IrisNobileIrisNobiles Parfumkommentare

1 - 5 von 25
IrisNobile vor 21 Monaten 31
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

zu den Inseln unter dem Wind
vor nicht allzu langer Zeit habe ich das EdP in den Stand meiner liebsten Begleitung erhoben - - mein neuer Signaturduft -
quasi subsidiär für das hier beschriebene EdT, welches leider leider nicht mehr produziert wird und das einfach nur noch schöner, noch strahlender ist - - die duftschönere ältere Schwester - um die es hier geht.

Auf die oft unverständlichen Gepflogenheiten der Parfumindustrie -, die schönsten Parfums immer wieder zu reformulieren, um uns sodann eine eher beliebigere Kreation vorzusetzen - gängiger, dem vermeintlich allgemeineren Geschmack angepasst -, nach dem Motto friss oder stirb -, ist hier bezüglich einiger ehemals fantastisch komponierter Parfums ja schon einschlägig eingegangen worden.
Und wie man ebenfalls hier hinlänglich vernehmen kann, bin ich nicht das einzige enttäuschte Mitglied, das dieses besondere Inselholz schmerzlich vermisst.
A b e r ........ will nicht sagen, dass das EdP nicht auch ein toller Duft ist, nicht gleich aber mit gleichen Attributen und eben nicht von ungefähr momentan auch mein präferierter Begleiter.

So langsam fällt mir selber auf, dass ich sehr oft Düfte kommentiere, die schon gar nicht mehr oder nur schwerlich zu haben sind.
Sei´s drum! .... sie sind einen Kommentar wert ..... und die Verliebtheit trägt ja das Herz auf der Zunge .... :))

---*---*---*---

Der Flakon ist schon mal eine schöne Erscheinung, die Form von edel-moderner Gradlinigkeit ...... Und während sich die ersten Sprühstöße durch meine Nase ziehen -, ich diesen aquatisch unterlegten Duft wahrnehme -, wird das limbische System förmlich ad hoc in verzückte Erregung versetzt ;)) ... und dann - - - - - wachsen mir Flügel :p
Fortan glaube ich, mich gleich eines riesigen Vogels mit einem milden warmen Wind aufzuschwingen ......

Auf ....
über Land und Meer
in weite Fernen
zu den Inseln unter dem Wind
dessen aquatischer Hauch
die Fruchtaromen der südlichen Hemisphäre
und die Wärme sonnentrocken silbrig-verwitterten Inselholzes mit sich trägt ...
um unter meine Flügel bis in meine Seele zu kriechen ..............

---*---*---*---

Der Duft beginnt mit der hellen Fruchtigkeit zitrischer Kopfnoten - spürbar angeführt von der mediterranen Frische der Mandarinen - deren Strahlkraft umgehend in trockenes warmes Holz aufgenommen und von zartem Ylang-Ylang blumig umhüllt wird. Hierdurch fügt sich auch ganz dezent eine lieblich blumige Duftaura in diese Gemeinschaft ein.

Die Mandarinen der Kopfnote sind es, die nach meiner Recherche für diese wahrhaftig zu spürende aquatische Note maßgeblich verantwortlich sind und auf subtile Weise den Eindruck von südlichen, meerumspielten Küsten einweben.

Die verführerischen Basisnoten mit ihren feinen Vanilleanteilen geben den letzten aromatischen Schliff. Die ihnen eigene natürliche Süße wirkt wie ein zarter Schleier und ist absolut angenehm und unaufdringlich.
Der wunderschöne silbrig-helle Akkord, den das aquatische Geschehen mit sich bringt, bleibt dabei über den gesamten Duftverlauf erhalten und macht das Dufterlebnis des Parfums hell, leicht und fein wie ein freundlicher Sommertag am Meer ..... und den können Männlein wie Weiblein über mindestens 6 Stunden genießen .....

