CitaCitas Parfumkommentare

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27.08.2017 08:02 Uhr
13 Auszeichnungen
Manchesmal passieren doch die schönsten Überraschungen völlig unerwartet. Es ging damit los, daß mein bester Freund mir einen Flakon augenscheinlich älteren Datums und unklarer Qualität in die Hand drückte zum Zweck des Schenkens. Anfänglich angetan von diesem Herrenduft auf meiner Haut, entschied ich mich dann doch, die Freude des Beschenktwerdens weiter zu geben an jemanden von hier, der sich den Duft sehnlicher, als ich es mir tat, wünschte, der aber noch zu eruieren war. Was nicht lange dauerte, und so wechselte der Flakon erneut seinen Besitzer. Die Freude war wohl groß über diese Bescherung, und kurz darauf kam Post, diesmal wiederum zu mir. Im gewohnten Luftpolsterumschlag ließen sich schon reichlich Miniflakons erfühlen. Hier hat sich jemand - es war unser lieber Kollege Duftjäger, der sich die Revanche nicht nehmen lassen wollte - mal richtig Mühe gemacht mit der Auswahl der Düfte und der Abfüllerei, Beschriftung uswusf.. ihr wisst alle was ich meine. Unter all den Orientalen gab es Arabi Cana, der mich am meisten zum ersten abendlichen Ausführen reizte. Aus gutem Grund... oh Mann.. was hat sich denn hier entfesselt?!
Der zitrischer Auftakt stimmt, aber erst beim zweiten Riechen und nur ganz kurz, ein paar Minuten vielleicht. Der wird dann aber förmlich überrollend eingeholt von Leder, Rauch und Holz und Lagerfeuer, knisternd, kratzig, wild und voller Testosteron. 'Schau wie du mit mir klar kommst, Weib!' scheint er mich hämisch zu verspotten, während er sich auf mir breit macht, unwissend mit wem er es gerade aufgenommen hat. Ich komme nämlich klar mit dieser Bestie. Sie versucht mich noch eine ganze Weile zu beißen und zu kratzen, das fällt auch all meinen Tischnachbarn auf, aber ich, unbeeindruckt davon, habe ihn trotz allem - oder gerade deswegen? - längst ins Herz geschlossen. Er ist ehrlich, geradeheraus und bleibt sich absolut treu, was mir gefällt. Aber er wird zahmer, schnappt nur noch ein paar Mal, und fängt dann an zu schmusen und zu schnurren. Es war ja so saumäßig schwül an diesem Abend, das Wasser lief durch die Kehle, wo es reichlich reingeschüttet wurde, auf scheinbar direktem Weg nach hinten und den Rücken hinunter (vorne übrigens auch, aber darum geht es gerade nicht). Arabi Cana ist mir treu geblieben. Was tut frau also bei der Witterung? Natürlich den Fächer zücken und vorsichtig wedeln! Vorsichtig, damit die Wärmeentwicklung durch die Bewegung kleiner bleibt als der abkühlende Effekt der Verdunstungskälte. Meine kleine Bestie nun lässt sich in die Umgebung verwehen und wickelt dabei alle Anwesenden um den Finger mit ihrer Anmut, ihrem Stolz und ihrer Stärke - und bleibt dennoch auch standhaft bei mir.
Der schöne Abend draußen wurde jäh beendet durch ein drohendes Unwetter, das sich zum heftigen Gewittersturm entwickelte. Auf die 10 m vom Auto zum Haus wurde ich naß bis auf die Knochen. Umziehen in trockene Tücher war angesagt. Und siehe da, mein Arabi Cana blieb mir und sich (!) immer noch treu und immer noch deutlich wahrnehmbar. Er hat dann noch die Nacht mit mir verbracht, sich am Morgen danach noch mitduschen lassen und als alles gut war hat er sich leise und behutsam von mir getrennt..
Was für ein Gefährte, Beschützer, Betörer, Verführer... Und wie dankbar er sich von mir zähmen ließ. I really love you, Arabi Cana

PS: Aus Spaß habe ich ihn auf Papier gesprüht, zusammen mit anderen Schätzen zum Vergleichszweck. Er riecht fast ununterscheidbar wie Interlude Man von Amouage, nicht ganz so komplex und raffiniert, kommt meinem Black Oud nah, der etwas weicher und ausgewogener ist, und es gibt auch eine Art Verwandschaft zu Leder 6 von Schwarzlose, der blumiger und etwas zarter ist.

