IrisNobileIrisNobiles Parfumkommentare

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28.10.2018 09:00 Uhr
28 Auszeichnungen
vor nicht allzu langer Zeit habe ich das EdP in den Stand meiner liebsten Begleitung erhoben - - mein neuer Signaturduft -
quasi subsidiär für das hier beschriebene EdT, welches leider leider nicht mehr produziert wird und das einfach nur noch schöner, noch strahlender ist - - die duftschönere ältere Schwester - um die es hier geht.

Auf die oft unverständlichen Gepflogenheiten der Parfumindustrie -, die schönsten Parfums immer wieder zu reformulieren, um uns sodann eine eher beliebigere Kreation vorzusetzen - gängiger, dem vermeintlich allgemeineren Geschmack angepasst -, nach dem Motto friss oder stirb -, ist hier bezüglich einiger ehemals fantastisch komponierter Parfums ja schon einschlägig eingegangen worden.
Und wie man ebenfalls hier hinlänglich vernehmen kann, bin ich nicht das einzige enttäuschte Mitglied, das dieses besondere Inselholz schmerzlich vermisst.
A b e r ........ will nicht sagen, dass das EdP nicht auch ein toller Duft ist, nicht gleich aber mit gleichen Attributen und eben nicht von ungefähr momentan auch mein präferierter Begleiter.

So langsam fällt mir selber auf, dass ich sehr oft Düfte kommentiere, die schon gar nicht mehr oder nur schwerlich zu haben sind.
Sei´s drum! .... sie sind einen Kommentar wert ..... und die Verliebtheit trägt ja das Herz auf der Zunge .... :))

---*---*---*---

Der Flakon ist schon mal eine schöne Erscheinung, die Form von edel-moderner Gradlinigkeit ...... Und während sich die ersten Sprühstöße durch meine Nase ziehen -, ich diesen aquatisch unterlegten Duft wahrnehme -, wird das limbische System förmlich ad hoc in verzückte Erregung versetzt ;)) ... und dann - - - - - wachsen mir Flügel :p
Fortan glaube ich, mich gleich eines riesigen Vogels mit einem milden warmen Wind aufzuschwingen ......

Auf ....
über Land und Meer
in weite Fernen
zu den Inseln unter dem Wind
dessen aquatischer Hauch
die Fruchtaromen der südlichen Hemisphäre
und die Wärme sonnentrocken silbrig-verwitterten Inselholzes mit sich trägt ...
um unter meine Flügel bis in meine Seele zu kriechen ..............

---*---*---*---

Der Duft beginnt mit der hellen Fruchtigkeit zitrischer Kopfnoten - spürbar angeführt von der mediterranen Frische der Mandarinen - deren Strahlkraft umgehend in trockenes warmes Holz aufgenommen und von zartem Ylang-Ylang blumig umhüllt wird. Hierdurch fügt sich auch ganz dezent eine lieblich blumige Duftaura in diese Gemeinschaft ein.

Die Mandarinen der Kopfnote sind es, die nach meiner Recherche für diese wahrhaftig zu spürende aquatische Note maßgeblich verantwortlich sind und auf subtile Weise den Eindruck von südlichen, meerumspielten Küsten einweben.

Die verführerischen Basisnoten mit ihren feinen Vanilleanteilen geben den letzten aromatischen Schliff. Die ihnen eigene natürliche Süße wirkt wie ein zarter Schleier und ist absolut angenehm und unaufdringlich.
Der wunderschöne silbrig-helle Akkord, den das aquatische Geschehen mit sich bringt, bleibt dabei über den gesamten Duftverlauf erhalten und macht das Dufterlebnis des Parfums hell, leicht und fein wie ein freundlicher Sommertag am Meer ..... und den können Männlein wie Weiblein über mindestens 6 Stunden genießen .....

Die "synergetische Wirkung" der eher übersichtlichen Ingredienzen generiert hier einen Duft der Extraklasse -, ein elegantes Wunderwerk an Noblesse - - einen Duft mit großer Flügelspannweite ... ;))


15.07.2018 09:37 Uhr
20 Auszeichnungen
frage mich natürlich hier wieder -, ob es Sinn macht, einen Kommentar zu einem vom Markt genommenen Parfum zu verfassen, an das potenzielle Interessenten kaum mehr herankommen.
Aber was soll´s ….. ich muss es jetzt loswerden!... :)

Es ist ein Parfum - natürlich - älterer Provenienz -, lässt mich aber diese Tatsache - nach wiederholtem Hinschnuppern - das Viertel Jahrhundert, welches es auf seinem gerundeten Buckel hat, ob des wahrhaft wohligen Empfindens, das es beschert, vergessen.
Und könnte genauso gut ein grüner Duft des unbedingt auch heutigen Geschmacks sein.

Die täglichen Wege, die ich gehe, führen mich und meinen Hund jetzt im Sommer wieder und wieder über satte grüne Wiesen, an herrlichen Gärten vorbei, durch große schattige Stadtparkanlagen und durch lichte Wälder.
Man kann diese wunderbare Natur förmlich greifen-, atmet sie in sich hinein. Wenn alles um einen herum wahrlich in der Blüte seines Lebens steht - resp. auf dem Zenit seiner Schönheit - -
Sich das grüne Sommerlaub in all seinen Schattierungen präsentiert - -
sich die vollen Blütenstände des Sommers in den Gärten konkurrierend eitel darstellen möchten.