Die "synergetische Wirkung" der eher übersichtlichen Ingredienzen generiert hier einen Duft der Extraklasse -, ein elegantes Wunderwerk an Noblesse - - einen Duft mit großer Flügelspannweite ... ;))
18 Antworten

IrisNobile vor 24 Monaten 22
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

geh´durch´s grüne Sehnsuchtsland ..........
frage mich natürlich hier wieder -, ob es Sinn macht, einen Kommentar zu einem vom Markt genommenen Parfum zu verfassen, an das potenzielle Interessenten kaum mehr herankommen.
Aber was soll´s ….. ich muss es jetzt loswerden!... :)

Es ist ein Parfum - natürlich - älterer Provenienz -, lässt mich aber diese Tatsache - nach wiederholtem Hinschnuppern - das Viertel Jahrhundert, welches es auf seinem gerundeten Buckel hat, ob des wahrhaft wohligen Empfindens, das es beschert, vergessen.
Und könnte genauso gut ein grüner Duft des unbedingt auch heutigen Geschmacks sein.

Die täglichen Wege, die ich gehe, führen mich und meinen Hund jetzt im Sommer wieder und wieder über satte grüne Wiesen, an herrlichen Gärten vorbei, durch große schattige Stadtparkanlagen und durch lichte Wälder.
Man kann diese wunderbare Natur förmlich greifen-, atmet sie in sich hinein. Wenn alles um einen herum wahrlich in der Blüte seines Lebens steht - resp. auf dem Zenit seiner Schönheit - -
Sich das grüne Sommerlaub in all seinen Schattierungen präsentiert - -
sich die vollen Blütenstände des Sommers in den Gärten konkurrierend eitel darstellen möchten.


Bei einem solcher Spaziergänge trug ich Tendre Poison.
Entweder verstärkt und komplettiert die Natur die Empfindung des Parfums oder aber mein "zartes Gift" intensiviert die Wahrnehmung der Natur - -
Denn ich ging durch ein grünes Sehnsuchtsland - -

Während mich anfänglich noch die Blüten aus den am Wiesenrand angrenzenden Gärten überwältigen - wird das Grün des nahen Waldes immer deutlicher - -

Zarter Wind streicht sanft durch das dichte Blätterdach über mir, lässt die Strahlen der Sonne auf dem Waldweg tänzeln …..
den grün-kühlen Lufthauch umschweben immer wieder leicht süßlich-blumige Schwaden -
Entlang des hauptsächlich von Buchen beschatteten Waldweges fließt ein kleiner Bach und begleitet uns mit seinem Plätschern auf unserem Weg. Webt dabei eine Ahnung von aquatischer Frische in die blumig-grüne Stimmung.

Das Gefühl von frisch-grüner Reinheit in einem noch kühlen morgendlichen Blumengarten mit seiner nuancenreich floralen Üppigkeit wäre eine adäquate Interpretation dieser schönen alten Kreation.

Und mir wurde in diesem kleinen Waldrandbereich, durch den wir streiften, erst richtig bewusst, welche Assoziationen der zarte grün-blumige Duft in sich trägt.
Wenn es ein Gift ist, dann ein genüssliches -, etwa wie ein guter Wein, von dessen Genuß man ebenso in diesen leicht schwebenden Schritt gelangen kann - -

Es ist für mich nicht auszumachen, welches Geschlecht ihm am besten stehen würde. - Für mich ist er trotz offizieller Empfehlung für die eher weibl. Spezies unter uns - ein unisex zu tragendes Parfum -, das zwar eine zurückhaltende Sillage, dafür eine gute mittlere Haltbarkeit aufweist.

