3lbows3lbows’ Parfumkommentare

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22.01.2020 13:12 Uhr
8 Auszeichnungen
Nachdem ich kürzlich die Fahrenheit-DNA etwas genauer unter die Lupe genommen habe, musste ich mir auch Portrayal Man etwas genauer ansehen, der das Thema ja angeblich aufgreift, ja, sogar ein Duftzwilling sein soll.
…Und da ist durchaus etwas dran, denn das Hauptthema hier, die Veilchen, setzt auch Portrayal um. In der Kopfnote kommt einem gleich ebendiese Note vollumfänglich unter die Nase: Frisches, kräftiges, sehr floral umgesetztes Veilchen, mit einem feinem Anklang von Süße unterlegt.
Mein Gehirn fantasiert da sofort die aus Fahrenheit bekannte Benzinnote dazu, die hier aber wesentlich geringer ausgeprägt ist. Tatsächlich spielt das Veilchen weiterhin die erste Geige. Nach den dominant-kratzigen ersten 15 Minuten des Duftes stimmt Vetyver mit ein, und macht aus der Blumenexplosion einen leiseren, seifig anmutenden Drydown. Dabei sprechen wir hier nicht von den Saubermannseifen a la Prada. Nein, Portrayal hat da eher etwas „Dreckiges“, Dunkles, bisserl wie der Waschraum im Garten abseits des Hauses, wo Oma die Wäsche wusch. Ein Potpourri aus Kernseife, Holz, Reinigungsmitteln und bereits gewaschener, aber auch noch ungewaschener Wäsche. Dreckig also nicht im Sinne der animalischen Urinsteinveredler a la Kouros und Konsorten, nein, irgendwie sauber dreckig, angenehm sauber dreckig. In der Basis tritt die anfangs erwähnte, leichte Sūße noch etwas in den Vordergrund: Für mich wirkt das wie Kamille - so ein unaufdringlicher, süß-würziger Barbershop-Duft eben. Zu diesem Zeitpunkt ist Portrayal dann schon hautnah - wie ein klassisches US Aftershave.
Der Duft wird gerne mit Amouage‘s letztem Release Imitation Man verglichen. Da ist durchaus was dran, haben doch beide eine intensiv-blumige Kopfnote gemein. Riecht man dann direkt an der Einschussstelle, kann man sie die ersten paar Minuten durchaus verwechseln. Danach gehen die beiden aber unterschiedliche Wege. Wo sich bei Imitation Man die ledrige Rose klar rauskristallisiert und den Duft lange und dominant abstrahlen lässt, wirkt Portrayal schnell wesentlich versöhnlicher, projiziert weniger, hält allerdings auch kürzer.
Aber nicht falsch verstehen - der Duft ist durch und durch männlich und präsent, wenn auch weniger streng als Imitation. Damit lässt er sich dann auch vielseitiger tragen - Büro, Freizeit, Abend - alles drin. Auch jahreszeitlich würde ich Portrayal nicht auf den Sommer festlegen, obgleich er frisch-würzig aufspielt. Er zielt aber, denke ich, schon auf Ü30 ab, verlangt er doch etwas Reife um nicht seltsam zu wirken.
Insgesamt ist Portrayal damit wesentlich näher am Fahrenheit EdT, gibt das Veilchenthema aber facettenreicher, weniger linear wieder.
Die Präsentation mit dem schweren Kristallglasflakon und der wertigen Holzbox ist, wie bei allen Amouages, sowieso über jeden Zweifel erhaben.
Portrayal ist somit meine Empfehlung an alle, die das Fahrenheit-Thema mit anderen Akzenten erleben wollen, oder von Dior‘s Rotem einfach genug haben. Einfach mal abfüllen lassen. Ich habe es jedefalls nicht bereut.


