ErhanSacerosErhanSaceros’ Parfumkommentare

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20.11.2019 22:59 Uhr
6 Auszeichnungen
Unser lieber Mantus hat ganz unten schon ausführlich die Unterschiede der aktuellen und der älteren Version beschrieben. Ich möchte mich hier kurz fassen, da doch so einiges in die Statement-Box nicht reingepasst hat.

Ich habe eine Vintage Miniatur mit dem alten Davidoff Schriftzug und eine Probe, die laut Batchcode vor 5 Jahren produziert wurde, verglichen. Tja, somit ist es doch nicht wirklich ein Vergleich mit der "aktuellen" Version. Aber es gibt trotzdem große Unterschiede.

Die Vintage Version ist deutlich würziger, als die aktuelle Version. Ob es Rosmarin oder Koriander ist, weiß ich nicht. Aber es wirkt schon fast etwas orientalisch, da es eine gewisse, herbe Süße hat und auch etwas warm erscheint. Durch die würzige Note wirkt das alles hier sehr markant. Hinzukommen frische, herbe und grüne Noten, die aber eher ruhiger sind und der Würze deutlich mehr Platz verschaffen.
Im Vergleich wirkt die Vintage Version auch deutlich weniger seifig-aquatisch. Eigentlich fast kaum!
Eine gewisse Synthetik ist auch vorhanden, die aber nicht unbedingt zu künstlich erscheint, sondern eher rau und verschwommen. Ich glaube das oft bei Lavendel-Noten so wahrzunehmen.
Nach einer Stunde sind die würzigen Noten etwas gedimmt, aber immer noch da. Es zeigen sich danach auch mehr holzige Töne. Spätestens ab der Herznote, kommt die Vintage Version nur ein wenig an die aktuelle Version näher. Also ist die DNA bei beidem vorhanden, auch wenn geringer als erwatet. Zum Schluss wird es etwas holziger und wärmer. Ich habe trotzdem vergeblich nach aquatischen Tönen gesucht, weil...es Cool Water heißt.

Die aktuelle Version dagegen, zeigt deutlich aquatische Züge. Dafür gibt es hier die würzige Note gar nicht und die grünen Noten sind versteckter als bei der Vintage Version. Eine dezente Süße ist bei der aktuellen Version nicht zu ignorieren. Während die alte Version markanter ist, kommt mir die aktuelle Version lockerer vor. Trotzdem finde ich, dass beide Versionen fast allen Altersgruppen gut stehen.
Man könnte beim Vergleichen schon fast denken, dass es bei der neuen Version um einen anderen Duft handelt, da hier eine seifige Note klar dominiert. Das ganze kombiniert mit aquatischen Noten, wobei ich hier aber nie an Duschgel denken musste. Hatte eher "nasse" Assoziationen.
Die seifige Note wirkt ein wenig trocken/holzig. Wie die Seife von damals, wo ich als Kind dachte, es sei Kacka.
Die synthetische Note ist auch hier vorhanden. Etwas stärker, aber nicht störend. Und dann endet es auf einmal, wie wenn es keine Basisnote geben würde.

Die aktuelle Version hielt an mir ca. 5 Stunden, mit einer hautnahen Sillage. Nur bis zur zweiten Stunden kann man ein wenig wahrgenommen werden und danach ist es quasi ein Hautduft. (Sill.: 4-5)
Die Vintage Version hielt etwas länger: 7-8 Stunden, wobei ich hier die Sillage nur ein wenig besser fand. (Sill.: 5)

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die alte Version für mich ein würzig-frisch-markanter Duft ist, während die aktuelle Version eher seifig-frisch-aquatisch ist.


04.11.2019 22:52 Uhr
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Oft habe ich Düfte, die auf dieser Seite neu erschienen sind, ignoriert. Dabei schaue ich mir immer die Duftnoten an und sortiere Düfte aus. Wenn ich z.B. bei einem neuen Duft Minze, Ambroxan, Iso-E-Super und Kuhstall-Oud lese, dann kommt das definitiv nicht auf die Merkliste. Aber ich weiß ja eigentlich nie, in welchem Verhältnis diese Noten bei einem Parfum enthalten sind. Könnte ja sein, dass nur Kuhstall-Oud wahrnehmbar ist. Dann hätte es der Duft, wenn ich das vorher wüsste und annahm, auf meine Merkliste geschafft. :)
Dieser "Denkfehler" wurde mir bei diesem Duft offenbart.