PPS: mein Auto ist endlich mal richtig sauber geworden! :))


18.04.2017 22:18 Uhr
12 Auszeichnungen
"Bist du schon da? Hier riechts plötzlich voll nach Rummelplatz!"
Das scheint mein Signatur-Akkord zu sein: Rummelplatz. Ganz viele der Düfte, die ich so gerne trage, gehen wohl ein bißchen in diese Kirmesrichtung.
Café Chantant - "singendes Kaffeehaus".. ?! .. Warum eigentlich nicht statt dessen "singender Kaffee"? Passt doch viel besser zu Crèpes, Magenbrot und Kettenkarussell.
Also, Bauwerk, Ort der potentiellen Zusammenkunft oder Genußmittel, was auch immer hier singt, es singt lieblichst und zauberhaft, und ist somit ein weiterer Kandidat für die Liebe auf den ersten Schnüffler. Gedanklich hatte ich mich eigentlich auf einen leicht herbsüsslichen Kaffeeduft eingeschossen - den Angaben der Duftpyramide zum Trotz, die ein Kaffeearoma zugegebenermaßen gar nicht hergibt. Da war wohl, inspiriert vom Namen, der Wunsch der Vater der Gedanken. Der erste Sprüher schon eröffnet alles, was die Mixtur von gebrannten Mandeln Wiener Art, Zuckerwatte und Vanillesofteis in sich zusammen vereint. Die Komposition ist direkt vollständig präsent - zu meiner Erleichterung sind die Kirschen auf meiner Haut jedenfalls nicht wahrnehmbar - und ruft sofort ein freudig überraschtes und beruhigend schnurrendes `Mmmmh!´ hervor. Puder, zarte und gänzlich unaufdringliche Gewürze, perfekt aufeinander abgestimmt, rund, harmonisch, sanftmütig, einhüllend, umarmend. Hier gibts keine Kanten an denen man sich reiben muß oder sich abgrenzt, statt dessen gibts liebkosenden, ausgewogenen Wohlklang.
Bei Café Chantant fühle ich mich gleich erinnert an Méharées von L' Erbolario oder an den schönen Organza Indécence von Givenchy.
Einen wilden Duftverlauf gibt es nicht, er fährt von Anfang an mit allem auf, worüber er verfügt, und bleibt zuverlässig konstant. Die Sillage ist angenehm wahrnehmbar aber nicht aufdringlich, die Haltbarkeit dünkt mir für einen Arbeitstag völlig ausreichend - wer länger will sprüht eben nach.
Café Chantant, der sich bei mir direkt gleich als `must have´eingeschmeichelt hat , werde ich einen überschwänglichen Empfang bereiten, ich freue mich schon auf seine baldige Ankunft, herzlich Willkommen, Grüß Gott! :))


