Top Kommentare - Monat

Schoork vor 24 Tagen 71
8.5
Duft
5
Haltbarkeit
5
Sillage
7
Flakon

Werbung
Heute möchte ich mal Werbung machen. Wobei ja eigentlich jeder Kommentar der positiv über einen Duft berichtet Werbung ist und ganz sicher den Umsatz ankurbeln kann. Es gab ja auch genügend Hypes um Düfte, über die dann fast täglich hier zu lesen war.
Dieser Duft von Zara aber ist es wert, das man für ihn Werbung macht. Zumindest in meinen Augen.
Dabei kann ich Werbung eigentlich nicht leiden. Schon in jungen Jahren hätte ich dem Melitta Mann, wenn ich ihm begegnet wäre unangekündigt eine rein gehauen, ebenso die Hupe aus der Deinhard Werbung, die am Ende des Spots fragte wo denn der Deinhard sei und ich ihr gerne mit der Pulle über die Rübe gehauen hätte und gesagt hätte...HIER!
Werbung macht mich manchmal echt aggressiv und je öfter ich die gleiche Werbung sehe umso unwahrscheinlicher ist dann ein Kauf. Ich hab auch immer den Fuchs aus der Spee Werbung gehasst und noch nie dieses Waschmittel gekauft.
Es gibt aber auch witzige Werbung wie damals die Snickers Werbung mit dem Footballspieler(ich bin Batman), oder auch der kleine Darth Vader in der VW Werbung.
Noch fieser sind Jingles die sich so tief ins Hirn bohren, das man diese immer, aber auch immer mitsingt, sobald man den Text liest. Beispiel?
Carglass repariert, Carglass tauscht aus. Garantiert wurden diese 4 Wörter im Kopf gesungen. Wenn nicht, dann bitte schön hier noch eins....Waschmaschinen leben länger mit Calgon.
Das kann man nicht lesen, das kann man nur singen.

Ich unterbreche also die Kommentarflut hier auf Parfumo mit einem Werbeblock.

"Hallo mein Name ist Marcel A`schi und ich bin Leiter der Kundenunzufriedenheit bei 32:9. Herr Neumann hat uns geschrieben, das er Sorge hat bei einem Wechsel seines Duftanbieters"

Zaras Emotions Reihe die von Jo Malone entworfen wurde kann man wohl auch nur tragen, statt drüber zu schreiben. Ich kenne jetzt zwar nur den hier, aber andere sollen ja auch nicht schlecht sein.
Ich bekam einer Probe vom lieben Aglianico, dem ich hier nochmals dafür danke und schon beim ersten Sprüher war ich schwer begeistert.
Eine spritzige und saftige Grapefruit kommt zum Vorschein, das bittere wird durch die Süße der Mandarine aufgefangen und legt sich wie ein Schleier um dich. Erfrischend, einfach nur Erfrischend. Das ganze würde ich gerne bei 30 Grad ausprobieren, die haben wir aber aktuell nicht, doch kann ich mir gut vorstellen, dass ich akut meine Note hier anhebe, wenn ich dies mal getan habe.
Im weiteren Verlauf übernimmt die Mandarine dann auch die Hauptrolle bei mir. Sie bleibt frisch, recht präsent und wird nicht nervig.
Vetiver kommt spät, wird dann aber gemischt mit der Frucht angenehm holzig in meiner Nase.

Wenn man über ein Cologne schreibt, ist man relativ schnell mit dem Duftverlauf durch, denn mehr gibt es da nicht zu sagen, außer dass man für den Preis von rund 25€/90ml kein schlechtes Gewissen haben braucht, wenn man nachsprühen möchte und den Anfang erneut genießen will.
Der Duft erscheint mir recht natürlich, ganz gleich was drin ist, ich habe keine fiese Synthetik erkennen können und Zara zeigt erneut, das gute Düfte nicht viel kosten müssen. Ich habe zwar länger keinen mehr unter meiner Nase gehabt, der mich überzeugt hatte, doch dieser tut es.
Natürlich ist die Haltbarkeit und Sillage Colognegerecht, doch dient der Duft auch zur Erfrischung und ist nicht für eine lange Partynacht gedacht. Überhaupt ist der Duft natürlich nur für Frühling und vor allem Sommer und sicher auch nur für den Alltag, nach dem Sport oder zum Einkaufen gedacht. Vielleicht noch für den Sommerabend.

Vetiver Pamplemousse ist so gut, das man sich drin baden kann. In der Werbung muss man auch oft den Produktnamen wiederholen, damit sich das auch schön einbrennt. So wie bei Seitenbacher. Wer diese Radiiowerbung kennt, der weiß was ich meine. Das Seitenbacher Würgemüsli von Seitenbacher. Spaghetti mit Seitenbacher Fix für Spaghetti Napoli. Spaghetti Napoli von Seitenbacher! Speitenboli von Naghetti Spagbacher! Speibacher!


Vetiver Pamplemousse von Zara.
Vetiver Pamplemousse oder auch jetzt pampelmust es richtig. Vetiver Pamplemousse gibt auch dir den Halt, den du für den Tag benötigst. Vetiver Pamplemousse und der Tag kann kommen.

Vetiver Pamplemousse pflegt die Haut schon beim Sprühen, sie baden gerade Ihre Hände darin.
Vetiver Pamplemousse , da weiß man was man hat.
Wenns mal wieder länger dauert...Vetiver Pamplemousse
Morgens halb 10 in Deutschland..wo ist mein Vetiver Pamplemousse?

Der Duft ist jetzt nicht neu oder wäre etwas was man noch nie gerochen hat, doch wenn man den Preis berücksichtigt und dazu noch Preise vergleicht von namhaften Häusern ist das schon sensationell.
Durch die für mich präsente Mandarine erinnert der Duft mich an mein Chanel Allure Homme Sport Cologne, der im Ganzen noch etwas komplexer ist, aber die Mandarine dort auch eine tragende Rolle spielt.
Der Beginn aber ist hier noch fruchtiger, das macht echt Spaß.

Dann geh doch zu ZARA.

Letztendlich kann ich den Duft wirklich jedem empfehlen, der auf so Freshies steht und nicht gerade ein ähnlichen Duft sein eigen nennt und wenn doch, dann vielleicht eben genau aus dem Grund um einen höherpreisigen Duft nicht zu verballern und dann eine gute und günstige Alternative hat.
Ich habe das besagte Chanel und von Zara das From Paris to New York als Alternative, was mittlerweile Vibrant Leather Cologne, oder Summer geworden ist. Daher bin ich eigentlich gut versorgt, aber wer weiß bei dem Preis........