Vanille...Rose...Oud...

Wenn man das (immer wieder) ließt, dann sortiert man eventuell den Duft sofort aus. Ich hätte hier jetzt einen typischen Rosen-Oud-Duft mit etwas mehr Süße erwartet. Aber ich lag falsch. Diese Noten sind zwar enthalten, aber nicht so präsent wie ich erwartet habe. Denn es ist meiner Nase nach eher ein Tonkanillerosenduft.

Across the Ocean startet leicht frisch, süß-blumig und dezent holzig-orientalisch. Hier merkt man schon, dass das Oud nicht die Schlüsselnote ist. Es zeigt sich auch nicht in der Herznote. Die angegebenen zitrischen Noten nehme ich nicht wahr.

Nach 15 Minuten herrscht eine fabelhafte Harmonie von süßen Noten und Rosen. Das ganze wirkt nicht zu feminin, da die Rosen nicht altbacken oder seifig wirken, sondern eher zart und lieblich, und in Maßen dosiert sind. Wie viel ich von Tonka oder Vanille rieche, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass diese Noten nicht so quietschig, klebrig, nussig, cremig oder gourmandig riechen. Eher ausgewogen, fein und sanft. Ich würde das Verhältnis von den süßen Noten und der Rose um die 7 zu 3 einschätzen. Zusätzlich hat der Duft die meiste Zeit eine Art saubere, leichte Frische. Es macht die Süße leicht, aber nicht zwingend frisch wie ein Sommer-Duft.
Und so bleibt der Duft auch bis zum Schluss. Keine große Wandlung, obwohl der Duft dann immer blasser wird.

Im Großen und Ganzen ein einfacher Duft. Notentechnisch nicht unbedingt innovativ, aber dann doch einzigartig, weil das Verhältnis der zwei Hauptkomponenten gelungen ist.

Und was habe ich gelernt? Ich darf wegen den angegebenen Duftnoten zu keiner Annahme kommen und muss immer die möglichen Mengen/Verhältnisse der Duftnoten in betracht ziehen.


30.10.2019 00:29 Uhr
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Wenn dieser Duft auch damals wie die heutige Version roch, dann bin ich sprachlos. Denn sobald die ersten zwei Ziffern beim Erscheinungsjahr eine Eins und eine Neun sind, dann will ich solche Düfte eigentlich meiden. Doch die Steinchen im Flakon haben meine Neugier geweckt. Und zum Glück haben sie das auch. Auch wenn ich nicht weiß, ob dieser Duft damals so roch wie heute, wurde ich wieder mal belehrt, dass deutlich ältere Düfte zeitlos und nicht immer gammlig-oldschoolig duften.

In den letzten paar Monaten bin ich immer wieder seifigen oder sauberen Moschus-Noten begegnet. Diese trockene, holzige und seifige Note hatte ich einfach satt. Sie hat mir auch so einige Düfte versaut.

Meine Gedanken waren nach dem Sprühen eher negativ: Uuuh, schon wieder so ein Oldschool-Sauberseifen-Moschus-Duft. Immerhin sehr glatt und nicht holzig-rau und auf das Wesentliche reduziert, ohne die gewöhnliche, übertrieben vielschichtige Oldschool-Dröhnungsbombe, wo man nicht weiß, in welche Richtung der Duft eigentlich will.

Aber nach 20 Minuten wendet sich das Blatt: Das Oldschool-Feeling wird deutlich minimalisiert und eine gewisse, dezente Süße gesellt sich dazu. Die seifige Moschus-Note ist nicht so holzig-trocken oder stechend wie üblich, sondern wohl dosiert, glatt und zart-seifig.

