EaumygoshEaumygoshs Parfumkommentare

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Eaumygosh vor 3 Monaten 12
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Die Mademoiselle und ich-
Ein Vergleich zwischen den verschiedenen Versionen und der verzweifelte Versuch die richtige Mademoiselle für mich zu finden.

Selten verwirrte mich ein Duft so sehr wie “Coco Mademoiselle”. Das bekannte EdP habe ich mit Sicherheit schon dutzende Male in der Parfümerie getestet. Ich wollte es so sehr mögen. Ich bekenne mich schuldig : Der Flakon und die Marke dahinter waren der Hauptgrund. Schon immer wollte ich einen der hübschen Coco-Flakons in meiner Glasvitrine zu stehen haben. “Coco Mademoiselle” war mein größter Hoffnungsträger, da dieser Duft ein moderner Klassiker ist und bei so ziemlich jeder Frau Verzückung auslösen sollte. Das war zumindest meine Vermutung und Hoffnung. In mir löst der Duft vor allem Ratlosigkeit aus.

Blumig, hell, leicht zitrisch, dezent süß, elegant - all das mag ich sehr gerne und ja, auch meiner Meinung ist “Coco Mademoiselle” in allen Versionen der Inbegriff eines schönen Alltagsduftes. Jedoch, gibt es ein Problem. Ist es die Patchoulinote ? Ich bin mir nicht sicher. Es ist dieses dezent erdige in Verbindung mit der subtilen Süße. Wann immer ich diesen Duft rieche, fühle ich mich verwirrt. Einerseits finde ich ihn wirklich schön, doch andererseits fühle ich mich.. unwohl. Ein Gefühl, als ob einem jeden Moment übel werden könnte. Dieses Gefühl ist sehr schwach, dennoch stört es mich so sehr. Einerseits möchte ich den Duft so gerne tragen, doch ein winziger Teil kann es immer kaum erwarten, dass er verfliegt und mir nicht mehr ständig in die Nase steigt. Es ist so schwierig.

Nun habe ich mittlerweile schon diverse Versionen von CM probiert. Das EdP habe ich bereits beschrieben. Das Parfum/Extrait mag ich gerne. Mir wurde damals mal ein 1,5ml Flakon von Chanel zugeschickt und ich finde die Version wunderbar. Sehr strahlend und elegant, die Störnote ist am wenigstens präsent in dieser Version. Dennoch eignet sich das Parfum nicht für mich. Der Preis ist sehr hoch und abgesehen davon, mag ich keine Schüttflakons. Ich trage Parfum grundsätzlich auf der Kleidung. Somit hebe ich mir die Miniatur für ganz besondere Anlässe auf, könnte mir sogar vorstellen ihn später einmal auf meiner Hochzeit zu tragen.

Dann gibt es die “Intense”-Version, die ich vor einer Weile geschenkt bekam. Diese kann ich durchaus tragen. Auch hier ist die erdige Note präsent, jedoch wirkt der Duft allgemein stärker und süßer. In diesem Verhältnis komme ich besser damit zurecht, da für mich die Vanille stärker im Vordergrund steht. Vermutlich ist es dieser Kontrast zwischen der zitrisch-floralen Sauberkeit und der erdigen Basis des Originals, die in mir das leichte Unwohlsein auslöst. Das “Intense” ist aufjedenfall nach jetzigem Stand meine Lieblingsversion, so viel kann ich schon einmal verraten.

