DarkWinterCSs Parfumblog

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vor 10 Tagen - 23.06.2022
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Pierre Guillaume - Zwischen Genie und Wahnsinn ?

Lange stand MyrrhiadMyrrhiad auf meiner Merkliste, da mich dieser Duft von seinen Noten her ansprach und auch die Statements und Rezensionen auf ein sehr schönes Gemisch hindeuteten. Allerdings wurde nie etwas aus einem Test. Ich hatte immer wieder Düfte die mich noch mehr interessierten und passender auf meiner bis dato aktuellen Suche waren. So verschwand er irgendwann von der Liste und wurde nie wieder gesehen.

Doch nun kam ich in den Genuss eines wundervollen Discovery Sets von Pierre Guillaume. Dank eines Tauschs wurde mir endlich die Welt dieser Düfte eröffnet. Direkt mit meiner ersten Rezension zu AqaysosAqaysos habe ich wohl aber direkt die Gemüter erhitzt, wenn ich die Kommentare dazu lese. Meine Wahrnehmung auf den Duft unterscheidet sich hier wohl recht deutlich von den anderen Community-Mitgliedern die hier schon mal ihre Nase dran hatten.

Allgemein ist der persönliche Eindruck für mich, dass die Düfte ein Spiel von Licht und Schatten sind. Einige Düfte sind richtig schön, andere wiederum total langweilig und uninteressant für meine Nase. Reine subjektive Einschätzung meinerseits. So möchte ich euch jedoch einen kleinen Einblick über die Düfte des Sets geben, damit ihr auf einen Blick direkt mal entscheiden könnt, ob etwas interessantes dabei ist.

Einer der mich etwas mehr überzeugt hatte war 22 Djhenné22 Djhenné , der sehr trocken herüberkam. Er hatte etwas würziges und Kakaopulver. Dazu eine holzig-dunkle Basis mit etwas Myrrhe im Hintergrund. Im Nachhinein kann ich Parallelen zu Sand DanceSand Dance entdecken, jedoch ist der SHL deutlich orientalischer und wertiger gewesen.

Der Glasreiniger-Duft Lune d'EauLune d'Eau war auch dabei. Allerdings weniger unangenehm als erwartet. Ja man kann eine synthetisch-zitrische Assoziation nach Glasreiniger haben, er hat aber auch Aromen eines Eisbonbons. Dazu ein holziger Hintergrund und nach einer Weile eine für Pierre Guillaume typische Pfeffer-Moschus-Kombi.

Kommen wir mal zum Streitthema AqaysosAqaysos . Ein Duft, der mich leider völlig kalt gelassen hat. Ich weiß nicht, ob meine Haut nicht so gut mit Johannisbeer-Aromen kann, aber hier war echt tote Hose. Da kam fast nur Pfeffer-Moschus bei mir rum, ganz am Anfang eine leichte Fruchtigkeit die schnell verflogen ist. Auch kein Duft der bei mir lange gehalten hat, nach vier bis fünf Stunden war der Ofen aus.

16.1 Bois Naufragé16.1 Bois Naufragé war hingegen wieder recht angenehm und hat mal ein recht trockenes Vetiver präsentiert ohne di typisch feuchte Grasnote. Das hat mir gut gefallen. Dazu kam etwas salziges Ambra. Definitiv ein Duft, der gut in den Sommer passt und sich anders präsentiert als die typischen Sommerdüfte.

Ein Winterduft war hingegen Ambre CéruléenAmbre Céruléen. Sehr gewürzlastig, Zimt in einer angefeuchteten Form, einiges an Tonkabohne und Iris. Man hat schon gewisse Assoziationen von Weihnachtsbäckerei ohne das Niveau von StarlightStarlight zu erreichen. Aber trotzdem ein feiner Duft.

Wie ein klassisches Cologne kam mir Aube PashminaAube Pashmina vor. Sehr sehr klassisch. Grün, keinerlei Zitruskick, dafür herb krautig. Da hat mir was gefehlt und so enttäuschte er mich leider. War etwas wie der Alt-Herren-Duft des Sets.