Nicht lange dauert es, bis man auch etwas mineralisches wahrnimmt (nicht aquatisch). Ich weiß nicht, ob das tatsächlich von diesen Steinchen kommt oder ob ich mir das nur ausdenke. :)

Neben der mineralischen Note, gesellt sich auch eine angenehme, harzige Note hinzu, ohne dass ich dabei wirklich an Weihrauch denken muss. Ich denke hier eher an den Keller meiner verstorbenen Großeltern, die in einem Dorf auf hohen Bergen gelebt haben. Es roch steinig-harzig. :)

Hier haben wir also einen Duft, der das Thema "seifiger Moschus" am besten gelöst hat. Perfekt und harmonisch platzierte Mineralien und Harze mit einer dezenten Süße, schmücken hier den seifigen Moschus ziemlich gut.

Am Ende wird es zugegebenermaßen ein wenig rauer/stechender und die Süßen Noten sind verschwunden. Und rauchig empfinde ich diesen Duft nicht. Vielleicht nur ein wenig im Hintergrund.

Die Sillage ist eher im mittlerem Mittelmaß (5-6 Punkte), während der Duft mindestens lockere 8 Stunden durchhält.

Ich bin also positiv überrascht. Im Großen und Ganzen zwar ziemlich einfach und nicht unbedingt der spektakulärste Duft, aber wenn man hier auf einige Details achtet, dann kann man diesen Duft wirklich wertschätzen.


29.10.2019 23:23 Uhr
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Amerikaner träumen also von Oldschool-Düften? Dieser Duft ist eher das, was ich von "A Man's Cologne" erwartet habe. Klar, er ist nicht so vielschichtig wie die "wahren" Oldschooler. Aber dennoch schlägt er trotzdem in genau diese immer gleiche, altbackene, feucht-grün-erdige Richtung ein. Für mich persönlich ein No-Go, aber den Liebhabern solcher Düfte will ich nicht zu nahe treten. :)

Der Duft startet teilweise mediterran: feuchte Blätter und ein paar Zitrusfrüchte umgeben einen. Das alles in frisch und herb und auf etwas glatten, nicht allzu erdig-kellerigen Patch gelagert. Trotzdem - irgendwie nicht so freundlich, eher streng und nicht einladend.

Genauso duftet es dann auch die nächsten paar Stunden, bevor der Duft seine feuchte Aura verliert und irgendwie in eine teilweise plastische, modrig-glatt-moosige Richtung geht. Und herb ist der Duft dann auch nicht mehr.

Auch wenn der erste Teil des Duftes nicht so meins ist, so hatte es doch eine gewisse Substanz und Charakter. Danach ist er belanglos und nichtssagend. Wie mein Kommentar. :o)

Gute 7 Stunden hält der Duft auf meiner Haut, mit einer eher moderaten, körpernahen Sillage (4-5 Punkte).

Unisex? Nicht nach meinem Geschmack. Eher ein maskuliner Duft, was ja nicht heißen soll, dass Frauen sowas nicht tragen dürfen.

An die Oldschool-Liebhaber: Wenn ihr einen Oldschool-Duft in einer etwas reduzierten Version sucht, könnte dieser euch gefallen, vor allem wenn man es grün und herb mag. Ansonsten entgeht hier einem wirklich nichts, da (zumindest) mir so einige ähnliche Düfte bereits begegnet sind.

Vielen Dank an Don für das Gravel-Wanderpaket. Ich bin seiner Bitte nachgekommen und habe einen Kommentar zu diesem Duft verfasst. Deswegen tut es mir Leid, wenn der Kommentar zu kurz ausgefallen ist. :o)


12.09.2019 22:34 Uhr
11 Auszeichnungen
Mein erster, getesteter Roja musste einfach dieser sein, da ich immer noch nach den idealen Sommerduft suche und da blaue Flakons für mich einfach die schönsten sind. Kommentare, Statements, Duftnoten und der Ruf dieser Marke waren vielversprechend. Trotzdem hielt ich meine Erwartungen stets niedrig, um große Enttäuschungen zu vermeiden. Aber ihr habt es ja kommen sehen: ich war enttäuscht.

