AugustoAugustos Parfumkommentare

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25.11.2019 17:30 Uhr
15 Auszeichnungen
Eigentlich mag AugustA Rose als Duft nicht besonders. Aber anders als bei Getrude Stein, ist eine Rose eben nicht eine Rose. Bei Ellena mag ich Rosen dann doch öfters als nicht. In all ihren verschiedenen Düften, Farben, Anmutungen und Auftritten.

Dieser Ellena hat einen neuen Grundton, nicht ganz transparent, der Pinselstrich nicht wie in den letzten Jahren gewohnt aquarellig, sondern satt. Aber trotzdem leicht. Hell und Dunkel kontrastieren und alles wirkt auf mich farbintensiver.

Stil: Zurückhaltend energisch.
Material: Ledrig, aber eher bitter. Pflanzlich und metallisch.

Diese Rose ist einnehmend, aber sehr abstrakt. Dabei warm und fast psychedelisch. Zugleich erinnert sie mich mehr an den Duft einer Rose am Strauch also so mancher Naturduft.
Rose et Cuir wirft eine Farbe, einen Eindruck, ein Gefühl wie mit einem Projektor auf meine Haut.

Die unbekannte Bitterkeit des Duftes hat etwas von bitterer gelber Grapefruit, die ein Holz ist. Daran zu riechen, ist wie auf einer frischen bitter-sauren Rinde herumzukauen. Was man nicht tun würde. Aber genau das macht den Duft so unvermittelt greifbar und direkt, obgleich er die Elemente abstraktifiziert und verdichtet bis zur Fremdheit.

Effekt: Reduziert ausdrucksstark.

Das Leder kommt direkt aus dem Bottich, braucht noch Zeit, um zu trocknen und wird am Ende nach dem Gerben einen leicht angenehm stechenden Geruch beibehalten. Es ist selbstredend sehr weich. Ein braunes, kein schwarzes Leder. Knize ist schwarzes Leder.

Anders gesagt: Die schönste Rose(ngeranie), leuchtend dunkelrot, verbindet sich mit nussigem blaugrünem Vetiver in holziger Zwiesprache.
Kein Aquarell, ein anderer Farbauftrag, ein dezidierter Pinselstrich, der aber genug Raum für ein Schweben lässt.

Das Vetiver und die Ledernote erinnern mich etwas an Ellenas Bel Ami Vetiver, den ich gern trage. Aber Bel Ami Vetiver ist der modern gestaltete und verschlankte Alte Herr, während Rose et Cuir der ultramoderne, selbstbewusste, femininere Duft ist. Zukunft, Sprung aus der Tradition.

Seine abstrakte Natürlichkeit ist spannend, sie ergibt eine neue Richtung, einen Aufbruch in nasales Neuland, und das auf ganz altbekanntem Boden: Rose und Leder. Ein Duft, der mich wirklich fasziniert, kaum einer, der mich in letzter Zeit so gefangen genommen hat wie dieser.


18.11.2019 19:32 Uhr
12 Auszeichnungen
Milde Strenge schlägt einem entgegen, hier gibt es keine einlullende oder fruchtig-frische Kopfnote, hier geht ein Duft sofort in sein eigenstes Thema und das ist Angelika und Weihrauch, beides bitter, ein wenig ernst, aber im Zusammenwirken wird bald deutlich, dass sich ein warmes Wesen hinter der kühlen Fassade verbirgt.
Seele. Ausstrahlung. Eine vielleicht etwas in die Jahre gekommene Puderquaste, aber welche Eleganz!
Diese Pudernote hat etwas rauchiges. Trocken-herbe Angelika und mild-süßer Rauch.
Nach einigen Stunden geht der Duft überraschenderwiese über in holzige Vanille. Die Strenge der Herznote und die Sanftheit der Vanille verweben sich zu einem Schleier, der herbrauchige Anteil bleibt im Wechsel zur weichen Süße erhalten.

Der Duft bleibt enthoben aus der Jetzt-Zeit, hat etwas leicht Geisterhaftes, ist alles andere als banal, aber auch weit davon entfernt, kompliziert zu sein. Das wäre mal ein Creed, über den es sich nachzudenken lohnt.
Aber gerade ist der neue erschienen. Ob er dieses Niveau halten kann? Man darf gespannt sein.


11.11.2019 17:03 Uhr
23 Auszeichnungen
Ein spontaner Vergleich: Dieser Dior-Duft wird ja oft mit Bois D'Iris von V&A verglichen, zu Recht finde ich. Auch wenn ich den V&A von einer meiner Lieblingsparfümeurinnen gerne lieber hätte (auch des Preises wegen), schlägt die Waage nun doch klar in Richtung Bois d'Argent aus.
Irgendetwas hat Dior mit diesem Duftmuster gemacht, das hier mehr strahlt, bei mir, AugustA auch besser hält und nicht diese muffige Note entwickelt, in der BdI beim Testen am Ende immer unmerklich versinkt, bevor er erstickt wie eine Flamme ohne Sauerstoff.

