4ajbukoshka4ajbukoshkas Parfumrezensionen

1 - 5 von 45
4ajbukoshka vor 2 Tagen 9
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Winfried Jedediah Puch - von Imagewandel und gleichbleibenden Werten
„Ich habe hier ein Paket für W. Puch! Können Sie das bitte annehmen?“
- „Winfried Jedediah Puch. Das bin ich. Vielen Dank!“, eröffnete die andere Seite der Sprechanlage in einer tiefen, bassuntersetzten, brummigen Stimme.
„Wie lange das wohl dauert? Ich habe noch sooo viele Pakete auszuliefern! Ist doch nicht meine Schuld.“, sinnierte der Lieferjunge. Er klingelte noch einmal, just in dem Moment, als sich die Tür öffnete und eine beeindruckende Gestalt erschien.
„Oh, hey Mann, sorry. Hier ist das Paket. Eine Unterschrift bitte!“
- „Nuuun, ich musste soeben 64 Stufen nach oben nehmen, verzeihen Sie bitte die Wartezeit.“
„Ist klar, Typ. Du hast noch das Pesto im Gesicht. Ich weiß doch, dass du gerade gegessen hast. Und wonach riecht es hier überall im Flur? Irgendwelche Kräuter für Bolognese?“ Er sprach es nicht aus. Man hatte ihn zu höflichen Umgangsformen mit der Kundschaft ermahnt.
Mit betont lässiger Pranke nahm Winfried Jedediah Puch einen kleinen Schein aus dem glänzenden Lederportemonnaie in seinem Jackett, um sich danach mit ebendieser über den Schnurrbart zu streichen und das Monokel zurechtzurücken.
„Hey, vielen Dank! Das wäre nicht nötig gewesen! Aber… Mann, ich kenne dich irgendwoher. Bist du nicht…“
- „Winfried Jedediah Puch, junger Mann. Sie machen einen fantastischen Job!“
War da etwa Honig an der Banknote? Irgendetwas klebte hier. Aber was machte das schon, Geld stinkt nicht.
„Oh, Verzeihung! Sie erinnern mich nur so an jemanden, an jemanden aus meiner Kindheit. Und an Honig, komischerweise.“
- „Haha, ja. Das ist in der Tat komisch!“ Eine Pranke, anders konnte man seine überdimensionalen, behaarten Hände nicht nennen, landete in seinem Mund und er schleckte sich beinahe unbemerkt die Lippen danach ab. Beinahe jedenfalls. Irgendwie seltsamer Typ. Aber was soll’s, immerhin war er nicht so ‚freundlich‘ wie die anderen 573 Kundinnen und Kunden, die ich heute beliefern musste. Wie alt ist der eigentlich? 50? 16? Irgendetwas stimmte doch nicht mit dem.
„Ich muss dann los, schönen Tag noch, Alter!“
- „Junger Mann! So spricht man nicht!“, aber dass er sichtlich geschmeichelt war, sah selbst ein Blinder mit Krückstock, „vielen Dank, ich wünsche Ihnen ebenfalls einen honigsüßen, ähm, wundertollen Tag! Heute ist nämlich mein Lieblingstag!“
„Ach ja? Welcher Tag ist denn heute?“
- „Es ist heute! Mein Lieblingstag.“
Stirnrunzelnd hastete er zu seinem Lieferwagen zurück. Was soll’s, ab an die Arbeit. Für den Rest des Tages durfte nicht mehr getrödelt werden. Aber er war noch relativ neu in seinem Job, deshalb hoffte er, seine Chefin würde es ihm nachsehen.

