Flaconesse duftende Gedanken

31.05.2019 12:32 Uhr
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Die Macht des Überflusses

Die ewige Liste.

Als ich eben gerade in die Stadt gehen wollte, um einiges zu erledigen, fühlte sich mit einem mal der Kopf wie aus Watte an und ich entschied mich umzudrehen. Daheim auf dem Sofa, 1-2 Tage ausruhen ist eindeutig besser, als richtig krank zu werden, überlegte ich, mit was man sich die Zeit vertreiben könnte: Parfüms testen, Kommentare schreiben, die Wohnung auf Vordermann bringen, Filme und Serien anschauen. Zu allen Punkten gehören endlose todo-, Wunsch- und Merklisten, Listen des Konsums und der Tat, die abgearbeitet werden wollen, erstellt ob des allgegenwärtigen Überangebots, des unerreichbaren Perfektionismusses. Sie jagen mich, lachen mich auch, wenn ich wieder feststelle, dass ich mein Tagesziel nicht erreicht habe.

Der ein oder andere wird jetzt sicher sagen: Ha selbst Schuld, was macht die sich auch so einen Stress?!

Was jedoch im kleinen Rahmen und hier lediglich in der Freizeit anfängt, endet bei anderen im Beruf oder wird zur Lebensaufgabe, die uns überrennt. Stresssymptome können die Folge sein.

Auf die gesundheitlichen Aspekte möchte ich nicht zu sehr eingehen, ich bin weder Arzt, noch Psychologe und der Stressreduktionskurs, den ich kürzlich besuchte, befähigt mich nicht zu fundierten Aussagen. Vielmehr möchte ich ein kleines Plädoyer verfassen für die Gelassenheit. Minimalismus, Entschleunigung, Achtsamkeit und Marie Kondo sind ein paar Schlagworte, die gut in den Kontext passen, aber es ist viel mehr als das. Es ist ein Rezept, das man wieder lernen muss anzuwenden, um zu einer entspannten Lebenseinstellung zu kommen. Sich nicht von den ewigen Listen auslachen zu lassen à la: Du hast hier wieder nichts abgearbeitet! , sondern viel mehr die erdrückende Masse der Möglichkeiten als eine unendliche Freiheit anzusehen, dass tun zu können, was man möchte. Nicht den Berg zu sehen der drohend vor einem liegt, sondern die wichtigen Erfahrungen und Momente zu schätzen, die man bis hierher gesammelt hat und die zu begrüßen, die folgen werden.

Manchmal ist es ratsam, sich genau diesen Sichtwechsel wieder ins Gedächtnis zu rufen, um faul auf dem Sofa liegen zu können und zu überlegen, was könnte ich jetzt machen, statt was müsste ich tun.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderschönen und stressfreien Brückentag :)


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