DuftsuchtDuftsuchts Parfumrezensionen

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Duftsucht vor 2 Jahren 7

Karamellisierte Curry-Zwiebeln…

Direkt nach dem Aufsprühen rieche ich bei „Warszawa“ eindeutig Essbares – aber nicht etwa Süßes, sondern Herzhaftes. Nun bin ich ein Mensch, der gerne kocht und meine Assoziation war sofort das Rezept meiner Süßkartoffelsuppe: Da werden zu Beginn Zwiebelchen in Butter angedünstet – mit einer ordentlichen Portion Curry dazu. Es ist mir ein völliges Rätsel, was in dem Parfüm für mich so riechen könnte: Es ist würzig, aber nicht richtig scharf – und tatsächlich buttrig. Unter dieser Würze liegt dann deutlich Blumiges - aber mit einer stechend-süßen, irgendwie überreifen Komponente. Ein Blumenstrauß mit heftig duftenden Blumen, die aber die beste Zeit schon hinter sich haben – und bei dem man bei jedem Betreten des Zimmers überlegt, ob man ihn nicht schon entsorgen sollte.
Für mich übertönt aber diese eigenartige Würze, die mich so stört, jede weitere Entwicklung des Duftes. Im Laufe der Zeit wird sie zwar schwächer, bleibt aber vernehmbar und löst in mir beinahe Widerwillen aus. Es ist tatsächlich eine Duftkomponente, der ich bisher noch nie begegnet bin –und das macht ja auch wieder neugierig. Irgendwie habe ich den Ginster in Verdacht – und werde mich daher umgehend auf die Suche nach Vergleichsmustern in anderen Düften machen. Schließlich will ein so ungewöhnliches neues Phänomen ordentlich erforscht werden!
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Duftsucht vor 2 Jahren 10
9
Duft
10
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Das Urteil wird verkündet...
„Angeklagte, was haben Sie zu Ihrer Verteidigung vorzubringen?“ „Na ja, Herr Richter, vielleicht war es ja einfach Unzurechnungsfähigkeit, oder wie das heißt….. denn eigentlich hatte ich ja auch nie vor, dem Flakönchen ein Zuhause zu bieten.. eigentlich sind ja diese Xerjoffs auch nicht so wirklich meins, wenn Sie verstehen, was ich meine… Nicht? Na ja, die sind ja schon.. relativ üppig, wie man so zu sagen pflegt… Nein, nein, ich spreche nicht von Ihnen, jeder weiß doch, dass Schwarz aufträgt ….. und diese Perspektive so von unten nach oben…. direkt aufs, ähh unters Kinn…… *zusammenzuck*… ja, aber deshalb müssen Sie doch nicht gleich den Hammer schwingen, ist ja unheimlich… ich komme schon zur Sache. Wissen Sie, Herr Richter, ich denke, der wahre Schuldige ist der Lavendel… ja, ja, man glaubt ja immer, das ist ein ganz unschuldiges Blümchen… beruhigend soll es auch sein. Das könnte ich Ihnen auch einmal empfehlen… *zusammenzuck*… na, jetzt schonen Sie doch mal den armen Hammer… jawohl, der Lavendel. Wenn das in einem Duft drinnen ist, dann verliere ich auch manchmal die Beherrschung… *schuldbewusst-Kopf-hängen-lassen*… und dann habe ich ihn im Souk gesehen.. ganz einsam und traurig sah er aus, da müssen Sie doch verstehen, dass ich nicht anders konnte, als…. ja, stimmt, ich hatte das letzte Mal versprochen, nie wieder blind zu kaufen… es wird nicht wieder vorkommen. Und ich muss schon sagen, der Duft, der ist wirklich etwas ganz Besonderes.. ursprünglich dachte ich ja, er sei so wie Coromandel von Chanel, aber ein wenig lavendelisiert….. und da habe ich Esquel dann eigentlich nur in der Nacht verwendet…. Sie wissen ja, Lavendel beruhigt…*zusammenzuck*…. jawohl, Herr Richter, es ist mir bewusst, dass das fast ein weiterer Anklagepunkt geworden wäre, dass ich den Duft nur in der Nacht aus seinem Flakon ließ… ja, ganz sicher, keine artgerechte Haltung für kostbare Düfte… ich habe ja dann auch meinen Irrweg erkannt und das Parfüm ausführlich am Tage beschnuppert…. und dann erkannte ich, dass der Lavendel zwar wunderschön ist, aber noch viel mehr dahinter steckte… so etwas Würziges, vielleicht ist das ja die geheimnisvolle Myrte….*zusammenzuck*.. nein, nein, Herr Richter, Sie schauen natürlich nicht mürrisch… Myrte….ich weiß ja auch nicht, wie Myrte wirklich riecht… es ist aber hier so ein würzig-blumiger Duft mit einer ganz zarten bitteren Note, die aber nicht unangenehm ist, sondern nur spannend…. vielleicht ist es ja auch das Opoponax, da… *zusammenzuck*… …. nie würde ich mir erlauben, Oh Popo! zu Ihnen zu sagen, Herr Richter…. selbstverständlich auch nicht Opa-Popo… Opoponax, das ist offenbar so ein Harz .... auf jeden Fall riecht es nach Harz und nach Würze und auch irgendwie frisch und gar nicht dumpf…. Es wird auch nicht zu süß, sondern nur ein wenig vanillig und ganz, ganz schön kuschlig und auch so, dass einem ganz warm ums Herz wird…. und dann kann ich echt wieder verstehen, dass ich den zu Beginn als Gute-Nacht-Duft verwendet habe… *zusammenzuck*… ja, sicher doch, ich hab’s ja feierlich versprochen, das dem Duft nicht mehr anzutun, sondern ihm auch Sonnenlicht und Gesellschaft zu gönnen…. Von sträflicher Missachtung kann also keine Rede mehr sein. Ich bitte um ein mildes Urteil!