Bei einem solcher Spaziergänge trug ich Tendre Poison.
Entweder verstärkt und komplettiert die Natur die Empfindung des Parfums oder aber mein "zartes Gift" intensiviert die Wahrnehmung der Natur - -
Denn ich ging durch ein grünes Sehnsuchtsland - -

Während mich anfänglich noch die Blüten aus den am Wiesenrand angrenzenden Gärten überwältigen - wird das Grün des nahen Waldes immer deutlicher - -

Zarter Wind streicht sanft durch das dichte Blätterdach über mir, lässt die Strahlen der Sonne auf dem Waldweg tänzeln …..
den grün-kühlen Lufthauch umschweben immer wieder leicht süßlich-blumige Schwaden -
Entlang des hauptsächlich von Buchen beschatteten Waldweges fließt ein kleiner Bach und begleitet uns mit seinem Plätschern auf unserem Weg. Webt dabei eine Ahnung von aquatischer Frische in die blumig-grüne Stimmung.

Das Gefühl von frisch-grüner Reinheit in einem noch kühlen morgendlichen Blumengarten mit seiner nuancenreich floralen Üppigkeit wäre eine adäquate Interpretation dieser schönen alten Kreation.

Und mir wurde in diesem kleinen Waldrandbereich, durch den wir streiften, erst richtig bewusst, welche Assoziationen der zarte grün-blumige Duft in sich trägt.
Wenn es ein Gift ist, dann ein genüssliches -, etwa wie ein guter Wein, von dessen Genuß man ebenso in diesen leicht schwebenden Schritt gelangen kann - -

Es ist für mich nicht auszumachen, welches Geschlecht ihm am besten stehen würde. - Für mich ist er trotz offizieller Empfehlung für die eher weibl. Spezies unter uns - ein unisex zu tragendes Parfum -, das zwar eine zurückhaltende Sillage, dafür eine gute mittlere Haltbarkeit aufweist.

Ein grün-bestimmt blumiger, fast distinguiert auftretender Sauberduft mit minimal seifenfrischer Note, der nicht nur auf die fliegenden Verehrer der Natur anziehend wirkt ……… :))


17.06.2018 09:35 Uhr
18 Auszeichnungen
deine Würze veredelt saftige Früchte -
deine Rosen bezaubern die Sinne -
mit Dir lass ich mich fallen -
auf ein weiches Lager -
aus Moschus und Vanille -

Ich will nicht wirklich dichten - - bin aber wieder einmal verzaubert - und mehr als beeindruckt - -
in diesem Falle von einem Rosenduft!! …..
Rosendüfte ……. eigentlich nicht meine erstrebte Duftrichtung - , weil sie mir meist zu blümelig harmlos, süß und langweilig daherkamen ……

Anders bei dieser schönen Rose aus dem mittleren Osten, die, nachdem ich sie aus ihrem Pentagon befreit habe -, folgendes an meine Sinne weitergibt ……

Hat man die wenigen Stufen aus dem leicht muffig-erdigen Keller mit großen Schritten überwunden und den hellen Garten erreicht, dessen prächtige Rosen sich üppig und schwer ins Licht neigen und zusammen mit seinen vollmundigen Früchten die Luft schwängern -, ist man ausgesöhnt.
Ausgesöhnt mit dem Anfang dieses Duftes, der manch einen im Moment verschrecken könnte …….
Ich vermute, es ist das Patchouli in der Basis, welches sich für meine Nase schon am Anfang eklatant in den Vordergrund drängt und einen typischen und oft beschriebenen, leicht muffigen Eindruck macht.
Im Einvernehmen mit einer sofort präsenten zitrischen Note macht es sich ein bisschen wichtig, zieht sich aber in dieser Intensität auch umgehend zurück, um im späteren Verlauf dieses Konzertes noch eine wunderschöne Abrundung herzustellen …….

Erst kommen die Aprikosen - - dann die Rosen ;)

Wenn ich diesen Garten nach dem subjektiv empfundenen muffigen Intermezzo betrete -, rieche ich zuerst die Reife saftiger Aprikosen, versetzt mit dem Aroma von Zimt und Mandeln, die die Fruchtigkeit des Duftes etwas auffangen und gourmandig abrunden …….. über allem schwebt gleichzeitig eine zarte warme Würze -, evtl. herrührend vom Tabak, der sich lecker einwebt, dem Vetiver und dem ätherischen Öl besonderer afghanischer Rosen aus der Provinz Nangarhar, welches lt. nachzulesender Beschreibung mit seinem Aroma nach Gewürzen und Pflaumen ebenfalls eine gewisse würzige Komponente beiträgt.

Die fantastische Interaktion der in der Pyramide aufgelisteten Ingredienzen ergibt im Verlauf ein zartfruchtig-pudriges, von minimalster Würze durchzogenes Geschehen, in dem jetzt das abgeschwächte Patch den Part der pudrigen Wirkung übernimmt, und in dem sich die wunderbaren Rosen heimlich tummeln …..
heimlich - - …. , weil sie das Parfum nicht vordergründig bestimmen, sondern raffiniert mit tragen und dem Duft so eine samtige Tiefe und eine sehr noble Aura verleihen. - - Auch zart holzige Töne glaube ich, dazwischen zu vernehmen.

