IchbinsIchbins’ Parfumkommentare

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03.08.2017 21:07 Uhr
18 Auszeichnungen
Zwar weiß ich nicht mehr genau, ob die Wirdmallieb ( ganz schlechte Pubertier-Phase gerade), oder der Renntganzviel eine Probe vom „Tuscan Leather“ hergeschleppt hat, aber ich weiß noch sehr genau, dass Tom Fords „Tuscan Leather“ mir gleich sehr gut gefallen hat.
Für Fans von Leder – Düften sowieso ein unbedingtes Test – Muss, ist dieser hier wirklich unisex, das ist nicht selbstverständlich bei Lederdüften der Fall.
Oft genug sind solche recht hart, manchmal schon wirklich sehr monothematisch, ich finde es deswegen nicht unbedingt leicht, einen guten Leder-Unisex-Duft zu kreieren, der auch wirklich beiden Geschlechtern gut steht.

Tom Ford – den ich inzwischen sowohl als Regisseur, als auch als Designer – sehr zu schätzen gelernt habe, hat genau das mit „Tuscan Leather“ in die Welt gesetzt.

Himbeere auf Leder – ein prickelnder, wirklich sehr hochwertiger Duft, der es aus meiner Sicht zu Recht auf Dauer geschafft hat, ein Statement zu setzen.
Weich, harmonisch, stimmig, außer dem schönen, milden Leder – Akkord und der fruchtigen Himbeere, sowie recht schönen Safran, kann ich aber keine der weiteren Duftnoten groß ausmachen.

Macht aber nix – denn der Duft hatves auch so geschafft, mich zu berühren.

Dabei würde ich ihn – obwohl von der Duftfamilie her eher maskulin verortet, auch unbedingt den Frauen unter Euch empfehlen, die generell Lederdüften nicht abgeneigt sind, aber eben nicht nur pures Leder, sondern gern noch ein wenig „Drumherum“ haben möchten.

Die Himbeere macht’s hier wirklich aus, sie hebt den Duft auf eine nicht knallharte Ebene, sondern lässt ihn eben tatsächlich einzigartig, speziell, anschmiegsam und sehr tragbar wirken.
Wohl dosiert, ist er auch gut im Büro tragbar – verorten würde ich ihn dabei auf den Herbast und Winter.

Safran rieche ich auch heraus, ich mag diese Duftnote sehr, sie lässt generell einen Duft weicher, besser tragbar, anschmiegsamer wirken.

Mag dieser auch der xte Kommentar zu „Tuscan Leather“ sein, so ist er doch keine unbedingte Hommage an einen bestimmten Designer – der hier soll einfach Leder-Fans dazu annimieren, den Duft zu testen. mag er auch nicht günstig sein.

Es gibt ja oft so verregnete Herbst- und Wintertage, an denen man kaum noch Lust hat, überhaupt aus dem Haus zu gehen. Nichts passt, alles ist doof – dazu passt der Duft.
Eine Abfüllung dabei – macht wirklich viel wett.

Testempfehlung also an Lederfans, die es gern auch etwas weicher mögen.
Und danke an Wirdmallieb ( ind die ich ja echt Hoffnungen setze, es muss lieb werden, was grds. lieb begonnen hat) bzw. den recht unkomplizierten, kuscheligen Renntganzviel.

Beide sind weich und stimmig – genauso, wie „Tuscan Leather“.


20.06.2017 23:49 Uhr
23 Auszeichnungen
L’Eau hat mich natürlich – wie eigentlich jede Tauer’sche Neuerscheinung – vom ersten Moment an interessiert.

Wobei ich zugeben muss, dass mich seine Düfte nicht durchweg begeistern. Faszinierend finde ich aber immer deren innovativen, künstlerischen Charakter.

Zuletzt habe ich den Au Coeur du Désert bei Tauer direkt bestellt. War mir persönlich der Duft zu heftig, zu sehr Kunst, zu wenig tragbar, so musste ich doch eingestehen – der Mann kann was und bleibt sich selbst und seiner Leidenschaft sehr treu.

Er behandelt zudem seine Kundschaft phänomenal freundlich, packt zu versendende Duftpost selbst und fügt freigiebig Proben seiner Düfte hinzu.

Ich käme deswegen auch nicht auf die Idee, seine Düfte woanders, als bei ihm selbst zu ordern.
Ich finde, das ist eine Art der Wertschätzung seiner Person gegenüber,zudem bleibt man so mit Andy Tauer in gutem Kontakt, den er selber auch von sich aus dann permanent und ausgiebig pflegt.

