FRAgrANTICFRAgrANTICs Parfumkommentare

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FRAgrANTIC vor 13 Monaten 8
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Das Simandl
Lyric Man stand schon geraume Zeit auf meiner Test-Wunschliste. Lyric Woman kenne ich schon länger, vor allem aber gefallen mir bei Amouage die Herren-Düfte manchmal besser als die vom Hersteller für uns Mädels komponierten Versionen. Was auch erklärt, warum sich bisher nur Epic Woman einen dauerhaften Platz im Regal sichern konnte, einschließlich zugehöriger Body-Lotion.

Heute war es endlich soweit. Dank einer großzügigen Probe vom lieben Blackbird saß ich den halben Tag im von mir so geschätzten Direktvergleich - linke Hand Man / rechte Hand Woman - und verfolgte gespannt die Duftverläufe.

Die zahlreichen qualifizierten Kommentare bestätigten sich in verschiedenster Weise: frisch-spritziger Auftakt, gefolgt von einer reinen etwas seifig anmutenden Rose kombiniert mit fruchtigen und süß-würzigen Anklängen, dann unterstützt von holzigen zart angerauchten Noten. Vom Verlauf her nicht linear, aber auch ohne besondere Überraschungen. Ein eher weicher, heller und sauberer Duft ohne große Ecken und Kanten; als typisch männlich empfundene Noten sind Fehlanzeige. Von einigen meiner Vorkommentatoren daher auch nicht zu Unrecht als eher weiblich oder zumindest unisex eingestuft.

Lyric Woman ist da in ganz anderes Kaliber, bügelt den Herren der Amouage-Schöpfung ohne mit der Wimper zu zucken unter. Wären Mr und Mrs Lyric im ein menschliches Paar: Madame hätte zweifelsfrei die Hosen an, aber so was von. Dunkelrot gewandet, strotzend vor Kraft, auf ganzer Linie tonangebend von Anfang bis Ende. Man(n) ist dagegen einfach ein Warmduscher, ein Weichei, ein Duckmäuser, ein Pantoffelheld, ein rechtes Simandl.

„Den Widerspruch soll jeder Simandl als sein größtes Verbrechen ansehen, und sich vor demselben hüten; er soll sich lieber selbst eine Ohrfeige geben, ehe er sich untersteht, gegen seine Frau eine finstere Miene zu machen, hauptsächlich selbe niemals erzürnen oder ihr in Führung ihres Hauswesens, oder überhaupt in ihrer Lebensart eine Einrede machen" (Statuten der Simandlbruderschaft, Nr. 11).

Männer, wenn Euch Lyric Man zu soft ist, testet Woman!
2 Antworten

FRAgrANTIC vor 2 Jahren 10
1.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Das Acronym
Der Name weckte Begehrlichkeiten, die Duftnoten auch.
Die Vorfreude war riesig, die Enttäuschung noch mehr. Der verbal suggerierte ‚Baby-you-can-turn-me-on‘-Effekt bleibt auch nach mehrmaligem Testen nicht nur aus, die Komposition törnt ab.
So stelle ich mir Klebstoff-Schnüffeln vor - der Saft sticht ins Riechzentrum, macht mir Kopfweh.
Einordungen in Diagramme kann ich mir getrost sparen, es fehlen die passenden Parameter…
Habe ich etwas falsch verstanden?

Dekonstruktion

Afro di Siaco.
Ein Afrikaner aus Siaco. Wo auch immer das sein mag.
Kein Afrikaner, den ich bisher kennengelernt habe, riecht so…

Af rod is Iaco.
(Pseudo-)Afrikaans für ‚Jacob is off-road‘?
In welche Pfütze mag er wohl gefallen sein - Säure?

A frod isi a co.
Spachliche Verballhornung von ‘A fraud – easi(ly) a co(mpanion)’?
*kopfkratz*

Weitere Zerlegungen und Neuzusammensetzungen brachten noch weniger Sinnvolles zutage, bis es mir blitzartig durch den Kopf schoss – es ist ein Akronym!