Nun sind wir am Ende dieses Kommentars angekommen und ich gebe zurück zu Parfumo.



Mögen Kilian Reichert und Marcell D'avis irgendwann in der Hölle schmoren und zusammen mit der Check24 Familie nur noch Seitenbacher Müsli ohne Milch bekommen und jeden Tag Windschutzscheiben austauschen.
In diesem Sinne...Sei immer du selbst, außer du bist verantwortlich für die Carglass, Seitenbacher, oder Check24-Werbung, dann sei im Zeugenschutzprogramm.
42 Antworten

Schoork vor 13 Tagen 67
8
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Ein kleines Märchen
Es war einmal ein kleines Mädchen mit den Namen Lempicka. Sie war immer freundlich und hilfsbereit und hatte stets Gutes im Sinn.
Sie lebte in einem Land voller Zauber und Überraschungen. Sie wohnte in einem gläsernen Flakon und es duftete den ganzen Tag nach Minze, Vanille und Wacholderbeeren.
Nicht fern von Ihrem Zuhause gab es einen Wald in dem die bösen Bäume lebten, die jedes Mal wenn sie den Wald durchqueren musste die kleine Lempicka beschimpften.
Da gab es die Kackarscheiche und die Tourettebuche, sowie die Pannetanne und die Laberlinde.

Am Anfang des Waldes stand der Waldmeister und gab der kleinen Lempicka jedes Mal einen guten Rat mit, wenn sie den Wald durchqueren wollte.
Eines Tages war es wieder einmal soweit und die kleine Lempicka wollte wieder durch den Wald um frische Minze zu besorgen.
Es war ein sonniger Tag, es duftete herrlich, mal nach frischer Dusche und mal nach einem eisgekühlten Cocktail und die kleine Lempicka ging so ihres Weges, als sie den Wald und den Waldmeister erreichte.
Dieser begrüßte sie herzlich und bestaunte ihre gute Laune und sie gab ihm eine Mandarine, über die sich der Waldmeister sehr freute und diese sogleich öffnete und es sofort überall danach roch.

Sein Rat an ihr für diesen Tag war, dass sie nicht stehen bleiben soll, wenn sie durch den Wald ging und gar nicht auf das hören soll, was die Bäume ihr sagen werden.
Und so ging die kleine Lempicka vorsichtig, aber mit stabilen Schritten in den Wald auf der Suche nach frischer Minze.
Sie summte ein kleines Lied und es war lange das einzige was man hören konnte, als sich plötzlich eine Stimme erhob die da rief:" POMMES!"
Es war die Tourettebuche, doch die kleine Lempicka ging weiter und ignorierte den Baum, der so gleich hinterher rief " §&$%/§&% " doch auch das ignorierte sie geschwind.
Auf ihrem Weg fand sie ganz viel Minze und Vanille, die sie so gerne mochte und so sammelte sie alles ein und packte es in Ihr grünes Körbchen.

Nach einer Weile ging sie weiter und hörte wieder eine Stimme die da sagte: "Das Beste kommt immer zum Schluss. Doch was soll das heißen? Worauf bezieht es sich? Ganz bestimmt nicht auf eine Party, denn gegen Schluss nimmt der Alkoholpegel zu und die Qualität der Gespräche ab. Der Kater am nächsten Morgen kann ja wohl auch nicht gemeint sein! Oder bezieht es sich auf das Leben selbst? Bestimmt nicht, wenn man an Altersheim, Krankheit und Tod denkt. Wie sagte schon Woody Allen: "Meine Einstellung zum Tod hat sich nie geändert: Ich bin vehement dagegen."

Ja es war die Laberlinde die da zu Ihr Sprach, aber die kleine Lempicka ging einfach weiter und ignorierte auch diesen Baum.
Seine Stimme wurde immer leiser je weiter sie ging und so fand sie zwischen den Ästen einiger Büsche noch ein paar Wacholderbeeren die sie pflückte und in Ihr Körbchen packte.
Doch wie sie sich so bückte und pflückte machte sie jemand von der Seite an. " Für wen hälst du dich? Für Gott? Warum gehst du immer links rum, geh doch mal rechts rum! Ich erzähl jedem der es nicht hören will, wie doof ich dich finde! Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich! Du laberst nur Müll den ganzen Tag!"
Ja es war die obsessive Kackarscheiche die sich da meldete.
Die kleine Lempicka aber schaute nur hoch und lächelte, denn sie wusste das sie viel fröhlicher ist, als dieser alte grimmige Baum.
Nachdem sie fast 7h unterwegs war und Ihr Körbchen prall gefüllt, machte sie sich langsam auf den Weg zurück nach Hause.
Hier traf sie noch auf die Pannetanne. Diese hatte einen Platten und wartete schon ewig auf den ADAC.
Dies machte sie ganz verrückt und so fragte sie jeden ob er nicht helfen könnte:" Kannst du mir helfen?Kannst du mich verstehen? Nein niemand versteht mich! Bist auch keine Hilfe. Ich brauche doch nur ein bisschen Luft, warum hast du denn keine Luft dabei. Ich hasse dich. Ich kann so nicht weitermachen. Warum lässt du mich hier einfach stehen, hä?"

Die kleine Lempicka erreicht wieder den Anfang des Waldes, wo der Waldmeister gerade im Stande war zu gehen.
Er fragte wie es gelaufen sei und die kleine Lempicka sagte ihm, dass es ein schöner Tag war, Ihr Körbchen ganz voll sei und sie sich schon freute auf Ihren Flakon. Ihr Körbchen roch nach Minzvanille mit Beeren und Mandarine. Nun war der Waldmeister neugierig wie sie denn mit den bösen Bäumen fertig geworden sei und da öffnete die kleine Lempicka ihren Rucksack und holte die Binford 6000 Kettensäge hervor und sagte: "Sei immer freundlich, auch zu denen die es nicht verdienen und wenn das nicht klappt zeig Ihnen wo der Frosch die Locken hat".

So ging Sie froh gelaunt nach einem langen Tag nach Hause und wenn Sie nicht gestorben ist, dann duftet sich noch immer.

Und die Moral von der Geschichte:
Wann immer einer sitzt auf zu hohen Gipfel, er doch nur jammert über seinen zu kleinen Zipfel.

Ich danke KatharinaG für die Testmöglichkeit, sowie den Produzenten des Stoffs, die Natur als Inspiration, dem Team hinter dem Team des Teams, sowie Grimm Bros. for the Vorlage.