L’Eau hat mich also aus diesen Gründen schon sehr interessiert.

Seine neue Kreation ist zunächst mal leichter und gefälliger, als es die Wüstendüfte sind, sie spricht sicherlich ein breiteres Publikum an.
Andy Tauer wäre aber nicht er, wenn nicht auch dieser – zunächst gefällig, zitrisch, erscheinende Duft- seine Ecken und Kanten hätte.

So ist L’Eau kein leichter,lediglich zitrisch anmutender Sommerduft geworden, sondern ein im Verlauf ein fast schon staubiger,trockener Zitrusduft mit schönen Amber- und vor Allem: Moschus- Klängen.

Dabei ist der Duft keineswegs gefällig, einfach, süß, weich oder rund, nein.
Er entspricht dem Tauer’schen Prinzip: Nie bekommt man das Einfache, das Leichte, das sofort Verständliche.
L’Eau will das gar nicht sein.
Auf der Haut wird L’Eau im Verlauf eher herb, mit gehöriger Portion Moschus, wirkt trocken, staubig, pudrig und bleibt das auch.

Kein Gourmand, kein typischer Zitrusduft, kein Cologne,keine bekannte direkte, staubige Wüste.
Eine Mischung aus Allen ist daraus geworden, die Frau und Mann gut steht, aber immer besonders bleibt, nie gewöhnlich.

Staubig, pudrig, Moschus, Zitrus, anders, - schön !!
Ein neuer, ein besonderer Tauer, den zu testen sich wirklich allemal für beide Geschlechter lohnt.


01.05.2017 16:13 Uhr
24 Auszeichnungen
Endlich – das verlängerte Wochenende ist da.
Dazu gestern noch herrlicher Sonnenschein, endlich mal keine Stiefel oder Stiefeletten mehr an den Füßen, die Ballerinas rausgekramt und los ging's zum neuen Italiener, den Wirdmallieb so heiß und innig empfohlen hatte.

Zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden werden sich Pizzen – so groß wie Autoreifen (ja,ja, is' klar) – vom Mittagessen – Geld geteilt und in harmonischer Runde wird dann begutachtet, was so vorbeiflaniert.
So,so.
Dann mal auf und nachgesehen, was sich da so tut.

Nach einigem Stress, zuviel „Zu-Nichts-wirklich-Kommen“ eine schöne Abwechslung für Alle.

Wegen des schönen Wetters wurde sich für den Prada entschieden, vor allem, weil er so fröhlich und lebensbejahend wirkt mit einer wunderschönen, pudrig – weichen Kirsche auf der heiß geliebten typischen Prada - Iris.

Und – erstaunlicherweise – es passte wirklich Alles !
Da saßen wir nun – später eingehüllt in warme Wolldecken – vor uns die riesigen Pizzen, unter Bäumen mit Blick auf den hiesigen Fluss, haben den Spaziergängern hinterher geguckt und Renntganzviel hat seinen halben Liter Cola nicht recht trinken können, weil er so in die Decke eingewickelt war, dass die Hände leider nicht mehr rauskamen, was in der Folge aber natürlich behoben wurde.

Der Prada passte exakt in die Stimmung, zumal die Familie derart mit dem Versuch beschäftigt war, die Größen der Pizzen (ja ! Tatsächlich so groß, wie Autoreifen, hiermit bestätigt !!) zu bewältigen, dass endlich mal Ruhe im Karton herrschte und die Istschonlieb in ihrem pudrigen Kirsch-Iris-Traum versinken konnte.

Mehr ist da auch nicht groß – Pink Flamingos bleibt fast, wie beim ersten Sprüher, wird im Verlauf lediglich cremiger und relativ schnell ziemlich hautnah, was aber nicht schlimm ist.
Denn der kann in weiche Traumwelten entführen, zaubert ein Lächeln aufs Gesicht und es gibt ja solche Momente, in denen das schon völlig reicht, ohne dass noch ein besonderer olfaktorischer Kick dazukommen muss.

Fast wie Ausblenden – den letzten Sonnenstrahlen hinterherschauen und träumen. Dazu lädt der lineare, aber absolut herzliche Duft förmlich ein.

Die gute Laune bleibt auch lange auf der Haut erhalten.

