ChanelleChanelles Parfumkommentare

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20.08.2019 17:26 Uhr
6 Auszeichnungen
Daß ich das noch erleben darf: ein eingestellter Duft, der mir entgangen ist...und der mich umhaut!
Wiesowiesowieso habe ich ihn nie eines Schnüffelns gewürdigt?
Big huge mistake!
Tatsächlich habe ich heute beim Suchen nach einem anderen Duft die Montana Trilogie, aus der er stammt, in die Finger bekommen. Quasi so ohne Nachdenken oder große Erwartungen habe ich den Kupferduft aufgesprüht, vermutend, daß er umgeschlagen sei.
So erledigte ich weiter mein Tagwerk und vergaß fast, daß ich ihn eigentlich mal wenigstens riechen wollte, bevor ich ihn ausmustere.
Aber dann!
Nach ca. 30 Minuten wurde ich stutzig. Und nachdem ich so ein- bis zweimal gestutzt hatte, kam mir etwas sehr bekannt vor....ich roch einen sehr nahen Verwandten von L'heure bleue.
Glaubt ihr nicht? Versucht es doch selbst. (Fies, ne?)
Ich roch diese begnadete fruchtige Holznote mit leicht orientalischem Würzanteil, lippenstiftiger, milder Süße und pfirsichhafter Samtigkeit, wie sie nur ein vintage LHB haben kann. Eben nicht. Eau Cuivrée kann es auch.
Er ist nicht ganz so strong und wird auch nach hintenraus etwas dumpfholziger/seifig, aber zeitweise ist er ein verdammtes Gedicht.
Schade drum.


18.08.2019 22:56 Uhr
8 Auszeichnungen
Nein, nicht so eine wie in Little Britain.
Eine echte, die Klassik hört, vernünftige schwarze Lederpumps mit mittlerem Absatz und hochwertige Damenoberbekleidung in gedeckten Farben - oder schwarz trägt, Perlenkette höchstens dazu, und unauffällig geschminkt ist. Die ihre Haare kurz, aber pfiffig trägt (Pixie cut, gemäßigt) und ihre einzigen Laster sind Filme von Buñuel und dazu ein Glas Rotwein.
Also das genaue Gegenteil von mir.
Wie kam ich heute dazu, einfach mal einen Duft aufzulegen (getupft, da kostbares Extrait!), von dem ich seit Jahrzehnten wußte, daß er nicht zu mir passt?
Nun, da ich mich endlich damit abgefunden, eine "5 vorne" zu haben, bin in den letzten Tagen ein paar neue Wege gegangen. Ich bin jetzt nicht mehr stumpfblond, sondern güldenschimmernd-haselnuss. Ich habe die High heels, vor allem die mit Glitzer, ausgemustert. Ich bin auch nicht mehr bereit, mein kaputtes Lackkleid durch ein neues zu ersetzen.
Bin ich jetzt noch ich?
Paloma Picasso habe ich als spanische Stilikone der 80er Jahre in Erinnerung, so eine Art Coco Chanel mit etwas mehr Temperament und Lippenstift. Ihren 1sten und erfolgreichsten Duft hatte ich schon mal irgendwann damals gerochen und als "langweilig, altmodisch" abgetan.
Als ich ihn heute vormittag zum ersten Mal wieder bewusst roch (und jetzt, nach fast 10 Stunden, nehme ich ihn an mir immer noch deutlich wahr), erkannte ich ihn wieder, empfand aber keine Langeweile, sondern ...Erstaunen. Ich roch einen grünen Chypre, ich roch weiches Holz, edles Leder und eine der schönsten dunkelsamtigen Noten, die ich je gerochen habe! Blumen sind hier im Hintergrund, evtl. merke ich ein wenig Narzisse, aber seltsamerweise stört sie mich nicht (sonst schon!), die grünen und samtigen Eindrücke überwiegen. Die Holznoten sind auch zurückhaltend-edel. Ich bin gefangen in meinen Empfindungen.
Wahnsinnig haltbar, total chic, absolut zeitlos.
Ich verstehe, warum er für einige Damen ein Signature ist oder war, denn er passt einfach immer.
Ob es meiner wird, weiß ich erst, wenn ich mit ihm in der Oper war, aber bis dahin verbeuge ich mich vor ihm, denn er ist zurecht ein Stück Duftgeschichte, in einem Atemzug mit Femme, Scherrer und Mitsouko zu nennen.


