FederduftFederdufts Parfumrezensionen

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Federduft vor 2 Jahren 12 6
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
*****A walk in the park* - Royal Mayfair von Creed
„Doesn't one always think of the past, in a garden?“
Eleanor in Kew Gardens von Virginia Woolf


Merkwürdig melancholisch macht er mich.
Merkwürdig, weil weder in den Noten noch in der Komposition dieses Duftes ein melancholischer Unterton mitschwingt. Jamaikanische Limette, Schottische Hochlandkiefer, englische Rose. Kanadische Zeder, Australischer Eukalyptus und Orange(n) von den Bahamas.
Gut, vielleicht doch Melancholie, die Melancholie einer vergangenen Epoche und eines damit verblassten Imperiums...
Fast isoliert nehme ich die Duftnoten zu Beginn wahr. Beinahe überreife Limette, das milde Fruchtharz von Wacholderbeeren. Die Dualität kampherspitzer Schärfe und kräutersüßen Balsams frischen Kiefernsafts. Kühle Rose, taukandiert. Tuberose1) im Tarnmodus, die mich mit ihrer Mimese von Geissblatt und welken Maiglöckchen blendet und vom Rosenherz fort lockt.
Warmes, dezentes Zedernholz und ein mit mir Schabernack treibender Eukalyptus, mal floral-forsch mit Tuberose flirtend, mal chlorgebleichte2) Zähne bleckend. Dazwischen überraschend, intim Moschus.
Nein, das ist nicht das Duftbild der von mir in meiner üblichen Naivität hingeworfenen Skizze von Royal Mayfair.
Kein Wald, kein Kiefernhain. Keine wild-romantische Landschaft, keine ungezähmte Natur. Und doch läßt es mich tieferneut inhalieren, als trete ich aus einer smogverseuchten Metropole ein in einen alten Park.
Dieser Atemzug bringt meinen Blickwinkel ins Lot.
Erweitert ihn, von dem der im Gewimmel Pheromonfährten folgenden Ameise, zur Zentralperspektive des Flaneurs in diesem ehrwürdigen Garten.
Es ist die Saite der Royal Botanical Gardens in Kew die der Duft in meinerErinnerung anschlägt. Hier, in dieser ‘Oase
in der Wüste Groß-Londons aus Ziegel und Mörtel’ 3) , in diesem, zwar von Menschenhand geschaffenem, Stück Natur kann man mit allen Sinnen aufatmen. Uralte Libanon 4)-Zedern stehen hier, vertraute und unbekannte Bäume in großer Vielfalt. Es gibt Vertreter der Kiefer von allen Kontinenten. In einem der wunderschönen,tempelartigen Gewächshäuser aus weiß lackierten Eisen und funkelnden Glas gedeiht ein beeindruckender Eukalyptusbaum und hat man Glück blüht im Areal der Trockentropen Agave polianthes neben Humboldt-Lilien.
Zahllose Gewächse und pittoreske Arrangements gilt es zu bewundern und vielleicht blüht im Rosengarten sogar noch jene, die dem Duke of Widsor 5) gewidmet wurde und als Referenz für die englische Rose in Royal Mayfair angeboten wird.
Genug der Bummelei im herbstlichen Garten meiner Erinnerung und zurück zur Präsenz des Duftes.
Es braucht weitere eingehende Betrachtung bis es mir letztendlich der Perspektivwechel gelingt und ich die Fragmente in ein elegantes Gemälde einfügen kann.
Wacholder, Kiefer und Limette verwachsen zum überraschend angenehmen Tonic Water mit trockenem, kräuterbetontem Gin. Moosig-medizinisch und zu meiner Freude nur die ätherischen Kopfnoten des Getränkes spiegelnd. 6)
Die Zeder trägt auf schlankem aber solidem Stamm eine aromatische Krone nach liebevoll gepflegten, sparsam doch erlesen besetzen Humidor.
