FLUidENTITYFLUidENTITYs Parfumkommentare

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FLUidENTITY vor 1 Jahr 9
8.5
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
5
Flakon

Effizient
Kann ein Duft effizient sein? Und wenn ja, wann ist ein Duft effizient? Ich finde, er ist es dann, wenn er seinen Zweck erfüllt. Und AC erfüllt ihn. Er kühlt den Träger an den heißesten Sommertagen.

Bietet AC einen ausgefeilten Duftverlauf? Nein. Braucht er auch nicht. Er ist ein super einfach gestrickter Sommerbegleiter, der einem nicht auf die Nerven fällt - betont unkompliziert. Frei, frisch, fröhlich.

Er befreit und erfrischt, ist auf das Nötigste reduziert. Kein olfaktorisches Gemälde, das einen großen Interpretationsspielraum lässt. AC ist einfach zu deuten. Er ist geradeaus ohne Umschweife und auf den Punkt.

Wie lässt sich die Frische beschreiben? Auch wenn es banal klingt: Aber AC ist ein Standard-Frische-Duft. Der einzige Unterton ist vielleicht etwas leicht Herbes bis Kratziges. Keine Frische mit filigranen Aspekten wie ein Bergamask von Orto Parisi vielleicht. In dieser Liga spielt AC nicht.

Dennoch: Ich mag ihn. Weil er eben ein so erfrischender, unkomplizierter Vertreter ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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FLUidENTITY vor 4 Jahren 10
5
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
7
Flakon

Selbstverrat
Prada näherte sich L`Homme mehr von Dior aus als von seiner eigenen Perspektive, um dabei den pradaschen Tugenden und Werten zu vertrauen.

Prada war schon immer für Iris mit Puder berühmt. Nicht zuletzt gehen Infusion d`Homme und Infusion d`Iris auf Daniela Andriers Kunstverständnis zurück. Nun hat sich Prada der süßenVariante angenommen, und ist dadurch (zwangsläufig) auf die Dior Homme Schiene gerutscht. Nun ja, nichts Neues. Möchte man die Dior-Homme-Verschnitte aufzählen und reflektieren, so könnte man damit Bibliotheken füllen.

Irgendwie finde ich die Geschichte um Prada L´Homme außerordentlich schade. Daniela Andrier, die stets pudrig-frische-Irisdüfte zauberte, muss hier eingestehen, dass die süße pudrige Iris Variante eigentlich bereits tot geritten ist. Nun springt Prada lediglich auf einen Zug auf, der bereits schon über alle Berge ist. Und dies lässt, empfinde ich leider so, sämtliche alten Prada Geniestreiche unnötigerweise alt aussehen, da eine simpel süße Puder-Iris nun einfach out ist, absolut „nachgemacht“ anmutet und die eigenen Perspektiven von früher fast verleugnet. Dann hätte ich mir lieber eine Leder-Iris, eine Safran-Iris, eine Amyris-Iris oder etwas ausgefalleneres gewünscht, aber keine süße Dior Iris.

Ja, der Duft ist stabil und es wurde absolut nichts falsch gemacht, ein Immer-Geher, der stets schmeichelt.

Ja, er ist fein gearbeitet.

Nein, die Projektion ist nicht so wie gewünscht.

Njein, die Haltbarkeit ist zwar in Ordnung, doch bald nur noch ein Skin-Scent.

Ja, L´H ist am Ende sehr sehr harmlos nur noch.

Nein, ich werde ihn mir nicht kaufen.

Ja, es stimmt, Patchouli verhungert.

Nein, Neroli reicht nicht aus, um die eigenen Prada Tugenden genügend zu bedienen und aufrecht zu erhalten.

Ja, er ist etwas kühler als Dior Homme.

Nein, die blumige Komponente ist nicht reine Iris. Dies ist allerdings ein schwacher Trost.

Nein, er kommt nicht an den Dior heran.

Ja, er ist moderner und entschlackter als sein Vorbild aus Frankreich.

Njein, L´H hat nicht wirklich Wiedererkennungswert.

Ja, er ist gewissermaßen „leichter“ als der große Bruder aus dem Hause Dior.

Ja, er ist gewissermaßen „dünner“ als sein französischer Bruder.

Ja, er geht unter zwischen sämtlichen Dior-Homme-Verschnitten.

Ja, Dior Homme wurde weiter verwässert.

Nein, die Basis ist nicht so süß, wie man annehmen möchte, und zudem absolut dürftig.
8 Antworten

FLUidENTITY vor 4 Jahren 19
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
8
Flakon

Everybodys darling
AeZ verströmt Sonne und Positivität. Er ist ein großer Smilie, ein großer leuchtender Smilie, der in den Lüften um uns herum schwebt, sich hier und dort niederlässt und wieder weiter zieht. Er setzt sich auf unsere Schultern und ist ein freundlicher, wohlwollender Begleiter.

AeZ ist einfach gestrickt, streichelt die Seele und will nur das Beste. Orange und Vanille in Kombination kann einfach süchtig machen. Schon BOSS hat das erkannt und mit Orange Man einen absolut ansprechenden Duft in Szene gesetzt. Die Verbindung ist einfach so schmeichelnd und zum sich hineinknien. Es braucht nicht mehr. Es sind nur diese zwei Protagonisten nötig: Orange und Vanille. Zusammen schmieden sie einen dezidiert süßen und unwiderstehlich leckeren Duft mit der Eleganz der Einfachheit. AeZ ist absolut unverrätselt, man muss sich lediglich süße Vanille und weiche Orange vorstellen, eingehüllt in Flaum und Milde.