05.01.2020 21:07 Uhr
5 Auszeichnungen
Eines gleich vorweg: So masculin ist das Au nicht, aber definitiv einen Test wert.
Das Wässerchen startet lakritzig süß - schon das empfinde ich in der Duftwelt als ein Novum. Dabei ist das keinesfalls erschlagend oder plakativ süß, wie die modernen Tonkakeulen oder Goldbarrenverschnitte. Das Au (oder Eau?) würde ich als „sphärisch“ - süß bezeichnen: Hintergründig und räumlich nicht verortbar, eine synthetisch-süße Aura von leicht gummi- oder plastikartiger Qualität, fast ein bisserl wie Playdoh. Die markante Anisnote, sowie eine minimale Seifigkeit (Efeu?) verleihen dem Au eine fast mystische Interessanz. Im Drydown lässt das Lakritzthema dann etwas nach, hinterlässt aber dennoch eine leicht bittere Note als Gegenspieler für den cremig süßen Ausklang.
Ich finde, das Au hat hohen Wiedererkennungswert, wirkt freundlich und ist in den kälteren Jahreszeiten universell tragbar. Es geht sicher niemandem auf die Nerven, ist vielleicht sogar für so manches „Ja do schau her!“ gut. Wer aber einen sexy masculinen Verführer erwartet, der wird vom Au enttäuscht. Dafür bekommt er einen etwas wundersamen aber überaus tragbaren Begleiter, der seinen Verwender stets mit einer wohlwollenden Aura umgibt.
Sillage und insbesondere Haltbarkeit enttäuschen nicht. Der Duft ist auch acht Stunden nach dem Auftragen noch deutlich wahrnehmbar, wenn auch praktisch hautnah.
Das so oft zitierte Kouros Body empfinde ich überhaupt nicht als Duftzwilling, auch wenn ich im Geiste Anis und Eukalyptus vertausche; Wo der Grieche für mich eher in einer Liga mit One Million und Eros um die Gunst des zarten Geschlechts buhlt, wenn auch mit erheblich mehr Klasse und Charakter, zeigt sich das Au eher verspielt, naiv, harmlos. Wie gesagt - definitiv kein Aufreisser. Ähnlicher finde ich da schon Prada’s Luna Rossa Black, zeigt er doch auch diese synthetische Gummisüße, gepaart mit leichter Seifigkeit. Hier jedoch ohne Anis - des Au’s ernster Businessbruder sozusagen.
Obwohl das Männerwasser nicht mehr zu bekommen ist, möchte ich eine klare Testempfehlung aussprechen. Man muss sich aber damit identifizieren können, um es zu mögen, darum ist das Au kein Blindbuy Kandidat. Bleibt noch Lolita Lempicka’s Homme, des Au angeblich verwässerter Nachfolger, zu testen. Ich zumindest könnte mir diese DNA auch als sommertaugliches Cologne vorstellen...


28.12.2019 16:18 Uhr
4 Auszeichnungen
Den hier habe ich mir stellvertretend für die vielen, hier auf Parfumo so geächteten Tonka-Süßbomben ausgesucht.
Ich falle ja selbst schon diesem Phänomen anheim: Wenn man sich intensiver mit Parfums beschäftigt, nimmt man differenzierter wahr. Aus einem unvoreingenommenem „Joaah, der riecht doch ganz gut!“ wird schnell ein aufgeklärtes „Diese Mainstream-Zuckerplörre kommt mir nicht in meine Xerjoff-gestählte Nase!“ Und obwohl ich mich diesem Effekt zu entziehen versuche, lässt er sich doch mit zunehmender Dufthistorie nicht vermeiden. Wie zuletzt bei Armani’s Code Absolu: Aufgesprüht, und sofort durch mein Duftgehirn in seine Schublade verurteilt.
Und dabei hatte ich bis vor Kurzem noch einen ganzen pile of shame ähnlicher Winterdüfte auf meiner Merkliste. Apropos: Zeig’ mir Deine Merkliste, und ich sag Dir, was für ein Parfumo du bist!