BdA ist auch von Anfang an etwas deutlicher weihrauchig, was ich schöner und etwas ernsthafter finde. Der BdI geht mehr Richtung wärmendem Textil, während BdA sphärischer auf mich wirkt. Das passt für mich besser zu Myrrhe und Weihrauch, auch zur Iris, die ich lieber mit ein wenig Kühle und Melancholie habe als die auch gängige Puder und Creme-Betonung, auch Lippenstiftakkord genannt. Aber das kann man dem BdI auch nicht vorwerfen. Die Irisbutter ist bei beiden Düften fantastisch holzig, warm und trocken.

Der hier besprochende Dior-Duft verströmt allerdings eine so außergewöhnlich schöne zitronige Myrrhe wie ich sie immer gesucht und nur einmal bisher überhaupt gerochen hatte - und das war geräucherte Myrrhe. Da kommt der VdI nicht ganz mit.

Die anderen Duftzwillinge, die hier noch angegeben werden, interessieren mich auch noch, kennt die schon jemand und sind die wirklich vergleichbar? Dann probier ich sie alle auch noch. Diese Iris-und-Holz Richtung ist wirklich toll.
Aber so viel läßt sich für heute abschließend sagen: Der Bois d'Argent ist schwer zu toppen, so silbrig strahlend, so holzig warm.


24.10.2019 23:37 Uhr
11 Auszeichnungen
Zum Auftakt ein kühles Bergamotte und Limonen-Getränk, ein Wenig Anis und Wacholderrinde, die in der Sonne des Tages gelegen hat. Nein? Hmm. Aber nach Pfefferminze riecht das für mich auch nicht gerade auf Anhieb.

Tannennadeln oder Kiefern, würziger Wald.
Sehr kräuterig bar jeglicher Süße, für meine Nase. Ein dicker Sud. Nächtliches Waldvolkwerk?
Der ist so herb, der weckt alle Lebensgeister mit seinem ätherischen Tannennadelöl.

Die von AugustA sehr geschätze Engelwurz entpuppt sich hier als Engelwürz, die ihren nicht bei jeder Verwendung voll präsentierten Moschuspart ganz ausspielt und wunderbar auf der Haut verschmilzt.

AugustA insgesamt einen Tick zu natürlich, etwas zu herb, um zu einme Lieblingsduft zu werden, aber ausgesprochen angenehm und ein toller Herbstduft. Passt zu Nebel genauso wie zu Sonne und bunten Blättern, äh Nadeln.


21.10.2019 16:53 Uhr
9 Auszeichnungen
Trocken, grau, Flanell, Seidentuch. Hochsteckfrisur. Streng, elegant.

So der erste Eindruck, dieser Duft ist eindeutig eine Dame mittleren Alters. Die passende Zeit kann sich ein jeder selbst aussuchen.
Man dreht sich um, der Duft ist attraktiv, sicher für viele altmodisch, aber distinguiert und mit Alleinstellungsmerkmal.

Ich freue mich sehr, diesen Duft in der 1933er Version probieren zu dürfen.
Die Distanziertheit und auch die leichte Melancholie passt zu dieser belasteten Zeit.

Will sagen, der Duft ist klassisch blumig. Vergangenheitsorientert wie die großen Bouquets und auch unverändert modern wie Chanel No5. Aber er ist im Vergleich minimalistischer, trotz der Fülle an Blüten, die sich hier zu einm seifig-sauberen Schleier verbinden.

Besonders ist für mich die gedeckte Graunote:
Das trockene Grau erfrischt und zentriert. Kieselsteine sammeln ist nicht umsonst stets eine nicht zu verachtende Freizeitbeschäftigung so mancher Urlaubender.

Er gefällt mir besser als Chanel No. 5, der mir, AugustA, immer zu opulent zum Tragen ist. Dieser hier ist zwar genauso aldehyd-blumig, aber, gedämmt, hell, nicht überbordend strahlend. Wie ein Kiesel eben, der hat auch Glimmer, besticht aber durch seine grauen glatten Flächen, besonders wenn das Wasser ihn lange bearbeitet und glatt rundgeschliffen hat. Auch in FdR findet sich der Glanz und die Tiefe des Wassers. Es murmelt leise und klar wie ein Bach.

