Top Kommentare - 2013

Markyta vor 7 Jahren 67
10
Duft
2.5
Haltbarkeit
2.5
Sillage
5
Flakon

4711, das Schreckgespenst der “es könnte ja einer Denken ich bin nicht cool Fraktion”
4711 ist 1792, wie bereits seine Vorgänger von Farina, als eine Art “Wundermedizin” auf den Markt gekommen, in einer Zeit, als die moderne Medizin noch weitestgehend in den Kinderschuhen steckte und sich Ärzte vor operativen Eingriffen meist nicht einmal die Hände wuschen.

Eau de Colognes wurden bei Kopfschmerzen auf die Stirn getupft, man rieb damit Schwellungen ein, benetzte Tücher wurden gegen Fieber auf die Stirn gelegt, innerlich sollten sie gegen Magenbeschwerden, innere Unruhe (Prösterchen….) und was weiß ich noch alles wirken. Wahrscheinlich halfen sie auch gegen Furunkeln und den bösen Blick.
Nach damaligen Maßstäben war 4711 ein Medikament.

“Häää?” (Übersetzungshilfe: “Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie das vielleicht noch einmal Wiederholen, ich habe Sie nicht verstanden.”)

“Dat wor eh Medikament, du Tünnes”

“Ach, dann wor dat at jar ken Paföng?“

Enäääh! (In der hochdeutschen Übersetzung bedeutet dies - “Ich bewundere Ihre unglaubliche Auffassungsgabe und ihre deduktive Denkfähigkeit und muss Ihnen in allen Punkten vorbehaltlos zustimmen.“)

Bei 4711 freute man sich grade dumm und dusselig über die schöne neue Hausnummer, als Napoleon auch schon einen Wermutstropfen vorbei brachte, obwohl Mühlens für den sicher auch ein freies Fläschchen hatte ( Santé…).
Napoleon führte nämlich die Deklarationspflicht für innerlich anzuwendende Medikamente ein.

“Och Nääh, wat do drin es, dat jeit doch kinne Minsch jet aan”
Herr Mühlens wäre aber kein- kölscher Jung - gewesen, hätte er für dieses marginale Problemchen keine Lösung gefunden.
Kurzer Hand schrieb er “nur zur äußeren Anwendung” aufs Etikett, und wechselte die Flaschenform, - denn diese war nur “richtigen Medikamenten”, wie zum Beispiel dem etwas später auf dem Markt erschienenen Klosterfrau Melissengeist vorbehalten (Prösterchen….).

Trotz dieser Umdeklaration wurde 4711 zu einer beliebten Allzweckwaffe in so mancher Hausapotheke. Zum Fieber senken, gegen Kopfschmerzen, zur Wunddesinfektion, als “Waschersatz” (sauberes Wasser gab es ja auch lange nicht so wie heute aus der Leitung) und so blieb es bis weit in die sechziger Jahre.

Ja unsere Omas und Opas rochen oft nach 4711, ich glaube aber das hat kaum einer als “Paföng” betrachtet. “Paföng” war was für reiche Leute und französische Schauspielerinnen.

Seltsamer Weise finden einige erklärte Gegner den Geruch von 4711 sogar toll, so lange sie nicht wissen was es ist. Einem Kollegen hab ich mal erzählt, dass sei ein neuer Duft von Aqua di Parma, der war am nächsten Tag ganz Unglücklich darüber, dass sie den in seiner Stammparfumerie weder kannten noch hatten. Und auch du lieber Don, fändest den wahrscheinlich gar nicht soooo schlecht, würdest du ihn in einer schönen bunten Flasche von Bond No.9 riechen.

Letztendlich ist es aber Unsinn zu sagen, es ist nicht gut, weil es nicht so ist, wie ich es von einem Duftwasser erwarte. Ich kaufe mir doch keinen Diesel in der verbrauchsarmen Ökovariante und beschwere mich hinterher, dass der für die Formel 1 völlig ungeeignet ist (Eigentlich ein schlechter Vergleich, denn Autobild tut genau das).

Ja die Zitrusnote riecht am Anfang beißend wie Riechsalz, dazu wurde es doch genau so gemacht. Also ist das doch gut. Es erfüllt gestern wie heute immer noch genau den Zweck für den es hergestellt wurde. Deshalb ist es auch noch da. 4711 wird nicht getragen, man benutzt es. Es gehört zur kölschen Identität, wie der Dom und Tünnes und Schääl. Und der Erfolg gibt ihm eines, nämlich Recht.

Und beschwert euch auch nicht immer über eine zu geringe Silage und Haltbarkeit bei Colognes, egal ob jetzt dieses oder jedes andere. Dafür sind die Dinger nicht gemacht, im Gegenteil, ein Cologne mit großer Haltbarkeit würde seinem Zweck zu wider laufen. Sie dienen der Erfrischung, vielleicht hat ja der eine oder andere in der Schule aufgepasst und kann sich noch dunkel an das “Verdunstungsprinzip” erinnern. - Wenn auf einer Oberfläche eine Flüssigkeit verdunstet, das ist in diesem Fall auch gerne Mal der Alkohol, der macht das nämlich besonders schnell, dann kühlt die Unterseite ab. Viel hilft da zwar nicht immer viel, aber oft hilft oft, und wenn dann jedes Mal eine Riesenduftwolke zurück bliebe, würde man das bei großer Hitze nicht mehr so ganz angenehm finden.

“Ahsuuu” (Übersetzungshilfe: “Ich hab das zwar nicht so ganz verstanden, sage aber jetzt einfach Mal ja.”)
*

Und wenn in spätestens 20 Jahren auch die letzte Flasche Boss Bottled im Sumpf der Vergessenheit versunken ist, werden wahrscheinlich immer noch Heerscharen chinesischer, japanischer und amerikanischer Touristen in die Glockengasse pilgern und sich mit 4711 eindecken.
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Apicius vor 7 Jahren 63
10
Duft
5
Haltbarkeit
5
Sillage
10
Flakon

Für Gourmets, nicht für Gourmands
Fabelwesen, Feen, Naturgeister, die an moosigen Quellen hausen und geheimnisvolle Tränke brauen - das sind die keltischen Korrigane, die hier ihren Namen herleihen. An Geschichten hat es Gilles Thevenin und seiner Marke Lubin noch nie gemangelt, und wenn Werbung Kunst sein kann, dann lässt sich das an der wunderbaren Web-Präsentation von Lubin erfahren.

Wer nun bei Korrigan an ein grünes Wald-und Wiesenparfum oder gar an Miraculix' Zaubertank denkt, liegt ganz falsch. Die Idee Korrigan scheint mir auf der Annahme zu beruhen, dass diejenigen, die für mystische Kelten-Romantik empfänglich sind, etwas ganz anderes ebenfalls mögen: einen sinnlichen Bettlakenduft mit leckerer Gourmand-Note.

Ein „Likör aus Karamellholz“ prägt die Kopfnote, in der Pyramide unzureichend beschrieben mit den Noten Whiskey und Cognac. Ich zögere, hier von Karamellbonbon zu sprechen, das wäre viel zu simpel. Zum Buttertoffee gesellt sich ein wärmender Schnaps, ein wenig Booziness. Und eine anheimelnde Würzigkeit mag man dem Safran zuschreiben. Gleichzeitig bilden aber bereits cremige und milchige Moschusnoten einen Hintergrund, der betont sauber und aufgeräumt wirkt. Ich möchte das als ein Art Italienische-Eisdielen-Akkord sehen: es sind die köstlichen Aromen, die von Sorten wie Malaga, Pistazie, Haselnuss oder Torrone ausgehen, verbunden mit dem Eindruck jener kühlen Sauberkeit, die die Herstellung von Speiseeis erfordert. Wem hat sich das nicht in Kindertagen eingeprägt?

