3lbows3lbows’ Parfumkommentare

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20.10.2019 17:20 Uhr
13 Auszeichnungen
Bei Düften, die in Kommentaren und Foren derart frequent debattiert werden, sollte man vorsichtig sein. Habe ich hier gelernt. Und wenn Jeremy den dann noch absegnet, dann läuten die Alarmglocken.
Was Reflecton Man von Amouage aber von den anderen Boulevarddüften (Sauvage, Aventus...) abgrenzt ist, dass er weitaus weniger kontrovers diskutiert wird. Hier kann man sich offenbar darauf einigen, dass der dann doch irgendwie gut sein muss. Und das hat mich dann auch irgendwie neugierig gemacht.
Gut gibt’s nicht, nur für mich passend oder nicht - das hab ich auch hier gelernt - und Reflection, oder besser gesagt, seine DNA, tut’s für mich 100%.
Also her mit der Abfüllung und rauf auf den Uhrenhalter. Und, voila! Vom Hocker haute er mich gleich mal nicht. Statt dessen umgibt mich zunächst eine anschmiegsame Süße, ohne Ecken und Kanten. Sie erinnert mich an nichts, kein Apfelstrudel, kein Birnenkompott, keine Blutmandarine. Nichts essbares, einfach eine cremige, helle Süße. Dazu gesellt sich alsbald etwas Blumiges, das sich aber im Hintergrund hält, und dem Duft keinesfalls seinen Stempel aufdrückt. Etwas später im Drydown nehme ich dann auch Hölzer wahr, zart angedeutet, nichts Ruppiges, Schneidendes, wie bei so vielen Vetyverdüften. Gerade genug, dass Reflection sich “Men” nennen darf. Das dunkelt den Duft auch etwas ab, dennoch tendiert er ins Frische - ohne Zitrik, ohne Aquatik, ohne Vetyver. Und genau deshalb mag ich ihn.
Reflection empfinde ich nicht als komplex, obwohl das Blumige schön definiert auf dem leicht synthetisch wirkenden Hintergrund abgebildet wird. Aber gerade das macht denke ich die Qualität von Reflection aus. Das, und diese makellose Abmischung - in der Autosprache würde man sagen: Ohne Spaltmaß. Aus einem Guss.
Ein dritter Punkt wäre, dass er wirklich ungemein tragbar ist: Reflection kann verspielt sein, seriös, anschmiegsam, sportlich. Er geht im Büro, beim Ausgehen, zu Anzug und Hoodie, zu T-Shirt oder Lederhose. Ok, zu Lederhose nicht, aber sonst eine gute Wahl für fast alles.
Den Preis empfinde ich ebenfalls nicht als Problem, bekommt man ihn doch in der gewohnt hochwertigen Amouage Präsentation (schwerer Effektglasflakon mit Magnetverschluss, Holzbox) online für um die 150 EUR für 100ml.
Natürlich muss auch irgendwo ein Haken sein, und das ist bei der aktuellen Reformulierung die Performance. Durchschnittlich haltbar, die Sillage (bei mir) aber schon nach 1-2h hautnah. Keinesfalls ein Raumfüller, so dass es Komplimente nur auf Tuchfühlung gibt. Nicht, dass es darauf ankommen würde, aber das rückt die 150 EUR wieder in ein anderes Licht.
Also bleibt wohl nichts, als ein Blick auf die Alternativen:

- Hartley von Mazzolari: Am nähesten dran, bringt einen Hauch Zitrik (oder besser: Zitronenkuchen) mit rein, wirkt dadurch “heller”, frischer, aber auch unisex. Die Performance ist hier aber um Welten besser.

- Le Male von JPG: Ja, die DNA geht in diese Richtung, stimmt schon. Aber Le Male ist gröber, die Süße dunkler, pappiger, und das Blumige wird mit - für mich - etwas Grasähnlichem ersetzt. Nicht sooo schlecht, aber eher für Jüngere, und in der aktuellen Reformulierung hält der auch nicht mehr.