*zusammenzuck*…. Ja, Herr Richter, das scheint mir äußerst angemessen….. Vier Tage hintereinander Esquel von Morgen bis Abend zu tragen, das Urteil nehme ich sehr gerne an!
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Duftsucht vor 2 Jahren 11
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Zeit – und grenzenloser Genuss

Meine Damen, ich bin erstaunt: Null Statements von euch, null Kommentare, niemand von euch besitzt diesen wunderschönen Duft - keine einzige hat ihn auf ihrer Wunschliste. Puuh, jetzt bin ich aber erleichtert, es gibt zumindest einige, die ihn neugierig auf die Merkliste gesetzt haben!

Ich lege allen Lavendelliebhaberinnen sehr ans Herz, dem Duft eine Chance zu geben!

Da „Lavande“ von Monastère Notre-Dame Ganagobie geleert ist, mein „Gris clair“ von Serge Lutens nur noch unter Röcheln magere Tröpfchen von sich gibt und auch „Island Lavender“ von Caldey sich dem Ende zuneigt, hat meine Suche nach einem neuen Lavendelduft auf einmal Auftrieb bekommen. Ich verwende Lavendeldüfte vorwiegend als Einschlafduft, aber das „Pour un Homme de Caron l’eau“ habe ich im vergangenen Sommer oft und gerne getragen. Den original „Pour un Homme de Caron“ habe ich schon lange auf meiner „unbedingt mal testen“-Liste, das einzige, was mich ein wenig abschreckte, war die prominente Erwähnung von Vanille. Vanille und Lavendel, da taucht vor meiner inneren Nase immer gleich „Mon Guerlain“ auf, das für mich einfach zu süß ist – und generell ist Vanille bei mir ein heikles Thema.

Das Caron l’eau fand ich wunderschön – es hätte für meinen Geschmack aber noch etwas lavendeliger sein können. Die Beschreibungen hier beim „Pour Un Homme de Caron Millésime 2014“ klangen so perfekt, dass ich eines Tages die Chance nutzte und im Souk einfach zuschlug. Tatsächlich erfüllt dieser Duft alles, was ich von einem Lavendelduft erträume. Ganze Arme voll getrockneter Lavendel – und das über Stunden.

Die meisten Lavendeldüfte, die ich kenne, sind eher schnell verflogen – oder der Lavendel nimmt nur einen kurzen Platz im Auftakt ein, um rasch von anderen Noten dominiert oder abgelöst zu werden. Das ist bei Millésime anders. Der Start ist krautig, fast harsch. Ein wenig wie eine Überdosis von Herbes de Provence. Doch schon einige Minuten später ist es ein schwebender Lavendelduft, der zart gestützt wird durch einen dunklen Amberton. Vanille rieche ich tatsächlich nur minimal – und sie ist zum Glück nicht süß, klebrig oder zuckrig. Der Duft hat eine erstaunliche Haltbarkeit – sogar, wenn ich ihn nur auf die Haut sprühe. Auf dem Kopfkissen oder auf Kleidung ist er selbst am nächsten Morgen noch zu riechen – als zarter Sauberduft mit immer noch deutlicher Lavendelnote.

