DustymuskyDustymuskys Parfumrezensionen

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Dustymusky vor 2 Monaten 3

Mein Name ist Alpha
Manche reden nicht viel, sie sind einfach nur. Hier ist der Name Programm. DIe Eröffnung ist aromatisch, unterlegt mit milder Zitrik. Kurzes Intro, danach "no nonsense". Linear aromatisch-blumig auf hartem Holz. Er wirkt seriös, klassisch, souverän. Ich bin Alpha, mein Platz ist auf dem Kissen.
EIn prima Duft für Anlässe, wenn es darauf ankommt. Gehaltsverhandlung, Mitarbeitergespräch, Hallo, liebe zukünftige Schwiegermutter, Kind, was hast Du da jetzt angestellt. Ich stelle Ihnen mal meine(n) beste(n) Mitarbeiter(in) vor, Tanzen SIe Tango? Willst Du mich.... you get the idea.
WIr sind hier ja alle mehr oder weniger verrückte Jäger und Sammler. Der hier ist kein Clubduft. Aber er passt genau für DEN Momement, wenn er da ist. Und, er kostet fast nix. Kein "must have", aber "should have".


PS: falls jemand den Lion mal beim ersten Treffen mit dem zukünftigen Schwiegervater getestet hat, möge sie mir bitte berichten ;-)

Dustymusky vor 2 Monaten 1
9.5
Duft
9
Haltbarkeit

Boa-De-Controversy - eine explorative Reanalyse
Ein Explorer zieht hinaus, um Neues zu entdecken - oder Vergessenes wiederzuentdecken. Der Parfumeur, der sein Schaffenswerk "Explorer" nennt, wollte vielleicht nur mal was Lustiges ausprobieren.

Der Boadicea Explorer hat hier im Forum eine reichlich kontroverse Diskussion hinter sich, die sich aus meiner heutigen Sicht von der Parfumo-Antike bis ins Hochmittelalter hinzog. Die durchschnittliche Wertung ist gerade mal 6,5, und das ganze Bewertungsspektrum wurde vergeben, von katastrophal bis phänomenal. Mindestens diie Hälfte des Bestands dürfte also längst im Sanitärbereich verbraucht worden sein. Als 3-jähriger Parfumoveteran - also jemand aus der mittleren ParfumoNeuzeit - analysiere ich nun mehr erneut dieses Duftwerk. Dabei versuche ich einmal, die mittlerweile etwas archaisch anmutenden alten Texte aus dem Kontext der damaligen Zeit ins moderne Parfümdeutsch zu übertragen, und die Beurteilungen der Vorfahren mit in meine Analyse einzubeziehen. Bezüge zu lebenden Personen sind gewollt, Plagiate ebenso! DonTheBoss wurde beim Explorieren an das "Bohnern" erinnert (Bemerkung für die modernen Parfumos: das Einreiben eines Fußbodens mit einer schützenden Wachsschicht - hat Oma früher auch mal gemacht). Patschouli hin oder her, DeGirlof53 fand's zedrig, aber wurde von allen Anderen in die Putzmittelecke gestellt (Bem: damals musste Emanzipation noch erstritten werden, daher vermute ich, das die erwähnte(n) Vorverurteilung(en) von männlichen "Anderen" stammte(n). In der frühen Neuzeit assoziierte nochmals jemand mit diesem Duft ein Traktor(getriebe)differenzialöl, und konstatierte perfekte Tragbarkeit für Goldkettchen-Signores (Bem: korrekt "gegendert" also Goldkettchen-Signores/*inas) ab 85. Es bleibt an dieser Stelle unklar, ob der begeisterte Verfasser selber in diese Kateorie einzuordnen ist.
Aus all diesen kulturhistorischen Eindrücken ergibt sich mit der heutigen Perspektive allerdings ein Bild, dass - ganz zeitgemäß - etwas kopfnotenlastiger ausfällt. Warum? Natürlich wegen der fast-mega-Frucht darin. Ebenso natürlich kann man davon ausgehen, dass das Werk reformuliert wurde. Ich konnte aber experimentell rekonstruieren , wie die Reformulierung aller Wahrscheinlichkeit nach durchgeführt wurde. Frosch Holzreiniger (mit natürlichen Wirkstoffen der Kiefer) sorgt für den grün-herben Grundton (Bem: aus heutiger Sicht eher mild als bitter). Ein Anteil SOFIX Parkett gibt die etwas seifige Wachsnote dazu. Reichlich geriebene Orangenschalen dazugerührt, und auf einen Eichendielenboden aufgetragen. Das Sonnenröschen ist nach meiner Meinung ein übermotivierter Übersetzungsfehler für ein paar Blütensprengsel. Nach dem Einziehen extrahiert man daraus ein "Absolue". Das riecht dann, wie ein mit Orangenschalenbutter eingeriebener Zedernholzscheit.

