KankuroKankuros Parfumkommentare

1 - 10 von 43

15.11.2017 23:15 Uhr
Pierre de Velay, eine Marke welche ich die längste Zeit für unerreichbar hielt. Kreiert von Roja Dove, der die Duftformeln angeblich in einem alten Notizbuch welches er auf einem Flohmarkt erwarb fand, wird die Pierre de Velay Duftkollektion nur in der Roja Dove Haute Parfumerie verkauft, sonst nirgends auf der Welt. Zu den Parfums selbst findet man in den tiefen des Internets kaum Erfahrungsberichte, man kann sie sozusagen an einer Hand abzählen. An Proben heranzukommen ist nahezu unmöglich. Zudem klingen die ersten drei Parfums doch sehr klassisch und feminin nach Oldschool Manier. Also legte ich Pierre de Velay ad acta. Und zwar bis vor einigen Monaten. Da sah ich, dass die Kollektion ganze 8 Jahre nach ihrem Launch endlich zuwachs bekommen hat. Diese drei neuen Parfums klingen deutlich moderner als die ersten drei Exemplare, und zur No. 1 fand ich doch tatsächlich auf YouTube eine Duftbeschreibung. Desweiteren wurde mit der Lancierung der drei neuen Parfums auch die Präsentation erneuert. Kamen die Parfums bis vor kurzem noch in simplen Flasflakons mit Ballonzerstäuber, sind sie nun in schlankeren Fläschchen erhältlich, mit güldenem Verschluss und Aufkleber im Art Deco Stil. Dazu eine schwarze Holzschatulle mit Magnetverschluss, welche das kostbare Kleinod beinhaltet. Im Zuge dieser Erneuerung stieg allerdings auch der Verkaufspreis beträchtlich. Kostete ein Pierre de Velay letztes Jahr noch £195 für 100 ml Parfum (Extrait), so muss man nun deutlich tiefer in die Trasche greifen. Für 100 ml Parfum verlangt man nun £495. Ouch! Und dennoch, meine Neugierde war (mal wieder!) geweckt. Kurzerhand rief ich bei der Haute Parfumerie in London an, und bestellte den Duft, welcher einige Tage später wohlbehalten bei mir eintraf. Ein gewagter Blindkauf, das gebe ich zu! Ich kann aber sagen: Dieser Blindkauf ist mehr als geglückt!

Der Auftakt ist eine Safran Symphonie! Das edle Gewürz versprüht seinen ganzen Charm, und weiß von Anfang an zu begeistern. Schon nach wenigen Sekunden offenbaren sich mehr Aromen. Ich merke sofort: Dieser Duft geht in die orientalische Richtung, ist süß und opulent. Bergamotte? Keine Spur! Viel mehr erscheint mir hier eine Rose, die so gar nicht altmodisch oder staubig wirkt, sondern durch ihre Begleiter, Safran und einer nun aufbegehrenden Gourmandartigen Note, so samtig und seiden wirkt als würde feinster Himbeerlikör ihre Blütenblätter benetzen. Für einen Moment halte ich inne, denn dieser Duft kommt mir bekannt vor. Nach einigem Grübeln und Nachdenken, fiel es mir ein: Rose d'Arabie von Armani! Diesen Duft gab ich erst vor kurzem weg, denn auch wenn mir die Grundnote ausgezeichnet gefiel, so war mir der Duft selbst zu eindimensional und matt. Ja, No. 1 von Pierre de Velay besitzt einige Parallelen zum Armani Duft. Der Unterschied liegt in der Konzentration der einzelnen Noten. Während mir Rose d'Arabie zu eintönig erschien, ganz ohne Strahlen, kann No. 1 mich durch seine Vielschichtigkeit und seinen individuellen Charakter begeistern. Hier wirkt jede Note, als gehöre sie wie selbstverständlich in die Komposition, und dennoch zeigt jeder einzelne Akzent seinen eigenen Charm.