Es gibt Grapefruits die ich entweder nur zitrisch einordne oder nur fruchtig. Elysium startet mit einer bitteren, aber authentischen und angenehmen Grapefruit-Note, die sowohl zitrisch, als auch fruchtig duftet und die sich etwas von den anderen Früchten hervorhebt. Das ganze wirkt für mich auch wunderschön mediterran, ohne dass es grüne, würzige oder sogar maritime Noten braucht. Man merkt dem Duft auch eine Art Wässrigkeit an: frisch geschnittene Früchte in einer mit Wasser befüllten Glaskaraffe. Aber hier merkt man schon, dass das Ganze nur von einer einfachen, sauberen und holzigen Basis gestützt wird. Überraschend einfach, wenn man die Duftpyramide betrachtet. Der Duft ist auch transparent: hat also kaum Gewicht oder Intensität. Dennoch strahlt er gut aus, ohne zu stören. Man merkt wegen der Transparenz und Einfachheit, dass nicht mehr viel zu erwarten ist.

Nach dem Auftakt bleibt der Duftcharakter von der Kopfnote zum Großteil bestehen, ohne, dass etwas von der Herznote zum Vorschein kommt. Jetzt gesellt sich aber eine Art "alte Menschen-Geruch" hinzu. Das versaut mir das mediterrane Feeling und natürlich stemple ich ab hier den Duft als "für ältere" ab. Zusätzlich kommt auch ein transparenter, metallischer Geruch hinzu. Nicht die Art von verschwitzter, glühender, beißender, greifbarer Metall-Gestank, sondern z.B. eher wie der freigesetzter Duft von Regalen aus Metall in einem Supermarkt? Auf jeden Fall angenehmer, als viele andere metallischen Noten. Dennoch passt das ganze für mich auch nicht zusammen. Ein wenig später werden die Früchte auch etwas säurig.

Und dann kam eben die vorhersehbar Basisnote, dessen Einfachheit man in der Kopfnote schon erahnen konnte: holzig-sauber-moschusartig; dünn-transparent.

Tja, das war alles.

Gentleman? Aventus? Büroduft? High-class? Bester Sommerduft? Nein, da muss ich leider widersprechen. Ich finde den Duft "nur" nett. Ein eigenständiger, gemütlicher Sonntagsduft für den Sommer. Einfach gestrickt und tragbar (trotz Muff und Metall). Er ist keine Offenbarung oder eine hochkomplexe Angelegenheit. Es fehlen Tiefe, ein starker Charakter und das Besondere. Er kann bei mir höchsten nur für ein leichtes Lächeln sorgen. Aber zum Glück kein Nervenzusammenbruch. :)


28.08.2019 21:33 Uhr
12 Auszeichnungen
In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass einige Parfümeure für verschiedene Häuser/Marken sehr ähnliche oder fast gleiche Düfte entwickeln. Da wäre Albertos "Dark Lord" für Kilian, was dem "Guilty Absolute pour Homme" sehr ähnelt. Auch sehe ich seine Werke "Light Blue pour Homme Eau Intense" und "Versace pour Homme" zumindest als stilistisch ähnlich. Klar hinterlassen Parfümeure ihre eigene Signatur in vielen Düften. Ich finde es aber trotzdem erstaunlich und erwähnenswert, dass Parfümeure einfach mal ältere Werke ein wenig weiter entwickeln/ändern und als neues Parfum verkaufen lassen.

Da sind wir auch schon beim "Bleu Turquoise". Beim Testen hat mich der Duft an Zadig & Voltaires "Just Rock! pour Lui" oder "This Is Him!" erinnert.
Gleich oben klickte ich den Parfümeur dieses Duftes an, blendete alle Unisex- und Damendüfte aus und ... siehe da! Er hat auch die beiden Zadig & Voltaire Düfte, zusammen mit anderen Parfümeuren, kreiert, die ich eben erwähnt habe.

Für mich ist dieser Duft ca. 60% (ich kürze es hier mal ab) ein "Zadig", der bloß mit einer leicht frischen, aquatisch-salzigen und dezent moosig grünen Noten erweitert/verfeinert wurde. Im Vergleich ist der Turquoise auch deutlich weniger süß.