Nach einer Weile verlassen uns die Gourmand-Noten, es geht etwas leiser weiter. Ein cremiger, weicher Akkord bleibt uns, ein Hautduft im doppelten Sinn, denn er zieht sich dorthin zurück, und er duftet auch so. Erst ganz zum Ende der Präsentation verrät uns die Lubin-Webseite, worum es ihnen eigentlich geht: die Darstellung von Intimität, Sinnlichkeit und privaten Momenten.

Wiederum wäre auch dieser Akkord mit „cremiger Moschus“ vollkommen unzureichend beschrieben, dazu wirkt er auf mich viel zu komplex. Doch Leder, Vetiver, Zeder und Oud vermag ich nicht gesondert zu riechen. Allenfalls fügt eine minimale dunkle Harzigkeit einen herberen Aspekt hinzu.

Persönlich bin ich überhaupt kein Freund von Gourmand-Düften, doch Korrigan begeistert mich in jeder Hinsicht, und die Gründe sind schon fast zu vielfältig, um sie alle aufzuzählen.

Zunächst einmal hat Gilles Thevenin eine gute Hand bei der Auswahl seiner Parfümeure, denen er offenbar die Zeit lässt, die für die Entwicklung eines wirklich guten Parfums erforderlich ist. Ich denke, das kann man riechen, und zwar an einer gewissen Homogenität des Dufts. Die Noten wirken nicht wie einzeln nebeneinandergestellt; es ist etwas Eigenes entstanden, von großer Eleganz und Schönheit.

Dann fällt mir an Korrigan ein Grundgerüst auf, das ich in den meisten anderen Parfums sehr problematisch finde: Ich meine die spektakuläre Kopfnote, hinter der es dann deutlich zurückhaltender weiter geht. Selten finden solche Parfums meine Zustimmung - denn ihnen ist meist vorzuwerfen, dass sie auf den kurzfristigen Eindruck setzen, auf Schnellkäufer abzielen, die dann nur umso enttäuschter sind.

Bei Korrigan ist das ganz anders. Wenn das ein Parfum sein soll, das man gemäß Lubin für „intime Momente aufbewahrt“, dann muss es etwas Besonderes bleiben. Dann darf das Erlebnis Korrigan vor allem nicht beliebig reproduzierbar sein, wie ein gewöhnliches Karamellbonbon. Tatsächlich kann man Korrigan in voller Schönheit nur einmal am Abend haben – wenn die Kopfnote verblasst, bleibt nur die Erinnerung und der leise Ausklang. Ein zu frühes Nachlegen bringt die schöne Kopfnote nicht oder nicht vollständig zurück – man verstärkt im wesentlichen damit nur die noch vorhandene Basisnote. Korrigan ist letztlich ein Gourmand-Duft für Parfum-Gourmets, nicht für Gourmands!

Schließlich passen die beiden Teile von Korrigan ausgesprochen gut zusammen – angesichts der unterschiedlichen Themen ist das keine Selbstverständlichkeit. Denn die meisten Gourmand-Düfte finde ich ziemlich unerotisch, und sinnliche Moschusdüfte sind dagegen nur selten lecker. Korrigan ist beides. Es gefällt mir damit auch deutlich besser als Lubin's Idole, der als direkter Vorgänger gelten kann. Denn auch dort gibt es eine spektakuläre, herrlich besoffene Kopfnote, darauf wird alles viel beliebiger und zurückhaltender. Dort fehlt mir noch die Klammer, welche wie im Fall von Korrigan den Drydown für den Gesamtduft in ein Konzept einordnet.

Das Auge riecht mit – nicht zuletzt wird man Lubin für die Gestaltung des cremefarbenen Flakons beglückwünschen müssen: eine Form, die mit organischen Rundungen der Hand schmeichelt, während die Kappe einerseits einen dynamischen Aspekt einbringt, andererseits aber auch an die archaische Strenge des Ethno-Themas von Idole erinnert.

Das stärkste Argument für Korrigan ist ganz simpel: seine Schönheit. Als Bettlakenduft bringt Korrigan wie kein zweites Parfum Zärtlichkeit und Intimität zum Ausdruck, weniger den wilden Sex. Und als Gourmand-Parfum duftet Korrigan viel leckerer als jedes vergleichbare Lebensmittel. Eine Praline oder ein Bonbon, welche so gut schmecken wie Korrigan riecht – das kenne ich nicht.
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Yatagan vor 7 Jahren 63
10
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Durch die Wüste
Timbuktu, die Oasenstadt, die in den letzten Jahren Schlagzeilen machte, weil sie zwischen Tuareg und den Ansar Dine umkämpft und zum Spielball eines furchtbaren Bürgerkriegs wurde, war einst eine glanzvolle Wüstenmetropole, die größte und bedeutendste Stadt des afrikanischen Reiches der Songhai, das im 15. und 16. Jahrhundert gigantische Ausmaße hatte und sich über mindestens ein halbes Dutzend heutiger afrikanischer Staaten erstreckte. Timbuktu war ein Hort der Kultur, der Kunst und afrikanischer Machtentfaltung, die man bis heute in Europa zumeist nicht zur Kenntnis nimmt, verbindet man mit Afrika doch leider oftmals nur Armut und Entwicklungsrückstände. Tatsächlich war Timbuktu für die damalige Zeit auch nach mitteleuropäischen Maßstäben eine bedeutende Großstadt, deren Größe vermutlich bis zu 25.000 Einwohner betrug, größer als die meisten Städte in Mitteleuropa. Eher ins Reich der Legende gehören Vermutungen, dass Tibuktu damals womöglich mehr als 100.000 Einwohner gehabt haben könnte, vollkommen auszuschließen ist es aber nicht.

Timbuktu wurde zum Mittelpunkt des Geisteslebens im Reich der Songhai, es gab zahlreiche Koranschulen, von denen mindestens eine mit einer mittelalterlichen Universität vergleichbar war. Nicht umsonst wurde die scheinbar unermesslich reiche Stadt in Afrika im heutigen Mali zu einem Ort der Sehnsucht anderer afrikanisch-arabischer Potentaten und der Europäer, zu einem Ort, an dem man im Rahmen kolonialer Expansion Reichtümer zu gewinnen hoffte, die dort gehandelt wurden: Gold, Elfenbein, Pfeffer, Leder, Moschus...

Was hat das alles mit L‘Artisans Timbuktu zu tun?

Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass Düfte nicht ganz zufällig sprechende Namen tragen. Zumeist verbindet sich mit einer Bezeichnung eine Konnotation, entstehen Assoziationen, die uns neugierig machen sollen auf den Duft, natürlich auch Teil des Marketingkonzepts sind: letztlich aber legitim, notwendig und manchmal sogar im Sinne der Abrundung eines Gesamtkunstwerks. Und ein Gesamtkunstwerk ist Timbuktu für mich allemal. Neugierig gemacht hat mich zunächst aber nicht der Name, sondern Luca Turin, der in seinen Publikationen immer wieder auf Timbuktu hinweist. Der berühmteste Parfümkritiker sieht in Timbuktu gar einen der zehn besten Herrendüfte (oder Unisex-Düfte, je nach der eigenen Perspektive), ordnet ihm aber Attribute wie leise und dezent zu und erinnert sich gar, das Potential dieses Duftes zunächst gar nicht erkannt zu haben.