Nun habe ich mir eine Abfüllung des EdT’s bestellt. Ja, der Flakon ist nicht so hübsch wie der des EdP’s, doch da ich jetzt die “Intense” Version besitze, spielt es eh keine Rolle mehr. Es ging nur darum eine “Coco Mademoiselle” zu finden, die mein Herz erobert. Wie gesagt - Abgesehen vom Patchouli, finde ich den Duft wirklich toll. So, nun zum EdT. Ich habe keine Probe des normalen EdP’s im Haus, jedoch habe ich den Duft schon wahnsinnig oft getestet. Das EdT wirkt auf mich etwas frischer und “luftiger”. Der Auftakt ist zitrisch-frisch und spritzig, wobei die Grapefrucht am deutlichsten zur Geltung kommt. Diese Spritzigkeit verfliegt sobald der Duft auf der Haut getrocknet ist, es ist wirklich nur der erste Eindruck direkt nach dem aufsprühen. Nachdem sich der Duft gesetzt und entfaltet hat, wirkt er deutlich weniger spritzig. Immer noch hell und klar, jedoch deutlich runder. Keinesfalls sauer-fruchtig. Ein zitrisch-floraler Duft, der sehr cremig und sauber wirkt. Gepflegt und elegant. Auch in dieser Version ist die Patchouli-Note in der Basis deutlich vorhanden, jedoch wirkt das EdT etwas weniger süß auf mich als das EdP. Die Vanillenote kommt erst nach ca. 1 Stunde wirklich zur Geltung, vor allem wenn ich die Nase auf das Handgelenk presse. Sie ist dezent, verleiht dem Duft aber etwas Lieblichkeit, was ich wirklich schön finde. Mich erinnert die EdT Konzentration vom Duft her im übrigen noch mehr an das Extrait als die EdP Version. Die Haltbarkeit ist ebenfalls wirklich gut. Auf der Haut hält der Duft gute 8 Stunden. Ich habe ihn gestern Nachmittag auf der Hand getestet und selbst nach mehrmaligem Händewaschen und duschen, nahm ich heute morgen noch einen Hauch auf meiner Hand wahr. Die Sillage ist dabei im soliden Mittelfeld. 3/4 Sprühstöße sollten genügen, damit der Duft etwa 1m um einen herum noch wahrgenommen wird.

Alles in allem mag ich die EdT Version gerne, da mich die Patchoulinote in dieser Komposition weniger stört als im EdP (falls besagte Note überhaupt der Übeltäter ist). Ich werde ihn weiter fleißig testen, später auch im Frühling/Sommer, denn ich kann mir das EdT wirklich sehr gut als Alltagsduft für die wärmere Jahreszeit vorstellen. Dennoch muss ich ehrlich sein- ich traue dem Ganzen immer noch nicht. Vielleicht wird mir auch irgendwann von dieser Version unwohl werden, auch wenn ich sie an sich sehr schön finde - Vielleicht ist “Coco Mademoiselle” einfach nicht die richtige “Coco” für mich. Vielleicht werde ich mich aber auch durch das viele testen irgendwann doch wirklich Hals über Kopf in den Duft verlieben. Die “Intense”-Und “Edt” Versionen mag ich aufjedenfall momentan lieber als das klassische EdP, da die ganz dezente Störnote etwas weniger stark ausgeprägt ist. Ich möchte aufjedenfall unbedingt noch einmal “Coco Noir” und “Coco” testen- vielleicht macht es bei einem dieser Düfte sofort “Click”. Ich mag ja sehr gerne schwere und orientalische Düfte. Die Hoffnung ist also groß-
5 Antworten

Eaumygosh vor 3 Monaten 14
10
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Einmal Prinzessin sein..
Als ich noch ein kleines Mädchen war, wollte ich unbedingt einmal eine Disney-Prinzessin werden. Elegante Kleider tragen, wunderschön sein, einen hübschen Prinzen heiraten, anderen Menschen helfen, in einem imposanten Schloss wohnen, stets von allen möglichen Tieren des Waldes unterstützt werden, sofern man einmal Hilfe benötigt.. - mit der Vorstellung konnte ich mich anfreunden. Ohnehin gab es damals zu wenig brünette Prinzessinnen. Da hätte man bestimmt noch ein Plätzchen für mich finden können :p

