4ajbukoshkas Parfumblog

27.11.2020
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Black Friday. Oder: Es geht immer noch ein bisschen mehr?!

Heute ist Freitag. Nicht Freitag der Dreizehnte, aber „Black Friday“, was für mich persönlich, die eine Weile im Einzelhandel gearbeitet hat, schlimmer zu sein scheint als alle Freitage, die auf einen 13. fallen, zusammen.
Kaum jemanden dürfte es überraschen, dass wir diesen Tag aus den Vereinigten Staaten übernommen haben. Dort wird, wenn ich das nun richtig im Kopf habe, am Freitag nach Thanksgiving die Weihnachtssaison eingeläutet. Das heißt, der „Black Friday“ ist eine Art Prognose für das kommende Weihnachtsgeschäft. Oder soll es zumindest sein.

Wie auch immer.
Es gibt heute überall Rabatte, Sonderaktionen und sogar Schnäppchen.
Das ist super, vor Allem für diejenigen von uns, die schon lange auf etwas warten oder vielleicht sparen und nicht zu viel bezahlen wollen.
Denn: „Wer sich Rabatte leisten kann, war vorher zu teuer.“
So werden also heute wie auch an den Black Fridays zuvor Läden gestürmt, ja, sogar trotz Corona, auch wenn ein größerer Teil der Einkäufe wahrscheinlich online stattgefunden hat.

Nun bin ich mit meiner knappen Woche hier noch relativ neu und kenne mich nicht allzu gut aus. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist eine Art Newsfeed, in dem man in Echtzeit Kommentare, Statements und vieles mehr zumindest als Vorschau angezeigt bekommt.
Und dort lese ich, Mitglied xy hat 500€ für Parfum ausgegeben, jemand Anderes 600€, noch jemand fast genauso viel, etwas weniger oder sogar noch mehr.
Ich, neugierig wie ich bin, klicke auf ein, zwei solcher Profile. Gucke mir vor Allem die Sammlungen solcher Mitglieder an. Und ich bin nicht nur sehr, sehr überrascht, sondern bleibe auch mit einigen Fragezeichen zurück.
Eines davon ist „Warum?“
Warum hat jemand „sein“ Parfum schon gefunden, schreibt Oden darauf, vergöttert es, liebt es, lobpreist es - hat noch zig andere in seiner Sammlung und kauft sich dann für x-hundert Euro noch weitere Duftwässerchen?„Wozu?“
Für sich selbst, als (Weihnachts-)Geschenk für eine geliebte Person? Für die Sammlung? Gibt es hier viele Sammler? Und die Sammler, sammeln sie, um zu sammeln oder um die Düfte zu benutzen? Als Gebrauchsgegenstand oder als Wertanlage? Ist es dann Gebrauchsgegenstand oder Luxusartikel?

Welche Rolle spielt Parfum für euch?

Mein persönlicher Eindruck lässt sich gerade am besten in einem Lied ausdrücken, in dem es heißt:
„Es geht immer noch ein bisschen mehr, auch wenn keiner mehr den Sinn erklärt.“ - und genau wie in diesem Lied frage ich mich, wonach man hier auf der Suche ist.

Ich bin bekennend minimalistisch oder versuche zumindest, es zu sein. Was das Thema „Parfums“ angeht, so habe ich „meine Düfte“, drei in der Zahl. Diese habe ich mir selbst gekauft und damit bin ich glücklich und zufrieden.
Manchmal, wenn ich Geburtstag habe oder zu anderen besonderen Anlässen, schenkt man mir ein Parfum. Das passiert selten, weil die meisten in meinem Umfeld wissen, dass vieles nicht meinem Geschmack entspricht, aber es kommt vor. So sind mittlerweile mehr als drei Parfums in meiner „Sammlung“ (oder sagen wir eher: in meinem Inventar oder Bestand) gelandet. Wenn ich nun ein Parfum teste, dann kaufe ich es nicht, erst, wenn zwei Stück leer sind.
Denn ich muss und möchte langfristig nicht mehr als drei Parfums besitzen. Vier wären wohl auch noch in Ordnung, ich halte nicht zwanghaft an der Stückzahl fest, aber mehr muss nicht sein.
Früher hatte ich eine Zeit lang zehn Stück oder mehr. Aber eine steigende Anzahl dieser Besitztümer in ihren wunderschön geformten, teilweise glitzernden Flakons hat nicht dazu geführt, dass ich mich dadurch oder damit glücklicher gefühlt habe. Eine Zeit lang war ich ihrer sogar so überdrüssig, dass ich manche von ihnen inflationär benutzt habe, nur, damit sie leer werden, ich sie nicht mehr riechen muss und mir ein neues zulegen konnte - und das, obwohl sie mir eigentlich sehr gut gefallen haben.
Das war für mich der Punkt, an dem ich für mich gesagt habe: ich teste gerne, ich habe Freude daran. Ich berate auch mit großer Freude die eine oder andere Freundin in Bezug auf Parfums, auch wenn ich nicht viel mehr Ahnung habe als sie selbst.
Aber für mich selbst muss ich nicht jedes Wässerchen, das schön aussieht oder glitzert oder gerade hochgelobt wird, besitzen.

Genau das ist wohl der Grund, weshalb ich auf manche der heutigen Beiträge mit so viel Unverständnis reagiere.
Ich verstehe es, wenn man Parfums sammelt, um sie zu sammeln. Wenn man sich damit auskennt. Dass dieses Sammeln eine Leidenschaft ist.

Aber irgendwo verstehe ich es auch nicht - oder verstehe es als zum Ausdruck gebrachten Konsumwahn, wenn jemand damit hausieren geht, wieviel er oder sie heute für Parfums ausgegeben hat.

Klärt mich auf, steinigt mich, erzählt mir, was ihr euch heute für Parfums gegönnt habt.
Ich freue mich über andere Sichtweisen und Perspektiven, über eine gewisse „Nettiquette“ beim Austausch und bedanke mich an dieser Stelle schon einmal bei allen, die bis hierhin gelesen haben.

Herzlichst
4ajbukoshka
[Tschajbukoshka]




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