Also gut, erfolgreich gegen den inneren Duftsnobschweinehund gewehrt, und auch Stronger with you in der Intensely Variante getestet. Und was soll ich sagen? Er startet genauso, wie die üblichen Verdächtigen: Karamellzuckerexplosions-Drogeriemarktblenderkopfnote. Und soll ich euch noch was sagen? Hey, das ist gar nicht so schlecht! Ist halt ein moderner, gourmandig angehauchter Winterduft ohne Ecken und Kanten. Jugendlich, ohne großartigen Wiedererkennungswert, aber gerade deshalb leicht zu tragen. Wie gesagt, Axe Dark Temptation Kopfnote, dann Übergang zu einem weihnachtlich-süßem Drydown, der ohne überspitzte Würze, ohne Leder (obwohl im das gut stehen würde), oder kontrastierende Blumigkeit auskommt. Das Hauptthema ist hier eindeutig Toffee: Ich nehme das als die karamellartige Lasur gebrannter Mandeln wahr, auch Schokolade und Honig nehmen an meinem Duft-Kopfkino teil. Die Komposition ist dabei in sich stimmig, und nach der Kopfnote auch gar nicht mehr so überbordend süß.
Bei Düften, die in die man mit Naschwerk assoziiert, frage ich mich oft, ob man so duften möchte. Hier passt das aber seltsam gut, obwohl es hier kaum einen würzigen oder blumigen Gegenspieler gibt, wie z.B. die Rose in TF’s Noir Extreme. Man nimmt den ganzen Tag über immer wieder einen Hauch wahr und fühlt sich wohl dabei. Der Duft hält gut, projiziert ordentlich, aber nicht aufdringlich, und wird bis zum Ende des Drydowns nicht kratzig oder synthetisch. Alle Komponenten laufen etwa zeitgleich aus. Das wirkt harmonisch und zeugt für mich von Qualität und handwerklich guter Abstimmung.

Wie gesagt, als kritischer Zeitgenosse kann man nun durchaus fragen: Schön - aber hat‘s den nun gebraucht? Ein großer kreativer Wurf ist er ja nicht ...

Ich sage ja, denn er macht Spass, ist universell tragbar und gut gemacht. Ich nehme SwyI auch gerne mit einer Abfüllung auf meine Weihnachtsrotation für 2020, und ein paar der üblichen Verdächtigen wieder auf meine Merkliste (CK‘s WOW! in der EdP Intense Version, z.B.), auch auf die Gefahr hin, meinen Inneren Duftsnobschweinehund zu besiegen.


12.12.2019 14:54 Uhr
11 Auszeichnungen

Parfums, interessante zumindest, erwecken in uns häufig Assoziationen, Erinnerungen an bestimmte Situationen, an besondere Zeiten, die wir damit verbinden, an Kindheitserinnerungen. Da vermag ein Geruch ein ganzes Bild aufzubauen, eine Stimmung.

TF´s Oud Wood ist für mich so ein Kandidat. Sofort nach dem Aufsprühen versetzt er mich gut 30 Jahre zurück.

Da ist so eine vage Aufregung, ein Unbehagen. Eine Erinnerung an langes Warten, an ein Aquarium, eine große Wanduhr ohne Ziffern, auch an Schmerzen, jedoch viel mehr an das Kopfkino darum herum. An die Diagnose: Löcher.

Und an den Satz: Das sollte jetzt eigentlich gar nicht so weh tun!

Jawoll. Beim Zahnarzt.

Dort auf dem Stuhl im Behandlungszimmer harrend, wenn der Arzt noch deutlich vernehmbar im parallel dazu angelegten zweiten Zimmer seiner Arbeit nachgeht. Nur noch Minuten, bis er sich mir zuwendet.

Dann – die Arzthelferin, kurz einen Blick in »mein« Behandlugszimmer – eine Schere, oder ein Kneifer oder was weis ich wird benötigt, und so gleitet die Dame an mir vorbei und öffnet das Schränkchen, das die beiden Behandlungsräume trennt, um das Utensil zu entnehmen, und gibt gleichzeitig einen kurzen Blick auf mein gespiegeltes Schicksal im zweiten Behandlungszimmer frei.

Und dann – der Duft, als Sie das Schränkchen öffnet: Holzig, sauber, nicht unangenehm, aber steril und kalt. Holz riecht so eigentlich nicht. Aber Orangen riechen ja auch nicht nach Fanta. DSquared´s He Wood Reihe ist da deutlich näher dran (am Holz - nicht an Fanta). Aber ein Apothekerschränkchen riecht genau so. Wie Oud Wood. Und nicht anders. Wenn es die Kategorie hier gäbe, würde ich Oud Wood als medizinisch-holzig einordnen. Über dem Oud liegt eine leichte, fast sphärische Süße, losgelöst vom eigentlichen Holzduft, diesen aber stets begleitend und charakterisierend. Wo die Medizin-Assoziation bei mir herrührt, weis ich nicht, sie verleiht dem Duft aber eine gewisse Frische, macht ihn auch an kühleren Sommertagen bereits tragbar. Er wirkt dabei stets distanziert, so dass ich ihn eher im Businessbereich verortet sehe; Er passt in´s Büro, zu Hemd und Krawatte (oder Mundschutz), insbesondere zu formellen Meetings.