Das Urteil: Der Duft gehört heute eindeutig in die "phänomenal" Kategorie. Kein Zwilling ist bekannt, noch nicht einmal im Ansatz. Das Tragbarkeitsmindestalter beginnt wegen der Fruchtnote in der Moderne wieder deutlich niedriger, aber wegen der leichten Seifigkeit und gering ausgeprägten Süße dann doch vielleicht bei 45 ± 16,3.

{preprint aus Parf. Phil. Trans., vol 733, 34pp, 2021.}

1 Antwort

Dustymusky vor 4 Monaten 5

Hasta la vista, Tonka
Also Moos Alta, das richt ja so gar nicht nach fruchchtiger Vanillimbeere. das kannste nur tragen wenn, du mindestens 80+ bist. Und dieser hier der, is nicht nur nicht gar nicht süss sondern auch auchnoch so kloooobürstig zitrisch in der Kropfnote. Wenn Opa meint er müsste nochmal ein letzen Mahl inne Disco. SO altbakken wie der Garten vom, Kloster des Dom’s in Kölln.

Für alle Restparfumos von 80+: meine letzter Vanillepudding ist 30 Jahre her. Milchbart heißt auf englisch „Bumfluff“. Wer schon was gesehen hat, kann völlig entspannt etwas Schönes, Grünes zum Genießen tragen, etwas klassisch Herbales - aber bitte, smooooth. Nichts für grüne Jungs auf der Balz, sondern etwas Elegantes, mit etwas retro-modernem Charme - ohne Zucker bitte. Der Duc Extreme ist da genau der Richtige. Ein Fougere ohne Coumarin - zumindest merke ich nichts davon. Wem in den vielen weltbekannten Fougeres das Coumarin - ein Abwehrstoff enthalten in z.B. der Tonkabohne - zum Ende hin den Klassiker verleidet mit dieser pflanzenzuckrigen, vanilligen Süsse - z.B. wie im Fougere Royale aus dem selben Hause - der sollte sich diesen YouTube-gehassten (LT) mal vor die Brust nehmen. Serviert wird ein wahrhaftig perfektioniertes Moos nach zitrisch grüner Eröffnung mit der üblichen fougere-artigen Herzkombi. Einfach wunderbar! Mir kommt Moos oft seifig vor, was alleine ich akzeptieren würde. Aber süß-seifig - bäh. Nicht dieser hier. Dieser hier: ein eher unseifiger, erfreulich unsüßer, aber völlig souveräner Fougere mit Stil. Tragbar für alle von 15+ mit Herz und dem Blitz in den Augen. Wahrlich, buena vista!
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Dustymusky vor 10 Monaten 5
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Gorilla Snot
Zu diesem kaum beachtetem kleinen Meisterwerk juckt es mich schon seit ein paar Jahren in den Fingern, einen Kommentar zu verfassen. Tja, mein adliger Vorredner war schneller. Klasse beschrieben, fiel mir lange nichts mehr ein, was ich da noch ergänzen könnte. Aber der Aigner One Intense verdient wirklich mehr Beachtung, also mal ran an die Tastatur!

Ich habe ihn mir damals zugelegt, ohne den Notenbaum zu kennen. Glücklicherweise! Diese Duftkombination muss man erst einmal verarbeiten. Ich rieche heraus eine zimtige Zitrik zum Start mit etwas Rasierwassernote, zu der ganz schnell eine erdig harzige Basis dazukommt. Dann gesellt sich eine dezente, aber klar wahrnehmbare, klassische Animalik im Hintergrund dazu. Der Zimt zieht sich durch, ohne penetrant zu sein. Der Verlauf des Wechsels der restlichen Noten ist sehr fließend. Der Notenbaum sagt zu meinem Empfinden: zitrische Noten, Zimt, Labdanum, Patchouli, Bibergeil. Das kann doch gar nicht zusammenpassen, würde man denken, tut es aber. Diese unglaubliche Kombination erinnert mich spontan an eine Kuriosität, der ich begegnet bin, als ich einige Jahre in England an einer Uni gearbeitet habe. Die Studenten und Studentinnen dort hatten zu der Zeit so einen Prüfungsabschlussmutprobencocktail, besagter „Gorilla Snot“ - auf Deutsch: Gorillarotz. Man nehme trockenen Sherry, und gebe dieselbe Menge Baileys Irish Cream dazu. In dem Sherry gerinnt die Sahne des Baileys und flockt aus. Dann einen guten Schuss Creme Du Menthe dazu. Das Ergebnis ist eine grünlich trübe Brühe mit grün-opaqen Klümpchen drin. Zum Wohl!