Gleichsam am Ende ihrer virtuosen Darbietung versinken die Akteure dieses großartigen Artefaktes unter dem Einfluss subtil süßlicher Ambra auf gepuderter weicher Moschus-Vanille-Wolke und bilden einen fantastischen Drydown.
Und im Gegensatz zu meiner skeptischen Haltung gegenüber süßen Rosenwässerchen, vermittelt dieser Duft in keiner Phase den Eindruck eines beliebigen Parfums dieser Spezies.

Eine Kreation, die absolut unisex becirct und in ihrer Sillagewirkung, ohne dass sie übertrieben auftritt, eine echte Ansage ist.
Die Haltbarkeit erstreckt sich vom Tag in die Nacht. Und mit der Wärme von Sommertagen/-nächten betört der Dufthauch den Benutzer und seine Umwelt nach meinem Empfinden noch etwas mehr.

Andy Tauer ist wohl nicht in der Lage, dieses Parfum immer in gleichbleibender Menge zu produzieren -, da das Öl dieser besonderen Rosen nicht unbegrenzt verfügbar ist ………
ergo - - sollte man keine Angst vor Verarmung haben - und sollte es gefallen -, dann lohnen sich Bunkerkäufe ;) :)

für das nicht enden wollende Duftkonzert der Fülle üppiger Sommergärten ….. :))


25.03.2018 11:39 Uhr
41 Auszeichnungen
sie hatte Geburtstag -, .... wurde 21 - .... endlich volljährig! ....
Ein sonniger, noch etwas kühler Tag - - in ihrem kleinen Dachzimmer bündelte sich an der Decke über ihrem Bett das frühe Sonnenlicht, das durch die offenen Gardinen herein kam und seine Reflexe herumtanzen ließ. Noch schläfrig beobachtete sie die spielenden Lichter -, freute sich auf den Tag.
Aus der Küche kam das Klappern von Geschirr, und im Radio ließ Rudi Schuricke wieder einmal bei Capri die Sonne im Meer versinken - .... jetzt war sie vollends wach! ...
Mutter deckte wohl wie immer sehr liebevoll den Frühstückstisch. - Sie schlüpfte schnell in den Morgenmantel -, mein Gott, wie schön! -, es war Wochenende -, Zeit für "Z e i t" und alle erdenklichen Vorhaben mit den Freunden. - Würde Martin wohl heute an sie denken oder würde er vielleicht sogar vorbeikommen?
Sie kannte ihn erst kurz, aber es hatte sie heftig erwischt .....
Entspannt trat sie auf den kleinen, von festen Backsteinen umfassten Balkon, der vom 5. Stock aus einen wunderbaren Überblick über die morgendliche Szenerie bot -, über die niedriger liegenden Häuser, über den Festplatz am Ende der Straße, auf dem die Aufbauten des Frühlingsfestes noch fest verschlossen und verlassen da lagen - ... hier und da bellte ein Hund der Schausteller .... Die tiefe Sonne drängte sich mit Macht durch die schmalen Schneisen zwischen den Häusern und bildete goldene Lichtstreifen. - Im Eckhaus gegenüber goß die Nachbarin schon ihre Balkonkästen -, entdeckte sie und winkte.
All das grüßte heute das Geburtstagskind! ... Beseelt von diesen einfachen, vertrauten Eindrücken trat sie wieder in ihr Zimmer. - Es folgte der Ruf der Mutter ....."Gerdi ... frühstücken!!" Man war zwar jetzt ´volljährig´, aber noch lange nicht erwachsen -, jedenfalls in den Augen der Eltern.
Sie blieb im Morgenmantel und ging durch den langen schmalen Flur zur Küche ... , wie jedes Wochenende, wenn die kleine Familie ganz nonchalant frühstückte.
Zum Ehrentag ihrer Tochter hatte Mutter Sekt besorgt und kreierte mit angesagtem Eierlikör und Fassbrause einen Cocktail namens Kikeriki, nicht ohne sich selbst vorher noch flugs ein pures Schlückchen Eierlikör im ziselierten Gläschen zu gönnen und ihrer Tochter einen Toast auszusprechen. Das konnte man sich schließlich wieder leisten, nach den entbehrungsreichen Jahren.
Und die peu à peu prosperierende Wirtschaft machte es vom Familieneinkommen her möglich, auch - vermeintlich unnötigen - Luxus zu genießen - - Man hatte Arbeit -, das war wichtig.

Luxus, wie auch das, was sie jetzt mit überraschtem Gesicht wahrnahm .... , ihr Geschenk! ... Ihr großer Wunsch ... , "Mitsouko" ... , das Parfum ihrer Tante, das es ihr so angetan hatte. - Mutter hatte sich finanziell wohl schwer ins Zeug gelegt, wobei bei ihr selbst allerdings gleichbleibend ein Flakon 4711 auf dem Nachttisch stand -, er wurde gebraucht -, nicht nur als Duft, nein -, oft als Ersthelfer-Riechfläschen bei schlechtem Allgemeinbefinden, und zum Betupfen der Stirn bei Kopfschmerzen war es ebenfalls ein probates Mittel. - ... Nichts für Gerda! .... Sie präferierte den geheimnisvollen Duft der attraktiven, witzigen, doch etwas exaltierten Lieblingstante, die ein außergewöhnliches und prickelndes Leben führte. - Und jetzt sollte s i e ihn bekommen! -
Während mittlerweile Catharina Valente ganz Paris von der Liebe träumen ließ, forderte Mutter mit Bestimmtheit - - - mach auf !! ....
Es gab kein Halten mehr -, Gerdi öffnete ungeduldig das bewusst unverpackte Parfum .... , entnahm den kleinen begehrten Flakon, der in seiner Form zwischen Gradlinigkeit und Verspieltheit gestaltet wurde, beeinflusst vom Art Nouveau und Art Deco -, öffnete die Kappe und besprühte Handgelenk und Haar ....
Ein Duft, der - wie ihre Mutter wiederholt einwarf - , doch eigentlich nicht für ein "junges Mädchen" gedacht ist! ...