Doch was mir zu Herzen geht ist dasselbige, floral pulsierende von Royal Mayfair. Hier umfängt mich das einzigartige, intime Parfum eines Kusses auf die nach einer Spur Rosenseife duftende, von Wind und Wetter kühle Wange eines innig vertauten Menschen.
Dazu mäendert gleich einem glucksenden, glitzernden Wasserlauf der Eukalyptus durch das gesamte Bild und verbindet die verschiedenen Ebenen, setzt hier mit der Tuberose einen metallischen, an Reste von Smog erinnernden Akzent (schließlich befinden wir uns immer noch in der Stadt), trägt mit der Kiefer zu einer transparenten Weitläufigkeit bei und benetzt die Erde an den Wurzeln der Zeder.
Die Kopfnoten sind ein spritziges, wenn auch ganz wie das sie inspirierende Getränk, ehrer kurzlebiges Vergnügen, auch wenn Elemente im ganzen Duft erneut aufblitzen und zum klaren, kühlen Eindruck beitragen. Das Herz, ist zu meiner Freude, auch unabhängig ob auf Haut, Feder oder Textil ausdauernd wahrnehmbar, die Basis, obwoh sehr hautnah bleibt beeindruckend lange als ein Hauch „Zedernholzkleiderschrank“ auf Stoff .
Royal Mayfair ist kein Duft für einen Waldschrat (generisches Maskulinum) doch ebensowenig ist er exklusiv der Gentry (generisches Femininum) zu zusprechen .
Elegant, kommt aber bestens ohne urbanen Chic aus. Subtil, doch von greifbarer Gegenwart. Keinesfalls sexy, nur unmittelbar sinnlich. Zu tragen wie es Euch gefällt.
Allerdings ist es ein Duft, den ich lieber an einer mir innig vertauten Person genießen möchte als ihn selbst zu tragen.

* Kein für Kauf- oder Testenscheidung relevante Informationen enthaltender Kommentar, nur mein Eindruck plus *Ohrwurm für Norleans
1) Dies kann auch der zeitgleichen, bisher eher fruchtlosen Beschäftigung mit einem anderen, sehr tuberosenbetonten Duft liegen
2) nochmals überprüft: ich finde auch hier diese chlorartige Note wie in einem sich in meinem Fundus befindlichen Eucalcyptus globulus-Öl
3)A. R. Hope Moncrieff, Kew Gardens
4) mit Sicherheit finden sich bei genauer Suche auch ein paar kanadische Exemplare...
5) ironischer Weise handelt es sich hier um eine Teehybride die in Deutschland gezüchtet wurde
6) Alkohlikanoten zählen zu meinen Angstgegnern.
6 Antworten
Federduft vor 2 Jahren 13 4
9
Duft
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Haltbarkeit
8
Flakon
°°°°° Federnlesen° Encre Noir Eau de Toilette
Kühl und trüb ist es heute. Ein noch unentschlossener Oktobermorgen der, wenn der Dunst sich zu Hochnebel verpuppt, so bleiben sich aber auch in einen dieser leuchtenden Spätherbsttage entfalten kann.
Die meisten Sträucher und Bäume haben sich ihrer kupfer-und bernsteinfarbenen Tracht bereits entledigt und das schäbige Laub bedeckt die Wiese mit einem braungesprekelten Flickenteppich.
Aus dem Fenster meiner (Hexen-)Küche im Tiefpaterre habe ich einen wunderbaren Blick aus der Maulwurfsperspektive in unseren Garten.
Ich trage Encre Noir und beobachte die klugen Schwarzen (Corvus corone) und Schwarzweißen (Pica pica) beim Verstecken und Verzehren einer Ration Erdnüße. Vor noch zu wenigen Jahren beschloß ich diese Vögeln nicht mehr als bloße Nesträuber und Störenfriede, sondern sie wie auch die anderen Singvögel in unserem Garten zu behandeln.
Sie werden nicht mehr vertrieben, können sich an den Futterstellen bedienen und sich an Zwetschgen und Äpfeln gütlich tun. Es gibt Nüsse für sie, überzählige (oder gar extra) gekochte Eier und gelegentlich auch mal einen Hühnerkragen und -bürzel.