- PdM Pegasus: Eine interessante und einzigartige Spielart dieser DNA: Die Süße kommt hier mit Mandeleinschlag, Blumigkeit gibt’s hier keine, dafür sind in der Basis die Hölzer dominanter, und es gibt über den gesamten Duftverlauf eine schwer greifbare Metallnote. Pegasus ist kantiger, kratziger, dominanter, performt auch stärker, entfernt sich aber auch schon etwas weiter von Reflection

- Versace’s Dreamer: Greift das Thema Blumigkeit wieder auf, nimmt etwas Süße raus und gibt eine synthetische Tabaknote dazu. Er wirkt auf mich “nasser”, ernster, weniger frisch, ist aber zum Spottpreis zu haben. Das macht sich allerdings auch in seiner Performance bemerkbar.

- Lancome Hypnose Homme: Auf den ersten Blick ganz anders, geht der aber auch deutlich in diese Richtung: Hier spielt allerdings eine synthetische Lavendelnote die erste Geige. Die Duftintention und insbesondere der Aufbau der Süße sind aber durchaus vergleichbar.

Es gibt hier mit Sicherheit noch mehr Kandidaten, am nächsten kommt dem jedoch Hartley und - und das traue ich mir hier kaum sagen - der Dupe vom eklatanten deutschen Duftkopierer; Die bekommen zwar die Blumigkeit nicht so differenziert hin, so dass der Duft plumper wirkt, die cremig-helle, angenehme und nicht klebrige Süße ist jedoch da, ebenso die Performance.

Allen Liebhabern von weichen, leichten, cremigen und nicht zu süßen Düften würde ich diese DNA im allgemeinen, und Reflection Man im Besonderen bedenkenlos ans Herz legen. Allen, die wie ich auch in den wärmeren Jahreszeiten gerne einen süßen Duft tragen, allen, die genug von Sun Men haben, allen, die einfach sympathisch wirken wollen (und es hoffentlich auch sind;)). Aber bitte Amouage: Schraubt die Performance wieder hoch! Ihr braucht dazu bestimmt auch kein Eichenmoos.


14.08.2019 15:23 Uhr
5 Auszeichnungen
Das hier ist auch wieder so ein typischer Fall von »das Statement-Kasterl reicht nicht«.

Der ist nämlich wirklich etwas Besonderes.