Sie verneinte das heftig und sank hingebungsvoll unter den Schleier dieses Duftes, der sie zwar zu Beginn ob der Intensität des Eichenmooses leicht erschreckte .... , die Tante roch doch ganz anders! .... Sich dann aber mit seiner genialen Rezeptur zu entfalten begann ...
Und sie schwelgte -, .... war nicht mehr in dieser Küche ... , nachdem sich der Duftschleier mit seinen feinen Gewürznoten um sie herum schlang, den zarten Pfirsich und die fruchtigen, mit einem Hauch von Zimt überstäubten Ingredienzen in sein Gewebe hüllte, hier und da eine der ausgesuchten Blüten durchschimmern ließ und zu einem grün-würzpudrigen Zauber wurde .....
Diese extravagante, auch etwas androgyn anmutende Aura, mit der anfänglich feinen weichen Edelseifennote -, ... der Duft, dessen grüne Seele umrahmt wird von verführerisch warmwürzig-fruchtiger Blumigkeit -, betört sie und entspricht genau ihrem Stil .....

Es klingelte an der Tür ..... - - "G e r d i" ! ..... Martin ist gekommen! ...... Mutters Ruf holte sie schroff aus der einen in die andere Glückseligkeit - -
(sie wurden ein Paar - vllt. war Mitsouko ja beteiligt :)
Und sie war es auch, die mir Mitsouko nahe brachte ..... diese sinnliche, stilvolle alte Parfumkreation, die schon viele Generationen bezauberte und ihre Magie wohl nie verlieren wird ....

Absolut unisex tragbar und - wie viele Parfums der damaligen Machart - nicht so leicht von der "Haut" zu weisen! :)


11.02.2018 09:25 Uhr
13 Auszeichnungen
der Name - eher zackig und derb, denn gefällig und fantasievoll -; ... das Adjektiv gefällig vernachlässige ich jetzt mal -, fantasievoll j a ! - mit jedem Nasenzug eröffnen sich andere, ganz subjektive Welten. Und der eine wähnt sich in den 20ern, 30ern oder 40ern, der andere blickt vllt. auf die 70er/80er :)
Zudem weist der Name auf ein Parfum mit einer vermutlich heftigen Rindledernote -, männlich, herb, streng -, als Frau möchte man erst gar nicht zugreifen. - Doch weit gefehlt! .... Ich nehme evtl. eingebundenes Leder gar nicht vordergründig wahr.
Allerdings ..., für alle "Chyprephilen" -, hier gibt es etwas für Euch! Einen wieder einmal erstaunlichen Duft der Fam. Lehmann - - - Für Liebhaber der älteren Anmutung des Chypre-Genres.

Angefangen hat meine Begeisterung für die Kreationen dieser kleinen alten Duftmanufaktur mit dem schönen "Verité", der mittlerweile zu einem der bevorzugt benutzten sinnlichen Seelenschmeichler meines Parfumbestandes avancierte. -
Verité ist ein Orientale -, Russisch Juchten ein wunderbarer Gegensatz.

Die liebe Angua ist im übrigen Schuld! - Angemacht von ihrem tollen Kommi hier unten, hat sie mich zu einer weiteren Order aus Berlin veranlasst. -
"7 auf einen Streich" - wurden anschließend von mir bestellt, und darunter eben auch Russisch Juchten. 7 auf einen Streich ist weder monetär noch quantitativ überzogen; man kann ab 10 ml bestellen, und das zu Preisen, die unglaublich fair sind -, das hatte ich schon im Verité-Kommi angepriesen.

Mittlerweile habe ich 3, 4 Parfums von Harry Lehmann eingehend getestet -, und - es ist ein Faszinosum mit diesen Düften ...... kein Mensch würde vermuten, dass diese wunderbar kreierten olfaktorischen Kleinode mit ihrer komplexen Qualität nicht von irgend einem großen alten französischen Parfumhersteller stammen -, würde man sie in entsprechenden Flakons präsentieren.
Ich nehme an, dass RJuchten von seinen Schöpfern zwischen den 20er bis 50er Jahren auf den Markt gebracht wurde, zu einem Zeitpunkt, in dem wahrscheinlich auch andere große chypreartige Parfums lanciert wurden. Ein Zeitgeist-Parfum sozusagen, welches heute noch eine tolle Ausstrahlung besitzt ...., wie viele andere auch.

Vor mir stehen Parfums, wie:
Ma Griffe, Quadrille, Norell, Fendi, Imprevu, Mitsouko, auch Calèche u.ä. -, alles Verwandtschaft um die 5. Ecke ;)) .... alles chypreartig blumig bzw. würzig - und sehr von mir geliebt.
Die wesentlichen Duftmerkmale des Chypre sind in RJuchten genau wie bei den anderen Verwandten zu erkennen, ohne dass die jeweiligen Parfums dieser Gattung ihr ganz eigenes Charisma einbüßen.