Nach dem opulenten Mahl ging es dann nach Hause, es war inzwischen ziemlich spät geworden und alle hatten volle Bäuche und waren entsprechend müde.

Hatte Wirdmallieb auf dem Hinweg noch mit ihrem neu aufgegabelten Spruch: „Hoch die Hände, Wochenende!!“ verbal geglänzt, so fiel ihr auf dem Heimweg auf die Frage, wie der denn nun nochmal ginge, der tolle Spruch, nur noch ein mattes: „Hände hoch, Wochenende !!“ ein.

Und manchmal reicht das doch auch – sich einfach fallen lassen, den Alltags – Stress ausblenden, satt sein, auf sich wirken lassen, die Klappe halten und genießen.
Tja - und dafür gibt’s jetzt Pink Flamingos !!


25.03.2017 22:38 Uhr
18 Auszeichnungen
Myrrhiad, ein lockender Name für Myrrhe - Fans wie mich.

Das erste Aufeinandertreffen war entsprechend vielversprechend, die Begeisterung hielt allerdings nicht dauerhaft an und der Flakon durfte weiterziehen.
Etwas vorschnell womöglich, aber dazu gleich mehr.

Die Kollektion von Huitième Art besteht inzwischen aus recht vielen (14,wenn ich richtig gezählt habe) Düften.
Gesucht nach weiteren Infos dazu konnte ich bei ALzD nachlesen, dass die Besonderheit der Reihe sein soll, dass "....alle Parfums pflanzliche, natürliche Ingredienzen von organischer Qualität enthalten, die sich mit synthetischen Duftmolekülen vereinen...".
Aha. Eine Mischung aus natürlichen und synthetischen Akkorden also.

Vielleicht lässt sich damit auch mein persönlicher, zwiegespaltener Eindruck von Myrrhiad erklären.

Der Duft startet für mein Empfinden mit viel Myrrhe, zugleich aber auch einem etwas medizinischen, kräuterigen Eindruck, der mich an einen dieser zähen Hustensäfte von früher denken lässt.
Dieses dunkle, zähflüssige Zeug, das wir wohl alle mit Abscheu auf dem Löffel begutachtet haben, während uns mitgeteilt wurde, dass alles nix hilft und das jetzt einfach genommen werden muss.

Nicht ganz soo arg, aber recht ähnlich, empfinde ich den Start von Myrrhiad.
Das hält ca. 30 - 40 Minuten an, die Myrrhe bleibt zunächst mal mit diesem medizinischen Eindruck verbunden, den ich aber nicht der Myrrhe zuschiebe, denn in anderen von mir getesteten Myrrhe-Düften ist das nicht jedes Mal so.

Diesen Dufteindruck der ersten halben Stunde finde ich dementsprechend zwar sicherlich interessant, aber nicht unbedingt als lecker, süß oder absolut anziehend.
In der Phase des Duftes würde ich denselben auch eher den Männern unter uns zuordnen.

Weswegen ich inzwischen trotzdem (wieder) einen Flakon mein Eigen nenne, ist vielmehr der Entwicklung hin zu einem ganz wunderbar weichen Myrrhe-Vanille-Süßholz- Duft geschuldet und RobGordon noch dazu, der ein ganz liebes Angebot in den Souk gestellt und mich mit ganz toller Duftpost beglückt hat.

Dieser zunächst vorherrschende, medizinische Eindruck dreht sich nämlich hin zu einem ganz weichen, umhüllenden Vanilleduft, unterlegt mit Süßholz und umarmt von jetzt anheimelnder,stimmiger und beruhigender Myrrhe.

Und so geht's dann auch in die Basis, die wie ein Hauch auf der Haut zurück bleibt.
Warm, umhüllend und einfach schön.

Laut ist Myrrhiad- wenn überhaupt- nur zu Beginn.
Im Verlauf wird der Duft ruhiger,liegt näher am Träger, aber ist trotzdem stetig präsent.

Die Haltbarkeit ist gut, vor allem in Kleidung deutlich am nächsten Tag noch zu erschnüffeln.

Trotz des zwiegespaltenen Eindrucks - es war die richtige Entscheidung, Myrrhiad eine zweite Chance zu geben.
Dankeschön für die Möglichkeit an RobGordon und eine klare Testempfehlung an Alle ;-).


13.02.2017 23:54 Uhr
19 Auszeichnungen
Ich liebe Berlin samt all’ seinen Stärken und auch schwachen, teils traurigen Seiten.
So eine pulsierende Stadt, soviel Pro und soviel Contra – famos.

