DerDefconDerDefcons Parfumkommentare

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DerDefcon vor 15 Tagen 14
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Die goldene Mitte für den Alltag.
Meine Suche nach einem holzigen, unsüßen Duft war lang ... sehr lang. Viele Parfüms werden hier auf Parfumo als "würzig-holzig" deklariert, nur um dann am Ende doch als klebrig-süße Brühe auf meiner Haut zu enden und mich mit Fragezeichen zurückzulassen. Vielleicht funktionieren unsere Nasen einfach zu unterschiedlich, aber was beispielsweise an "Layton Exclusif" würzig-holzig sein soll, war und ist mir schleierhaft. Holzig ist er, ebenso würzig, aber halt auch noch immer recht süß, vielleicht nicht so wie der jugendlichere "Layton", aber halt süß ... Punkt.
Dann gibt es jene Düfte, denen jegliche Süße abhanden kam und nach denen ich eigentlich auch suchte. Schnell merkte ich aber, dass solche mir dann oft wieder zu unfreundlich und düster auftraten. "Duro" und "Nasomatto" sind hier zwei "glänzende" Beispiele, wahre Holz- beziehungsweise Oudbomben, der eine medizinisch-bitter, der andere krautig, erdig und vor allem düster, ganz ohne freundliche Seiten - nichts für mich.
Wahrlich kannte ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Kandidaten, welche meinen Geschmack eines würzig-holzigen, nicht zu düsteren Duftes bedienten. So kam ich bei "Fars" aus Xerjoffs Oud-Kollektion ins Schwärmen, doch war er mir am Ende des Tages einfach zu preisintensiv. Chanels Bestseller, der Egoist, wusste ebenfalls zu gefallen, ist finanziell absolut vertretbar, auf meiner Haut aber sehr schwachbrüstig. Vielleicht ist es aber auch meine Nase, die mir hier Streiche spielt. Wer weiß ...
Ein weiterer, die goldene Mitte treffender Duft stellte dann "Colonia Oud" aus dem Hause Acqua di Parma dar. Ich kaufte diesen Duft blind im Souk, nachdem ein netter, hier bestimmt mitlesender Parfumo mir dieses Meisterwerk - so viel sei vorweggenommen - wärmstens empfahl. Lohnen sollte sich dieser Blindkauf! Widmen wir uns ihm.

"Colonia Oud" riecht für mich wie eine alte, trockene Holzschale, deren aromatischer Geruch wunderbar rein daherkommt und der Nase zu schmeicheln weiß. Hier ist nichts bitter, medizinisch oder gar muffig. Gefüllt ist unsere Holzschale mit einigen abgepellten Orangenschalen, die ausreichend Frische in das holzig-saubere Spiel bringen, das wohl dem sozialverträglichen Oud und Zedernholz geschuldet sein dürfte. Ich kann daher auch die Stimmen nachvollziehen, laut denen "Colonia Oud" auch im Sommer hervorragend tragbar sei. Vorsichtig dosiert mag das mit Sicherheit gut funktionieren, doch sehe ich diesen Duft eher im Herbst oder WInter, gerade weil ein kleiner Fetzen Leder in der Duftpyramide für das letzte Quäntchen Tiefe in der Komposition und damit auch für ein paar Ecken und Kanten sorgt. Über die Haltbarkeit und Sillage braucht sich - trotz der Deklaration als Cologne - keine Gedanken gemacht zu werden. "Colonia Oud" haftet, morgens aufgetragen, bis zum späten Nachmittag oder gar frühen Abend auf der Haut, ohne das Umfeld dabei zu erschlagen. Tja ... und genau sowas suchte ich. Ich wollte einen holzig-würzigen Duft haben, der auch im Alltag funktioniert ... und da ist er!
9 Antworten

DerDefcon vor 52 Tagen 12
7
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage

Die Alternative mit mehr Ecken und Kanten.
Wer den tollen "Reflection Man" aus dem Hause Amouage liebt, wird mit diesem hier, dem "Hartley", nicht ganz glücklich werden. Wer den tollen "Reflection Man" aus dem Hause Amouage hingegen "nur" mag, von diesem ein paar mehr Ecken und Kanten verlangt, wird mit "Hartley" wiederum seinen Gral finden.

