Online-Parfüm-Workshop … eine interessante Erfahrung
Etwas skeptisch sah ich dem geschenkten Online-Parfümworkshop entgegen. Was konnte ich davon erwarten? Habe ich doch erst seit kurzem Bezug zu „normalem“ Parfüm. Ich bin halt in der Waldnische zuhause und mache so langsam meine Erfahrungen auf dem Gebiet der vielfältigen Weihrauchdüfte. Keine Ahnung, ob sich darauf jemand einlassen würde…
Aber immerhin könnte ich ja einem Parfumeur ein wenig über die Schulter schauen, einen kleinen Einblick in sein Handwerk bekommen. Je mehr ich bisher in die Welt der Düfte eingetaucht bin, desto größer ist mein Respekt vor der Kunst, ein Parfüm zu kreieren.
Mit diesen Gedanken habe ich mich nach wochenlangem Zögern angemeldet. Umso überraschter war ich, als ich per Mail neben den ersten Informationen einige Fragen erhielt, die der Parfumeurin Maria Packenius zur Vorbereitung dienen sollten. Anhand meines Alters, meiner Haarfarbe und meines Hautteints wollte sie sich ein Bild von meinem Typ machen und schauen, ob ich einem Jahreszeitentypus zugeordnet werden kann. Ich ahnte, dass das ein diffiziles Unterfangen sein könnte, da ich mir kaum vorstellen kann, mit meinen ungewöhnlichen Duftvorlieben in eine Schublade zu passen. Aber da ich ebenso meine Duftvorlieben, Lieblingsmarke, -Parfüm, aber auch meine Abneigungen mitteilen sollte, ahnte ich, dass dies eine große Chance auf ein interessantes Experiment sein kann. Dementsprechend fiel meine Antwort etwas ausführlicher aus.

Sie schickte mir auf der Grundlage meiner Angaben 18 Essenzen zu, aus denen ich dann im Rahmen eines einstündigen online-Treffens einen Duft zusammenstellen sollte. Ihr Duftpäckchen enthielt alles, was ich dazu benötigte: Pipetten, Papierstreifen ein Infoblatt mit einer Tabelle und vor allem einen 50ml-Flakon.
Die Auswahl der Essenzen ließ mein Herz höher schlagen: Latschenkiefer, Weihrauch, Holz & Leder, Benzoe… aber auch ein paar neugierigmachende Duftnoten wie Bambus, Cannabis oder Grüner Tee & Gurke… Das klang alles vielversprechend und steigerte meine Vorfreude. Als dann das Meeting startete und ich tatsächlich die einzige Teilnehmerin war (ich hatte mit einer kleinen Gruppe gerechnet) hab ich innerlich einen Luftsprung gemacht. Besser kann‘s ja gar nicht laufen! Und so saß ich mit einem breiten Grinsen vor der Kamera und folgte ihren Anweisungen:

Zunächst die Basis: In die sechs Düfte jeweils einen Papierstreifen eintauchen und nach und nach erschnuppern. Gibt es Vorlieben? Abneigungen? Meine Nase ist zunächst viel zu aufgeregt und braucht eine Weile, bis sie sich auf die einzelnen Noten einstellen kann. Ja, ich habe Vorlieben! Amber gefällt mir sofort. Das sei ein Akkord aus Patchouli, Vanille und Benzoe. Ok. Mag ich. Moschus ist raus. Zu Sandelholz bekomme ich keinen Zugang und Vanille ist mir zu intensiv. Damit steht die erste Runde fest. Die drei Streifen zu einem Fächer gehalten geben mir einen Eindruck von dem Basisakkord. Klasse! Gefällt mir! Also ab in den Flakon! Und zwar von Amber 10ml, und von Weihrauch und Holz & Leder jeweils 5ml. Schwenken. Schnuppern. HMMMM!!! Ja, das passt!

Mit den Essenzen für die Herznoten geht‘s weiter. Seltsamerweise ist es Salbei, der mich stört. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber der Fächer zeigt mir, dass die anderen für meine Nase zusammenpassen: Zimt, Cannabis, Frangipani & Jasmin, Koriander und Latschenkiefer. Also fülle ich jeweils 3ml in den Flakon.