Dass wir es bei Timbuktu mit einem leisen Duft zu tun haben, wird sicherlich auch der Grund gewesen sein, warum es mir genauso ging, ich zunächst mit dem Duft nicht viel anfangen konnte. Als ich es vor Jahren zum ersten Mal testete, war meine Nase nicht aufnahmefähig, ich erinnere mich noch Timbuktu als einen Duft unter mehreren getestet und schließlich beiseite gelegt zu haben: was für ein Fehler! Timbuktu ist eine Diva, braucht seinen eigenen Auftritt ohne Konkurrenz, will mit Geduld wahrgenommen werden. Ich gebe es zu: nicht eben eine besondere Stärke von mir.

Nach Luca Turins Kritik zu diesem Duft war ich aber bereit, mich erneut mit diesem Duft zu befassen und dank einer großzügigen Abfüllung (ganz herzlichen Dank an Zionist!), konnte ich das ausgiebig tun. Um es an dieser Stelle kurz zu machen: Nach wenigen Tagen des Testens habe ich mir einen Flakon geleistet, denn dieser Duft fasziniert mich mehr als fast alle anderen Düfte, die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe, mehr als viele alte Klassiker und mehr als die meisten anderen Nischendüfte, die ohne Zahl auf den Markt geworfen werden.

Gelegentlich gelingt es mir zwar bei einem Duft Inhaltsstoffe zu riechen, zu ahnen, was in einem Duft verarbeitet wurde, - ebenso oft benötige ich als Stütze aber die Duftangaben des Herstellers, diejenigen hier auf Parfumo oder aus einer anderen versierten Parfumkritik (z.B. denen von Luca Turin), um mich wirklich souverän orientieren zu können. Für Timbuktu gilt das in jedem Fall. Weiß man jedoch, dass der Duft Kardamom, Pfeffer und Weihrauch enthält (die Karawanenstadt Timbuktu lässt grüßen), dann erscheint alles vollkommen offensichtlich, wird der Duft transparent, fast durchsichtig, zumal vor allem der Weihrauch auch für ungeübte Nasen gut erkennbar ist.

Auch die Komponenten Myrrhe und Papyrus lassen Assoziationen mit der glorreichen Vergangenheit von Timbuktu zu, da die Oasenstadt in Mali auch für ihre bedeutenden antiken Bibliotheken berühmt war (erst im vergangenen Jahr wurde wieder bekannt, dass bei den Kämpfen eine bedeutende historische Bibliothek in den Flammen aufging): als Reminiszenz der Geruch von Papyrus.

Für mich besonders dominant ist aber überraschenderweise der Geruch der Mango, der einen exotischen, frisch-fruchtigen Akzent setzt und der in Kombination mit dem lichten, wenig schweren Weihrauch, dem Pfeffer und dem Vetiver einen kongenialen Kontrast bildet. Benzoe und Patchouli, beides Töne, die ich nicht besonders liebe, sind nur dezent wahrnehmbar und sorgen eher für die Grundierung in diesem pastellfarbenen olfaktorischen Gemälde, das Frauen ebenso gut gefallen dürfte wie Männern.

Für mich ist ein Duft, der keinen starken fruchtigen Akzent enthält, zu stark, zu wuchtig, zu schwer. Betrand Duchaufour geht hier andere Wege: er ersetzt die klassischen Hesperiden oder den Lavendel (die traditionellen helle Töne des Auftakts) durch Mango, wagt viel und gewinnt alles. Ein frischer und delikater Geruch, der gemeinsam mit dem Vetiver bis in die Basisnote wahrnehmbar ist.

Eine klassische Duftentwicklung gibt es hier m.E. nicht zu beschreiben. Die genannten Noten (insbesondere Mango, Pfeffer, lichter, dezenter Weihrauch, Vetiver) sind von Anfang an präsent, entwickeln sich allenfalls mit der Zeit stärker und kontrastreicher. Dabei wird der Duft nur noch schöner und angenehmer: ein Gemälde, das zwar harmonisch und hell gestaltet wurde, das aber dennoch Raum für Spekulationen und Interpretationen lässt (so wie die Gemälde der späten Impressionisten am Rande zum Expressionismus: Lovis Corinth).

Ich bin froh durch die Anregung von Zionist in diese duftende Oasenstadt gereist zu sein, denn dieser Aufenthalt hat mir meinen Sommerduft beschert. Nun wäre zu wünschen, dass das wirkliche Timbuktu zur Ruhe käme, dass seine historischen Gebäude und seine Bedeutung für die afrikanische Geschichte wieder zur Geltung kämen und es wieder zu einem Ort der Sehnsucht würde, den man auch tatsächlich gefahrlos betreten könnte. Einstweilen müssen wir uns mit L‘Artisans Timbuktu behelfen, auch ein Kunstwerk von besonderem Rang.
28 Antworten

Kiengira vor 7 Jahren 62
5
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
7.5
Flakon

Die Wahrheit über Dornröschen ( Ich hoffe ,nicht so schlimm für Grimm)
Dornröschen lag im Bett und schlief,
es ging so ziemlich alles schief…
Sie hatte sich so oft gewundert
in all den Jahren (fast schon hundert).
Da kamen Knappen, Prinzen, Ritter…
Es schaffte keiner, es war bitter.
So lag sie da, es war zum Weinen,
…und wartete auf diesen einen,
der endlich kam und wach sie küsste.
Er sollte fesch sein und er müsste
ihr ewig seine Liebe schwören,
er müsste sie zutiefst betören
Er sollte riechen wie ein Gott,
laut Märchen war sie ja fast tot.

Und es wussten alle Recken,
man kann die Dornenfrau nur wecken,
mit einem märchenhaften Kuss
doch vorher, und das war ein Muss…
Der Auserwählte musste kriechen,
durch Dornen, und er musste riechen,
wie nie zuvor ein Mann gerochen,
und wenn er noch so lang gekrochen...

Der erste war Sir James, der Edle
ich glaube Bond, so war sein Name.
„ Ich geh da einfach rein und wedle
mit meinem Duft, und weck die Dame.“
„Da hilft kein Schütteln und kein Rühren,
damit kannst mich nicht verführen.
Wirst mich mit diesem Duft nicht kriegen,
nee, ich schlaf weiter, 007!

Der zweite kam auf hohem Ross,
es war der schöne Ritter Boss!
„Ist Rosenwasser aus dem Osten,
Dornröschen, wart! Ich lass dichs kosten
Los! Riech mal, meine holde Maid!
Enttäusch mich nicht, der Weg war weit.“

„Pfui Teufel, Hugo, riechst du schlecht,
bleib so im Tiefschlaf, jetzt erst recht!
Hau ab und sattle schnell dein Rösschen!
So wird das nix mit deinem Bösschen!“

Doch dann kam Georg aus Armanien
( damals Vertreter für Geranien).
Der Boss und James, die skypten ihm
„ Geh bloß nicht zu der Tante hin!
Die schläft nur, und sie ist verwöhnt,
hat unsern guten Duft verpönt!!
Vergiss es! Lass daheim die Lanze,
du hast bei der auch keine Chance!“

Doch Georg dachte sich, „Pass auf!
Heut mach ich mal das Beste drauf,
ich schaffe eine Kreation,
hab sie im Kopf, ich weiß es schon.
Dornröschen soll nicht länger warten
Ich geh mal kurz in meinen Garten.