17.01.2016 19:06 Uhr
12 Auszeichnungen
Jetzt bin ich nur hier bei den Kommis gelandet, weil mein Text, den ich eigentlich schreiben wollte, nicht in die Statementspalte passte. Ok, dann kann ich gleich ganze, einigermaßen anständige Sätze formulieren.
Ardent - danke an die liebe Parfuma, die mir diesen Duft beschert hat - trug ich mit Vorbehalt auf. Ich habe es nicht so mit Rosendüften. Meist begegnen sie mir puristisch aquatisch pappsüß aufdringlich schwülstig niederbretternd erschlagend stechend übelkeitserregend. Rose riecht gut, keine Frage, aber ich werde aggressiv, wenn sie mich, auf der Haut aufgetragen, überall hin verfolgt wie eine lästige Schmeißfliege. Wer kriegt da keinen Koller, hö?
Also, weiter im Text, die Duftpyramide klingt nicht sooo übel. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Es gibt ja noch meine Metallseife, um die ich in letzter Zeit sehr dankbar bin - wie auch immer sie rätselhafterweise funktioniert. Bestimmt kann mir das jemand mal erklären.
Zurück zum Duft. Will jemand ein Bild? Voilà: Sägewerk neben Rosenbeet. Klingt blöd? Mitnichten ist das so gemeint! Ich habe da das einzige Sägewerk im Kopf, das ich kenne, und das ist im Oberallgäuer Hochtal, fernab der Zivilisation, mitten in der schönsten Natur, eine Miniortschaft, die mit Müh und Not zu einem grünen Ortschild berechtigt ist und im Prinzip nur aus Sägewerk und zweidrei Höfen besteht. Dort riechts immer ganz toll nach frischen Holzspänen und leicht harzig. Und jetzt muss man sich vorstellen, daneben, ein riesiges Feld voller fein duftenden Rosen (fein duftend!). Die Düfte des Holzes und der Rosen wehen in sanften Wolken ineinander wie ein Tanz zweier schüchterner Verliebte. Fertig ist Ardent. Ja! Bitte nicht von der Allgäuer Natur irritieren lassen, in Ardent gibts nur helles trockenes zartes Holz und duftende Röschen. Was noch alles zugetan wurde, unterstützt (nur) diese Wirkung auf perfekte Art und Weise. So liebe ich die Rose!! Genau so! Es ist nach Rosen duftendes Holz. Schmeichelnd. Beruhigend. Kuschelig. Unaufdringlich.
Wundervoll. Darfst gerne bleiben, Ardent. Herzlich Willkommen!