Auch in den Kopfnoten gibt es eine Essenz, die für mich aus dem Rahmen fällt: Grapefruit & Cassis ist mir zu dominant. Die anderen erhalten die volle Zustimmung meiner Nase: Bergamotte, Bambus, Grüner Tee & Gurke, Zitronengras und Nelke. Mit jeweils 3ml füllen sie den Flakon.
Fertig!
PFFFfffft …
Oh ja! Es gefällt mir! Meine Freude kann ich nicht zurückhalten. Ich finde es echt erstaunlich, dass da auf Anhieb etwas Brauchbares herausgekommen ist. Ich nehme tatsächlich mehrere Noten differenziert wahr. Die Nelke ist recht dominant. Aber auch grüne Noten, (Tee, Gurke und Bambus) erkenne ich wieder. Zum Glück gefällt mir die Zitrik ebenfalls. Es changiert zwischen den Kopf- und Herznoten. Und dann tritt die Basis hervor. Ich erkenne die Vanille und Benzoe aus dem Amber-Akkord. Der gefällt mir ebenfalls richtig gut. Und auch den Weihrauch nehme ich nach einer Weile wahr. Das Ganze hält auf meiner Haut über sechs Stunden.
Nun muss es noch drei Wochen reifen. Ich bin gespannt, wie es sich verändert.

Ein wichtiger Schritt in der Parfümherstellung ist das Dokumentieren der verwendeten Essenzen und die jeweiligen Mengenangaben. Nur so ist es reproduzierbar. Und auch nur so kann ich es anschließend weiterentwickeln. Denn ich habe ja von den meisten Düften noch etliche Milliliter übrig.

Es bleibt noch etwas Zeit für Fragen, die mir allerdings so spontan gar nicht einfallen wollen. Die kleine Pause nutzt Frau Packenius um zu schauen, ob sie die Tür geschlossen hat, denn sonst könnte es sein, dass plötzlich ihre Schafe im Zimmer stehen. Sie arbeitet an mehreren Standorten: in erster Linie ist sie Parfümeurin und hat einen Lehrauftrag an einer Hochschule in Berlin. Ihr größeres Atelier befindet sich aber in der Schweiz in einem Kloster. Und im Moment ist sie auf einem alten Hof, wo sie selbst Pflanzen für ihre Parfümherstellung anbaut.
Ich bin beeindruckt von ihrer Art, mich durch meine erste Parfümkreation zu lotsen. Schon ihre Fragen im Vorfeld führten zu der passenden Auswahl der Essenzen. Ihr Wissen und Einfühlungsvermögen haben dazu geführt, dass ich nun ein eigenes Parfüm in den Händen halten kann, das mir wirklich gefällt. Ich fühle mich sehr reich beschenkt. Aus dem kleinen Gutschein ist ein großes Geschenk geworden, ein ganz besonderes Erlebnis mit einem Produkt, an dem ich mich noch lange erfreuen kann.
Eure Barbara
… Hier gelangt ihr zu ihrer Homepage der Parfümeurin: ▶️ Duftatelier Maria Packenius ◀️


BeJot

Das du fotographieren kannst, weiss ich ja schon länger ;-)
Danke für dein Feedback!
Danke!
Wäre zumindest gerne dabei
✨️🏆✨️
Ich freue mich sehr für Dich!
Und ich bin gar nicht überrascht, dass der erste Versuch sogar ein Erfolg war. In Dir schlummern wohl noch viele Talente.
Und ich schließe mich Floyd an, vielleicht gibt es irgendwann einen Duft von Dir in einen Deiner zauberhaften Flakons.
Danke dir!
Wunderbar geschrieben,
wunderbare Lebenserfahrung! 😍
Danke!
Ich wünsche dir, dass dein Duft dir nach der Reifung noch ganz viele schöne Momente beschert :-).
Ich freue mich so sehr für dich!
Sooo viele, die sich mitfreuen!!! Klasse!!!
Hört sich echt gut an!
Viele Spaß damit und danke fürs Berichten!
Das ist ihre Homepage. DU kannst per Mail einen Termin mit ihr vereinbaren.
Ganz viel Freude und Erfolg wünsche ich dir!
das klingt ja super spannend!
Könntest du verraten, wo man das buchen kann- Website, etc.?
Liebe Grüße und vielen Dank im Voraus
Svetlana
Ich habe es jetzt auch unter den Artikel gesetzt. Danke, für deine Rückmeldung und Frage!
Deine Erfahrung mit der Online-Variante klingt viel intensiver und auch differenzierter. Toll. Freut mich, dass Du auf Anhieb einen schönen Duft kreieren konntest🌸💜
In einem deiner Flacon-Blogs schrieb ich : jetzt fehlt nur noch ein eigener Duft. 😊
War bestimmt spannend etwas zu creieren.
@Poesiefanny Als Frau Packenius erzählt hat, dass die Studenten am Ende des Semesters einen Flakon gestalten müssen, habe ich ihr meine gezeigt. Sie war begeistert 😄