Auf meiner Haut zieht sich die typische, unsakrale, fast unharzige Weihrauch-Note, so wie wir es von den Zadig-Düften kennen, bis zum Schluss. Sie wird begleitet von Salz und Pfeffer und hinterlässt dabei einen dezenten aquatisch-frischen Eindruck. Eigentlich gut für den Sommer, wobei ich den bei höheren Temperaturen (+27°C) nicht unbedingt tragen würde, da der Duft dank der Weihrauch-Note etwas dunkel wirkt. Die süße Vanille ist nicht so dominant wie bei den Zadigs, aber trotzdem wahrnehmbar (vor allem am Ende) und fügt sich der Weihrauch-Note gekonnt.

Ein spannender Duft mit einigen Kontrasten, die erstaunlich gut funktionieren. Dunkler Weihrauch und helle Aquatik; Frische und Wärme. Mir gefällt dieser Duft daher besser als die beiden Zadigs, auch wenn sie jetzt nicht direkt vergleichbar sind.

Wer die beiden Zadig & Voltaire Düfte mag, könnte an dieser salzig-aquatischen Neuinterpretation einen neuen Liebling finden.


24.07.2019 20:49 Uhr
12 Auszeichnungen
Ich stelle mir das im Grunde so vor, ohne dass ich damit irgendjemanden zu nahe treten will:

"PdM hat nen neuen Duft? Der wird bestimmt sehr gut."
Nach dem Testen: "Hmm, doch nicht so der Brüller. Es hat irgendwie nichts besonderes. Aber warte mal. Wie viel habe ich dafür bezahlt? Es muss doch was besonderes sein. Auf der Verpackung steht Parfums de Marly. Also...ist es eigentlich was besonderes. Ok. Japp. Stimmt. Der ist verdammt gut."

Es ist eine Erleichterung und zugleich eine Enttäuschung, dass mir dieser Duft nicht gefiel. Erleichtert, weil ich nun keinen weiteren Duft in meiner Wunschliste habe und enttäuscht, dass dieser Duft wirklich gar nichts zu bieten hat.

Percival ist, für das was er ist, richtig überteuert. Auch rieche ich hier die angebliche Besonderheit und Qualität gar nicht raus. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage: aber ich finde sogar Bleu de Chanel viel tiefer und komplexer, als dieses flache und zum gähnen bringende Wässerchen.

Wenn ihr mich fragt, hätte dieser Duft genauso von Jean & Len kommen und in "dm" Filialen stehen können. Dann wäre es aber kaum beachtet und viel schlechter bewertet.

Eine große Beschreibung will ich zu diesem Duft auch gar nicht machen, aber meinen Dufteindruck gebe ich unabhängig vom Preis wider.

Bergamotte und Mandarine? Diese zitrischen Noten tauchen bei mir nicht auf. Dafür startet der Duft frisch-würzig und leicht mineralisch. Ein echter Aquate ist er nicht, aber er hat schon was leicht duschgeliges und feuchtes/nasses. Es hat einen minimalen grün-moosig-holzigen Twist im Hintergrund. Nach der Kopfnote hat es eine sehr dezente, herbe Süße.

Percival ist hauptsächlich frisch-würzig. Doch leider sind die würzigen Noten so schüchtern, so zusammen gepresst, so platt gemacht, so abgerundet, dass der Duft sehr flach wirkt, ohne dass es Tiefen, Ecken oder Kanten gibt. Das einzige was die flache Zone ein wenig zu verlassen scheint, ist eine pfeffrige Note, die in der Nase leicht kitzelt und für einen synthetisch-stechenden Eindruck sorgt.

Nach drei Stunden hat Percival auch noch "invictusartige" Facetten, welche meinen Dufteindruck erneut negativ beeinflussen. Aber dadurch wirkt der Duft etwas ambrierter, was das Duschgel-Feeling verstärkt. Ich vermute, dass das der Balsamtanne-Absolue zu verdanken ist. Und am Ende klingt der Duft moschusartig-sauber-sanft aus.