Mir sind ruppige Taxifahrer völlig schnurze, ich find’ die einfach klasse.
Ich mag die Einstellung, die Vielfalt, die Mischung und überhaupt mag ich es, wenn Mann/Frau sagt, was denn eigentlich gemeint ist.
Wo in D, wenn nicht da, finden wir soviele unterschiedliche, herzliche, motzende, kreative, nörgelnde, kulturell eigentlich völlig verschiedene und trotzdem herzliche Menschen ?

Hier lebt miteinander, was nach konventionellen Ansichten eigentlich gar nicht zueinander passen dürfte.
Und genau deswegen ist die Stadt, sind die Menschen dort, für mich etwas ganz Besonderes.
Ein Vorbild an echter, von mir aus auch mal schlecht gelaunter, aber eben: gelebter Menschlichkeit.

Nun wäre ich eigentlich morgen wieder dorthin unterwegs gewesen – in eine meiner absoluten Lieblingsstädte hier bei uns in Deutschland.

Und ich hab’ mich natürlich – wie jedes Mal – irre drauf gefreut, wenngleich es im Verhältnis zu unseren Temperaturen hier , bei Euch mal wieder echt a
*kalt ist.

Tja – Strich durch die Rechnung – mit Grippe-Virus und Antibiotikum, dazu noch Nasen-Nebenhöhlenentzündung und einer ordentlichen Bronchitis wurde mir soeben deutlichst verdeutlicht, dass ich meinen Hintern weich zu betten und doch etwas zu schonen hätte.

Nun also – muss ich wohl hier bleiben, obwohl eine Träne kullerte, ließen Mann Arzt und Frau Ärztin (ja, ich war zweimal, weil ich doch soo gern in die Stadt wollte und vielleicht hätte die Eine oder der Eine ja doch eine andere Auffassung gehabt) mich doch deutlich wissen, dass ich nicht reisefähig sei.

Meine Träne geht zu Euch. Nach Berlin. Das ging sie schon vorher, dieses Mal aber aus reinem Selbstmitleid. Weil ich Euch so toll finde. Die Stadt, die Menschen und vor allem: die Vielfalt.

Nun habe ich mir überlegt, wie ich denn diese äußerst be
*ssene Situation doch noch – zumindest ein wenig – für mich persönlich abmildern kann.
Und da sind mir Marie Urban Le Febvre und Alexander Urban eingefallen.
Sie entwirft die Düfte, die unter dem Label „Urban Scents“ gelistet sind, während er sie vertreibt.
Übrigens wieder ein Beispiel für eine gelungene kulturelle Mischung, Sie Französin, er Österreicher, nun Beide in Berlin.
Ein sehr netter Kontakt, als ich den Singular Oud direkt dort bestellt habe und seinerzeit mit Alexander Urban einen sehr freundlichen und netten Austausch hatte.

Mir ist hier schnurzepiepe, ob linksdrehendes, orientalisch im Nebelhauch gesammeltes, mit orientalischem Frühtau benetztes, oder auch gar kein echtes Oud enthalten ist.

Fakt ist, dass Singular Oud eine gewisse Frische hat, also nicht kalt – würzig, sondern angenehm süßlich – würzig startet und im Wesentlichen auch so bleibt.

Zwar vernehme ich entgegen der ursprünglichen Intention von Marie, einer „…abendländische Frische dem klassisch, orientalischen Parfum….“ begegnen zu lassen, den Duft als nicht unbedingt klassisch orientalisch, weil er dafür zu sehr morgenländisch – verständlich und eher wenig direkt orientalisch – außergewöhnlich ist.

Aber drin ist, was drauf steht – auf jeden Fall eine wunderschöne, leicht süßliche Kombination aus Safran ein bisschen Patch (nicht erdig, kellermäßig, keine Sorge, sehr schön hell - geschmeidig und gut tragbar), einer wunderschön austarierten und nicht zu süßen Feige und gut ausbalanciertem Moschus. Den klassischen , oftmals leicht medizinischen Geruch von Oud nehme ich hingegen nicht wahr.

Singular Oud ist absolut unisex – nicht zu süß, kleidet Jedermann und Jederfrau, und ist alltagstauglich tragbar bei guter Haltbarkeit von mehr als acht Stunden und angenehmer, gut wahrnehmbarer, aber nicht überbordender Sillage.
Viele hier schätzen den Duft sehr und das nicht umsonst.

