AugustoAugustos Parfumkommentare

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05.02.2020 22:33 Uhr
18 Auszeichnungen
Würziger, mineralischer Weihrauch mit einer Spur Salzluft. Intensiv harzig. Eine Spur zu laut, aber eine besondere Mischung von Noten aus sehr unterschiedlichen Sphären: Harze und Aquatisches wurden hier kombiniert. Es mischt sich damit auch ein ätherisch frischer Dufteindruck (Salz, Ozon, Maritimes) mit Orient-Anklängen, die aber bei würzigen Einschlägen (Kardamom, Patch, Tonka) bleiben und nicht gleich den ganzen Diwan heraufbeschwören. Eher eine Kapelle an einer Steilküste umgeben von würzigen Kräutern. Und natürlich dreimal Weihrauch, wenn man der Duftpyramide glauben will, und meine Nase tut es. Süß ist hier übrigens nichts, die Myrrhe verbindet Frische und Sakralrauchiges und steht über dem Duftgebilde. Und das deutlich und den ganzen Tag. Ein Sonderling, eine Komposition, die neu riecht und bekannt. Nicht für täglich, eher ein Kapellensonntagsduft.


01.02.2020 00:51 Uhr
14 Auszeichnungen
Dieser Rabe hat einen kräftigen Flügelschlag! Unter seinen Schwingen bewegt sich der Wind, warm, von Kräutern getragen, gleitet mit eine Vanillebrise heran und setzt sich auf meinen Unterarm. Von da an volle Aufmerksamkeit, denn er ist lebhaft - und schwer.
Übrigens ist Abraxas nur bei der kleinen Hexe ein Rabe. Sonst wären da noch: Der Gott vor allen Göttern und ein Santana-Album. Und jetzt noch ein Pferd. Also in jeder Hinsicht ein kräftiges Schwergewicht.

Mir ist er offen gesagt zu viel. Wie ein dicker Kräuterauszug angesetzt mit Vanille und Patchouli. Zugegeben: Sehr schön ist der tiefgrün-leuchtende Ton, die Harze, die ein wenig Frische bringen. Die Vanille stützt diesen grünen Grundton und gibt goldene Einsprengsel. Patch ist Mutter Erde.

Ormonde Jaynes Woman und Man und Merchant of Venices Asian Inspiration im Braukessel nachgesiedet und 100 Jahre im Eichenfass nachgereift. Dann fermentiert. Und daraus dann ein Parfum gemacht. Nix für zarte Gemüter also. Findet aber gewiß seine Liebhaber.


30.01.2020 17:41 Uhr
13 Auszeichnungen
Freie Assoziation:
Ein Schaf, ein Sturm, eine heiße Tasse Tee, eine lange Kette, eine Berührung, ein ungewohnter Gedanke, ein vertrautes Gefühl.

Das freie Rauschen des Meeres. Mineralische Lichtreflexe der Wellen. Glitter im Gestein eines Felsens im Gebirge. Ein Hauch kühlendes Vetiver, der Rauch von Holz, ganz sanft, nie verkokelt. Weisheit, Ferne und Nähe. Ein weiter Horizont, Höhe und Tiefe. Bewegung.

Konzentration auf das Duftgeschehen:
Ich rieche Koriander und Pfeffer als leichtes Prickeln, ein heller Schleier von Iris, noch mit Möhrenkomponente, die sie leicht und saftig macht. Bald schon etwas Vanille, hellbeiger warmer Lichtschimmer.

