3lbows3lbows’ Parfumkommentare

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28.05.2019 21:37 Uhr
3 Auszeichnungen
Nicht wirklich parfumig. Eher so ein Sachen-Duft. So riechen Dinge, hier: nasses, aber dennoch luftiges, frisch gesägtes Holz. Aber was fehlt ist ein Gegenspieler, ein Kontrast, etwas, das Interessanz verleiht. Der Schritt von Hubba Bubba zu Le Male. Von Bref zu Aventus. Von Cliff zu Cool Water. Von Holz zu Oud Wood.
Zugegeben, Ocean Wet Wood ist natürlich abgebildet. Das muss man in dieser Preisklasse auch erst mal so hinkriegen. Bei der Performance macht sich der Preis aber dann doch bemerkbar: Nach 2h ist der ohnehin sillageschwache Duft bei mir schon hautnah, hält sich dann aber zumindest auf Kleidung noch eine Weile. Ob nun ozonisch oder aquatisch, das erschließt sich mir nicht. Aber schon irgendwie frisch ist er, kühl und deshalb auch etwas unbehaglich. Assoziationen sind ja bei Düften immer wichtig. Und genau das ist hier das Problem. Die gibt es hier nicht. Zumindest bei mir nicht. Hätte mir mal jemand eine Holzplanke um die Ohren gehauen, dann könnte ich diesen Duft emotional besetzen.
Ein gutes Parfum erreicht das aber auch ohne diese Verknüpfung. Hatte neulich, beim zufälligen Testen von Eav des Bavx von LÓccitane genau das: Ich sprühe auf, und der Duft zaubert mir ein Lächeln um die Lippen. Den fand ich interessant.
Interessant, das heißt unique, wie Jeremias sagen würde. Aber das ist nur die Oberfläche. Interessant heißt provozierend. So noch nicht gerochen. Wie kam der Parfumeur nur auf diese Idee? Echt jetzt?
Interessant heißt Neugierde weckend. Ich will wissen, wie der Duft weiter verläuft, wie er zu mir passt, wo ich ihn tragen könnte. Wie er anderen an mir gefallen könnte.
Interessant heißt relevant, eine Duftintention ausbauend, neu interpretierend, vielleicht sogar eine neue DNA, oder einen neuen Trend begründend.
Und am wichtigsten: Interessant heißt Gefühle evozierend. Behaglichkeit, Souveränität, Sexyness, Alphamännlichkeit, Zufriedenheit, Sicherheit - jedem das Seine. Wenn man sich im Duft aufgehoben fühlt, sich damit identifizieren kann, ihn als Ergänzung - oder als Spiegelung seiner selbst empfinden kann, wenn man ihn für sich ganz alleine, abends auf der Couch auftragen und genießen kann, oder von mir aus im Gym und "ich bin der Größte" dabei schreit, dann ist das einen Asbach Uralt wert. Bevor ich nun in philosophischem Gedöns abhebe - Ihr wisst was ich meine.
Das alles gelingt mir mit Holz, und ich meine nur mit Holz, mit uninteressantem Holz alleine nicht.
Bitte nicht als Bashing verstehen. Ich mag die He Wood Reihe. Ich liebe Silver Wind Wood (dazu an anderer Stelle mehr). Aber hier habe ich versucht darzulegen, was mir an Ocean Wet Wood, abgesehen von einem Flakon, an dem ich mir nicht die Hände aufschneide, fehlt. Obwohl, interessant aussehen tut er ja...


17.04.2019 21:11 Uhr
6 Auszeichnungen
Jetzt muss ich meinem Statement doch noch einen Kommentar anhängen, um diesem Monster hier gerecht zu werden.
Ich möchte mich nicht mit einer Ziselierung seiner Pyramide aufhalten, oder seine Duftentwicklung analysieren. Das haben andere bereits bewandelt geleistet - unbekannt ist dieser Duft ja nicht, natürlich auch wegen dessen Brüderlein, DHI.