Was das alles mit diesem Duft zu tun hat ? Als ich „Mon Guerlain Intense“ das erste mal gerochen habe, katapultierte mich der liebliche Duft sofort in die wunderschöne Märchenwelt von der ich früher stets ein Teil sein wollte. So riecht eine wahre Disney-Prinzessin. Dieser Duft hüllt mich in eine samtige Wolke aus lieblichem Lavendel und butterweicher Vanille. Untermalt wird das ganze von einem Hauch Mandarine. Diese dezente Fruchtigkeit und Frische verleiht dem Duft etwas mehr Dimension. Der Duftverlauf ist auf meiner Haut äußerst subtil, doch das finde ich gut. Der einzige Verlauf den ich wahrnehme besteht darin, dass die dezente Frische der Mandarine zur Basis hin mehr und mehr in den Hintergund rückt und der Duft immer weicher und cremiger wird. Auch wenn ich ihn mit Märchen und Prinzessinnen assoziiere, würde ich ihn keinesfalls als kindlich bezeichnen. Viel eher als wunderbar weich, lieblich und elegant. Meiner Meinung nach passend für junge Frauen, als auch für reifere Damen. Die Sillage ist durchaus eher stark, somit kann man sich wirklich in ein Wölkchen hüllen. Ebenso finde ich, dass „Mon Guerlain Intense“ trotz seiner Samtigkeit keinesfalls erschlagend oder schwer wirkt. Ich kann ihn mir zu jeder Jahreszeit vorstellen, außer vielleicht bei Temperaturen über 25 Grad.

Die Haltbarkeit ist tadellos. Auf der Haut problemlos 8/9 Stunden, bevor nur noch ein zarter Hauch zurückbleibt. Auf der Kleidung sogar noch einige Stunden länger und ein zarter Hauch ist tagelang wahrzunehmen (auf einem Schal beispielsweise). Alles in Allem finde ich den Duft wunderschön.
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Eaumygosh vor 3 Monaten 12
9
Duft
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Haltbarkeit
9
Sillage
10
Flakon

Gourmandiges Iris-Träumchen für kalte Tage
„La Vie est Belle“- eine moderner Duftklassiker. Egal ob man ihn liebt oder hasst, der Erfolg ist herausragend. Seit Jahren führt dieser Duft die „Charts“ an und ist ein wahrer Verkaufsschlager. Auch ich besitze einen großen Flakon des Ur-Flankers, benutze ihn aber nicht allzu oft. Wieso ? Er ist mir oft ein wenig zu kratzig. Zu laut und bissig, etwas zu viel Süße und zu wenig Tiefe. Zu sirupartig. Ich mag die feine Pralinennote der Basis, die sogar leicht an Popcorn erinnert. Jedoch wirkt die Gesamtkomposition manchmal etwas zu unruhig. Dennoch mag ich ihn sehr gerne, wenn ich ihn in die Luft sprühe und einmal durch den Nebel laufe. Dann umgibt mich den ganzen Tag lang eine zuckerwattige Wolke, die ich wirklich schön finde. Die Konzentration der Sprühnebels ist das Geheimnis.

- Die anderen Düfte der „LVEB“ Reihe haben mich daher nie so wirklich interessiert. Wie gesagt, ich mag den Ur-Duft, jedoch gehört er nicht zu meinen Favoiriten. Dennoch testete ich vor einigen Jahren einmal „L'Absolu“ in der Parfümerie. Im Winter, Dezember. Ein Spritzer auf den Jackenärmel. Zu diesem Zeitpunkt war mein Geruchssinn schon maßlos überfordert, somit nahm ich kaum noch etwas wahr und ging nach Hause. Schnell vergaß ich den Duft, legte mich ins Bett und schlief ein. Am nächsten Tag würde ich im Flur von einem wunderbaren Duft begrüßt. So süß, weich und warm. Ich fühlte mich als stünde ich mitten auf einem Weihnachtsmarkt. Den gesamten Tag über stieg der besagte Duft immer wieder in meine Nase und ich fragte mich unentwegt was denn hier so herrlich duftet. Irgendwann machte es „klick“ und ich merkte, dass mein Jackenärmel der Duftbote war. Die nächsten Tage über ließ ich die Jacke im Flur hängen, denn der Duft würde einfach nicht schwächer. Tagelang durfte ich mir von meiner Familie und Gästen anhören, dass es in unserer Gaderobe so schön duftet. Erst nach 3/4 Tagen verflog der Duft. Sofort war klar : den muss ich haben- und somit zog die „L“Absolu“ Version kurz nach Weihnachten bei mir ein.