Ich schätze die Beiden, ich fand’ es toll, dass mir von den anderen Düften damals freundlich und sehr, sehr nett im persönlichen Kontakt, Proben beigelegt wurden, ich mag den Duft überaus gern und lege ihn allen, die ihn noch nicht kennen und süßliche Holz-Düfte mögen, sehr ans Herz.

Hier sticht nichts, hier piekst nichts – und es ist schon schön zu sehen, dass sich das Label inzwischen manifestiert hat.

Seien wir doch alle mal Berlin – gönnen wir dem Label und den wirklich schönen Düften ihren Erfolg. Die haben das ganz ehrlich verdient !!

Und weil ich diese Vielfalt so gern mag, weil ich die Start –Ups und die vielen innovativen Ideen, die man in Berlin zu Hauf findet, die unverfälschten herzlichen, aber auch durchaus grimmig gelaunten Menschen da so klasse finde, weil ich Euch allesamt dort sehr, sehr schätze, deswegen kullert’s halt.
Schade drum.


10.02.2017 15:38 Uhr
24 Auszeichnungen
Vorweg sei gesagt, dass es mir die stehenden „Dino-Eier“ angetan haben.
Mögen Einige die Flakons als kitschig empfinden, so finde ich sie innovativ und freundlich und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, wenn ich sie zur Hand nehme und jedes Mal wieder erstaunt feststelle, dass man sie erst umdrehen muss, um sprühen zu können.
Ist mal was Anderes !

Im Netz findet sich hierzu übrigens der Hinweis, dass jeder Flakon ist ein von Hand gefertigtes Unikat sei und mehrere Schichten auf den eierförmigen Glasflakon aufzutragen sind, bis dieser vollendet ist.
Wir dürften also alle ein wenig unterschiedlich gezeichnete Flakons in den Händen halten.

House of Oud, die Marke hat mich also interessiert und deswegen habe ich mich mal auf die Suche nach weiteren Informationen begeben, um zu erfahren, wer und was dahintersteckt.
Gestoßen bin ich auf die interessante Information, dass Gründer der Marke der italienische Parfümeur Andrea Casotti und Mohammed Nashi, ein Oud Hersteller aus Jakarta sind, die miteinander befreundet sind.

Offenbar wählten die Beiden den Begriff „House“ im Markennamen aus, um Offenheit für Alle zu symbolisieren, beruhend auf ihren Reisen durch die Welt und das Kennenlernen verschiedenster Kulturen und Lebensarten.
Das „House“ soll dabei „….keine Wände oder Grenzen besitzen, ist offen für jede Gelegenheit und jeden Besucher. Eingerichtet ist es mit Wissen, Erfahrung und uralter Parfumkunst. ‚Oud’ im Namen spiegelt nicht nur die wertvolle Ingredienz wider, die in jeder Komposition zu finden ist. Es beschreibt auch als Kurzwort die unverwechselbare Hingebung der beiden Gründer:‚Our Unique Devotion’.“
Oud soll die verschiedenen Kompositionen miteinander verbinden.
Das hat mich einigermaßen erstaunt, denn zumindest in den Gourmand – Düften der Kollektion ist Oud als Duftnote nicht gelistet.

Andrea Casotti, der Parfümeur der Marke House of Oud ist übrigens auch der Parfümeur der Moresque – Düfte.
Auch das hat mich etwas erstaunt, finde ich dort doch wenig Ähnlichkeit zu den House of Oud Düften, die ich bis jetzt kenne.
Sind diese eher gourmandig, schmeichelnd für unsere Nasen, so ist die Marke Moresque doch eher auch mit konträren Düften zu verbinden.

Dates Delight nun gehört zur Klem Garden Collection der Marke.

Der Duft soll eine Hommage an das Fruchtsymbol der Süße darstellen und das Verlieben porträtieren.
Soweit kommt das hin, ist der Duft doch eine ausgesprochene Zimtbombe und von Anfang bis Ende süß und satt und wärmend.
Im Sommer dürfte das ein wenig zuviel sein, im Winter allerdings, wenn es draußen so richtig unangenehm und muffelig ist, dann wirkt Dates of Delight stimmungsaufhellend und versüßt den Tag.