Mein eindeutiger Favorit aus dem ganzen Set ist 4.1 Le Musc & La Peau4.1 Le Musc & La Peau, der so wunderschön als sommerlicher Duft passt. Der hält zwar auch nicht lange, aber dem verzeihe ich es. So transparent. Leichter Moschus, schöner Rosmarin und im Hintergrund weiches Holz. Tolles Teil.

Ein Duft mit Chypre-Charakter war hingegen Mécanique du DésirMécanique du Désir, welcher sehr aldehydig wirkte und starkes Veilchen offenbarte. Dazu Holz und wieder mal Moschus im Hintergrund. Ein eher blumig wirkender Vertreter.

Wieder etwas für die kälteren Tage war Liqueur CharnelleLiqueur Charnelle, der mit Tabak nicht geizte. Dieser kam harzig an und wurde mit Tonkabohne gekonnt in Szene gesetzt. Dafür schraubte er die Würzigkeit zurück. Er war gut, hatte jedoch seine künstlichen Anklänge.

Natürlich darf auch ein Duft nicht fehlen, der mit Le Mâle (Eau de Toilette)Le Mâle Eau de Toilette konkurrieren kann. So versucht sich ShermineShermine auch an einer Lavendel-Kardamom-Kombi. Dazu gibts noch spritzige Zitrone. Geht in die Richtung, aber schon etwas anders präsentiert.

9.1 Komorebi9.1 Komorebi war wieder mal einer der Unauffälligen, der sein Glück mit frischer Minze versuchte und Assoziationen nach Zahnpasta hatte, Er kam aber recht Dampf und matt herüber. Da hat mir irgendwas gefehlt um überzeugen zu können. Mimose und Johannisbeere sorgten für den Eindruck.

Ein Duft der mich wieder überzeugte war der 25 Indochine25 Indochine, welcher zwischen Bibliothek und würzigen Honig waberte. Etwas dreckig, leicht klebrig und sehr angenehm zu tragen. Der wäre ein guter Kandidat für die kälteren Tage.

Überraschen konnte mich auch Mad About YouMad About You mit seiner echt coolen Lakritz-Note. In Düften mag ich dieses Aroma und dieser präsentierte dazu eine leicht blumige Fruchtigkeit. Die Süße hielt sich in Grenzen, was für diese Art eher untypisch ist. Im Hintergrund baut sich etwas Pudrigkeit auf. Toller Duft.

11 Harmatan Noir11 Harmatan Noir hatte etwas von einem marokkanischen Minztee. War schon ordentlich Bumms an Würze drin mit floralen und grünen Noten. Er wirkte dann aber etwas zu penetrant und scharf. Damit war die Balance dahin.

Kommen wir nun zum Duft auf den ich mich gefreut hatte. MyrrhiadMyrrhiad. Das war eine ordentliche Packung aus Vanille und Süßholz. Zum Start sogar etwas zu viel. Der wirkte sehr harzig und ambriert. Die Süße ging dann nach einiger Zeit immer weiter zurück und so war er deutlich tragbarer. Leider fiel er gegen den 25 Indochine25 Indochine ab.


Ein sehr interessantes Set und eine extrem große Varianz der Duftkompositionen die Pierre Guillaume hier zu bieten hat. Dabei war das nur ein Bruchteil der angebotenen Düfte. Vom Erfahrungswert her aber schon wichtig auch diese Marke zu vernehmen. Ich glaube fast, dass die Varianz an Düften zu groß ist und damit die Qualität und die Fokussierung etwas leidet. Man könnte sicherlich einige Düfte streichen, die sich sehr ähneln oder gar nicht das wiedergeben was die Marke auszeichnet.

Auf der positiven Seite waren für mich vor allem 4.1 Le Musc & La Peau4.1 Le Musc & La Peau, 25 Indochine25 Indochine und Mad About YouMad About You. Die haben einen sehr guten EIndruck bei mir hinterlassen und hier wären weitere Tests notwendig um herauszufinden ob einer von denen für meine Sammlung geeignet wäre.

Ist es nun Genie oder Wahnsinn was mir hier geboten wurde? Keines von beidem. Die Düfte stechen in der Masse nie raus, es gibt keine richtigen Ecken und Kanten, eher ein mitschwimmen auf bestimmten Wellen. Es gibt zwar Ausreißer nach unten und oben, jedoch nichts was der längeren Rede wert wäre.

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