10.08.2019 00:16 Uhr
18 Auszeichnungen
Joop Berlin war einer dieser Düfte, die um die Zeit der Wiedervereinigung auf den Markt kamen. Damals war Deutschland voller Euphorie - das Begrüssungsgeld floß, Parfümerien schossen auch in den neuen Bundesländern wie Pilze aus dem Boden, große Düfte wurden unter deutscher Flagge geboren. Ich hatte zwar schon reges Interesse an Parfums, war aber noch zu jung (und dumm!), zu erkennen, daß diese Joops, Bogners und Jil Sanders ganz großartig waren. Für mich war Frankreich Mekka, wenn es um hochwertige Duftkreationen ging. Dabei war gerade Berlin eigentlich ein Mercedes unter vielen Renaults und Citröens...naja, Guerlain, Rochas, Dior und so haben in dieser Ära auch fantastische Düfte geschaffen, aber Berlin, sowie der andere Joop-Geniestreich Nuit d'Èté, waren eben Weltklasse. Erst jetzt, wo sie selten und wenn noch intakt, (vergleichsweise zu damals recht teuer) sind, ist mir das alles erst klar geworden. Blitzmerker, aber ehrlich.
Berlin ist ein einzigartiger Duft, keiner ähnelt ihm. Die Komposition ist typisch 90er, ein wenig krachig, aber dennoch edel und geeignet als Tagesduft. Leicht überdosierbar, da nun mal ein Powerhäuschen, langanhaltend und wertig. Die Noten sind dermaßen ausgeklügelt und verwoben, daß man sie kaum auseinandergedröselt bekommt. Eine leichte, orientalisch anmutende Süße auf einem Bett von fruchtigen Ahnungen, ein paar Blumen hie und da verstreut und in der Basis feines Sandelholz. Klingt langweilig? Mitnichten. Er hat den gewissen Touch. Stellenweise deute ich einen Anklang an Femme von Rochas hinein, aber dann wieder unterschwellig den guten alten Chloé, oder Ysatis von Givenchy. Keinem ist er wirklich ähnlich, aber hat dennoch von allen diesen das Beste.
Perfekt.
Masterpiece.
Danke an die liebe Parfuma, die uns beide, Berlin und mich, wiedervereinigt hat.


07.08.2019 12:53 Uhr
3 Auszeichnungen
Da ich 1. seit Neuestem Kokosnuss in meine Sommerduft-Vorlieben aufgenommen habe, und 2. eine weitere Vorliebe habe, und zwar kitschige Flacons, freute ich mich sehr, von einer netten Parfuma dieses Schnucki zu ersouken.
Seit langer, langer Zeit war es keinem Mainstream-D&G mehr gelungen, mich irgendwie für sich zu gewinnen. Hier nahm ich das pinke Etwas mit dem Blumentop schon wohlwollend in die Hand, sprühte mich todesmutig an und wurde spontan von einer Kokosnuss am Kopf getroffen. Nicht arg, aber doch ganz schön. Gerade, als ich im Geiste schon eine Beschwerdemail an D&G entwarf, setzte die Süße ein. Und die blieb.
Erst als süße, gourmandige Kokosnuss, später als tropisch-fruchtiger Kokosnusscocktail.
Nie nervig, was ich insgeheim schon befürchtet hatte.
Auch wurde die Süße mit der Zeit eher dezenter, und eine südseetaugliche Blütencreme wurde stärker.
Diese widerum klang aber auch schon bald aus und wurde skinnig, viel zu schnell imho.
Aber gut, als mädchenhaftere Alternative zum Coconut Fizz lasse ich mir Dolce Garden gefallen, solange der Flacon es noch hergibt. Nachkaufen würde ich eher nicht, den ich bin ja keins.
Mädchen, meine ich.
Raffaello lässt grüßen.


03.08.2019 23:41 Uhr
35 Auszeichnungen
Schon als ich den Flacon (im satten Kupferton!) in der Hand hatte, schmolz meine Skepsis wie Butter in der Sonne. Mon Guerlain und seine Ableger hatten mich bisher alle nicht nachhaltig überzeugt, wenn auch Bloom of Rose am weitesten vom Ur-MG entfernt war und damit wenigstens ein gewisses Lüpfen meiner linke Augenbraue hervorgerufen hatte. Die bisherigen Aussagen zum neuen MG Intense waren recht positiv, obschon inhaltlich nicht ganz übereinstimmend. Nun aber dazu mein Eindruck:
Wow.
Nicht verschlimmbessert, nicht bis zur Unkenntlichkeit verändert, sondern: vervollkommnet.
Die Carla hat zuerst einen wirklich großen Auftritt (so heißt angeblich die Lavendelsorte, die hier zur Verwendung kam), um dann den Bauch einzuziehen damit die Mandarinen reinrollen können. Dann kommt der gemütliche Teil der Vorstellung: Lakritziges Holz und Vanille stimmen ein großartiges Duett an, untermalt von einer tonkigen Kirschnote, wie ich sie aus irgendeinem L'homme ideal kenne und schon immer gut fand!
Süß ist der Duft, ja! Aber nicht so aufmerksamkeitsheischend wie manche andere, nicht so buttercaramellig, eher rauchig. Annäherung an den superschönen Vorläufer Mon Exclusif?
Das Sandelholz wird erst nach und nach deutlicher, und macht ihn mir noch zusätzlich sympathisch.
Performen tut er auch nicht übel.
Der 1. Mon Guerlain, der Chancen hat, auch bei Damen anzukommen, die LVEB nicht mehr ertragen können.

