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Fahrs Blog
vor 16 Tagen - 08.06.2024
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Düsseldorf


Es war mal wieder so weit, ein Vater und Sohn Tag,
diesmal in Düsseldorf. Die Anreise verlief ohne Komplikationen, ohne Stau und
andere Schwierigkeiten, da war ich erstaunt, hörte man doch im Radio immer, das
da oft die Hölle los ist.
Wir kommen aus der Provinz, eine kleine Großstadt, die
gerade die Zahlenmäßige Voraussetzung erfüllt sich so nennen zu dürfen, während
mein Sohn hier öfter mal hinfährt, ist es für mich nach vierzig Jahren das
erste Mal, das ich Düsseldorf wiedersehe.
Nachdem wir das Auto im Parkhaus abgestellt haben, kommen
wir beim Ausgang direkt bei einem im Gebäude befindlichen Edeka Markt an, der
ein eigenes Restaurant hat, in diesem haben wir dann ein köstliches
Lachsbrötchen, mit einem großartigen Kaffee genossen, der in diesem Markt
selber geröstet wird.
Danach geht es auf die Königsallee, die ich schon lange
nicht gesehen habe, der Prunk scheint noch grösser geworden zu sein, ein Luxusgeschäft
reiht sich an das nächste.
Und man sieht Leute, es geht sehr international zu, und
vom Straßenmusikanten bis zu Leuten, die aus Autos steigen im Gegenwert eines
Reihenhauses, da bin ich schon erstaunt.
Mein Sohn und ich trennen uns jetzt, er ist kein Snob,
aber er geht sehr gerne in diese Geschäfte, wo man nur einzeln reingelassen
wird, das ist für mich nichts. Nach einigen Nobelläden kommt eine sehr bekannte
Parfümerie, die es in jeder größeren Stadt gibt.
Ich bin erschlagen, ein Riesenladen da muss ich mich
erstmal orientieren. Es ist alles vertreten was Rang und Namen hat, der
Schwerpunkt liegt aber auf den Neuerscheinungen, so gibt es zum Beispiel von
Armani den Code mit seinen Flankern, aber das altbewährte Armani Homme sehe ich
nicht, auch Aramis ist nicht zu entdecken.
Es ist schwer bei dem Gewusel den Überblick zu behalten,
es muss wohl Pause in einer Schule sein, jede Menge Schüler stöbern auch hier
rum. Beim Chanel Regal steht auch ein Tester mit Antaeus, den ich das letzte Mal
vor einigen Jahren getestet habe, damals war er wohl auch schon reformuliert
worden.
Mein subjektiver Eindruck ist, dass man den sehr starken
Moschus reduziert hat, in der Eröffnung riecht man fruchtiges, das pudrige,
holzige und lederige, also der Originalduft ist nur noch schemenhaft vorhanden.
Ja alles hat seine Zeit!
Nach etlichen Tests, meistens sind es Zuckerbomben,
entscheide ich mich für ein Fläschchen Gucci Guilty, ein auf mich wirkender
frischer würziger Duft, mit ein ganz bisschen Fruchtanteil.
Als ich den Laden verlasse, komme ich an einigen
Juwelieren vorbei, die sehr schöne Uhren haben, bei 8000 Euro geht es los, nach
oben geht es munter weiter, ich bin ja schließlich auf der Kö!
Als ich mich mit meinem Sohn treffe, an dem ausgemachten
Ort, ist der voller Freude, er hat bei einem bekannten Hersteller für feinste
Lederwaren ein Schlüsseletui erworben. Als er mir den Preis nennt, muss ich
meine Brille putzen, sie ist beschlagen.
Nun möchte mein Sohn noch nach Kleidung gucken, dafür
gehen wir in ein Kaufhaus, das neben der Bekleidung auch Parfüm anbietet, und
zwar in einer riesigen Abteilung. Es werden hier überwiegend Nischendüfte
präsentiert, zum Beispiel von Loewe, von dem Hersteller habe ich bis dahin noch
nie gehört. An Mainstream wenig, als ich eine Verkäuferin nach weiteren Armani
Düften fragte, sagte sie mir das nur noch Reste vorhanden wären, das wäre nur
zu Weihnachten in einer größeren Auswahl da. Da kam mein Sohn auch schon
wieder, hatte er doch etwas gefunden.
Wir schlendern noch so überall durch die Gegend, da fragt
mich mein Sohn, ob er mir, denn noch in der Seitenstraße ein neckisches
Bestattungsunternehmen zeigen soll. Ich will ihn eigentlich an den Ohren
ziehen, habe aber gerade keine Stehleiter zur Hand, also belasse ich es bei
einer mündlichen Verwarnung.
Schließlich kommen wir vor einem Hotel an, wo die davor
abgestellten Autos schon zeigen, wer hier verkehrt. Der Sohn geht schnurstracks
die Treppe zum Haupteingang hoch, ich frage mich was will er dort? Er lädt doch
seinen alten Vater zum Essen ein, in die Brasserie des Hotels. Er sagt das man auch
mal was zurückgeben müsse, gerührt nehme ich mit ihm an einem vom Ober
zugewiesenen Tisch Platz.
Die Szenerie ist schon klischeehaft, in einem Sessel
sitzt ein älterer Herr, der viele Telefonate führt, es geht wohl um wichtige
Geschäfte. Eine etwas laut redende ältere Dame begleicht ihre Rechnung, und
möchte denselben Tisch zum abendlichen Dinner reservieren, wenn sie vom Shoppen
zurück ist. Sie ist aufgeregt, sie hat bei einem sehr bekannten
Lederwarenhersteller, der für seine Handtaschen berühmt ist, einen gewissen
Status erreicht. Und bekommt jetzt ein ganz exklusives Modell, so habe ich es
verstanden, aber ich kaufe eher selten Handtaschen, so dass ich da nicht im Thema
bin.
Eine andere Dame durchschreitet mehrfach den Raum, sie
sucht wohl jemanden. An dem einen Arm hat sie eine Handtasche, auf dem anderen
trägt sie immer einen Dackel herum, dem man wohl nur zur Verzierung vier Beine
angeschraubt hat. Mein Sohn stößt mich an, die Tasche kostet 35.000 Euro, auch
so eine Statustasche die nur Kunden bekommen, die einen gewissen Umsatz erzielt
haben, ich würde bei diesem Geschäft wahrscheinlich durch die Gesichtskontrolle
fallen.
Während wir speisten, dachte ich an meine eigene
Kindheit, die nicht so schön war, weil geprägt von Entbehrungen, ich war stolz
meinen Kindern mehr bieten zu können, regelmäßige Urlaube, immer ein Auto vor
der Tür, ja das hatte ich alles nicht.
Da beide Kinder sich so gut entwickelt haben, und bestens
durch das Leben kommen, das freut mich sehr, und hoffentlich bleibt das auch
so.
Das Essen hat sehr gut geschmeckt, aber meine Welt ist
das nicht, als mein Sohn vorschlug doch öfter im Jahr nach Düsseldorf zu
reisen, sagte ich das mir das alle zehn Jahre reicht.
Danke für das lesen, und euch allen ein schönes
Wochenende!

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