Aber das Parfum ist so viel mehr, für mich noch einmal eine ganz andere Liga.
Darum hier nur einige Assoziationen nach meinem ersten Testen beim orange-weissen M.
Kirche, wie im Statement erwähnt. Ein Schränkchen, vielleicht das (der?) Tabernakel. Alt. Aus schwerem Holz, dunklem Holz. Öffnet sich, und gibt einen warmen (sic!), umhüllenden Hauch von, ja was wohl, Holz von sich. Von wertigem Holz, trocken, nicht staubig, harzig, ja irgendwie fast honigartig, aber von der herb-süßen Sorte, Tannenhonig, ja Tannenhonig. Gleichzeitig ist da aber eine ledrig blumige Note. Frauenhandtasche, nein Damenhandtasche, die reiche edle Tante, ihr wisst schon. Sündteuer, das Ding (nicht die Tante). Sie hat sie schon ewig, und ihr Parfum (Rosen), Lippenstift, Geldscheine (viele?) und andere Utensilien geben ihr (nicht der Tante) den Duftcharakter.
Ein erhabener, edler Businessbegleiter für kalte Tage. Ernst ist er, getragen, souverän.
Dieser Duft schält sich aus der Dunkelheit. Man könnte sagen, die Dunkelheit gebar ihn förmlich.
Und wer mit dem Zitat aus dem Titel etwas anfangen kann, weiß, wer ihn tragen könnte.


11.04.2019 21:42 Uhr
5 Auszeichnungen
Für den Parfümneuling, für mich als Parfümneuling, angefixt durch ein Zusatzpröbchen bei einer Soukbestellung eine Offenbarung. Ich weis gar nicht mehr, wer mir das beigelegt hat, aber - danke!
Wer bis dato nur die Designer kannte, dem öffnen sich hier völlig neue Muster. Rauch, in einem Parfüm abgebildet, dazu Leder und Himbeere? Vieeeel Himbeere? - Nehme ich zumindest, besonders im späteren Drydown, am prominentesten wahr. Was dem belesenem Parfumo mit etwas Nasenerfahrung nicht nur durch TL als durchaus gangbare Mischung bekannt ist, hätte mir vor meiner Duftleidenschaft wohl nur ein Kopfschütteln entrungen.
Ist das jetzt Nische? Wie geil ist das denn?
Dank Greenie07 konnte, nein, musste ich mich dann umgehend mit einem Restflakon bestücken. Dieser kam in einer edlen, hölzernen Schatulle - auch abseits vom Duft eine Premiumerfahrung. Der Sprühkopf verteilt fein, präzise aber geizig, und das ist gut so. 2 Sprühstöße auf den Nacken lackieren einen für die nächsten 24 Stunden in eine herbst-braune, trocken-ledrige, leicht krautige, nur im Auftakt wirklich rauchige Süße, die mächtig, aber nicht aufdringlich projiziert. Alles über 3 Sprühstöße verstößt gegen das Genfer Abkommen. Und wehe, es erwischt die Kleidung. Das ist vielleicht auch mein einziges Problem mit diesem Duft: Du entscheidest heute schon, was du morgen trägst.
Ansonsten ist LY für mich eine überzeugende Dufterfahrung. Ich nehme hier eine erwachsene Süße wahr, weit abseits vom Goldbarren, der Handgranate und Armani's Schlüsselmeister. Diese gefallen mir, ja ich geb’s zu, auch, aber das hier ist authentischer, herber, natürlicher, wertiger. So wie Qui-Gon Jinn, als er ruhig am Boden sitzend auf den nervös hin-und-her rennenden Darth Maul (1 Million) wartet, bis sich die Kraftfelder wieder auflösen.
So eine Himbeere habe ich auch in Montblancs Individuel, oder in Green Leather von Daniel Josier, dort aber fruchtiger, saftiger, auch etwas synthetischer und damit weitaus weniger souverän umgesetzt.