Die Pfingstrose rieche ich allenfalls mit sehr viel Mühe heraus, vornehmlich spielt hier der Zimt die Hauptrolle, dazu gesellen sich Karamell und Vanille, die auch bis zur Basis hin vorhanden und wahrnehmbar sind.

Für mich ist der Duft vergleichbar mit „Oajan“ von Parfums de Marly, dem „Farah / Harâm“ von Brecourt, dem „Cruda“ von Morph und auch eine gewisse Ähnlichkeit mit „Arabesque“ von The Merchant of Venice ist durchaus vorhanden.

Dates Delight bleibt allerdings ein wenig heller, als Arabesque.
Wäre noch zu klären, ob diese absolut gourmandige Zimtfülle einen Zuckerschock verursacht.

Wie immer, es kommt mit auf die Dosierung an. Dates Delight ist sehr gehaltvoll, wer sich damit einnebelt, dürfte tatsächlich für einige grüne Gesichter in seiner Umgebung sorgen.
Sparsam dosiert umgibt einen aber eine schöne, zimtige und nicht zu süße Melange an wirklich allen Zutaten, die ein echter Gourmand so braucht.
Zimt, Vanille, Karamell in weichem Zusammenspiel, sehr gut tragbar bei einer Haltbarkeit von locker 9 Stunden, eher mehr.
Die Sillage hängt auch hier von der Dosierung ab. Wer es übertreibt, wird die Duftfahne so schnell nicht los.
Angemessen dosiert, ist der Duft den ganzen Tag deutlich wahrnehmbar, bei etwas Wärme kommt er noch etwas intensiver zum Vorschein.
Insgesamt würde ich den Duft eher dem weiblichen Geschlecht zuordnen, aber das ist - wie immer - Geschmackssache und kann auch anders gesehen werden.

Ich finde Dates Delight zu Recht gut bewertet. Ein schöner, winterlicher Gourmand, zwar wurde schon aufgrund der genannten Geschwister das Rad nicht gänzlich neu erfunden.
Aber der Duft macht Freude und sorgt für ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn es mal wieder trüb ist.
Wer besonders zimtige Gourmands mit einem Schuss Karamell und Vanille mag – der sollte dem Ei hier ruhig mal eine Chance geben.
Ich bezweifle allerdings, dass sich der/die potentielle Wunschkandidat/in nur aufgrund des in flüssiger Form getragenen Portrait des Verliebens einfangen lässt.
Da dürfte nach wie vor etwas mehr dazu gehören ;-).


09.02.2017 19:47 Uhr
8 Auszeichnungen
Liberty soll die Göttin der Freiheit bezeichnen, lateinisch Libertas.

Wer jetzt automatisch an die Freiheitsstatue auf Liberty Island im New Yorker Hafen denkt, liegt damit gar nicht so falsch, denn die Statue, die ein Geschenk des französischen Volkes an die Vereinigten Staaten war, stellt die in Roben gehüllte Figur der Libertas, der römischen Göttin der Freiheit und damit in der römischen Mythologie die Personifikation der Freiheit dar.

In Anlehnung an diesen Mythos präsentiert The Merchant of Venice mit Liberty einen Duft, der mit weichem Safran zugleich süßlich-weich und anschmiegsam ist, andererseits aber durch einen ledrigen Patchouli und Amber – Akkord diese schmeichelnde Süße konterkariert.

Dazu die Lilie im Hintergrund, die kühl und sinnlich wirken soll.

Der Duft startet entsprechend süßlich, Safran ist gut wahrnehmbar.
Im Verlauf kommt das Leder hinzu, gut und schmeichelnd untermalt von nicht erdigem, eher etwas süßlichen Patchouli.
Im Wesentlichen bleibt der Duft nun unverändert, macht keine größere Entwicklung durch, im Hintergrund ist die – tatsächlich- kühl wirkende Lilie ein interessanter Zaungast.

Süßlicher Amber rundet die Komposition sehr passend und gefällig ab, die Basis bleibt weich ledrig und ambriert.

Ein schmeichelnder vornehmlich Lederduft, sehr angenehm zu tragen, dabei nicht zu süß.

Die Göttin der Freiheit also.
Einerseits elegant, schmeichelnd, sinnlich lockend, andererseits selbstbewusst mit Leder- und Patchouli-Akkorden spielend.

Meiner Meinung nach ist die Umsetzung des Themas hier gut gelungen. Freiheit bedeutet eben auch, sich nicht anzupassen, die eigene Vorstellung zu leben.
So ist sicherlich auch der Duft zu sehen.
Einerseits sehr angenehm, süß, schön,
andererseits eben anders und nicht angepasst.