Meine Betrachtungsweise hat sich verändert und ich habe dafür wunderschöne, faszinierende Geschöpfe entdeckt. „Jetzt erzählt die schon wieder was von ihren Vögeln, na, wenn die nicht eine Meise hat“ wird mancher, durchaus nicht unberechtigt, denken.
Ich trage Encre Noir:
Die Duftnoten sind monothematisch.
Zypresse, Vetiver, Cashmeran.
Rauchig, dunkel, schwarz.
Das Gefieder einer Rabenkrähe ist monochrom.
Ohne erkennbare Zeichnung, selbst vom geneigteren Betrachter bestenfalls als biederer Frack tituliert.
Trist, dunkel, schwarz.
Schenkt man den so finster anmutenden Gesellen nur ein wenig mehr als beiläufige Aufmerksamkeit kann dies überaus erhellend wirken.
Ein unverhoffter Sonnenstrahl läßt das eben noch stumpfe Federkleid, mit Akzenten in tiefem Violett und glänzendem Grüngold, im Blau des Damasznerstahls changieren .
Schwarzmalerei in den schillernsten Farben. °°
Ich trage Encre Noir.
Es ist illuminierend in welche Spektren Vetiver gebrochen wird.
Bergamotte flammt auf, krautig-grüne, noch taufeuchte Zitronenmonarde.
Flirrender Rauch verholzter Salbeistängel, achtlos auf das loderne Gartenfeuer geworfen.
Die resinoide Klebrigkeit einer frisch zwischen den Fingern zerriebenen Wacholderbeere und die weiche Würze gut getrockneten Lärchenholzes. Jenes Tabakaroma welches dem Schnupftuch meines Großvaters anhaftete. Ein Glanzlicht bitteren Kakaos wahrgenommen in manchem Patchouli.
Die Kühle langer Schatten an einem sonnigen Spätherbsttag.
Ein Schimmer Graphit beim Anspitzen eines guten Bleistifts und das spröde Vanillin eines jahrzehnte alten Buches. °°°
All diese Refraktionen streut dieses Parfum und breitet sich wie irisierende schwarze Schwingen vor mir aus.
Das Eau de Toilette wurde auf meiner Haut, meinem leidgeprüften Lieblingssweater und stilecht auf einer Krähenfeder (selbstverständlich eine Mauserfeder eines freilebenen Vogels) getestet. Auf meiner Haut war die Entwicklung des Duftes am schnell-und kurzlebigsten, wobei die rauchigen Töne die tragenden waren. Auf Stoff war die Haltbarkeit deutlich besser und die erdigen, patchouliverwandten Komponenten dominierten. Auf der Feder brillierten die Zitrus-und Harzreflexe, der Verlauf war insgesamt moderater und ausdauernder. Kein hakenschlagender Verlauf der Entwicklung, mehr
das gleichmäßige Auf und Ab großer Flügel. Faszinierend finde ich wie schillernd er trotz der nach Lesart dunklen Basis wirkt. Encre Noir ist ein Duft der, genau wie Krähenvögel, polarisert. Die Schönheit liegt, wie immer, im Auge (bzw. in der Nase) des Betrachters.
Zur Geschlechtszuordnung: Auch Rabendamen tragen Schwarz!





° ein Buch von Johanna Romberg
°° entlehnt von Helmut Peters
°°° hier spricht wohl die Chimäre des Cashmeran zu mir
°°°°°Kommentar ohne aussagekräftige, zu einer Test-oder Kaufentscheidung führenden, Duftbeschreibung
4 Antworten
Federduft vor 2 Jahren 12 5
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon
If you like pina coladas...
Falls Ihr Euch fragt, was der Pina Colada Song (ich bin sicher die Meisten von Euch kennen Ihn,
spätestens seit Guardians of the Galaxy ; ) ) mit Bottega Veneta pour Homme zu tun hat: Nichts.