Obwohl ich selbst den Duft derzeit vorwiegend am Abend trage, ist er auch ein wunderbarer Begleiter für den Tag – und das ganz sicher auch für Damen! Also nix wie ran an diesen perfekten Lavendel, Ladies!
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Duftsucht vor 2 Jahren 21
10
Duft
10
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Guten Morgen, du Schöne…

Maxie Wander möge mir die Aneignung des Titels ihres wunderbaren Buches verzeihen – eines Werks, das ebenso zeitlos ist wie dieser Duft. Und überdies für mich ganz persönlich ein Text, der mir den emotionalen Zugang zu meinem derzeitigen Wohnort erleichtert oder vielleicht sogar erst ermöglicht hat.

Bois des Îles ruft mir beim Aufsprühen den Titel dieses Buches, das ich erst spät in meinem Leben entdeckte, immer wieder in Erinnerung. Der Duft ist wie ein erwachender Morgen, wie sich langsam in der Morgensonne öffnende Blüten. Er erweckt in mir das Gefühl, das mich mitunter an schönen Tagen erfüllt, wenn ich, noch im Bett liegend, die ersten Sonnenstrahlen genieße, die ins Zimmer fallen. Ich räkle mich, kuschle mich noch einmal tief in das Kissen und genieße die Vorfreude auf einen Tag, der immer wieder und immer noch unendlich viele Möglichkeiten bereitzuhalten scheint.

Antillen? Karibik? Exotische Inseln? Ich muss gestehen, dass das nicht mehr unbedingt Sehnsuchtsorte für mich sind. Als ich jung war, vielleicht schon, aber eher von dem Verlangen getrieben, die Welt in ihrer Fülle zu entdecken und zu erfahren. Inzwischen hat mich die beruhigende Erkenntnis ereilt, dass die Fülle des Lebens ganz nahe bei uns ist und bis zu einem gewissen Grad in unseren eigenen Händen liegt – völlig unabhängig davon, an welchem Ort der Welt wir uns befinden.

Bois des Îles ist für meine Nase – im Widerspruch zu seinem Namen – mehr Blume als Holz, und das in einer wunderbaren Symbiose von Wärme und Frische, von Süße und Zitrik. Und obwohl das Holz im Namen für mich nicht so recht passen mag, ist es doch die Insel, die ich glauben kann. Ein Hauch von Salz liegt im Duft, wie eine leichte Brise, die den klaren, leicht herben Salzwassergeruch vom Meer heranträgt – und dadurch erinnert mich Bois des Îles auch ein wenig an Embruns d’Ylang von Guerlain.

Zum durchaus exotischen, aber weder drückend noch schwülen Blumenduft gesellen sich allmählich mit zarter unsüßer Vanille überhauchtes Sandelholz, goldener Amber und eine Spur von Vetiver, trotzdem bleibt es auf meiner Haut eher blumig als holzig. Frisch aufgesprüht und nahe der Sprühstelle ist es ein voller, überfließender Duft, mit einer reinen Blütensüße, präsent und Aufmerksamkeit einfordernd. Ein wenig weiter weg ergibt sich dann ein wundervoll stimmiger, eleganter Eindruck – und der Duft offenbart sich in seiner vollen Schönheit.

Bois des Îles ist einer der wenigen Düfte in meinem Besitz, den ich zu fast jeder Gelegenheit und Jahreszeit tragen kann. Er lädt mich zum Träumen ein, umfängt mich sinnlich und mit subtilen Erotik bei romantischen Abendessen, lässt mich an kalten Tagen in seiner umhüllenden Wärme schwelgen – und ist doch stets zurückhaltend elegant. Mit Stil begleitet er mich durch lange Arbeitstage oder versüßt luxuriös einen Herbstspaziergang durch die Heide.

Ich hatte das große Glück, hier im Souk ein Fläschchen des Eau de Toilette zu erwerben, das mir doch um einiges besser gefällt als das Eau de Parfum, das es ersetzte. Das Extrait empfinde ich ebenfalls als wunderschön, komplex und vielleicht noch eine Spur tiefer und wärmer, es wird meine Wahl sein, wenn sich der Inhalt meines kostbaren kleinen Flakons dem Ende zuneigt. Doch bis es so weit ist, heißt es ganz sicherlich noch viele Male: „Guten Morgen, du Schöne!“…
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Duftsucht vor 2 Jahren 26
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Zum narrischen Kastanienbaum – eine Zeitreise