EDIT am 01.06.2020 um 21:28

Diese Geschichte ist frei erfunden und hat nichts mit irgendwelchen Inhalten anderer Personen auf dieser Plattform zu tun. Ich schreibe dies, weil ich mich dazu genötigt sehe, da momentan im Umlauf ist und an verschiedenen Pinnwänden platziert wird, das ich mir einen Blog eines User und den User selbst zum Vorbild genommen habe. Dies entspricht NICHT der Wahrheit.

52 Antworten

Yatagan vor 26 Tagen 58
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Ende gut!
Unkommentierte Düfte No. 152

In aller Kürze möchte ich wenigstens meine ersten Eindrücke zu diesem Duft festhalten, den ich mir noch genauer anschauen und auf seine Alltagstauglichkeit hin testen werde. Während ich fast alle Varianten von L'Homme Idéal für mehr oder weniger durchschnittlich oder sogar misslungen hielt (bis auf das von mir verehrte, aber schon wieder aus dem Verkehr gezogene Cologne) und eigentlich davon ausging, dass an der Konzeption (viel zu viel Mandel für einen Herrenduft) nichts mehr zu retten sei, bin ich von der neuesten Version doch recht angetan. Eigentlich hatte ich sogar damit gerechnet, dass mir diese besser gefallen könnte, denn wenn man die in allen Idéal-Varianten obligate Mandel mit Patchouli (m.E. hier sehr zentral, merkt man aber erst in der Basis), Tabak und Pflaume kombiniert, also mit Inhaltsstoffen, die selbst so stark sind, dass sie die Mandel in Zaum halten, kann alles eigentlich nur besser werden, und so ist es. Ende gut, alles gut.
Im Drydown entwickelt sich m.E. sogar eine ganz leichte Parallele zu Heritage, einem meiner liebsten Guerlain-Herrendüfte, da zu diesem Zeitpunkt das Patchouli deutlicher hervortritt, während Mandel und Pflaume (eigentlich keine schlechte Idee für einen Herrenduft) sich langsam mit der nicht so gelungenen Kopfnote zurückziehen. Zur Erläuterung: nicht im Sinne einer Ähnlichkeit, sondern im Sinne einer konzeptionellen Verwandtschaft. Zu diesem Zeitpunkt riecht man auch den Tabak viel deutlicher. Leder ist m.E. kaum vorhanden, jedenfalls nicht in dieser unsäglichen Tuscan-Leather-Kunstleder- resp. Weichleder-Variante - oder wie jüngst bei Patchouli Ardent -, sondern eher untergründig. Deutlich erkenne ich noch den Zimt, der aber zusammen mit der Pflaume zum Glück nicht die Weihnachtsglocken läuten lässt, sondern durchaus auch noch frühjahrs- und herbsttauglich bleibt: einfach nur eine schöne, warme Würze.
Sicherlich ist das kein ganz großer Guerlain-Duft, aber ich schwanke zwischen 7.5 und 8.0 und da mich hier viele kennen und ich zu meinem Guerlain-Bonus stehe, bekommt der Duft vorerst sogar die bessere Note. Ob es dabei bleibt, könnt ihr auf dieser Seite verfolgen. Jedenfalls ist das endlich mal wieder eine gelungene Variante des von mir fast schon totgesagten L'Homme Idéals, neben dem großen Cologne, das für mich unerreicht bleibt.
35 Antworten

Yatagan vor 29 Tagen 57
9.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Antiquität
Unkommentierte Düfte No. 150

ich freue mich, dass mein 150. Kommentar zu unkommentierten Düften einem Parfum von Annette Neuffer gilt. Von Anfang an gefielen mir die Düfte, ich habe die Entwicklung der Marke gespannt verfolgt und bisher ist für mich kein schwacher Duft dabei. Natürlich muss man die DNA der Neuffer-Naturparfums mögen. Hier wurde schon viel darüber geschrieben, aber genau erklären könnte es wahrscheinlich nur Annette selbst. Ein Versuch: Auf mich wirken alle Düfte ein eher dunkel, sehr balsamisch resp. harzig, orientalisch würzig, ohne allerdings in die Richtung arabischer Düfte zu tendieren, vielmehr als Erbe der euroorientalischen Duftkultur (YSL Opium, Lauder Youth-Dew und Cinnabar, Kenzo Jungle) mit starken Gewürzen (ohne animalische Tupfer durch Cumin; überhaupt fehlen m.W. die animaischen Akzente älterer Tradition: Zibet, Bibergeil). Lobenswerterweise enthält keiner ihrer Düfte tierische Inhaltsstoffe wie echtes Zibet (von Zibetkatzen) oder echten Moschus (von Moschustieren). Annette Neuffer hat sich hier klar positioniert, auch hier auf Parfumo nachzulesen, denn der merkwürdige Trend kleiner Nischenmarken und Manufakturen, neuerdings wieder verstärkt auf solche Duftstoffe zurück zu greifen, führt m.E. zu ethisch nicht vertretbaren Auswüchsen. Zudem zeigen die Düfte von Annette Neuffer, dass derartige Inhaltsstoffe schlicht nicht nötig sind, um einen herausragenden Duft zu komponieren.

Auch Havana Plum steht in der oben beschriebenen Tradition, entwickelt sie aber wieder ein Stückchen weiter. Noch ein wenig besser gefällt mir Chyprette, weshalb ich jenen mit 10.0, diesen hier, Havana Plum, mit 9.5 bewertet habe. Bei Chyprette findet man bereits einen ausgezeichneten Kommentar, weshalb eine Ergänzung dort nicht nötig erschien.

Zunächst war ich bei Havana Plum etwas skeptisch, weil ich Düfte mit Pflaumen, Rum, Trockenobst-Charakter, aromatisiertem Tabak u.ä. zwar meist recht gerne mag, nie aber überragend bewerten konnte, weil da für mich zu viel Gourmand-Charakter mitschwingt - und so etwas mag ich eigentlich nicht.
Havana Plum hat mich aber durchweg positiv überrascht, weil die Pflaumennote zwar zunächst sehr stark ist, auch die o.a. Akzente aus Rum oder Cognac meint man gut zu riechen, aber schon bald werden sie in die typischen Merkmale der Neuffer-Düfte eigeordnet: dunkel würzige, sehr dichte, komplexe Textur, die ein wenig an ein verstärktes Opium, ein süßeres Youth-Dew (minus Aldehyde), ein fruchtigeres Jungle, ein präsenteres Cinnabar erinnert. Havana Plum liegt zwischen all diesen Düften in einer Schnittmenge und doch auf neuem Territorium, ergänzt um eine süßliche Trockenobst-Rum-Note.
In der Basis entwickelt der Duft einen dunklen Holzton, den ich so stark von den o.g. Düften nicht kenne, behält zwar noch eine gewisse Süße, wird aber herber als beim ersten Aufsprühen. Dabei erinnert er mich an der Geruch eines alten Möbelstücks. Bei uns steht ein Schrank von 1780. Wenn ich die Türe offne und hineinrieche, dann weht ein Holzgeruch heraus, der den Atem von zweieinhalb Jahrhunderten angereichert hat: sehr angenehm, sehr melancholisch, ein bisschen wehmütig, weil man an vergangene Zeiten denken muss, - ohne je wirklich alt zu wirken.
44 Antworten

