JägerinJägerins Parfumkommentare

03.02.2017 15:39 Uhr
13 Auszeichnungen
Geht es noch besser als Urlaub zu haben, ein Glas Wein zu genießen und eine Blindtestprobe voller Spannung zu testen? Ja, es geht besser: Wenn die Probe dein Duftherz schneller schlagen lässt und du dir nicht mehr sicher bist, ob dich der Alkohol wärmt oder das Parfüm auf deiner Haut. Dies sind also meine Eindrücke über Patchouly, als ich noch keinen blassen Schimmer hatte, welchen Duft ich gerade schnuppere. An dieser Stelle danke ich Arran für das tolle Blindtestpaket!

Ich saß also auf meinem Sofa und freute mich über das kommende Dufterlebnis. Neben der Vorfreude schwang auch ein wenig Angst mit, da es auch genug Stinker gibt, die ich sofort abwaschen mag. Ein Glück, dass es dieses Mal nicht der Fall war. Es legte sich ein leicht öliger Film über mein Handgelenk, ich ahnte, dass es sich hierbei wohl um ein Parfüm von höherer Qualität handeln muss. Das freute mich als Nischenfan gleich doppelt. Diesen öligen Film empfand ich als leicht unangenehm, da ich nun Sorge um meine Kleidung hatte.

Viel Zeit zum Grübeln über die Konsistenz hatte ich allerdings nicht. Rauschte doch die erste Duftwolke um meine Nase. Patchouli! Volle Kanne! Volles Rohr! Anders als erwartet, erinnerte es mich nicht an muffige Esoterikläden und Gothics aus meiner Jugend. Dieses Düftchen war anders.

In meinen Gedanken stand ich plötzlich mitten in einer Großstadt zwischen großen Einkaufsläden und lärmenden Fußgängerzonen. Es ist ein heißer Sommertag, die Sonne prallt auf den Asphalt und bringt ihn zum Glühen. Die Menschen sind durstig und ich höre das Surren der Autos, das Schnattern der Menschen und plötzlich überkommt uns ein Regenschauer. Alle Menschen setzen sich zügig in Bewegung und suchen das Weite, sie verschwinden unter Schirmen und in den Läden. Ich bleibe stehen und beobachte den aufsteigenden Dampf, welcher durch den Regen auf dem heißen Asphalt einen Nebel über den Boden hinterlässt. Ich inhaliere diesen Dampf. Ich genieße die Regentropfen auf meiner Haut und fühle mich frei. An einigen Stellen im Asphalt sind Löcher, die durch den Regen aufquolleen und ich nehme die wohlig riechende Erde wahr. Nun drehe ich mich auf der Stelle im Kreis, ein Regenfreudentanz, während ich weiter den Duft nach Regen auf heißem Asphalt einatmen. Bei meinen Umdrehungen sehe ich eine kleine Eisdiele hinter mir. Ich kaufe mir ein Schokoladeneis und spazieren in der ruhig gewordenen Fußgängerzone durch den Regen und erfreue mich am Leben.

Ich bin keine große Patchouliliebhaberin, aber was Patchouly mir macht ist einzigartig. Noch nie hat ein Parfüm solche Bilder in mir ausgelöst. Dieser Duft riecht für mich tatsächlich nach Sommerregen auf heißem Asphalt mit authentischer Erde und süßem Amber. Ich bekomme bei dem Duft enorme Lust auf Sommer und Regen. Dabei weiß ich gar nicht, ob ich diesen Duft im Sommer tragen würde, ist es doch gleichzeitig auch ein Kuschelduft, der sich ölig um dich legt und nicht mehr loslässt.

Meine Lehre ist, dass Patchouli nicht gruftig riechen oder Esoterikläden vorbehalten sein muss. Patchouli kann auch junge Großstädter_innen in den Bann ziehen und wilde Bilder auslösen. Sommerregenanbeter_innen und jene, die es werden wollen: schmiert euch mit Patchouly ein!


11.01.2017 18:01 Uhr
21 Auszeichnungen
"Ich bin total angegeilt. Zwischen "nimm mich!" und "kuscheln unter dem Sternenhimmel". Ich möchte neben dem Mann am Lagerfeuer einschlafen" - und Mist! Nur noch drei Zeichen übrig. Ich möchte ein kurzes, knackiges Statement schreiben und jedes Mal habe ich zu wenig Zeichen übrig. Meistens bin ich dann gefrustet und lasse es sein, dieses Mal öffne ich aber die Kommentarfunktion und führe meine Gedanken hier weiter aus.