Der Duft beginnt sofort mit Lichteindrücken zu spielen. Er ist luftig, Licht, das durch einen feinen Stoff fällt, es schimmert, es wabert. Und hat eine sanft herbe Note, als ob der ganze Zaubertrank über einen alten Holzstumpf gekippt worden wäre. Mal silbrig, mal golden schwebt er in die Höhe, um sich wieder sacht auf der Haut niederzulassen. Der Eindruck ist elegant, zugleich wirkt er technisch verspielt, das heißt sehr lebendig für meine Wahrnehmung, aber eine "erwachsene Vanille" eine elegante, sehr trockene Iris, mehr Wurzel als Glam-Puder. Kein Haarspray, kein Lippenstift, keine Theaterschminke. Abstrakt wie naturnah, fern und zugleich unmittelbar verschmelzend. Dieses grau-beige irisierende Licht blebt erhalten, wenn der Duft nach einer halben Stunde blumiger wird. Jasmin läßt sich erahnen, stiehlt der schlanken hochgewachsenen Iris aber nicht die Schau mit seiner Erotik, Magnolie bringt das ganze noch weiter zum Glänzen. So bleibt es lange, ein manchmal flackernder Iris-Würzpuder.
Er verschwindet, er kommt wieder sobald man ihn vergessen hat, das ist hier ein echter Iso-E-Super Trick, aber so gekonnt eingesetzt, dass der Duft dabei weder Ruhe noch Eleganz verliert und auch mehr und mehr in die Tiefe geht. Bewirkt bei AugustA leichtes Fernweh und eine intime Faszination. Ich empfinde diesen Duft also so passend, so vertraut, trotz der abstrakten Bauart, dass die Faszination mit jeder Minute größer wird. Der Sog der Duftaura ist groß, aber es bleibt immer leicht und schwebend. Ein im ersten Augenblick der Begegnung liebgewordener schöner Fremder. So selbstverständlich außergewöhnlich. Für den Abend für die Nacht für den Tag.

Am Ende wird das Leuchten schwächer, eine Ahnung von Gewürz, Vanille und Holz und eine Facette der Iris, die nun sehr gepflegt, sehr wohltuend wirkt. Dieser Ton ist mir nach der ersten Probe in der Kleidung noch Tage später aufgefallen, und er ist perfekt, ich greife gern wieder zu diesem Pullover oder diesem Schal, um ihn wieder anzuziehen. Ein vertrauter und aufregender Geruch. Was will Mann/Frau mehr?


20.01.2020 21:13 Uhr
11 Auszeichnungen
Eine dichte Wolke fliegt AugstA an: Erde! Pilze! Bald kommen noch ein paar Blüten hinzu. Sie stecken schüchtern den Kopf durch die Erde und sorgen so tapfer dafür, dass hier nichts zu schwer wird und der Boden locker bleibt. Es sind Rose und Geranie, sie nicken freundlich und sehr elegant.

Die Szenerie ist herb dampfend, verhalten süßlich und sehr aromatisch.

Wem der Kopf nun schon schwirrt, für den gibt es Bitterschokolade mit einem goldenen Funkeln. Ja, bei dieser Fülle kann sich einem schon der Kopf ein wenig drehen, aber im Großen und Ganzen bleibt der Duft beherrscht und gekonnt ausgewogen, füllige Wärme und trockene Momente aus Patchouli und Amber werden kunstvoll ausgeglichen.

Dann, die erste Hälfte dieser aromatischen Wolke hat sich verzogen, dämpft der Duft deutlich ab für meine Nase, die Patch-Überwältigung lässt nach. Luftholen. Himmel, es gibt auch etwas über dieser Erde.

Und das heißt bei diesem Duft Vanille. Wiederum aromatisch, d.h. nicht zu süß, übernimmt sie den Part der Schokolade und hellt den freundlich Duft auf. Von der Überfülle wechstelt der Duft nun zu einer Art selbstverständlichem Vergnügen, zur Zufriedenheit, die ein Vanilleduft oft und gerne mit sich bringt. Unschludig und lecker verheißlungsvoll liegt man zusammen auf der warmen Erde in der Sonne.

Das ist immer noch sehr angenehm, aber für mich nicht mehr überwältigend. Doch es ist noch genug vom Anfang da, um den Duft auch noch die nächsten Stunden zu genießen. Und derer sind es viele...

