DuftsuchtDuftsuchts Parfumrezensionen

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Duftsucht vor 4 Monaten 11
8
Duft
4
Haltbarkeit
2
Sillage
9
Flakon

Die Handschrift des Meisters…

… sie ist schlicht, schnörkellos und etwas distanziert. Ich habe einige Düfte von Jean-Claude Ellena in meiner Sammlung – es mag ein Zufall sein, aber alle haben eines gemeinsam. Sie wirken auf mich wie die stark stilisierte Umsetzung einer Idee aus der Natur. Ich denke an Ikebana, die kunstvollen japanischen Blumengestecke mit ihrem präzisen Minimalismus, der sich strengen Regeln unterwirft. Eine freiwillige Selbstbeschränkung auf das Wesentliche, die mir sehr gefällt.

Bergamote von The Different Company macht für mich da keine Ausnahme. Im Zentrum steht, kunstvoll ins Licht gerückt, die namensgebende Bergamotte. Nun könnte man etwas sarkastisch bemerken, das war’s eigentlich, aber damit würde man diesem ätherischen Duftgebilde dann doch Unrecht tun. Der Bergamotte wurden vom Meister des Understatements einige zart-pastellene Helferlein zur Seite gestellt, ein Pinselstrich von Ingwerschärfe, ein Tupfer Grün, ein Hauch Blume, ein Anflug von Säure.
Diese zusätzliche Säure ist das, was ich an dem Duft am wenigsten mag. Zu Beginn wirkt sie fast essig-sauer, die Pyramide identifiziert sie als Rhabarber, mich erinnert sie lustigerweise im Verlauf mehr an den Geruch von Gemüseaspik. Nach einiger Zeit rückt diese für mich unerwünschte Komponente in den Hintergrund und es bleibt ein transluzenter, zurückhaltender Duft zurück.
Aufsehen wird man mit ihm wohl kaum erregen, die Sillage schätze ich als praktisch nicht-existent ein. An Tagen, an denen ich etwas duftmüde bin oder nach einer unruhig durchwachten Nacht ist er aber ein perfekt ausgeglichener und damit beruhigender Begleiter.
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Duftsucht vor 4 Monaten 21
9
Duft
4
Haltbarkeit
4
Sillage
8
Flakon

Die duftenden Schatten der Vergangenheit

Als mich meine damals 70jährige Mutter in Washington D.C besuchte (eine Reise, für die sie tatsächlich extra Englisch lernte und das so gut, dass es für Konversation vollkommen ausreichte!), kam irgendwie die Rede aufs Älterwerden. Der schönste Satz, der damals fiel und den ich nie vergessen werde, kam aus ihrem Mund: „Weißt du Kind, ich denke, nun kann ich ja wohl doch allmählich für mich in Anspruch nehmen, langsam erwachsen zu werden…“ Es liegt also vielleicht einfach in der Familie, dass älter werden auch für mich normalerweise gar kein Thema ist. Aber letzthin durchfuhr mich urplötzlich die Erkenntnis, dass tatsächlich die Hälfte meines Lebens bereits hinter mir liegt. Auslöser dafür war ausgerechnet dieser schlichte Duft.
Chèvrefeuille kaufte ich als Gymnasiastin von meinem nicht sehr üppigen Taschengeld. Die Parfums von Yves Rocher, die damals auf den Markt kamen, habe ich allesamt in eher verklärter Erinnerung, aber dieses eine ist es, das mich beim Abschrauben des Deckels mit einer Vehemenz in die Vergangenheit zurück katapultierte, die fast schmerzte. Denn nicht nur schöne Erinnerungen kommen da zutage, sondern auch einiges, was damals im Tumult der Pubertät schrecklich und nicht wieder gut zu machen erschien: etwa der erste „feste“ Freund, der sich dann als doch nicht so haltbar entpuppte wie gedacht…
Chèvrefeuille war der Duft dieser Sommer, er begleitete als Konstante das Auf und Ab der Gefühle. Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich immer, wenn ich den Schüttflakon aufschraubte (ich hatte noch den mit dem nach oben gedrehten Deckel, der auch als Referenzfoto hier auf der Seite ist), zuerst das Fläschchen direkt an die Nase hielt und tief einatmete. Es gibt Parfums, bei denen man das besser nicht macht – außer, man möchte sicherstellen, dass man danach für einige Zeit gar nichts mehr riecht. Bei diesem zarten und präzise gearbeiteten Duft ist es der reinste Genuss! Ich liebe den Duft der Natur: Flieder, Rose, Lavendel, Narzissen, Veilchen – eigentlich wartet alles Blühende meiner unerschütterlichen Überzeugung nach nur darauf, dass ich meine neugierige Nase hineinstecke. Bei Parfums bin ich allerdings meist eher ein Fan komplexer Düfte und habe etwa mit zu deutlichem Flieder - oder Veilchenanteil meist ein Problem.
Das Geißblatt, das in diesem Flakon wohnt, ist eine Ausnahme. Die Spur Zitrus, die besonders zu Beginn für etwas Frische sorgt, nimmt die normalerweise honigartige Süße des Geißblatts zurück und schenkt dem Duft fröhliche Leichtigkeit. Doch eigentlich ist hier der Name Programm: Wundervolles echtes Geißblatt pur vom Beginn bis zum (raschen) Ende. Für mich eher kein Parfum, sondern wirklich ein natürlicher Duft, den ich gerne auch bei großer Hitze trage, wenn viele andere Düfte mich überfordern.

