HufingHufings Parfumkommentare

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18.08.2015 08:19 Uhr
5 Auszeichnungen
AJ Arabia… da stell ich mir sofort etwas Wuchtig-Orientalisches drunter vor. Black II war allerdings der Einzige aus der Reihe, der auf die Merkliste kam. Alle anderen vermutete ich als zu herb für mich. Aber DER ist es dachte ich. Mein wahrgewordener Orient-Gourmand-Lockduft. Ich erwartete irgendwas zwischen Noir de Noir und Manifesto Elixir. Also sabberte ich meiner Probe entgegen. Kaum war sie da, ein erster erwartungsvoller Sprüher. Und dann leider die totale Enttäuschung. Das soll also ein hochexklusiver Duft sein? Etwas ganz Besonderes? Hmm… Ich rieche etwas undefinierbar Süßes. Und Moos. Und zwar von Anfang an. Ich mag diese dunkelgrünen, moosig und (sorry) gruftigen Duftnoten ohnehin nicht besonders, vllt. nehme ich es daher umso stärker wahr aber das Moos dominiert alles, was an dem Duft schön sein könnte. Denn nach ca. einer halben Stunde kommt eine ganz zauberhafte Vanille durch. Zumindest versucht sie es denn… Na? Ratet mal? Richtig, das Moos kommt wieder und raubt allem anderen die Daseinsberechtigung. Ich habe den Duft wirklich mehrmals getestet, aber dieser erste Eindruck hat sich leider verfestigt. Vllt stimmt auch etwas mit meiner Wahrnehmung nicht ich kann es nicht erklären. Aber Black II ist für mich absolut unspektakulär, eindimensional und sehr gewöhnlich. Die Mischung aus Süße und dem dunkelgrünen Bett ist nicht besonders geglückt, es könnte auch ein Herrenduft aus den unteren Regalfächern sein. Sillage und Haltbarkeit sind in Ordnung aber nicht herausragend. Schade, den hübschen Flakon hätte ich schon gerne in meiner Sammlung gehabt…


24.07.2015 22:54 Uhr
10 Auszeichnungen
Ja anders kann man es nicht ausdrücken... Der Duft ist einfach heiß. Ich habe ihn eben aufgelegt und muss ein paar Worte dazu verlieren...Allerdings habe ich selbst einige Anläufe gebraucht. Meine Annäherungsversuche sind jedes Mal bereits bei der Kopfnote gescheitert. Diese ist in den ersten Minuten vorallem für eher gediegene Damen ziemlich heftig. Rauchig und herb und eigentlich nicht wirklich schmeichelhaft, das waren anfangs meine Gedanken. Ich hatte OI abgeschrieben, die Abfülllung durfte weiterziehen... Aber irgendwie kreuzte er immer wieder meinen Weg. Obwohl von mir ganz klar abgelehnt, blieb der Duft präsent, blieb interessant und ließ mich nie in Ruhe. Nach einer Pause habe ich also nochmal einen Test durchgeführt. Die herbe, beißende Note ist unverändert da. Aber dann... Was für eine Wucht. Wundervoller Rosenlikör durchzogen von dreckigem Patchouli. Oud nehme ich wahr, würde ihm aber keine bedeutende Rolle zuweisen. Nicht hölzern, nicht gruftig aber eben wirklich sehr präsent und schmutzig mischt sich das Patchouli dazu. Mehr passiert auf meiner Haut nicht. Diese Kombination ist aber auch explosiv. Und das über Stunden... Der Duft ist definitiv stark, sehr stark und durchweg präsent. Er ist sicher kompromisslos und der Träger muss ganz klar hinter diesem Duft stehen denn eine zaghafte Person und dieser Duft passen nicht zusammen. Sillage: jeder bekommt mit, dass der Träger von OI im Raum ist. Haltbarkeit: nachsprühen während der Partynacht nicht notwendig. Dieser Duft strahlt Selbstvertrauen aus. Er ist dreckig, er ist erotisch und sicher nicht gefällig. Aber wenn er wirkt, dann richtig. Ganz sicher für Damen die sich trauen aber auch am richtigen Herren sehr verlockend.
Ich habe das Gefühl, mit OI jedes Mal ein kleines Stück zu wachsen und bin froh, ihm trotz schwierigen anfangs eine Chance gegeben zu haben. Also Ladies, traut euch ;-)


