man ihn foltert, ganz von selbst) so ein bestimmtes Harz aus sich absondert, besonders bei Hitze. Und das kann man aufklauben (oder den Ziegen, die durch die Büsche rennen, aus den Haaren zupfen) und macht Labdanumharz draus.

So, ich hoffe, ich merk mir das jetzt endlich selbst mal. Ich konnte nämlich nie auseinanderhalten, was Galbanum und was Labdanum ist. Galbanum ist ein gebliches Harz (daher der Name), das aus irgendeinem persischen Kraut gewonnen wird. Labdanum ist ein Harz aus der mediterranen Zistrose, eben das mit den Ziegenhaaren. Und Laudanum, das in diesem Parfüm hier aber nicht drin ist, ist eines der vier Römerlager rund um das kleine gallische Dorf; neben Kleinbonum, Babaorum und Aquarium. Und außerdem ist Laudanum eine Tinktur aus Opiumsaft (der quillt auch raus aus der angeritzten Mohnkapsel, heute quillt überhaupt alles hier und wird geritzt), die man in früheren Jahrhunderten und noch bis in die 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts in Europa als Hustensaft und für alles mögliche gesoffen hat; sogar Säuglingen hat man es eingeflößt bzw. auf die Saugsäckchen (Vorgänger der Schnuller) getröpfelt, wenn die ein bisschen viel geschrieen haben. Überhaupt war Europa früher ständig voll auf Droge; noch zur Goethezeit hat man statt Kaffee ja auch gerne mal ein großes Starkbier zum Frühstück genommen. Aber ich komme ab.

So, also neben den drei tierischen und den zwei planzlichen Sekreten haben wir hier noch allerlei auch ganz gut dazu passende pflanzliche Zutaten von der nicht gerade blümchenhaften Sorte wie Patschuli, Vanille und Birkenteer (ja, Teer, wie Pech, die schwarze Masse, die man früher zum Abdichten zwischen die Schiffsplanken geschmiert hat). Und noch ein paar ungenannte Zutaten, denn insgesamt müssen es ja 18 sein, nach der LL-Namensgebungslogik. Wahrscheinlich sind es nicht Lavendel und Bergamotte.

Nach dieser Vorgeschichte wundert es mich jetzt nicht so, dass das der erste (!) Labo ist (und ich hab inzwischen fast alle durch dies es gibt), den ich nicht als extrem flüchtig empfand. Zwar geht die Anfangs dreiviertelstarke Sillage schnell auf einviertelstark zurück, aber dann hält sie sich für etwa acht bis zehn Stunden. Dass ich das noch erleben darf. Wer sich die Klassifizierung als Damenduft hier ausgedacht hat, weiß ich nicht. Le Labo wohl eher nicht, nach meiner Kenntnis deklarieren die wie viele moderne Nischenanbieter (oder wie Harry Lehmann...) alles nur als unisex. Und ich finde den auch nicht speziell feminin. Höchstens so wie "Jicky" feminin ist, also bloß dem Namen nach.

Etwas überraschender als die zufreidenstellende Haltbarkeit ist, dass Labdanum 18 keineswegs als brutaler Hammerduft auftritt, nicht als Kouros XXL (eine entfernte, aber spürbare Verwandtschaft zu Kouros ist vor allem wegen des Zibets schon zu erkennen), kein, um mal beim Römerlager Laudanum zu bleiben, Legionär Haudraufundschlus. Im Gegenteil. Ich empfinde Labdanum 18 als sehr klugen, unbedingt sehr modernen, und trotz all der "warmen" und cremigen Zutaten wie Vanille und den ganzen würzig-weichen balsamischen Harzen in gewisser Weise sogar fast schon kühl-distanzierten Duft. Präzise analysieren und auf einen kurzen Nenner bringen kann ich ihn nicht; ich kann nur - vielleicht etwas hilflos - sagen, dass ich ihn wunderbar komplett und rund, absolut aus- und abgewogen finde, eher ein einziger großer etwas pulsierender Zusammenklang als eine starke Dynamik; mit einer kräftigen, aber gedämpften und geschliffenen Animalik, eingebettet in synthetisch-ozonige, mal fast fruchtig-frische und auf jeden Fall harzig-weiche Noten.

Ich mag das Zeug wirklich; ziemlich originell erscheint es mir auch und fast wäre ich geneigt zu sagen, dass dieses Labdanum, weil hier endlich auch Projektion und Persistenz stimmen, mein erster Le-Labo-Kaufkandidat werden könnte. Wenn nicht Frau von Spee den Riechkolben senken würde. Auch ohne dass sie von den Zutaten wusste, fiel bei ihr Labdanum (jedenfalls der Anfang, den drydown mag sie, aber den gibt's ja nicht getrennt zu kaufen) in die Kategorie Elchpisse. Sowas schätzt sie nicht in ihrer Nähe. Quel dommage.

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