Lange schon ist Chèvrefeuille nun ein Schatten der Vergangenheit – ich hatte das große Glück, hier im Souk noch einmal einen Flakon zu ergattern, der mir diese nostalgische Reise in meine Jugend ermöglichte. Nun da sich der Inhalt des Fläschchens zu Ende neigt, wollte ich ihm doch noch eine kleine Hommage widmen, dem duftenden Freund, dem Seelentröster, dem treuen Begleiter turbulenter Jahre…
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Duftsucht vor 4 Monaten 13
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Lockt die Frühlingssonne heraus!


Der kleine Lapsus des Wetters, nach Ostern noch einmal ein wenig Winter zu spielen, kann mich nicht davon abhalten, meine Sommerdüfte nach vorne zu räumen und bei der Gelegenheit auch gleich wieder durchzutesten.
Néroli Amara kam als Abfüllung direkt vor einem Sommerurlaub am See zu mir und wanderte ungetestet sofort mit ins Reisegepäck. An einem schwülheißen Sommertag, kurz bevor ein heftiges Gewitter Abkühlung brachte, dachte ich, die Stunde des Duftes sei gekommen. In Erwartung eines zitrisch-frischen ätherisch-leichten Duftes sprühte ich nicht vorsichtig aufs Handgelenk, sondern nebelte mich großzügig ein.
Der Beginn war, wie ich es mir an diesem stickigen Tag erhofft hatte: Frische Zitrusnoten mit einer deutlichen Bergamotte und einer schönen Prise Pfeffer, den ich in Düften sehr schätze. Und doch sind die Komponenten deutlich kompakter gebaut, als ich es mir für den Hochsommer gewünscht hätte. Von Anfang an kennzeichnet eine gewisse Dichte den Duft, die im Lauf der Zeit zunimmt und ihn cremig werden lässt. Während ich auf dem schattigen Balkon Zuflucht vor der brütenden Hitze suchte, wurde mir Néroli Amara zunehmend unangenehm. Die Orangenblüte legte sich mit nicht vorhergesehener Vehemenz wie ein zu dichter Schleier um mich, die Frische des Starts war nur mehr der Schatten einer Erinnerung. Erst als der Vorwind des Gewitters die ersten Böen schickte und den Schleier wegfegte, konnte ich den Duft wieder genießen.
Seitdem ist Néroli Amara für mich kein Sommerduft mehr, sondern wird gerne im Frühling getragen – und ab und zu im Winter an grauen, nasskalten Tagen, um in meiner Phantasie das Gefühl von Frühlingssonne und die damit einhergehende Hochstimmung hervorzurufen.
So wie heute, während der kalte Regen ans Fenster prasselt und ich, an meinem Küchentisch sitzend, mich am hellleuchtenden Gelb der Forsythien und Osterglocken in meinem kleinen Garten erfreue. Dann ist er perfekt und schürt in mir die Vorfreude auf heiße Sommertage. Die wunderbare Orangenblüte, die nicht durch Holz, grüne Noten oder gar Moos in Schach gehalten wird, schwebt sachte und durchscheinend über meiner Haut und begleitet mich über Stunden.