So! kurz gepflückt, nun destillieren.
Dann nix wie rein auf allen vieren
Ins Schloss, ich glaub am besten vorne,
weil hinten alles zu, Scheiss Dorne!“

Und dann kams so, so stehts geschrieben…
Als Frühaufsteher, es war sieben,
stand er vor ihr mit einem Tuch…
Er wusste es…, nur ein Versuch!

„Oh! Was für ein betörend Duft
liegt plötzlich in des Schlosses Luft.
Das riecht so gut, wird immer schöner!
Sag, Giorgio, bist du Italiener?

Ich riech Orangen , wie sie reifen,
beweg die Arme, will sie greifen!

Wart, Liebster! Bitte bloss nicht gehen,
ich rieche Veilchen, will sie sehen!

Ich öffne Nase und die Augen,
bemerk die Rose, will sie saugen!
Und jetzt Safran und Vanille!
Hab jetzt genug von dieser Stille!
Komm, hilf mir, will mich jetzt erheben
Das ganze Schloss kommt nun zum Leben.
Sogar die Dornen werden morsch!
Komm her, du musst mich küssen, Schorsch!“

Und mit diesem einen Kuss
War laut Gebrüdern Grimm nun Schluss!

Doch nein! Erweiterte Version…!!
Ich glaub, ihr ahnt es alle schon.

Sie leben weiter, beide! …Wie?
In diesem Duft: Rose D’Arabie!!
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Buchmensch vor 7 Jahren 61
4
Duft
2.5
Haltbarkeit
2.5
Sillage
7.5
Flakon

Abschied von Oma
In vielen Rezensionen klassischer Parfüms finde ich die Bemerkung »Das war der Duft meiner Oma!«, und in den allermeisten Fällen bedeutete das für den Rezensenten etwas Positives, eine schöne Erinnerung. 4711, echt Kölnisch Wasser, war das Parfum meiner Oma. Und die Erinnerungen daran sind für mich ziemlich traurige.

Meine Oma war eine kinderliebe, herzensgute Frau und ne eschte kölsche Mädsche. Ganz selbstverständlich pilgerte sie mit uns Kindern, wenn wir bei ihr zu Besuch waren, zum 4711-Haus in der Glockengasse, wo wir das Glockenspiel bestaunen und Zweipfenningstücke zu echten Medaillen prägen lassen konnten, und über allem lag der Geruch von Kölnisch Wasser. Bevor ich irgendwelches Parfüm besaß, hatte ich doch schon als Grundschülerin mein erstes 5ml-Fläschchen 4711, dazu kamen die allseits beliebten Erfrischungstücher, und ich wollte immer so einen schicken Erfrischungsstick haben …

Wenn ich den Geruch von Kölnisch Wasser beschreiben müsste, komme ich ins Schwimmen. Nach was riecht es? Nach Kölnisch Wasser, was sonst! Das hat sich so fest in meiner Nase festgefressen - stechend, zitronig, mit einem Hauch von Bergamotte, die man nur als passionierter Earl-Grey-Trinker identifizieren lernt, und alles in allem mehr wie ein Putzmittel als mit etwas, mit dem man sich zu Duftzwecken einsprüht. Ich habe 4711 nie als Parfüm empfunden, sondern mehr als ein übermächtiges Deodorant, mit dem erhitzte Haut im Sommer schön abgekühlt werden konnte, und es half auch gegen Mücken- und Bienenstiche, Brennesseln, Sonnenbrand (*schmerz*) und zur Desinfektion von Schürfwunden (*brüll!* *kreisch!*). Oma schwor auf ihr 4711, und was für Oma gut war, das konnte auch den Enkeln nicht schaden.

Aber meine Oma war nicht nur der liebste Mensch der Welt - sie war auch buchstäblich eine Frau ohne Eigenschaften, Interessen oder Hobbies. Ihr ganzes Leben lang war sie immer nur für andere da - hat nach dem Tod der Mutter den Stiefvater versorgt, verheiratet, verwitwet, zwei Kinder großgezogen und sich die nächsten dreißig Jahre lang von der eigenen großen Schwester und deren Mann terrorisieren lassen, immer getan, was von ihr verlangt wurde, und nie an sich gedacht. Und das ist längst nicht so positiv, wie das klingt. Als auf einmal die Schwester tot war, die Kinder aus dem Haus, der Schwager ein Pflegefall und selbst die Enkel groß, war niemand mehr da, der meine Oma brauchte, so wie sie gebraucht werden musste, und sich selbst zu brauchen hatte sie nie gelernt. Sie erkrankte an schweren Altersdepressionen, war lange in der Psychiatrie, und selbst hinterher, trotz Seniorentreff und Beschäftigungstherapie, war sie außerstande, ihr eigener Mensch zu sein.

Und am schlimmsten merkten wir das, wenn sie Geburtstag hatte. Sie ist sehr alt geworden - 95 Jahre - und ihre Geburtstage mussten immer groß gefeiert werden, obwohl sie meistens nur dabeisaß und seufzte und sagte »Mich hat der liebe Gott wohl vergessen.« Was soll man Oma schenken? Sie interessiert sich für nichts. Sie liest nicht. Sie hört keine Musik. Geht nicht aus, ins Kino, Theater, Oper. Und Blumen? Damit ist doch schon der Garten voll, und der macht so viel Arbeit … Fragte man Oma, über was sie sich freuen würde, fiel ihr immer nur eine Sache ein: Eine Kleinigkeit von 4711. Sonst nichts. Und so eilten mein Vater, seine Schwester, meine Cousine und mein Cousin, meine Geschwister und ich in die Glockengasse oder zum Douglas im Kölner Hauptbahnhof und kauften Kölnisch Wasser. Erfrischungstücher, Erfrischungssticks, Flaschen über Flaschen mit Kölnisch Wasser, die meine Oma dann in ihre Schublade legte. Sie bekam genug Kölnisch Wasser von uns, um darin Vollbäder nehmen zu können (nicht nötig, sie bekam ja auch den 4711-Badezusatz), aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals danach gerochen hätte.

Sie bekam jedes Jahr Kölnisch Wasser von mir, bis zu ihrem 90. Geburtstag. Das war das Jahr, in dem meine Vater die Riesenflasche mitbrachte. 800 ml in der Molanusflasche - das war Overkill, zum einen für uns andere Gäste, die wir da mit unseren bescheidenen 100 ml-Fläschchen standen, aber vor allem für meine Oma.Sie starrte die Flasche an, und in ihrem Gesicht las ich das Wissen, dass sie nicht mehr lange genug leben würde, um das Ende dieser Flasche zu sehen, und es war ein unglaublich trauriger Moment. Danach wünschte sich Oma zum Geburtstag lieber gar nichts mehr, und ich suchte Ausreden, um mich vor diesen entsetzlich beklemmenden, vorwurfsbelasteten Familienfesten zu drücken und besuchte meine Oma lieber unter dem Jahr, was ihr auch lieber war, denn der Trubel war ihr selbst viel zu viel.