22.07.2015 08:36 Uhr
16 Auszeichnungen
Ich wohne am Dorfrand… Über meinem Zuhause liegen eigentlich nur noch Felder, Bauernhöfe und Wälder. Ich liebe diesen Ort und den Frieden der dort herrscht. Und fast jeden Abend drehe ich dort meine Runden. Ein lauer Sommerabend… Ich passiere noch 1,2 Häuser und schon liegt er vor mir, ein kleiner asphaltierter Weg inmitten der Felder, links und rechts wilde Sträucher mit allen möglichen Blümchen durchzogen. Ein Stück weiter die Getreidefelder, dazwischen Blumenwiesen, mächtige Bäume, etwas entfernt eine Pferdekoppel. Die Runde geht weiter, am Waldrand vorbei, noch mehr Felder und Obstbäume. Mein Spaziergang neigt sich dem Ende zu. Ich komme an den Höfen vorbei. Jede Menge Tiere beobachten mich, die Traktoren rumpeln mit Ihren Heuballen an mir vorbei und schon bin ich fast wieder zuhause. Tiefenentspannt, meine Welt ist Ordnung. Jedes Mal wenn ich heimkomme, habe ich das Gefühl, etwas Neues entdeckt zu haben. So… und was hat das nun mit dem Duft zu tun? Kurz und knapp: alles. Immer wieder nehme ich bei diesen Rundgängen die vielen Düfte wahr, die mich während dem Laufen umgeben. Die frischen grünen Wiesen, die Felder, die wilden Blumen die warme Luft durchzogen von einem Gemisch all dieser Eindrücke. Und jedes Mal denke ich ganz sehnsüchtig: wie schön wäre es, diesen Duft festzuhalten. Jeder, der auf dem Land wohnt, kennt bestimmt diesen unverwechselbaren Duft, der vorallem bei warmen Wetter, fernab von Autos etc. in der Luft liegt. Tilleul ist es gelungen, ein Parfum zu kreieren, das für mich all das sehr gut wieder gibt. Natürlich riecht es nicht genau SO, aber die Stimmung des Duftes geht für mich absolut in diese Richtung. Zu Beginn ist er noch sehr herb und grün, als ich ihn das erste Mal anfangs roch bin ich fast etwas zurück gezuckt. Aber nach einer Viertelstunde legt sich das. Die Lindenblüte ist wirklich ziemlich dominant, aber ich werde den Gedanken nicht los, dass auch ein zartes Mimöschen vorbei schaut. Je länger der Duft auf der Haut liegt, desto geschmeidiger wird er. Die herben Töne lassen nach und es macht sich eine Honignote bemerkbar. Nicht so extrem süß und dominant wie z.B. bei Passionate von Boadicea, nein sehr viel verhaltener und ein wenig an Seville à l’Aube erinnernd. Auch Tilleul wird zum Ende hin in gewisser Weise süß. Allerdings ist die Süße eher so, als ob man in einer Blumenwiese voller süßer Blütenpollen steht. Ja, dieses Wässerchen erfüllt meine Wünsche und Vorstellung ziemlich gut. Ich habe etwas gefunden, das tatsächlich (fast) alle meine Eindrücke einfängt. Ich denke, dass dies auch unter anderem daran liegt, dass der Duft sehr authentisch und natürlich riecht. Ich kann hier keine Spur von Synthetik oder überzuckerten Plastikblumen wahrnehmen. Passend zu meinem Gesamteindruck ist auch die Sillage. Sie ist nicht raumgreifend und der Duft ist nicht permanent anwesend. Aber immer wieder weht mir ein Hauch davon um die Nase. Egal wo ich bin, wie sehr mich etwas belastet und stresst, Tilleul bringt mich wieder nach Hause. Gibt mir das Gefühl von innerer Ruhe, Gelassenheit und Glück. Er strahlt und ist dabei überhaupt nicht drüber, denn dieses Strahlen ist echt. Danke an die Spenderin der Abfüllung, eine lange Suche ist nun zu Ende.