Handwerklich ist er toll gemacht – wie aus einem Guss. Haltbarkeit und Sillage sind perfekt auf den oben genannten Einsatzzweck abgestimmt: Lange präsent, aber nie aufdringlich klingt er sehr linear aus, wird lediglich gegen Ende dünner, frischer, bisweilen gar leicht säuerlich. Bis auf dieses vorher erwähnte, süße Echo ist er auch nicht wirklich komplex, Wiedererkennungswert hat er dennoch. Versace´s Oud Noir greift das Thema ebenfalls auf, setzt es aber mit der Zugabe von rauchigem Patchouli wesentlich organischer, vielseitig tragbarer um. Sonst wüsste ich da jetzt nichts Vergleichbares.

Wie gesagt, bis auf das Ende des Drydowns toll gemacht, ohne Ecken und Kanten, aber nicht meins. Vom Parfum erwartet man ja immer irgendwie auch eine Spiegelung seiner selbst. Hier kann mir Oud Wood nichts bieten, zumindest nichts, womit ich mich identifizieren könnte.

Wirklich günstig ist das Vergnügen Tom Ford typisch natürlich auch nicht. Dafür bekommt man einen aalglatten Understatement-Businessduft in perfekter Präsentation. Vom Sprayer bis zum Flakon – der würde der Arzthelferin im besagten Schränkchen nicht weiter auffallen.


20.10.2019 17:20 Uhr
22 Auszeichnungen
Bei Düften, die in Kommentaren und Foren derart frequent debattiert werden, sollte man vorsichtig sein. Habe ich hier gelernt. Und wenn Jeremy den dann noch absegnet, dann läuten die Alarmglocken.
Was Reflecton Man von Amouage aber von den anderen Boulevarddüften (Sauvage, Aventus...) abgrenzt ist, dass er weitaus weniger kontrovers diskutiert wird. Hier kann man sich offenbar darauf einigen, dass der dann doch irgendwie gut sein muss. Und das hat mich dann auch irgendwie neugierig gemacht.
Gut gibt’s nicht, nur für mich passend oder nicht - das hab ich auch hier gelernt - und Reflection, oder besser gesagt, seine DNA, tut’s für mich 100%.
Also her mit der Abfüllung und rauf auf den Uhrenhalter. Und, voila! Vom Hocker haute er mich gleich mal nicht. Statt dessen umgibt mich zunächst eine anschmiegsame Süße, ohne Ecken und Kanten. Sie erinnert mich an nichts, kein Apfelstrudel, kein Birnenkompott, keine Blutmandarine. Nichts essbares, einfach eine cremige, helle Süße. Dazu gesellt sich alsbald etwas Blumiges, das sich aber im Hintergrund hält, und dem Duft keinesfalls seinen Stempel aufdrückt. Etwas später im Drydown nehme ich dann auch Hölzer wahr, zart angedeutet, nichts Ruppiges, Schneidendes, wie bei so vielen Vetyverdüften. Gerade genug, dass Reflection sich “Men” nennen darf. Das dunkelt den Duft auch etwas ab, dennoch tendiert er ins Frische - ohne Zitrik, ohne Aquatik, ohne Vetyver. Und genau deshalb mag ich ihn.
Reflection empfinde ich nicht als komplex, obwohl das Blumige schön definiert auf dem leicht synthetisch wirkenden Hintergrund abgebildet wird. Aber gerade das macht denke ich die Qualität von Reflection aus. Das, und diese makellose Abmischung - in der Autosprache würde man sagen: Ohne Spaltmaß. Aus einem Guss.
Ein dritter Punkt wäre, dass er wirklich ungemein tragbar ist: Reflection kann verspielt sein, seriös, anschmiegsam, sportlich. Er geht im Büro, beim Ausgehen, zu Anzug und Hoodie, zu T-Shirt oder Lederhose. Ok, zu Lederhose nicht, aber sonst eine gute Wahl für fast alles.
Den Preis empfinde ich ebenfalls nicht als Problem, bekommt man ihn doch in der gewohnt hochwertigen Amouage Präsentation (schwerer Effektglasflakon mit Magnetverschluss, Holzbox) online für um die 150 EUR für 100ml.
Natürlich muss auch irgendwo ein Haken sein, und das ist bei der aktuellen Reformulierung die Performance. Durchschnittlich haltbar, die Sillage (bei mir) aber schon nach 1-2h hautnah. Keinesfalls ein Raumfüller, so dass es Komplimente nur auf Tuchfühlung gibt. Nicht, dass es darauf ankommen würde, aber das rückt die 150 EUR wieder in ein anderes Licht.
Also bleibt wohl nichts, als ein Blick auf die Alternativen:

- Hartley von Mazzolari: Am nähesten dran, bringt einen Hauch Zitrik (oder besser: Zitronenkuchen) mit rein, wirkt dadurch “heller”, frischer, aber auch unisex. Die Performance ist hier aber um Welten besser.

- Le Male von JPG: Ja, die DNA geht in diese Richtung, stimmt schon. Aber Le Male ist gröber, die Süße dunkler, pappiger, und das Blumige wird mit - für mich - etwas Grasähnlichem ersetzt. Nicht sooo schlecht, aber eher für Jüngere, und in der aktuellen Reformulierung hält der auch nicht mehr.

- PdM Pegasus: Eine interessante und einzigartige Spielart dieser DNA: Die Süße kommt hier mit Mandeleinschlag, Blumigkeit gibt’s hier keine, dafür sind in der Basis die Hölzer dominanter, und es gibt über den gesamten Duftverlauf eine schwer greifbare Metallnote. Pegasus ist kantiger, kratziger, dominanter, performt auch stärker, entfernt sich aber auch schon etwas weiter von Reflection

- Versace’s Dreamer: Greift das Thema Blumigkeit wieder auf, nimmt etwas Süße raus und gibt eine synthetische Tabaknote dazu. Er wirkt auf mich “nasser”, ernster, weniger frisch, ist aber zum Spottpreis zu haben. Das macht sich allerdings auch in seiner Performance bemerkbar.

- Lancome Hypnose Homme: Auf den ersten Blick ganz anders, geht der aber auch deutlich in diese Richtung: Hier spielt allerdings eine synthetische Lavendelnote die erste Geige. Die Duftintention und insbesondere der Aufbau der Süße sind aber durchaus vergleichbar.

Es gibt hier mit Sicherheit noch mehr Kandidaten, am nächsten kommt dem jedoch Hartley und - und das traue ich mir hier kaum sagen - der Dupe vom eklatanten deutschen Duftkopierer; Die bekommen zwar die Blumigkeit nicht so differenziert hin, so dass der Duft plumper wirkt, die cremig-helle, angenehme und nicht klebrige Süße ist jedoch da, ebenso die Performance.

Allen Liebhabern von weichen, leichten, cremigen und nicht zu süßen Düften würde ich diese DNA im allgemeinen, und Reflection Man im Besonderen bedenkenlos ans Herz legen. Allen, die wie ich auch in den wärmeren Jahreszeiten gerne einen süßen Duft tragen, allen, die genug von Sun Men haben, allen, die einfach sympathisch wirken wollen (und es hoffentlich auch sind;)). Aber bitte Amouage: Schraubt die Performance wieder hoch! Ihr braucht dazu bestimmt auch kein Eichenmoos.


14.08.2019 15:23 Uhr
7 Auszeichnungen
Das hier ist auch wieder so ein typischer Fall von »das Statement-Kasterl reicht nicht«.

Der ist nämlich wirklich etwas Besonderes.