Sie starb 2008, im November. Ziemlich genau fünf Jahre ist das jetzt her. Und ich kann bis heute kein Kölnisch Wasser riechen, ohne weinen zu müssen. Weniger um meine Oma. Als mehr um das Leben, das sie niemals hatte.
15 Antworten

Yatagan vor 7 Jahren 56
9
Duft
7.5
Haltbarkeit
5
Sillage
10
Flakon

Insel über dem Winde
Ich reise gern. Seit geraumer Zeit habe ich aber ein Ziel, das ich bisher weder erreicht habe noch in nächster Zeit erreichen werde: die Insel Saba. Saba gehört zu den Inseln der niederländischen Antillen in der Karibik, geographisch zählt man sie zu den sogenannten "Inseln über dem Winde". Saba ragt wie ein smaragdgrüner Kegel aus dem Wasser, Strände im eigentlichen Sinne gibt es keine, die Landepiste für Flugzeuge, die an der einzigen wirklich flachen Stelle dieses grünen Kegels liegt, gilt als einer der kürzesten der Welt. Eine Landung auf Saba hat wohl immer etwas Dramatisches, fast schon Endgültiges. Auf der Insel leben gut 1700 Einwohner, meist niederländischer Abstammung. Noch heute gehört die Insel zu den niederländischen Besitzungen in der Karibik und die Einwohner hegen auch nicht die Absicht, diese Abhängigkeit von Europa aufgeben zu wollen.

Fast unerreichbare Ziele haben ihren eigenen Wert, so wie ein Ideal, das man erreichen will, an dem man sich orientiert. Es sind Lebensziele, die der Zukunft ein Bild geben. Eines Tages werde ich auf Saba landen.

L'Instant erinnert mich deshalb so sehr an diese karibische Insel, weil er zwar exotische Düfte verbindet (Zitrone, Bergamotte, Anis, Kakao, Sandelholz, Hibiskus etc.), gleichzeitig aber auch die europäische Perspektive verrät, so wie Saba eine europäische Insel inmitten der exotischen Karibik geblieben ist: L'Instant ist kultiviert - nicht überschwenglich, Gentleman - nicht wilder Verführer, beherrscht - nicht euphorisch, genial durchkomponiert - nicht genialisch improvisiert.

Wie riecht es auf Saba? Natürlich weiß ich das (noch) nicht, aber in meiner Vorstellung verknüpfen sich die Gerüche der Insel mit meinem derzeitigen Lieblingsduft für den Alltag: L'Instand de Guerlain pour Homme, und zwar ausdrücklich mit der unprätentiösen, einfachen, ursprünglichen Version, nicht mit der Extreme-Variante, die ich wegen ihres starken Kakao-Geruchs, der mir dabei zu sehr im Mittelpunkt steht, nicht so sehr mag.

L'Instant ist wie eine frische Brise, die vom Meer herkommt und die Gerüche von exotischen Früchten und Pflanzen herbeiträgt. Im Zentrum steht zunächst die Zitrone, ein Auftakt, so wie ich ihn gerne mag. Ich liebe zitrische Düfte wie Annick Goutal Eau d'Hadrien, Monsieur Balmain, Truefitt & Hill West Indian Limes, Geo F. Trumper West Indian Extract of Limes, Fath Green Water und viele ähnliche mehr. Hier bei L'Instant ist die Zitrone aber kein Solitär oder so stark im Zentrum wie bei den oben Genannten, sondern von Anfang an gut eingebunden in florale Akzente und Bergamotte, sicherlich auch in den Duft der Grapefruit, die in besonders schöner Form in Czech & Speakes Citrus Paradisi ausgestaltet wurde. Grapefruit hat m.E. einen leicht animalisch kräftigen Duft, anders als die Zitrone, die nur hell, sauber und säuerlich riecht, anders auch als die Orange, die saftig und süß erscheint, oder als die Mandarine, die als Duft oft eine gewisse durchdringende Schärfe hat, im Gegensatz zu ihrer lieblichen Wirkung auf der Zunge. Beim Geruch von Grapefruit muss ich immer an etwas schwer Animalisches denken, so als mischten sich Gerüche des Körpers oder von welkenden Blumen in den Duft. Das erzeugt in gewisser Weise eine erotische Wirkung, deren Duft aber nicht jedermanns oder -fraus Sache sein mag. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb die Extreme-Version dieses Duftes, bei der dieser Effekt nicht zutage tritt, beliebter ist als diese ursprüngliche Fassung.

Ist der Anis unterscheidbar? Ja und Nein. Anis an sich hat einen besonders markanten Geruch, bekannt aus diversen Alkoholika oder den charakteristischen Anisplätzchen. Als Gewürz in Gerichten ordnet sich der Anis jedoch stärker unter und das scheint mir auch hier der Fall zu sein. Er ist da, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Wenn dann ein Duft Akzente von Lavendel, Zedernholz und Sandelholz enthält, hat er bei mir eigentlich schon gewonnen. Trotzdem muss man sagen, dass auch diese Komponenten, alles Duftnoten mit besonderem, klar unterscheidbarem Charakter, hier eher in die Gesamtkomposition eingebunden sind, sich zu einer großen Melange mischen, die die Unterscheidung der einzelnen Noten sehr schwer macht.

Dabei muss ich bei diesem Duft immer an eine Brise denken. Eine Brise, die von einer exotischen Insel herbei weht, deshalb auch nicht allzu beständig ist, schnell fortgetragen werden kann, obwohl ich mit der Haltbarkeit dieses Duftes zufriedener bin als manche meiner Vorredner. Einräumen muss ich aber, dass die Sillage mit der Zeit deutlich abnimmt. Dann ist der Duft nur noch für den Träger (oder die Trägerin) gut erkennbar.

Den exotischen Akzent vervollständigt dann die ganz dezente Kakaonote, die in diesem Duft und seinem Bruder, dem Extreme, offenbar nicht von jedem so deutlich wahrgenommen wird. Für mich ist sie, unterstützt vielleicht von Patchouli, das manchmal einen ähnlichen Charakter annehmen kann, gut unterscheidbar, bleibt aber bei L'Instant ganz im Hintergrund, anders als beim Extreme, wo sie für mich zu stark dominiert.

L'Instant ist für mich ein idealer Begleiter. Anders als meine Lieblingsdüfte von Guerlain, Heritage und Habit Rouge, muss ich nicht in der richtigen Stimmung sein, um ihn zu tragen. Durch die zitrische Erföffnung und den dezenten Auftritt aller Komponenten, die harmonische Melange, kann man ihn bedenkenlos wählen, wenn man morgens vor dem Büro einen Begleiter für die Arbeit benötigt, wenn man abends nicht zu stark auffallen möchte (im Theater?), wenn man bei der Damenwelt (hoffentlich) keine machohaften Auftritte bevorzugt, wenn man elegante oder sogar lässige Kleidung unterstreichen möchte. Das dürfte schon fast eine vollständige Aufzählung aller denkbaren Gelegenheiten im Alltag sein. Und doch lässt sich noch etwas ergänzen: Ich liebe auch Düfte, die ich nur für mich selbst trage, die ich immer wieder auf meiner Haut oder auf meiner Kleidung riechen, deren Entwicklung ich voller Spannung verfolgen möchte. Auch für solche Gelegenheiten ist L'Instant geignet, kann er doch die Stimmung heben und leichter Melancholie vorbeugen, noch lange ein Gefühl von Beschwingtheit zurück lassend, so wie der Traum von einer Insel.
32 Antworten