"Hartley" startet trotz anderer Duftpyramde genau wie "Reflection Man". Unterschiede kann ich in der Kopfnote keine ausmachen. Es gilt, einige Minuten abzuwarten, denn dann werden erste Unterschiede offensichtlich. Es kommen keine weichen Blumen und auch keine dezente Iris. Stattdessen haben wir es mit Lavendel zu tun ... viel Lavendel. Dieser besticht durch einen krautigen, gelegentlich kratzigen, mich an typsche Fougère-Düfte erinnernden Auftritt. Er bringt jene Ecken und Kanten in die Komposition, die sich so mancher vom "Reflection Man" vielleicht wünscht. Im Hintergrund schwingt außerdem eine leichte Zitrik mit, welche zusammen mit dem recht dominanten Lavendel und den später einsetzenden Hölzern eine Verbindung eingeht. Man erhält so am Ende beinahe eine Fougère mit der DNA des Publikumslieblings aus dem Hause Amouage - weniger sanft, für den einen oder anderen vielleicht reifer, mit kratzigem Barbershop-Lavendel, ohne großartige Floralität. Für welchen der beiden Kandidaten man sich am Ende entscheidet, ist natürlich jedem selbst überlassen.
11 Antworten

DerDefcon vor 68 Tagen 22
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Ihr entscheidet!
Wer Grapefruit liebt, diese möglichst authentisch erriechen möchte und zusätzlich noch ein bisschen zu viel Geld auf dem Konto hat, kommt um zwei Düfte eigentlich nicht drumherum. Ich spreche von "Elysium", der Variante als Cologne natürlich - nicht ganz so preisintensiv wie manch andere Produkte aus demselben Hause, aber für das Konto noch immer schmerzhaft genug. Auch spreche ich von "A Midsummer Dream". Bedenkt bitte, dass es hier finanziell noch mehr ins Eingemachte geht. Aber gut ... wir wollen hier nicht nur über Geld reden.

Wer den Sommernachtstraum liebt, wird auch "Elysium" lieben. Beide bestechen durch eine wunderbar authentische, schön spritzige Grapefruit. Der Sommernachtstraum ergänzt jene mit floralen Komponenten in Form der Orangenblüte sowie mit abrundenden grünen Noten. Wer jedoch mit Orangenblüten nichts anfangen kann - und da gibt es viele - und stattdessen einen transparenteren, leichter zu tragenden Duft bevorzugt, sollte sich das "Elysium" im blauen Flakon genauer anschauen. Dessen Grapefruit bleibt im gesamten Duftverlauf omnipräsent und wird nach nur kurzer Zeit mit einer beerig-metallischen, ziemlich kühlen Note unterlegt, was wohl der Johannesbeere geschuldet ist, die auf mich einen gefrosteten Eindruck macht. Lässt man dann noch ein wenig Zeit vergehen und erfreut sich an diesem gar nicht mal so schwach auf der Brust seienden Cologne, schmeichelt zusätzlich sanftes Zedernholz die Nase, welches mich umgehend an einen Bleistift zu erinnern vermag. Das war es auch schon mit dem Duftverlauf, der für mich durch drei Noten besticht.

Spritzig-herbe Grapefruit, unterlegt mit einem metallischen Fundament und dezenter Bleistiftnote versus spritzig-herbe Grapefruit, unterlegt mit leicht süßer Orangenblüte und kleinen grünen Spitzen? Die Entscheidung liegt bei euch und eventuell auch bei eurer Geldbörse. Frohes Testen!
16 Antworten

DerDefcon vor 85 Tagen 14
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Weich, anschmiegsam, sanft, wärmend, gemütlich.
"Herod" hatte ich bereits vor einigen Monaten unter der Nase, doch dann gab ich die kleine Abfüllung im Rahmen eines Tausches weiter, ärgerte mich ein wenig darüber, ihn zuvor nicht ausgiebig begutachtet zu haben, nur um jetzt doch nochmal die Möglichkeit zu haben, ihn zu testen. Ein Dankeschön geht raus an die Parfuma "LeniWa", die mir einen kleinen Minizerstäuber überraschenderweise zukommen ließ. Die letzten Tage boten sich für einen Test an, denn immerhin knackte das Thermometer nur selten die 20-Grad-Marke.

Über Qualitätsschwankungen und Batch-Diskussionen möchte ich mich in meinem Kommentar nicht auslassen. Festhalten kann ich, dass "Herod" auf meiner Haut eine gute Haltbarkeit vorzuweisen hat und dabei gleichzeitig angenehm abstrahlt, ohne das Umfeld oder gar den Träger selbst zu erschlagen. Für das Hause Marly ist das nicht unbedingt so typisch, bedenkt man, welche Sillagebomber sich in dessen Portfolio befinden, bei denen man selbst mit einem Sprühstoß schon Angst haben muss, geschlossene Räume zu betreten. "Herod" ist in dieser Hinsicht anders und das auf eine Art und Weise, die perfekt mit dem Duftcharakter als solchen - weich, anschmiegsam, sanft, wärmend, gemütlich - harmoniert.