Wäre der Duft so wie am Anfang geblieben, er hätte einen festen Platz bei mir gefunden. Für Patchouli-Liebhaber ist der Test selbstverständlich zu empfehlen und ein Muss, mehr noch, ein Genuss.


17.01.2020 00:09 Uhr
8 Auszeichnungen
Diese Gardenie ist sehr weich. Aber eindeutig weißbühend, eine so ziemlich pure Gardenie, nur leicht indolisch, will sagen ein nicht ganz sauberes Wölkchen mischt sich unter, das ganze umstreicht das Kinn wie ein weißer Wattebausch.
Der Duft bleibt im ganzen durchgängig weich, cremig und zart. Und ja, ein bisschen geheimnisvoll. Aber nur ein bisschen.
Und schnell ist sie auch wieder verschwunden.


09.01.2020 21:02 Uhr
5 Auszeichnungen
In aller Kürze: Der Auftakt ähnelt Grapefruit, Weinhefe, Mandarine. Ein leichter Weihrauch weht, fast prickelnd, wie Myrrhe, es wird krautig, grün und holzig. So bleibt es im Grunde dann auch. Erinnert an G. von Nasengold, nur komplexer, aber auch so fröhlich und powerig. Dabei nicht nervig. Bestimmt ein toller Sommerduft!


02.01.2020 22:29 Uhr
12 Auszeichnungen
Das Konzept gefällt mir: Orientalisches Vetiver. Zu Anfang mit deutlich Kardamom, dadurch würzig und sofort mit Wärme ausgestattet. Auch die Vanille kommt bald, ist voll und nicht zu süß, nur das namensgebende Süßgras kommt auf meiner Haut fast nicht durch. Schade, es fehlt dadurch der kühl-exotische Kontrapunkt.
Insgesamt kommt mir dieser Malone vom zweiten Riecher an etwas bei ELDOs Fat Elektrician abgekupfert vor, wobei der mir besser gefällt, weil deutlicher Vetiver und auch die Maronencreme ist raffinierter.
Als Basis kommt noch leicht pudrige Tonka, die schon was hermacht, aber wiederum an JMs Myrrhe Tonka erinnert. Orientalischer Vetiver-Liebhaber werden den sicher testen, aber haben muss AugustA diesen hier nicht, auch wenn er gut gemacht ist.


30.12.2019 20:15 Uhr
12 Auszeichnungen
Ein dampfender Topf öffnet sich und eine Wolke frischen Dufts von Lemongras und Basmatireis schlägt AugustA entgegen. Zufriedener Seufzer. Na, gut, so arg ist das mit dem Reis gar nicht. Zufriedener Seufzer. Auf der Haut findet sich lediglich ein Limettendrink und ein Kokosgericht - nein, auch gar nicht so richtig - wenn, dann nur mit viel Phantasie. Zufriedener Seufzer.
Was bleibt ist ein zufriedener Seufzer, Unschlüssigkeit über die Gestalt des Duftes, ein frischer Winterduft, ungewöhnlich, lecker dampfend, an angeschwitzter Holzbasis zum Dessert? Und natürlich dieser doppelt verwirrende Name. Typisch ELDO, aber diesmal sehr freundlich und jederzeit tragbar. Zufriedener Seufzer.


13.12.2019 12:19 Uhr
16 Auszeichnungen
Eine vollmundige gepfefferte Grapefruit begrüßt AugustAs Nase. Bald tritt ein samtiger Grünton hinzu. Volles pulsierendes Vetiver, frisch, holzig, grasig und Erde und Himmel in einem. Also grün und blau - im besten Sinne.
Die Rose gibt ein blumig, fast fruchtiges Moment hinzu, sie ist tief dunkelrot, steht aber nicht dekorativ oder vereinnahmend im Vordergrund, erst recht nicht seifig. Sie ist groß und samtig und trägt glänzend dunkelgrüne Blätter, das ergänzt das Duftbild um eine ernsthafte tiefgründige und ein wenig sündige Nuance. Zugleich wirken Rose und Vetiver etwas melancholisch, was durch die Grapefruit aber gekonnt mit einem fröhlichen Lachen ausgeglichen wird. Das pralle Leben, der Duft hat für mich Körper wie ein Glas Rotwein. Barrique vielleicht.