19.12.2014 14:38 Uhr
14 Auszeichnungen
Opera

Opera - XerJoff

10.0
Ich mag… Vanille, schwere weiße Blüten (vorallem Gardenien), Moschus und ab und an auch etwas Benzoe,Tonka und Zimt. Ich mag süß, blumig, orientalisch, im Sommer darfs auch gerne etwas frischer sein.

Ich mag nicht… zu holzig, herb, Muskat, Galbanum, Obstkörbe. Leder und krautig-grüne Düfte.

In 100 Jahren hätte ich daher Opera nicht aus eigener Initiative heraus getestet. Einzig die Vanille als Duftnote wäre für mich bei diesem Duft also interessant gewesen. Vanille kann ich aber auch billiger haben, und tolle Vanilledüfte habe ich ohnehin schon genug. Wer braucht also Opera…

Auf der Suche nach einem schönen Weihnachtsduft bin ich also auf die Pirsch gegangen. Ich testete Dulcis in Fundo. Zu flach… Ich testete diverse Guerlains. Hmm, an dem Tag irgendwie auch nicht…Epic Woman. Zu viel Pfeffer, ne da springt der Funke auch nicht über. Ich war verzweifelt. Da erlaube ich mir vom Weihnachtsgeld was ganz Feines zu kaufen und ich finde tatsächlich nichts?? Nächste Station XerJoff. Casamorati nochmals angetestet und so gut wie gekauft. Bis die nette Verkäuferin noch mit einem Duftstreifen ankommt und meint, mir als Lira-Liebhaberin müsse der Duft bestimmt gefallen. Also mit der Nase ran. Und fast nach hinten umgefallen. Genau das ist ER. Der EINE Duft. Nach dem ich seit meiner Anmeldung bei Parfumo immer gesucht habe. Kann es wirklich sein, dass ich ihn in diesem Moment gefunden habe? Eine süffige Süße nimmt mich gefangen. Eine Rose, allerdings nur so zart, dass sie bestenfalls sanft die Haut streichelt kommt dazu. Diese Kombination zieht mich ganz leicht und unbefangen in ihren Bann. Ich sitze auf dem Stuhl in der Parfumerie und genieße, was ich rieche. Und dann… es riecht fies… die Note kenn ich doch, hat mich schon in Bouquet Ideale gestört. Ha, Muskat, genau.
Herb und dumpf und…weg ist sie schon wieder. Oder doch nicht? Ab diesem Punkt kann ich einige Zeit keine einzelnen Duftnoten mehr ausmachen. Denn es ist perfekt. Die schöne Kopfnote webt meinen Angstgegner Muskat ein. Die Noten verschmelzen so, dass sie aufeinander abgestimmt besser nicht sein könnten. Es herrscht eine absolute Harmonie und Ausgewogenheit. Eine leicht kosmetische Note nehme ich ebenfalls wahr. Allerdings eher als immer mal wiederkehrendes Lüftchen, nicht direkt an der angesprühten Stelle. Er ist süß, und doch nicht so dass es beschwerend wirkt. Im Verlauf wird er zunehmend dunkler, die Süße lässt nach und es wird holziger und auch ein wenig feines Wildleder kann ich erschnuppern.
Wie schon Erba Pura so ist auch dieser Duft fast greifbar, so tief und vielschichtig wirkt er.
Ich empfinde den Duft als zeitlos, elegant dabei aber trotzdem sehr trendbewusst und ganz sicher auffällig. An ganz grauen Mäuschen oder schüchternen Damen und Herren könnte ich ihn mir nicht vorstellen, dazu hat er zu viel Ausdrucksstärke. Ich sehe ihn eher an Damen denn an Herren, aber ist natürlich wie immer Geschmackssache. Natürlich eignet er sich bevorzugt für große Auftritte im langen dunkelroten Seidenkleid, aber seine reine Schönheit bietet auch genug andere Anlässe um ihn auszuführen.
Tja, während des ersten Testens in der Parfumerie und ständigem Schnupperns am Handgelenk war mir nicht bewusst, mit wem ich es hier eigentlich zu tun habe. Als ich mich dann zum Kauf entschlossen hatte und die Verkäuferin mir zeigte, um welchen Duft es sich handelt, musste ich kurz innehalten. Hämisch grinste mich der schwarze Samtflakon an. Ich las den Schriftzug „Opera“. Tja, so viel zum Thema Opera ist nix für mich. Das war mir dann mal eine Lehre.
Habe den Duft dann vor einigen Tagen ins Büro ausgeführt. Er ist wirklich allen aufgefallen. Mein Chef meinte sogar: „Du standest nur eine Minute in meinem Büro. Aber als ich vorher draußen war und später wieder hier rein kam, roch der ganze Raum danach.“ Und das bei zwei Sprühern ins Dekolletee. Soviel zu Sillage. Glücklicherweise bekam ich nur positive Resonanz dazu, er ist bei meinen Herren nun offiziell „erlaubt“.