Ich bin ja, wegen meiner Nicht-Hingezogenheit zu den klassischen zitrischen und aquatischen Erfrischern immer noch auf der Suche nach dem passenden Sommerduft.
Winter und Herbst – ja, hier gibt es viele, da mir v.a. süße, balsamische, cremige Düfte zusagen. Aber im Sommer sieht´s für mich bis dato ebbe aus. Viel probiert, wenig erreicht. Und kommt dann doch mal ein gefälliger, dann colognets sich schon nach 1 Stunde aus. Zuletzt geschehen mit "Gentleman Givenchy Cologne@Givenchy". Isser da, isser wech.
Das kann man von Ambergris Showers nun wahrlich nicht behaupten. Aber nun der Reihe nach.
Auf den Duft und die passende Abfüllung kam ich durch Rasasi´s Tuscan Leather Klon La Yuqawam. Den fand ich qualitativ so umwerfend, dass ich noch eine Abfüllung dieses Sommer-Flankers hier brauchte.
Frisch aufgesprüht war ich allerdings zunächst enttäuscht: Ambergris Showers startet frisch-gurkig, in etwa so, als ob man Tomaten von der Ranke zieht. Dieser grüne Tomatenrankenakkord ist unterlegt von einer wässrigen Zitrik, die sich im Vergleich zu den grünen Noten zurückhält. Das ist also Galbanum? Säuerlich ist das Ganze auch irgendwie, aber nur ganz leicht, und nicht zitrischer Provenienz. Eher wie Tee, Macha Tee: Kühl, fruchtig, säuerlich. Das Ganze liegt dann auf einer metallischen Basis. Schwierig zu beschreiben. Nicht die übliche Bleistiftminennote, auch nicht das Metallische aus "Pegasus@Parfums de Marly". Nein, eher so eine kühle, distanziert-wässrige Metallnote: Kaltes, klares Wasser, das eine Metallinstallation hinabläuft, oder besser noch: kondensiertes Wasser an einer eiskalten Leitung draussen, wenn es richtig heiss ist.
Im weiteren Duftverlauf übernimmt dann eine sanfte Ledernote, die zusammen mit etwas Rauch eigentlich die Basis des Duftes ausmacht, ohne aber je diese kühl-grüne Fruchtigkeit auszustechen; Diese wird milder, runder, erdig, vielleicht sogar etwas süßlich, verlässt aber nie das Parkett.
Das klingt jetzt vielleicht nach einer ziemlich verrückten Mixtur, funktioniert aber wunderbar, und zwar als frischer Sommerduft abseits der üblichen Verdächtigen, oder bestenfalls mit deren Anleihen. Denn von allen Sommerdüften, die ich bis dato testen durfte, ist Ambergris Showers eindeutig der frischeste, oder besser: erfrischendste. Denn: Diese kühle Assoziation bekomme ich ohne Menthol oder ähnliches bei sonst keinem anderen Duft.
Das Parfum ist tatsächlich einzigartig, unique, wie man so schön sagt. Zumindest im Designbereich wüsste ich nichts, was ähnlich riecht. Man fällt hiermit wirklich auf, auch aufgrund der Ausdauer des Duftes, wobei die Sillage, wie auch das ganze Konzept durchaus bürotauglich sind, weil nicht aufdringlich. Ein Compliment-Getter ist er aber nicht, dafür ist er zu besonders, eher vielleicht ein Gesprächsanlass. Es fehlen ihm einfach die Crowdpleaser-Attribute eines Aventus, Invictus, Fierce… Ambergris Showers ist nicht wirklich komplex, aber man muss sich schon etwas mit Parfums beschäftigen, um ihn schätzen zu wissen.
Tragen lässt er sich am besten Ü30, unverspielt, nicht zu extrovertiert, dafür individuell: »Schaut her, so kann Parfum auch duften«, am Besten im Sommer, dann aber praktisch den ganzen Tag und zu jedem Anlass. Ich finde, das ist eher ein stimmungs- oder typenabhängiger Duft, als ein Anlass- oder Jahreszeitenabhängiger, daher sicher bestens als Signaturduft geeignet.
Für die ca. 100 EUR, die man derzeit für 75ml dieses EdP abdrückt, erhält man also einen wertigen, individuellen Duft mit der schon vom normalen La Yuqawam gewohnt luxuriösen Präsentation inklusive Magnetkappe in hochwertiger Holzbox.
Kurzum, Ambergris Showers ist ein Parfumerlebnis auf jeder Ebene, wenn auch nicht für jeden, ein erfrischendes, sommerliches Duftgemälde das ich uneingeschränkt empfehlen möchte.


28.07.2019 13:19 Uhr
5 Auszeichnungen
Ein regnerischer unter den letzten Tagen meines Sommerurlaubs gibt mir nun die Gelegenheit, einige Gedanken zu meinem diesjährigen Duftbegleiter Revue passieren zu lassen.

Sun Men, eine zugegeben offensichtliche, vielleicht sogar langweilige Wahl, die so manchen wahrscheinlich sofort mit den Augen rollen lässt, hat mir gute Dienste geleistet.

Weil er nun sehr bekannt ist, und meine Vorredner ihn denke ich schon ausreichend beschrieben haben, will ich hier nur einige Kernpunkte wiedergeben, die den Gewöhnlichen dennoch Besonders machen.

Sun Men würde ich als süß-frischen Aquaten mit cremigem Drydown bezeichnen. Die Aquatik fällt dabei moderat aus, gibt der Sonnenmilch-Frische aber die nötigen, männlichen Ecken und Kanten. Ich kenne keinen anderen Duft, der eine süße Thematik ohne die so gekonnt und luftig in die warme Jahreszeit trägt.
Invictus, First Instinct und jetzt auch Davidoff mit Run Wild schwingen hierzu die Melonenkeule, was ungleich aufdringlicher rüberkommt.