Diese leicht vernebelte, bisweilen grüne, aber stets dezent süße Himbeere macht für mich den Charakter dieses Duftes aus. Wenn nicht überdosiert, ist er für mich fast ganzjährig tragbar, ausser bei 30 Grad aufwärts, denn frische Aspekte hat er nicht.
Arabi Cana von Kolmaz schlägt auch in diese Richtung. Rauchiger, weniger beerig, krautiger, ebenfalls unique, aber das typisch arabische Wabern im Hintergrund. Wertig ist der auch, und mit 25 EUR für 100ml ein toller Alltagsersatz, mit immer noch sehr guter Performance.


30.03.2019 21:21 Uhr
Ja, das ist ein ganz besonderer, seltener. Nachdem ich über die Kommies auf Fragrantica hier auf etwas gehofft hatte, das in Richtung Dior Homme geht, musste ich den gleich mal souken. Gerade mal eine halbe Abfüllung war zu erstehen, wenn auch zum Spottpreis. Danke an dieser Stelle an Townsend, obwohl Du mir nicht mehr sagen konntest, welcher Batch das war. Warum das wichtig ist, darauf komm ich später noch einmal.
Wie riecht er denn nun? DH ist hier erst mal gar nichts. Aber. Dunhill Dunhill ist ein richtiger Gentleman, durch und durch. Geschmeidig, anschmiegsam, wohlwollend startet er gleich nach dem Aufsprühen blumig-süß, unterlegt mit etwas Holz. SebastianO bringt's mit der Samstagnachmittag-Badewanne trefflich auf den Punkt. DhDh erzeugt so eine feuchte, leicht dampfige Aura, im positiven Sinne. So fühlt man sich, wenn man frisch aus einem Spa oder einer Sauna kommt, in der mit hochwertigen Essenzen gearbeitet wird. Obwohl blumig-süß, hat der Duft für mich daher eine Frische, die ihn ganzjahrestauglich macht, wenngleich vielleicht nicht für aquatische 30 Grad plus.
Was ihn für mich besonders attraktiv macht, ist seine Abstimmung. Ihr kennt das vielleicht auch, wenn die einzelnen Komponenten eines Duftes so ineinander verwoben sind, dass man sie nur schwer getrennt wahrnehmen oder herausanalysieren kann. DhDh ist aus einem Guss, wie ein Violinenkonzert oder Horizon Zero Dawn. Handwerklich jedenfalls toll gemacht.
Seine Intention geht damit schon in Richtung Dior Homme. Er spielt in derselben Mannschaft, aber auf einer gänzlich anderen Position. Entebaa von Rasasi ist da schon vergleichbarer (auch blumig, auch süß, auch aus einem Guss, aber femininer), und auch Reflection Man (auch blumig, auch süß, Drydown aber deutlich differenzierter und: nix Badewanne). Aber bevor ihr mir nun die beiden um die Ohren haut, weil die ja gänzlich anders riechen: Das sind definitiv keine Duftzwillinge, aber sehr ähnliche Charaktere, legere, unlaute Schmeichler ohne Kanten aber mit Wiedererkennungswert. Noch einmal: Dunhill Dunhill hat für mich keinen Duftzwilling.
Schade, dass der eingestellt ist. Oder doch nicht? Im Netz kursieren zwei Varianten: Ein zylindrischer Flakon mit gelblichem Inhalt, und der Flakon aus der Parfumo Datenbank (siehe oben). Weil auf Fragrantica trefflich über die Performance gestritten wird, bin ich etwas verunsichert. Da meine Abfüllung aber gut anhält und ordentlich projiziert, gehe ich davon aus, dass ich den besseren (älteren?) Batch habe. Aber welcher der beiden ist das? Hinweise nimmt gerne jede Polizeidienststelle entgegen.


29.03.2019 15:58 Uhr
20 Auszeichnungen
Mindestens genauso interessant wie der Duft selbst ist das Meta-Fragrancegame, dass sich um ihn und ähnliche Prominente, wie Aventus entspinnt.