Yatagan vor 29 Tagen 56
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Armin Heinemann und die Hippies
Unkommentierte Duft No. 151

Zum ersten Mal betrat ich Ibiza in den frühen 70er-Jahren als Kind und ich bin meiner Mutter dafür noch heute dankbar, dass sie offenbar von dem Hippie-Lebensgefühl, von dem bei uns im Alltag bis auf ein paar Schlaghosen und weiße Blusen nur wenig spürbar war, so angesteckt wurde, dass es um '72 herum ein Urlaub auf der weißen Insel sein musste. Das war prägend. Später war ich deshalb von den 80ern (mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau) und später mit unseren Kindern noch öfter dort, auch wenn Ibiza kein bevorzugtes Reiseziel wurde. Den Spirit, den die Inseln Ibiza und Formentera auch heute noch wenigstens im Herbst, wenn die Heerscharen der Feiernden weitergezogen sind wie die Zugvögel, in magischer Weise ausstrahlen, trage ich in meinem Herzen. Das ist ein Lebensgefühl, das für die meisten zwar nur mit einer Utopie verbunden bleibt, das aber gerade deshalb magisch wirkt.

Einer der bekanntesten Hippies der Insel ist Armin Heinemann, dessen Kultboutique Paula's in den Seventies zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Hippie-Kommune (so nannte man damals Communities) gehörte. Über und über alle Wände mit den legendären Blumenmustern bedruckt, wurde dort geöffnet, wenn man es für angeraten hielt, und die Mode aus dem Laden war etwas, das man heute als Kult bezeichnen würde.
Um 2000 schloss der Laden, Armin Heinemann ging in den sicherlich verdienten Ruhestand, bemühte sich weiterhin eine Legende zu sein und harrte der Dinge. Vor etwa drei Jahren hatte dann der Kreativdirektor von Loewe, Jonathan Anderson, die Idee, die Kollektionen von Paula's wieder zum Leben zu erwecken. Das Faszinierende für mich dabei ist, dass die Hippiemode bereits derartig viele Revivals erlebt hat, dass irgendwas an ihr dran sein muss: Spirit, Spirituelles, Essentielles, ein Lebensgefühl, das tief drin in den meisten Menschen etwas zum Leuchten bringt. Vielleicht liegt es auch an Armin Heinemann, der wieder mitwirken, seine "Schwingungen" in die Kollektion einbringen darf und weiterhin auf seiner legendären Finca ohne Strom und Wasser und mit Naturdusche wohnt. Gelegentlich besucht ihn mal ein Kamerateam des deutschen Fernsehens und präsentiert ihn wie ein exotisches Tier aus dem Zoo. Ich hoffe und vermute, der Sympathling lässt es sich gut bezahlen.

Nun also auch der Duft zur empfindlich teuren Paula's-Kollektion von Loewe, die preislich so gar nicht zum Lebensgefühl und zum Etat eines durchschnittlichen Hippies in den 70ern passt. Die schnuckeligen Fetzen kosten leicht ein paar Hunderter und werden in Vogue & Co. von Topmodels vorgeführt.
Ist der Duft den Zinnober um die alte neue Marke wert? Sicherlich kann er das gar nicht, es sei denn, man hätte schlicht eine Flasche Patchouliöl mit ein paar Gramm Gras verrührt und in Flaschen gefüllt und sich bei Loewe amüsiert, dass etliche Modeverrückte auch dafür ein paar Hunderter bezahlen, - aber das hier ist was ganz anderes, nämlich ein eher heller, frischer Duft, der nonchalant zu seinem Regenbogenflakon passt.
Die Inhaltsstoffe waren es, die mich neben der ganzen Hare-Krishna-Melancholie dazu bewogen, meiner Frau diesen Blindbuy zu schenken. Einfach so. Ich berichte bei Gelegenheit, wie er ihr gefallen hat.

Gehen wir es ganz unpippisch korrekt an und prüfen die Inhaltsstoffe.
Galbanum: Ja, ist gut zu riechen und da bin ich ja schon mal froh drüber.
Kokoswasser: Passt eigentlich ganz gut und es handelt sich hier nicht um diese süßen Bountyvarianten, sondern wirklich fast um Kokos-WASSER! Sehr frisch, sehr neutral, wenig süß, wie aus der Kokosnuss von Lake Toba auf Sumatra, wo ich mit meiner Frau Anfang der 90er als Student*in weilte und wo damals die Zeit stehen geblieben war und die Hippiefossile dort nicht mitbekamen, dass das Jahr 1990 und nicht 1970 hieß.
Dann früchtelt es ein bisschen nach Mandarine und das mag ich immer ganz gerne, auch wenn ich vermute, dass da eher ordinärer Frucht-Ester enthalten sein dürfte. Es riecht trotzdem nicht übel.
Wenn wir schon gerade bei Indonesien sind, muss ich dran erinnern, dass bei den Inhaltsstoffen auch indonesisches Patchouli erwähnt wird, aber auch wenn man das natürlich erwarten durfte, riecht es hier kaum danach. Schade!
Vom Rest rieche ich am ehesten noch Frangipani, die man so schön im Haar tragen kann, wenn es lang ist, und alles in allem hat der Duft schon so einiges an Hippie-Flair zu bieten, auch wenn ich mir da mehr erwartet hätte.
Das Ganze ist natürlich irgendwie ein Hype für Alt- und Neu-Hippies, aber was macht das schon, wenn der Duft so nett und hübsch geworden ist. Sicherlich werden ihn einige hassen, aber ich kann das schon deshalb nicht, weil ich vermutlich als Kind mit meiner Mutter auch in Armins Boutique stand und wer weiß, ob nicht damals dieses Batik-T-Shirt, das ich in diesem Summer of 72 so gerne trug, von dort stammte.
Meine Mutter konnte sich nicht mehr erinnern. Ich auch nicht. Ich war fünf.
Hare Krishna!
42 Antworten

Schoork vor 7 Tagen 53
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Neulich im Ruhrpott.... Teil 10
Tach!

