AnnikatzAnnikatz’ Parfumrezensionen

1 - 5 von 36
Annikatz vor 2 Jahren 15
10
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Ein Duft der Unschuld
Genauso empfinde ich Noa. Unheimlich zart, jung und unschuldig. Wahrscheinlich weil ich es war, wo wir uns das erste Mal begegnet sind.
Den Duft kenne ich seit seiner Entstehung. Da war ich 18. Und war hin und weg. Blütenmeer. Ich spüre ganz deutlich die Maiglöckchen, Rose und Lilie. Aber auch was grasiges kam durch. Und ein sanfter Hauch Pfirsisch. Von Vanille und Tonkabohne ist an mir keine Spur. Nur weisse unschuldige Blumen.
Und der Flakon! Der ist ja wunderschön. Rund mit einer Perle drin. Da entstand bei mir eine bestimmte Assoziation.
Eine junge Braut, ganz in Weiss, mit einer Perlenkette. Und ja, auch schon in freudiger Erwartung, das Kind wächst in ihr wie eine Perle. Und trotzdem ganz unschuldig, da noch jung, unerfahren, noch nicht wissend, was das Leben bringt, vertraut einfach ihrem Allerliebsten, er verlässt sie doch nie.
Nein, ich spreche nicht von mir. Aber trotzdem hatte ich damals oft dieses Bild im Kopf. Gekauft hab ich mir Noa viel später. Und sein Charakter ist immer noch der Gleiche.
Die Haltbarkeit ist sehr gut für ein EdT. Leicht ist er, jedoch nehme ich ihn locker 6 Stunden wahr. Auf der Haut wird er ganz zart cremig.
Ich finde es ist inzwischen ein echter Klassiker. Trage ich gerne im Sommer, er bringt mir Ruhe, Ausgeglichenheit. Wenn ich ihn auftrage, glaube ich einfach, dass das Leben schön ist. Oder zumindest der heutige Tag.
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Annikatz vor 3 Jahren 9

Ein unbeschwerter Sommer
In Bloom habe ich im Sommer 2010 kennengelernt. Ich war 30, ziemlich müde, genauer gesagt kurz vorm Burnout.
Ich vermute jeder kennt das- alle paar Jahre zieht man Fazit. Geht man in sich. Denkt man über das Geplante und Erreichte. Bei mir war es mit 30 der Fall. Und mich packte Müdigkeit und Heimweh.
Ich habe viel gearbeitet. Lange Schichten, viele Gäste. Und das zerrte immer mehr an meinem Nervenkostüm. Und es kamen immer mehr die Rückkehrgedanken.
Ich wollte nach Russland zurück. Oder eher in die Jugend? Und um das festzustellen, stieg ich für einen Sommer aus. Und in den Flugzeug.
Ein Sommer lang durchs Land gefahren. Moskau, St.Petersburg, Kaukasus, Zentralrussland. Großstädte, Kleinstädte, Dörfer. Alte Freunde besucht. Neue Freunde gefunden.
Aus dem Schlafwagen an halb vergessenen Stationen ausgestiegen um Luft zu schnappen. Den Babuschkas ihre selbstgestrickten Schals und Socken abgekauft. Zugbekanntschaften geschlossen.
In Bloom war eine Zugbekanntschaft. In Russland ist Marke Avon stark verbreitet. Eine Vertreterin fuhr mit mir mit, hatte einiges zum Schnuppern mit.
Und der Duft war so klar, so leicht. Pfirsich und Gardenie. Er ist zwar frisch, jedoch nicht jugendhaft. Und er hielt gute 5 Stunden, trotz der Leichtigkeit. Bei dem Preis einfach nur super. Ich mochte ihn sehr. Das war der Duft, der perfekt in diesen unbeschwerten Sommer passte. Er war einfach zum Luft holen.
Er passte zu Sandalen und Strandkleidern. Zu Cargohosen und Wanderschuhen. Zu Jeans und T-Shirts. Und sogar zum Minirock und Pumps. Überall war er absolut harmonisch.
Und nun war er leer, Sommer vorbei, ich um tausende Erfahrungen reicher. Es ging nach Deutschland zurück. Fazit gezogen, Gedanken gesammelt, Kraft getankt.
Zu dem Zeitpunkt war mir klar- ich will nicht zurück. Ist das in 10 Jahren immer noch so? Das wird sich zeigen. Der Ausstieg war nötig. Hat mir viel gebracht.