Außer dem Umstand daß Männer und Frauen oft die selben Dinge mögen, sich darüber aber nicht austauschen und so in gegenseitiger Unkenntis darüber eine wunderbare Gelegenheit verpassen.
Was das jetzt mit Bottega Veneta pour Homme zu tun hat? Per se nichts.
Bottega Veneta pur Homme war einer jener Düfte, die ich mir gezielt nach den in ihm enthaltenen
Essenzen herausgepickt habe. Ein heftiger Labdanum-Fetisch dominierte zu der Zeit meine Gelüste
und auch die andern aufgeführten Duftnoten haben einen festen Platz auf meiner Liste
von Lieblingsstimulanzien. (Tannenbalsam spätestes seit der Sternennacht von Annick Goutal, an welche Bottega Veneta mich auch phasenweise erinnert). Die Einordung unter holzig-frisch fachte mein Begehr nur noch mehr an - bei einer meiner Inkarnationen muß wohl ein als Holzwurm verbrachtes Leben dabeigewesen sein. (Holzduft in vielerlei Formen: Hobelspäne, Rindenmulch, dieses rauchige Aroma wenn Holz abgeschliefen wird... etc,etc,etc läßt meine Nasenflügel interessiert erbeben... ). Nun werden die erfahrenen Parfumos unter Euch sagen „ein Parfum ist immer mehr als die Summe seiner Einzelteile“ und „Duftpyramiden sind nicht alles“.Außerdem könne man sich da gleich einfach nur die Fläschen mit ätherischen Ölen unter die Nase halten. Stimmt. Ich würde nie wagen Widerworte zu geben. Und doch gibt es diese, nennen wir es Fetischnuancen, von denen man immer wieder angezogen wird. Und davon mehr Kombinationsvariationen als eine Kiefer Nadeln hat. Was das jetzt mit Bottega Veneta pour Homme zu tun hat? Nicht viel - außer das für mich die Schnittmenge der einzelnen Noten wuderbares Dufkino ergibt. Ich empfinde ihn als ausgesprochenen „Kopf-frei-Duft“ als einen Duft zum Durchatmen und loslassen. Ein Duft wie der noch schneekalte Wind im Auswärts (Anmerkung des Verfassers: Auswärts die letzte Phase des Winters oder die frühe Phase des Vorfrühlings) der von meinen heimatlichen Bergen her pfeift.
Ein Duft der mir ein ähliches Gefühl vermittelt wie unter einer dieser jahrhunderte alten Baumkathedralen, die es bei uns im Urwaldgebiet noch gibt, zu stehen. Den Kopf in den Nacken gelegt und trotzdem die wahre Größe nicht erfassend. Außderdem mag ich wie das Labdanum genau diese
„beim Abschleifen verbrannter Holzstaub“- Note auf meiner Haut hinterlässt. Ich mag die krautige Kante und gleichzeitige Samtigkeit des Muskatellersalbeis (der in meinem Garten übrigens wild wuchert und sehr vertraut und geschätzt ist), die Ambivalenz des Piments mit seinem Vierklang aus Nelken, Muskat, Zimt und Pfeffer. Ich mag die harzige, ätherische Frische von Kiefer und Tannenbalsam, den beihnahe sakralen Wacholder. Es gefällt mir, das Bottega Venetta nicht das ist, was man als Wummser bezeichnet und doch gerade ausdauernd genug um das Balsamische an ihm beim einschlafen immer noch auf meinem Arm wahrnehmen zu können. Kurz: Ich mag bei diesem Duft sowohl die Einzelteile als auch all die Assoziationen die er in seiner Gesamtheit bei mir hervorruft.
If you like.... Wenn auch Du diese Dinge magst, dann wirst Du diesen Duft auch lieben.
Und wenn mich bei Düften Geschlechtervorzeichen interessieren würden, hätte ich diese wunderbar Gelegenheit verpasst.
Schön, daß wir darüber gesprochen haben.
