Golds Blog
vor 5 Tagen - 01.09.2026
Gib Cheapies eine Chance!
Zehn Cheapies, für die man sich mal bücken könnte...
weil Parfum nicht zwangsläufig teuer sein
muss...
Rund um unser geliebtes Thema Parfum herrscht oft ein merkwürdiger Snobismus.
Oft...nicht immer. Und wer sich jetzt schon durch den Begriff "Snobismus" getriggert fühlt, der möge bitte nicht weiterlesen. Es geht hier nicht darum, Sammler*innen teurer Parfums zu kritisieren, sondern um eine Erweiterung des Horizonts und eine Vorstellung einiger Düfte, die mir persönlich gefallen und ein tolles Preis-Leistungsverhältnis aufweisen.
Anmerkung hinzugefügt am Mittwoch, 19.45
Ich habe teure Nischendüfte gerochen, die mich nach fünf Minuten gelangweilt haben und kleine Drogeriedüfte, bei denen ich plötzlich noch einmal am Handgelenk schnuppern musste und dachte: Moment mal. Der ist richtig cool! Oder verdammt gut. Oder genau passend zu meiner heutigen Verfassung.
Deshalb hier zehn "Cheapies" aus meiner eigenen Sammlung. Ohne Rangliste, ohne Dünkel und vor allem ohne die Behauptung, sie würden wie ein 250-Euro-Nischenduft riechen.
Das müssen sie nämlich für mich gar nicht.
Sie haben etwas viel Wichtigeres: Charme, einen vernünftigen Preis und keine Influencer, die sie als den nächsten geilen Panty-Dropper anpreisen.

1. Alyssa Ashley Green Tea Essence Perfume Oil
Grüner Tee in seiner unkompliziertesten Form: kühl, grün, sauber und erfrischend.
Der kleine Flakon sieht beinahe medizinisch aus, was eigentlich ganz wunderbar zu ihm passt. Das ist kein Duft, der den Raum betritt, bevor man selbst da ist. Er bleibt nah an der Haut und vermittelt dieses herrliche Gefühl von zerdrückten grünen Blättern und Frische.
Ich mag solche Düfte besonders bei großer Hitze, wenn mir fast alles andere schon zu viel ist.
Billig, winzig, praktisch und wunderbar oldschool.
La Source Rose Sauvage

Nun, dieser Flakon sieht schon einmal überhaupt nicht nach Cheapie aus.
Rose Sauvage erinnert daran, dass Rose weder feierlich noch pudrig sein muss und auch nicht unbedingt in ein großes orientalisches Duftgebäude eingebaut werden muss.
Sie darf auch mal unkonventionell daherkommen, ohne Nische zu sein.
Frische Blütenblätter, die Farbe rosa, ohne übertrieben romantisch zu werden.
Eine ausgesprochen fröhliche, leicht würzige Rose 🌹 für sehr wenig Geld.
3. Women’s Collection Oriflame: Innocent White Lilac

Einer dieser wunderbar simplen Düfte, über die man irgendwo online stolpert, ohne irgendetwas zu erwarten.
Und dann dieser bezaubernde Flieder.
Keine intellektuelle Rekonstruktion, kein dekonstruierter Flieder mit Ambroxan und irgendwelchen konzeptuellen Hölzern, sondern die unverkennbare Idee von hellem Flieder.
Solche Parfums sind doch beinahe rührend. Sie wollen die Parfümerie nicht neu erfinden, nein, sie wollen einfach nur schön duften. Un petit sent-bon.
Das respektiere und liebe ich.
4. Spirit – Vanilla Wonders

Vanille gehört vermutlich zu den Duftnoten, die in der günstigen Parfümerie am nervigsten sind: zu süß, zu synthetisch, zu sehr Kuchenteig. Doch eigentlich kann eine einfache Vanille ungeheuer wohltuend sein, wenn die Balance stimmt.
Vanilla Wonders ist genau so ein Duft: warm, unkompliziert, gemütlich und vollkommen frei von intellektuellem Ehrgeiz.
Denn manchmal möchte ich Mitsouko und manchmal einfach etwas Trost aus einem einfachen Fläschchen Vanille.
Beides darf sein.
5. Esprit: Simply You