Nachdem die erste Notenflut vorrüber ist, beginnt der Fokus des Duftes sich zu verschieben. Die liebliche Likör-Rose ist und bleibt die Hauptdarstellerin. Sie lässt den markanten Safran in den Hintergrund rücken, und bedient sich nun des Oud. Keine Sorge, hier findet ihr kein animalisches, fäkales oder gar harsches Oud. Viel mehr bietet es einen holzig-warmen, schokoladig-süßen Grundton. Wie auch schon in anderen Roja Dove Kreationen, ist der Eigengeruch des Oud hier von der feinsten Sorte: Elegant, filigran, exotisch, ätherisch, präsent. Nun mag der ein oder andere sagen: ,,Schokolade, klingt ja schwer und erdrückend, und dann noch mit Oud zusammen?", aber keine Sorge. In No. 1 wirkt die Süße niemals überbordend, niemals wirklich schwer oder erdrückend. Dafür sorgen die floralen Noten, sie bilden das Gegengewicht, die Rose allen voran. Doch auch etwas Weißblühernektar lässt sich erkennen, vor allem das unnachahmliche Aroma der Orangeblüte spendet angenehme Spannung mit ihrem Duftprofil zwischen frisch und süß. In dieser Phase wirkt No. 1 auf mich wie duftgewordene 1001 Nacht. Exotik trifft Komfort, einhüllend, anziehend aber dennoch orientalisch und reichhaltig.

Mit der Ankunft der Basisnote, betreten wir das Territorium des Patchouli. Seit Mugler's grandiosen Angel, welcher erstmals Gourmandnoten mit Patchouli verband, wurden zahllose Varianten dieses Themas lanciert. In No. 1 vermag das Patchouli den holzigen Grundton des Oud zu verlängern, und verleiht dem Bouquet gleichzeitig einen ernsteren, erdigen Ton. Wie bereits erwähnt demonstrierte Angel seinerzeit, wie gut Patchouli mit süßen und fruchtigen Gerüchen harmoniert, und so ist es auch im Pierre de Velay Parfum: Die zuvor erwähnte Himbeerlikör-Note und die Schokoladen-Facette des Oud verschmelzen geradezu mit den Patchouli, bilden eine Harmonie ohne Gleichen. Einhüllend & elegant legt sich die Harmonie der drei Wohlgerüche über das gesamte Geschehen. Wie ein Weichzeichner wirkt sie, nimmt der Rose die letzten Kanten und integriert sie in einen immer samtiger werdende Duftschleier. Der Schleier ist Weinrot mit pinkem Glanz, etwas gold schimmert, filigran eingearbeitet. Mit dem immer deutlicheren Fokus auf das erdige Duftprofil, wird No. 1 immer unaufgeregter. Wie nach einem Abenteuer, sucht auch dieses Parfum nun Erholung und Ruhe, genießt es die leisen Töne anzuschlagen.

Vom übersprudelnden Safran Exzess mit Himbeerlikör nippender Rose, über schokoliertes, feinstes Oud, zum ruhe spendenden Patchouli. Pierre de Velay No. 1 ist ein grandioses Dufterlebnis, welches alle Probleme die ich mit Rose d'Arabie hatte auf geniale Art löst. Schillernd & Farbenfroh erhebt sich No. 1, hat ein Strahlen und trägt den Funken in sich, welcher bei der Armani Kreation deutlich fehlt. Ihr glaubt sicherlich wie erleichtert ich war, dass mir dieser Blindkauf so ausgezeichnet gefällt. Ein Duft, den ich nun nicht mehr missen mag, denn er füllt die Lücke nach einem Rose Oud auf Kuschelniveau. Und wie das so oft ist: Ist die Büchse der Pandora, oder eher des Herrn Pierre de Velay, ersteinmal geöffnet, gibt es kein zurück. Die Velay Kollektion möchte ich weiter erkunden, und all die Düfte kennen lernen. Großzügige Duftspenden in Form von Proben nehme ich gerne entgegen ;-) Wer die Pierre de Velay Kollektion ebenfalls testen mag, kommt wohl nicht daran vorbei entweder London zu besuchen, oder die Haute Parfumerie per Telefon oder Email zu kontaktieren. Ich selbst bin begeistert, aber seien wir mal ehrlich, das bin ich doch viel zu oft!