22.10.2014 16:52 Uhr
2 Auszeichnungen
Es hätte so schön sein können… Allein die Inhaltsstoffe lassen mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Das klingt doch nach einem kuschelzarten Gourmand. Zack, Häkchen, Merkliste. Und kurze Zeit später hielt ich die Probe in Händen.
Aufgesprüht, abwartend geschnüffelt. Auf der angesprühten Stelle kann ich einen öligen Film sehen. Ich bin auf Wolke 7. So eine himmlische Kopfnote. Süß, irgendwie likörhaft und dabei sehr weich, fast wie die Buttervanille die man immer fürs Backen als Aroma benutzt. An irgendwas erinnert mich dieser Einstieg… Na klar, Dolce Acqua von Profumum. Der hatte auch so einen tollen Start. Nach einigen Minuten verändert sich der Duft, er wird irgendwie ernster. Das fluffig Weiche und Süße ebbt ab und es kommt eine wirklich heftige Note ins Spiel. Ziemlich erdrückend und leider die anderen Inhaltsstoffe verschreckend. Und wieder stelle ich Parallelen zu DA von Profumum fest. Auch wenn er bei Jolie nicht gelistet ist, so könnte ich schwören, es ist Heliotrop drin. Dieser hat mich schon in DA sehr gestört und hier ist es nicht anders. Zu dominant, zu laut und zu kratzig verwüstet er meinen Gourmandhimmel. Und das bleibt so. Sehr lange. Einige Stunden später lässt das nach. Übrig bleibt wieder eine ganz wunderbare Basis aus warmer Milch mit karamellisierten Zuckersprenkeln. Hier ist meine Welt dann wieder in Ordnung. Aber leider versöhnt es mich dennoch nicht mit dieser fiesen Heliotropnote. Das wird leider nix mit uns. Sehr schade, denn auch die Haltbarkeit und Sillage kann ich hier nicht bemängeln. Einen Arbeitstag schafft Jolie locker und immer umwehte mich ein leichtes Wölkchen. Für mich heißt das nun, die Suche nach dem perfekten Gourmand geht weiter. Empfehle jedoch trotzdem jedem Liebhaber süßer Düfte, diesen hier zu testen. Wer nicht eine ganz so krasse Abneigung gegen bereits genannten Stoff hat, kommt hier sicher auf seine Kosten.


25.07.2014 14:21 Uhr
17 Auszeichnungen
Erba Pura lernte ich zum ersten Mal in der Schlossparfümerie kennen. Die Dame des Hauses sprühte einmal auf den Papierstreifen und meinte: Was Besonderes, zum Kennen Lernen.“ Mit diesen Worten sollte sie Recht behalten.
Ich bedankte mich artig und warf den Streifen achtlos in meine Tüte. Und für die nächsten Stunden war er vergessen. Erst im Auto fiel mir ein ganz besonderer Duft auf. Ich wusste nicht was das sein könnte und grübelte, bis es mir einfiel. Ich konnte ihn überhaupt nicht in irgendeine Sparte einordnen oder mich daran erinnern jemals etwas Ähnliches gerochen zu haben. Daheim angekommen legte ich den Streifen auf meinen Schminktisch im Schlafzimmer. Noch über eine Woche duftete das gesamte Zimmer danach, die ersten Tage sogar das ganze Treppenhaus. Dann warf ich ihn weg. Irgendwie war der Duft da schon wie ein alter Bekannter. Das Negative daran: ich beschäftigte mich danach nicht mehr mit dem Duft und es folgte auch kein genauer Test mehr. Ich hatte ihn unterschwellig immer in Gedanken aber das wars auch.