Der Duft:
Mit Pyramide, die es leider hier auch nicht gibt, wäre es besser nachzuvollziehen - , meine Nase würde aber in jedem Fall diese für einen Chypreduft typische feine "Fruchtblumenwürze" mit gewisser Saubernote bestimmen, die jeden in sein eigenes Jahrzehnt des 20.Jhdts. mitnimmt. - Und ja -, wie Angua auch bemerkte, mit Zimt wurde in diesem Duft auch gekocht ;) Aber Leder!? - Ich kann´s leider nicht ausmachen. Im Drydown wird der Duft edel und weich ....... Es bleiben Fragezeichen -, natürlich. - Auf jeden Fall hat er mich! ....

RJuchten tanzt nicht auf allen Hochzeiten! - Er hält sich vorrangig gerne im gediegen-eleganten Milieu auf und bevorzugt dabei kein Geschlecht. Mann wie Frau/Frau wie Mann duften beide wunderbar. Und keineswegs so streng, wie es sein Name befürchten lässt.
Die Haltbarkeit der Parfums der "Lehmänner" ist ebenso beachtlich wie die Düfte selbst; besonders haltbar auf edlen Geweben, wie Wolle und Seide ..... und natürlich auf dem edelsten - - - unserer Haut :)

Nachtrag 11.02.:
Ich muß mich revidieren -, Asche auf mein Haupt :) ... Natürlich ist Leder vorhanden! Und zwar ein ganz feines edles -, nichts Derbes -, das sich erst im Ausklang des Duftes richtig wahrnehmen läßt und zu der angenehmen warmen, weichen Note beiträgt. Habe es gerade noch einmal wirken lassen. - Meine Nase hatte vllt. die letzte Erkältung noch nicht verziehen ;) Warum sonst würde die Bezeichnung ‚Juchten‘ auch verwendet!? .... sorry Herr Lehmann .... ;)


14.01.2018 12:12 Uhr
13 Auszeichnungen
Und genau dorthin geht meine Fantasie bei Verité ..... - Schließlich wurde dort die kleine Duftmanufaktur Lehmann gegründet - .... wie man nachlesen kann, vom Parfum affinen Großvater der Familie Lehmann im Jahre 1926 -, nachdem er sich schon in jungen Jahren Reisen nach Südfrankreich leisten konnte und aus dem Spaß heraus, dort in den großen Fabriken mitarbeitete, das Know-how des Parfümeur-Handwerks erlernte und nach Berlin mitnahm.
In dieser Zeit der eigenen Parfumherstellung erfand später sein Sohn Harry Lehmann, der Vater des heutigen Besitzers, den Verkauf von Parfum nach Gewicht. Lediglich im Glasflakon, um - schon damals - unnötigen Verpackungsmüll zu vermeiden.

Und der Duft beginnt in der Tat, als könne er aus dieser Zeit stammen (wann auch immer Verité kreiert wurde), als diese Gattung von Parfums der orientalischen Richtung in Mode war - ... nach der berauschenden Manier von Shalimar u.ä. (nicht ohne der `Grande Dame`und ihren Mitschwestern gebührenden Respekt zu zollen).
Der erste Sprüher von Verité löst eine verzückte Überraschung aus! .... wow! - ungewöhnlich, intensiv, damenhaft, mit altmodischer Attitüde, - ... nach ein wenig Geduld - faszinierend, warm, sinnlich - und richtig schön! Ein kleiner orientalischer Kracher mit Nostalgiecharakter - aber hallo!!

..... als Benutzerin dieser betörenden Kreation stelle ich mir eine der mondänen damaligen Damen der "feinen Gesellschaft" Berlins, z.B. Charlottenburgs, in einem Alter um die Mitte 30 vor -

Sie überschminkt noch schnell einmal ihre Lippen, kneift sich heftig und eilig in die Wangen, die sich daraufhin ziemlich echauffieren und eine gesunde, anziehende Röte hervorbringen.
Nun noch rasch ein paar Tropfen des Parfums auf Haaransatz, Nacken und Puls -, das ihr die gewünschte leicht verruchte Aura geben soll -, die Ausstrahlung einer Femme Fatale ...., genauso will sie heute Abend duften! Dann wirft sie die lange, doppelreihige Perlenkette lässig über´s Dekolleté, hakt die wunderschönen Art Déco Ohrringe ein, die farblich zu ihren Augen passen, bevor sie in den Mantel schlüpft, weil es in Berlin an diesem Abend, im frühen Herbst 1927, schon empfindlich kühl geworden ist. - Der Chauffeur wartet schon -
Es geht ins Wintergarten-Varieté -, .... man trifft sich - ..., zum Tanz nach den Klängen von Swing und Charleston, trinkt Absinth, plauscht, läßt sich unterhalten - ... es gibt keine Ressentiments, keine Sorgen, keine Hemmungen - bei der `besseren Gesellschaft`.... im Herzen Berlins der späten 20er .........

Der Duft hält sich wahrlich nicht zurück, er präsentiert seine sinnliche Ausstrahlung sehr deutlich, mit einer feinen Extravaganz, ohne aufdringlich zu werden.
Es ist ein warmer Edelorientale -, mysteriös, erwachsen, intensiv .... -, gedacht für eine gestandene, um das Leben wissende Frau.

Es gibt leider keine Duftpyramide, mit der man den Duft besser nachvollziehen könnte. Bei der Angabe "orientalisch-würzig" allerdings, glaube ich relativ deutlich eine Zimtnote heraus zu riechen, die sich zwischen zitrisch Fruchtigem und vanillegeküssten Blüten tummelt. Ebenso unbedingt mitspielen könnten noch andere Gewürze, u.a. eine Ahnung von Nelke, die ich so en passant nicht bestimmen kann.
Holzige und Amber-Noten runden den Duft m.E.n. warm und balsamisch ab.