Sun Men ist gerade am Meer zu praktisch allen Gelegenheiten tragbar; Wahrnehmbar, wenn auch nicht lange, unaufdringlich, Gute-Laune-stiftend. Dass er in seiner jetzigen Formulierung nicht lange hält, empfinde im Urlaub eher als Vorteil; So lässt er sich beliebig dosieren, und man kann auch mal was anderes auflegen.

Abseits von Urlaubsgefilden finde ich ihn aber gerade deshalb weniger passend, denn er ist verspielt, sehr casual, augelassen. Schon mit langer Hose komme ich mir mit Sun Men dämlich vor. Einen ganzen Bürotag würde er ohnehin nicht durchhalten.

Sun Men ist für uns Liebhaber süßer, cremiger Düfte; Wir freuen uns auf die kältere Jahreszeit, wenn wir unsere Schätze wieder ausgraben dürfen, im Sommer aber schränkt sich die Auswahl deutlich ein, besonders, wenn man wie ich, weder mit dominant zitrischen Düften, noch mit echten Aquaten etwas anfangen kann.

Sun Men ist für mich und die Suche nach ähnlichen Alternativen Teil meines Fragrance-Games.


24.07.2019 13:13 Uhr
3 Auszeichnungen
Craze

Craze - Armaf

8.5
Über die Duft DNA will ich wich hier gar nicht groß auslassen. Zum Original Pegasus von Parfums de Marley möchte ich später, vielleicht im Herbst noch ein paar Worte verlieren, wenn er mir wieder mehr in der Nase liegt. weil mich dieser schon seit geraumer Zeit nicht mehr loslässt.
Und weil das so ist, habe ich diese süß-markante Duftintention im allgemeinen, bzw. die mandelig-cremige Pegasus-DNA im speziellen etwas genauer unter die Lupe genommen. Zwei Pegasus Abfüllungen und eine Craze Abfüllung später, erlaube ich mir nun, ein Urteil zu fällen.

JETZT KOMM DOCH ENDLICH MAL ZU POTTE!

Aber ja doch. Iss ja gut.

Craze ist, um es vorwegzunehmen, ein gelungener Klon, der meiner Meinung nach gar nicht erst versucht, etwas Eigenes miteinzubringen. Er fängt Pegasus’ süßliche Vanilleaura mit der metallischen Mandelnote insbesondere in der Sillage gut ein. Abstriche muss man lediglich in der Kopfnote hinnehmen, und wenn man direkt an der Einschussstelle schnuppert. Hier erscheint Pegasus deutlich wertiger und harmonischer. Auch die anfängliche Alkoholnote, die vielen Klonen gemein ist, gibt es beim Original natürlich nicht. Craze punktet aber mit einem ähnlich präsenten Duftschweif und mit, zumindest auf meiner Haut, höherer Haltbarkeit. Und wie gesagt, auf Armlänge sind die beiden kaum zu unterscheiden.

JETZT IS GUT. KOMM, MACH SCHLUSS!

Ja, was soll ich sagen, die künstlerische Würdigung, und eine genauere Betrachtung des Duftes, soll an anderer Stelle erfolgen, bei Pegasus nämlich. Ehre wem Ehre gebührt.

Wer das silberne Pferd aber genauso schätzt wie ich, greift bei dem Preis bedenken- und morallos zu.

Craze ist nämlich ein Tolla Pegasus.