A. FR.agrance O.f DIS.sens I.n A.ll CO.mponents.
Sprachlich als auch olfaktorisch.

FRAgrANTIC vor 2 Jahren 11
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Duft einer hoffnungslosen Liebe
Âme torturée – gequälte Seele, hilflos den Wogen der Gefühle ausgeliefert, schwankend zwischen Hoffnung und Verzweiflung, wandernd zwischen Licht und Dunkelheit, sich klammernd an jede noch so kleine Geste.

Ein zarter Schmetterling der Seele erhebt sich im Sonnenschein, erwartungsvoll auf warmen Lüften segelnd macht er sich auf, dem Himmelskörpers des Begehrens entgegen, um alsbald mit angesengten Flügeln dem Boden entgegen zu trudeln. Wieder und wieder rafft er sich auf, denn der Stern lächelt ihm verheißungsvoll zu, dankt aber jede Annäherung mit schmerzbringender Verachtung. Weinend bittet der Schmetterling den Himmel um Hilfe, sich sehnend nach ewiger Liebe, auf eine Antwort, gar ein Wunder hoffend, doch der Himmel bleibt kalt.

Âme torturée macht es dem Analytiker schwer: wie auch das Gefühlswirrwarr der unglücklichen Verliebtheit lässt er sich nicht spalten in Kopf, Herz und Basis. Der Duft wabert zwischen den Welten, immer wieder kommen Akkorde in den Vordergrund, um sich plötzlich wieder für eine Zeit zurückziehen und dann erneut aufzutauchen. Er lässt sich eher empathisch erfassen, die gelisteten Noten geben die wahre Komplexität und Sinnlichkeit nicht wieder.

Blauregen ist gemeinhin für seine schwere Süße bekannt, was mich normalerweise eher abschreckt. Doch der Koriander, die Hölzer, Harze, etwas Neroli und Weihrauch würzen und dämpfen in einer Weise, die Âme torturée durchaus unisex machen. Die anfänglich Sillage ist stark, jedoch ohne den Träger und seine Umgebung zu überfordern. Der Duft wird nach etwa 6 Stunden hautnäher, die Gesamthaltbarkeit ist mit 10-12 Stunden wirklich gut.

So bin ich denn schon gespannt, was „De Mauvais Augure“ an Dufterlebnis für mich bereithält. Gerne würde ich von Ikiryo nach diesem rundherum positiven ersten Eindruck noch mehr testen, doch leider verschickt das kleine US-Indie-Label keine Proben ins Ausland, einen Vertriebspartner gibt es in Europa bis dato nicht. Daher geht mein besonderer Dank auf diesem Weg an JoHannes, der mir beide Proben zukommen ließ!
5 Antworten

FRAgrANTIC vor 3 Jahren 12
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

Roja Vetiver 2012 digitally remastered
Vetivero gehört zu der über 60 (!) Düfte umfassenden ‚Inspired Expression‘ –Serie, und Dua Fragrances verkünden auch ganz ungeniert die Quellen ihrer Eingebungen, in diesem Fall Roja Parfums Vetiver Extrait (Anmerkung: das ist die inzwischen eingestellte 2012er Version). Da glückliche Besitzerin von Abfülllungen beider, bin ich natürlich den direkten Vergleich angegangen.

Schon beim ersten Schnuppern zeigt sich Vetivero als Dupe, oder - um es etwas eleganter zu formulieren – Duftzwilling. Der 1:1 Vergleich der angegebenen Duftpyramiden entlarvt dann auch, dass Dua völlig ungeniert gespickt hat, nur geben sie im Gegensatz zu Herrn RD zumindest teilweise an, aus welchen Regionen ihre Zutaten stammen, wobei das alleine nicht zwangsläufig als Beweis für definierte Qualitäten anzusehen ist.