Wie der Duft riecht und wie die Duftpyramide wirkt, wurde bereits ausführlich beschrieben. So widme ich meinen Kommentar allen Frauen für mehr Mut auch Düfte "für echt Kerle" zu tragen!

Zibet, Leder UND Oud? Alles gleichzeitig? Das ist nichts für mich.

Dachte ich.

Ich bekam Duftpost von L., der mir ein Blindtestpaket zusammenschnürte. Nummeriert von 1 bis 12 befanden sich Proben im Umschlag. Ganz hibbelig und gespannt startete ich also. (Ok, um eine kleine Duftbeschreibung komme ich wohl nicht herum):

Puhh! Was ein erschlagender Duft, welche Präsenz. Er erinnerte mich im ersten Moment an "Aoud Lavender" von Montale, nur weniger synthetisch und natürlich ohne Lavendel. Aber ähnlich stickig und laut. Ich tauschte mich mit meinem Duftpaketschnürer aus und ja, ich hatte recht: Oud ist vorhanden.

Nun folgte der Test auf der Haut und das hätte ich nicht machen dürfen.

Um mich war es geschehen. Was ist denn bitte das für ein Duft?! Ich rieche pure Männlichkeit. Ich rieche ein Lagerfeuer mit Kuscheldecke mitten im Nirgendwo, an welches ich mich gemeinsam mit einem starken Mann legen möchte. Im Hintergrund schnaufen die Pferde und trockener Sand wird aufgewirbelt. Er hält mich fest in seinen Armen und ich fühle mich sicher. So muss ein Kerl riechen!

Nachdem sich die Lagerfeuerbilder in meinem Kopf abgespielt haben und ich völlig eskalierend im Raum herumhüpfte, widmete ich mich den Statements und Kommentaren. Anderen erging es wohl ähnlich wie mir. Ein toller, männlicher Duft, der an einigen Stellen allerdings schwierig war oder nennen wir es beim Namen: stank. Dem stimme ich voll zu. Sehr polarisierend. Für mich allerdings kein Gestank, sondern ein Treffer mitten ins Schwarze.

Viel schwieriger als der ständige Wechsel im Duftverlauf zwischen Leder, Oud, Lagerfeuer, rauen und sanfte Anklängen sowie fäkal-medizinisch und süß, finde ich es, dass der Duft für Frauen völlig uninteressant ist. Ist es die Deklaration "Herrenduft", sind es die Inhaltsstoffe oder eine Kombi aus Beidem?

Auch wenn ich die Bilder von starken Männern am Lagerfeuer vor Augen habe, so möchte ich den Duft dennoch nicht nur an starken Männern riechen. Ich möchte ihn an MIR riechen. Ich möchte mich selber erfreuen an dem Duft und nicht darauf hoffen, dass ein toller Mann eines Tages Leather Oud tragen wird. Ein Parfüm, welches mich seit Längerem mal wieder abgeholt hat und überraschenderweise nicht meinem üblichen Beuteschema entspricht. Ich möchte nicht, dass mich ein starker Mann festhält und ich an ihm labe aufgrund des unwiderstehlichen Duftes. Ich kaufe mir einfach selber einen Flakon Leather Oud und labe an diesem. Ich erfreue mich an jedem einzelnen Sprüher auf meine weibliche Haut und fühle mich damit unglaublich wohl. Das strahlt der Duft sowieso aus: eine wahnsinnige Geborgenheit. Die Präsenz des Duftes und die Polarisierung gefallen mir, ich mag es dufttechnisch aufzufallen. Viel zu oft (ja, auch ich mache das manchmal) wird hier in weiblich und männlich unterteilt und viel zu oft nerven mich diese Schubladen. Wieso assoziiere ich starke Männerschultern mit dem Duft? Das ist doch Quatsch, ich möchte auch einen starken Duft tragen und das dürfen alle anderen Frauen da draußen auch. Also, geilt euch nicht nur an eurem Liebsten mit Leather Oud auf - seid selber geil!