Für mich ist „L‘Absolu“ eine vollkommene Version von „La Vie est Belle“, welche viel mehr Wärme und Tiefe besitzt. Der Duft wirkt bedeutend weicher und runder. Die Kopfnote finde ich äußerst interessant : pudrige Iris und dunkelreife Beeren gebettet in eine süße Zuckerwattenwolke, dazu leicht erdiges Patchouli. Vielleicht ist es gerade diese Note, die in mir eine „Lippenstift-Assoziation“ auslöst. Neben der wirklich schönen Süße, nehme ich eine leichte Lippenstiftnote wahr. Ich würde wie nicht als überaus störend bezeichnen, jedoch bin ich glücklich, dass dieser Eindruck nur in der Kopfnote wirklich präsent ist.

Im Herz dominiert dann die pudrige Iris in Verbindung mit der süßen und warmen Basis. Die Angaben zur Duftpyramide für diesen Duft variieren sehr stark je nach Website. Oft werden auch „Praline“, sowie „Tonka“ als Basis mit angegeben. Auch ich finde, dass die Basis an Tonka und Schokolade erinnert. Ebenfalls an gebrannte Mandeln. Weihnachtsmarkt im Flakon. Ohne jegliche Kratzigkeit, dafür aber mit viel Wärme. Die Sillage ist sehr stark. 1-2 Sprühstöße reichen völlig aus, um sich in eine süßlich-warme Wolke zu hüllen. Wie auch beim Ur-Duft, mag ich es am liebsten 2 Sprühstöße in die Luft zu sprühen und einmal durch den Nebel zu laufen. So kommt der Duft am schönsten zur Geltung und es tut der Projektion keinen Abriss. Die Haltbarkeit ist wirklich herausragend. Auf der Haut wird er erst nach 9-10 Stunden hautnah und verfliegt erst nach 13/14 Sunden, auf der Kleidung hält er tagelang.

Allen in allem ein wirklich schöner Duft für kalte Wintertage. Ich trage ihn meist an Weihnachten.
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Eaumygosh vor 3 Monaten 5
8
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Den Trend gekonnt umgesetzt
Ja, dieser Duft reiht sich in eine Reihe mit Flankern wie „La Vie est Belle“, „Sì“, „Scandal“ etc. Daran besteht kein Zweifel. Dior folgt den aktuellen Trends - sehr süße Düfte mit langer Haltbarkeit und starker Projektion stehen weiterhin hoch im Kurs. Ich würde besagte Duftrichtung sogar als größten Trend des vergangenen Jahrzehnts bezeichnen.. und die Beliebtheit nahm noch nicht ab.

Als ich vor einer Weile die Proben in meiner Sammlung eines erneuten Tests unterzog, stolperte ich auch über eine Probe dieses Duftes. Ich bin persönlich ein großer Fan von „Hypnotic Poison“, somit weckte die Zugehörigkeit zur „Poison“-Reihe sofort mein Interesse. Der erste Test auf der Hand fiel eher mittelmäßig aus. Damals waren die Temperaturen bedeutend höher als heute und der erste Gedanke war : süß, fruchtig - ok. Ich erwartete einen Duft, der eher für Teenager oder jüngere Frauen kreiert wurde. Sozusagen den verspieltesten und judendlichsten Flanker der Familie. Das bekam ich auch. Dennoch blieb mir der Duft nicht in Erinnerung. Nur die Bitterorange, die ich als eher störend empfand. Alles wirkte ein wenig zu überzuckert.

Heute, bei 10 Grad, erfolgte Test Nummer 2. Ein Spritzer auf den Handrücken und ab ging es in die Natur. Ich muss zugeben- ich habe mich heute oft dabei erwischt, wie ich immer mal wieder an meinem Handrücken roch. Der Duft gefällt mir viel besser als beim ersten Test. Auf meiner Haut nehme ich nur einen sehr dezenten Duftverlauf wahr. Die Kopfnote ist sehr fruchtig und süß. Eine kandierte Bitterorange, das trifft es sehr gut. Schon nach kurzer Zeit rückt die Tonka-Bohne mehr in den Fokus. Während der ersten 2 Stunden wirkt das Verhältnis von Bitterorange zu Tonkabohne sehr ausbalanciert. Die Tonkabohne bildet eine süßlich-warme Basis, während die Bitterorange etwas Fruchtigkeit dazugibt. Jedoch wirkt sie nicht spritzig oder frisch. Viel eher kandiert.
Nach ca. 2 Stunden beginnt die Fruchtigkeit langsam in den Hintergrund zu treten. Die süße Basis steht im Fokus, untermalt von einer zarten Fruchtigkeit und einem Hauch floraler Noten. Dieser ist jedoch wirklich nur zu erahnen. So verbleibt der Duft dann über Stunden auf der Haut, bis man nach 7/8 Stunden nur noch einen zarten Hauch der Tonkabohne wahrnimmt. Die Haltbarkeit überrascht mich. Ich war der festen Überzeugung das EdP getestet zu haben und war dahergehend überrascht, als ich bemerkte, dass es sich bei meiner Probe um das EdT handelt. Die Projektion ist ebenfalls recht stark. 2 Sprühstöße dürften ausreichen.