Ich bin ja, wegen meiner Nicht-Hingezogenheit zu den klassischen zitrischen und aquatischen Erfrischern immer noch auf der Suche nach dem passenden Sommerduft.
Winter und Herbst – ja, hier gibt es viele, da mir v.a. süße, balsamische, cremige Düfte zusagen. Aber im Sommer sieht´s für mich bis dato ebbe aus. Viel probiert, wenig erreicht. Und kommt dann doch mal ein gefälliger, dann colognets sich schon nach 1 Stunde aus. Zuletzt geschehen mit "Gentleman Givenchy Cologne@Givenchy". Isser da, isser wech.
Das kann man von Ambergris Showers nun wahrlich nicht behaupten. Aber nun der Reihe nach.
Auf den Duft und die passende Abfüllung kam ich durch Rasasi´s Tuscan Leather Klon La Yuqawam. Den fand ich qualitativ so umwerfend, dass ich noch eine Abfüllung dieses Sommer-Flankers hier brauchte.
Frisch aufgesprüht war ich allerdings zunächst enttäuscht: Ambergris Showers startet frisch-gurkig, in etwa so, als ob man Tomaten von der Ranke zieht. Dieser grüne Tomatenrankenakkord ist unterlegt von einer wässrigen Zitrik, die sich im Vergleich zu den grünen Noten zurückhält. Das ist also Galbanum? Säuerlich ist das Ganze auch irgendwie, aber nur ganz leicht, und nicht zitrischer Provenienz. Eher wie Tee, Macha Tee: Kühl, fruchtig, säuerlich. Das Ganze liegt dann auf einer metallischen Basis. Schwierig zu beschreiben. Nicht die übliche Bleistiftminennote, auch nicht das Metallische aus "Pegasus@Parfums de Marly". Nein, eher so eine kühle, distanziert-wässrige Metallnote: Kaltes, klares Wasser, das eine Metallinstallation hinabläuft, oder besser noch: kondensiertes Wasser an einer eiskalten Leitung draussen, wenn es richtig heiss ist.
Im weiteren Duftverlauf übernimmt dann eine sanfte Ledernote, die zusammen mit etwas Rauch eigentlich die Basis des Duftes ausmacht, ohne aber je diese kühl-grüne Fruchtigkeit auszustechen; Diese wird milder, runder, erdig, vielleicht sogar etwas süßlich, verlässt aber nie das Parkett.
Das klingt jetzt vielleicht nach einer ziemlich verrückten Mixtur, funktioniert aber wunderbar, und zwar als frischer Sommerduft abseits der üblichen Verdächtigen, oder bestenfalls mit deren Anleihen. Denn von allen Sommerdüften, die ich bis dato testen durfte, ist Ambergris Showers eindeutig der frischeste, oder besser: erfrischendste. Denn: Diese kühle Assoziation bekomme ich ohne Menthol oder ähnliches bei sonst keinem anderen Duft.
Das Parfum ist tatsächlich einzigartig, unique, wie man so schön sagt. Zumindest im Designbereich wüsste ich nichts, was ähnlich riecht. Man fällt hiermit wirklich auf, auch aufgrund der Ausdauer des Duftes, wobei die Sillage, wie auch das ganze Konzept durchaus bürotauglich sind, weil nicht aufdringlich. Ein Compliment-Getter ist er aber nicht, dafür ist er zu besonders, eher vielleicht ein Gesprächsanlass. Es fehlen ihm einfach die Crowdpleaser-Attribute eines Aventus, Invictus, Fierce… Ambergris Showers ist nicht wirklich komplex, aber man muss sich schon etwas mit Parfums beschäftigen, um ihn schätzen zu wissen.
Tragen lässt er sich am besten Ü30, unverspielt, nicht zu extrovertiert, dafür individuell: »Schaut her, so kann Parfum auch duften«, am Besten im Sommer, dann aber praktisch den ganzen Tag und zu jedem Anlass. Ich finde, das ist eher ein stimmungs- oder typenabhängiger Duft, als ein Anlass- oder Jahreszeitenabhängiger, daher sicher bestens als Signaturduft geeignet.
Für die ca. 100 EUR, die man derzeit für 75ml dieses EdP abdrückt, erhält man also einen wertigen, individuellen Duft mit der schon vom normalen La Yuqawam gewohnt luxuriösen Präsentation inklusive Magnetkappe in hochwertiger Holzbox.
Kurzum, Ambergris Showers ist ein Parfumerlebnis auf jeder Ebene, wenn auch nicht für jeden, ein erfrischendes, sommerliches Duftgemälde das ich uneingeschränkt empfehlen möchte.


28.07.2019 13:19 Uhr
5 Auszeichnungen
Ein regnerischer unter den letzten Tagen meines Sommerurlaubs gibt mir nun die Gelegenheit, einige Gedanken zu meinem diesjährigen Duftbegleiter Revue passieren zu lassen.

Sun Men, eine zugegeben offensichtliche, vielleicht sogar langweilige Wahl, die so manchen wahrscheinlich sofort mit den Augen rollen lässt, hat mir gute Dienste geleistet.