11.12.2016 14:47 Uhr
4 Auszeichnungen
In der Duftbeschreibung wurde der Duft als blumig-gourmandig einsortiert und ein Blick auf die Duftpyramide bestätigte es. "Gut, Blumen sind gar nicht deine Welt" dachte ich mir "da musst du nun aber durch". Denn ich wollte mich eines Besseren belehren lassen. Immerhin machte mir das Wort "gourmandig" und Zutaten wie Kokosnuss (ich fahre auf das Zeug ab!) ein wenig Hoffnung. Am meisten setzte ich aber auf das Dufthaus an sich: Kerosene. Die Düfte sind besonders! Manchmal besonders fies (ich denke an Black Vines), aber immer einen Test wert. So gehört es für mich dazu, mich durch alle Düfte zu schnuppern. Eben auch durch blumige Kompositionen.

Als meine Abfüllung ankam, (danke an dieser Stelle für das Sharing) traute ich mich zunächst nicht an den Duft heran. Die Angst vor den Blumen überlagerte meine Hoffnung auf einen schönen Gourmand. Ich fechtete einen innerlichen Kampf aus:

"Los, mach nun!"

gegen

"Bist du irre?! Lass es bloß sein!"

Es siegte die Neugier und so landete der Duft auf meinem Handgelenk. Ich hab's geahnt. Mich umwehte eine Mischung aus Orangenblüte und Jasmin. Ich erstickte fast in diesem Blumendunst. Sofort schaltete mein Körper auf Alarmstufte rot. Ich wollte schon zum Waschbecken rennen, doch irgendwas in mir wollte wissen, wie sich der Duft entwickelt. Etwa 30-45min dauerte es, bis sich neben Orangenblüten und Jasmin endlich andere Noten dazugesellen. Die überladenen Blumen haben immer noch ganz klar die Überhand, aber genau das worauf ich gehofft hatte, traf ein. Nach einer anstrengenden, schwülstigen Blumenkopfnote setzt Kerosene einen Hauch Kokos (es hätte für meinen Geschmack deutlich mehr sein können), ein wenig Vanille und Mandarine hinzu. Ich nehme außerdem Kardamom und etwas Keksiges wahr. Beides steht nicht in der Duftpyramide, aber ich mag es. Sehr sogar.

Eine weitere Stunde später hat man tatsächlich einen angenehm ausbalancierten Blumengourmand aus Orangenblüte, Keksteig, Tonkabohne und warmer Vanille. Fortan bleibt der Duft unverändert.

Ich bin froh, dass ich den Duft bis zum Schluss getestet habe. Dennoch wird mich Unforsaken nicht weiterbegleiten. Für mich sind die Blumen zu heftig, sie nehmen mir - vor allem am Anfang - die Luft zum Atmen. Für Blumenfans und als Einstiegsgourmand mit Hang zur Orangenblüte ist der Duft wunderbar geeignet. Allen Blumengegnern rate ich von diesem Duft ab, wenngleich der Keksteig ein Träumchen ist. Allerdings greife ich dann lieber zu Düften wie Unknow Pleasures und brauche keine Kopfschmerzblume tolerieren. Kerosene hat mich hier zwar eines Besseren belehrt. Blumen können "in Ordnung" sein, aber einen außergewöhnlichen Duft haben sie nicht erschaffen. Im Gegenteil. Er ist gesellig, ein kleiner Immergeher, der bei Blumenfans kaum anecken wird. Das wird es wohl sein. Mir ist der Duft zu zu gefällig und natürlich auch mit zu viel Orangenblüte.


26.11.2016 08:42 Uhr
14 Auszeichnungen
Meine Erwartungen waren hoch. Kirsche... Latexspiele... einladend lasziv... Um nur einige Begriffe zu nennen, mit welchen der Duft umschrieben wurde. Ich hatte so richtig Bock auf eine fruchtige Verführung, wollte von einer Latexpeitsche den Hintern versohlt bekommen und sehnte mich nach einem erotischen Duft.

Man stelle sich hier nun eine Jägerin (hä? Eine was? - Nah, das ist mein Nickname hier) vor, die verheißungsvoll ins Latexoutfit gesprungen war und die Peitsche mehrmals aufknallen ließ.

Qom Chilom aufgesprüht.

Nun stelle man sich eine Jägerin vor, die kopfschüttelnd die Peitsche in die Ecke wirft und aus dem Latexoutfit schlüpft. Stattdessen nimmt sie sich ein Gläschen Kirschsaft, packt einen Strohhalm rein und schlürft enttäuscht und in Jogginghose an dem Getränk.