5 Antworten
Federduft vor 2 Jahren 7 1
Makassar am Valentinstag oder der Barbier von Cassablanca
Nach Schnee schippen am Morgen und dem grauen Schmuddelwetter des Tages war da am Abend das Sehnen nach farbenprächtigern, sonnigeren Gestaden.
Marokko ist für mich ein Fernwehsynoym von ähnlicher Qualität wie Janoschs Panama. Der Reiseführer dazu stammt aus der Demeter Libray of Fragance: Morocco aus der Destination Collection -
Der Duft war ein paarmal angetestet, sporadisch als „Einschlafduft“ getragen worden. In der Erinnerung wurde er irgendwo, zwischen das epische Dahlia von Jesus del Pozo, der eleganten Ausgabe von Meharees, Zitaten aus Feminite du bois und Bois Marocain für Dummies, mit dem Vermerk „größtenteils harmlos“ ins Regal gesteckt und lange Zeit ignoriert.
Und dann knallte die Ignoranz mit floraler Faust an meine Nase. Ganz und gar nicht meinem erwartetem Duftbild entsprechend.
Kein Bummel über einen ausgemalten Souk mit in offenen Körben zum Kauf angebotenen Gewürzen. Kein süß-scharfer Minztee. Nicht mal der kleinste Hauch trockener Saharaluft. Dafür eine richtige Wuchtbrumme betäubener, toxisch-tropischer Blüten. Wuchernd und wachsig, ölig fettglänzend.
Da hatte ich der Reiseleitung wohl nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt und der Tagesausflug führte nicht auf den Djemaa el Fna, sondern ins ‘Tal der Rosen’ . Nur Rosen sind es, so barock, gar brachichal sie manchmal auftreten, nicht. Anwesend, begleitet von einem süßen, entgegen seiner sonstigen Art fast schüchternem Jasmin, nicht mehr als als Fußnote. Neroli, eine an den Rand gekritzelte Notiz.
Ich war festgerochen, spielte Hercule Poirot, ohne dessen famosen Riecher.
Die für Dufterkennung kleinen, grauen Zellen schienen anästhesiert. Lilien sind es nicht, zu wenig pollenscharf. Nelken, entgegen der ersten Assoziation, mehr in ihrer Gewürzform.
Gewürze, ja. Ein feiner Puder, sehr lieblich. Kein rassiges Zimt, kein belebender Pfeferr. Süßer, Kardmom, Anis. Oder doch der Dreiklang von Piement?
Die Parfumoenzyklopädie wurde befragt, unter dem Stichwort Duftnoten las ich: Gewürze. Ganz toll. Und zwischendurch hatte der kleine, belgische Detektiv seinen Auftritt auf meiner mentalen Bühne, ein ein imagineres, widerstand leistendes Haar in seiner brillantine-glänzenden Frisur glättend.
Der Abend schritt fort ohne Erleuchtung. Schlaf,solange ich diesen Duft keiner botanischen Quelle zuordnen konnte, unwahrscheinlich, zudem sich Morocco - für ein von Demeter verlegtes Cologne - als überraschend ausdauernd erwies. Als weitere Quelle wurde die Webseite von Demeter herangezogen und was fand ich da? Gewürze. „Frisch gemahlene marokkanische Gewürze auf einem 1000 Jahre alten Freiluftmarkt.“ Erhellend. Und genau das, was ich ursprünglich erwartet hatte . Kein Wort über die von mir gesuchte florale Komponente. Als weiter Inspiration gaben die noch einen Song von Crosby, Stills & Nash an. Marrakesh Express. Kannte ich jetzt nicht. Mit flinken Fingern den Text gesucht (der Song selber ist übrigens nicht so meins) und was stand da: „I smell the garden in your hair“
Hair! Haar! Haaröl! Stark duftendes Haaröl! Makassar! Ein althergebrachtes Haarkosmetikum traditionell mit Ylang-Ylang parfümiert! Ylang-Ylang! Stellt Euch all die Ausrufezeichen einfach als kleine Glühbirnen vor, die bei mir endlich aufflammten. Die liebe Seele hatte endlich ihre Ruhe und
beschloß am nächsten Morgen den Duft von Ylang-Ylang nochmals am vorhandenen Fläschen ätherischen Öls zu verifizieren. Diese Spur erwies sich als Auflösung des Rätsels. Nun, mein Ausflug nach Morocco verlief zwar nicht so wie ausgemalt, war aber für mich spannend und lehrreich.