Erinnert ihr euch noch an die älteren Esprit-Parfums?
Ich beschäftige mich so gerne mit günstigen Düften,weil Parfumgeschichte eben nicht nur aus Chanel, Guerlain und Dior besteht. Nebrn den Schwergewichten existiert diese riesige, halb vergessene Welt der Kaufhaus-, Modeketten- und Drogeriedüfte, die Menschen aller Schichten durch ihren Alltag begleitet haben.
Simply You ist unkompliziert, feminin und tragbar, ein Parfum, das man einfach aufsprüht, ohne vorher Outfit, Anlass und olfaktorisches Statement aufeinander abzustimmen.
Parfum als selbstverständlicher, doch für alle erschwinglicher Teil des Alltags:
Den Gedanken mag ich sehr.
6. Elizabeth Arden: Green Tea Sakura Blossom

Die Green-Tea-Reihe ist inzwischen fast eine Institution unter den Cheapies.
Sakura Blossom nimmt die bekannte transparente Green-Tea-Frische und gibt ihr etwas Sanftes, Florales, beinahe Rosafarbenes.
Ist das wahnsinnig komplex? Nein.
Ist es neuartig? Ebenfalls nein.
Der Duft ist leicht, hell und extrem unkompliziert zu tragen, besonders an diesen Vormittagen, an denen mich alles Dichte, Holzige oder demonstrativ Parfümierte nerven würde.
7. Suddenly Rebile

Nun ja. Lidl.
Über deren Umgang mit ihren Betriebsräten und die sonstige Konzernpolitik schweige ich.
Und über die Suddenly-Düfte und ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Duftzwillinge wurde wahrscheinlich mehr diskutiert als über so manches Nischenhaus.
Rebile gehört zu dieser herrlich demokratischen Kategorie von Parfums, die man zwischen Joghurt, Spülmittel und Gemüse entdeckt, mitnimmt und dann zu Hause tatsächlich manchmal trägt.
Ich liebe schon die Absurdität daran.
Parfum braucht eben nicht immer eine marmorgeflieste Boutique, eine ehrfurchtgebietende Verkäuferin, die sich Maître du Parfum nennt und eine Geschichte über seltene Ingredienzien, die nur zu Klängen von Claude Debussy im Abendlicht auf Tahiti geerntet werden.
Manchmal klappt es auch mit Lidl.
8. Revlon Charlie Red

Charlie verdient mehr Respekt!
Schon das ursprüngliche Charlie stand in den 1970er-Jahren für eine ganz andere Vorstellung von Weiblichkeit: unabhängig, urban, modern. Später entstand daraus eine ganze Duftfamilie.
Charlie Red ist laut, floral, fruchtig und ausgesprochen extrovertiert.
Quiet Luxury flüstert hier wirklich gar nichts. Zum Glück.
Ich mag dieses Unverfrorene an Charlie Red. Wenn man mal bedenkt, was der Duft kostet, besitzt er erstaunlich viel Persönlichkeit.
9. Fragonard: Grenade Pivoine

Fragonard nimmt für mich eine interessante Position ein: traditionelle französische Parfümerie, ohne automatisch in jene Preisregionen vorzustoßen, in denen man beim Aufsprühen schon anfängt, den Preis pro Milliliter auszurechnen.
Grenade Pivoine ist genauso farbenfroh, wie der Name vermuten lässt: Granatapfel und Pfingstrose, fruchtige Helligkeit vor einem floralen Hintergrund.
Fröhlich, saftig und stark, ohne in beliebige rosa Fruchtsuppe abzurutschen.
Und dieser kleine goldene Metallflakon mit echtem Extrait ist sowieso entzückend und im übrigen der beste Beweis dafür, dass auch ein günstiger Duft das Vergnügen eines schönen Gegenstands bieten kann.
10. Inessance Eau de Cologne Lavande
Zum Schluss etwas völlig anderes.
Lavendelwasser.
Ich liebe Lavendelwasser!

Kein Gourmand-Akkord. Kein verführerischer Amber. Kein geheimnisvolles Oud. Sondern diese wunderbare französische Tradition, sich großzügig mit etwas Aromatischem, Frischem und Sauberem zu besprenkeln.
Lavendel hat für viele durch seine Assoziation mit Wäscheschränken und älteren Semestern ("Oma-Duft! Opa-Kram!") bei vielen einen ziemlich schlechten Ruf.
Völlig zu Unrecht...- wenn ich das so sagen darf.
In einem schlichten Eau de Cologne kann Lavendel wunderbar trocken, krautig und sehr erfrischend wirken.
Und bei 250 ml muss man zum Glück auch nicht so tun, als befände sich flüssiges Edelmetall in der Flasche.
Damit wären wir wieder beim eigentlichen Thema angekommen.
Ein Cheapie darf nach Cheapie aussehen, ja, er darf Cheapie sein.
Ich möchte doch gar nicht, dass mir mein 8-Euro-Parfum vorgaukelt, es koste 180 Euro, denn das ist für mich überhaupt nicht das Kriterium.
Ich möchte Freude an einem Duft haben.
Und gelegentlich möchte ich feststellen, dass etwas, das fast nichts kostet, trotzdem verdammt gut riecht.
Leider ist die Parfumwelt voll mit Mythologie, Prestige und immer spektakuläreren Preisen.
Ein bisschen olfaktorische Demokratie tut ihr ganz gut.
Deswegen stelle ich meinen 8-Euro-Cheapie völlig bedenkenlos neben Guerlain und Dior ins Regal.