Weil er nun sehr bekannt ist, und meine Vorredner ihn denke ich schon ausreichend beschrieben haben, will ich hier nur einige Kernpunkte wiedergeben, die den Gewöhnlichen dennoch Besonders machen.

Sun Men würde ich als süß-frischen Aquaten mit cremigem Drydown bezeichnen. Die Aquatik fällt dabei moderat aus, gibt der Sonnenmilch-Frische aber die nötigen, männlichen Ecken und Kanten. Ich kenne keinen anderen Duft, der eine süße Thematik ohne die so gekonnt und luftig in die warme Jahreszeit trägt.
Invictus, First Instinct und jetzt auch Davidoff mit Run Wild schwingen hierzu die Melonenkeule, was ungleich aufdringlicher rüberkommt.

Sun Men ist gerade am Meer zu praktisch allen Gelegenheiten tragbar; Wahrnehmbar, wenn auch nicht lange, unaufdringlich, Gute-Laune-stiftend. Dass er in seiner jetzigen Formulierung nicht lange hält, empfinde im Urlaub eher als Vorteil; So lässt er sich beliebig dosieren, und man kann auch mal was anderes auflegen.

Abseits von Urlaubsgefilden finde ich ihn aber gerade deshalb weniger passend, denn er ist verspielt, sehr casual, augelassen. Schon mit langer Hose komme ich mir mit Sun Men dämlich vor. Einen ganzen Bürotag würde er ohnehin nicht durchhalten.

Sun Men ist für uns Liebhaber süßer, cremiger Düfte; Wir freuen uns auf die kältere Jahreszeit, wenn wir unsere Schätze wieder ausgraben dürfen, im Sommer aber schränkt sich die Auswahl deutlich ein, besonders, wenn man wie ich, weder mit dominant zitrischen Düften, noch mit echten Aquaten etwas anfangen kann.

Sun Men ist für mich und die Suche nach ähnlichen Alternativen Teil meines Fragrance-Games.


24.07.2019 13:13 Uhr
3 Auszeichnungen
Craze

Craze - Armaf

8.5
Über die Duft DNA will ich wich hier gar nicht groß auslassen. Zum Original Pegasus von Parfums de Marley möchte ich später, vielleicht im Herbst noch ein paar Worte verlieren, wenn er mir wieder mehr in der Nase liegt. weil mich dieser schon seit geraumer Zeit nicht mehr loslässt.
Und weil das so ist, habe ich diese süß-markante Duftintention im allgemeinen, bzw. die mandelig-cremige Pegasus-DNA im speziellen etwas genauer unter die Lupe genommen. Zwei Pegasus Abfüllungen und eine Craze Abfüllung später, erlaube ich mir nun, ein Urteil zu fällen.

JETZT KOMM DOCH ENDLICH MAL ZU POTTE!

Aber ja doch. Iss ja gut.

Craze ist, um es vorwegzunehmen, ein gelungener Klon, der meiner Meinung nach gar nicht erst versucht, etwas Eigenes miteinzubringen. Er fängt Pegasus’ süßliche Vanilleaura mit der metallischen Mandelnote insbesondere in der Sillage gut ein. Abstriche muss man lediglich in der Kopfnote hinnehmen, und wenn man direkt an der Einschussstelle schnuppert. Hier erscheint Pegasus deutlich wertiger und harmonischer. Auch die anfängliche Alkoholnote, die vielen Klonen gemein ist, gibt es beim Original natürlich nicht. Craze punktet aber mit einem ähnlich präsenten Duftschweif und mit, zumindest auf meiner Haut, höherer Haltbarkeit. Und wie gesagt, auf Armlänge sind die beiden kaum zu unterscheiden.

JETZT IS GUT. KOMM, MACH SCHLUSS!

Ja, was soll ich sagen, die künstlerische Würdigung, und eine genauere Betrachtung des Duftes, soll an anderer Stelle erfolgen, bei Pegasus nämlich. Ehre wem Ehre gebührt.

Wer das silberne Pferd aber genauso schätzt wie ich, greift bei dem Preis bedenken- und morallos zu.

Craze ist nämlich ein Tolla Pegasus.