23.12.2015 00:55 Uhr
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Ich liebe die Haarprodukte von Lush. Ich liebe die hellgrüne Karma-Haarseife. Ich lieeeebe Patchouli. Der schöne Patchouli-Duft, der nach der Haarwäsche bei jeder Kopfbewegung aus den Haaren entfleucht.. einfach wunderbar! Natürlich ist die Konsequenz daraus, sich den Duft zu kaufen. Ungetestet. Blind. Hingelangt und zugeschlagen. Nichtmal HIER habe ich vorher recherchiert. Heute früh dann war es soweit, genau den Duft wollte ich heute tragen. Ich erwartete also mich in die Aura eines jugendlich naiven, unbeschwerten, frischen Patchoulis zu hüllen um wie Selbiges zu wirken. Scheinbar entsprach das heute morgen im Nachklang morgendlicher Schlaftrunkenheit meiner Gefühlslage und inneren Haltung. Ich also gesprüht, Hals, Nacken, Unterarm links, Unterarm rechts. Ich mag das eben so. Grundsätzlich. Aber nicht in diesem speziellen Fall! OmG!! Diese Orange! Ich wußte gar nicht, daß sie überhaupt mitmischt. Und selbst wenn ich es gewußt hätte, ich hätte sie garantiert total unterschätzt. Jetzt weiß ich, wie es riecht, wenn man sich einen Liter Spezi über den Kopf schüttet. So kurz nach dem Frühstück, der Blutzucker ist im Anstieg begriffen, und dann so eine Zuckerbombe! Es war schockierend. Und übelkeitserregend! Ich habe mich mal an diesem Schokoeiskonfekt, diese kleinen törtchenförmigen Schokopralinchen, überfressen. Der Glucosegehalt war einfach zu viel für mein körpereigenes Blutvolumen. Das war vor Jahren. Seitdem habe ich Respekt, um nicht zu sagen Angst, vor diesen harmlos erscheinenden, lockenden Dingern und keines mehr angerührt. Die Übelkeit wollte ich nie mehr erleben. Herzlichen Dank Karma, heute früh wurde sie mir erneut beschert. Das wenn ich gewußt hätte.. Hier dominiert von Anfang an eine überaus aufdringliche, pappsüsse Orange, gemischt mit Cola-artigem Patchouli. Alles andere war für mich in der Schockstarre nicht mehr relevant. Erfahren, wie ich mittlerweile bin ;) weiß ich, daß es die überraschendsten Duftverläufe gibt. Ich hielt also wacker durch und bin in die Arbeit, umwabert von hartnäckigem Spezigeruch. Damit möchte ich gleich vorweg sagen, daß kaum ein Duftverlauf erkennbar war, auch nicht nach Stunden. Ich war wirklich verunsichert. Und zwar so sehr, daß ich, entgegen meiner Angewohnheit, eine meiner Kolleginnen fragte, wie sie denn mein Parfum fände. Wegen Erwartung von Lug und Trug und wahrheitsferner Schmeichelei mache ich das normalerweise nie. Weil ich auch nie die ganze Wahrheit auf diese Frage preisgebe. Wer einen Duft trägt, den ich nicht mag, wird das von mir nie erfahren. Sie/er mag ihn scheinbar, also lasse ich das so stehen, möchte ich doch nicht die Freude an uU teuer erstandenden Wässerchen durch meine höchstgradige Subjektivität verderben. Lügen tu ich auch nicht, ich sage nicht, etwas sei toll, wenn ich es unterirdisch finde. Aber ich halte mich mit negativen Formulierungen zurück. Und daher frage ich auch nie, aber heute tat ich es. Meine Kollegin konnte die Spezi-Assoziation nicht nachvollziehen. Ich würde nach Räucherstäbchen duften, es würde ihr gut gefallen. Ich also innerlich: hoi !? (bin aus Bayern). Räucherstäbchen ist gut. Sehr gut sogar. Naja, vielleicht verduftet die Orange noch aus meiner Nase und ich rieche das, was ich mir ursprünglich so davon erhoffte. Dann kommt die nächste Kollegin. Die Frau, die ihrer Art entsprechend zum Lachen in den Keller zu gehen scheint und gewohnheitsmäßig entsprechende Mimik aufsetzt, hat einen Ausdruck im Gesicht jenseits von Gut und Böse. Wer weiß, was sie gerade erlebt hat, denke ich mir noch. Nichtsahnend, daß sie gerade durch die olfaktorische Hölle geht. Sie rauscht wieder raus. Kommt später wieder, wohl gezwungenermassen, denn freiwillig wollte sie nicht da rein, wo ich gerade stehe. Werwiewas hier so röche, fragt sie ernsthaft gequält. Sie könne nicht mal sagen, nach was genau, aber es sei unerträglich süss und überall zu riechen (> Sillage sehr stark!). Ich war im Vorsprung, ich habs schon gewußt. Das war für mich der ultimative Wink mit dem Baumstamm, der Augenöffner, Lushliebe hin oder her, Patchouliliebe hin oder her, runter mit dem Zeug! Mir war ja auch immer noch leicht übel. Zum Glück war die Haltbarkeit auf meiner Haut nicht so klammernd, wie ich befürchtete, mit paar nassen Papierhandtüchern habe ich die Wahnsinnssillage auf hautnah kleingekriegt. Da hängt sie aber seit über 12 Stunden immer noch. Unverändert allerdings die Spezi-Duftnote.
Also, ich mag sowas an mir nicht mehr riechen. Der geht bestimmt bei den hübschen jungen Mädels, da geht fruchtig süss. Aber ich bin aus dem Früchtchenalter längst raus.
Es ist also ein sehr süsser orangenlastiger Duft ohne großartigen Verlauf oder vielen Facetten, die Sillage ist sehr stark, die Haltbarkeit ziemlich gut, der einfache Glasflakon mit dem aufgeklebten Etikett nicht sonderlich attraktiv, sofern Wert gelegt wird auf Äußerlichkeiten.
Alles in allem: von diesem Blindkauf werde ich mich definitiv trennen.


08.10.2015 00:28 Uhr
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Oh du meine Haut, ich liebe dich, bist du doch immer für die tollsten Überraschungen gut!
Eine tolle Duftpost von Bellemorte - Dank an dieser Stelle nochmal! - hat mir den Besitz von vielen tollen Pröbchen beschert. Habe ich, immer noch auf der Suche meines Indienduftes, mir natürlich gleich Or des Indes geschnappt und gesprüht.