Yatagan vor 6 Jahren 56
7
Duft
10
Haltbarkeit
7.5
Sillage
5
Flakon

2014 Gründe, warum Du diesen Duft an Silvester nicht tragen sollst
Im Jahre 2013 waren in Deutschland laut Kraftfahrzeugbundesamt 2537 Bentleys zugelassen. Das schließt die Uraltexemplare, die zeitweise stillgelegt und under reconstruction stehen, bereits ein. Diese britischen Luxuskarossen, zwischenzeitlich Ableger von Rolls Royce, inzwischen zum Volkswagen-Konzern gehörig, kosten soviel wie ein Eigenheim auf dem Land. Insofern nimmt es nicht wunder, dass nicht allzuviele Deutsche sich für den Kauf eines solchen Fahrzeugs erwärmen konnten. Nebenbei: Von den 2537 in Deutschland stehenden Wagen wurden mehr als 1000 gewerblich zugelassen, sei es als Firmenwagen, sei es als Showkarosse bei Autovermietern. Der potentielle Kundenkreis sollte also eher klein ausfallen: ca. 1500 Privatbesitzer, von denen nicht alle Duftliebhaber sein dürften.
Warum also erlebt ein solcher Duft hier und heute einen solchen Hype? Da muss doch was dran sein.

Ist es auch. Punkt. Bentley for Men Intense ist ein Spaßduft. Böse Menschen würden sagen: ein Duft für Leute, die gerne mit einem rosafarbenen Bentley durch Miami fahren. Wer das sein könnte, wird hier nicht verraten.

Bei allem Zynismus: Dummerweise muss ich zugeben, dass ich diesen Duft auch gar nicht so schlecht finde. Meine Wertung schwankt zwischen 70 und 80%. Weil Weihnachten war, habe ich mich für die höhere Wertung entschieden. Friede auf Erden! (Update: nach Weihnachten nur noch 70%)

Trotzdem werde ich diesen Duft nicht an Silvester tragen, auch wenn er derzeit der Hype aller Hypes zu sein scheint (s. Wertung auf Parfumo) und das solltest Du auch nicht.

Hier die Gründe im Einzelnen:

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil dieser Duft zu dick aufträgt und deine Mitmenschen diesen dicken Pinselstrich nicht verstehen könnten.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Dein Chef, der sich neulich einen neuen Bentley zugelegt hat, auf der Silvesterfeier deiner Firma keinen Zweiten mit diese Duft dulden würde.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil deine Frau oder dein Lebenspartner dezentere Düfte an dir bevorzugt und dich noch in diesem Jahr kalt abservieren könnte.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil diese Mixtur aus Gewürzen und Rumaroma mit einer schweren Basis aus Sandelholz und Weihrauch einfach ein wenig so riecht, als hätte die Parfümeurin schlicht alles zusammen gekippt, was derzeit als edel und chic in Düften gilt.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Du deinen guten Geschmack mit einem Duft von Guerlain oder Caron viel unaufdringlicher und stilsicherer beweisen kannst.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil die wirklich guten englischen Duftmarken nicht Bentley heißen, sondern Harris, Trumper, Floris, Truefitt & Hill, Penhaligon's oder Woods of Windsor.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil viel nicht immer viel hilft.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil der Schnee dieses Jahr ausgeblieben ist und Du zu den sommerlichen Temperaturen besser ein leichtes, elegantes Cologne tragen solltest (z.B. Eau d'Orange Verte von Hermès oder Treffpunkt 8 Uhr als Kompromiss).

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Du jetzt schon ahnst, dass dieser Hype nicht allzu lange anhalten wird und Du dich im kommenden Jahr schon bald fragen wirst, wie Du nur auf die Idee kommen konntest, ausgerechnet zu Silvester diesen Duft zu tragen.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil dir dieser Duft für ordinäre Silvesterpartys viel zu schade ist und Du ihn lieber für dich zu Hause trägst: da fällt die wuchtige Duftwolke auch niemandem auf den Wecker.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Du schon immer der Meinung warst, dass die Kombination aus Patchouli UND Weihrauch eigentlich nur etwas für Parvenüs oder für Männer wie Cary Grant ist, die sich auch Kombinationen wie blaues Dinnerjackett zur grauen Hose leisten (können).

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Du ein Liebhaber von Harris Tweed-Jacketts bist und diese sich nicht mit einem Duft vertragen, der den Namen eines pseudoenglischen Autos für Neureiche trägt (meine Empfehlung: Bristol Cars).

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil Du nicht den selben Duft tragen willst, wie alle anderen Männer auf deiner Silvesterparty.

Du sollst Bentley for Men Intense nicht an Silvester tragen, weil dein guter Geschmack es dir verbietet und Du ohnehin eine Abneigung gegen Silvesterpartys hast. Du bleibst zuhause oder gehst ins Theater.

Alle weiteren 2000 Gründe sind unherheblich und müssen unerwähnt bleiben.

Wenn Du den Duft trotzdem tragen willst: Meinen Segen hast Du.

Vielleicht treffen wir uns ja auf der Silvesterparty bei M. in E.. Aber sei gewarnt. Untersteh dich und trage den gleichen Duft wie ich. Da verstehe ich keinen Spaß.
29 Antworten

Michelangela vor 7 Jahren 56
10
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
10
Flakon