Ein schlichter, anmutiger Duft, der die Lieblichkeit der Orangenblüte perfekt inszeniert.
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Duftsucht vor 4 Monaten 18
9
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Dolce far niente - Urlaubsgefühle im Flakon!
Ein Paket von Acqua di Parma zu bekommen, ist immer ein Genuss. Allein die liebevolle Verpackung mit Seidenpapier, die dottergelben und dunkelblauen Schachteln und Döschen aus haptisch wunderbarem Strukturpapier sind ab und zu den Luxus einer Blindbestellung wert! Diesmal wollte ich eigentlich nur das hervorragende Duschgel (passend zu Colonia) nachkaufen, aber die Noten des neuen, limitierten Duft der blauen Serie klangen so verlockend, dass ich alle Gelöbnisse, nie mehr spontane Duftkäufe zu tätigen, wieder einmal brach – und, wie ich gestehen muss, mit großem inneren Vergnügen.

Blu Mediterraneo – Bergamotto di Calabria La Spugnatura: Was für ein Name! Lasst ihn mal auf der Zunge rollen und kostet ihn so richtig aus – sofort fühlt ihr euch versetzt in die pittoresken Küstendörfer Kalabriens. Und ein erster vorsichtiger Sprüher aus dem wirklich außergewöhnlich schönen Flakon trägt erheblich dazu bei, diese Phantasie auch olfaktorisch zu untermalen. Augen schließen, tief Luft holen, zurücklehnen und entspannen, denn jetzt geht es mitten hinein in den Hesperidenhain eurer Träume. Da ist alles dabei: Bitter, zitrisch-zischig, lieblicher-orangig, herb und saftig-grün – und in der Gesamtheit ergibt es einen äußerst verlockenden und vielversprechenden Auftakt, bei dem die namensgebende Bergamotte stets im Vordergrund bleibt. Doch man soll den Tag(traum) nicht vor dem Abend loben und einige der blauen Acquas haben mich in der Kopfnote schon zu Begeisterungsmurmeln hingerissen, nur, um mich danach entweder schmählich sofort im Stich zu lassen oder mich mit einer lauwarmen, generischen Basis zu enttäuschen.

Bei „La Spugnatura“ geht es erfreulich lange weiter mit diesem erfrischenden klaren Auftakt. Er verändert sich nur ganz allmählich in eine etwas zartere Richtung. Sie blumig zu nennen, wäre schon zu viel gesagt. Eher so, als würde man zusätzlich zu den Früchten der Orangen – und Bergamottenbäume auch einen Hauch des Blütendufts erhaschen. Wenn ich sie benennen würde, dann wohl blumig-grün, denn es bleibt ohne Süße für meine Nase.

Im Lauf des Nachmittags bewegt sich der Duft weiter und wird gegen Abend hin angenehm herb-grün. Unverkennbar schieben sich zwei meiner Lieblingsnoten in den Vordergrund: Vetiver und Galbanum lassen „La Spugnatura“ weicher und tiefer werden und geben ihm neue Fülle. Gedanklich versetzen mich die Gerüche auf eine Terrasse, ein Glas Wein in der Hand, die Sonne ist am Untergehen und endlich bringt ein Windhauch von den Bergen frischfeuchte Luft und vielleicht eine Ahnung von Kühle.

Der Duft mit dem klangvollen Namen begleitete mich in den vergangenen Tagen ins Büro, zu einer Fahrradtour und zu ausgedehnten Spaziergängen. Er ist ein unaufdringlicher Geselle, der aber jede Menge Eleganz und italienischen Esprit in sich trägt. Mich erinnert er (nicht vom Duft, sondern vom Lebensgefühl!) an das klassische Colonia desselben Hauses, das ich mir immer wieder einmal aus dem Duftschränkchen meines Mannes stibitze. Das 100 ml-Fläschchen mit dem schönen stilisierten Bergamottendekor werde ich mit Sicherheit im Verlauf des Sommers leeren – und ich muss gestehen, dass mir diese limitierte Edition sehr viel besser gefällt als das normale Bergamotto di Calabria. Und schon beginne ich zu überlegen, ob nicht ein Bunkerflakon eine äußerst sinnvolle Angelegenheit wäre und verdränge damit geflissentlich die Tatsache, dass meine Parfumschubladen aus allen Nähten platzen und ich mir geschworen hatte, endlich meine Sammlung radikal zu reduzieren.