In der Zwischenzeit war Winfried Jedediah Puch wieder zurück in seiner Wohnung und öffnete freudig das Paket.
Er lachte sich ins Fäustchen, denn diesen jungen Mann zu überlisten war einfacher gewesen, als einen Honigtopf zu öffnen. „Mhhmmmm, Hoooonig!“ Er zündete sich genüsslich die zweite Zigarre an.
Das sollte dafür sorgen, dass seine Stimme innerhalb kürzester Zeit um mindestens eine Septime tiefer werden würde, so hatte ihn zumindest Chris vor dem Rauchen gewarnt. „Der gute alte Christopher! Er wird sicher entzückt sein über diese Lieferung!“
Winfried Jedediah nahm den Inhalt des etwa die Hälfte seines Körpergewichts auf die Waage bringenden Pakets in Augenschein. „Hach, welch edler Tropfen!“ Er rückte sein Monokel zurecht und machte sich einige Notizen in der Tabelle zu den Rum- und Bourbonsorten, die er laut Empfehlung noch testen sollte. Alle, die Honig enthielten, hatte er mit dem Bleistift mit Herzchen markiert, dann allerdings - er war schließlich bereits 16 Jahre alt - wieder wegradiert.
Er wollte endlich sein honigsüßes Image loswerden und sich als Erwachsener einen Namen machen, auch, wenn er insgeheim keine Ahnung hatte, ob er da gerade Bourbon oder Whiskey oder Rum bestellt hatte.
Zum Erwachsensein gehörte das einfach dazu.
Er prostete seinem Spiegelbild über der Diele im Flur zu.
„Auf dich, Winfried Jedediah Puch. Auf dass die Menschen dich ebenso herzlich in ihrer Welt aufnehmen wie dein Alter Ego Winnie Puch!“

Das würden sie. Auch noch in der FSK16-Version eines Winnie Puch oder Pooh war er ein umgänglicher, herzlicher Kerl.
Oder eine junge Frau, die gerne Herrenparfums trägt, hihi. Wenn sie eines der Bilder erzeugen konnte, das man bekommt, wenn man in der Bildersuche seiner Suchmaschine „Winnie Pooh Gentleman Sticker“ eingibt, hat sie heute nicht so viel falsch gemacht.
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4ajbukoshka vor 3 Tagen 5
2.5
Duft
4
Haltbarkeit

Ist das Kunst oder kann das weg? Ein Dialog.
Alice: Hey, danke, Liebes, dass du vorbeikommst! Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.
Tshajbukoshka: Kaaaiin Problem. (trällert, leicht süffisant angesichts von riesigen Bergen Wäsche und Krempel, der sich vor ihr auftürmt) Wooozu sind denn schließlich Freunde da?
Erzähler: Und so stehen sie da, heben eine Sache nach der anderen auf, setzen sie sich auf, legen sie weg, packen sie ein, ziehen sie an und das geht eine ganze Weile lang gut. Ein paar Gläser Wein tun ihr Übriges.
T: Ohaaaaaa. Wie cool ist das denn? Eine Minivase aus Vulven? Ist das eines deiner Kunstprojekte?
A, irritiert: Wie bitte, was?
E: Tshajbukoshka zeigt mit dem Zeigefinger vom Weinglas abgespreizt auf ein kleines Fläschchen. An dieser Stelle merkt man, dass sie kein stereoskopisches Sehen hat. Oder denkt sie wirklich, es gäbe solch kleine Vasen?
A (ist sie beschämt? empört?): Das ist Parfum. Dass DU das nicht kennst?
T: Nein, warum? Sieht nicht so aus, als wäre es von Guerlain (hastet mit dem Weinglas in der Hand über einen Klamottenhaufen, der beinahe ihre stattliche Größe von fast einem Meter siebzig erreicht).
E: Was nun kommt, hat zumindest eine der beiden Anwesenden nicht erwartet.
T: Urghs! Pfläh. Ist der noch guuuut? (hustet kurz auf)
A: Lass mich mal. (Fächelt dramatisch in der Luft herum, ihre Darbietung ist beinahe Tshajbukoshka-würdig.) Riechst du nicht diesen leckeren Kompott und die Birne, die über allem schwebt?
T: Ich hätte wohl anders fragen sollen. War der JEMALS gut? Lass mal lüften. Sonst riecht nachher alles, das wir einpacken, so.
A: …
E: Sie lüften nicht. Nach wenigen Minuten legt sich Tshajbukoshkas Getöse. Ihre Freundin Alice hat ihr in der Zwischenzeit Wein nachgeschenkt, die subtile Art der Damen, „ach, halt doch die Klappe“ zu sagen.
A: Riech doch noch mal. Blumig-sanft. So, wenn ich mich mit Freunden treffe? Für die Uni? Ich möchte den ja nicht für Dates benutzen.
T: Wenn du deine Freunde liebst, hältst du mit dem Zeug weiterhin Abstand zu ihnen, mir inklusive. Deine Blümchen sind genauso echt wie der Strauß von Lego Technik - nur leider nicht schön. Mach doch eine Vase für Gänseblümchen draus oder ein Kunstprojekt.
A: Nein. Nicht aus meinem Biebs. Das ist DAS Parfum meiner Jugend!
T: Joaaaaah, dann lass es da, in deiner Jugend. Warum bin ich nochmal hier? AUSMISTEN, Signorina, wir wollten ausmisten. Ab damit in die „zu verschenken“-Kiste. (Kopfschüttelnd, leise, mehr zu sich selbst) Biebs. Ohjemine, wo bin ich hier gelandet?
E: In einer kurzweiligen Synthesizer-Aufführung von Popmusik.
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4ajbukoshka vor 6 Tagen 5
8.5
Duft
5
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Malizia MilkCake: Ein Stillleben
— Disclaimer: Bei der Betrachtung des nachfolgend gezeigten Werkes könnten Sie Diabetes oder einen akuten Zuckerschock erleiden. —
Nährwertangaben pro 100g:
Nach dem Verzehr zu verbrennende Kalorien: 1500kJ / 353 kcal
Fett: 1g
davon gesättigte Fettsäuren: 0g
Kohlenhydrate: 86g
davon Zucker: 77g
Proteine: 0g

