HolunderHolunders Parfumkommentare

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Holunder vor 9 Jahren
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Harzmilch
Ich habe diesen Duft vor einer Weile gekauft, weil ich ihn anziehend fand. Dabei aber auch etwas merkwürdig, widerborstig, eigen. Gerade diese Kombination kann ja bekanntlich Anziehung in Liebe verwandeln, und so ähnlich war es dann auch.

Dieser Duft wurde von Costume National zum 21-jährigen Bestehen lanciert und soll dementsprechend 21 Duftnoten enthalten. Mir scheint, es hätten auch ein paar weniger sein dürfen, denn zum Auftakt wirkt der Duft etwas verwirrend und überladen. Da sind Blumen, Orangenblüten, und etwas sanft Milchiges, aber auch schon dieser dominante Akkord aus Harzen und Hölzern aus der Basis, der den ganzen Tag über bei einem bleibt und der relativ schnell alle anderen Noten über Bord wirft.

CN sagt, der Duft "changiert". Das finde ich wieder nicht, die ganze Angelegenheit ist recht linear, wohl aber polar: auf der einen Seite die sanfte Milchsüße, auf der anderen Seite das mit bittersüßer Vanille vermengte Harzholz. Wärmend und süß, aber nicht langweilig und fernab von "wos zum Essen". Der Gesamteindruck erinnert tatsächlich an Tabak, ich finde ihn jedenfalls total außergewöhnlich, so etwas habe ich in keinem Duft vorher gerochen.

Sehr haltbarer und testenswerter Herbst-/Winterkandidat. Würde ihn gern mal an einem Mann riechen.

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Holunder vor 9 Jahren
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Verbrechen lohnt sich nicht!
Parfumhersteller lassen sich oft die wildesten Dinge einfallen, um ihre Düfte zu verkaufen. Man denke nur an Herrn Kilian, der um seine Düfte die wildesten Liebesdramen webt, oder die duftgewordenen Opern des Hauses Amouage. Oft hat der Duft nichts mit dem Namen zu tun oder man versteht überhaupt nicht, wo der Zusammenhang sein soll.

Lady Vengeance ist anders! Denn Rache, das zentrale Motiv der Angelegenheit, ist ein bisschen so wie der Duft selbst: in der Theorie eine gute Sache, in der Praxis aber oft, wenn schon nicht peinlich, doch ein bisschen schal und irgendwie unbefriedigend.

Ich bin ja eine Rosenliebhaberin und so kam auch irgendwann nicht mehr an "Lady Vengeance" vorbei. Der erste Hauch ist eine intensive Erinnerung an das göttliche "Noir de Noir", das während der warmen Monate schon viel zu lange unbeachtet in meinem Schrank stand. Mit dem Gedanken "Nu ja, sowas hast du ja nun schon" kehrte ich der Parfümerie nun den Rücken, um zu Hause einen Gegentest mit "Noir de Noir" vorzunehmen.

Leider hatte sich der Duft bis dahin schon sehr gewandelt: Die satte Patchoulinote, die "Noir de Noir" seine schokoladige Tiefe verleiht, hatte sich beinah völlig verabschiedet und was blieb, war eine recht brave und seifige Rose, die an der Luft zu frösteln schien.

Nichts für mich, die Rachelady! Kein schlechter Duft an sich, aber im Vergleich zu dem, was er hätte sein können, für mich immer eine Enttäuschung.

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Holunder vor 9 Jahren
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Das flüssiggewordene Glück
Im Französischen gibt es die Redewendung "nager dans la bonheur": Im Glück schwimmen. Es ist eine Wendung, an die ich sofort denken musste, als ich L'Heure Bleue aufsprühte. Woran man schon mal merkt, dass mich dieser Duft ins Schwadronieren bringt.
Wenn ich einen Duft auflege, den ich noch nicht kannte, entscheidet sich manchmal schon in den ersten Sekunden, ob ich ihn mögen werde oder nicht. Dann denke ich so Dinge wie "Oh, Rose" oder "Mmh, Veilchen" oder "Pfwäh, Alkohol."

Bei L'Heure Bleue kam meinen Gedanken die Artikulationsfähigkeit abhanden. Ich dachte nur "Oh... Oh!"
Es war ein Erlebnis, das ich so eigentlich noch nie hatte. Der Duft verschlug mir für ein Weilchen einfach die Sprache.

Das ist durchaus auch wörtlich zu verstehen, denn das Eau de Parfum ist anfangs äußerst intensiv. Aber hauptsächlich lag's doch daran, WIE das roch. So weich, so süß, nach Orangenblüten und noch viel mehr. Unbeschreiblich, und unbeschreiblich anziehend.

Wenn ich über L'Heure Bleue lese, dann lese ich oft von Melancholie, davon, dass es ein trauriger Duft sei. Für mich ist er keine Traurigkeit, im Gegenteil.
Er erinnert mich daran, wie ich das letzte Mal sehr verliebt war. Es war Frühling und ich konnte mich auf nichts konzentrieren, aber ich konnte stundenlang stillsitzen und meine Gedanken flossen um mich her, oszillierten wie dieser Duft. L'Heure Bleue ist diese Art von Glück: das einen nicht zu Luftsprüngen veranlasst, nicht aufregt, in dem man ruht wie in einer leuchtenden Wolke.