Aufgesprüht – Zack – Zeitsprung: Wien, 8. Bezirk, Josefstadt, anno 2005, Gasthaus „Zum narrischen Kastanienbaum“, Innenhof, auf dem Teller „Wiener Wäschermädel“ (für Nichtwiener: urgute Mehlspeisverführung mit Marillen –ääähhh Aprikosen), über uns breitet der narrische Kastanienbaum seine alten Äste aus. Er steht in voller Blüte und der honigsüße Duft mit einer leichten Herbe legt sich wie eine duftende Decke über den Gastgarten.
So startet für mich „Azalea“. Nicht mit der namensgebenden Azalee, die sich erst geraume Zeit später dazugesellt und dann das Duftgeschehen bestimmt, sondern mit süßer Kastanienblüte, Honig und Vanille inklusive. Wer Kastanienhonig oder den wundervollen üppigen Duft der Kastanienblüte kennt, der erriecht hier auch den charakteristischen leicht bitter-herben Unterton. Ich liebe den, bei meinen Kindern stieß er lange Zeit auf Ablehnung – sie verlangten schlicht „echten“ Honig. In dieser Phase des Duftes ist „Monte Bianco“, das Floramalia in ihrem Kommentar ebenso schön wie appetitanregend beschreibt, nicht von der Hand zu weisen. Für mich eigentlich DER Alptraum schlechthin. Vieles, was ich in Düften fürchte und vermeide, vereint sich hier: Honig, Vanille, Süße und sahnige, üppige Cremigkeit. Daher kann ich auch Caligaris Statement, den der Duft offenbar nicht wirklich überzeugte, gut nachvollziehen.
Das wäre es wohl gewesen mit mir und „Azalea“, wenn da nicht, ja, wenn da nicht eine weitere Komponente dazukommen würde. Die Blüte der Azalee. Wir lebten einige Zeit in den USA und dort gab es das „National Arboretum“, ein Landschaftsgarten, eingeteilt nach Themengebieten, darunter ein „Holly Park“ – aus unterschiedlichsten Ilex-Sorten, und auch das „Azalea Valley“. Als wir das Arboretum das erste Mal besuchten, machten wir uns auf dem Weg dorthin noch über die Bezeichnungen lustig, frei nach dem Motto: Die hauen ja wieder mal ganz schön auf die Pauke, die Amis: Park, Tal – wie groß kann das schon wirklich sein? Nun ja, mehrere Stunden später wussten wir es: gigantisch groß!
In diesem Azaleengarten erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Azaleenblüte, die im feucht-warmen Klima einen Duft entwickelte, der wie eine Glocke über dem Tal lag. Ich konnte mich gar nicht sattriechen an dem feinen, zart-süßen Naturduft und in diesem und allen weiteren Jahren dort war das Arboretum zur Blütezeit der Azaleen ein absolutes Muss. Zur Zeit lebe ich in einer kleinen Stadt, die aber ebenfalls einen wunderbaren alten Landschaftspark hat. Wenn die Linden blühen, ziehe ich lange Runden alleine mit dem Fahrrad, wenn aber Azaleen und Rhododendron in voller Blüte stehen, dann müssen auch meine drei Männer mit – zu groß ist hier der Wunsch, dieses Naturschauspiel mit ihnen zu teilen und gemeinsam zu genießen.

In Bottega Venetas „Azalea“ zieht sich die vanillige Süße des Beginns allmählich zurück und macht Platz für den Duft der Azaleen. Es wird transparenter und durchscheinender und entwickelt sich zu einem zart-romantischem Blütenduft von erstaunlicher Haltbarkeit. Er umschwebt mich wie ein Gespinst, gewoben aus Staubfäden der Azaleen. Lange bleibt es bei mir, bis es sich mit einem letzten melancholischen Seufzer löst und entschwindet. Zurück bleibt nur eine Ahnung von Blüte, ein Hauch von Vanille.

Unter den Parfums, die ich benutze, gibt es nicht viele Düfte dieser Art. Normalerweise bevorzuge ich Parfums mit Struktur und Profil, einer spannenderen Entwicklung und Ecken und Kanten.
Die Ausnahmen „La Chasse aux Papillons“, mein Lindenblütenwunder und „Azalea“ sind beide Düfte, die mich berühren, weil sie Erinnerungen wachrufen, die zutiefst emotional und persönlich sind. Erinnerungen an vergangene Zeiten, Orte und Menschen in meinem Leben, sie aber gleichzeitig das Versprechen in sich tragen, dass alles im Leben seine Stunde hat – und dass die Linden, die Kastanien und die Azaleen auch im nächsten Jahr wieder für uns blühen werden.
6 Antworten

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