Für mich ist "Herod" ein naseschmeichelnder Verbund aus Tabak, Vanille und Zimt. Letzterer ist kein klebriger, also nichts, was an Müller Milchreis erinnert. Er ist aber auch nicht zu trocken oder gar staubig, wie man es aus Chanels Egoisten - die flakonisierte Zimtkanondade schlechthin - kennt. Auch der Tabak, welcher gerade zu Beginn stark wahrnehmbar ist, tritt ähnlich geschmeidig auf und versprüht anfänglich ein dezentes Kirscharoma. Von der Assoziation "Shisha-Bar", gegen die ich prinzipiell nichts habe, aber nach der ich einfach nicht duften möchte, sind wir aber zum Glück noch weit entfernt. Mit dem Hinzukommen der Vanille erfährt der Tabak-Zimt-Verbund das letzte Quäntchen Wärme und Süße, ohne dabei jedoch eine nach Insulin verlangende, zuckrige Klebrigkeit zu verursachen. Am Ende erhalten wir so eine sanft tabakartige, mit dezenter Zimtwürze und Vanille untermalte Komposition, die wohl im tiefsten Winter ihre Stärken auszuspielen weiß - sei es auf dem Weihnachtsmarkt, beim Ausgehen, im Privaten oder meinetwegen auch im Alltag, solange bei der Dosierung aufgepasst wird.

"Herod" wird den meisten Mitmenschen wohl oder übel gefallen, da die Duft-DNA genau darauf ausgelegt ist. Großartige Ecken und Kanten sind hier entsprechend nicht zu finden und dem einen oder anderen, inklusive mir, dürfte das auf Dauer vielleicht ein wenig zu langweilig, zu beliebig, zu austauschbar sein. Mein persönlicher Wunsch-"Herod" wäre einer, der dem Tabak mehr Raum gewährt, den Zimt trockener auftreten lässt und zusätzliche Gewürze beinhaltet, die ein wenig mehr Schärfe mit ins Spiel bringen. Doch auch ohne die Würze ist "Herod" ein guter bis sehr guter Duft. Das muss auch ich als jemand, der dem Hause Marly immer ein wenig skeptisch gegenübersteht, anerkennen.
8 Antworten

DerDefcon vor 93 Tagen 13
8
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage

Ja, Yatagan hatte Recht! Es ist ein Dessertwein und sogar ein guter.
Im ersten Statement zu diesem Duft, verfasst von Yatagan, las ich etwas von Dessertwein mit floralen und grünen Akzenten. Tatsächlich war es dieses Statement, das meine Gedanken ordnete, die bereits seit Stunden um die Frage kreisten, woran dieser Nishane-Duft mich erinnert. Nebenbei wanderte ich im Rahmen meines universitären Home-Office-Elends durch das Haus, brauchte Abwechslung, ein bisschen Bewegung. Wie erstaunt und beeindruckt war ich, als ich nach einigen Minuten mein Zimmer betrat, denn in der Luft entfaltete dieses Parfüm eine Aura, die so manches Vorurteil über fruchtige Düfte, nämlich dass diese häufig synthetisch, süß und klebrig seien, schlagartig verfliegen ließ. Doch eigentlich räumt "Karagoz" schon beim ersten Sprühstoß mit jenen vorgefassten Meinungen auf, sobald ein dunkel-fruchtiges, leicht saures Aroma die Haut benetzt. Dass hier Trauben enthalten sind, ist unverkennbar. Auch die eine oder andere Beere vermag ich zu erriechen. Um welche Früchte es sich genau handelt, steht jedoch in den Sternen, denn dafür duftet unser anfänglicher Fruchtcocktail zu vielschichtig und komplex, um einzelne Noten explizit hervorheben zu können.

Mit Hinzukommen des Vetivers erfährt unsere dunkel-fruchtig-saure Komposition einen herben - nicht zu herben - Einschlag. Manch einer mag diesen als rauchig empfinden, andere als grün. ich würde sagen, wir treffen uns in der goldenen Mitte, also ein bisschen rauchig sowie ein wenig grün - halt der typische Vetiverauftritt, der hier aber niemals die Oberhand gewinnt, sondern das Fruchtige zusammen mit einer dezenten, leicht pudrigen Ambernote abrundet.

Die amberartige Wärme, die dunkle Frucht und die vom Vetiver hervorgerufenen herben Facetten schaffen ein Bild, welches das Statement des Users Yatagan bestätigt. Wir bekommen einen schönen Dessertwein serviert, von dem aber bitte nicht zu viel verkostet werden sollte, denn er ist stark ... sehr stark. Zwei kleine Sprühstöße aus dem Minizerstäuber fluteten unser Einfamilienhaus. Die Tiefe und vor allem auch Potenz dieses als fruchtig-grün deklarierten Duftes sind daher etwas, was diesen ideal für die kälteren Tage werden lässt und das ganz besonders für jene unter uns, welche die DNA eines fruchtig-süßen Opiums für Herren aus dem Hause Yves Saint Laurent mögen, aber nach etwas Unvanilligem, etwas gänzlich Unsüßen suchen - nur so als kleine Orientierungshilfe.
9 Antworten

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