DAS PURE ENTSETZEN!
Als der bekannte Parfumeur Jean Carles im Auftrag von Elsa Schiaparelli ein unvergleichlich erotisches, vulgäres und unwiderstehliches Parfüm zusammenbraute und unter dem Namen "Shocking" (das Entsetzen) veröffentlichte, erzählte man sich, dass man den Kiefer von Coco Chanel auf die Pflastersteine der Rue du Faubourg Saint Honoré schlagen hörte!
Erstaunen oder pures Entsetzen?
~
Obwohl ich unverhohlene Verehrung für Mademoiselle Gabrielle hege, mußte ich herzlich lachen, als ich diesen Satz während meiner Recherchen zu lesen bekam! Die Feindschaft der beiden Damen ist leicht nachzuvollziehen: Strebte Coco Eleganz, Contenace und Schlichtheit in ihren Kreationen an, so präsentierte Elsa die ihren eher schrill, provokant und skandalös.
Zwei gegensätzliche Personen mit zwei ebenso gegensätzlichen Parfums.
Während Chanel N°5 unverhohlen elegant und nur hinter vorgehaltener Hand als "sexy" beschrieben wurde, galt Shocking als die Inkarnation des Verwerflichen und vulgären!
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Shocking beginnt mit einem vollen Bouquet überreifer Orangenblüten, kräftigem, dunklen Estragon und einer betörenden, fast schon berauschenden Duftverlockung der Narzisse. Das ganze wird von exotischen Nelken untermalt, auf denen zuvor ein paar Zibetkatzen ihre persönliche Visitenkarte hinterlassen haben. Zerwühlte schlüpfrige Laken, gehüllt in den Duft von Moschus, Opiaten und süßem, angenehm duftenden Lustschweiß - eine handvoll Rosenblüten - zerdrückt von warmen, sich liebenden Körpern - die nun auf einem weichen Mantel aus Eichenmoss ruhen.....
Ein Duft wie eine Droge, bei dem man immer sicher sein kann, dass einige Menschen ihn abgöttisch lieben und andere ihn absolut ekelerregend finden würden!
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Natürlich machte dieser Duft Schlagzeilen...
was sonst hätte man auch von einer Designerin erwarten können, die unsere Welt schon mit dem Hummer-Kleid, Trompe L'oeil Pullover oder einem Schuh-Hut erschütterte.
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Fast 20 Jahre gehörte Shocking zu den begehrtesten Parfums der Welt.
Von den Tagen an, als der blasse Prinz Edward für eine "Bürgeliche" ein Königreich wegwarf, durch den zweiten Welt Krieg bis ins Zeitalter von Sophia Loren, Marilyn Monroe und Jayne Fonda hatte Shocking seinen Höhepunkt. Es war das Parfüm der Femmes Fatale, die Gardenien in ihrem Haar trugen, französische Zigaretten rauchten, Tango tanzten und den Namen jedes Nachtclubbesitzers zwischen Paris und New York kannten. Frauen, die sich trauten!
Und dann änderte sich der Zeitgeist....
Youth Dew und Charlie eroberten den Markt und Mitte der 70er Jahre war Shocking ebenso so schwer zu finden, wie es einem blinden Huhn mit einem Korn gelingen würde.
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Die liebenswerten Verrücktheiten der Schiaparelli feierten ihre größten Triumphe in den exaltierten Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg: Wiederaufbau; Restauration und Diors New Look schufen ein Klima, das schöngeistigen Paradisvögeln ihrer Art selten zuträglich ist. 1954 schloß Elsa Schiaparelli ihren Salon an der Place Vendome, zog sich zurück und schrieb ihre Memoiren.
Shocking wurde entworfen, um die eigene Persönlichkeit der Schiaparelli widerzuspiegeln, "shocking pink" nannte sie den Nerv der Farbe Rot - eine Signatur, ein Markenzeichen, nachdem sie auch ihre Biographie benannte: "Shocking Life".
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Doch das ist noch nicht alles...
Gemäß der Duft-Rezension wurde die Formel für Shocking von Martin Gras 1997 neu entworfen und das "neue und (angeblich) unverbesserte" Shocking von Schiapparelli Benessere 1998 wieder auf dem Markt eingeführt.
Aber das ist nicht mehr der Stoff der einstigen Legende! Es ist zwar dieselbe bernsteinfarbige Flüssigkeit wie beim Vintage und wird auch in einem Flakon, der wie ein Rumpf gestaltet ist, präsentiert, aber der Schein trügt!
Sobald sich die Aldehyde und der bergamottige Auftakt verzwiebelt haben, öffnet sich ein Herz aus dunklen Blüten, ein freundliches Aufflammen der betörenden Narzisse, dazu Nelke und Honig. Hier und da sticht eine krautige Note hervor, die sich aber nicht wirklich fassen lassen will. Die Katze im Duft wurde von Monsieur Gras einfach gekillt und durch ein Stofftier ersetzt. Ja gekillt - nicht nur Krallen, Barthaare und Schwanz gestutzt, sondern definitv TOT! Kein Pipi, keine verschwitzen Laken und auch keine schmutzigen Gedanken prägen das Bild...
Die pelzige Basis von Patchouli und Holz schmilzt nahtlos mit dem Honig zusammen und hinterlässt ein warmes, wohliges Gefühl.
Diese Version dürfte schon fast wieder für die höfliche Gesellschaft und die Frau des Hochwürden passen...
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~
Fazit und persönliche Erkenntnis:
Vor mir stehen ein kleines Vintage-Extrait und ein Sprühflakon der neuen Version. Auf jedem meiner Handrücken schwebt der Schleier der jeweiligen Version des Duftes.
Es ist ein unverkennbarer Unterschied auszumachen und dennoch ist und bleibt es Shocking.
Die Änderung der Formel hat so manchem eingefleischten Shocking-Fan das pure Entsetzen entlockt! Doch inzwischen ist es ja allgemein bekannt, dass Düfte reformuliert werden und ich erfreue mich der Tatsache, dass ich "überhaupt" noch in den Genuss kommen darf, so eine alte Legende in olfaktorischer Form miterleben zu dürfen. Auch wenn die Special Effekts etwas verändert wurden - die Geschichte lebt weiter.
Daher möchte ich keinesfalls behaupten, dass die Neuauflage schlecht ist. KEINESFALLS! Doch bei der Neuauflage handelt es sich nicht mehr um einen skandalösen Duft! Ich erlaube mir, ihn in die Kategorie von Düften wie z.B. "Tabu" von Dana oder "Habanita" von Molinard einzustufen. Dunkel, weich und sehr lasziv - aber ein "Entsetzen" kann er mir nicht entlocken! Wenn ich in der Stimmung dafür bin - wenn es kalt ist und ich will, dass mich etwas Großes und Warmes hält - greife ich danach. Er hat eine wunderbare Silage und überdauert fast den ganzen Tag.
~
Was das Vintage betrifft:
So öffne ich noch einmal das kleine Extrait und einen Augenblick träume ich davon, eine von jenen schockierenden Ladies zu sein, die sich frech und ganz selbstbewusst - mit übergeschlagenen Beinen, im Hummerkleid an der Reling eines Überseedampfers platzieren, während die Blitzlichter der Paparazzis auf sie hinabprasseln....

Was für ein großes Glück, noch einen pre'97 Flakon in die Finger zu bekommen....

~


Kurze Info über Elsa Schiaparelli:
Sie war und bleibt der Paradiesvogel unter den Pariser Couturiers: Schillernd, shocking - wie sie auch dieses Parfum taufte - und exzentrisch aus Lust, Laune und Überzeugung. Elsa Schiaparelli (1890-1973), gebürtige Römerin, Freundin der Dadaisten und Surrealisten und selbst Schöpferin von wundersamen Kunstwerken aus Stoff, Imagination und Inspiration, schrieb in der Zeit zwischen den Kriegen ein Kapitel Modegeschichte, das zu den originellsten und poetischsten der Haute Couture zählt. Als sie sich 1922 in Paris niederläßt - frisch geschieden, mittellos und eine dreijährige Tochter am Rockzipfel-, findet sie im Kreis der Avantgarde-Künstler nicht nur rasch Aufnahme, sondern auch ein Klima vor, das ihre verwegene, verspielte, jedenfalls unerschöpfliche Phantasie zum Handeln beflügelte...
15 Antworten

Esclarmonde vor 7 Jahren 55
8
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
5
Flakon

Ein Wunder, ein Skandal!
Ein gut sortierter Kleiderschrank gibt uns diverse Möglichkeiten, bietet uns viele kleine Justierschräubchen, um an unserem Outfit herum zu optimieren: lieber diese Sonnenbrille zu dieser Tasche, das sieht sonst zu protzig aus… Lieber das hochgeschnittene Kleid, dafür aber gerne die Creolen… Lieber lange Ärmel, zu dem kurzen Rock… Naja, die meisten werden das ja kennen, man möchte sich schön fühlen, aber nicht angeglotzt oder abschätzig beäugt werden. Meistens möchte man im Alltag ja einerseits gut aussehen, andererseits aber nicht zu sehr auf den Putz hauen. Und oft muss man sich auch der Umgebung an- oder sich in die Situation einpassen: am Arbeitsplatz, auf einer Hochzeit, auf einer Tagung…

So stehen wir da also und justieren. Machen Kompromisse, zügeln uns vielleicht auch mal.