22.07.2019 13:24 Uhr
4 Auszeichnungen
Seven Intense, das ist ebenfalls einer, dem gerne Unrecht getan wird. Klar, er hat ja auch das Drogerieetikett UND die Merchandise Brandmarke. Der muss ja ungut sein.
Komplex oder fordernd ist er auch nicht; Startet allerwelts-süß-fruchtig, so ein bisschen in Boss-Gewässer; Gefällig, aber nicht aufregend. Apfelig oder orangig? Irgendwo dazwischen und ja, synthetisch. Aber dann kommt etwas, das ich anderswo bis dato gerne finden würde; Da ist so eine (ja, ok, ebenfalls wieder synthetische) Ledernote. Die wirkt irgendwie verschwitzt, intim, menschlich, körperähnlich, tropisch-feucht, vielleicht sogar etwas animalisch. Nicht trocken, wie in TL, oder rauchig, wie in Kolmaz’ Arabi Cana, nicht so erhaben, wie in Dior's Homme Parfum, und auch nicht so blumig, wie in Amouage’s Imitation Man. Am ehesten noch fruchtig-grün, wie in Daniel Josier’s Green Leather. Da fehlt aber wieder dieses Verruchte. Genau kann ich’s gar nicht beschreiben. Wenn ihr das lest, denkt ihr wahrscheinlich
Was interpretiert der denn da in diesen Rossman hinein und
Wie kann ihm sowas gefallen?
Keine Ahnung. Ich weis auch nicht, ob das jemand anders genauso wahrnimmt. Für mich macht diese Ledernote aber die Seele von Seven Intense aus, gibt ihm eine Geschichte, und spannt ganz nebenbei den Bogen zum frauenbetörenden Doppelnull-Agenten. Deshalb finde ich es schade, dass der Duft keine Ausdauer hat. Für eine Stunde ist er deutlich wahrnehmbar, die erste Hälfte davon wie gesagt eher fruchtig, dann ledrig-holzig, dann aber schnell nicht mal mehr hautnah.
Wer also hier einen wirklichen Duftzwilling kennt, hat 'ne Tüte Senf bei mir gut.


21.07.2019 22:59 Uhr
8 Auszeichnungen
Nennen wir Ambré jetzt Schorsch.
Lasst doch mal den armen Schorsch in Ruhe! Aber hallo! Was der sich alles anhören muss. Zu süß ist er, karamellartig, boss-bottelig. Nix für Junge, nix für Alte, nix für Whisky-Liebhaber, nix für Lederwale. Schorsch ist lau, muffig und unbesonders. Schorsch ist es wurscht, ob er passend und/oder interessant riecht. Schorsch ist billig. Schorsch ist synthetisch. Schickt ihn und seine Träger in Rente! Bah!
Für wen ist Schorsch denn dann? Für mich! Ich hab den im Kroatien-Urlaub unvorbelastet zufallsgetestet, und nachdem ich ihn dieses Jahr nochmal anschnuppern durfte auch einfach mal bestellt. Und was soll ich euch sagen? Mir gefællt er wirklich. Bisserl Trinkobst mit billigem Whisky ist da schon. Ja, ok, auch die Boss-Verwandschaft ist nicht rauszuleugnen. Aber da ist auch eine Pudrigkeit, die sich über den gesamten Duftverlauf zieht, die ihm so einen freundlichen, undistanzierten Charakter verleiht und gleichzeitig eine Würzigkeit (Rosmarin? Thymian? Nein: Leder+Veilchen), die ihn für mich irgendwie mediterranisiert.
Schorsch ist sympathisch, heimelig, für mich auch irgendwie mit Fernweh assoziiert. Schorsch geht deswegen das ganze Jahr über, riecht nicht wie Opa’s Zuckerwürfel mit Klosterfrau-Melissengeist (Bentley Intense), oder so säuerlich wie der stændig besoffene Nachbar (Burberry London).
Schorsch ist trotzdem boozy, und für mich dabei die erste Wahl, auch weit vor CH Men Prive. Süss, aber das ist - für mich - gut so. Und Schorsch hält durch, obwohl ihn keiner mag. Nur wir zwei, wir sind und bleiben, denke ich auch, Freunde.
Übrigens, Schorsch wollte keinem von euch auf den Schlips treten.
Wer seinen Kommi hier in den Anfangszeilen wiederfindet, der fühle sich beachtet zitiert und gebe Schorsch beim nächsten Mal noch mit lachendem Auge eine Chance.