Kommen Ihnen diese Werte bekannt vor? Nein? Dann haben Sie noch nie Zefir (зефир) gegessen*. Die Schaumzuckerspezialität gibt es wahlweise in rosa oder weiß, pur oder mit kakaohaltiger Fettglasur.
Also sprühen Sie MilkCake auf, schließen Sie die Augen und sehen Sie sie vor sich, links hinter der Alkohol- und Spiritu(o)s(en)abteilung.
Und da hängt es an der Wand: Das Stillleben. Es trägt den Titel „Questo sabato doma s Tshajbukoshkoj“ (diesen Samstag zuhause mit Tshajbukoshka).
Was sehen Sie?
Zefir, so weit das Auge reicht.
Zefir, Zefir, Zefir
und…
Eine Flasche Spülmittelkonzentrat mit Apfelaroma?!
Möchten Sie sich an die Interpretation wagen?
Sie haben fünf Stunden Zeit. Dann schließt sich der Vorhang.
Und zurück bleibt der wehmütige Gedanke an einen vergangenen Samstag, Diabetes und den Gürtel, den Sie ab sofort ein Loch weiter zuschnallen können.

———————————
*Aber das ist okay, die Werte habe ich erfunden.
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4ajbukoshka vor 27 Tagen 10
9.5
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
10
Flakon

Der italienische James Dean dieser Zeit
„Sie wissen schon, dass es sich hierbei um das Herrenparfum handelt? Ich zeige Ihnen gerne die Damenparfums. Kennen Sie schon das neue V…“
(„Ich weiß gerade vor allem eines: dass meine Voreingenommenheit in Bezug auf Mitarbeitende einer bestimmten Parfümerie-Kette leider berechtigt ist.“, hätte sie gerne geantwortet oder eine Predigt darüber gehalten, wie wenig professionell und verkaufsfördernd es sein kann, Nicht-Männern zu verbieten, Produkte zu kaufen, deren Marketing Männer als Zielgruppe erkoren hat, Stattdessen entweicht ihr allerdings ein höfliches) „Ja, danke. Ich möchte gerne testen, was sich bei der neuen Version hier abgesehen vom Flakon geändert hat.“

Der Flakon ist immer noch hübsch anzusehen, immer noch an Nieten von „Rockstud“ Taschen und Schuhe erinnernd, exklusiv, stilvoll - und jetzt mit Deckel und einer an SM-Spiele erinnernde Nietenhalskrause, die es nicht gebraucht hätte. Für einen Moment fragt sie sich, ob Valentino Garavani „der einzig Wahre“ auch insgeheim darüber gelacht hat, wenn er das Design denn überhaupt je zu Gesicht bekommen hat.