Wenn er gut riecht, hat er seinen Platz verdient.
Aktualisiert am 02.09.2026 - 13:48 Uhr
50 Antworten


Gold
Mit diesem Beitrag triffst Du meinen Nerv: bei Düften sollte man nicht arrogant sein! Wenn´s gut riecht, riecht`s gut - wenn es dazu noch preisgünstig ist, umso besser! 🌞
Deine schöne Auflistung merke ich mir auf jeden Fall mal 👍🏻
KA, ob da was dran ist.
PS. In meiner etwas chaotischen Sammlung sind ziemlich viele recht günstige Düfte dabei, die mir Freude bereiten und somit absolut ihren Zweck erfüllen (der Grenade Pivoine von Fragonard ist ebenfalls dabei☺️)
Hab den letzthin für meine Nichte gekauft. Riecht sehr angenehm. 😊 Hab ich bereits dreimal getragen.
Mag deine Art zu beschreiben samt passender Fotos sehr.
Ich denke,dass jedes Segment Perlen beinhaltet.
Ist aber so : kaufen,nur weil günstig und nett kommt für mich nicht mehr in Frage.
Zuviel davon endete als Raumspray.
Mich nerven meine zu vielen Flacons zusehends.
Denn jeder Duft,welcher nicht getragen wird war zu teuer.
Nichtsdestotrotz - wie immer gerne gelesen ♥️🌺
Was ich bemerkenswert finde ist, dass du eine andere Interpretation deiner Aussage offenbar mit mangelnder Fähigkeit Sinn aus Worten zu entnehmen, gleichsetzt. Eine andere Wahrnehmung hat mit Dummheit oder fehlender Lesekompetenz nun wirklich nichts zu tun.Ich rege mich nicht auf - ich widerspreche dir. Und vielleicht gehört zu einer öffentlichen Diskussion eben auch, dass jemand widerspricht, ohne dass man ihm deshalb unterstellt, er habe den Text nicht verstanden.
Ganz ehrlich, gerade von dir als erfahrene Bloggerin und Autorin, die selbst öffentlich über Parfum und unterschiedliche Sichtweisen schreibt, hätte ich einen wesentlich souveräneren und respektvolleren Ton im Umgang mit den kritischen Lesern erwartet. Dass du mir ausgerechnet mangelnde Lesekompetenz bzw. indirekt Dummheit nahelegst, finde ich persönlich ziemlich enttäuschend.
Mich „triggert“ das Wort Snobismus nicht. Ich habe lediglich eine andere Wahrnehmung und habe diese geäußert. Wir müssen uns da vielleicht einfach nicht einig werden. Für mich ist damit eigentlich alles gesagt.
Ich habe dir nämlich nicht unterstellt, dass du pauschal alle Menschen, die teure Parfums kaufen oder tragen, als Snobs bezeichnest. Ich habe ausdrücklich geschrieben: „Natürlich gibt es Ausnahmen, aber Snobismus finde ich als pauschale Bezeichnung ziemlich unpassend.“
Mein Einwand richtete sich also gegen die pauschale Bezeichnung von Snobismus innerhalb der Parfumwelt, nicht gegen eine von dir angeblich aufgestellte Aussage, dass jeder Liebhaber teurer Düfte ein Snob sei.
Mir ging es vielmehr darum, dass für manche Menschen eben auch die Geschichte, das Konzept, die Komposition Teil der Faszination sind und dass die Freude an einem 200€ Duft deshalb nicht automatisch etwas mit Snobismus oder Prestige zu tun hat.Vielleicht lohnt es sich also nicht gleich die Lesekompetenz der anderen anzuzweifeln, sondern anzuerkennen, dass ein Text bei verschiedenen Lesern unterschiedlich ankommen kann.
Übrigens ist Fidji mittlerweile bei mir eingezogen … und ich lieb‘s!
Ich bin schon voller Vorfreude wenn ich demnächst wieder durch das Cheapie Paradies spanischer Supermärkte schlendern darf, um dort die Mercadona Tester zu malträtieren. :)