Solche wie er polarisieren, aber nicht wegen des Duftes, sondern weil für oder gegen ihn zu sein alleine schon ein parfumpolitisches Statement ist. Ist man (zu) Mainstream, wenn man Sauvage mag? Nimmt man denn die Synthetik nicht wahr, und was für ein Blender er doch eigentlich ist? Tragen den nicht momentan alle? Was denken die anderen Parfumos von mir, wenn ich den kommentiere? Tu ich das, um Auszeichnungen zu erhaschen? Soll ich jeztzt auch noch was schreiben, obwohl hier schon alles gesagt wurde?
Spielt das eine Rolle?
Manchmal wünschte ich mir, ich könnte Düfte noch einmal so erleben, wie ich sie vor meiner Parfümleidenschaft, vor parfumo.de sah.
Rückblick in den November 2016. Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer, Duty-Free-Shop an Bord der Costa Mediterranea. Bis dato ein Über-10-EUR-Parfüm im Leben gekauft. Montblanc Legend, weil´s wie Fierce ist. Dann, weil man ja zwischen den Landaufenthalten Zeit hat: Probeschnuppern. Ein paar Police-Totenschädel später: Sauvage. Ganz neu, und für mich: ganz anders. Eine Wolke angesüßten Pfeffers. Scharf, intensiv, duschgelig kam er daher, aber irgendwie hochwertiger also Otto Kern, Christina Aguillera und Bac. Vor allem aber haltbarer. Sehr viel haltbarer.
Aber was soll´s. Über 10 EUR für ein Parfüm? Mit mir nicht.
Sauvage hat mich dann aber doch den ganzen Tag begleitet. Und noch am nächsten Morgen. Nach dem Duschen. Bis dahin ein Phänomen, das am Anfang so mancher Duftsucht steht und den Parfumo vom Normalverbraucher trennt: Die Nase wandert immer wieder ans Handgelenk, obwohl der Duft sich in drei Minuten nicht verändert haben kann. Obwohl wir doch wissen, dass das Schnüffeln an der Einschussstelle mit der eigentlichen Wirkung des Duftes nichts zu tun hat, ja die Duftwahrnehmung verfälscht. Aber wenn es doch so gut riiiiecht. Hmmmm. Ihr kennt das, denke ich.
Das Dumme war, dass der Duty-Free-Shop mich ja eine Woche sozusagen begleitete, so dass ich an Tag zwei da noch einmal hin musste, und das Ding mitnahm. Damals nach meinem Dafürhalten Ar…teuer, aus heutiger Sicht mit 60 EUR für 100ml ein Schnäppchen, zumal auch der schwere Flakon mit Magnetverschluss was hermacht, und dann erst der voluminöse, feinstreuende Zerstäuber – gibt´s in der Bac-Liga so nicht.
Worauf will ich nun raus? Wer Sauvage riecht, ohne die ganze Diskussion um ihn zu kennen, ohne ihn schon im Vorhinein mit zig anderen zu vergleichen, ohne abzuwägen, wem er denn nun ähnlich ist, welchen Trend er bedient, welche Zielgruppe und wie böse doch die ganze Industrie ist (Reformulierungen, Flanker, Cash-Cow) – kurz: ohne voreingenommen zu sein, der kann meiner Meiner Meinung nach nur zu dem Schluss kommen: Schön!
Sauvage ist synthethisch, ja, das darf aber per se noch kein Abwertungsgrund sein. Die pfeffrige Würze muss man aber, das gebe ich zu, mögen. Besonders in der Kopfnote kommt er schon etwas kratzig rüber, aber das unterstreicht für mich nur die Frische, und somit ist er auch bei hohen Temperaturen ohne jegliche Zitronenallüren sehr gut tragbar.