Ich will nicht sagen, dass In Bloom besonders ist. Nein. Aber es ist ein gut gemachter blumiger Duft in einem schönen Flakon. Gut geeignet für junge Frauen. Damals günstig. Jetzt nun zu Rarität geworden. Hab ihn im Souk gefunden und einfach gekauft.
Trage ihn sehr gerne. Nur für mich. Da spüre ich wieder frischen Wind im Haar, hab tausende Bilder im Kopf. Die Bilder eines unbeschwerten Sommers.
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Annikatz vor 3 Jahren 19
10
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Weiblichkeit pur
Zu dem Duft wurde schon viel gesagt. Ist inzwischen auch ein Klassiker. Irgendwie. Allgemein finde ich die "alten" Sachen von Yves Rocher sehr gut gemacht.
Im Gegensatz zu vielem habe ich keine Kindheitserinnerung zu "Orchidee". Meine Mutter hat ihn nicht getragen. Nach Russland kam Yves Rocher viel später, in den 90igern.
Aber 97 kam ich bereits nach Deutschland. Ich war 17, und in Sachen Duft recht unerfahren und doch ziemlich altmodisch.
Ein Parfum sollte einen hübschen Flakon haben, am liebsten zum antupfen sein und blumig riechen. Ja, das ist "Orchidee".
Und nun dazu, wie ich ihn kennengelernt habe. Meine Nachbarin trug ihn. Eine junge Frau von gerade mal 22 Jahren, aber bereits verheiratet mit ihrer Jugendliebe. Und so total bodenständig! Und so richtig ordentlich! Mit großen Plänen was Kinder, Haus und Garten angeht. Glücklich, treu und völlig zufrieden mit ihrem Leben.
Und ja, "Orchidee " ist so. Toller Flakon, leicht altmodisch angehaucht. Wenn man den Stöpsel zieht, hat man sofort Blumen in der Nase. Hyazinthen vor allem. Und Nelken. Der Duft umhüllt dich, lächelt dir leise zu.
Und trotzdem kann "Orchidee " sich behaupten. Auf eine sehr weibliche und sanfte Weise. Dieser Duft ist dann einfach da. Wie die Hände der Mutter, die dich sanft umarmt. Wie der sanfte Kuss deiner Frau, wenn du morgen geweckt wirst. Er ist einfach ein leiser Duft von zuhause, er zieht dich in seinen Bahn.
Mir war er damals zu bieder. Ich war ja auch überhaupt nicht so wie meine Nachbarin. Trotzdem musste ich immer an ihm schnuppern wenn ich mal bei ihr zum Kaffee war.
Die beiden sind übrigens immer noch zusammen, haben inzwischen zwei Kinder, ein Haus und einen Hund. Und dufttechnisch trägt sie immer noch etwas hautnahes, leises, biederes? Vielleicht. Sie muss halt niemandem was beweisen. Sie ist in sich und mit sich absolut glücklich.
Genau wie "Orchidee ". Klarer, hautnaher, jedoch präsenter und sehr ausgewogener Duft. Hab ich neulich hier ersoukt und bin sehr glücklich drüber.
Trage ich auch öfter als ich dachte. Immer schrill sein macht müde. Da braucht man einfach diesen Zauberduft. Meine Auszeit zum Träumen. Meine "Orchidee "
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Annikatz vor 3 Jahren 13
8
Duft
10
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Alte Liebe rostet nicht
Ach, die Aufschrift ist schon ziemlich langweilig. Ja, ist sie. Aber jedoch ziemlich wahr.
1996, ich wurde 17. Und meine große Liebe schenkte mir diesen traumhaften gold leuchtenden Flakon. Und die Box dazu- ein Traum! Und der Duft!
Ich bin keineswegs verwöhnt. Es gab Parfums von Mutti, die ich ab und zu klauen durfte, dann gab es zwei, die absolut tabu waren, dann gab es noch ein paar EdTs vom Wochenmarkt, alles gleich süss riechend, und das war's dann aber auch.
Blonde war mein erster eigener Duft. Dazu auch noch ein Geschenk! Von einem Mann! Von einem armen Studenten, der als Bote, Pizzafahrer und Möbelträger jobbte, um seiner Angebeteten ein Parfum, ein Blumenstrauß und ein Konzertbesuch zu ermöglichen! Mann, wie kostbar es doch eigentlich war! Und wie stolz ich doch war, den Duft zu tragen!