08.07.2017 21:54 Uhr
Thierry Mugler - Die Marke welche meinen Dufthorizont vor vielen Jahren erweiterte. Nachdem Gaultier's Le Mâle mir zeigte, dass Männer auch süß riechen dürfen, trieb Mugler es mit A*Men auf die Spitze, und befreite mich von meinem unerfahrenen und eingeschränkten Bild von frischen Herrendüften. Die Welt von Mugler faszinierte mich vom ersten Moment an. Dabei stieß ich ganz zufällig auf die Marke. Bei einem Besuch bei meiner älteren Schwester mit der Familie, gab sie mir eine Duftprobe, welche sie als ,,grässlich" bezeichnete. Sie überreichte mir eine kleine, hellblaue Pappe, mit schwarzer Aufschrift in Großbuchstaben: ANGEL. In geschwungenen Lettern stand am unteren Rand geschrieben: Thierry Mugler. Von der Marke oder dem Duft hatte ich zu der Zeit noch nie etwas gehört. Ich nahm die Hellblaue Phiole, und gab beherzt einen Sprühstoß auf meinen Handrücken. Ich nahm einen tiefen Luftzug von dem Duft auf. Stille. Nein. Das kann nicht sein. Sowas kann doch nicht ernsthaft... Ich fand keine Worte für die Scheußlichkeit, welche sich mir offenbarte. Ab ins Badezimmer, Händewaschen (nützte nicht viel) und die Probe in die Tasche geworfen. Dort blieb sie bis zur Heimkehr einige Tage später. Von dem Zeitpunkt an holte ich sie immer mal wieder hervor, um eine kleine Menge aufzusprühen. Angel ließ mich nicht mehr los, auch wenn ich ihn noch lange als abstoßend empfand. Doch, wie so oft, wurde aus Abneigung große Zuneigung. Und so fing ich an, alle Mugler Düfte testen zu wollen. Innocent, Eau de Star, A*Men, Ice*Men, Cologne. Alle faszinierten mich, einige mochte ich sofort, andere (wie A*Men) brauchten wieder etwas Zeit. Dann kam Alien. Erneut: Faszination, ein Duft wie von einem anderen Planeten. Es folgte Womanity. Oh je. Hier war weder Zu- noch Abneigung. Gleichgültigkeit. Das Todesurteil für einen Mugler Duft. Es blieb die Hoffnung auf den ,,Nächsten". Und der ist: Aura! Ein grandioser Flakon, ein schönes Konzept. Dieses Mal schien man aus den Fehlern die man mit Womanity machte gelernt zu haben, und wieder alles richtig zu machen. Doch nur der Duft selbst kann bestimmen, ob Aura ein echter Mugler ist, oder sich zu Womanity als lauer Durchschnittsduft gesellt.