Parfüms sind sehr, sehr geschmacksabhängig und werden auch sehr subjektiv wahrgenommen. Das ist gut so, und macht unser Hobby doch so spannend. Sicher gibt es Qualitätsunterschiede, und unterschiedlich anspruchsvolle Düfte. In manche muss man sich erst hineinleben. Entscheidend sollte aber das Bauchgefühl sein, dass ein Duft evozieren kann, nicht eine verkopfte Analyse der Duftpyramide, der Verkaufsstatistik oder des Lebenslaufes der Parfumeure. Nein, einfach nur die ganz persönliche Assoziation. Ich mag ihn, oder ich mag ihn nicht. Schade, dass dies Sauvage, wie vielen anderen auch (Montblanc´s Legend, One Million) nicht mehr vergönnt ist.


26.03.2019 20:54 Uhr
5 Auszeichnungen
...denn richtig klassisch grün ist der nicht. Aber der Reihe nach. Durch ein Beigabepröbchen angefixt musste hier unbedingt eine Abfüllung her. Danke an dieser Stelle an Duftboy1966 für die supernette Abwicklung.
Der kleine Tropfen in der Probenepruvette roch erst mal nur nach Gummibären mit Himbeergeschmack, was etwa der Herznote des eigentlichen Parfums, bzw. meiner Abfüllung entspricht. Aber dann ist da noch was anderes, kratziges, grünes. Schwer zu beschreiben, aber wer schon einmal in eine reife Banane samt Schale gebissen hat, der weis, was ich meine. In der Kopfnote, frisch auf der Haut, hat Green Leather dann etwas Pfeffriges, das die Fruchtsüsse zusammen mit einer zitrusfruchtigen Note aufffrischt und den Duft vor Drogeriebanalität schützt. Diese Kratzigkeit ist gut in das Gesamtkonzept eingebettet, vielleicht etwas zu gut. Mir könnte dieser Charakterzug des Duftes ruhig noch etwas aggressiver rüberkommen. Im Drydown wandelt sich dieser anfangs alkoholisch-pfeffrige Aspekt des Duftes in etwas Ledriges, bleibt aber weiter in diese Gummibärensüße eingebettet, die den gesamten Duftverlauf dominiert. Ist schon ein Spezieller, dieser Josier, ein freundlicher, unkomplizierter Kandidat mit Wiedererkennungswert. Etwas einfältig und bestimmt nichts für Parfümaristokraten, aber handwerklich toll gemacht, auch was Ausdauer und Projektion betrifft. Man ist deutlich wahrnehmbar und bekommt auch immer wieder selbst mal einen „Whiff“ ab ohne dabei wirklich zu nerven, da nicht so effekthascherisch wie die üblichen Verdächtigen (Paco, Viktor, Wolfgang und wie sie alle heissen). Wie gesagt, gekonnt abgestimmt, aber halt wunderlich süß. Weil ich hier die gern genommene Holzigkeit, oder eine andere als typisch männlich assoziierte Basis nicht wahrnehme, ist mir die Zielgruppe nicht ganz klar. Officetauglich ist er zwar schon, aber es fehlt ihm diese Business-Seriosität, da zu verspielt. Ich würde ihn daher eher im Freizeitsegment verorten, vielleicht sogar ein Duft nur für einen selbst, für Spielkinder, die auf Qualität stehen, für Träumer, Parfumos, die, wenn von der Umwelt wahrgenommen, ein Statement setzen wollen: „Ja, ich stehe auf Parfüms, auch auf süße, und das ist gut so. Schaut her, wie interessant auch solche sein können.“


17.03.2019 22:14 Uhr
1 Auszeichnungen
Auf der Suche nach Fierce, die 38. Warum Fierce? Weil das ja bekanntlich reformuliert wurde und nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Echt jetzt. Kein Früher-hatte-Parfüm-XY-noch-Eier-und-Eichenmoos-Gejammer. So Rossmann-Sillage, wir verstehen uns.
Und warum Percival? Der wurde mir hier netterweise noch als Testkandidat empfohlen, wenn ich in diese Richtung will. Und da hab ich nun wirklich schon eine Menge Modelle durch; Von Police to be - the Illusionist über Tous man intense, Platinum Egoiste bis zum unvermeidlichen Montblanc Legend.