20.07.2019 20:57 Uhr
18 Auszeichnungen
Wie Aventus riecht, das wisst ihr hier alle. Davon gehe ich jetzt einfach mal aus. Falls nicht - einfach runterscrollen! Dass Aventus ein gut gemachter, auch innovativer Herrenduft ist, muss ich auch keinem erzählen.
Aber halt! Der darf mir ja nicht gefallen! Aventus ist ja ein Statement, ein Politikum in der Parfumwelt. „Aventus!“ zu sagen, ist in unserer Community fast so schlimm, als ob man „Jeremy“ laut ausspricht oder Düfte nach deren Reformulierung testet.
Da gibt es die Panty-dropper, die auf seine aphrodisierende Wirkung schwören. Da gibt es die neureichen Einsteiger, die ihn neben Reflection Man und Oud Wood halt auch haben, die Sparfüchse, die alle Klone inklusive Tagespreisen und Unterschieden in Performance runterbeten können, und die Duftelite, die ihn vulgär, ordinär finden muss, um ihr Gesicht zu wahren.
Richtig geniessen kann man ihn also eigentlich nur, wenn man mit Düften nix am Hut hat. Der Otto-Normalverbraucher hat von Aventus noch nie was gehört, oder gerochen. Er würde gleich nach dem Aufsprühen eine süsslich-zitrische, leicht rauchige Aura riechen, holzig, männlich, wohl dosiert in der Sillage, ausdauernd und edel. Er würde definitiv einen Unterschied in Qualität feststellen, zu Cool Water, zu Joop Homme, zu Irisch Moos, oder was auch immer er trägt. Aber dann würde ihm die Kinnlade runterklappen, ob des Preises, den er für 50ml hindrücken müsste.
Und wir Parfumos? Unsere Leidenschaft ist uns manchmal Unsummen wert. Wenn ich mal resümiere, wie viel ich alleine schon in Blindkäufe und Abfüllungen investiert habe...
Dabei ist die Aventus-DNA anscheinend einfach zu kopieren. Man nehme nur Armaf‘s CDNI oder Al Haramain‘s L‘Aventure. Letzteren besitze ich selbst und einen wirklich eklatanten Unterschied kann ich nicht feststellen. Er ist vielleicht etwas zitrischer in der Kopfnote, aber Drydown und Performance sind schon mehr als vergleichbar. Auch anderen gelingt es, zumindest im Duftschweif die Aventus-Aura nachzuahmen. Sucht man das für andere hochpreisige Nischendüfte, wie Amouage’s Reflection oder die Marlys, muss man deutlich größere Abstriche machen. Moralisten werden den Teufel tun, und Häuser wie Al Haramain oder Dua Fragrances für deren Schandwerk belohnen. Ich sehe das allerdings pragmatischer und gelassener, denn heilig ist auf dem auch für Parfums geltenden Markt von Angebot und Nachfrage niemand.
Und wenn eine DNA wie hier Aventus so viel günstiger abbildbar ist, dann kann es mit hochwertigen Ingredienzen nicht so weit her sein. Ob man bei Creed dann 150 EUR mehr an geistiger Leistung in die Kreation des Duftes investiert hat, als andere Häuser an vergleichbar erfolgreichen / wertigen Düften, das sei dahingestellt.
Unterm Strich bleibt für mich aber ein besonderer, ein prägender, polarisierender und gleichzeitig handwerklich gut gemachter Duft, interessant und relevant. Und ganz nebenbei trage ich ihn - oder besser: L’Aventure gerne im Büro, wenn es mal wider was Zitrisches sein soll.