Ich bin in jedem Fall äußerst angetan und hätte diese komplexe Qualität nie für diesen fairen Preis erwartet -, ...- vergleicht man es mit anderen Kleinst-Manufakturen, in denen eher Raumduftassoziationen entstehen ;)
Absolut eine Testempfehlung für diejenigen, die diese Art orientalischer Düfte mehr und mehr für sich entdecken. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich, die Sillage ebenso.

Ich war in der Vergangenheit mal für ein paar Jahre, sozusagen temporäre `Berlinerin` und .... "hab´noch einen Koffer in Berlin" ..... - ich seh´mich irgendwann bestimmt noch einmal um -, ... bei Lehmann´s :)

Nachtrag ...: Konnte den Duft mittlerweile des Öfteren genießen, und stelle dabei fest, dass wohl auch eine Form der Iris ein Bestandteil der Pyramide sein kann. Der faszinierend zartpudrige Drydown des Verlaufs deutet m.E. darauf hin .... :)


07.01.2018 09:10 Uhr
16 Auszeichnungen
es gab damals über gute Bekannte meiner Familie die Möglichkeit, ab und zu in den Semesterferien im späten Hochsommer in deren Feriendomizil einen tollen Urlaub zu verbringen; hoch über Golfe-Juan und mit zwei, drei Freunden.
Die schmale Straße zu diesem Anwesen zog sich eine Weile nach oben, in die Hügel über´m Meer, und vom Grundstück aus überwältigte uns ein traumhafter Blick bis zur Bucht von Antibes.
Die Ferientage verbrachten wir mit Müßiggang, gutem Essen und Erkundungen. Wir fuhren in die kleinen nahen Orte. Kauften in Vallauris Irdenes, stöberten in den Parfumtempeln von Grasse, saßen - unseren geliebten Pastis trinkend - in kleinen Bars und Bistros; - zogen herum in den verwinkelten Gassen dieser alten malerischen Örtchen ........pure Lebenslust .........
Ich liebte diese Zeiten auf dem weitläufigen Grundstück mit riesigem Pool, das weit oben über dem Mittelmeer thronte, eine Rundumsicht über Meer und Küste bot, und man nicht einmal extra an die überlaufenen Strände der Cote d´Azur hinunter fahren musste, um badend, faulenzend und sonnenanbetend den Tag zu verbringen.
Gut -, manchmal ging´s dann doch zum Baden ins Meer - dann aber eher bei den Roches Rouges oder in abgelegenen Buchten, wo das Badevergnügen noch wirklich eines war .... :)

Eigentlich wollte ich ja auf das Parfum kommen ............ was hat Ligea damit zu tun .......

Es sind die Erinnerungen, die sich mit der Duftentwicklung des Parfums über die Nase aus den tiefsten Bereichen des Riechzentrums hervortun und Emotionen auslösen .....

"Ich lasse hinter mir das große, kunstvoll geschmiedete alte Tor der Grundstückseinfriedung des Anwesens ins Schloss fallen - .... der frühe Tag, wie sollte es auch anders sein, ist schon gleißend hell, warm und sonnig.
Ich gehe wie jeden Morgen auf der schmalen Straße, die eigentlich die Hauptzufahrtsstraße zu den einzelnen Villen mit ihren Gärten ist - und mir dabei den steten Blick auf das tolle Blau des Meeres bietet - hinunter, um in der winzigen Boulangerie unten in Golfe-Juan frisches Backwerk für unser spätes Frühstück auf der verwunschenen Terrasse des Gästehäuschens zu besorgen.

Rechts und links meines Weges, in den Gärten dieser abschüssigen kleinen Straße, machen sich in verschiedensten Wuchsstadien die intensiv pinkfarbenen Bourgainvilleen in voller Blütenpracht gegenseitig Konkurrenz. - Hier und da verbreiten buschige Lavendelhecken ihren Duft, der der vormittäglichen Luft einen leicht würzigen Hauch verleiht, und ich empfinde das Zusammenspiel dieser Farben faszinierend.
Man baute in vielen der sonnendurchfluteten Gärten in Hanglage kleine Orangenhaine an - vereinzelt gab es auch Zitronenbäume -, die auch schon am Morgen intensiv duften und sich mit dem Lavendel auf´s schönste verbinden.
Je näher ich der Küstenstraße komme, desto mehr rieche ich auch das Meer -, dessen frischer aquatischer Geruch sich angenehm in die anderen üppigen olfaktorischen Wahrnehmungen einfügt.
Die Luft duftet an diesem Morgen süßlich-würzig, zart von feiner Frucht durchzogen ........... es entsteht mediterrane Leichtigkeit .......

Mittlerweile habe ich die nette kleine Boulangerie erreicht, nehme unsere obligatorischen Schokocroissants und - natürlich - eines der superlangen Baguettes mit und mache mich schleunigst wieder auf den Rückweg die Straße hinauf! .... Dabei begleiten mich diese Düfte noch einmal nach oben, und ich freue mich auf den schon fertigen Kaffee mit den Freunden auf der verwunschenen Terrasse .........."

Ligea macht diese Bilder wieder lebendig :) - an Sommer über den Orangengärten der Cote d´Azur .......