Ein grün-bestimmt blumiger, fast distinguiert auftretender Sauberduft mit minimal seifenfrischer Note, der nicht nur auf die fliegenden Verehrer der Natur anziehend wirkt ……… :))
17 Antworten

IrisNobile vor 2 Jahren 22
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
6
Flakon

Un Rose de Kandahar ...... Symphonie der blumig-würzigen Fülle .....
deine Würze veredelt saftige Früchte -
deine Rosen bezaubern die Sinne -
mit Dir lass ich mich fallen -
auf ein weiches Lager -
aus Moschus und Vanille -

Ich will nicht wirklich dichten - - bin aber wieder einmal verzaubert - und mehr als beeindruckt - -
in diesem Falle von einem Rosenduft!! …..
Rosendüfte ……. eigentlich nicht meine erstrebte Duftrichtung - , weil sie mir meist zu blümelig harmlos, süß und langweilig daherkamen ……

Anders bei dieser schönen Rose aus dem mittleren Osten, die, nachdem ich sie aus ihrem Pentagon befreit habe -, folgendes an meine Sinne weitergibt ……

Hat man die wenigen Stufen aus dem leicht muffig-erdigen Keller mit großen Schritten überwunden und den hellen Garten erreicht, dessen prächtige Rosen sich üppig und schwer ins Licht neigen und zusammen mit seinen vollmundigen Früchten die Luft schwängern -, ist man ausgesöhnt.
Ausgesöhnt mit dem Anfang dieses Duftes, der manch einen im Moment verschrecken könnte …….
Ich vermute, es ist das Patchouli in der Basis, welches sich für meine Nase schon am Anfang eklatant in den Vordergrund drängt und einen typischen und oft beschriebenen, leicht muffigen Eindruck macht.
Im Einvernehmen mit einer sofort präsenten zitrischen Note macht es sich ein bisschen wichtig, zieht sich aber in dieser Intensität auch umgehend zurück, um im späteren Verlauf dieses Konzertes noch eine wunderschöne Abrundung herzustellen …….

Erst kommen die Aprikosen - - dann die Rosen ;)

Wenn ich diesen Garten nach dem subjektiv empfundenen muffigen Intermezzo betrete -, rieche ich zuerst die Reife saftiger Aprikosen, versetzt mit dem Aroma von Zimt und Mandeln, die die Fruchtigkeit des Duftes etwas auffangen und gourmandig abrunden …….. über allem schwebt gleichzeitig eine zarte warme Würze -, evtl. herrührend vom Tabak, der sich lecker einwebt, dem Vetiver und dem ätherischen Öl besonderer afghanischer Rosen aus der Provinz Nangarhar, welches lt. nachzulesender Beschreibung mit seinem Aroma nach Gewürzen und Pflaumen ebenfalls eine gewisse würzige Komponente beiträgt.

Die fantastische Interaktion der in der Pyramide aufgelisteten Ingredienzen ergibt im Verlauf ein zartfruchtig-pudriges, von minimalster Würze durchzogenes Geschehen, in dem jetzt das abgeschwächte Patch den Part der pudrigen Wirkung übernimmt, und in dem sich die wunderbaren Rosen heimlich tummeln …..
heimlich - - …. , weil sie das Parfum nicht vordergründig bestimmen, sondern raffiniert mit tragen und dem Duft so eine samtige Tiefe und eine sehr noble Aura verleihen. - - Auch zart holzige Töne glaube ich, dazwischen zu vernehmen.

Gleichsam am Ende ihrer virtuosen Darbietung versinken die Akteure dieses großartigen Artefaktes unter dem Einfluss subtil süßlicher Ambra auf gepuderter weicher Moschus-Vanille-Wolke und bilden einen fantastischen Drydown.
Und im Gegensatz zu meiner skeptischen Haltung gegenüber süßen Rosenwässerchen, vermittelt dieser Duft in keiner Phase den Eindruck eines beliebigen Parfums dieser Spezies.

Eine Kreation, die absolut unisex becirct und in ihrer Sillagewirkung, ohne dass sie übertrieben auftritt, eine echte Ansage ist.
Die Haltbarkeit erstreckt sich vom Tag in die Nacht. Und mit der Wärme von Sommertagen/-nächten betört der Dufthauch den Benutzer und seine Umwelt nach meinem Empfinden noch etwas mehr.