So richtig diffenziert beschreiben kann ich diese DNA eigentlich gar nicht. Synthetisch-fruchtig-frisch vielleicht? Das trifft zumindest auf Percival zu; in der Kopfnote kommt er überraschend konservativ-duschgelig rüber. Dann kommt aber schnell diese spitzige, orangige Frische rüber, aber nicht wie in Düften wie Terre d’Hermes, wo man auf ein natürliches Abbild, oder zumindest auf eine der Frucht nahe Interpretation Wert legt, sondern eher eine künstliche Übertreibung, eine Reduktion auf das Wesentliche, das „Parfümige“, Intensive, das man streng genommen eigentlich gar nicht mehr fruchtig nennen kann. Aber genau diese Ent-Natürlichung macht denke ich den Sex-Appeal dieses Duftes aus. Terre d’Hermes beispielsweise ist gut - aber nicht aphrodisierend. Eine gänzlich andere Duft-Intention. Percival, wie auch Platinum Egoiste, ist innerhalb dieser Synthetikphase ohnehin noch einer der natürlicheren Vertreter dieser Duftrichtung, was wohl an der dem Preis geschuldeten Qualität der Zutaten liegt. Aber wie gesagt, die authentische Abbildung einer Frucht ist hier gar nicht das Ziel, sondern vielmehr dem schwachen Geschlecht aufzufallen, look at me, I’m fresh!, und dabei Fruchtigkeit höchstens andeuten. Pantydroppen halt - wie ich diesen Ausdruck hasse!
denn ich mag Percival, macht er doch all das oben Genannte handwerklich sehr solide, konservativ, für die Intention dieser Duft-DNA vielleicht zu wenig aneckend und provokant, dafür aber mit durchaus wahrnehmbarer Projektion und Haltbarkeit.
Wenn ich aber so viel Geld für einen Duft ausgebe, dann erwarte ich aber doch irgendwo etwas Besonderes, Überraschendes, eine Macke, Wiedererkennungswert, irgendwas! Aber Percival ist halt nur der 5er BMW, der A6, der nichts falsch macht, und genau das ist sein Problem
Also weiter geht die Suche...


13.03.2019 20:40 Uhr
1 Auszeichnungen
Letzten Sommer in Kroatien bei Bipa für 15 EUR blindgekauft. Mensch, der Flakon! Und der Name! Sicher ein "Terre d'Hermès (Eau de Toilette)"
-Klon. Zurück am Strand dann gleich auf‘s Handgelenk, und anstatt von auf Asphalt gebratenen Orangen von Kandierten Pflaumen erschlagen. Nicht ganz, oder besser absolut nicht, was ich erwartet hatte, aber hmm ... nicht schlecht. Die Einschussstelle abgeschnüffelt, da in der Form und vor allem in der Drogerieklasse noch nie gerochen. Wenn man Fragrantica glauben darf, dann geht der in Richtung "Hermessence Ambre Narguilé" . Die Pyramide würd‘ passen. Und den muss ich dann später auch noch haben, denn: Haltbarkeit & Sillage spielen in einer Liga mit der österreichischen Nationalmannschaft; Praktisch nicht vorhanden. Drogerieduft eben. Verlauf gibt‘s an sich auch keinen. Zucker und likörige Pflaume, in Zimt gewendet. Diese drei nehme ich schön herausgearbeitet wahr. Wieder eher drogerieuntypisch. Nach einer halben Stunde ist aber von dieser anfangs durchaus intensiven Combo kaum noch was wahrzunehmen, daher wohl eher für einen (kurzen) Abend auf der Couch mit der Liebsten geeignet, als für irgendetwas anderes. Schade.


05.02.2019 14:30 Uhr
5 Auszeichnungen
Zur Einstimmung empfehle ich, zwei Minuten in Bavarian Pulp Fiction auf dem allseitsbekannten Videoportal zu investieren.