Vielleicht möchte man denken, dass ein süßer von Vanille und Orange erfüllter Duft schwer und behäbig sein muss, doch weit gefehlt: Er ist behände, fröhlich und quietschvergnügt.

Doch Profumum Roma weist weit über einen BOSS Duft hinaus, ein Profumum Roma ist einfach unverkennbar. Ob AeZ, Olibanum, Arso, Caruso, Confetto oder Alba, sie alle verströmen diese erhabene Seifigkeit. Bei aller individuellen Geheimniskrämerei ist AeZ einer der diesseitigsten Profumum Romas. Sonne, der man direkt ins Antlitz schauen kann, ohne geblendet zu werden. Hell wie eine Sirene und weich wie eine Decke aus Kaschmir. AeZ versprüht Elan.

Ein jeder Profumum Roma ist kostbares, anschmiegsames Öl.

Schönheit kann so viele Formen annehmen: Hier ist eine davon.
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FLUidENTITY vor 4 Jahren 6
7.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Der schwarze Plural
Ein Tropfen, nein: Eine Träne Sandors benetzt mein Handgelenk. Es ist eine kleine Träne, Sandor braucht nicht viel um zu wirken. Die Träne duftet schwarz. Sandor ist das Konzentrat aller Nuancen die Schwarz in sich vereint. Der Flakon ist voller Tränen, voll schwarzer Tränen, zerrissener Tränen, zerstörter Tränen.

Das Leder ist dunkelschwarz, eine zerrissene Träne. Der Salbei schwarz, eine zerstörte Träne. Das Patchouli schwarzbraun, eine Träne. Sandor ist geprägt von so zahlreichen Schattierungen des Dunklen und doch die eine Essenz der tiefsten Nuance aus der verschlingenden schwarzen Tiefe.

Und doch steckt Ironie in Sandor. Bergamotte und Jasmin wollen sich abheben und hervortun aus der kohlrabenschwarzen Atmosphäre Sandors. Doch sie unterlaufen diese Erwartung und beugen sich der Kraft der Tränen des schwarzen Soges von Leder und Patchouli kampflos. Die Tränen dulden kein Aufbegehren und ersticken sämtliche Hoffnungen im Keim. Sandor drückt mit makelloser Perfektion die Ästhetik des Hässlichen aus. Faszinierend wie erschaudernd.

Sandor ist sperrig, dreckig und unangepasst. Weder die Noten harmonieren, noch möchte sich der Duft seinen Betrachtern öffnen. Einsam wimmernd verschließt er sich der Welt, entsagt sich allen Freuden um sich herum, ohne Elan.

Sandor ist Askese, der bedingungslose Verzicht, die unbarmherzige Wendung in sein eigenes Innerstes: In die Essenz unendliche schwarzer Nuancen.

Sandor duftet kräftig wie Teakholz, dabei leicht wie eine Träne, dabei spröde wie verdorrtes Holz, dabei trocken wie eine staubige Steppe.

(PS: Unromantisch ausgedrückt: Sandor hat was von Möbelpolitur.)
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FLUidENTITY vor 4 Jahren 32
10
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Davon, einen Duft zu fühlen
Ihr gehört die Zukunft, Annette Neuffer. Es gibt wohl keinen eindrucksvolleren Namen für einen Duft als Stardust, kein eindrucksvolleres Design wie das des Flacons, der Sternenstaub versprüht. Er rieselt auf uns hernieder und verströmt Sternenduft. Der Duft umschlingt einen wie die schützenden Flügel eines Engels, der sich um einen sorgt.

Es fühlt sich süß an, es fühlt sich holzig an, es fühlt sich fruchtig an, es fühlt sich harzig an. Kann man einen Duft fühlen? Man kann einen Duft fühlen, man kann Stardust fühlen. Ich fühle Vanille, ich fühle die Mandarine. Ich spüre hin zum Kakao, selbst Laboratorio Olfattivo hat in der wunderbar adrenalinarmen Sinfonie Alambar den Kakao nicht besser fühlbar gemacht. Der Duft ist üppig, doch nicht schwer, dabei weich und sanft. Er funkelt gleichzeitig hell und dunkel. Die Vanille ist im Zentrum der Komposition aufgehoben. Der Sternenstaub schwirrt um die Himmelswächter vor den Pforten der Himmelskuppe und umschlingt die Himmelsboten.

Stardust symbolisiert mehrere Nuancen gleichzeitig, so wie jeder Duft aus der Manufaktur Annette Neuffers eine Kombination an Schattierungen und Nuancen darstellt. Ich fühle wie die Nuancen leben, so wie wenn man sich ganz im Sinne der fernöstlichen Philosophie all seiner Sinne und jeder einzelnen Pore des Körpers gewahr wird.

Was sich jeweils zeigt, ist Natürlichkeit. Die Natur des Menschen, wenn man in sich hineinfühlt und die Natur des Duftes, wenn man in ihn hineinfühlt. Hier ist Frieden, hier ist Glück, in der menschlichen Natur, in Stardust.
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