"Herr Spangler, schön Sie zu sehen, ich hätte sie mit Maske fast gar nicht erkannt, wie geht es Ihnen?"

Ich bin Batman!Muss ne. Und selber? Hömma ich bin ja froh datt ich ma rauskomm, weisse? Datt ganze Coronagedöhne is ja schon watt anstrengend, wenne immer so aussiehst, als wärse gerade ausm OP gekommen. Getz kommse wenigstens mal wieder bissken raus. Ich hab voll zugenommen und muss die Plautze mal Gassi führen.

"Ja wem sagen sie das. Ich bin auch froh wieder geöffnet zu haben. Diese Zeit tat schon weh, auch finanziell. Bei Diät hilft es ja schon die Schokolade weg zu lassen."

Schokolade weg lassen? Ach so dringend isset nich. Ja sia datt glaub ich, aber getz is ja der Freddy da und sorgt dafür datt du dir morgen wieder ne Schnitte kaufen kannst. Sach ma Majestro, getz scheint ja die Sonne und is warm unter die Maske, hasse watt Frischet da?

"Jede Menge. Suchen Sie denn was bestimmtes? Soll es eine bestimmte Richtung haben?"

Ich sach ma, soll watt halten und auch stark sein. Pass auf letztens haben wir die Ramona da gehabt, datt is ne Nichte vonne Iris, ne und die hat mit ner Freundin bei uns gepennt. Beide so 15 und watt machen die? Hamm die heimlich gesoffen. Schön ne Pulle Proseco haben die sich in Kopp geknallt.

"Teenager. Wir waren mal alle jung und haben heimlich Dinge getan."

Ja sia, aber mir wär lieber gewesen die hätte heimlich gekotzt. Hömma ich sach dir, da hab ich ma schön mein Deo leer gemacht und getzt kam mir der Gedanke das ich mal so ein frischet Parföng brauch, mal watt neuet anderet

"Da hätte ich tatsächlich was für sie. Kennen Sie den Neroli Portofino von Tom Ford hier?"

Sportsfreund? Ich wollte datt du dir ne Schnitte morgen beim Bäcker holen kannst und nicht am Bahnhof ne heisse Schnitte ,verstehse? Hasse nix günstigeres da?

"Durchaus Herr Spangler, ich dachte nur der könnte ihnen gefallen, ich habe den Duft aber auch in etwas günstiger da. Neroli Canvas von Al Haramain."

Aha. Neroli Kann was? Watt kann datt Neroli denn?

"Vielleicht testen Sie einmal selbst und schildern mir Ihre Assoziationen dazu. Das würde ich spannend finden."

Wenne meins. Du hast ja die Ahnung Meister. So dann wollen wir mal....hmmm, also ich sach ma so, datt is jetzt Frisch, aber son bissken riecht datt wie meine Tante Edeltraut.

"Das habe ich mir gedacht. Wissen Sie Neroli wird schon unheimlich lange verwendet und ist ein Hauptbestanteil von 4711 das ja vor allen Dingen früher und auch heute noch zur Erfrischung genutzt wird. Viele ältere Damen, aber auch Männer nutzen dies heute noch gerne."

Na getz wo du datt so sachst, hasse mal wieder Recht. Aber datt riecht schon moderner als 4711.

"Ganz richtig erkannt. Es ist eine modernere Version ohne aber die Klassik zu vernachlässigen. Anders als z.b. beim Bright Neroli von Ferrari fehlen hier die Gewürze und man besinnt sich auf die reine Leichtigkeit von Neroli, Petigrain und Orangenblüte. Das macht den Duft leichter und reiner. Was machen Sie beruflich?"

Ich bin Tischler und viel aufn Bau. Aber der Jürgen hatte letztens die Idee wir könnten uns beruflich mal weiterbilden. Der hatte die Idee für Holzdildos. Nen Namen hätten wir auch schon...AstRein! Warum fragse?

"Gut mir stellte sich die Frage, ob sie vielleicht im Büro arbeiten, wozu der Duft aus meiner Sicht gut passt, doch auch an der frischen Luft kann man den gut tragen. Sehr universell einsetzbar."

Ey ganz ehrlich, der gefällt mir schon. Hat so watt klassisches wie du sachst. Der würde auch beim malochen gehen. Und muss ich da Muffe haben, datt der schnell weg geht?

"Absolut nicht. Für einen frischen Neroliduft hält dieser ausgezeichnete 8-9h, quasi ein Arbeitstag. Moschus sorgt für lange Haltbarkeit."

Datt Pülleken sieht auch mal ganz ordentlich aus. Da brauchste Schmackes für. Kannste nicht nölen. Ich muss sagen, den riecht man auch gut mit Maske. Strahlt ganz ordentlich ab. Die Iris knöttert zuhause immer, wenn die sich selber nicht mehr riecht.

"Das stimmt und ist auch nachvollziehbar. Der bietet wirklich eine bessere Performance als der Tom Ford aus meiner Sicht. Dieser ist nur exklusiver."

Ja klar du Flitzpiepe, deswegen wolltest du mir auch gleich den Otto als erstes andrehen.

"Ich bin nur nach dem Markt gegangen. Tom Ford ist sehr beliebt."

Ne du musst ja auch gucken, wo du bleibst. Ist ok. Du bist nicht abgezuppt, datt weiss doch der Freddy.

"Das kann ich mir auch gar nicht erlauben. Ich persönlich würde auch zum Canvas greifen."

Keule datt is mal wieder nen guten, den du mir auftischt, datt muss ich sagen. Der kann wirklich watt. Datt is doch auch sicher wieder Unisexy?

"Absolut. Den kann auch Ihre werte Frau tragen und genießen. Solche Düfte gehen an jedem."

Naja sach datt nich dem Roland. Der hält sich für ne Obergranate und trägt nur watt auch wirklich für nen Kerl ist. Ist dabei voll der Elefant. Sach ma weisst du wie der Penis eines Elefanten heißt?

"Darüber habe ich noch nicht nachgedacht."

DickTiergerät. Geil oda?

"Köstlich Herr Spanger, ich habe Ihren Humor vermisst."

Jau ich fand den auch klasse, hab mich voll beömmelt. Ne also ich muss sagen der Duft ist fruchtig frisch und ein bissken holzig, aber echt gut und watt macht der so preislich?

"Nun dies ist eine Exklusiv Serie von Al Haramain und nur etwas günstiger als der Tom Ford, sie bekommen aber dafür 75ml was dann schon wieder günstiger ist als 50ml vom Ford."