Saftiges Grün bestimmt den Auftakt, und nie passte die Bezeichnung ,,saftig" besser als wie bei Aura's Kopfnote. Der grünen Note fehlt jede Bitterkeit, sie ist weder herb noch erdig oder erinnert sonst an irgendwelche Pflanzen. Es ist ein Grün entsprungen der Fantasie unseres inneren Kindes. Stellt euch vor, einen mystischen Nektar aus einem übergroßen Palmenblatt zu trinken. Der Nektar duftet leicht nach Minze, hat aber überwiegend eine unwiderstehliche Süße, welche ein wenig an Kugummi erinnert, wobei wir wieder bei dem inneren Kind und Kindheit wären. Diese erste, so wilde und doch köstlich saftige Mischung aus Dufteindrücken packt mich, fesselt mich, lässt mich schwelgen. Das habe ich so zuvor noch nie gerochen, das ist innovativ und riecht trotzdem unglaublich gut. Denn, wie Guy Robert einst sagte: "Un parfum doit avant tout sentir bon." (Ein Parfum muss vor allem gut riechen). Ich persönlich tue mich schwer mit Parfums, deren einziger Existenzgrund es ist, möglichst verrückt und andersartig zu riechen. Natürlich hängt eine solche Bewertung von den Präferenzen der jeweiligen Testperson ab. Doch für mich liegt der Reiz in Parfums stets im Vereinen von Innovation und Tragbarkeit. Und Aura schafft es, eine so komfortable Atmosphäre von süßem Kaugummi, mit der Fremdartigkeit von fantastischen Palmenblättern und magischem Morgentau zu verbinden. Diese erste Duftphase ist allerdings recht kurzlebig, hinterlässt dafür umso mehr das Verlangen, das Parfum erneut aufzutragen. Positiv ist, dass auch die kommende Duftphase einen unvergleichlichen Charme besitzt. Es expandiert die Orangenblüte in atemberaubendem Tempo. Ihr unverwechselbar süßes Aroma wird hier noch von einer traumhaft cremigen Vanille unterstrichen. Das gesamte Duftprofil hat etwas fast rauchiges, ist definitiv sahnig, aber auch sonnig und unbeschwert. Es schwingt noch immer ein Hauch der Kopfnote mit, gut verborgen im Hintergrund. Wir bewegen uns hier natürlich, typisch Mugler, im Bereich eines Gourmand Parfums. Da Mugler mit Angel das Genre der Gourmand Parfums 1992 ins Leben rief, darf von mir aus jede kommende Mugler Kreation ein Gourmand sein. Was Aura aber anders macht als so viele andere Gourmands, ist der komplette Verzicht auf Ethylmaltol. Pierre Aulas, kreativer Kopf der Parfumkreationen von Mugler, reagierte auf einen Duftbericht, der aussagt dass Aura nach Vanille und milchig süßen Pralinen mit Guajakholz duftet, mit folgender Aussage: ,,Aura ist definitiv Vanille lastig, auch wenn wir auf synthetisches Vanillin verzichtet haben, und stattdessen echte Vanilleschoten verwendeten, kann ich durchaus nachvollziehen, dass Aura entfernt an Desserts erinnert. Aber, es ist kein einziger Gramm Praline enthalten, nicht die kleinste Ahnung von Maltol, welches zur Zeit das Duftreich regiert. Ich habe unsere Parfumeure monatelang daran erinnert, diese Falle zu vermeiden. Warum sollten wir so töricht sein, und eben jenen Trend imitieren, den wir vor 25 Jahren starteten? [...]". Und mit diesem Kommentar erklärt sich auch direkt, warum ich in Aura diese rauchigen Anteile wahrnehme. Echte Vanille ist eben nicht einfach nur süß. Sie ist deutlich komplizierter, mit holzigen, würzigen und manchmal sogar fruchtigen und Tabak ähnlichen Akzenten. Das gefällt nicht jedem, und ist der Grund, warum Luca Turin zum Beispiel Spiritueuse Double Vanille von Guerlain nicht mag. Ihm nach riecht dieser zu sehr nach echter Vanille, mit allen Vor-, aber auch allen Nachteilen. In Aura nehme ich tatsächlich Komponenten wahr, die mir auch in Spiritueuse Double Vanille untergekomnen sind. Ich kam von selbst nicht darauf, den Vergleich zu machen. Erst durch die Aussagen von Pierre Aulas erinnerte ich mich an Luca Turin's Meinung zu Guerlains doppelter Vanille. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, oder eher von der Nase.

Ich fasse zusammen: Aura beginnt magisch grün, saftig-süß. Er driftet ab in einen Orangenblüten und Vanille gefluteten Traum, in welchem sich die würzige Vanille mit all ihren natürlichen Komponenten durchsetzt, ohne dass die fantasiereiche Startnote je gänzlich verklingt. Ein Traum!

Endlich ist Mugler wieder auf den richtigen Weg zurück gekehrt. Mit Aura zeigt das Haus einmal mehr, dass die Parfumeurskunst noch nicht tot ist, und auch der Mainstream noch spannendes bieten kann. Wer süße Düfte nicht mag, wird mit Aura nicht glücklich, so viel steht fest. Aber Aura als einen simplen Gourmand Duft zu bezeichnen wäre ungerecht, denn er ist so viel mehr.