Ich empfinde, dass Gewürznelke und Lavendel in der Komposition eine interessante Würze in den Duft bringen, die ein eigenes sehr schönes Timbre vermittelt, und dass Patchouli etwas pudrig-erdiges beiträgt.
Man sollte dem Duft etwas Zeit geben, denn er beginnt recht intensiv. - Vanille und Moschus in der Basis runden später warm und weiblich ab.
Und wie schon gesagt -, für meinen Geschmack eher weiblich :) - Aber nichts muss!!
Sillage und Haltbarkeit liegen im mittleren Bereich.
Es gibt schon etwas Süße, aber keine aufdringliche. Und obwohl sich hier lt. Pyramide kein Bestandteil besonders hervortut, ist es für mich eher ein lavendelbetonter Duft.
Eigentlich ein sehr schöner Ganzjahresduft -, feinwürzig, mit frucht-pudriger Note ........ und erinnerungslastig ;))



10.12.2017 09:48 Uhr
14 Auszeichnungen
der weich gerundet und leicht verspielt ist -, daherkommt in gediegenem Dunkelblau - ..., das dunkle Blau einer Mitternacht im Schein des magischen Mondes -.
Er hat mich eigentlich nie wirklich interessiert -, warum kann ich gar nicht sagen -, doch ich wurde irgendwie draufgeschubst und konnte erschnüffeln, wie außergewöhnlich und verführerisch diese nächtliche Droge ist - ...... wie duftendes Mondlicht im Flakon ...... :)

So kühl wie der opake Vollmond des Herbstes, wenn er am Nachthimmel durch die ziehenden Nebel sein diffuses Licht verbreitet -
und doch -.
so warm wie die Liebe, die zur gleichen Zeit unter seinem Licht in allen Winkeln menschlicher Existenz erwacht.


Der Duft -
grundsätzlich also gar nicht mein Begehren und rein zufällig unter meine Nase geraten, hat einen dann doch überraschenden Eindruck hinterlassen - ...

Die anfänglich kühl-distinguierte Haltung des Parfums lässt nach der Liaison mit der warmen Haut jede Zurückhaltung fallen und verbandelt sich mit den sich darbietenden Mitspielern zu einem wahren Gesamtkunstwerk.
Der Einstieg ist hell und kühl, und er suggeriert mir etwas Minziges - irgendeine Wechselwirkung der Ingredienzen wird wohl diesen Eindruck hervorrufen -, um sich dann - relativ schnell - in eine wärmere Empfindung zu wandeln.
Nein, ....keine kuschelige Wärme nach der Manier blumig-süßholziger Orientalen -, eher eine Empfindung von sehr edler kühl-pudriger Aura mit orientalischen Zügen, die hintergründige, leicht würzige Fruchtnoten einbindet. -
Die Rose nehme ich eigentlich kaum wahr.

Ohne in dem Sinne Süße zu vermitteln, geben Ambra und Patch wohl die ultimative Abrundung, die die Duftempfindung unglaublich elegant, flimmernd, faszinierend, kühl und warm im Konsens werden lässt.
Der kühle Minzeakkord webt sich dabei für mein Empfinden permanent aber nicht penetrant durch den ganzen Duftverlauf. Eine mäßige Süße ist nicht der Rede wert.

Dieses Gift sollte nur sparsam angewendet werden -, es hat Suchtpotenzial und - ist ein Gift der Mitternacht, das dich nicht tötet, sondern berauscht und dem du dich freiwillig ergibst - ..... und das, wenn dezent eingesetzt, Höhenflüge erzeugen kann - ...
in welchen Winkeln menschlicher Existenz und welchen Situationen auch immer ......... zur Mitternacht ....... ;))


15.10.2017 09:33 Uhr
21 Auszeichnungen
Im "Geheimversteck" meines Herzens liegt Stash -. Eine überraschende Liebe, die dann erscheint, wenn man nicht damit rechnet oder krampfhaft danach sucht ....
Ein Resultat des Stöberns, hier auf Parfumo. - Danach Blindkauf. -
Das ist der Duft des Herbstes, wenn er sich golden braun und noch warm präsentiert. - Wieder ein Lieblingsduft ? - J a ! Die geheimnisvolle Schönheit der verschiedensten Duftkunstwerke kann nichts anderes zulassen -, als "Duft-Polygamie" ;))

Nun zog es mich also auf unbekanntes Terrain.
Sprüht man das erste Mal, - erstaunt und schockt momentan die sperrig-trockenwürzige Herbe -, hier schaut uns keine einzige Blume an, auch keine liebliche Vanille möchte sich anbiedern.
Daraufhin beginnen die Assoziationen, und ich befinde mich in einem Herbstwald.