Getz steh ich abba nackend inne Erbsen. Hast du wieder frische Farbe genascht? Datt Mopped kost ja auch über 100 Euronen. Hömma da muss ich aber viele Dildos schnitzen für. Leckomio. Du bist auch nen Kollege.

"Leider mache ich die Preise nicht, aber da sie Stammkunde sind, werde ich ihnen etwas abfüllen und sie testen den Duft ganz in Ruhe und können dann immer noch entscheiden, ob sie sich den zulegen werden.

Boah Hömma, datt machse? Datt wär ja mal erste Sahne. Ich weiß schon warum du mein Lieblingsparföngverkäufer bis. Datt ist cool Meister. Ich weiß auch schon wann ich den trag. Wir haben der Ramona und Ihrer Freundin gesagt wir machen mal zusammen ne Coronaparty. Da kriegen die aber nur Blubberwasser.

"Coronaparty? Ich verstehe nicht."

Ach wir texten ein paar Schlager um und die Iris spielt doch Keyboard. Ich hab schon ein paar..pass auf...."Sie hat nen Knall..roten Rachenraum!" oder "Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin Corona aus Tirol" oder "Quarantänen lügen nicht". Watt meinse?

"Nun ja ich muss sagen, das ist schon eine ernste Sache. Aber.."Im Wagen vor mir niest ein junges Mädchen."

Alter! In deinem Dez steckt ja voll der Kasper. Den merk ich mir. Da wird die Iris gucken tun.

"Verzeihen Sie, aber das war jetzt sehr verlockend. So hier sind 10ml, da können Sie sich mal mehrfach ordentlich mit einsprühen und den Duft richtig kennen lernen. Vielleicht fallen ja auch mal die Preise und er wird günstiger."

Krass Keule. Vielen Dank, du kommst inne Suppe, datt sach ich dir. Kann man den auch mal tragen, wenn et getzt kühler auf einmal wird?

"Da sehe ich keine Probleme. Schöner ist er aber ganz sicher bei Sonnenschein. Ist halt ein eher ein Sommerduft."

Korrekte Kollekte. Dann bin ich ma gespannt watt die Iris meinen tut. Und wenn datt Ramona nochmal göbeln tut, sprüh ich die damit auch ein. Ich muss dann auch mal wieder und hier pass auf, ich tu dir ma watt in dein Trinkgeldschwein. Und wehe ich seh dich am Bahnhof du Schlawiner.

Herr Spangler, ich freue mich sehr und bedanke mich vielmals. Viel Spaß mit dem Duft und bis zum nächsten Mal.

" Jau dann bis neulich"
38 Antworten

SchatzSucher vor 28 Tagen 49
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Ganz ohne Aber geht es wohl nicht.
Die Düfte von Zoologist sind sicher alles andere als langweilig. Manche von ihnen sind für meine Nase sogar regelrechte Herausforderungen, die mich auch in die Knie zwingen können, wie meine jüngste Erfahrung mit Hyrax wieder einmal bewiesen hat.
Nun kam mir kürzlich auch noch Dragonfly vor die Nase und da ich gern praktisch alles teste, was mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wird, nahm ich mir auch die Libelle, so die deutsche Übersetzung, ganz unbekümmert vor.
Mit diesem Duft möchte man die Libellen und ihren Lebensraum olfaktorisch würdigen. Was in meiner Nase sehr gut gelungen ist.
Hat man einmal die Gelegenheit, sich Libellen etwas aufmerksamer anzuschauen, stellt man fest, welch faszinierende und filigrane Schönheiten diese Insekten sind. Gibt es doch so einige Exemplare, die eine beträchtliche Körpergröße erreichen und dazu noch in prachtvollen Farben schimmern.
Daß Libellen von räuberischer Natur sind und ihre arglosen Opfer aus dem Flug heraus packen und mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen den Garaus machen, lassen wir mal im Raum stehen. Wie überall in der Natur gilt "Fressen und gefressen werden", denn es gibt wiederum zahlreiche Fressfeinde, die Libellen nur zu gern auf ihrem Speisezettel sehen.
Entgegen dem weit verbreiteten Glauben sind Libellen dem Menschen gegenüber völlig harmlos und stechen können sie auch nicht.
Vor einigen Jahren verflog sich einmal eine recht große, grünlich schillernde Libelle in mein Wohnzimmer. Zunächst flog sie etwas wirr und planlos herum und beäugte mich dann eine Weile aufmerksam. Doch sie konnte dann feststellen, daß ich ihr niemals etwas zuleide tun könnte und besann sich kurz darauf wieder auf die Stelle, an der das geöffnete Fenster zu finden war und verschwand dann grußlos wieder. Da hätte ich doch ganz gern die Gedanken der Libelle gewußt.

So facettenreich und faszinierend wie die Libellen selbst ist auch Dragonfly. Er bietet ein recht weites Duftspektrum, von blumig, über fruchtig und etwas holzig bis hin zu aquatischen Noten.
All die Bereiche, die Libellen entweder als Lebensraum benötigen oder sich zum Beutefang aussuchen.

Sehr blumig eröffnet der Duft denn auch und dazu auch recht süß. Aldehyde sind hier deutlich zu vernehmen, die hier die Blumigkeit schillernd und pudrig unterstreichen. Fruchtig wirkende Noten kommen hinzu, näher bestimmen kann man sie aber nicht. Die Früchte erscheinen mir dann auch schon ein wenig sehr reif, denn sie sind sehr süß und recht durchdringend.
Dann wird es interessant, denn diese blumig-fruchtige Süße wird von einer aquatischen Note durchzogen. Und aquatische Noten sind für mich recht heikel. Es gibt wenige Düfte mit aquatischen Noten, die mir gefallen. Meistens ist es mir zu aufgesetzt, zu algig und oft auch zu künstlich. Zwar ist die Nordseeküste noch gut 100 km von mir entfernt, doch weiß ich, wie es am Wasser riecht. Das kann eigentlich kein Duft naturgetreu widerspiegeln.
Die aquatische Note bei Dragonfly bekommt aber noch die Kehrtwende und hält sich recht dezent zurück und erinnert mich auch nicht an abgestandenes Blumenwasser. Olles Blumenwasser hat mir seinerzeit Jardin d´Iris von Pryn Parfums gründlich verleidet.
Auch wenn diese Note bei Dragonfly gedämpft ist, ist es für mich ein gewisses Aber und entwickelt sich zum leichten Störfaktor für mich.
Es heißt ja immer, daß jeder Duft einen Gegenpol benötigt, eine kleine Kante oder eine gewisse Portion Dreck, damit er interessant wird. Dem stimme ich auch weitgehend zu, doch wäre mir hier eine andere Kante noch lieber gewesen.
Dragonfly ist aber kein aquatischer Duft im engeren Sinne.