Das Konzept von „Poison Girl“ ist bekannt und wurde schon unzählige Male zuvor umgesetzt. Dennoch sticht dieser Duft aus der Masse der Zuckerwässerchen heraus. Die Kombination aus der kandiert wirkenden Orange und der Tonkabohne kreiert einen Duft, der definitiv einen Wiedererkennungswert besitzt. Ich finde ihn äußerst schön. Süß, warm, weich.. besonders Herz und Basis haben es mir angetan. Ich möchte noch einmal die EdP Version testen. Von der Haltbarkeit und Sillage her ist das EdT schon stärker als diverse EdP‘s in meiner Sammlung. Somit gehe ich nicht davon aus, dass es sich in diesem Fall lediglich um eine leichtere Version handelt. Anhand der unterschiedlichen Duftpyramiden, scheint die EdP Version ein etwas anderer Duft zu sein. Schauen wir mal welche Version mir besser gefällt. Das EdT zumindest finde ich toll und würde mich nicht wunden wenn der Duft, in welcher Version auch immer, irgendwann einmal bei mir einziehen darf.
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Eaumygosh vor 6 Monaten 5
8.5
Duft
6
Haltbarkeit
6
Sillage
5
Flakon

Nicht der Preis entscheidet, sondern das Gefühl.
Parfums sind für mich viel mehr als belanglose Duftwässerchen in hübschen Flakons. So viel mehr als eine hübsche Deko für die Glasvitrine. Düfte haben, sowie auch Geschmäcker, Bilder und Geräusche, die Macht alte Erinnerungen zu wecken. Längst vergessene Momente wieder vor das innere Auge zu projezieren.

“Golden Glam” ist einer dieser Düfte, der in der Drogerie mit Sicherheit von den meisten Kunden übersehen wird. Nun ja, der Flakon sowie der Karton sehen auch nicht unbedingt ansprechend oder wertig aus. Dafür ist aber auch der Preis (mit nicht einmal 5€) unschlagbar. Allgemein bin ich (abgesehen von den „La Rive“ Düften, die ich aber nicht als eigenständige Düfte zählen kann, da sie nahezu alle gezielte Dupes von Designer-Düften sind) kein großer Fan von Drogerie-Düften. Wobei, vielleicht ist dies zu hart ausgedrückt. Bei nahezu jedem Besuch teste ich mich durch das Sortiment. Der ein und andere Duft hat es über die Jahre schon mit zu mir nach Hause geschafft. Dennoch passierte dies nie, weil ich hin und weg vom Duft war- ich trage die Düfte zum Gassi gehen, Sport etc. Da sie Haltbarkeit oft bescheiden ist, kann man an einem Tag sogar manchmal 2/3 Düfte tragen (oder zumindest öfters nachsprühen, was bei den Preisen kein Problem ist).