Vor mir windet sich ein breiter, naturbelassener Wirtschaftsweg im dichten, leicht düsteren Mischwald. Kumulierende Wolken ziehen sich über die Wipfel der Bäume -, und die noch warme Herbstsonne kämpft darum, das Gebilde zu durchbrechen.
Ich nehme einen Seitenpfad und steige über Moose, Flechten, letztes blühendes Waldgras, dazwischen kleine sprießende Pilzgruppen. Ich balanciere über trockene knarzige, sperrige Äste, die im Weg liegen ....., ein bittersüß-würziger Fruchthauch liegt über all dem.
Die Bäume feiern ihren Karneval, leuchten von grün über ockergelb bis rotbraun, und ihre farbigen Blätter lassen sich vom aufkommenden heftigen Wind durch die Luft tragen, tanzen wild herum, um dann auf den weichen Waldboden zu fallen, wo sie für immer vergehen. Man riecht feuchtwarme, holzige Luft. -
Der kleine Seitenpfad führt mich nach einer Weile wieder auf den Hauptweg des Waldes. Rechts und links des Weges stapeln sich frisch zerkleinerte, abholbereite Holzhaufen, liegen gefällte Baumstämme, ein wunderbar holziger Duft -, und - wie schön, es wird heller und wärmer. Wie eine helle Lampe bricht sich die Sonne doch noch mit der Hilfe des Windes durch die Wolkenformationen und strahlt durch die letzten verbleibenden Wölkchen wie durch einen Pudernebel auf mich herunter.
Die vorherige Melancholie des etwas düsteren herbstlichen Waldes weicht einer zarten warmen, lieblichen Stimmung, die jedoch die wunderbare Würze des Waldes weiterhin in sich trägt und meinen olfaktorischen Genuß perfekt macht. - Ich gehe weiter ..... und atme verzauberte Luft .....

Wen dieses Fabulieren eher kitschig anmutet -, es geht auch so:

Der Duft beginnt würzig, bitterfruchtig - trocken und herb -
ich meine, Grapefruitschalen und Weihrauch bilden hier den bitterfruchtig-rauchigen Akkord, der m.E. die später entstehende Pudrigkeit auslöst, die die Duftempfindung angenehm zart werden läßt und sich mit den
würzigen Komponenten, die sich in jeder Note der Pyramide tummeln, auf`s schönste verbindet. - Es entsteht ein weicher, warmholzig-würziger, außergewöhnlicher Duft.

Man kann ihn wirklich nicht vergleichen, etwas ähnliches habe ich noch nicht gerochen. Toll zu tragen auch für das männliche Geschlecht, da hier in dem Sinne keine Süße hervortritt.
Die Sillage verhält sich im normalen Rahmen, übertreibt nicht, aber macht sich gut bemerkbar.
Auch die Haltbarkeit enttäuscht nicht. Hier geht es schon um etliche Stunden, in denen man umhüllt und bezaubert ist.


24.09.2017 16:12 Uhr
12 Auszeichnungen
welches ich heute wieder getragen habe - gut, es war helllichter Tag! aber ich mag ihn sehr, diesen Duft; er könnte glatt zum Signatur aufsteigen. Die Stimmen hier tw. gegen ihn allerdings, die Statements, kann ich deswegen kaum nachvollziehen.

Vorab: Ich bin keineswegs eine Verfechterin von süßen Zuckerbömbchen, dazu liebe ich die intensiven Orientalen, Parfums mit rauchiger Aura oder Düfte mit Chyprecharakter viel zu sehr.
Tenue de Soiree aber, das die effektiv mitspielende Süße aus den beiden Komponenten holt, ist kein solches.
Allerdings gibt es eine leichte Süße, die sofort unter die Fittiche von holzig-würzigen Akkorden genommen wird und angenehm bleibt.
Der Duft kam vor nicht allzu langer Zeit als Seiteneinsteiger zu mir. Dieses schöne Kleid lag einer Parfumbestellung bei und - es gibt diese Blitzlichter ja immer wieder - nach dem Auftragen hatte ich sofort das gewisse Etwas in der Nase, das aufmerken läßt und dem man dann auch geduldig die Zeit lassen sollte, sich in seiner Schönheit zu entwickeln. - Und dann hat er es geschafft, mich zu becircen.

Aus den nur drei Bestandteilen, die sich hier m.E. wunderbar vereinigen, gelang eine sehr gut duftende Parfumschönheit - ja, vllt. ohne den Anspruch der absoluten Schönheit, denn in ihrem Anfang gibt es sehr wohl einen kleinen Bruch. - Es ist aber auch nicht immer die absolute Schönheit, die einen verzaubert, sondern doch eher die individuelle Besonderheit, die das vermag.

Der Duft:
Den ersten Eindruck, den kleinen Bruch, macht eine leicht medizinische Note, die man geflissentlich übergehen kann. Dann suggerieren mir die angegebenen Komponenten überraschenderweise sehr viel mehr als man vermutet.
Ich rieche viel helles Holz, beerige Frucht, Blüten und Würze. Eine würzige Note, die ganz am Anfang ein bisschen übertreibt. Durch Iris und Patch in ihrer DNA ergibt sich dann aber eine besondere weichwürzig schöne Gestalt.
Zusammengefasst ist das für mich ein zartholziger Duft mit fruchtig-würzigen Anklängen, viel Irispuder und - sehr sehr schön.

Und die verteufelte Süße?
Sie ist natürlich vorhanden, zumal Iris und erdig süßes Patchouli zusammen auftreten. Doch sie ist dermaßen gut in die entstehende Duftwirkung eingebunden, dass sie nicht unangenehm wird und mit ihrem entsprechenden Anteil an diesem Duft zu seiner olfaktorischen Schönheit sehr stimmig beiträgt.
Da gibt es wahrlich klebrigere Wässerchen!

Für mich ein sehr schönes Abendkleid, tragbar auch am Tage. Die Sillage ist gut wahrzunehmen aber nicht aufdringlich, die Haltbarkeit überdurchschnittlich.
Nachdem dieser Duft mich von der Seite anmachte, bin ich ihm mittlerweile auf den Leim gegangen und gebe ihm jetzt des öfteren die Chance, mich zu verführen.


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