10.01.2017 10:47 Uhr
Zoologist, so muss ich zugeben, hatte ich nach dem Testen der ersten fünf Düfte wieder ad acta gelegt. Der Inhaber und Gründer, Victor Wong, ist ein sympathischer Mensch, umso mehr tat es mir damals leid, als keines seiner Parfums mein Herz erobern konnte. Mein Fazit war: Kreative und komplexe Parfums, die allerdings nicht meinen Geschmack treffen. Trotzdem, ich blieb neugierig. Denn die Flakons, mit den Tierabbildungen, sind einfach niedlich & elegant. Eine grandiose Idee, dieses Konzept. Aber eben leider nichts für mich. So dachte ich, bis Mr. Wong auf Facebook die Veröffentlichung von Nightingale und Macaque ankündigte. Verliebt habe ich mich, und zwar sofort. Die Illustration der Nachtigall, die Geschichte dahinter, die Duftnoten. Ja, das alles sprach mich sofort an. Als dann die Proben der beiden bei mir eintrafen, und Nightingale auf meinen Handrücken traf, da war die Entscheidung bereits getroffen: Den muss ich haben! Nachdem Nightingale eingetroffen war, las ich auch schon von "Civet", der nächsten Neuerscheinung. Na wunderbar, der klingt genauso wundervoll wie schon Nightingale! Sobald ich einige Erfahrungsberichte zum Civet gelesen hatte, und er dann am 31.12.16 in den Verkauf ging, zögerte ich noch etwas. Doch nur einige Tage später, bestellte ich Civet blind, inklusive Seidenschal mit Zibetaufdruck. Da konnte ich nicht widerstehen. Nun aber wieder zurück zur Nachtigall, denn um die geht es hier schließlich. Der Duft wurde kreiert von Tomoo Inaba, einem japanischen Duftfan, der einen eigenen Blog betreibt, und sich über die Jahre das Handwerk des Parfumeurs selbst beibrachte. Nightingale ist sein erstes Werk, ursprünglich für sich selbst kreiert. Zoologist beschreibt das Parfum als "Pflaumenblütenchypre" mit Oud. Klingt spannend, ist es auch. Aber nicht wegen des Oud, so viel sei schon verraten.