Wenn also so ein Duft abgefeiert wird und dort oben 7,8 Punkte stehen, bin ich wohl zu einem kritischen Parfumo-Mongo mutiert. Denn bei allem Respekt: bei vielen Düften die eine hohe Bewertung haben, aber wofür ich eher niedrig bewerten würde, konnte ich es meist nachvollziehen, warum ein Duft so beliebt ist. Hier muss ich aber zum ersten Mal sehr staunen, dass so ein nichtssagender Duft, der null Alleinstellungsmerkmale besitzt, so einige überzeugen konnte.

Ist er denn sooo schlecht? Nein! Er tut keinem weh. Aber helfen tut er auch niemandem. Er ist passabel, nett und kein Weltuntergang. Und doch gibt es so viele andere tolle Wässerchen, die man sich günstiger erschaffen kann und somit einen Duft mit Charakter besitzt.

Es scheint mir so, dass man zwangsläufig versucht hat, das Besondere in diesem Duft zu sehen. Man hat gesucht und gefunden, auch wenn es am Ende nur eine Illusion zu sein scheint.


13.04.2019 02:09 Uhr
9 Auszeichnungen
Kommentarstil:
Erhans Notizen und stichwortartige Beschreibungen zum Duft.

TL;DR:
Kopfnote: synthetischer Urknall
Herz: netter, dünnflüssiger, herb-süßer, sauberer, leicht transparenter, farblos/durchsichtiger Cocktailduft
Basis: fabelhafter, leichter Rasierschaum-Imitat

Fun Fact:
"Joop" um 180 Grad gedreht = "doof"

Startbahn:
gar nicht zitrisch; leicht grün-moosig-muffig; frisch; aquatisch; holzige Grundierung; herb-fruchtig; herb-süß; unklebrig; maskulin-sauber (Lavendel?); stechend-raues synthetisches Fiasko, was einem Würzigkeit vermuten lässt. Wirkt fast wie ein dünnflüssiger Cocktail/Shot.

In der Luft:
30-60 Minuten später; das Synthetische und Fruchtige hat nachgelassen und somit verabschiedet sich die eingebildete Würzigkeit; immer noch aquatisch-frisch mit der herben Süße; verblüffend Sauber auf einer maskulinen Weise (keine Handseife oder extrem seifiger Moschus. Ich tippe immer noch auf Lavendel, die im ganzen Duftverlauf da zu sein scheint); einfach strukturiert und harmonisch, falle aber nicht in Ohnmacht; wirkt trotz akzeptabler Ausstrahlung ziemlich leicht; rieche ich da etwas eine ganz leichte Mandel-Note heraus?; oha und jetzt auf einmal ein leichter Kaugummigeruch, aber nur für eine kurze Zeit; eigentlich ist der Duft eigenständig, aber trotzdem unspektakulär; kann immer noch nicht definieren, woher diese saubere, maskuline Aura kommt; wirkt auch etwas später noch leicht "boozy"; die angegeben Blumen rieche auch nicht heraus, könnten wohl aber trotzdem eine große Rolle spielen; Sillage? So etwas zwischen 5 und 6 Punkten; die ersten zwei Stunden gut wahrnehmbar, ohne dass es penetrant wird; danach wird es etwas hautnah, strahlt aber lange konstant aus.

Kurs auf das Bermudadreieck:
3 Stunden später nicht mehr alkoholisch, aber dennoch sauber-erwachsen-maskulin; jetzt kommt eine schöne und leichte Rasierschaum-Note immer mehr zum Vorschein und es wird auch ein kleines bisschen süßer (Tonkabohne?); das Aquatische ist nun auch nicht mehr vorhanden, obwohl der Duft noch leicht frisch wirkt; Rasierschaum+Tonkabohne...erinnert mich etwas an "Portraits - The Tragedy of Lord George" von Penhaligon's; spätestens nach 4 Stunden, konnte mich dieser Duft also etwas überzeugen; Nightflight hat viele Facetten; der Duftverlauf ist wahrlich eine Reise und Kopf-Herz-Basis könnte man hier als verschiedene Düfte betrachten, obwohl sie natürlich miteinander eng verbunden sind; Nightflight wäre etwas für mich, wenn es von Anfang an genauso riechen würde wie jetzt.