„Jetz vergiss moi die, wia sogt ma, Duftpyramide oder so. Wie riachts denn jetzt?“
„Woas a ned. So nach Gewürze eigntlich ned. Oda am Anfang scho, und dann nimmer.“
„Wos soll des hoassn, am Anfang scho?“
„Na ja, so kratzad pfeffrig, wia Tschillie, und a a bisserl wie Grapefruht.“
„Und dann nimma, oda wos?“
„Ja des is‘ ja. Zerscht schpritzig, aba ganz kurz, und dann, wia soi i sagn, siaß, wia Zimt, und Tabak, ja, Tabak. Zimt und Tabak riach i, und des bis zum Schluss.“
„Echt jetzt, klingt ja langweilig. Des is doch koa Gewürzbombn.“
„Des ned, riacht aba trotzdem guad. Sollt halt blos anders hoassn. Christkindlmarktmischung vielleicht. Oder Tonkabohnen-Halbe.“
„Tonkabohne? Wo hostn des her, des hob i ja no nia ghört. Ausserdem stäht des ned in da, wia sogt ma glei nomoi, Duftpyramide.“
„Ja, wer ko der ko. I bin doch jetzt auf Parfumo, do woas ma sowas! Die, wenngleich nur subjektiv wahrgenommene Tonkabohne verleiht der Basisnote eine cremige Süße, die an Bourbon-Vanille reminisziert.“
„Aha.“
„Dan findst Spaisbomb guad?“
„Ja, aba hoitn duads ned lang.“
„Ned? Aber da Sepp sogt, des is a absolutes Powerhouse mit Monstersillage und so?“
„Ja, aber der hods vor 2012 kaft. Do hods no mehra herkoitn, und die Kopfnote mutete wesentlich differenzierter, lebendiger und frischer an, mit authentisch herausgearbeiteter, fast überspitzter Chili-Note.“
„Ach? Aber soi i ma des jetzt kaufa? Gscheider bin i jetzt nämlich a ned.“
„Ja des muast selber wissn. Des is ja grod des scheene bei de Parfüms. Aber wahrscheinlich bist eh scho a bisserl z‘oid dafür.“
„Z‘oid? Jetz pass auf, dass i da ned glei oine lang!“
„Na ja, ned bäs gmoant. Abs wenn ma se länger mit Parfüms beschäftigt, so wia i, dann mächt ma hoid a bisserl wos komplexeres, tieferes, etwas, das sich nicht sofort erschließt, etwas, das entdeckt, gebändigt und langsam erfahren werden will. Host mi?“
„Na.“
„Sigst as. Und des is Spicebomb hoid ned. A guat gmachta Crowd-Plieser, aber ohne Dampf.“
„Na guad. Probier‘ ma hoid an nächsten: Tobako Vanill. Liest se wia a Eikrem vom Schöller...“


20.01.2019 16:05 Uhr
3 Auszeichnungen
Für dieses Modell braucht‘s ein paar mehr Worte, darum nun doch ein Kommentar. Shuhrah wirkt auf mich, als ob gleich drei breitbeinige Orientalen mir in einer engen Gasse den Weg versperren, und das gleich in der Kopfnote. Da ist der Süße, Zahme, der die Drei vereint, und bis zum Schluss bleibt. Er spielt auch im Enteeba aus demselben Haus seine versöhnliche, angenehme Rolle. Ihn brauchen die anderen beiden auch unbedingt: der Seifige, der fast solange durchhält, wie der Süße, und der Shuhrah für mich den orientalischen Aspekt eines Saubermanns verleiht, und der Rauchige. Intensiv, wie ein Aschenbecher, aber ihm eilt es. Er ist schnell weg, müffelt höchstens am nächsten Tag noch etwas an der Kleidung rum. Zusammen sind die Drei die Ausgeburt orientalischer Opulenz, leistungstechnisch top, ein wahres Ausrufezeichen. Ob sie zusammenpassen, muss jeder für sich entscheiden. Erlebt haben sollte man sie aber allemal.


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