Nightingale offenbart sich nicht von Anfang an in seiner ganzen Komplexität. Zunächst rieche ich einen sprudelnden Mix aus Frucht- und Zitrustönen. Süß, säuerlich und etwas herb mutet diese erste Duftwolke an, und erinnert mich doch tatsächlich an Ahoj Brause! Man mische die Sorten Himbeere und Zitrone, et voilà! Kindheitserinnerungen pur, das sage ich euch. Ist Nightingale also der perfekte Ahoj Brause Duft? Nun, so einfach ist es dann auch wieder nicht. Denn wo die original Brause nach einem süß-saurem Schaumspektakel abklingt, beginnt Nightingale erst, sich zu öffnen. Hinter der fruchtigen Fassade liegen Geheimnisse verborgen, deren Abgründe sich nur jenen zeigen, die sich auf dieses Parfum einlassen. Rasch nach dem Auftragen, es vergehen nur ca. 2-3 Minuten, mischen sich gleich mehrere neue Eindrücke in das Geschehen ein. Zum einen haben wir das Veilchen, dessen pudriges Antlitz ich auszumachen glaube. Unterstützung bekommt es von Safran, so vermute ich, denn Nightingale wirkt nicht nur pudrig, sondern fast schon etwas staubig, ohne aber abgestanden zu erscheinen. Beeindruckend finde ich, dass die zitrische Komponente aus der Kopfnote nahtlos in die Herznote übergeht. Natürlich könnte ich es dabei belassen. Zitrus in Kopf- und Herznote, schön! Aber, ich wäre ja kein Parfumo, wenn mich nicht die Frage interessieren würde, wie das dem Parfumeur Tomoo Inaba gelang. Ein Blick auf die Duftnotenpyramide, verrät mir, dass Rose im Parfum enthalten sein soll. Und wie wir wissen, enthält Rosenöl den Duftstoff Citronellol. Dieser hat ein zitrisches Rosenaroma, welches eventuell für die deutlichen Zitrusanklänge in der Herznote von Nightingale sorgen. Alternativ könnte es sich selbstverständlich auch um Geraniol handeln, welches im Allgemeinen als deutlich zitrischer bezeichnet wird. Es stammt von Geranien. Soviel zu den Chemiekenntnissen eines Laien. Wahrscheinlich liege ich völlig daneben, aber das Spekulieren macht einfach Freude! Zurück zum Duft, denn hier tut sich noch mehr. Neben der pudrig-zitrischen Fruchtblumennote tauchen graue Holztöne auf, spenden Schatten und nehmen dem Duft etwas von seiner Säure. Noch mehr geerdete Schattigkeit bahnt sich langsam den Weg in den Vordergrund, doch bevor ich dazu komme, möchte ich erwähnen, dass ich in Nightingale kein Oud riechen kann. Es fehlt der medizinische Aspekt, auch animalische Facetten suche ich vergebens. Kein Anzeichen vom sinnlichen, schmeichelnden Edelholz. Und das ist auch gut so. Obwohl Oud mir persönlich oft ausgesprochen gut gefällt, schätze ich zur Zeit am Meisten Parfums ohne das sagenumwobene Adlerholz. Nightingale benötigt es nicht, denn statt modernem Oud, erwacht nun ein anderer Star unter den Parfumingredienzen. Zugegeben, diese Berühmtheit ist etwas in die Jahre gekommen, dennoch hat es nichts von seinem düsterem Charme eingebüßt. Es handelt sich natürlich um das Eichenmoos. Nightingale wandelt sich zur Basisnote hin ganz dramatisch. Wo anfänglich noch die aufbrausenden Früchtchen mit zitrischen und pudrigen Blumenakzenten herumtollten, wird der Ton nun ernster, der Duft an sich wirkt gediegen und in sich gekehrt. Das Moos übernimmt Schritt für Schritt die Komposition, bis es, nach vielen Stunden, endgültig alle anderen Noten unter sich begräbt. Wir haben hier Eichenmoos der feinsten Sorte: Erdig, dunkel, sogar etwas Tintenartig, und doch strahlt es jene Finesse aus, derer wir uns in Vintage Parfums nicht selten erfreuen. So kann ich hier durchaus Parallelen zu Guerlain's Mitsouko ziehen, oder aber auch zu Clinique's Aromatics Elixir oder Roja Dove's Fetish pour Femme (welches leider nicht mehr erhältlich ist). Letzterer war ein Eichenmoos Hammer, von Kopf bis Fuß, der Duft verströmte pures, bitteres Moos Feeling, abgeschmeckt mit Bibergeil. Bevor ich aber in eine Lobeshymne für Fetish einstimme, widme ich mich lieber wieder der Nachtigall. Denn diese erinnert mich in der Endphase immer mehr an die großen Chypredüfte vergangener Zeit. Durch das Moos hindurch schimmern immer noch Anklänge von pudrigen und floralen Tönen. Eine Traumhafte Note! Tomoo Inaba hat mit diesem Duft, welcher sein erster ist, bewiesen, dass er ein vielversprechendes Können besitzt. Ein Parfumeur, der sich selbst die Kunst der Parfumerie beigebracht hat, kreiert einen so wundervollen, klassischen Duft. Hut ab!

