AlöxAlöx’ Parfumblog

08.07.2018 21:28 Uhr
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Argentinien – eine olfaktorische Wiederannäherung


Florida Str. in Buenos Aires, Quelle: Wikipedia (Von Galio 01:53, 4 January 2008 (UTC) - Eigenes Werk)


Als Student hatte ich vor meinem Studienabschluss die Gelegenheit, meine erste Fernreise zu unternehmen und entschied mich für Argentinien, zumal ich dort schon Bekannte hatte. Und da ich noch nie in Argentinien war wollte ich mich mit ihnen dem Land nähern. Zur damaligen Zeit war es für mich am einfachsten, mich erst einmal auf die Metropole Buenos Aires zu beschränken, die schon eine Welt für sich ist und nicht zu vergleichen ist mit Patagonien, Bariloche, und schönen Küstenstädten wie Mar del Plata. Die Hauptstadt Argentiniens, die lange Zeit als das Paris Südamerikas galt, hat eine eigene reiche Geschichte. Von beliebten Sehenswürdigkeiten bis hin zu wenig bekannten Perlen gibt es in dieser Metropole, die wie ihre Bewohner niemals schläft, Millionen Möglichkeiten. Aufgrund meines doch sehr beschränkten Budgets, das meiste hatte ich alleine für die Flugreise verbraucht, habe ich mich mit den Studenten dort an der Universität getroffen, bin durch die schönen Viertel der Stadt flaniert und habe dort nachmittags und abends eine reiche Kaffeehauskultur bewundern können. Tagsüber hatte ich auch die Gelegenheit, die gehobene Einkaufsmeile mit vielen Parfümerien in der „Florida“ und Avenida Cordoba zu bestaunen, in der auch ein großes High-End Einkaufszentrum „Galerías Pacífico“ steht. Es wurde im späten 19. Jahrhundert als Bahnhof gebaut, um den Zugang zum Pazifischen Ozean zu ermöglichen. Der Keller wurde später von der Militärjunta der 1970er Jahre auf unbeschreibliche Art zweckentfremdet. Heute ist es glücklicherweise ein glamouröses Einkaufszentrum mit atemberaubender Pariser Architektur, das einige der exklusivsten Marken der Welt beherbergt.

Mittlerweile haben sich in Buenos Aires auch zwei Nischenduft-Marken etabliert, die sich hauptsächlich auf dem argentinischen und US-amerikanischen Markt bewegen. Das ist zum einen Frassaï aus dem vornehmen Stadtteil Belgrano, die neben Parfums auch Schmuckstücke und Duftkerzen im Programm haben. Und zum anderen das 2010 in Buenos Aires gegründete Parfum-Label Fueguia 1833 im Stadtteil Recoleta/Retiro. Obwohl für die meisten „Portenos“ (die Einwohner von Buenos Aires) dort alles sehr "fifi" aussieht, und dort schöne Nischendüfte und Geschenke zu finden sind...sind die Preise für die meisten dort wie von einem anderen Planeten.

Als bekannteste Designerduft-Marken nenne ich hier La Martina, den Pferdesattel- und Polo-Kleidungsspezialisten und Gabriela Sabatini, die Gegenspielerin von Steffi Graf aus den 80/90er Jahren, die erst 2015 dem Profi-Tennissport Adios gesagt hat. Andere, hier weniger bekannte Designerlabels sind Portsaid, Ginnell, 47 Street, Lazaro, Melocoton und Monique. Übrigens würde ich mich freuen, wenn man bei Parfumo bald eine vereinfachte „Ländersuche“ nach Parfums beispielsweise für argentinische Parfums einrichten könnte.

Es ist schon sehr lange her, dass ich dort gewesen bin und ich habe mich selten in Südamerika so wohl gefühlt. So sehe ich dank Parfumo mittlerweile eine Möglichkeit, mich dem Land durch die physiologische Nähe von Geruchswahrnehmung und Emotionen wieder anzunähern. Olfaktorische Wahrnehmung kann Gefühle wie Freude, Hoffnung und Mitgefühl aufrufen. Freude darüber, so viele schöne Seiten der argentinischen Hauptstadt gesehen zu haben, Hoffnung auf ein Wiedersehen irgendwann, wenn es die Zeit zulässt, und Mitgefühl für die argentinische Fussball-Nationalmannschaft, die genau wie die deutsche zu früh bei der noch laufenden Weltmeisterschaft von Russland nach Hause fliegen musste.

Mit meinem Wanderpaket „Argentinien“ beabsichtige ich einen ersten Eindruck von der Qualität der Parfums aus diesem wunderbaren Land zu vermitteln. Für alle halte ich hier einige der Düfte fest, welche ich für das Wanderpaket ausgewählt habe. Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch eines der Parfums von früher oder ganz aktuell?

Parfums aus Argentinien: Fueguia 1833: Darwin: Eine Patagonienmöwe mit einem Stück Kork im Schnabel zieht ihre Kreise über Feuerland–Dufttraum eines uferlosen Ozeans aus Gräsern und Wind. Misiones: Zitrische Noten treffen auf Weihrauch, der sehr sanft, warm und anschmiegsam wird. Im Kloster-Zitronengarten ist Lebensgenuß garantiert. Jacarandá: Ich könnte hiermit im Frühling am Waldsee mit grasig-grünen Baummoos-Duschgelnoten und patschnassem Patchouli baden. Aquatisch gut. Xocoatl: Der Duft wird von Studenten an argentinischen Unis destilliert. An der Uni von Buenos Aires beim Studieren am Rum schnuppern, das wär‘s doch. Juan Manuel: Die Vielfalt kräftiger Rosen wirkt kühl, gibt wieder einen klaren Kopf. Gut bei Niederlagen, die würdevoller sind als ein Sieg (J.L.Borges). La Martina: Tierra del Fuego (Eau de Toilette): Wenn mir nach warmen Ananasnoten ist, greife ich zu dem Duft. Beerig-strauchig, behaglich, geheimnisvoll. ¡Hola! das Eis bricht in Feuerland.

Wegen der Zurückhaltung argentinischer Marken in Europa habe ich ergänzend französische Parfums gelistet, die Duftnoten argentinischer Früchte und Hölzer in der Pyramide enthalten (Zitrone, Grapefruit, Guajakholz): Jacques Fath: Fath's Essentials - Vers Le Sud: Wie ein wunderbarer Garten am Meer mit großem Zitronenbaum & unglaublicher Blumenvielfalt, mit Gischt, dem Gemisch aus Wasser & Luft benetzt. Detaille: Paradisii: Brilliante fröhliche Grapefruit aus Argentinien! Nach herb-hesperidischem Auftakt und Alpenveilchen für Bergsteiger wird's sanfter und süßer. Berdoues: Collection Grands Crus - Selva do Brazil. Die Bitterorange hebt die Stimmung in der Regenzeit der subtropischen Regenwälder von Misiones.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Parfum Yu Sōn der italienischen Marke Altaia, die von Marina & Sebastián, verbandelter Nachfahren zweier bedeutender argentinischer Familien gegründet wurde (Altaia steht für A Long Time Ago In Argentina).

Ich bin neugierig, ob jemand von Euch die Idee, meine früheren Reiseeindruecke mit dem Gedanken der Neuentdeckung auf olfaktorischer Ebene zu verbinden, genauso faszinierend findet wie ich.


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