Andy Tauer ist wohl nicht in der Lage, dieses Parfum immer in gleichbleibender Menge zu produzieren -, da das Öl dieser besonderen Rosen nicht unbegrenzt verfügbar ist ………
ergo - - sollte man keine Angst vor Verarmung haben - und sollte es gefallen -, dann lohnen sich Bunkerkäufe ;) :)

für das nicht enden wollende Duftkonzert der Fülle üppiger Sommergärten ….. :))
11 Antworten

IrisNobile vor 2 Jahren 43
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Im späten Frühjahr 1956 - - Mitsouko (kleine Geschichte aus der Familie)
sie hatte Geburtstag -, .... wurde 21 - .... endlich volljährig! ....
Ein sonniger, noch etwas kühler Tag - - in ihrem kleinen Dachzimmer bündelte sich an der Decke über ihrem Bett das frühe Sonnenlicht, das durch die offenen Gardinen herein kam und seine Reflexe herumtanzen ließ. Noch schläfrig beobachtete sie die spielenden Lichter -, freute sich auf den Tag.
Aus der Küche kam das Klappern von Geschirr, und im Radio ließ Rudi Schuricke wieder einmal bei Capri die Sonne im Meer versinken - .... jetzt war sie vollends wach! ...
Mutter deckte wohl wie immer sehr liebevoll den Frühstückstisch. - Sie schlüpfte schnell in den Morgenmantel -, mein Gott, wie schön! -, es war Wochenende -, Zeit für "Z e i t" und alle erdenklichen Vorhaben mit den Freunden. - Würde Martin wohl heute an sie denken oder würde er vielleicht sogar vorbeikommen?
Sie kannte ihn erst kurz, aber es hatte sie heftig erwischt .....
Entspannt trat sie auf den kleinen, von festen Backsteinen umfassten Balkon, der vom 5. Stock aus einen wunderbaren Überblick über die morgendliche Szenerie bot -, über die niedriger liegenden Häuser, über den Festplatz am Ende der Straße, auf dem die Aufbauten des Frühlingsfestes noch fest verschlossen und verlassen da lagen - ... hier und da bellte ein Hund der Schausteller .... Die tiefe Sonne drängte sich mit Macht durch die schmalen Schneisen zwischen den Häusern und bildete goldene Lichtstreifen. - Im Eckhaus gegenüber goß die Nachbarin schon ihre Balkonkästen -, entdeckte sie und winkte.
All das grüßte heute das Geburtstagskind! ... Beseelt von diesen einfachen, vertrauten Eindrücken trat sie wieder in ihr Zimmer. - Es folgte der Ruf der Mutter ....."Gerdi ... frühstücken!!" Man war zwar jetzt ´volljährig´, aber noch lange nicht erwachsen -, jedenfalls in den Augen der Eltern.
Sie blieb im Morgenmantel und ging durch den langen schmalen Flur zur Küche ... , wie jedes Wochenende, wenn die kleine Familie ganz nonchalant frühstückte.
Zum Ehrentag ihrer Tochter hatte Mutter Sekt besorgt und kreierte mit angesagtem Eierlikör und Fassbrause einen Cocktail namens Kikeriki, nicht ohne sich selbst vorher noch flugs ein pures Schlückchen Eierlikör im ziselierten Gläschen zu gönnen und ihrer Tochter einen Toast auszusprechen. Das konnte man sich schließlich wieder leisten, nach den entbehrungsreichen Jahren.
Und die peu à peu prosperierende Wirtschaft machte es vom Familieneinkommen her möglich, auch - vermeintlich unnötigen - Luxus zu genießen - - Man hatte Arbeit -, das war wichtig.