Ja, wenn ich so zurück blicke, war der Duft zu erwachsen für eine 17Jährige. Zu schwer, zu schwülstig, zu würzig, zu gehaltvoll. Aber man muss auch meine Herkunft bedenken- russische Frauen mögen es oft so. Ein Parfum soll reizen, einhüllen, teilweise umhauen. Deswegen ist es ja ein Parfum. Chanel. Dior. Nina Ricci. Und nun Versace.
Und nun zum Duft. Er hat Rasse. Er ist schwer. Als erstes spüre ich tatsächlich Bergamotte und Gardenie. Danach kommen andere Blumen ins Spiel- Nelken, Narcissen, Chrisantemen.
Und dann rieche ich das, was nirgends steht- nämlich Tomaten. Wir hatten welche im Garten. Und ich meine genau diesen Geruch, wenn man die junge Tomatenpflanze aus dem Gewächshaus ins Freie setzt. Tomatenpflanze, Erde, Wasser, erste Sonne. Schwer zu beschreiben. Ist auch ziemlich flüchtig und sehr subjektiv.
Und dann riecht es für mich nur noch nach Sonne. Die letzten warmen Sonnenstrahlen im Herbstwald. Holz, Laub, Wärme. Die letzten heimlichen Küsse im Freien, bevor es zu kalt wird. Mann, war es schön damals!
Heute ist es auch noch schön. Heute empfinde ich den Duft auch viel intensiver, verstehe ihn viel besser. Damals habe ich ihn überhaupt nicht verstanden, und trotzdem bereits geliebt. Das ist der Vorteil der Jugend.
Bin froh, Blonde wieder zu haben. Als einen gewissen Meilenstein der 90ziger. Als Erinnerung an die Jugend und die erste Liebe. Und einfach als einen interessanten Duft, der immer noch Beachtung findet.
Alte Liebe rostet nicht. Man sieht sie vielleicht sogar aus einem ganz anderen Blickwinkel.
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Annikatz vor 3 Jahren 18

Der doch gelungene Geburtstag
Ach, ich will nicht jammern. Heute werde ich 39. Es gab genug schrille und laute Geburtstage. Es wurde schon oft reingefeiert, rausgefeiert, durchgefeiert. Man wird ja sesshafter. Ruhiger. Erwachsener. Ähh, wird man das? Man vielleicht, ich kaum. Bin nach wie vor ne verrückte Nudel. Und zu meinem Geburtstag erst recht. Da will ich die ganze Welt umarmen, drei Mönche zum Knutschen überreden und auf dem Tisch tanzen.
Stattdessen ist dieses Jahr plötzlich Bettruhe angesagt. Nach einer notgedrungener Fuß Op. Also nix mit Feiern, keine Mönche und kein Tanz. Was macht man da? Man ruft mit leiser Stimme nach Göttergatten und bittet um den schwarzen Kasten.
Der Kasten mit meinen Seelentröstern. Das sind Düfte die mir Geborgenheit und Bestand geben. Einen gewissen Schutz. Und du bist einer davon. Du bist nämlich etwas ganz Besonderes.
Du bist ein Chanel, das spürt man. Alle Chanels haben etwas Ähnliches im Verlauf, da erkennt man die sofort.
Du bist ein Parfum, bist also recht hautnah, Hast dafür aber viel Ausdauer. Hältst nahezu ewig. Und riechst wie ein netter Plausch bei ner Tasse Tee im Garten. Ja, irgendwie so. Ich nehme Blüten war, und Bergamotte, und das Zitrische einer Mandarine, aber auch das Bittere der Schale. Schale, so wie Schal. Man kann in dich einkuscheln, wie in einen Schal.
So, nun bist du aufgetragen. Und jetzt werde ich einfach mal in mein Geburtstag reinschlafen. Warum auch nicht? Hab meinen schönsten Pyjama an, hab gerade mit dem Liebsten einen Piccolo geleert. Und in deiner Begleitung wird die Nacht und der Tag wunderschön.
Ich bekomme Anrufe und Nachrichten aus der halben Welt, es wird sicherlich einen Kaffee mit der Familie geben und du gibst mir Halt. Du zwingst mich den Rücken grade zu halten und auf meine Manieren zu achten. Schließlich bist du ein Chanel!
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