Heute traf eine Abfüllung ein und mir war klar, ich muss zu diesem Duft ein paar Worte verlieren. Ich sprühe. Leider hat die Hälfte des Strahls mein Handgelenk verfehlt…Ich schnuppere…Flashback. Total. Als hätte ich ihn jeden Tag benutzt. Dieser Duft ist schwer in Worte zu fassen… Er hat eine unglaubliche Dichte, fast als wäre der Duft nicht nur zu riechen sondern auch zu greifen. Obwohl immer eine Süße mitschwingt, strahlt er für mich eine eher kühle Distanz aus. Liegt wahrscheinlich daran, dass ein stark medizinischer Beigeruch da ist. Ganz weit entfernt (!!!) erinnert mich diese Süße an Intense Cafe von Montale. Ich persönlich empfinde ihn nicht als unangenehm, wobei sich andere durchaus daran stoßen könnten. Wahrscheinlich ist das der Geruch, den auch schon ParfumAholic in seinem Kommentar als für ihn ziemlich unangenehm beschrieben hat und mit dem fremden Kraut in Verbindung gebracht hat. Eine kräftige Süße, allerdings nicht wie bei den meisten Gourmands sondern eher eine strenge, kühle Süße paart sich mit der medizinischen Note. Mit der Zeit wird der Duft weicher und verliert ein wenig an seiner Strenge bleibt dem Grundthema aber weiterhin treu. Ja, es klingt so banal und genauso riecht es irgendwie auch. Gleichzeitig kann ich meine Faszination nicht verstecken. Dieser Duft ist fernab von allem was ich bisher kenne. Er ist für mich weder orientalisch noch gourmandig noch grün noch sonst was. Mir fällt keine Gelegenheit ein, zu der ich EP tragen könnte. Deshalb werde ich ihn immer tragen wenn mir danach ist. Er ist an keine Jahreszeit gebunden. Er wäre mir weder im Sommer noch im Winter unangenehm. Meine einzige Furcht sind Sillage und Haltbarkeit. Ich liebe starke Düfte. Shalimar, Coco,Profumum und so viele mehr. Aber verglichen mit EP lechzen sie alle hinterher. Hier habe sogar ich Angst, des Duftes überdrüssig zu werden. Der halbe Sprüher von heute um halb 12 dampft mit solcher Intensität zu mir nach oben, dass ich das Gefühl habe, mich komplett eingesprüht zu haben. Sogesehen kann man hier durchaus sagen, dass das Preis-Leistungsverhältnis passt.
Gesamt gesehen, ist EP wahrscheinlich nicht der Duft, der mir am allerbesten gefällt oder mein No.1 Duft wird. Aber es ist der Duft, der mich bisher am meisten beeindruckt hat. Durch seine fast materielle Substanz, seine Einzigartigkeit und die Stärke die er nun einmal hat. Ich glaube, hier trägt der Duft den Nutzer, nicht der Träger den Duft. Er ist eine Diva: Man muss mit ihm umgehen können, seine Einzigartigkeit zu schätzen wissen und damit leben, dass er nicht gefällig ist oder sich dem Träger anpasst. Egal, ich mag in die Kraft von EP versinken und mich von ihm tragen lassen…Ja, den will ich haben *g*