Der Duft gestern: sehr zitrisch und seifig. Wird hellholzig, bleibt aber immer noch sehr seifig. Ähnlichkeit mit Shalimar??? Nicht bei mir. Ein nahezu eindimensionaler Seifenduft.
Sillage mittelmäßig, Haltbarkeit schlecht (was ich durchaus gut fand...).

Der Duft heute nochmal: schöne Bergamotte im Auftakt, erinnert die erste Minute an Shalimar (!!, hahaha!), wird dann ganz zart balsamisch, hellholzig und pudrig. Die Bergamotte bleibt bis zum Schluß.
Sillage bleibt mittelmäßig, Haltbarkeit heute etwas besser.

Im Vergleich zu gestern war Or des Indes heute doch deutlich duftiger. Aber für mich bleibt er dennoch bestenfalls das ganz ganz kleine Schwesterchen von Shalimar, der Nachzügler, das Küken, noch putzig klein und unreif, bißchen doof im Kopf, muß eben noch wachsen, groß werden, Erfahrung sammeln, Ausstrahlung, Markanz und Attraktivität entwickeln.
Ein zitrisch-holziger Duft ohne große Überraschung, ohne das gewisse Etwas, ohne raffinierte Basis. Vielleicht ein hübscher Sommerduft, aber für die jetzige Jahreszeit des Einkuschelbeginns irgendwie nicht passend. Und so unschuldig gehts in Indien auch nicht zu..


23.09.2015 02:22 Uhr
2 Auszeichnungen
Hallohallo? Hier gibt es doch bestimmt jemanden, der seinen Infidels Duft nicht mehr leiden kann, oder??
(schwer vorstellbar eigentlich, aber es gibt schließlich nichts, was es nicht gibt. Oder: versuchen kann ich es ja mal..)
Also: ich würde mich opfern, ok? Ich opfere mich, um einem verschmähten Duftwässerchen eine neue Heimat voller Geborgenheit, Liebe, Zuwendung und Achtung zu geben, all das würde es bei mir bekommen. Und Integration in meine Duftsammlung als konstruktive Erweiterung meiner höchstpersönlichen Patchouli-Linie. Das ist er nämlich für mich, ein - ich wiederhole mich, habe ich das doch so schon in meinem Statement geschrieben, aber ich kann das gar nicht oft genug konstatieren - zartfloraler Edelpatchoulischmeichler. Zuerst ein bißchen streng und krautig (hallo, ein bißchen nur!!), dann samtig und mehr als gefällig. Er hat sich jedenfalls nach 10 Minuten Aufenthalt in meiner Lovethems-Liste zielsicher in meine Musthaves-Liste eingeschmeichelt. Will jemand Details der wahrnehmbaren Duftnoten im Verlauf lesen? Die Kollegen unten haben differenziertere Näschen, da kann man schön nachlesen über die einzelnen Duftempfindungen. Ich kann leider nicht damit dienen. Man beachte diesbezüglich vielleicht auch die beachtliche Menge der Ingredienzen. Diese bilden nach meinem Empfinden ein perfektes Zusammenspiel, alles fügt sich in allem. Die Einzelkomponenten bleiben nicht alleine, sondern kumulieren miteinander zu einem perfekten Ergebnis.
Edelpatchoulischmeichler, zart-floral. Wunderschön. Must have. Yes!