Zusätzlich kommen im Verlauf noch leicht holzige Noten dazu und feucht wirkendes Moos.
Die deutliche Süße zieht sich nach einer Weile etwas zurück.
Also einen interessanten Verlauf kann man diesem Duft auf jeden Fall bescheinigen. Da gibt es Düfte, die weitaus linearer verlaufen und sich kaum verändern.
Dragonfly ist kein lauter Duft, der mit überladener Duftpyramide erschlägt. Er ist präsent und weist eine äußerst gute Haltbarkeit auf. Ich kann ihn gut 8 Stunden an mir wahrnehmen und einen immensen Duftschleier verbreitet er auch nicht.

Ein Kaufkandidat wird dieser Duft jedoch nicht, ich mag blumig-süß, aber mir ist das Ganze ein bißchen zu süß und künstlich und ich kann mir nicht vorstellen, den Duft länger zu tragen, auch wenn er sicher einer der zugänglicheren Zoologist-Düfte ist.
Somit wird Zoologist für mich weiterhin eine spannende Testerfahrung bleiben und muß nicht zwingend den Bestellknopf betätigen.

Ich danke MoniE für die Probe und für die Bereicherung meines Dufthorizontes und ich gucke mir weiterhin gern Libellen in freier Natur an. Auch wenn sie hier in der Großstadt sehr selten geworden sind.
47 Antworten

Yatagan vor 9 Tagen 49
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Kunst-Stoff
Unkommentierte Düfte No. 154

Mugler kann und will nicht am Trash vorbei. Düfte wie Angel, Amen, Alien und deren zahllose Flanker rochen so verstrahlt wie Sondermüll aus dem Endlager, aber das immer mit Chic. Sowas hat was.
Nun also ein Mugler aus der wie grellbunte Blousons aus den 80ern aufgeblähten, aber keineswegs schlechten Cologne-Reihe mit Lavendel (sic!): also für mich maßgeschneidert? Der Duft lässt mich vergnügt, aber ratlos zurück - und das nach mehreren Tests.
Tatsächlich ist da eine Lavendelnote, aber wer meint, die dürfte auch nur annähernd natürlich duften, hat die Rechnung ohne Mugler gemacht: ein bisschen quietschig, schrill, wild fruchtig, fein säuerlich und daran ändert sich nicht allzu viel bis zum Herzen. Allenfalls die etwas pudrige Note danach erinnert daran, dass da auch noch so etwas wie Ambra drin sein soll. Könnte im Drydown zunehmend plausibel werden.
Warum ich den trotzdem gut finde? Der Duft bleibt tatsächlich immer auch ein Cologne, was für einen Lavendelduft ja nicht selbstverständlich ist, und deshalb ist der unten geäußerte Vergleich mit dem Remix Cologne von 4711 aus dem Jahr 2019 nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die beiden durchaus keine Zwillinge sind. Die Idee ist allemal die gleiche: Colgone (mag ich), ein bisschen mehr (Mugler), ein bisschen weniger (4711) synthetisch, Lavendel irgendwie (mag ich) und eine wärmere, etwas pudrige Basis. Komischerweise muss ich an Badebekleidung aus den 70ern denken und daran, wie die roch (hochbelastete Synthetikfaser, lustig): Kunst-Stoff.
Soll dich laut Hersteller in ein Universum der Ruhe und der Spiritualität entführen: ein bisschen hoch gegriffen.
Heraus kommt etwas sehr Alltagstaugliches für den Sommer, das man morgens fürs Büro, mittags für die Abkühlung und abends für die Pizzeria verwenden kann. Nur bitte nicht für die Oper.

38 Antworten

SchatzSucher vor 7 Tagen 46
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Auch wenig Beachtetes verdient Aufmerksamkeit
Die Marke S.T. Dupont war mir bisher nur als Hersteller von hochpreisigen Luxusartikeln wie Feuerzeuge, Lederwaren, Accessoires, Schreibutensilien und Uhren ein Begriff.
Düfte dieser Marke waren mir bis vor kurzem unbekannt. Dabei sind hier immerhin 53 Düfte gelistet, von denen aber sehr viele schon gar nicht mehr erhältlich sind. Und insgesamt fliegen die Düfte hier ein wenig unterm Radar.

Nun kamen mir durch einen liebenswürdigen Probentausch auch ein, zwei Düfte von S.T. Dupont vor die Nase und ich konnte feststellen, daß diese wirklich gar nicht übel sind bzw. sogar sehr gut.

Die Firma S. T. Dupont wurde bereits 1872 von Simon Tissot-Dupont gegründet und begann mit der Fertigung von hochwertigen Aktentaschen für Diplomaten und wohlhabende Geschäftsleute. Bereits 1884 wurde sie Lieferant für "Les Grands Magasins du Louvre". In den 1920er Jahren zählte das Unternehmen bereits 250 Mitarbeiter.
Nach einer kriegsbedingten Stagnation und der schlechten Verfügbarkeit von Leder stellte man um auf die Produktion von Feuerzeugen, die sich heut immer noch großer Beliebtheit erfreuen.
Die Produktion von Lederwaren konnte nach dem 2. Weltkrieg aber wieder aufgenommen werden.
Man zählte mittlerweile auch Aristokraten und Staatsleute zum Kundenkreis.
Königin Elizabeth II. bekam zu ihrer Hochzeit 1947 vom damaligen französischen Staatspräsidenten Vincent Auriol eine S. T. Dupont Aktentasche geschenkt und zählte sich seitdem auch zur Kundschaft der Marke.
Seit 1998 werden auch Parfums angeboten, die von Inter Parfums vertrieben werden bzw. wurden.

Mit dem Signature for Men habe ich mich ein wenig näher beschäftigt. Und der Duft gefiel mir auf Anhieb sehr gut.
Trotz der recht zahlreichen Bestandteile, die hier in der Duftpyramide aufgeführt sind, ist Signature for Men ein sehr angenehmer und schön ausbalancierter Duft, der nie schwer oder aufdringlich wird.