Nochmals 3 Stunden später, kurz vorm Bermudadreieck:





21.02.2019 18:51 Uhr
16 Auszeichnungen
Creeds Aventus durfte ich zum ersten Mal auf dem Teststreifen kennen lernen. Ich war sehr überzeugt, aber nicht verliebt. Irgendwann testete ich ihn auf meiner Haut. Nach der schönen fruchtigen Kopfnote, hat er sich (meiner damaligen Meinung nach) nicht sonderlich entfaltet. Damals gab ich die Schuld den natürlichen Duftstoffen.

Ein braver Pafumo sucht dann natürlich schnell nach Alternativen und ich entschied mich für Haramains L'Aventure. Er war natürlich anders. Ich trug ihn manchmal und musste feststellen, dass dieser Duft mir nicht steht und mich nicht erfüllt. Habe ab diesem Zeitpunkt den Duft nur mit Anzügen assoziert.

Und ein noch braverer Parfumo besucht ab und zu einen Zara-Shop. Dort habe ich per zufälliger Auswahl den Rich Leather entdeckt. "Wow, was für ein schöner fruchtiger Sommerduft. Erinnert mich doch an etwas. Oh! Nehme ich mal mit." Zu Hause wurde dann natürlich getestet. "Hm, sehr schwach und die Kopfnote ist nicht von dauer. Wäre doch schön wenn die Kopfnote länger hielt."

Der bravste Parfumo folgt jedem Trend und Neuigkeiten auf dieser Seite. "Huch, dieser Vibrant Leather von dem alle reden, wird jetzt wieder erscheinen und diesmal sogar als O de Parfuuuh". Bestellt. Getestet. Langsam wird es langweilig. Wieder diese Kopfnote die mich überzeugt. Und dann fällt alles in sich zusammen.

Und ein kluger Parfumo wie ich, gibt nie auf. Er hat alle bisherigen Düfte verkauft, weil er nie zufrieden mit ihnen war. Und doch vermisste er sie immer wieder. Also wird im Souk Afnans Supremacy Silver gekauft. "So ich kauf den jetzt und behalte ihn, Hoffentlich fällt der Test positiv aus."

Es hat fünf verschiedene Düfte gebraucht, damit ich realisieren konnte, dass Aventus und ich niemals dicke Freunde werden. Aventus durfte ich vor über einem Jahr kennen lernen. Mit der Zeit habe ich durch das Testen natürlich viel gelernt. Und dadurch fiel es mir endlich leichter zu verstehen, warum ich Aventus und Co. nicht mag und warum ich es nie wieder kaufen werde.

Bei allen Düften war es immer so, dass mir die Kopfnote außerordentlich gut gefiel. Auch beim Supremacy. Frische, wenig süße Ananas die von rauchigen Hölzer untermalt wird. Bei diesem Duft ist sogar eine aschige Note dabei, die ich bei den anderen vier Düften nie feststellen konnte. Die frische, unvoluminöse Frucht, wirkt zusammen mit den Hölzern sommerlich-maskulin-elegant und duftet leider auch nach Größenwahn/illusionäre Macht. Aber darüber konnte ich, wegen der Kopfnote, hinwegsehen.
Dann geschieht das Unausweichliche. Die Kopfnote verschwindet schrittweise und zeigt sich nicht all zu lange in der Herznote. Nachdem das Fruchtige verschwunden ist, bleibt nur noch muffig-rauchiges Holz mit erdigen Noten übrig. Spätestens ab hier, verliert der Duft an Geist und Leben (obwohl er sowieso nicht viel davon hatte). Es raucht im Wald und die Erde stinkt. Keine Spur von Leben. Keine Dynamik. Keine Energie. Keine Motivation.

Welche Erkenntnis habe ich jetzt daraus gewonnen?

Ich glaube, dass Aventus und Co. eher ein Kopfnotenverführer ist und begründe seinen Erfolg im Markt dadurch, dass die Kopfnote vielen Menschen gefällt. Habe jetzt auch endlich verstanden, dass dieser Duft mit seiner trügerischen, selbstgefälligen, leblosen Art und Weise mir niemals stehen wird.
Damit will ich jetzt den Liebhabern nichts vorwerfen. Es ist so wie es ist: Aventus und Co. sind für mich Düfte die "nur" im oberen-mittelmäßigen Bereich sind.