Der Unterschied zum auch schon tollen edt ist, dass das edp voller ist und ein bisschen rauchig. An mir geht es besser, obwohl ich sonst leichte und spritzige Düfte auch sehr schätze. Aber die Grapefruit schlägt beim edt in Verbindung mit dem Vetiver bei mir Kapriolen in Richtung Schweiß und Schwefel, die mir nicht recht an mir gefallen. Umso schöner, dass das um einiges tiefer klingende edp das nicht tut und letztlich auch einen ganz anderen Vibe hat. Also bitte: Beide Varianten probieren!


25.11.2019 17:30 Uhr
17 Auszeichnungen
Eigentlich mag AugustA Rose als Duft nicht besonders. Aber anders als bei Getrude Stein, ist eine Rose eben nicht eine Rose. Bei Ellena mag ich Rosen dann doch öfters als nicht. In all ihren verschiedenen Düften, Farben, Anmutungen und Auftritten.

Dieser Ellena hat einen neuen Grundton, nicht ganz transparent, der Pinselstrich nicht wie in den letzten Jahren gewohnt aquarellig, sondern satt. Aber trotzdem leicht. Hell und Dunkel kontrastieren und alles wirkt auf mich farbintensiver.

Stil: Zurückhaltend energisch.
Material: Ledrig, aber eher bitter. Pflanzlich und metallisch.

Diese Rose ist einnehmend, aber sehr abstrakt. Dabei warm und fast psychedelisch. Zugleich erinnert sie mich mehr an den Duft einer Rose am Strauch also so mancher Naturduft.
Rose et Cuir wirft eine Farbe, einen Eindruck, ein Gefühl wie mit einem Projektor auf meine Haut.

Die unbekannte Bitterkeit des Duftes hat etwas von bitterer gelber Grapefruit, die ein Holz ist. Daran zu riechen, ist wie auf einer frischen bitter-sauren Rinde herumzukauen. Was man nicht tun würde. Aber genau das macht den Duft so unvermittelt greifbar und direkt, obgleich er die Elemente abstraktifiziert und verdichtet bis zur Fremdheit.

Effekt: Reduziert ausdrucksstark.

Das Leder kommt direkt aus dem Bottich, braucht noch Zeit, um zu trocknen und wird am Ende nach dem Gerben einen leicht angenehm stechenden Geruch beibehalten. Es ist selbstredend sehr weich. Ein braunes, kein schwarzes Leder. Knize ist schwarzes Leder.

Anders gesagt: Die schönste Rose(ngeranie), leuchtend dunkelrot, verbindet sich mit nussigem blaugrünem Vetiver in holziger Zwiesprache.
Kein Aquarell, ein anderer Farbauftrag, ein dezidierter Pinselstrich, der aber genug Raum für ein Schweben lässt.

Das Vetiver und die Ledernote erinnern mich etwas an Ellenas Bel Ami Vetiver, den ich gern trage. Aber Bel Ami Vetiver ist der modern gestaltete und verschlankte Alte Herr, während Rose et Cuir der ultramoderne, selbstbewusste, femininere Duft ist. Zukunft, Sprung aus der Tradition.

Seine abstrakte Natürlichkeit ist spannend, sie ergibt eine neue Richtung, einen Aufbruch in nasales Neuland, und das auf ganz altbekanntem Boden: Rose und Leder. Ein Duft, der mich wirklich fasziniert, kaum einer, der mich in letzter Zeit so gefangen genommen hat wie dieser.


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