Ich war damals auf der Suche nach einem billigen Duft für den Urlaub. Auf Reisen nehme ich gerne günstige Düfte mit, mittlerweile auch gerne Designer-Düfte in Taschenflakons. Hauptsache keine teuren Flakons, aus Angst vor Beschädigung. Es war Oktober und Rügen das Ziel. Somit wurde ein eher kuscheliger und warmer Duft gesucht, passend zu den frischen Tenperaturen und dem stürmischen Herbstwetter an der Ostsee. Unzählige Düfte wurden getestet, dann fiel mein Blick auf „Golden Glam“. Der Name kam mir bekannt vor. Ich stöbere bereits seit Jahren in diesem Forum herum und beim Anblick des goldenen Kartons kam mir wieder in den Sinn, dass ich schon die ein oder andere positive Bewertung zu diesem Duft gelesen hatte. Leider war kein Tester vorhanden und somit wurde er blind gekauft. ich wollte mir den ersten Dufteindruck für den Tag der Abreise, einen Tag später, aufheben. Kurz vor der Autofahrt sprühte ich mir also, ohne vorher zu testen, großzügig einige Spritzer auf die Bluse. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Die zarte Duftwolke die mich umgab wirkte kuschelig und weich. Meine größte Angst bestand darin, dass es sich um einen der damals äußerst beliebten „Cupcake“-Düfte handeln könnte. Klebrig, essbar, pappsüß. Wie ein Stück Kuchen. Zum Glück blieb ich davon verschont. Der Duft wirkt viel eher kuschelig und transparent zu gleich. Die Süße ist angenehm. Amber und Vanille bestimmen das Duftgeschehen. Die Vanille erinnert hierbei eher an Vanille-Zucker. Sie wirkt nicht unbedingt rauchig oder komplex, aber dennoch angenehm süß und appetitlich. Die prominente Amber-Note verleiht dem Duft jedoch etwas mehr Dimension und Tiefe. Was mir ebenfalls gefällt ist, dass der Duft trotz der offensichtlichen Zugehörigkeit zur „Gourmand“-Familie keinesfalls klebrig oder zuckrig wirkt. Ich mag die Transparenz die der Duft aufweist. Neben der beschriebenen Vanille-Amber Kombination, sticht keine andere Note heraus. Der Duft wirkt einfach nur sehr angenehm und kuschelig, die Gesamtkomposition ist schön. Die Haltbarkeit ist mit ca. 4 Stunden, bevor ich nachsprühen möchte sehr mittelmäßig, die Sillage auch eher dezent. Dennoch kann man für den Preis gerne einmal nachsprühen oder auch 5/6 mal sprühen, um eine solide Projektion zu erreichen.

Was diesen Duft aber wirklich besonders macht sind die Erinnerungen, die ich mit ihm verbinde. Ich trug ihn damals während des gesamten Urlaubes und seitdem nicht mehr so häufig. Wieso ? Weil ich diesen Duft nicht mehr als „Parfüm“ wahrnehme, sondern viel eher eine Erinnerung. Sobald ich die Kappe abziehe und am Sprühkopf rieche, befinde ich mich gedanklich wieder auf der obersten Stufe der Treppe vor der Seebrücke in Sellin. Damals, als der Wind so stark war, dass viele Menschen Probleme hatten die Balance zu halten. Damals, als sich der kleine Windmesser vor der Seebrücke so schnell drehte, dass ich mir sicher war : das ganze Ding fliegt gleich auseinander. Damals als aufgrund der tosenden Wellen der komplette Strand gesperrt wurde. Sturmflut-Gefahr. Damals, als ich, trotz des orkanartigen Wetters eine Stunde lang vor dem Geländer an der Treppe stand und den Sturm genossen habe. Ich liebe Wind. Ein Wunder, dass ich nicht krank wurde. Damals, als ich wie an jedem Urlaubstag „Golden Glam“ auf meinen Schal trug und mir immer mal wieder der zarte und weiche Duft in die Nase stieg.

Auch heute noch trage ich den Duft ab und zu einmal- meist in den Momenten in denen ich mich nach der Ostsee sehne. Dennoch möchte ich ihn nicht zu oft an mir riechen. Ich möchte keine neuen Erinnerungen mit ihm sammeln. Er soll mich auch weiterhin stets von Rügen träumen lassen, wann immer ich ihn wahrnehme. Sollte es jedoch bald einmal wieder nach Rügen gehen (in den letzten Jahren verbrachten wir den Urlaub stets auf Usedom und dieses Jahr in Kühlungsborn), dann weiß ich bereits, welcher Duft sein Comeback feiern wird und erneut mit auf die Reise darf, um Rügen noch einmal mit mir unsicher zu machen.
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