Tfft tfft. Ein Sprüher aufs Handgelenk, einer auf Papier. Für den Fall, dass dieser „Uomo“ nicht mehr er selbst ist, möchte sie ihren Wagemut nicht bereut haben.
Mehr als Tfft tfft braucht es dann auch nicht für die kleine Zeitreise.
Es ist Oktober 2020 und Tshajbukoshka bekommt einen Anruf. Ob sie kommen möchte. Signor Il Herzensbrechers beste Freundin hat zuhause all ihre Werke ausgestellt und eine kleine Vernissage daraus gemacht, für einen erlesenen Kreis, höchstens fünf Personen dürfen sie heute bewundern. Tshajbukoshka rechnet: Malena und ihr Freund sowie ihr bester Freund, dann wäre da noch Signor - und sie wäre die fünfte Person. Diese Gelegenheit würde sie sich nicht entgehen lassen! Schneller hatte sie noch nie die teuerste Flasche Primitivo aus dem Schrank in die Tasche, vom „anderen“, Mario, Valentino, gepackt und den Lippenstift nachgezogen. Sie hört ihn, bevor sie ihn sieht und ist aus dem Häuschen wie eine 14-jährige 2010 vor dem Konzert von Justin Bieber. Diese Stimme, tief, erwachsen, lauter als ein Staubsauger mit V8-Motor und vor Selbstbewusstsein nur strotzend. Vor ihrem geistigen Auge sieht sie ihn gestikulieren, dabei Sachen durch die Gegend werfen und sich hin und wieder mit einer (für die aufmerksamen Augen von Tshajbukoshka nicht) gut (genug) getarnten Kopfbewegung nach hinten die Locken wieder richten. Seine Präsenz ist förmlich spürbar, man könnte fast meinen, der Bass seiner Stimme lässt den Boden vibrieren, insbesondere, wenn er das ‚R‘ ausgedehnt rollt. Dem Charme der italienischen Neuauflage von James Dean entzieht man sich nicht so leicht, nicht einmal, wenn man ihm gerade angestrengt dabei zuhören muss, wie er, natürlich auf Italienisch, über die Kräuter auf seinem Balkon sinniert.
„Signorina, ich habe heute geraucht“, gesteht er ganz kleinlaut, während er sie mit gerunzelten Augenbrauen ansieht, einen Schmollmund macht und ihr die Wange hinhält. Sie riecht davon nichts. Er riecht wie immer so wie er aussieht: zum Anbeißen, geheimnisvoll, besonders, verboten gut. Oh mio Dio.
„Ein bisschen getrunken hast du aber, dann werde ich heute fahren.“ - „Wirklich? Sei meravigliosa! Ich dachte, du wärst sauer.“ (- Wie könnte ich nur sauer sein. Wahrscheinlich wäre ich es nicht einmal, würde ich morgens aufwachen und du hättest mir erzählt, dass du gerade meine halbe Lunge und Leber geklaut hast.) Sie lacht. Der Abend ist exzellent, die ausgestellten Kunstwerke beeindruckend - und trotzdem wird sich Tshajbukoshka in wenigen Monaten nach diesem Tag gefragt nur an ihn erinnern, wie er aussah, was er gesagt und getan hat - der italienische Leckerbissen, der sich stockbetrunken in sein eigenes Auto tragen lässt, nur um dann lauthals zu protestieren, weil er seiner Signorina noch die Fahrertür aufhalten und sich bei seinem Auto dafür entschuldigen muss, dass er nicht selbst fährt. Angeschnallt auf dem Rücksitz gibt er seine Interpretationen von Andrea Bocelli, Il Volo und Random zum Besten mit einer Inbrunst, die auf zehn Opernsänger schließen lassen könnte.
Irgendwann wird es leise. Der Gesang ist verstummt. Tshajbukoshka öffnet ihr Fenster und richtet den Rückspiegel, um ihn darin zu sehen, wie er mit ihrem Plüschtier in den Armen, die Locken in der Stirn, friedlich schläft. („Süüüß!“)
Zuhause angekommen bekommt sie ihn gerade wach genug, sich von ihr gestützt bis aufs Bett zu bewegen. In voller Montur. Der Geruch seiner Lederjacke bleibt dort bis zum nächsten Morgen, obwohl Tshajbukoshka es mit Mühe und Not schafft, ihn ihrer (und seiner Schuhe) zu entledigen. Deshalb also suchen die Leute in Horrorfilmen sich nie Entführungsopfer aus, die einen Kopf größer und mehr als dreißig Kilo schwerer sind als sie selbst.
Eine erschöpfte Tshajbukoshka wirft sich nach einem wundervollen Abend aufs Bett.
„Woher weiß man eigentlich, dass es Liebe ist?“
- „Wenn es an seiner Schläfe nach Zuhause riecht, dann weißt du es nicht, du fühlst es.“
Dieser Valentino, er ist es einfach.
Ein Satz, der zu Tshajbukoshka, Signor Il Herzensbrecher und Valentino gleichermaßen passt: „Ich bin ein Jahr später ein Jahr älter, aber abgesehen vom Äußeren habe ich mich nicht verändert, jedenfalls empfinde ich es so - und die, die mich kennen, wissen und bestätigen es gerne.“