Luxus, wie auch das, was sie jetzt mit überraschtem Gesicht wahrnahm .... , ihr Geschenk! ... Ihr großer Wunsch ... , "Mitsouko" ... , das Parfum ihrer Tante, das es ihr so angetan hatte. - Mutter hatte sich finanziell wohl schwer ins Zeug gelegt, wobei bei ihr selbst allerdings gleichbleibend ein Flakon 4711 auf dem Nachttisch stand -, er wurde gebraucht -, nicht nur als Duft, nein -, oft als Ersthelfer-Riechfläschen bei schlechtem Allgemeinbefinden, und zum Betupfen der Stirn bei Kopfschmerzen war es ebenfalls ein probates Mittel. - ... Nichts für Gerda! .... Sie präferierte den geheimnisvollen Duft der attraktiven, witzigen, doch etwas exaltierten Lieblingstante, die ein außergewöhnliches und prickelndes Leben führte. - Und jetzt sollte s i e ihn bekommen! -
Während mittlerweile Catharina Valente ganz Paris von der Liebe träumen ließ, forderte Mutter mit Bestimmtheit - - - mach auf !! ....
Es gab kein Halten mehr -, Gerdi öffnete ungeduldig das bewusst unverpackte Parfum .... , entnahm den kleinen begehrten Flakon, der in seiner Form zwischen Gradlinigkeit und Verspieltheit gestaltet wurde, beeinflusst vom Art Nouveau und Art Deco -, öffnete die Kappe und besprühte Handgelenk und Haar ....
Ein Duft, der - wie ihre Mutter wiederholt einwarf - , doch eigentlich nicht für ein "junges Mädchen" gedacht ist! ...

Sie verneinte das heftig und sank hingebungsvoll unter den Schleier dieses Duftes, der sie zwar zu Beginn ob der Intensität des Eichenmooses leicht erschreckte .... , die Tante roch doch ganz anders! .... Sich dann aber mit seiner genialen Rezeptur zu entfalten begann ...
Und sie schwelgte -, .... war nicht mehr in dieser Küche ... , nachdem sich der Duftschleier mit seinen feinen Gewürznoten um sie herum schlang, den zarten Pfirsich und die fruchtigen, mit einem Hauch von Zimt überstäubten Ingredienzen in sein Gewebe hüllte, hier und da eine der ausgesuchten Blüten durchschimmern ließ und zu einem grün-würzpudrigen Zauber wurde .....
Diese extravagante, auch etwas androgyn anmutende Aura, mit der anfänglich feinen weichen Edelseifennote -, ... der Duft, dessen grüne Seele umrahmt wird von verführerisch warmwürzig-fruchtiger Blumigkeit -, betört sie und entspricht genau ihrem Stil .....

Es klingelte an der Tür ..... - - "G e r d i" ! ..... Martin ist gekommen! ...... Mutters Ruf holte sie schroff aus der einen in die andere Glückseligkeit - -
(sie wurden ein Paar - vllt. war Mitsouko ja beteiligt :)
Und sie war es auch, die mir Mitsouko nahe brachte ..... diese sinnliche, stilvolle alte Parfumkreation, die schon viele Generationen bezauberte und ihre Magie wohl nie verlieren wird ....

Absolut unisex tragbar und - wie viele Parfums der damaligen Machart - nicht so leicht von der "Haut" zu weisen! :)

17 Antworten

IrisNobile vor 2 Jahren 13
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
8
Flakon

LEHMAN(N)IE die zweite! - Russisch Juchten .....
der Name - eher zackig und derb, denn gefällig und fantasievoll -; ... das Adjektiv gefällig vernachlässige ich jetzt mal -, fantasievoll j a ! - mit jedem Nasenzug eröffnen sich andere, ganz subjektive Welten. Und der eine wähnt sich in den 20ern, 30ern oder 40ern, der andere blickt vllt. auf die 70er/80er :)
Zudem weist der Name auf ein Parfum mit einer vermutlich heftigen Rindledernote -, männlich, herb, streng -, als Frau möchte man erst gar nicht zugreifen. - Doch weit gefehlt! .... Ich nehme evtl. eingebundenes Leder gar nicht vordergründig wahr.
Allerdings ..., für alle "Chyprephilen" -, hier gibt es etwas für Euch! Einen wieder einmal erstaunlichen Duft der Fam. Lehmann - - - Für Liebhaber der älteren Anmutung des Chypre-Genres.