Die Zeit ist reif. Nun steige ich endlich aus. Au revoir!


06.09.2018 20:58 Uhr
10 Auszeichnungen
Das Höhlengleichnis, bildlich betrachtet, ohne einen tiefen, philosophischen Hintergrund, trifft genau auf Eros und mich zu:

Erhan lebte bequem in seiner Höhle, kannte nur das, was ihm die Höhle angeboten hat. Eros, der Gott der begehrlichen Liebe, schaffte es, Erhan aus seiner Höhle herauszulocken. Der Duft von Eros, markierte den Weg aus der Höhle und Erhan folgte diesem Pfad. Er war entfesselt von diesem Duft und setzte seinen ersten Fuß in die Außenwelt. Dort lernte er Eros kennen und hat sich sofort mit ihm verstanden. Im Laufe der Zeit merkte er, dass es auch andere duftende Persönlichkeiten gibt. Er nahm seine Sachen aus der Höhle und machte sich auf dem Weg, um mehr zu entdecken. Da fragte Eros ihn: "Wieso verlässt du mich? Wir haben ein Jahr zusammen gelebt." Lächelnd blickte er zu Eros: "Ich bin dir dankbar, dass mich aus dieser Höhle herausgezerrt hast. Du hast mir eine komplett neue Welt offenbart. Aber das mit uns beiden wird einfach nichts. Ich habe nebenbei Neues entdeckt. Düfte, denen ich mich mehr angezogen fühle." Erhan roch an den letzten Duftperlen von Eros und war für neuere Entdeckungen bereit.

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Jap, was war ich begeistert von diesem Duft, als ich vor einem Jahr nichts mit Düften und Parfumo zu tun hatte.
Dank Eros habe ich ein neues Hobby und habe hier vieles lernen können.
Eros war für mich damals wohl das Beste was ich gerochen habe. Aber wegen dieser Plattform bin ich immer wieder auf bessere Düfte gestoßen und der Duft beeindruckt mich nicht mehr ganz. Ich habe wohl einfach ein Problem mit frischen Düften. Ich brauch den härteren oder feineren Stoff (siehe "Ich mag" etc.).

Über den Duft will ich eigentlich nicht viel sagen, aber der Vollständigkeit halber:
Beginnt mit einer starken Minze, die zum Glück nicht nach Zahnpaste oder Kaugummi riecht. Dies ist gepaart mit leckeren Äpfeln. Das Minzblatt bleibt recht lange auf der Haut. Mindesten zwei Stunden sind drin, klingt aber natürlich nach der Kopfnote schrittweise ab.
Die Tonkabohne kann ich leider nicht riechen, aber schon ab der Herznote, zeigen sich die Zeder-Noten. Ich vermute, dass diese Noten verhindern, dass der Duft allzu klebrig-süß wird. Klebrig finde ich Eros auf keinen Fall. Eher etwas zwischen süß und herb-süß. Dass einzige was viele Leute hier zu stören scheint, ist wohl das Minzblatt, was ziemlich synthetisch riecht. Aber genau diese Note macht diesen Duft aus und macht ihn auch einzigartig. Denn, wenn nach ein paar Stunden die Minze sich verabschiedet hat, bleibt auf meiner Haut nur eine "nicht provokante" Vanille-Note, unterstützt von holzigen Noten. Eros ist ab diesem Augenblick ziemlich austauschbar.

So keep in your mind, that it's the mint. (Es soll sich nicht reimen!)

Vor einem Jahr habe ich Eros 10 Punkte gegeben. Damals kannte ich nicht viele Düfte. Heute gebe ich ihm eher 7,5 Punkte, da ich jetzt eben mehrere Düfte kenne. Eros hat mich aber in diese Welt eingeführt und deswegen berechne ich den Durchschnitt von 10 und 7,5.
So...wo war mein Taschenrechner? Vielleicht noch in der Höhle...


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