Das Bild, das Guerlain mit diesem Duft einzufangen strebte, ist die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Dunkelheit, eben die "blaue Stunde", und auch das passt, wenn ich an einen Sommerabend denke, an duftende nachtblühende Pflanzen, ein kühles Lüftchen und diese wunderbare Wärme einer steinernen Bank, die einen ganzen Tag voll Sonne in sich gespeichert trägt.

Ja, wie riecht es denn nun? Ich versuch's mal:
Die Orangenblüten sind sofort präsent, dann kommt ein Stadium, in dem ich mich stark an Räucherstäbchen erinnert fühle - das Sandelholz womöglich? Im Verlauf wird der Duft wärmer und auch sehr viel hautnäher und intimer, behält sich aber auch etwas Kühles - die Iris? - und haucht auf diese Weise langsam sein Leben aus. Die Haltbarkeit ist bei mir mit an die 6 Stunden ganz okay, auch wenn ich mir nach dem gelinde gesagt kraftvollen Auftakt mehr erwartet hätte.

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Holunder vor 9 Jahren
17
What's cows got to do with it?
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich jemals einen Duft von Diesel besitzen würde. Auch der Herr des Hauses guckte beim Anblick sehr misstrauisch. Nach ein paarmal Tragen müssen wir jedoch beide zugeben, dass der Duft richtig gut ist. Ob er wirklich eingestellt ist, weiß ich nicht, bei mir im Rossmann gab es ihn jedenfalls noch ganz normal zu kaufen.

Was mich an ihm magnetisch anzog, war die Milch. Anhand der Noten vermutete ich fast ein milchigeres "Lann-Ael". Dies ist aber ein go-vegan-Parfum und die einzige Milch, die wir hier bekommen, entspringt glücklichen Kokosnüssen. Dabei ist diese Kokosnote zum Glück nicht erstickend-süß-kokosmakronig oder gar muffig, sondern ganz naturgetreu. Das ist gut, denn mit süßem Kokos kann man mich jagen.
Dies ist also meiner Meinung nach keine Lilienmilch mit Vanille, aber schon gar nicht ist es der Fruchtcocktail, den Fragrantica vermutet, und den ich niemals, NIEMALS auf 500 Meter in meine Nähe gelassen hätte. Also was ist es denn nun, dieses Doppelplus? (Verziehen Sie sich bitte aus meinem Kopf, Herr Orwell)

Die Kopfnote ist einfach köstlich: saftige Limetten mit Kokos, unterlegt von was Blumigem, das sich aber den gesamten Duft über im Hintergrund hält. Ich bin da auf einer Linie mit Peanut, wunderbar erfrischend, das Ganze. Natürlich kann diese Limette, wie alles wahre Glück, nicht ewig währen, so dass irgendwann nur noch diese leicht blumige Kokosmilch bleibt, immer trockener und pudriger wird, bis sie sich irgendwann, nach sehr vielen Stunden, verdünnisiert.

Ich mag diesen Duft, er ist ein schönes Schätzchen für den Frühling und Sommer, für unbeschwerte Tage oder solche, die es werden sollen. Durchaus alltagstauglich, wenn mit leichter Hand dosiert, denn dieser Duft hat eine kräftige Stimme und ist sehr haltbar. Ein Hauch von Kokosmilch umgibt die Trägerin - einen Träger kann ich mir hier nicht vorstellen - den ganzen Tag.

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Holunder vor 9 Jahren
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Mein Humidor und ich
Erstmal bin ich völlig von den Socken, dass ein gut Teil der Kommentierenden Back to Black als dezent und schwach auf der Brust bezeichnet hat. Ob da verschiedene Formulierungen im Umlauf sind? Mein Fläschchen jedenfalls hat eine ausgeprägte Stimme und einen langen Atem, aber wie das sprichwörtliche Teufelchen spricht der Duft nur zu dem, auf dessen Schulter es sitzt. Das ist gut so, denn eine große Sillage wäre bei diesen Duftnoten wohl am ehesten noch erstickend.

So bleibt "Back to Black" ein privates Vergnügen, das für mich im wesentlichen zwischen Tabak und Honig changiert, und das für viele Stunden - einen Arbeitstag übersteht es problemlos. Im Verlauf wird der Duft dabei noch mal etwas süßer als zu Beginn, ändert sich aber sonst nicht großartig.

Was an der ganzen Angelegenheit aphrodisierend sein soll, erschließt sich mir nicht. Für mich ist das kein "Nimm mich!"-Duft, eher ein "Komm, lass uns auf dem Sitzsack liegen und gemeinsam Filme gucken"-Geselle, tröstend und stärkend. Der Tabak darin ist auch kein verruchter, erotischer Tabak, sondern das angenehme Aroma, das einem Tabakladen anhängt, der auch Zigarren und Pfeifentabake verkauft: weich, süß, aromatisch und ein wenig altmodisch.
Ich nehme diesen Duft für mich auch nicht als festlich und "großes Kino" wahr, dazu hat "Back to Black" zu wenig Grandeur, ist zu privat und für mich auch zu gemütlich.

Ich trage "Back to Black" nicht sehr oft und niemals an 2 Tagen hintereinander, da es doch sehr süß ist. Aber in der richtigen Stimmung ist es die Perfektion in Flaschen.

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