Aber! Es gibt ja auch Tage, an denen die Welt uns gehört!!! Da sind wir die Geburtstagskinder oder die, die Urlaub haben und die Stadt bummelnd erobern, die gackernd mit FreundInnen im Lieblingscafe sitzen, die die bestandene Prüfung feiern, die alle Wünsche frei und die Taschen voller Geld haben…

Zu solchen Tagen passt für mich Truth or Dare: Tage, an denen uns Fremde anlächeln, weil sie sehen, dass es uns gut geht, weil wir leuchten. Tage, an denen wir eine unsichtbare Krone tragen. An denen wir keinen MP3-Player brauchen, um Musik in den Ohren zu haben. Tage, an denen wir auf das, was wir normalerweise bleiben lassen oder worüber wir uns vor dem Kleiderschrank Kopfzerbrechen bereiten würden, einfach pfeifen. Wir laufen die Straße hinunter und spüren die Blicke derer, die sich umdrehen, sehen in die Gesichter der Leute, die uns anlächeln, und ignorieren die manchmal giftigen Blicke mancher, die sich zu denken scheinen „Hat sie jetzt echt zu dem Kleid noch solche Ohrringe… Und dann diesen Duft…?“ Und wir antworten in Gedanken „Ja! Hat sie!“ Und fügen hinzu „Weil sie`s kann! Wuahuahua!“ Weils uns an diesen leuchtenden Tagen wurscht sein darf. Weil der Tag uns gehört. Weil wir heute KönigInnen sind. Weil wir uns heute nirgends einpassen müssen.

Truth or Dare ist wie der Eisbecher mit vier Kugeln Lieblingssorten, auf den wir uns schön Sahne sprühen, mit bunten Herzchenstreuseln, und auf den wir dann noch frech grinsend eine fette Amarenakirsche obendrauf drücken und uns dazu das Gesicht unseres Fitnesstrainers vorstellen.

Dieser Duft hat es schwer. Weil er als Promiduft und dann noch als Madonnas Kind auf die Welt kam. Drum wird er zum einen manchmal als Promidüftchen abgetan, zum anderen begegnen ihm manche auch aus Antipathie Madonna gegenüber mit abschätziger Haltung. In einem Interview mit der Künstlerin habe ich gelesen, dass sie mit dem Duft das Parfum ihrer früh verstorbenen Mutter einfangen wollte. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Robert Piguets Fracas aus dem Jahr 1948 gehandelt haben mag? Ist aber nur eine Vermutung, die darauf beruht, dass Madonnas Parfum Fracas wirklich außerordentlich ähnelt, wenn Madonnas Duft auch keine so reiche Komposition wie Fracas aufweisen kann. Apropos Komposition: Truth or Dare bleibt auf meiner Haut nach einer gewissen Zeit (ca. 30 Min.) relativ konstant im Charakter, verändert sich dann nur noch dadurch, dass er sanfter und leiser wird. Ein komplexer Verlauf darf hier also nicht unbedingt erwartet werden.

Tuberose also. Ja, aber hier wurde wirklich vor allem die Süße, die beinahe narkotische Süße der Nachthyazinthe eingefangen. Kombiniert wird sie mit weiteren schweren Weißblühern: Gardenie, Jasmin, Neroli, Lilie. Wirklich ein Duft für Königinnen der Nacht! Dazu noch süßer, lieblicher Amber, der eine weiche, anmutige Tiefe mitbringt, Vanille und mein geliebtes Benzoin, das irgendwie schon beinahe lecker duftet, auf jeden Fall will man nicht mehr aufhören, daran zu riechen.

Dieser Duft hat es also schwer – und er ist selbst auch schwer. Aber dabei so unheimlich positiv, wie Freude zum Aufsprühen! Das Spiel Mut oder Wahrheit, nach dem Madonna ihr Parfum benannt hat, ist eigentlich eine Mogelpackung. Im englischen wird ja eine Entscheidungsmöglichkeit zwischen Wahrheit ODER Wagnis suggeriert. Diese Wahlmöglichkeit besteht aber eigentlich gar nicht: wer Wahrheit wählt und damit etwas von sich preis gibt wagt genauso viel wie der, der Mut wählt und eine Unternehmung nach Gusto der Mitspieler wagen muss. Auch wer diesen Duft trägt, muss Mut haben, muss etwas wagen, denn mit leise, angepasst, unauffällig ist es dann vorbei! Der Duft ist ein Statement. Ein sehr haltbares übrigens, mit raumfüllender Sillage.

Truth or Dare duftet außerdem auch verrucht. Ich finde den Duft sehr weiblich, aber auch Mann soll ja tragen, wonach er sich fühlt. Auf jeden Fall finde ich ihn sehr lecker und sexy. Im Forum hat mal jemand die Frage gestellt, welchen Duft wir uns an Vampiren vorstellen könnten. Als eifrige Rezipientin von True Blood muss ich sagen: eindeutig Truth or Dare! Diese schweren, süßen weißen Blüten, so stelle ich mir den Duft der heißen Nächte im amerikanischen Süden vor. Dazu diese verruchte Note… Wollte ich Vampire anlocken wäre dies der Duft meiner Wahl, er hat definitiv etwas von einem Lockstoff.

Gilbert Bécaud hat einmal über seine erste Begegnung mit Brigitte Bardot gesagt: „Dann sah ich, wie Brigitte auf dem Set eintraf… da kam eine Sirene oder, ich weiß nicht, ein Wunder, ein Skandal, eine verlockende Torte, ein Leckerbissen, sie war einfach grandios.“

So fühle ich mich mit Truth or Dare – an diesen ganz besonderen Tagen des Jahres.
25 Antworten

Kiengira vor 7 Jahren 53
9
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
5
Flakon

Geil, aber gefährlich!
Ein Mäuslein saß allein, oh Jammer,
auf der Bank der strengen Kammer.
Ihr Kumpel war auf leisen Sohlen
im Bad des Hausherrn FETISH holen.
Sein Onkel, (wohnt weit weg im Westen)
hat ihm gemailt, er soll es testen.
Riecht nach Leder und nach Lack,
behauptet er ,der alte Sack.
Der Mausmann überzeugt: „was solls?
ich wills probiern, das Zeug, ich hols!“

Das Mäuslein macht sich nun bereit,
schlüpft in sein rotes Latexkleid,
legt auf die Bank sich auf die Schnelle,
an jedem Pfötchen eine Schelle…

und wartet…

Der Mäuserich im Bad nun startet,
nachdem er siebenmal gesprüht,
die Treppen runter. Doch verfrüht!
Denn…, hier im Haus weiß es ein jeder,
die Katze, die steht auch auf Leder!
Und so verschwand, was soll ich sagen…,
die Fetish-Maus in ihrem Magen.

Das Latexmäuslein in der Gruft
hört oben den Krawall und ruft:
„Was ist denn los? Nun komm schon, Maus!
Ich halts vor Geilheit kaum mehr aus!
Los! Nimm mich, beiß mich, lass es knallen!
…… die Katze tat ihr den Gefallen.

Drum:

Das Zeug vom Neil ist, jetzt mal ehrlich
Schon ganz schön geil! …Aber gefährlich.
15 Antworten