Angefangen hat meine Begeisterung für die Kreationen dieser kleinen alten Duftmanufaktur mit dem schönen "Verité", der mittlerweile zu einem der bevorzugt benutzten sinnlichen Seelenschmeichler meines Parfumbestandes avancierte. -
Verité ist ein Orientale -, Russisch Juchten ein wunderbarer Gegensatz.

Die liebe Angua ist im übrigen Schuld! - Angemacht von ihrem tollen Kommi hier unten, hat sie mich zu einer weiteren Order aus Berlin veranlasst. -
"7 auf einen Streich" - wurden anschließend von mir bestellt, und darunter eben auch Russisch Juchten. 7 auf einen Streich ist weder monetär noch quantitativ überzogen; man kann ab 10 ml bestellen, und das zu Preisen, die unglaublich fair sind -, das hatte ich schon im Verité-Kommi angepriesen.

Mittlerweile habe ich 3, 4 Parfums von Harry Lehmann eingehend getestet -, und - es ist ein Faszinosum mit diesen Düften ...... kein Mensch würde vermuten, dass diese wunderbar kreierten olfaktorischen Kleinode mit ihrer komplexen Qualität nicht von irgend einem großen alten französischen Parfumhersteller stammen -, würde man sie in entsprechenden Flakons präsentieren.
Ich nehme an, dass RJuchten von seinen Schöpfern zwischen den 20er bis 50er Jahren auf den Markt gebracht wurde, zu einem Zeitpunkt, in dem wahrscheinlich auch andere große chypreartige Parfums lanciert wurden. Ein Zeitgeist-Parfum sozusagen, welches heute noch eine tolle Ausstrahlung besitzt ...., wie viele andere auch.

Vor mir stehen Parfums, wie:
Ma Griffe, Quadrille, Norell, Fendi, Imprevu, Mitsouko, auch Calèche u.ä. -, alles Verwandtschaft um die 5. Ecke ;)) .... alles chypreartig blumig bzw. würzig - und sehr von mir geliebt.
Die wesentlichen Duftmerkmale des Chypre sind in RJuchten genau wie bei den anderen Verwandten zu erkennen, ohne dass die jeweiligen Parfums dieser Gattung ihr ganz eigenes Charisma einbüßen.

Der Duft:
Mit Pyramide, die es leider hier auch nicht gibt, wäre es besser nachzuvollziehen - , meine Nase würde aber in jedem Fall diese für einen Chypreduft typische feine "Fruchtblumenwürze" mit gewisser Saubernote bestimmen, die jeden in sein eigenes Jahrzehnt des 20.Jhdts. mitnimmt. - Und ja -, wie Angua auch bemerkte, mit Zimt wurde in diesem Duft auch gekocht ;) Aber Leder!? - Ich kann´s leider nicht ausmachen. Im Drydown wird der Duft edel und weich ....... Es bleiben Fragezeichen -, natürlich. - Auf jeden Fall hat er mich! ....

RJuchten tanzt nicht auf allen Hochzeiten! - Er hält sich vorrangig gerne im gediegen-eleganten Milieu auf und bevorzugt dabei kein Geschlecht. Mann wie Frau/Frau wie Mann duften beide wunderbar. Und keineswegs so streng, wie es sein Name befürchten lässt.
Die Haltbarkeit der Parfums der "Lehmänner" ist ebenso beachtlich wie die Düfte selbst; besonders haltbar auf edlen Geweben, wie Wolle und Seide ..... und natürlich auf dem edelsten - - - unserer Haut :)

Nachtrag 11.02.:
Ich muß mich revidieren -, Asche auf mein Haupt :) ... Natürlich ist Leder vorhanden! Und zwar ein ganz feines edles -, nichts Derbes -, das sich erst im Ausklang des Duftes richtig wahrnehmen läßt und zu der angenehmen warmen, weichen Note beiträgt. Habe es gerade noch einmal wirken lassen. - Meine Nase hatte vllt. die letzte Erkältung noch nicht verziehen ;) Warum sonst würde die Bezeichnung ‚Juchten‘ auch verwendet!? .... sorry Herr Lehmann .... ;)
9 Antworten

1 - 5 von 25