Keine Frage, Qom Chilom ist ein schöner, fruchtiger Kirschduft. Aber Erotik nehme ich hier nicht wirklich wahr. Mir fehlt das Verruchte, die Leidenschaft und die Tiefe.

Beim Aufsprühen des Parfüms wirbelten so viele Duftnoten um mich herum, dass ich überhaupt keine Lust hatte diese in meinem Riechzentrum zu sortieren. Vielleicht lag es auch an der deutlich penetranten Räucherspecknote, die in mir sofort "abwaschen!" schrie. Ich war also heilfroh, dass ich noch nicht duschen war und das Zeug runterwaschen konnte. Als ich aus der Dusche kam, nahm ich das Parfüm weiterhin wahr (anscheinend ein haltbares Zeug), die Rauchnote war allerdings weg und der Duft weich und fruchtig.

Ich kam also nicht um einen weiteren Versuch herum. Zack, befand sich der Duft wieder auf meinem Handgelenk. Am Anfang wieder das Durcheinander von satter Kirsche, verbranntem Plastik, Räucherspeck und Weihnachtsmarkt. Mein Riechzentrum hat es dieses Mal versucht zu sortieren (ich zwang es dazu! Die Peitsche lag ja noch in der Ecke...), es wehrte sich aber massiv, sodass ich nur die oben genannten Dinge herausgerochen habe. Diese für mich schwierige Phase dauerte etwas an. Mit der Zeit verschwanden alle oben genannten Duftnoten, einzig die satte Kirsche blieb. Dazu gesellte sich nun eine leicht alkoholische Note und ein wenig Puder. Der Alkohol verflog recht schnell. Der Duft wurde immer sanfter, eine Peitsche nahm ich überhaupt nicht wahr. Es ist mehr ein Streicheln mit einer Feder. Fluffig und kuschelig. Was bleibt ist ein pudriger, hautnaher Kirschduft.

Nun sitze ich also hier... Ich weiß nicht was ich von dem Parfüm halten soll. Ich bin geflashed von diesem heftigen Duftverlauf, den ich so nicht erwartet habe. Ich bin enttäuscht, weil ich keine Erotik spürte und mich so sehr auf Latex gefreut habe. Ich bin verwundert, weil ich das Gefühl habe, dass nur ich diese fiese Räucherschinkennote wahrnehmen und ich grinse auch ein wenig, da ich am Ende von einer kuscheligen Kirsche umgarnt wurde. Ein nettes Früchtchen.

Aber ist ein bisschen Puderfrucht so viel Geld wert? Mir definitiv nicht, das kann ich auch günstiger haben und denke dabei an "3 L'Impératrice". Natürlich ist Qom Chilom hochwertiger und der Kuschelfaktor ist schön. Ich bin aber raus, für mich ist der Duft zu alltäglich und ausdruckslos. Abgesehen davon halte ich die Räucherspecknote nur schwer aus. Hebe ich mir die Latexpeitsche eben für einen anderen Duft auf.


15.11.2016 04:23 Uhr
23 Auszeichnungen
Gefühlte zehn Minuten tippe ich nun hier herum und lösche jeden angefangenen Satz. Ich bin unzufrieden mit meiner Wortwahl, mit meinem Schreibstil. Warum? Weil ich das Gefühl habe dem Parfüm dadurch nicht gerecht zu werden. Mir war bis vor wenigen Tagen kein Duft von Kerosene geläufig. Bis ich bei meinem nächtlichen Streifzug durch Parfumo auf dieses Dufthaus aufmerksam wurde, da mir gleich mehrere Parfüms und deren Duftpyramiden ins Auge fielen. "Oh, USA!" war mein erster Gedanke, als ich Näheres zu Kerosene wissen wollte. Ich dachte sofort an Slumberhouse, da diese Düfte ebenfalls aus den USA stammen und mein Herz höher schlagen lassen. Ich durchsuchte gleich den Souk nach Proben und wurde enttäuscht. Entweder gab es keine oder die Proben waren mir bei zu vielen unterschiedlichen Parfumos verstreut. So fing ich hektisch an bei Lulua.pl zu suchen, schließlich gibt es dort auch Slumberhouse [stellt euch hier einen schlauen Fuchsblick vor]. Ich habe mir gleich einige Pröbchen von Kerosene zukommen lassen und eins vorweg: ich bin begeistert!