In der Kopfnote noch weitestgehend identisch und ohnehin beide eher körpernah, zeigen sich im weiteren Verlauf dennoch qualitative Unterschiede im unmittelbaren Vergleich: Roja hat in Haltbarkeit und Sillage die Nase etwas vorne, vor allem aber zeigt er in den Noten deutlich mehr Würze und Natürlichkeit, wohingegen bei Vetivero eine gewisse Synthetik wahrzunehmen ist.

Für alle die (noch) Schallplatten kennen und lieben: Vetivero ist m. E. eine digitally remastered Version von Roja Dove’s Vetiver Extrait – doch nachdem ich das Knistern und Rauschen liebe, bleibe ich doch lieber bei der original version.

Fazit: Vetivero ist ein mit gewissen Abstrichen nicht schlecht gelungener Dupe/Duftzwilling, und wem die vielfach wirklich absurd anmutenden Preise von Herrn RD einfach über die Hutschnur gehen, durchaus zu empfehlen, schlussendlich beträgt der Preis von Vetivero nicht einmal die Hälfte seiner Inspirationsquelle, da lohnt sich schon das Nachdenken.

P.S. Vergleiche zu den eher herb-grün-erdigen Vertretern à la Guerlain Vetyver (deren 2007er und 2004er Varianten ich erst vor ein paar Tagen in einem Kommi verglichen habe), sollte man ohnehin nicht ziehen, denn die erdig-modrige Komponente fehlt, sie wurde durch zitrische als auch gewürzige Noten abgerundet.
3 Antworten

FRAgrANTIC vor 3 Jahren 9
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

Der "kleine" Unterschied
Dank einer großartigen Probengabe durfte ich Givenchy Vetyver in zwei Variationen testen: 2007 und 2014, die hier – nota bene – unterschiedslos geführt werden. Ich habe beide auf der Haut getragen, um mir ein klares Bild machen zu können. Vor Synthetik darf man sich heutzutage ja auch nicht fürchten, denn sonst fällt ein Großteil von Düften von vorne herein unter den Testtisch…

In der Kopfnote sind anfänglich noch kaum Unterschiede wahrnehmbar, es riecht intensiv nach Pomeranze mit einem leicht krautigen Background. Nach ca. 30 min geht die Duft-Schere jedoch etwas auseinander: im 2007er macht sich eine wahrnehmbar herb-würzige Note mit nur zartem Holzakzent breit, wohingegen der 2014er eher in die zartwürzig-holzige Richtung abdriftet und tatsächlich einen Zwischenton von Sellerie aufweist. Im weiteren Verlauf verstärkt sich die Divergenz sogar zunächst noch ein wenig: der 2007er Komposition gesellen sich eine Bitternote und eine feine Rauchigkeit hinzu, die 2014er wird süßgrasiger. Interessanterweise nähern sich beide im Drydown dann aber wieder an.

Die Ingredienzien-Liste auf der Verpackung enthüllt vermutlich das Geheimnis: war in der 2007er Version noch Eichenmoos-Extrakt enthalten, fehlt eben diese herbe Zutat in der von 2014 völlig (die IFRA lässt grüßen), was sich im direkten Vergleich ganz eindeutig bemerkbar macht.

Beide sind keine Sillage-Bomben, sondern mehr vom Typ ‚hautnah‘; ebenso ist die Haltbarkeit gleichermaßen im Mittelfeld angesiedelt. Inwieweit das Wort ‘Reformulierung‘ angebracht ist, dürfte wohl eher eine philosophische Frage sein – etwas zu nah um das Attribut ‚völlig eigenständig‘ zu verdienen, etwas zu entfernt um als nur geringfügige Modifikation durchzugehen.

Meine 8.5 gehen an den 2007er, da mir persönlich der herbe Akzent etwas besser gefallen hat; mit 8.0 muss sich der 2014er aber auch nicht vestecken.
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