Liberty ist ein Eau de Parfum Concentrée der exklusiven Murano – Collection der Marke, deren Flakons allesamt aus blau – golden verziertem Glas bestehen.
Der Duft hält sich auf der Haut sehr gut, 9 Stunden und länger. Die Konsistenz ist leicht ölig, mit dem Besprühen der Kleidung sollte man also ein wenig vorsichtig sein.
Die Sillage ist angenehm – der Duft begleitet den ganzen Tag und zieht in angemessener Dosierung keine riesige Duftfahne hinter sich her.
Liberty blitzt immer wieder auf, erschlägt aber nicht.

Gerade den Safran – Leder – Fans, die es auch mal etwas süßlicher mögen, sei ein Test ans Herz gelegt.


28.01.2017 23:10 Uhr
19 Auszeichnungen
Musstest ihr auch in Mathe unter die Formelberechnungen das Kürzel „q.e.d.“ schreiben ?

Das Schreiben des „q.e.d.“-Kürzels ging uns in Mathe allen ins Blut über – hier gab es zu gewinnen, was leicht zu gewinnen war und zu verlieren, was leicht vermieden werden konnte.
Punkte – die wollten ja schließlich alle haben.
Deswegen haben sich Viele das Kürzel gemerkt.

Zum Cuir Patchouli passt die Aussage, denn der Duft trifft „was zu beweisen war“ voll ins Schwarze.
War der Cuir Bourbon, der sich anhand der vielversprechenden Duftnoten so schön (schon aufgrund des gewählten Namens) las und dann so eine der köstlichen Vanille störende Note folgen ließ, nicht das, was es zu beweisen galt, so hat Elie Saab hier eingehalten, was es mit der Collection des Cuirs Besonderes auf sich hat.

Der Duft startet zunächst etwas kalt, will sich nicht recht fügen,Patchouli ist deutlich herauszuriechen, aber noch ist nicht klar, wohin er will.
Wer die Erfahrung beim Cuir Bourbon auch gemacht hat – Gruß an die liebe Unniekatze – ahnt Böses.
Aaaaber dann – nach einem zunächst alkoholischem Start , bei dem Patchouli die Hauptrolle spielt, entwickelt sich ein Duft, der dieser Linie durchaus angemessen ist.
Patchouli vermischt sich mit einer Ledernote, jedoch nie derb, eher fein, nur leicht süßlich.

Der fulminant erdige Start besinnt sich eines Besseren, die Ruhe kehrt ein, die Komponenten Patch und Leder vermengen sich ( angenehm) süßlich.
Der Duft verbindet sich mit der Haut des Trägers. Und da – wird der weich, anschmiegsam, warm, mit der verhaltenen Süße, die hier gemeinhin als „sehr angenehm“ und nicht überbordend beschrieben wird.

Er erfüllt ein Versprechen, dass er mit seinem Namen gegeben hat.
Er wird zur austarierten Balance zwischen Leder und Patchouli pur – sowohl erdige, als auch ledrige, als auch diese zurückhaltende, ganz leichte Süße sind dabei.

Tragbar ? – Absolut, kein über die Maßen experimenteller Duft. Angenehme Sillage, wahrnehmbar, aber nicht überbordend, Haltbarkeit liegt gut über 8 Stunden.

Geschlecht ? – Unisex. Steht beiden Geschlechtern. Möglicherweise setzt sich auf Männerhaut der ledrige Aspekt etwas mehr durch, das konnte ich aber jetzt nicht mehr ausprobieren – das Testobjekt guckt das Finale des Dschungelcamps…

Wem zu empfehlen ? – Denen , die Patch und Leder grds. mögen, eine leichte Süße schätzen, aber es nicht zu deutlich süß haben möchten.

Fazit: „Q.e.d.“, was zu beweisen war. Elie kann es doch. Und die Collection des Cuirs ist weiterhin ein deutliches Augenmerk wert.

Mein Dank gilt Sinioerkel !!


24.01.2017 23:07 Uhr
21 Auszeichnungen
Wer einen Duft von Stephane Humbert Lucas in Originalverpackung sein eigen nennt, findet den Himmel und die Sinne darin.