Der Auftakt ist leicht zitrisch, ein wenig krautig und eine schöne feine Würze ist zu bemerken. Keine Note drängelt sich vor und eine leichte Süße kommt noch hinzu.
Recht schnell mischen sich holzige und florale Töne mit ein und ich bemerke auch eine sanfte rauchige Note. Fast könnte man meinen, es seien auch einige Krümel Tabak mit eingearbeitet worden.
Die Basisnoten sind eigentlich fast von Anfang an zu bemerken, die Süße von Benzoe, Tonka und Vanille taucht sehr schnell auf, macht den Duft aber nicht unnötig schwer.
Trotz der Fülle an Zutaten wirkt Signature for Men nicht überladen oder unrund, sondern leichtfüßig, hell und freundlich.
Der Duft weist auch eine ordentliche Haltbarkeit auf, gute 8 Stunden kann ich ihn wahrnehmen. Einen immensen Duftschleier verbreitet er nicht, aber er strahlt recht gut ab in der ersten Stunde.

Hier wird u.a. Gucci Envy for Men als Duftzwilling angegeben. Das kann ich nicht bestätigen. Envy begleitete mich eine lange Zeit, bis er aufgebraucht und leider auch nicht mehr in den Geschäften zu finden war. Envy ist viel dunkler, noch krautiger und schwerer. Aber jede Nase entscheidet bekanntlich anders.

Der Flakon ist ebenfalls schön gestaltet mit dem aufklappbaren Deckel und der eckigen Form. So erinnert er an ein Tintenfass oder eines dieser edlen Feuerzeuge. Ein feiner Hingucker ist er allemal.
Mittlerweile hat der Duft 20 Jahre auf dem Buckel, ist aber so zeitlos gestaltet, daß er ohne weiteres heut noch funktioniert.
Dennoch wird der Duft nicht mehr produziert. Ich vermute mal ein zu geringes Marketing führte zu wenig Beachtung. Ich kann mich auch nicht erinnern, Düfte von S.T. Dupont je in den gängigen Geschäften gesehen zu haben.
Um manche Düfte ist es schade.
Aber seit kurzem befindet sich ein Flakon in meinem Besitz und darüber freue ich mich sehr.

Ich danke Precious noch einmal ganz herzlich für die tolle Dufterfahrung und die große Überraschung!
42 Antworten

Can777 vor 6 Tagen 45
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

Necropolis
Die Begräbnisstätte des ersten Kaisers von China Qin Shi Huang ist wohl eines der bemerkenswertesten,kulturellen Funde der Geschichte. Ihm zu Ehren wurde die Nekropole oder auch die Totenstadt in der Ur-und Frühgeschichte erbaut. Die Arbeiten am Mausoleum begannen ungefähr 246 v. Chr und nahmen gigantische Ausmaße an. Es sollte dem Kaiser an nichts mangeln nach seinem Ableben. Schon mal gar nicht an Schutz! So wurden ihm zur Seite eine Armee gestellt. Schätzungsweise um die 8.000 Soldaten,130 Streitwagen mit 520 Pferden und 130 Kavalleriepferden an der Zahl. Allesamt aus Terrakotta geformt und seinerzeit auch noch lebensecht bemalt und teilweise auch ausgerüstet mit echten Säbeln,Pfeil und Bogen und Lanzen. Stellenweise auch je nach Rang eingekleidet in lederne Harnische und Rüstungen. Erschaffen aus Erde und Mineralien um den geliebten Kaiser im Totenreich zu beschützen und ihm weiterhin zu dienen. Wie es wohl ist durch die Reihen der Terrakotta-Armee zu schreiten und vor ihnen zu stehen,hat Auphorie mit Bing Ma Yong auf sehr eindrucksvolle Weise geschafft einzufangen in einem Parfum. Ein Parfum was so eindrucksvoll und mächtig ist wie einst die Armee des Kaisers selbst!

Bing Ma Yong
Das Parfum ist trocken. Um nicht zu sagen sogar „staubtrocken“! Bing Ma Yong eröffnet sofort das Gefecht mit einer sehr stechenden Zibet-Note und stark pudriger Iris die leicht unterlegt ist mit einer bitter-herben Mandarine. Stechen wie ein Speer-Stoß in der Nase ist der Einstieg und nicht gerade freundlich gesinnt. Der erste Eindruck legt sich aber relativ schnell und wird sanfter. Ein Schwall von gemahlenen und trockenen Gewürzen kommt hinzu. Nicht einzuordnen in seiner Vielfalt und Fülle. In diesem Stadium bleibt Bing Ma Yong geraume Zeit bestehen,bevor er sich wieder transformiert und eine neue Kampfposition einnimmt. Erdig und mineralische Noten kommen hervor. Es beginnt nach säuerlichen Ton oder Terrakotta zu duften der kurz vor dem brennen im Ofen steht. Noch weich und leicht cremig in seiner Konsistenz. Die erdigen-säuerlichen Aspekte bleiben noch eine Weile bestehen bevor der Duft im wahrsten Sinne zu Staub zerfällt. Ein leichter Leder-Akkord schleicht sich mit ein und eine trockene Iris-Note die man schon fast als kreidig-mineralisch beschreiben kann legt sich mit einer zart-blumigen Pfingstrosen-Note über alles. Dieses finale Ende lässt den Duft auf sehr geheimnisvolle Weise altern und gibt ihn ein sehr antikes Erscheinungsbild.

Fazit
Eines sei schon mal gesagt! Bing Ma Yong ist kein Duft für zarte Gemüter. Er ist stark,beeindruckend,mächtig und hat wahrhaft kriegerische Züge. Wenn ich es nicht besser wüsste,würde ich sagen er wäre von Francesca Bianchi gemacht worden. Er ist sehr pudrig durch die Irisbutter und auch sehr animalisch durch ein Höchstmaß an Zibet. Pudrig und säuerlich-würzige Noten zeichnen es aus. Erdiger und dunkelster Vetiver und mineralisch-staubige Noten durchziehen es und lassen wahrhaftig den Eindruck von Terrakotta entstehe. Der Duft von gealterten Leder und einer subtil-blumigen Pfingstrose geben ein sehr antikes Finish. Alle Noten scheinen miteinander anfänglich zu kämpfen,ordnen sich dann doch letztendlich wie in einer gestaffelten Hierarchie zu einen sehr harmonischen Ganzen nacheinander unter. Bing Ma Yong ist in seiner Darbietung sehr haltbar. Er ist sehr konzentriert und hat fast schon die Qualität eines reinen Parfums. Er steht locker zwölf Stunden Wache und zu Diensten. Ich persönlich stehe nicht auf Klassifizierung,aber sollte ich ihn einen Geschlecht zuordnen,wäre er definitiv als männlich einzuordnen. Bing Ma Yong ist eine olfaktorisch Zeitreise. Beeindruckend,kriegerisch,mächtig und stolz. Und eines sei nochmals ausdrücklich gesagt,...Diese Armee macht keine Gefangene!
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