Hoppla! Vor lauter Aufregung dem Parfüm mit meiner Rezession (und dann gleich dem ersten Kommentar hierzu!) nicht gerecht zu werden, bin ich etwas abgeschweift. Solltet ihr bei meiner Kennenlerngeschichte zum Dufthaus noch nicht abgeschaltete haben, möchte ich euch nun ein wenig zu Follow erzählen. Kerosene hat mich überrascht und genauso tat es Follow.

Ich habe einen stinknormalen Gourmand mit Kaffee, Tonka und Vanille erwartet. Die Duftpyramide klingt recht unspektakulär, als Gourmandfan habe ich schon häufig Ähnliches gelesen. Doch Follow ist kein stinknormaler Gourmand - neehein, ganz sicher nicht! Ich bin keine Kaffeetrinkerin und bevorzuge Kakao oder Tee, doch gäbe es Follow als Getränk, ich würde es trinken - Literweise!

Der Duft ist monothematisch (Danke L. für diesen Begriff) und einen Verlauf gibt es kaum. Es startet als springe man in ein Becken voller Kaffeebohnen - nein, als würde jemand eine riesen Kaffeebohne in deine Fresse schlagen. Das klingt heftig, ist es auch. Die Kaffeebohne ist sehr authentisch und verdammt stechend in der Nase, die pure Kaffeebohnenexplosion. Dieser Zustand hält etwa eine Stunde an, danach wird der Duft zahmer und bleibt fortan ruhig, ohne weitere Entwicklung. Vom starken Espresso wird Follow zum cremigen Latte Macchiato (oder Milchkaffee oder Cappuccino). Ich vermute das Cremige ist dem Amber zu danken. Ich rieche ein wenig Vanille, der Kaffee spielt aber weiterhin die Hauptrolle. Ein wenig erinnert mich das Parfüm an ein Kaffeeplätzchen, welches ich letztes Jahr zu Weihnachten gegessen habe. Da fällt mir ein schönes Bild zu ein...

Stellt euch vor, ihr sitzt in eurem Lieblingscafé, es ist laut, viele Menschen schnattern durcheinander und der Kaffee wird heiß serviert. Während ihr den aufsteigenden Dampf des Kaffees förmlich inhaliert und wartet bis dieser etwas kälter wird, damit ihr euch nicht die Zunge daran verbrennt, verlassen einige Menschen das Café und es wird dadurch ruhiger. Die anfängliche Hektik lässt nach und ihr genießt den ersten, wohltuenden Schluck. Im Hintergrund wird eure Lieblingsmusik gespielt. Völlig verträumt sichtet ihr ein Plätzchen auf dem Unterteller und dippt es in den Kaffee. Mhhh! Köstlich! Ihr vergesst die Welt um euch herum und sitzt nun einige Stunden dort mit ständigem Kaffeeduft um euch herum [stellt euch vor es handelt sich um einen XXL Kaffee, welcher nie kalt wird]. Die letzten Menschen bezahlen und auch ihr müsst euch langsam auf den Weg nach Hause machen. Nachdem ihr ausgetrunken und das Lokal verlasst habt, freut ihr euch bereits auf den nächsten Besuch.

Die Sillage ist durchschnittlich mit Luft nach oben und die Haltbarkeit super. Es fängt extrem an und wird danach recht kuschelig. Ich befürchte, dass mir der Duft nach häufigem Tragen Kopfschmerzen bereitet, weil er zu monoton ist. Für Kaffeejunkies und jene, die Kaffeeduft ständig in der Nase haben möchten, ist dieses Parfüm perfekt. Mir wird der Duft auf Dauer zu viel, wenn gleich er für zwischendurch fantastisch ist.

Nachtrag: Tiramisu! Ich habe kürzlich eine Portion davon gegessen und musste sofort an Follow denken. Der Duft reicht wie Tiramisu mit deutlich (!) mehr Kaffeeanteil. Daher sicher meine Assoziationen mit den Keksen, die ich oben erwähnt habe.


22.05.2016 15:32 Uhr
10 Auszeichnungen
Mein Interesse an den Düften von Olfactive Studio wurde durch eine Probe von Lumière Blanche geweckt. Dieser Duft ist zwar kein Duft, den ich selber tragen würde, aber ich fand ihn spannend und angenehm. Zusätzlich gefällt mir die Aufmachung der Flakons und so bin ich gerade dabei alle Düfte zu testen.