08.07.2014 20:48 Uhr
10 Auszeichnungen
Eau Sucrée habe ich zufällig bei einem Stadtbummel entdeckt. Der typische Angelflakon, überzogen mit etwas das aussieht wie feine Zuckerkristalle, hellblau lasiert und insgesamt recht hübsch. Auf den ersten Blick wirkt er sanfter als die alte Mutter mit der klarblauen Flüssigkeit.
Aha, eine Angel-Limited-Edition? Als Mugler-Addict musste ich sofort testen. Also aufgesprüht. In der Erwartung eine abgeschwächte Version des Originals, evtl. auch etwas fruchtiger, zu riechen führe ich mein Handgelenk zur Nase. Hmm...stünde da nicht "Angel" und "Thierry Mugler" hätte ich den Duft niemals mit den beiden in Verbindung gebracht. Was mir da mit voller Wucht entgegen kommt sind Johannisbeeren. Super frisch, leicht herb. Keine synthetischen Plastikbeeren. Ja, tatsächlich, selten haben Beeren für mich so authentisch in einem Duft gerochen. Meine erste Assoziation war eine eisgekühlte Johannisbeerschorle die in dunklem Rot vor sich hin blubbert. Wahnsinnig lecker und erfrischend. 15 Minuten lang kann ich meine Nase nicht von der angesprühten Stellle lassen und wünsche mir, dass die Johannisbeeren nicht mehr verduften. Aber da weis ich noch nicht, dass es sogar noch besser geht. Denn immer mehr wird die Johannisbeerschorle zur Seite geschubst. Feine Vanille (aber keine Strenge, Erwachsene) macht sich breit. Wie ein Becher Vanilleis, mit Karamell-Krokant. Milchig, die Süße ist zart und geschmeidig. Das, was vielen den normale Angel (und auch Alien) wahrscheinlich verleidet, diese alles um sich erstickende, penetrante und "dichte" Süße hat Eau Sucrée nicht. Auch er ist süß und auf jeden Fall ein Gourmand, allerdings eher von der Sorte die sich sanft anschmiegt anstatt sich mit einem Knall aufzudrängen. Je länger der Duft wirkt, umso weicher wird er. Patchouli ist recht verhalten aber eine leichte Holzigkeit wahrnehmbar. Zu meiner Freude bleiben auch die Johannisbeeren recht lange erhalten und geben dem Duft so weiterhin eine leichte Spritzigkeit. Die Süße hat hier eine ganz selbstverständliche Leichtigkeit mit sommerlichem Anklang. Für mich eine wirklich sehr gelungene Angel Variation. Ich habe damit einen Gourmand gefunden, den ich auch bei wärmeren Temperaturen tragen kann ohne das Gefühl zu bekommen zu "schwer" und überladen mit süßem Parfum zu sein. Die Leichtigkeit hat allerdings einen kleinen Haken. Auch wenn ich sage, dass ich nicht überladen mit Parfum sein möchte, so will ich trotzdem dass der Duft mich in einen sanften Schleier hüllt. In diesem Punkt schwächelt Eau Sucrée ein wenig. Sillage ist moderat und Haltbarkeit eher mittelmäßig. Morgens zur Arbeit aufgesprüht, habe ich Mittags das Bedürfnis wieder nachzulegen.
Im Vergleich: ich liebe sie beide, das Original wie auch Eau Sucrée. Den Zweiten allerdings wegen seiner Verspieltheit und des sanfteren Wesens noch ein wenig mehr *g*
Und schon wieder könnt ich mich ärgern, dass ich mich wiederholt in einen Duft verliebt habe, der als "Limited Edition" läuft. Warum wird immer wieder so was Schönes kreeirt um es dann kurze Zeit später wieder einzustampfen?! Ich weis, die Diskussion ist verlorene Liebesmüh...
Daher: zugreifen solange erhältlich ;-)


28.02.2014 16:56 Uhr
11 Auszeichnungen
Armes Shalimar Initial… Ich denke, Guerlain hat sich keinen Gefallen damit getan, diesem Duft das Shalimar Prädikat mit aufzudrücken. Sobald der große Name steht, ist die Erwartungshaltung natürlich rießig, vorallem wenn die große Dame nach so langer Zeit einen Abkömmling hat. Und dieser Abkömmling ist nicht einmal schlecht, nein ich finde ihn sogar richtig gut. Nur wenn man sich geistig auf etwas shalimariges eingestellt hat und dann Initial testet, wird man enttäuscht.