22.07.2019 13:24 Uhr
4 Auszeichnungen
Seven Intense, das ist ebenfalls einer, dem gerne Unrecht getan wird. Klar, er hat ja auch das Drogerieetikett UND die Merchandise Brandmarke. Der muss ja ungut sein.
Komplex oder fordernd ist er auch nicht; Startet allerwelts-süß-fruchtig, so ein bisschen in Boss-Gewässer; Gefällig, aber nicht aufregend. Apfelig oder orangig? Irgendwo dazwischen und ja, synthetisch. Aber dann kommt etwas, das ich anderswo bis dato gerne finden würde; Da ist so eine (ja, ok, ebenfalls wieder synthetische) Ledernote. Die wirkt irgendwie verschwitzt, intim, menschlich, körperähnlich, tropisch-feucht, vielleicht sogar etwas animalisch. Nicht trocken, wie in TL, oder rauchig, wie in Kolmaz’ Arabi Cana, nicht so erhaben, wie in Dior's Homme Parfum, und auch nicht so blumig, wie in Amouage’s Imitation Man. Am ehesten noch fruchtig-grün, wie in Daniel Josier’s Green Leather. Da fehlt aber wieder dieses Verruchte. Genau kann ich’s gar nicht beschreiben. Wenn ihr das lest, denkt ihr wahrscheinlich
Was interpretiert der denn da in diesen Rossman hinein und
Wie kann ihm sowas gefallen?
Keine Ahnung. Ich weis auch nicht, ob das jemand anders genauso wahrnimmt. Für mich macht diese Ledernote aber die Seele von Seven Intense aus, gibt ihm eine Geschichte, und spannt ganz nebenbei den Bogen zum frauenbetörenden Doppelnull-Agenten. Deshalb finde ich es schade, dass der Duft keine Ausdauer hat. Für eine Stunde ist er deutlich wahrnehmbar, die erste Hälfte davon wie gesagt eher fruchtig, dann ledrig-holzig, dann aber schnell nicht mal mehr hautnah.
Wer also hier einen wirklichen Duftzwilling kennt, hat 'ne Tüte Senf bei mir gut.


21.07.2019 22:59 Uhr
9 Auszeichnungen
Nennen wir Ambré jetzt Schorsch.
Lasst doch mal den armen Schorsch in Ruhe! Aber hallo! Was der sich alles anhören muss. Zu süß ist er, karamellartig, boss-bottelig. Nix für Junge, nix für Alte, nix für Whisky-Liebhaber, nix für Lederwale. Schorsch ist lau, muffig und unbesonders. Schorsch ist es wurscht, ob er passend und/oder interessant riecht. Schorsch ist billig. Schorsch ist synthetisch. Schickt ihn und seine Träger in Rente! Bah!
Für wen ist Schorsch denn dann? Für mich! Ich hab den im Kroatien-Urlaub unvorbelastet zufallsgetestet, und nachdem ich ihn dieses Jahr nochmal anschnuppern durfte auch einfach mal bestellt. Und was soll ich euch sagen? Mir gefællt er wirklich. Bisserl Trinkobst mit billigem Whisky ist da schon. Ja, ok, auch die Boss-Verwandschaft ist nicht rauszuleugnen. Aber da ist auch eine Pudrigkeit, die sich über den gesamten Duftverlauf zieht, die ihm so einen freundlichen, undistanzierten Charakter verleiht und gleichzeitig eine Würzigkeit (Rosmarin? Thymian? Nein: Leder+Veilchen), die ihn für mich irgendwie mediterranisiert.
Schorsch ist sympathisch, heimelig, für mich auch irgendwie mit Fernweh assoziiert. Schorsch geht deswegen das ganze Jahr über, riecht nicht wie Opa’s Zuckerwürfel mit Klosterfrau-Melissengeist (Bentley Intense), oder so säuerlich wie der stændig besoffene Nachbar (Burberry London).
Schorsch ist trotzdem boozy, und für mich dabei die erste Wahl, auch weit vor CH Men Prive. Süss, aber das ist - für mich - gut so. Und Schorsch hält durch, obwohl ihn keiner mag. Nur wir zwei, wir sind und bleiben, denke ich auch, Freunde.
Übrigens, Schorsch wollte keinem von euch auf den Schlips treten.
Wer seinen Kommi hier in den Anfangszeilen wiederfindet, der fühle sich beachtet zitiert und gebe Schorsch beim nächsten Mal noch mit lachendem Auge eine Chance.


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