28.05.2019 21:37 Uhr
4 Auszeichnungen
Nicht wirklich parfumig. Eher so ein Sachen-Duft. So riechen Dinge, hier: nasses, aber dennoch luftiges, frisch gesägtes Holz. Aber was fehlt ist ein Gegenspieler, ein Kontrast, etwas, das Interessanz verleiht. Der Schritt von Hubba Bubba zu Le Male. Von Bref zu Aventus. Von Cliff zu Cool Water. Von Holz zu Oud Wood.
Zugegeben, Ocean Wet Wood ist natürlich abgebildet. Das muss man in dieser Preisklasse auch erst mal so hinkriegen. Bei der Performance macht sich der Preis aber dann doch bemerkbar: Nach 2h ist der ohnehin sillageschwache Duft bei mir schon hautnah, hält sich dann aber zumindest auf Kleidung noch eine Weile. Ob nun ozonisch oder aquatisch, das erschließt sich mir nicht. Aber schon irgendwie frisch ist er, kühl und deshalb auch etwas unbehaglich. Assoziationen sind ja bei Düften immer wichtig. Und genau das ist hier das Problem. Die gibt es hier nicht. Zumindest bei mir nicht. Hätte mir mal jemand eine Holzplanke um die Ohren gehauen, dann könnte ich diesen Duft emotional besetzen.
Ein gutes Parfum erreicht das aber auch ohne diese Verknüpfung. Hatte neulich, beim zufälligen Testen von Eav des Bavx von LÓccitane genau das: Ich sprühe auf, und der Duft zaubert mir ein Lächeln um die Lippen. Den fand ich interessant.
Interessant, das heißt unique, wie Jeremias sagen würde. Aber das ist nur die Oberfläche. Interessant heißt provozierend. So noch nicht gerochen. Wie kam der Parfumeur nur auf diese Idee? Echt jetzt?
Interessant heißt Neugierde weckend. Ich will wissen, wie der Duft weiter verläuft, wie er zu mir passt, wo ich ihn tragen könnte. Wie er anderen an mir gefallen könnte.
Interessant heißt relevant, eine Duftintention ausbauend, neu interpretierend, vielleicht sogar eine neue DNA, oder einen neuen Trend begründend.
Und am wichtigsten: Interessant heißt Gefühle evozierend. Behaglichkeit, Souveränität, Sexyness, Alphamännlichkeit, Zufriedenheit, Sicherheit - jedem das Seine. Wenn man sich im Duft aufgehoben fühlt, sich damit identifizieren kann, ihn als Ergänzung - oder als Spiegelung seiner selbst empfinden kann, wenn man ihn für sich ganz alleine, abends auf der Couch auftragen und genießen kann, oder von mir aus im Gym und "ich bin der Größte" dabei schreit, dann ist das einen Asbach Uralt wert. Bevor ich nun in philosophischem Gedöns abhebe - Ihr wisst was ich meine.
Das alles gelingt mir mit Holz, und ich meine nur mit Holz, mit uninteressantem Holz alleine nicht.
Bitte nicht als Bashing verstehen. Ich mag die He Wood Reihe. Ich liebe Silver Wind Wood (dazu an anderer Stelle mehr). Aber hier habe ich versucht darzulegen, was mir an Ocean Wet Wood, abgesehen von einem Flakon, an dem ich mir nicht die Hände aufschneide, fehlt. Obwohl, interessant aussehen tut er ja...


17.04.2019 21:11 Uhr
11 Auszeichnungen
Jetzt muss ich meinem Statement doch noch einen Kommentar anhängen, um diesem Monster hier gerecht zu werden.
Ich möchte mich nicht mit einer Ziselierung seiner Pyramide aufhalten, oder seine Duftentwicklung analysieren. Das haben andere bereits bewandelt geleistet - unbekannt ist dieser Duft ja nicht, natürlich auch wegen dessen Brüderlein, DHI.
Aber das Parfum ist so viel mehr, für mich noch einmal eine ganz andere Liga.
Darum hier nur einige Assoziationen nach meinem ersten Testen beim orange-weissen M.
Kirche, wie im Statement erwähnt. Ein Schränkchen, vielleicht das (der?) Tabernakel. Alt. Aus schwerem Holz, dunklem Holz. Öffnet sich, und gibt einen warmen (sic!), umhüllenden Hauch von, ja was wohl, Holz von sich. Von wertigem Holz, trocken, nicht staubig, harzig, ja irgendwie fast honigartig, aber von der herb-süßen Sorte, Tannenhonig, ja Tannenhonig. Gleichzeitig ist da aber eine ledrig blumige Note. Frauenhandtasche, nein Damenhandtasche, die reiche edle Tante, ihr wisst schon. Sündteuer, das Ding (nicht die Tante). Sie hat sie schon ewig, und ihr Parfum (Rosen), Lippenstift, Geldscheine (viele?) und andere Utensilien geben ihr (nicht der Tante) den Duftcharakter.
Ein erhabener, edler Businessbegleiter für kalte Tage. Ernst ist er, getragen, souverän.
Dieser Duft schält sich aus der Dunkelheit. Man könnte sagen, die Dunkelheit gebar ihn förmlich.
Und wer mit dem Zitat aus dem Titel etwas anfangen kann, weiß, wer ihn tragen könnte.