Kommentar meiner Freundin: „Du riechst immer so lecker, für dich würde ich Kannibalin werden.“
Eine andere Freundin: „Sicher, dass du nicht lesbisch bist? Irgendwie betont es deine männliche Ader.“
Ihr Freund: „Darf ich auch mal? Der gefällt mir, hoffentlich steht er mir auch.“
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4ajbukoshka vor 2 Monaten 10
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Laura non c’è - eine Vermisstenanzeige in Venetien
Laura ist weg, sie ist nicht mehr hier
Laura ist kein Teil mehr von mir!
Und du, die du hier bist und mich fragst, warum ich sie liebe, wo sie mir doch nichts mehr gibt…
(freie Übersetzung aus dem Italienischen von 4ajbukoshka; Original: Nek - Laura non c‘è. 1997)
Habt ihr schon einen Ohrwurm? Nein? Dann übersetzt den Text bitte zurück ins Italienische, kleiner Tipp: es geht los mit
„Laura non c′è - è andata via
Laura non è più cosa mia!“
Während ihr also vor euch hin singt, summt und hoffentlich in der richtigen Stimmung für Venezia seid, möchte ich euch die Geschichte von Laura erzählen.
Es war einmal eine Nonna, die Venezia trug, nicht diese Version von Venezia hier, sondern das Vintage aus dem Jahr 1992.
Diese Nonna, im weiteren Verlauf der Geschichte Laura genannt, wusste in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends nicht, dass wir heute auf sie zurückblicken und sie als Vintage bezeichnen würden.
Denn Laura sprühte vor Energie und Lebensfreude. Sie hatte stets ein offenes Ohr und Auge - oder auch zwei - für alles Schöne, einen Hang zu Romantik und Drama, von dem, so wird gemunkelt, ein kleiner Teil auch auf ihre Enkelin abgefärbt hat.
Erwachsen und unabhängig wie sie war, bewahrte sie sich doch Zeit ihres Lebens immer einen verträumten Blick, ein kindlich anmutendes Antlitz und die Fähigkeit, sich für jede noch so unwichtig erscheinende Kleinigkeit zu interessieren und sich an ihr zu erfreuen.
Ebenso erfreute sie sich an ihrem Lieblingsgetränk, einem süßen Pflaumenlikör (kein Spriz, auch wenn sie den auch gerne hatte), von dem sie sich, sah man nicht hin, gerne auch unter der Woche ein Gläschen genehmigte.
Laura genoss die Leichtigkeit des Seins und in ihren Armen konnte man sich stets geborgen fühlen - so wie bei Venezia.

Wer in dieser Version einen Ersatz für Laura, das Vintage Venezia sucht, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht sein.
Laura zelebriert hier noch immer die Leichtigkeit, den Frühling in Venetien, ist (er)tragbar auch bei Temperaturen jenseits der 30 und 40 Grad Celsius. Sie passt allerdings noch lange nicht in die Kleider ihrer Nonna, dafür ist sie (noch) zu zierlich, nicht stark genug.
Warum also eine Vermisstenanzeige?
Nun… Es gibt zwei Dinge, die ich persönlich hier vermisse:
1.: Laura. 2.: den Pfirsich und die Pflaume.
Auf der einen Hand die Vintage-Laura aus Venezia, auf der anderen das neue EdT aufgetragen, wird dieser Unterschied schmerzlich bewusst: die Haltbarkeit und Ausstrahlung der modernen Laura sind nicht annähernd vergleichbar mit ihrer Nonna, dem Vintage Venezia, und der Pfirsich, der in der alten Version über den Tag verteilt immer wieder so weich und lecker herüberweht, ist nicht mehr zu erahnen, jedenfalls nicht an mir. Auch die Pflaume ist in der Vintage-Version ein Kracher, wie süß-zuckriger Likör aus getrockneten Pflaumen, wohingegen sie für mich hier kaum überhaupt wahrnehmbar ist.
Dennoch ist Laura auch heute noch, ohne an dieser Stelle Selbstbeweihräucherung betreiben zu wollen, wunderschön, zeitlos, elegant und besonders.
Einer Laura oder auch ihrer Enkelin Lauretta begegnet man nicht alle Tage.
Laura non c’è - e andata via
Laura è sempre cosa mia!

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