Eine recht gewöhnungsbedürftige Kopfnote haben allerdings beide. Beim Aufsprühen kommen mir schwerst bittere Noten entgegen. Ich bin fast versucht zu sagen, dass ich sie als Anti-Duftstoffe empfinde. Nach ca. einer halben Stunde nehmen diese bissigen Noten aber ab und werden sanfter, es kommt etwas kuscheliges hinzu. Zarte Blumigkeit wagt sich aus dem Schatten. Sehr angenehm und einlullend. Frisch, zitrisch oder stechend kratzig ist hier gar nichts mehr. Nach ca. einer Stunde hat die Tonkabohne ihren großen Auftritt. Neben Tonka ist da auch noch eine andere Note, die ich aber leider nicht benennen kann. Es riecht wie unsüßer Toffee, wobei ich bezweifle, dass dies wirklich der Inhaltsstoff ist. Und diese Tonka-„Toffee“ Basis bleibt. Und bleibt… und bleibt… und bleibt… Hier merkt man wieder, dass der Duft aus gutem Hause kommt, denn selbst das „Eau“ hat bei mir eine Wahnsinnshaltbarkeit. Während seiner ganzen Verweildauer ist mir allerdings eines ganz deutlich aufgefallen, bzw. habe ich so empfunden; der Duft ist trotz der eigentlich eher süß-schweren Basisnoten gänzlich unsüß. Ich würde ihn sogar einen unsüßen Gourmand nennen. Eine gewisse Staubigkeit und Knarzigkeit schwingt nonstop mit. Evtl. ist das die Verbindung zur großen Shalimar?! Zwölf Stunden bleibt der Duft bis er sich dann langsam verkrümelt. Nachdem ich diesen Duft nun besitze und mehrfach aufgelegt habe, bin ich noch immer überrascht, dass Guerlain neue (und scheinbar auch junge?) Kundschaft mit Initial und Initial l‘ Eau locken wollte. Denn ich finde ihn weder gefällig noch annähernd Mainstream sondern allein schon aufgrund der sehr herben Kopfnote ziemlich speziell. Mich haben der hübsche Flakon und das zarte Rosa schwer getäuscht. Von der Farbe her wäre dem Duft eher ein sehr helles Braun oder aber Beige zuzuordnen. Ganz schön tricky, die Guerlainleute *g*

Aber was soll ich sagen… Genau das gefällt mir an IlE so sehr. Dass er eben doch ganz anders und unerwartet ist. Er präsentiert sich in einem neuen unschuldigen Kleidchen und bleibt sich mit seinem Stil dennoch treu. Kein süßes Mainstream-Blumenwässerchen. Und deshalb möchte ich hier nochmal sagen; gebt ihm eine faire Chance. Ein Vergleich mit Shalimar ist zwar eigentlich logisch, hier allerdings die falsche Herangehensweise an den Duft, der qualitativ wirklich sehr gut gemacht ist.


18.11.2013 10:44 Uhr
2 Auszeichnungen
Bestimmt kennt jeder den wundervollen Duft, wenn man eine Tüte Gummibärchen öffnet. Genau so riecht meinem Empfinden nach Glam, wenn ich ihn aufsprühe. Süß, fruchtig und eigentlich auch sehr rund und in sich stimmig. Nur wenige Minuten später gesellen sich ein paar Blümchen dazu, laut Pyramide Iris und Rose. Bei Rose stimme ich definitiv zu, ja. Eine sehr leichte, hellrosa Rose, die den doch sehr süßen Duft mit leicht blumigen Akzenten untermalt. Aber Iris soll tatsächlich auch drin sein??? Kaum vorstellbar, wenn ich nochmal so an mich ranschnüffle. Keine Spur von der pudrigen, sauberen Iris zu riechen. Würde bei diesem Gourmand allerdings auch nicht wirklich dazu passen. Ca. 15 Minuten später und das Haribo macht Platz für ein gewaltiges Karamellbonbon, das hinter sich eine Wolke aus rosa Zuckerwatte herzieht. Und die Vereinigung dieser beiden riecht ganz klar sehr lecker. Danach passiert nicht mehr viel. Die Zuckerwatte gewinnt Oberhand, und im Hintergrund kämpfen Blümchen gegen Karamell. Hölzer? Auf meiner Haut keine. Glam endet an, auf und um mich herum mit Zuckerwatte.
Für Gourmandfans bestimmt einen Test wert, wenn man mit mittelmäßiger Sillage undHaltbarkeit leben kann. Denn lecker ist er, da gibt’s gar nichts. Gute Laune macht er auch. Sobald ich an diesem Duft schnuppere, komme ich mir vor, als wäre ich nach Candyland versetzt worden. Yummy.