26.08.2015 23:46 Uhr
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Das wird ein kürzerer Kommi, weil er fürs buchstabenbegrenzte Statement zu lang ist. Aber dolle viel kann ich nicht dazu sagen.
Weil ich ein wirklich passionierter Nelkenfan bin, als Gewürz, Blume, Duft, Nelkenölzigaretten in meiner Raucherzeit, musste der natürlich her. Gesagt getan ergattert gesprüht puh....
Die Nelke hier gleich direkt frech vorlaut vernehmbar, kommt zwar daher wie die Zwillingsschwester der Nelke aus Vivienne Westwoods Boudoir. Zugegeben liebe ich diesen extraordinären Kracher, meine wildeste Sturm- und Drangzeit war in diesen olfaktorischen Bombenjahren, und sogar mit der Reformulierung konnte ich mich anfreuden. Nur leider fehlt der Lutens-Nelke das Mozartorchester des Boudoirs. Ich habe nicht mal die Worte, wie sie mir hierheraus vorkommt. Dunkel, plump, grobschlächtig. Bäh! (sorry) Nichts raffiniertes, hübsches, was sie umspielt. Sie drängt sich einfach nur auf, nach dem Motto: hier bin ich und ich kann nicht anders. Das hält sie auch erstaunlich lange durch, dann verliert sich der Duft in einem abgemagerten Gemenge eines zwar femininen und leicht würzigen aber undefinierbaren Blütenreigen um dann ab durch die Mitte in einem schwarzen Loch zu verschwinden. Mir fehlen die Worte dafür. Und die Zuneigung dazu leider auch. Byebye!
Sillage ist eher zart, Haltbarkeit bei mir 3 Stunden - ich sag ja, er ist abgezischt...


26.08.2015 22:56 Uhr
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Keine Ahnung was meine Haut mit den aufgetragenen Düften immer macht. Oder mein Riechhirn in die aus den Riechzellen empfangenen Molekülen hinein interpretiert, wer weiß überhaupt, welche verschlungenen Verschaltungen sich in meinem Hirn im Lauf der Jahre gebildet haben. Jedenfalls passt es mal wieder nicht zur allgemeinen Wahrnehmung hier. Und schon gleich gar nicht zur Duftpyramide, die ich mir nach dem Aufsprühen, Rätselraten was ich da schon wieder bekanntes aber äußerst absonderliches zu riechen bekomme und schließlich der Erkenntnis dessen, an was es mich deutlich erinnert, dann doch mal betrachten musste. Staudensellerie!! Steht da nicht und stand da wahrscheinlich auch nie.
Erst kam ein Holzgeruch im Stil von abgebranntes Streichholz, dann trat er zutage, der Staudenselleriespiegel. So sagt man doch heute, wenn eins auf zwei, was pfützenartig drapiert wurde, vorsichtig draufgehaucht wurde. Naja, komisch jedenfalls der Geruch. Diese Illusion hielt eine knappe halbe Stunde an. Und dann kam sie angetänzelt, die Vanille. Welch Freude! Zart kam sie erst daher, aber raffiniert, balsamisch vielleicht sogar. Holzig? Von mir aus gerne. Aber dann sehe ich runtergebrannte Holzkohle, die hat auch einen Wohlgeruch! Ja genau, vielleicht macht das diesen wunderschönen Duft, zu dem sich das alles entwickelt hat, so dunkel und betörend. Reinbeissen mag ich hier nicht, ich mag nur riechen riechen riechen riechen. Er ähnelt sehr dem Vanille noire von Yves Rocher, und dem 5:40 PM in Madagascar von Kenzo, nur dieser hier ist feiner, edler, teurer.
Zusammenfassung also - den Auftakt ignoriere ich, war ja auch nur kurz: dunkle betörende Vanille. Seehr schön!! In der Hitze des Hochsommers, jeder hier hats durchgemacht und weiß, was ich meine, würde ich ihn allerdings nicht tragen. Er ist so schön ausgewogen herb süsslich, das könnte in der Wärme auseinanderfallen und in die kopfschmerzsüsse Hose gehen. Unter 25 Grad habe ich keine Bedenken, ganz im Gegenteil.
Endlich ein Lutens der bleiben darf. Ein maystays in meiner Sammlung, wegen der Feinheit ein guter Kandidat für ein lovethems. Vor zweidrei Jahren, als ich YRs Vanille noire noch begeistert konsumiert habe, hätte ich ihn wahrscheinlich auch saufen mögen.
Die Sillage ist nicht erschlagend aber gut präsent, Haltbarkeit trage ich noch nach.