Der Number One Intense ist natürlich ganz und gar nicht rotzig, hat aber einen Hauch von Gorilla. Ein Gorilla mit Manieren, nicht laut, aber ein Gorilla. Präsent! Wer auch immer diesen Duft kreiert hat, darf sich nach meiner Meinung „Meister“ nennen. Leider steht kein Name in der Parfume Datenbank. Die Komposition ist schon einzigartig und dabei erstaunlich harmonisch. Der Kontrast der Einzelnoten ist schon ziemlich genial zusammengefügt worden. Erstaunlicherweise klappt das auch bei milden, sommerlichen Temperaturen. Kein Immergeher, aber definitiv eine Bereicherung in meiner Sammlung. Klare Probierempfehlung von mir für alle, die mal etwas Anderes suchen.
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Dustymusky vor 11 Monaten 3
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Entdecker aus vergangenen Zeiten
Der Polo Explorer war einer meiner ersten Düfte. In meiner mittlerweile zu großen Sammlung nimmt er allerdings einen festen Platz ein, denn er riecht sehr eigenständig. Mit dem Namen und der EIgenständigkeit erinnert er mich an vergangen Zeiten, an alte Geschichten, entweder gelesene, oder erzählt bekommene. Am besten sind die, die gut ausgeschmückt, vielleicht mit etwas leichter, aber kreativer Übertreibung erzählt werden, und die eigene Phantasie anregen. Wassermusik ;-). Augen zu, und man zieht auf den Spuren Livingstones durch die Savanne auf der Suche nach der sagenhaften Quelle des Nil. Man streift durch das hohe, ausgetrocknete Gras, irgendwo blüht etwas fruchtig-würzig. Ein milder, frischer, morgendlicher Wind weht vom See herüber. Ein paar Baumstümpfe, es duftet leicht nach exotischem Holz. Noch schnell ein Schluck aus der Blechtrinkflasche, die am alten Ledergürtel hängt, bevor es weiter geht. Das Wasser ist noch kühl, aber nicht mehr lange, denn der Tag wird wieder heiß werden...

Wer es mal nach Oxford in das Museum of Natural History schafft, kann am Ende der beeindruckenden Dinosaurierskelettsammlung, quasi hinter dem riesigen Maul des Tyrannosaurus Rex, das Pitt Rivers Museum für Ethnographie und Archäologie entdecken. Da konnte man, vor einiger Zeit zumindest, nahezu alleine herumstöbern, die schweren Schubladen der langen Reihen aus Holzvitrinen öffnen, und zwischen den scheinbar wahllos aufgeklaubten Fundstücken zahlreicher, vergangener Entdeckungsreisender auch schon mal überraschenderweise ein paar Schrumpfköpfe finden - nicht so gut erhalten natürlich, wie die Exponate in der Glasvitrine etwas weiter.

Na gut, zurück zu den praktischen Informationen. Das Gebräu aus Rommels altem Feldflakon eröffnet mit einer Mandarine-Koreandersamen Mischung, die mich etwas an einen Klon vom Gucci Envy erinnert, den ich in meiner Probensammlung habe. Der Explorer dreht jedoch schnell ins Frische, ich kann aber gar nicht sagen, wo das her kommt. Sandelholzfrische vielleicht? Vier-fünf Sprüher auf die Innenseite des Unterhemds, dazu dieselbe Menge auf die Brust, und das Haltbarkeitsproblem ist gelöst. Reicht locker für eine den ganzen Entdeckertag lang sanft wahrnehmbare, eigene Duftblase aus Tropenholz und Leder mit frischem Unterton. Kein Kracher, sondern ein ausdauernder Leisetreter, Wie ein einzelner Entdeckungsreisender auf dem weiten Weg ins unentdeckte Land, der keine wilden Tiere reizt, und dessen Spur nur schwer zu finden ist. Schade, den Duft gibt es leider nur noch selten auf Ebay.
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