PS: noch einige Worte zu dem Zusatz im Namen „La Spugnatura“. In meinem Schatzkistchen aus Italien lag ein kleiner Flyer, das das Verfahren beschrieb, das bei dem Duft zur Anwendung kommt. Die Bergamotten werden von Hand verarbeitet – dabei wird mit einem löffelgroßen Mini-Rechen das Fruchtfleisch herausgelöst. Die Schale wird dann auf Meeresschwämme gepresst, die die Bergamottenessenz aufnehmen. Offenbar ein Verfahren, das schon in der Antike zur Anwendung kam und das angeblich geeignet ist, eine besondere Vielfalt an Aromen zu erhalten. Wie dem auch sei – das Ergebnis ist ein äußerst erfreulicher Sommerduft, ein Test sei allen Liebhaberinnen und Liebhabern von Bergamotten-Düften ans Herz gelegt.
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Duftsucht vor 1 Jahr 19
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
5
Sillage

Wenn Shalimar und Bois des Îles unter einer Decke kuscheln….

… dann könnte durchaus ein kleiner Edelstein entstehen! Und dabei spreche ich von den jeweils alten Extraît-Versionen dieser Urgesteine der Parfumkunst. Und während ich so begeistert an meinem Handgelenk schnuppere, stelle ich wieder einmal fest, dass man mit klassisch-unsüß-komplex bei mir eigentlich fast nichts falsch machen kann!
Mein kleiner Smaragd beginnt mit einer klassisch zitrisch-zarten, nicht spitzen Kopfnote. Ein wenig aldehydig kommt es ganz kurz für meine Nase auch daher, obwohl das in der Pyramide nicht zu finden ist. Die zitrische Kopfnote alter Düfte scheint mir oft sanfter zu sein als bei modernen Chypres, die für mich mitunter zu scharf-spitz riechen. Vielleicht ist es aber auch nur der natürliche Alterungsprozess der edlen Wässerchen, der die Kopfnote verflachen lässt und dadurch meinen persönlichen Duftvorlieben entgegen kommt. Unter dieser sanften Zitrik schält sich ein wunderbarer Strauß aus Jasmin und Ylang Ylang heraus, nicht schwülstig-üppig, was diese Duftnoten durchaus auch drauf haben, sondern zart-süß, fast transparent und elegant umrandet durch Holz. Und Holz ist auch ein Stichwort für die sensationelle Basis: Sandelholz in seiner schönsten Form, begleitet von Patchouli, das von gruftig oder modrig so weit entfernt ist wie es nur irgend sein kann und dass vermutlich viele, die zusammenzucken, wenn sie diese Duftnote in einer Pyramide entdecken, noch bekehren könnte. Überhaucht ist die Basis von ätherischem Rauch und unsüßer Vanille, die dem Duft eine gewisse Leichtigkeit und Flüchtigkeit verleihen.
Doch kurz zurück zum Familienstammbaum des Smaragds. Von Mama Shalimar hat er die Vanille und den zarten Rauch ererbt, Papa Bois des Îles steuerte Sandelholz und tropische Blumen bei – und so steht dieser Duft, den ich zufällig im Souk entdeckte und in einem Anfall von Wagemut einfach erwarb, diesen ungleich bekannteren Ahnen in meiner Nase um nichts nach. Das kleine Fläschchen werde ich mit großem Genuss vermutlich ziemlich rasch aufbrauchen – und ich freue mich wieder einmal über diese wunderbare Eigenschaft alter Extraîts, ganz nahe bei mir zu bleiben und nicht den ganzen Raum mit ihrem Duft zu erfüllen. So genieße ich diesen Schatz ganz privat für mich und ich habe das Gefühl, dass er genau dafür geschaffen wurde. Nicht für den großen Auftritt in Robe und mit Schmuck, sondern für die stilleren, intimen Momente, in denen ich zur Ruhe komme, einfach nur entspannt genieße und die für mich ein ganz besonderer Luxus sind.
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