23.08.2015 16:29 Uhr
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Ich war schon mal in Indien. Das macht mich wahrlich nicht zum Experten, aber das ist immerhin mehr, als sich Reiseberichte auf DVD reinzuziehen. In Indien wird man von allen Seiten mit sämtlichen Vorzeichen geflasht, Farben, Gerüche, Geschmäcker, Landschaft, Tiere, Natur, Bauwerke, Spiritualismus, Geisteshaltungen, die Menschen dort, die Menschenmengen, der Reichtum, die Armut, die Wohnverhältnisse, die Sauberkeit der primitiven Wohnstätten, der Dreck auf den Straßen, die abgerissenen Klamotten, das strahlende Lachen, sichtbare Krankheiten undundund.....
Bois des Indes also begegne ich mit großer Erwartung, so wie bei allen Düften, die etwas indisches im Namen führen. In der Hoffnung die Essenz - meine Essenz - von Indien zu finden.
Der erste Eindruck vom Duft geht schon gut los: schön frisch zitrisch, aber direkt auch gleich fade. Gleich habe ich den Küchenabfall vor Augen, der überall in Indien vor den Häusern auf den Straßen liegt, an dem sich die heiligen Kühe laben, die auch überall in Indien auf den Straßen liegen, stehen, laufen, und andere Sachen machen.
Die Hausfrau hat im Dunkeln ihres Reiches eine alte vergessene Gewürzmischung gefunden, die wird auch gleich rausgeschmissen auf den Haufen und somit entsorgt.
Dann riechts nach Holz, wie der Name des Duftes schon verspricht. Aber kein frisches Holz, nein, das liegt schon länger, aber nicht an der frischen Luft, am besten noch im Wald, nein!, weit gefehlt, wir sind ja beim indischen Straßenabfallhaufen. Es riecht leicht vergammelt, nicht ekelig, aber auch nicht gut.
Und dann kommt auch noch ein zwar zartes, aber leider doch vorhandenes Wölkchen von totem Aas, süsslicher Leichengeruch. Kann man sich ja auch gut vorstellen, nachts, wenn die Ratten sich ums Revier und Fressen streiten. Da kann man als hungriger Nager schon mal über den Jordan bzw über den Ganges gehen, im Kampf ums Überleben in den Küchenabfällen.
Rauchig riechts auch ein bißchen, das ist Nachbars angeschürtes Feuer an der offenen Feuerstelle (demnächst gibts Essen - in diesem Paradies bin ich dabei! - hat nur leider nichts mit dem Duft zu tun..)
Gefälliger wird dieses ganze indische Straßenleben nur, weil es nach Art des Eau de Cologne schnell abklingt. Asche auf mein Haupt, von allen, die diesen Duft lieben, bei mir entwickelt er sich indisch mit negativem Vorzeichen. Ich ziehe die Tempel mit den duftenden Räucherstäbchen vor, oder den indischen Rum, genossen in einer lauen Sommernacht, ein betörender Blumenduft von rechts, ein Hauch exotisches Gewürz von links. Das wäre dann ein Teil der schönen Seite von Indien. Unter anderem..


23.08.2015 13:52 Uhr
12 Auszeichnungen
Was für ein dreckiger Männerduft! Das war mein erster Gedanke. Assoziationen von Autowerkstatt, Zustand nach Waldbrand im Hintergrund - ohne Rauch, aber mit verkokeltem Holz. In der Ecke hinten die Tasse Kaffee, schwarz und ungezuckert, im Blechpott, schon fast kalt geworden, nach der jetzt mit ölverschmierten Fingern gegriffen wird.
Könnte sein, daß gerade was Hübsches, edel Parfümiertes die Werkstatt betreten hat. Duftige Wohlgerüche sind da, aber undefinierbar. Der harte Kerl wird weicher, wärmer, zärtlicher. Die anfängliche Grundnote bleibt in der Aussage aber konsequent und deutlich erhalten. Mir gefällts!!
Wie Yin zu Yang könnte weiblicherseits Intense Cafe von wohlbekannter Marke passen.


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