Edit: Nach 9 Stunden bleibt noch eine sandelholzweiche Orangencreme!


01.08.2019 21:39 Uhr
4 Auszeichnungen
Myrrhe et Delires und ich können nicht miteinander. Vor einigen Jahren testete ich MED und fand eine Note darin so nervend, daß ich nicht mal Lust hatte, irgendetwas dazu zu schreiben. Vor wenigen Tagen frohlockte meine derzeitige Lieblingsguerlainvertickerin, MED sei wieder da, und zwar exclusiv in einer einzigen Filiale. Mmmh, dachte ich, oftmals sieht man ja mit dem 2. Auge besser, will heißen: Vielleicht sollte ich ihm nochmal eine Chance geben? Manchen Düften gewährte ich sogar schon bis zu 3 Chancen! Immerhin ist das ein Guerlain, und die junge Dame im Flagship store schaute mich stolz und erwartungsvoll an. Nun, ich ließ mich besprühen.
Der Auftakt gefiel mir. Würzig, leichte Aprikosennote, ein bißchen mit Holz garniert. Doch da!
Da war sie wieder!
Die schleimhautirritierende Bei-Note.
Ich erkannte sie sofort wieder. Und auch diesmal verleidete sie mir das Dufterlebnis, ohne daß ich so richtig in Worte fassen konnte, woher sie kam.
Etwas stechend, vielleicht auch seifig empfand ich von da an den ganzen Duft. Aprikose kam nicht mehr durch, das Holz wurde holziger, die eigentlich ganz angenehme Würze mit leichtem Lakritz-Touch schwächelte auch unter der überbordenden Kitzeligkeit. Myrrhe ist das nicht, die piekst nicht so, oder?
Insgesamt haben wir ein Problem, MED und ich.
Hat nur den einzigen Vorteil: Geld gespart.


25.07.2019 12:41 Uhr
9 Auszeichnungen
Hatte mir mal auf die Fahne geschrieben, alle Vivienne Westwood Düfte zu besitzen. Bin halt als Ex-Punk loyales Fangirl der Mutter des Punks. Auch die sonnige Alice hatte vor einiger Zeit schon bei mir Einzug gehalten, aber iwie hatte ich sie nach einem Test erstmal unter "nichts besonderes" abgelegt. Diese Meinung muß ich nun jedoch revidieren. Nach einer gigantischen Parfum-Auf-/Umräumaktion (noch in Arbeit, aber heute sind 41 Grad, da bin ich eher phlegmatisch), fiel sie mir neulich wieder in die Hände und ich nahm ein Stößchen.
Nanu?
So schlecht ist diese Alice garnicht!
Ich könnt mich jetzt mit leeren Testern steinigen, oder auspfeifen, aber ich entdecke sogar Embruns d'Ylang vibes an ihr...jetzt aber losrennen und Spontankäufe anzustreben, dürfte ein schwieriges Unterfangen werden, denn Sunny Alice has left the building, for good.
Schadeeee!
Fruchtiges Mandarinchen, kumquatähnlich, mischt sich mit Meeresbrise zu einem sommertauglichen Leckerduft, Süße ist da, aber nicht zuviel, Cremigkeit kommt erst ganz hinten auf. Sillage / Performance natürlich nicht im Guerlain-Bereich, aber Preis / Leistung machen das wett.
Ach, Alice, wärst Du doch noch living next door.


23.07.2019 11:32 Uhr
13 Auszeichnungen
Nach zahlreichen Cool Water Flankern der maskulinen und femininen Art hatte ich CW schon abgehakt, als zu mir vordrang, daß "der Neue" ein "Guter" sein soll. Da die CWs nicht übermässig kostspielig sind, liess ich es rubbeldikatz auf einen Blindkauf ankommen, und heute nahm ich mir das Schätzchen nun vor. Und was sage ich?
Bämm.
Intense!
Mit dem Ur-CW nicht verwandt, nicht mal verschwägert, ist dieser Vertreter ein komplett neuer und im Kokoswasser-Trend liegender Duft. Den neuen Le Male, den ich gestern testete, steckt er locker in die Tasche, kann er doch mit eine superspritzigen, grünlichen Mandarine aufwarten, nebem dem mildsüßen Kokos. Die Amber-Basis riecht wertig, warm und schön.
Die Performance rockt auch.
Die Richtung ist Gourmand, aber dennoch männlich, und für das Geld kriegt man ordentlich was auf die Nase.
Ich werde diesen Sommer (solange es nicht weit über 28 Grad werden), jeden Kerl, der lange genug stillhält, damit einsprühen.
Und nein, Davidoff hat mich nicht gesponsert. Ich finde ihn einfach gelungen.