Sillage sowie Haltbarkeit von Nightingale sind mehr als zufriedenstellend. Was für ein komplexer Duft, wie eine Wand aus Schleiern, offenbart er sich nach und nach, als würde man immer wieder einen Schleier entfernen. Jede Phase bietet einen anderen Eindruck, und dennoch gehen sie nahtlos ineinander über. Nightingale ist lebendig, scheint zu atmen. Ein Parfum wie es eigenwilliger in der heutigen Zeit nicht sein könnte. Man könnte meinen, das wäre zu viel des Guten, doch der Erfolg spricht für Victor Wong. Er teilte mir auf Facebook mit, dass Nightingale sich schneller verkäuft, als alle anderen Parfums zuvor. Freilich war das vor der Veröffentlichung von Civet. Nun, wem würde ich empfehlen Nightingale zu testen? Instinktiv würde ich sagen: Allen! Ob man nun Chypre Düfte mag, oder nicht, das ist völlig egal. Zoologist bietet immer wieder Überraschungen und kreative Kompositionen. Auch wenn die Parfums euch nicht gefallen, so ist es doch allein um der Erweiterung des eigenen Dufthorizont willen empfehlenswert, die gesamte Linie zu testen.


29.07.2016 20:47 Uhr
Mit Agonist verbinde ich, wie mit so vielen Nischenmarken, die Anfänge meiner Parfumleidenschaft. Damals, 6 Jahre ist es nun her, war Agonist noch viel exklusiver als heute. The Infidels war zu der Zeit der einzige erhältliche Duft, und das auch nur im exklusiven und hochpreisigen Glaskunstwerk. Nachfüllungen gab es zwar, aber nur für jene, die bereits einen der exklusiven Skulpturen erworben hatten (Das Konzept wurde mittlerweile geändert, und alle Düfte sind in schlichten aber schönen 50 ml Flakons erhältlich). Ich war sehr neugierig auf dieses so unereichbare, luxuriöse Parfum, und schrieb kurzerhand eine Email an Agonist mit der Frage, ob es möglich wäre eine Probe käuflich zu erwerben. Die Antwort kam schnell, sehr freundlich, die Probe wurde mir kostenlos zugesandt, sehr großzügig! Und so behielt ich Agonist immer im Hinterkopf, denn The Infidels blieb mir als ausgezeichneter Duft in Erinnerung. 6 Jahre später schlug ich bei einem Sale auf der Agonist Webseite zu, und sicherte mir Vanilla Marble zu einem guten Preis. Getestet habe ich den Duft kurz zuvor, als ich ein Probenset der Marke bestellte. Neben The Infidels, welches ich mittlerweile nicht mehr wiedererkenne (siehe meinen Kommentar zum Duft), konnte ich die gesamte Linie testen. Es blieben mir Dark Saphir, N°10 White Oud und Vanilla Marble im Kopf. Auch Isis ist schön, doch ähnelt er Chopard's Cašmir zu sehr, mit einem Schuss La vie est belle. White Oud wurde der Duft meiner Mutter, er steht ihr ausgezeichnet. Dark Saphir schwebt noch im Hinterkopf, vielleicht wenn Santal Royal mal aufgebraucht ist. Vanilla Marble aber ist ein Duft, wie ich ihn schon immer suchte. Eine Vanille, süß und köstlich, ohne dabei zu simpel zu sein, oder nach Plastik zu riechen. Eine solche Vanille zu finden, das war nicht einfach. Sicher, es gibt sowohl bei den Drogeriedüften, im Designerbereich, sowie in der Nische unzählige Interpretationen der Vanille. Die Schönsten sind meiner Meinung nach: Cuir Beluga, Shalimar, Eau de Shalimar, Spiritueuse Double Vanille, Lira, Tobacco Vanille und L de Lolita Lempicka. Aber neben diesen wenigen Vanilledüften, habe ich auch zahlreiche, sehr schlechte getestet. Manches Mal dachte ich schon, dass Vanille mir vielleicht doch nicht so gut gefällt, wie ich dachte. Denn die meisten ihrer Gattung gefielen mir nicht. Aber mittlerweile sehe ich es so: Vanille ist nicht gleich Vanille, und daher sehe ich mich statt eines Banausen einfach als Connoisseur! Daher gefällt mir nicht jede Vanille! Nun kommt Vanilla Marble, und ich kann jetzt schon verraten: Er reiht sich in die obige Liste der besten Vanille Parfums ein!