Nämlich beim Aufklappen der schwarzen OVP, in der sich der Flakon befindet.
Ich habe nachgesehen, die Widmung findet sich bei all’ meinen Düften aus der Reihe, sie ist in goldener Schrift auf der Innenseite des Deckels zu finden.

Und besonders bei diesem Duft empfinde ich sie als absolut zutreffend.
Der Himmel und die Sinne – was verbindet oder trennt diese ? Erleben, fühlen, mit den Sinnen genießen, nachdenken, Ruhe, Glaube, einerseits weit oben schwebend, andererseits ganz direkt erlebend und erdend.

So ist auch der Duft einerseits süßlich, dann aber wieder erdend harzig.
Einerseits orientalisch – balsamisch, in sich ruhend, andererseits mit einer Veilchen – Note, die eigentlich gar nicht in das Gesamtbild passen will, verstörend, nicht glatt, nicht einfach.

Man ist versucht, die Ruhe in dem Duft zu finden, aber das lässt er gar nicht zu.
Die Gegensätze zwischen dem ruhigen Fluss süßlicher Noten und dem harzigen Aspekt, zwischen der balsamischen Ruhe und dem satten, leicht bitteren Veilchen erlauben das nicht.

Manches Mal nur leicht vernehmend wabernd, nicht überdeutlich, dann aber wieder direkt präsent, greifbar.

Der Himmel also und die Sinne.
Zwiegespalten, einerseits passend, andererseits uneins. So ist Khôl de Bahreïn.


22.01.2017 21:35 Uhr
33 Auszeichnungen
Ich bin überhaupt kein Rosenduft - Fan. So gar nicht. Warum ausgerechnet mir immer wieder Blumendüfte, vor allem Düfte mit einer hellen, strahlenden und roten Rose als „passend“ empfohlen werden, erschließt sich mir dementsprechend auch so gar nicht.

Ich sehe schon gar nicht nach Rose aus.
Weder bin ich zierlich oder klein, noch rassig dunkelhaarig ( da könnte man ja auf die Idee einer schwarzen, dunklen Rose kommen).
Vielmehr bin ich relativ groß, mittelblond und oftmals dürr und im Stress.
Eine so schöne Blume, wie die Rose (die ich als Gewächs sehr schätze und überhaupt – halllooooooo ?? - als Blumenstrauß), die passt als ein Parfüm einfach überhaupt nicht zu mir.

Schon aus diesem Grund mache ich eigentlich um alles, in dem Rose stark betont im Duft enthalten ist, einen großen Bogen.

Hier jedoch, habe ich eine Ausnahme gemacht.
Oud Satin Mood riecht auch gar nicht, wie ein typischer Rosenduft. Der Duft ist nicht blümelig – zart, sondern rummst und wummst von Anfang an mit Karacho ins Haus.

Die enthaltene Rose ist nicht hell, nicht rosa oder rot, sondern eher schwarz und satt. In Kombination mit dem Oud und sehr viel Vanille, riecht der Duft schlichtweg wie dunkle und tiefsüße Rosenmarmelade.

Ich kann mich noch gut erinnern, getestet habe ich Oud Satin Mood das erste Mal im Hochsommer, anlässlich eines sehr schönen Parfumo-Treffens bei locker 40 Grad.
Und ich bin kein zaghafter Tester, bei mir muss alles auf die Haut und das nicht wenig.

Einige Teilnehmer haben sich scheckig gelacht – soviel hab’ ich gar nicht gesprüht, aber ich habe eine dermaßen lange Duftfahne hinter mir hergezogen, dass sämtliche Mitmenschen aber locker über 10 Meter Dunstkreis etwas von MFKs Oud Satin Mood hatten.

Und so ist der Duft auch – unheimlich satt, sehr sehr ergiebig, sehr süß trotz des enthaltenen Ouds und ziemlich schwarz – rosig.
Man muss das mögen, er kann sicherlich schnell zuviel werden. Also bitte vor dem Kauf testen, zumal er nicht ganz billig ist.

Und es gilt: Sparsam dosieren. Ein Sprüher – wirklich EINER – hält sich über 12 Stunden nicht merklich abgemildert auf der Haut.

So toll das ist, es hat leider auch seine Nachteile. Oud Satin Mood will nicht, Oud Satin Mood IST. Und zwar für den ganzen Tag. Gänzlich. Der nimmt den / die Träger/in mit , aber eben auch das komplette Umfeld.
Restlos.
Dafür aber mit Klasse und Stil.


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