Still Life in Rio testete ich in Düsseldorf in einem kleinen Parfümladen. Der etwas unfreundliche Herr, zeigte mir dieses Parfüm und bereits auf dem Teststreifen hatte der Duft mein Herz erobert. Der grimmige Blick des Mannes verhinderte nicht meine Schnappatmungen und ein fettes Grinsen in meinem Gesicht. So bat ich ihn das Zeug auch auf meine Haut zu sprühen. Danach verließ ich den Laden und machte mich auf den Weg zum Auto. Vorher war ich bei Schnitzler und kaufte mir zwei Guerlains, ob ich vor lauter Glückshormonen daher den Duft so genial empfand oder ob er wirklich so genial ist... Dazu weiter unten mehr.

Vorweg: den Duft Still Life kenne ich noch nicht, ob das nun gut oder schlecht ist mag ich nicht beurteilen. Aber vielleicht ist das für den ein oder anderen hier eine wichtige Info... So habe ich doch oft gelesen, dass Still Life meilenweit besser sein soll als Still Life in Rio. Sollte das wirklich der Fall sein, bedeutet das meinen Geruchstod. Still Life in Rio ist schon ein episches Zeug, was würde Still Life dann erst mit meinen Sinnen machen?!

Aber ich schweife ein wenig ab... Ihr wisst nun, dass ich Still Life nicht kenne und wo ich die Testung von Still Life in Rio vollzogen habe. Wer jetzt noch nicht abgeschaltet hat, bekommt nun endlich etwas Lesestoff über den Duft:

Ich bin doch leicht schockiert über die schlechten Statements von Still Life in Rio. Wie kann das sein? Auf dem Teststreifen roch der Duft einfach nur grandios, so dass ich mich verliebte. Auf meiner Haut wurde aus verliebt sein die wahre Liebe. Selbst mein Freund fand den Duft klasse und der ist ziemlich oft genervt von meinem Parfümwahn.

Der Duft endet wie er startet und auch der Mittelteil hat wenig Veränderung. Der eine mag es, die meisten aber finden es schade. Ich gehöre zur der Sorte, die das nicht schlimm finden - im Gegenteil ich fahre da manchmal sehr drauf ab. Ich weiß was mich erwartet und zwischendurch kommt keine fiese Note, die man überstehen muss, weil man weiß dass es erst später wieder gut wird. Bei Still Life in Rio bleibt es von Anfang bis Ende gleich genial. Nur die Zitronen vom Anfang verschwinden nach einer Zeit und rücken ein wenig in den Hintergrund.

Es startet also zitrisch. Es ist keine volle, pralle, frische Zitrone wie wenn man sie beim frischen Pressen riecht. Es ist eine Kuchenzitronen Note, wie beim Backen, sehr präsent, sehr laut, etwas synthetisch, aber dennoch erfrischend. Diese klingt nach einer Zeit ab, besteht aber ganz dezent im Hintergrund. Was bleibt ist klebrig, ist erfrischend ist gute Laune pur: eine feucht fröhliche Kokosnuss, Rum, Zucker, Karibik Party.
Die Kokosnuss riecht ebenfalls nicht frisch nach dem Zubereiten, sondern ist eher ein Kokoswässerchen mit einem Schuss Rum.
Kennt ihr diesen Zuckerrand auf Drinks? Genau so riecht das Zeug. Man hat das Gefühl einen leckeren Cocktail mit diesem Zuckerrand zu trinken. Ich bekomme meine Nase absolut nicht vom Handgelenk. Immer wieder zieht es mich dorthin. Gerade im Sommer ist der Duft himmlisch. Diese gute Mischung aus klebrig süß und erfrischend ist sehr angenehmen. Minze und Pfeffer nehme ich überhaupt nicht wahr, die Komponenten tun aber mit Sicherheit ihren Teil in diesem karibischen Cocktail. Ingwer hält die süßen Duftnoten im Zaun, sie verschafft einen Kick und hilft dabei dem Duft eine gewisse Reife zu verleihen. Still Life in Rio ist zwar süß, klebrig, verspielt und irgendwie erfrischend, aber kindisch und unreif keinesfalls. Der Vergleich mit einer Tunte, wie er in den Statements gemacht wurde, hinkt auch. Natürlich ist er etwas schrill, aber ob es nun Pfeffer oder Ingwer sind, die ihn erwachsen machen, tuntig ist der Duft nicht. Und wenn doch, rieche ich halt gerne wie auf einem Tuntenball.