15.11.2013 22:12 Uhr
13 Auszeichnungen
…oder wie sie einfach eingefangen wurde.
Aber von Anfang.
Eine Abfüllung des Duftes, die im Sommer bei mir eintrudelte, hat mich genügend von diesem Duft überzeugt um bei passender Gelegenheit zuzuschlagen und mir den Flakon zu gönnen. Dieser ist wirklich sehr schön verarbeitet und ein kleines Schmuckstück für sich.
Dann der erste Sprühstoß…frisch und zitrisch ist der Auftakt, der Pfeffer kitzelt mich unter der Nase und meine Vorfreude auf das was noch kommen mag wächst. Und dann stockt mir der Atem. Nur wenige Minuten und da ist sie wieder…Eine alte Bekannte, die mir bei z. B. Coco Mademoiselle das Leben so schwer machte, dass ich den Duft letztlich weiter gegeben habe. Die Duftnote gibt sich zu erkennen: Wummmss!! „Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Orangenblüte und alles was mir Konkurrenz machen könnte wird platt gewalzt.“ Ich rieche sie. Rieche sie so sehr, dass ich fast geneigt dazu bin aufzugeben. Nicht, weil mir der Duft von Orangenblüten generell nicht gefällt, sondern weil sie bei mir einfach zu dominant werden. Zu sehr alles andere einnehmend. Teils sogar stechend und gemein. Doch nicht so hier. Nach dem ersten kurzen Schock, bin ich schon wieder ganz entspannt, denn die restlichen Duftnoten weben sich so wunderbar um diese von mir so gefürchtete Blüte, dass ich sie als gar nicht mehr unangenehm empfinde. Ganz im Gegenteil; im Zusammenspiel mit den doch eher schwülstigen Blumen Jasmin und Rose gibt sie dem Ganzen einen leichten Kick. Und diese so wunderschön zusammengefügte, für mich fast perfekt verwobene Herznote bleibt. Sehr lange. Nach einigen Stunden schnuppere ich verwundert in meinen Schal. Irgendwas Herbes, Holziges ist da…und gleichzeitig doch sehr zart und sanft. Hmm, dann kann ich wohl die Basisnoten willkommen heißen. Und auch hier wurde das Gleichgewicht der einzelnen Komponenten ganz wunderbar gehalten. Keine Note, die die anderen übertüncht oder unangenehm auffällt. In seiner Gesamtheit betrachtet, ist der Duft für mich mit „vollkommen“ zu beschreiben. Irgendwie hat er alles. Er ist ( vorallem am Anfang) frisch, blumig, cremig, weiblich, holzig, leicht würzig und all das auf eine ganz wunderbare und elegante Weise. Er ist zeitlos und auch die Duftrichtung ist nichts, was man jeden Tag x-mal in ähnlicher Form und überall riechen kann. Haltbarkeit empfinde ich als sehr gut, einen ganzen Tag hat er bei mir durchgehalten. Sillage ist laut meiner Mutter wohl auch nicht ohne. Dennoch trage ich den Duft und nicht der Duft mich. Soll heißen, er passt sich einfach sehr straight der Trägerin an und wird trotz des intensiven Dufts zu einem Teil von ihr. Klar, er ist da und auch definitiv zu riechen. Aber nie hat man das Gefühl überbeduftet zu sein. Wie ist aber die Dame, die ihn trägt? Selbstbewusst und souverän, elegant und schick. Und gleichzeitig verspielt, lieblich und Vertrauen erweckend.
Und ganz nebenbei hat er mich gelehrt, dass auch Orangenblüten mal zurück stecken können ?
Und dennoch… jeden Tag könnte ich ihn nicht tragen. Denn ab und zu gibt es diese ruhigen und melancholischen Momente. Wenn man seine Ruhe haben will und nur für sich sein mag. Und da passt dieser kraftvolle, strahlende und volle Duft irgendwie nicht mit zusammen.


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