11.04.2019 21:42 Uhr
6 Auszeichnungen
Für den Parfümneuling, für mich als Parfümneuling, angefixt durch ein Zusatzpröbchen bei einer Soukbestellung eine Offenbarung. Ich weis gar nicht mehr, wer mir das beigelegt hat, aber - danke!
Wer bis dato nur die Designer kannte, dem öffnen sich hier völlig neue Muster. Rauch, in einem Parfüm abgebildet, dazu Leder und Himbeere? Vieeeel Himbeere? - Nehme ich zumindest, besonders im späteren Drydown, am prominentesten wahr. Was dem belesenem Parfumo mit etwas Nasenerfahrung nicht nur durch TL als durchaus gangbare Mischung bekannt ist, hätte mir vor meiner Duftleidenschaft wohl nur ein Kopfschütteln entrungen.
Ist das jetzt Nische? Wie geil ist das denn?
Dank Greenie07 konnte, nein, musste ich mich dann umgehend mit einem Restflakon bestücken. Dieser kam in einer edlen, hölzernen Schatulle - auch abseits vom Duft eine Premiumerfahrung. Der Sprühkopf verteilt fein, präzise aber geizig, und das ist gut so. 2 Sprühstöße auf den Nacken lackieren einen für die nächsten 24 Stunden in eine herbst-braune, trocken-ledrige, leicht krautige, nur im Auftakt wirklich rauchige Süße, die mächtig, aber nicht aufdringlich projiziert. Alles über 3 Sprühstöße verstößt gegen das Genfer Abkommen. Und wehe, es erwischt die Kleidung. Das ist vielleicht auch mein einziges Problem mit diesem Duft: Du entscheidest heute schon, was du morgen trägst.
Ansonsten ist LY für mich eine überzeugende Dufterfahrung. Ich nehme hier eine erwachsene Süße wahr, weit abseits vom Goldbarren, der Handgranate und Armani's Schlüsselmeister. Diese gefallen mir, ja ich geb’s zu, auch, aber das hier ist authentischer, herber, natürlicher, wertiger. So wie Qui-Gon Jinn, als er ruhig am Boden sitzend auf den nervös hin-und-her rennenden Darth Maul (1 Million) wartet, bis sich die Kraftfelder wieder auflösen.
So eine Himbeere habe ich auch in Montblancs Individuel, oder in Green Leather von Daniel Josier, dort aber fruchtiger, saftiger, auch etwas synthetischer und damit weitaus weniger souverän umgesetzt.
Diese leicht vernebelte, bisweilen grüne, aber stets dezent süße Himbeere macht für mich den Charakter dieses Duftes aus. Wenn nicht überdosiert, ist er für mich fast ganzjährig tragbar, ausser bei 30 Grad aufwärts, denn frische Aspekte hat er nicht.
Arabi Cana von Kolmaz schlägt auch in diese Richtung. Rauchiger, weniger beerig, krautiger, ebenfalls unique, aber das typisch arabische Wabern im Hintergrund. Wertig ist der auch, und mit 25 EUR für 100ml ein toller Alltagsersatz, mit immer noch sehr guter Performance.


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