Neben dem enorm guten Duft überzeugt mich erstaunlicherweise die Haltbarkeit. Ich hätte nie gedacht, dass das Zeug so lange hält. Noch am nächsten Morgen kann ich an mir schnuppern und es riechen. Die Sillage ist okay, kein Monster, aber vor allem in den ersten Stunden präsent.

Fazit: einen solch langen Kommentare hätte ich nie geglaubt zu verfassen. Ich bin oft abgeschweift, hatte dabei aber immer den himmlischen Still Life in Rio vor Augen, pardon... der Nase. Das heißt echt viel: anscheinend hat der Duft mir den Verstand geraubt. Er ist ein erfrischender, klebriger Sommercocktail, der gute Laune verbreitet und lange auf der Haut verweilt. Für Leute die Kokos, Rum (mit wenig Alkoholanteil) und Zitrone mögen und dabei auf dem Cocktailsglasrand den Rohrzucker wegschlecken wollen: greift zu!


04.05.2016 15:28 Uhr
6 Auszeichnungen
Ich habe mich sehr auf den Duft gefreut und mich gleich für ein Sharing eingetragen. Nun habe ich ein Pröbchen ergattert und bin froh darüber, dass das Sharing doch nicht zu Stande gekommen ist.

Ich rieche beim Testen immer zuerst am Flakon - in diesem Fall dem Pröbchen - und konnte beim Moonlight in Heaven nichts Genaues erschnuppern. Also folgte direkt ein Sprüher auf das Handgelenk. Auch da konnte ich nur wenig riechen, so nahm ich weitere Sprühstöße vor und der erste Schwung wehte mir um die Nase.

Zu meiner Enttäuschung war das so gar nicht Mondlicht, was mir dort entgegen kam. Es umgibt mich etwas Fruchtiges, Sommerliches. Wobei man natürlich auch von einer lauen Sommernacht sprechen könnte. Die Betonung liegt hier auf könnte, denn der Kilian entwickelt sich zur gemütlichen Teerunde. Ich rieche fruchtige Mango und etwas Zitrisches, später rückt die Zitrone in den Hintergrund und gibt der Mango kompletten Raum, hinzu kommen leckere Tee Akkorde. Diese übernehmen recht schnell die Überhand. Nach wenigen Stunden ist das Teelicht bereits erloschen.

Schade! Kokos nehme ich überhaupt nicht wahr und für den Preis erwarte ich eine längere Haltbarkeit und bessere Sillage.

Fazit: ein leckerer Mango-Tee-Duft, der leicht daherkommt und genauso leicht wieder verschwindet.


31.07.2015 19:27 Uhr
8 Auszeichnungen
Ich schreibe heute meinen ersten Kommentar zu einem Parfüm. Verzeiht mir, wenn es hier und da an passendes Worten und Umschreibungen fehlt. Ein Glück habe ich mir Nerocacao ausgesucht, bei welchem es sowieso nicht viel zu umschreiben der einzelnen Duftnoten gibt, da er wenig vielseitig ist. Das mag jetzt nicht vielversprechend klingen und ganz und gar nicht nach einem tollen Duft - aber das ist er! Eben diese wenigen Duftnoten machen ihn zu etwas Besonderem. Meine Umgebung fragt mich oft wonach ich denn so lecker rieche und umschreibt ihn als "Urlaubsduft", als käme ich gerade vom Strandurlaub. Mich umschmeichelt dieser Duft, er ist warm und irgendwie ein bisschen aufdringlich. Aber das mag ich. Er riecht am Anfang genauso wie am Ende, aber dafür liebe ich ihn. Wie eine leckere Süßigkeit, ein warmer Kakao mit großzügigem Vanille Shot. Ich mag mich irren, aber hin und wieder vernehmen ich etwas Zitrone, was mich im Zusammenspiel mit Kakao und Vanille an einen leckeren Kuchen erinnert. Ein Duft mit dem das Gefühl von Freiheit, Urlaub und gemütlichen Tagen in Verbindung bringt.

Der Duft ist übrigens extrem lange haltbar. Ich rieche ihn noch nach 24 Stunden, an der Kleidung sogar noch länger und meine Umgebung nimmt ihn auch stark wahr.

Edit: ich musste den Duft leider nochmal was runterstufen. Mittlerweile bekomme ich Kopfschmerzen von ihm und der Flakon liegt nur im Schrank herum. Schade! Ich weiß auch nicht wieso ich plötzlich so "allergisch" reagiere.