13.06.2019 16:31 Uhr
9 Auszeichnungen
...und wenn ja, vielleicht bei einer anderen Ex-Guerlain-Kreativen? Ich frage nur mal so, denn den ganzen Tag (seit ich Acapulco gesprüht habe) flattert mir ein Deja-smell vor der Nase herum wie ein Schmetterling, und ich kann es nicht packen. Aber Vahina de Delacourte ist schon sehr ähnlich.
Erstmal kurz vorab:
JP Guerlain, der vorerst letzte Guerlain-Parfumeur dieser einzigartigen Sippe, hat einiges verbockt, bevor er aus dem Rampenlicht verschwand. Er war verantwortlich für einige 90er Flops des Hauses (wenn auch Mahora für mich ein genialer Duft war), ließ sich zu rassistischen Äusserungen hinreißen und verscherbelte dann das ganze Imperium an die LVMHs.
Dufttechnisch hatte er den Anschluss verpasst. So etwas wie Secret Intention, was wohl die Calvin-Klein-Generation anlocken sollte, hat nur die Guerlainophilen verschreckt und sonst nichts.
Aber neulich, als keiner mehr daran glaubte, trat eine merkwürdige, recht Middle-East-angehauchte Firma auf die Szene und spannte sich JPG vor den Karren. Die Flacons wurden kurzerhand bei Dorin entliehen, abgekupfert, oder was auch immer, ein paar Düfte wurden lanciert, die Preise waren nicht ohne...und Proben gab es nicht. Nur überteuerte Duftstreifen! Mein Interesse ging gegen null.
Dann begab es sich jedoch vor wenigen Tagen, daß ein junger Mann arabischer Herkunft (Nachtigall, ick hör Dir trappsen!) im Guerlain-Forum verkündete (naja, knapp daneben!), M.E.C. Düfte wären the bees knees und es gäbe gerade 75 % Ermäßigung (kaum zu glauben, aber wahr!).
Ich verkündete in gleicher Minute diese frohe Nachricht hier, und bäm, gingen die Bestellungen und sharings los.
Heute erreichte mich Acapulco als erster der M.E.C.s.
Und was soll ich sagen- er ist schön! Warum er als Herrenduft deklariert ist, ist mir unverständlich, denn frau kann ihn genauso, wenn nicht noch besser tragen.
Die Kopfnote mag vielleicht noch recht gewürznelkig sein, aber bald schon kommt die schönste orangige Vanille dazu und überlebt auch alle hie und da aufkeimenden, ebenso schönen Noten, wie Tonka usw.
Das ist nämlich auch, was mich an den Vanilleexoten Vahina, den ich ebenso schätze, erinnert.
Wenn JPG Acapulco wirklich (auch nur teilweise mit-) geschaffen haben sollte, hat er auf seine alten Tage doch noch etwas sehr gelungenes, und sogar trendiges, gemixt. Völlig anders als seine großen Würfe von früher, aber einen Versuch wert. So als cremig-würzigen Sommervanilleduft. Wenn man einen 75%-Code hat.


06.06.2019 08:55 Uhr
10 Auszeichnungen
Tendre Madeleine wurde mir mal vor 2-3 Jahren als Lira-Dupe an's Herz gelegt, was darin endete, daß der Duft für den angenehm kleinen Preis gekauft und eingelagert wurde. Bei einer grossen Umräumaktion kam er wieder zutage, und als es heute morgen um 5.30 Uhr so lausig kalt war, daß ich schon zu meinen Lieblingswinterdüften greifen wollte, erinnerte ich mich seiner.
Doch, oh weh!, was war passiert? War er trotz optimaler Lagerung schon hinüber? Der erste Sprühstoß verbreitete eine solch' schwere Süße, daß ich beim besten Willen nicht an fluffige Magdalenas denken konnte, sondern an einen Topf mit warmem Toffifee. Die Reise durch das Süßwarenregal war damit noch nicht zuende. Doch, ja, es wurde keksiger, aber auch buttriger. Von Leichtigkeit keine Spur. Nur eine leichte Zitronennote brachte Frische und damit Erlösung vom Werther's-Echte-Regen.
Nach ca 3,5 Stunden rieche ich immer noch intensive Karamellkekse mit Schokoglasur. Ich gehe jetzt mal an die frische Luft, damit ich nicht vom Riechen zunehme....


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