Manchmal ist es eben gar nicht so einfach den Düften ohne Komponentenliste-oder Wegbeschreibung- auf den Grund zu gehen. Manchmal erwartet man das Eine und findet etwas vollkommen Unerwartetes. Doch ist dies nicht gerade das Aufregende an olfaktorischen Roadtrips?
Morocco ist ein sehr blumiger, fast florientaler Duft, ein Hauch von feinen Gewürzen schwingt mit.
Ungefähr so stelle ich mir vor, war es in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Casablanca beim Babier zu sitzen, von draußen das lärmende Treiben des Marktes zu hören, die fließenen Gewänder des Halaq
verströmen einen zarten Duft nach Kardamom und Piement. Und Hercule zwinkert einem mit makassargetränktem Haar im fleckigen Spiegel verschwörerisch zu.
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Federduft vor 2 Jahren 5 4
Ein Marmeladenrezept
Norleans Haustierblog regte mich dazu an wieder einmal Thyme Rouge von Panier de Sens zu tragen. Dieser Duft wurde angeschafft als ich, beflügelt von der Entdeckung dass unsere Wellensittiche Thymian zu mehr als zum Fressen gern haben , auf der Suche nach thymianlastigen Parfums war. Ich hegte die esoterische Hoffnung dass etwas von Ihrer Begeisterung für das Kraut auch auf mich abfärben könnte. Da klang „Roter Thymian“ natürlich gut.
Rot ist der Faden, welcher durch diesen Duft verläuft. Tief, ins Purpurne spielend, wie gerade noch nicht überreife rote Stachelbeeren. Rote Stachelbeeren, eilig, mitsamt kleinen Blättchen und Stengelchen in der Mittagshitze geerntet, bevor sie endgültig wahlweise der Sonnenglut oder den Amseln zum Opfer fallen.
So herb-fruchtig und etwas klebrig ist dieser Eindruck, dass ich mir am liebsten die Finger lecken würde um sie vom Saft der bereits ein wenig weich gewordenen Beeren zu säubern. Rot, wie Flecken des Saftes der letzten Johannisbeern auf meiner Schürze die ich, weil ich gerade schon dabei war, mit in die Schüssel warf.
Der Duft nach sonnenwarem Früchten wird kühler. Den heißen Garten mit den überwiegend verblühten Päonien habe ich verlassen und sitzte in der im Sommer angenehm dämmrigen Küche im Tiefpaterre.
Die Ernte ist gesäubert, von Blättern und Stengeln befreit, bereit zu Marmelade verarbeitet zu werden.
Der Thymian schleicht sich als Nachgedanke ein. Denn zu meinem Leidwesen (meinen Wellensittichen ist das übrigens egal - sie bevorzugen das reale Kraut, an dem anständig genagt werden kann) ist er nicht mehr als das. Eine krautig- holzige Ahnung, die Idee der Stachelbeermarmelade eine Prise getrockneten Thymians zuzugeben, den Fruchtdrop-Eindruck damit zu mildern und die Herbe der Beeren ein wenig mehr zu betonen.
Thyme Rouge ist ein vollkommen natürlich wirkender Duft - herb-erfrischend-fruchtig, unaufdringlich und unangestrengt zu tragen.
Mehr rote Beeren als namensgebender Thymian, doch appetitlich.
Mehr Cologne als Parfum, doch spritzig.
Auch werde ich dieses Jahr, sofern nicht die Amseln den Schnabel vorn hatten, meiner Stachelbeermarmelade ein paar Blättchen Thymian zufügen, ich habe so das Gefühl, das wird köstlich.
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