Diese Stein(garten)blumen sind übrigens blitzsauber. Hier kommen keine falschen Gedanken auf.
Die Überpuderung der seifigen Blumen ist zart und nie staubig. Der leichte Puder gibt dem Duft eine weiche Oberfläche, so dass die zuweilen harsche Seife sehr schön abgerundet wird und der Übergang geebnet wird vom floralen Herz, dass seine Pforte zum Holz früh öffnet.
Es kommt mit der Basis ein wenig mehr Wärme ins Bild. Nelkenseife, Sandelholz, ein Hauch Orient, vielleicht vom Muster des Seidenschals, der sich um den Hals der Dame schmiegt.

Der Duft blieb lange in dem Tuch hängen, es duftete noch am nächsten Tag.

p.s.: Den Duft trägt übrigens die Geschichtsprofessorin in "Der Duft der Frauen", ziemlich am Ende des Films. Al Pacino kennt eben die guten Düfte...


20.10.2019 00:37 Uhr
7 Auszeichnungen
Feige, nur ganz zart und frisch, völlig ungourmand und nicht erdrückend, denn der Koskosvibe, den Feige oft hat, zeigt sich nur, wenn man ihn riechen will, maximal Kokoswasser, ein paar Tropfen. Leichte Zitrik zu Anfang für die Frische vermischt sich schön mit dem grünlichen Feigenton.
Das Sandelholz schiebt sich bald über die grüne Feige. Es wirkt für meine Nase rötlich braun und fügt dem Duft volles und weiches Holz hinzu. Es bleibt immer cremig, das Holz schimmert, der Zusatz "blanc" im Namen passt und hat nichts mit Weißblühern zu tun, auch wenn man im Herz ein wenig Iris, etwas Amyris, entdecken kann bei genauem Hinriechen.
Das alles rahmt das Sandelholz, das deutlich im Zentrum steht, milchig, zartschmelzend und cremig. So bleibt der Duft bis zu Ende stehen. Rund und harmonisch mit einer guten Präsenz. Er gefällt AugustA von Mal zu Mal besser.


20.10.2019 00:31 Uhr
8 Auszeichnungen
Von Oud nur das 'ish. Kein Holz, kein Rauch, nur eine Ahnung von Organischem. Überhaupt mehr Ahnung als Duft.
Aber dafür bei AugustA relativ viel Talg und Salz. Das Salz erinnert an Acqua di Sale, der Talg nicht. Ein insgesamt muffiger unterzeichneter Gesamteindruck.
Nach zwei Stunden etwa der Aha-Effekt: das riecht sogar schön. Weich, kaum zu fassen. Wieder mal so ein Zaubermolekül. Direkt auf der Haut bleibt das muffig-talgige Etwas lang erhalten, aber in einem gewissen Abstand winkt eine Schönheit, die vorbeizieht wie ein Lufhauch. Kaum zu fassen. Nicht wirklich dauerhaft einnehmend, wenn auch interessant getestet zu haben.


09.10.2019 21:26 Uhr
11 Auszeichnungen
Neonblau leuchtet der Kern des frisch aufgeschnittenen Baumstamms. Herb-süßliche Milch quillt hervor, würzig. Ein synthetisches Flackern erhellt den Raum. Stunden.
Wie das Neonschild auf der anderen Straßenseite, das nachts ins Fenster leuchtet und manchmal summt und flackert. Vorausgesetzt man ist in einem passenden Film - Brooklyn, Feuertreppe, kaputte Jalousie und so.


05.10.2019 14:20 Uhr
14 Auszeichnungen
Ein Schlag auf die Nase, so grün und pfeffrig, krautig und staubtrocken. Aber ein Schlag der erfreulichen Art.

Lavendel, Thymian, Lorbeer, eine seifige Blüte. Das Grün erstrahlt für AugustAs Nase in Aldehyden, bleibt dabei aber sehr würzig. Das muss das gute alte Eichenmoos schon sein. Das Gute!

Diese Querele - auch bekannt als Gerangel, Streiterei und was sonst noch alles - ist tendenziell eine Outdoor-Beschäftigung unter Männern. Auch von freiheits- und freiluftliebenden Damen natürlich.
Man befindet sich jedenfalls im Wald und auf der Wiese.

Ein Hauch Aftershave vermischt sich schließlich mit Kräutern der Provence. Es wird nach und nach dämmrig, blaugrün. Tummeln unter Tannen.


30.09.2019 17:57 Uhr
7 Auszeichnungen
Licht: Milchiges Leuchten wechselt mit glänzendem Strahlen. Kühl, silbrig.
Zitrisch und blumig. Holziges Flackern von Zeder und Moschus. Dazu ein leichter Pudernebel.
Blumig: Ein Veilchen auf der Lichtung und ein rauhreifbehangener Rosenbusch im Mondlicht, es wird bald Tag.
Klang: metallisch ohne Härte.


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