Vanilla Marble ist puristisch, süß, alkohlisch-grün, exotisch blumig und vor allem intensiv. Eindeutig spielt hier das Dreigestirn aus Mandeln, Tiaré und Vanille die Hauptrolle, nur so kann ich mir diesen fulminanten Auftakt erklären. Meist nehme ich einzelne Noten nicht so wahr, wie viele andere das können, aber hier sind die drei Kopfnoten ganz klar erkennbar, sie ziehen sich durch den gesamten Duft, und geben bis zum Schluss den Ton an. Die Vanille macht natürlich den Grundton aus: Süß, cremig, köstlich. Die Mandel verleiht den grünen Akzent, der deutlich ins alkohlische geht; und die Tiaré wirkt kokosartig und etwas indolisch, eben ein typischer Weißblüher. So entsteht die verträumte Fantasie vom weißen Marmor, von dem es tatsächlich eine Variante gibt, die sich "Vanilla Marble" nennt. Marmor, so finde ich, hat etwas erhabenes, elegantes, aber auch etwas distanziertes und kühles. Im Duft Vanilla Marble repräsentiert die süße Vanille das Erhabene, während die alkohlische Mandelnote die Kühlheit ausstrahlt. Das passt, so finde ich, sehr gut zum Material, welches dem Duft als Inspiration diente. Fabrice Pellegrin, der Kreateur von Vanilla Marble, tat gut daran, all der opulenten Süße nicht nur die Mandelnote entgegenzusetzen, sondern er nutzt auch die herbe Fruchtigkeit der Feige. Sie ist nicht besonders kräftig, drängt sich nicht auf, doch sorgt sie eindeutig für einen fast schon salzigen Eindruck, welcher unerwartet gut in die Komposition passt. Süß, alkohlisch, tropisch, und nun auch etwas salzig. Süß und salzig, diese Kombination kann gut gelingen, sie kann aber auch ordentlich daneben gehen. Davon kann Fabrice Pellegrin selbst, so glaube ich, ein Lied singen. Sein Womanity, welches er für Mugler kreierte, spielt ebenfalls mit dem Konzept salzig-süß. Und wie wir alle wissen, fand Womanity nicht sonderlich viele Anhänger. Zu synthetisch, kratzig und herb-fruchtig-salzig wirkt er auf mich, weshalb ich ihn auch als einen Fehltritt im Kapitel Mugler Düfte sehe. Ein Jahr später griff Herr Pellegrin das Thema süß-salzig wieder auf, und dieses Mal achtete er viel besser auf die Balance zwischen den Beiden Gegensätzlichen Noten, und siehe da: Es ist ihm gelungen! Oder vielleicht doch nicht? Vanilla Marble erfreut sich, wenn ich mir die Kommentare auf verschiedenen Parfumseiten anschaue, ebenfalls keiner großen Beliebtheit. Er wird oft als künstlich und wenig hochwertig wirkender Vanille Einheitsbrei bezeichnet. Das kann meine Nase nicht nachvollziehen, denn Vanilla Marble, wenn auch kein hochkomplexer Duft, ist keinesfalls eindimensional. Die subtilen Facetten, die Spannung zwischen süß und salzig-grün, das ist großes Kino! Und dem noch nicht genug, geht die Entwicklung noch weiter! In der Basisnote soll australisches Sandelholz enthalten sein. Wie wir alle wissen, ist Sandelholz aus Mysore (Santalum album) heutzutage unfassbar hochpreisig, und schwer zu bekommen. Das liegt daran, dass die Bäume fast ausgestorben sind, so stark war die weltweite Nachfrage nach dem indischen Sandelholz Öl. Und so nutzen die meisten Hersteller heute entweder synthetischen Ersatz, wie zum Beispiel Polysantol, oder die australische Variante (oder eben eine Kombination aus beiden). Wie das hier in Vanilla Marble aussieht, weiß ich nicht, ich rieche aber dennoch eine holzige Note, die der cremigen Süße keinen Abbruch tut, aber dennoch etwas die Salzigkeit ausbremst, sowie die Schärfe der Mandel mindert. Natürlich verschwinden diese beiden Eindrücke nicht, viel mehr werden sie eins mit dem Sandelholz, und so verschiebt sich das Duftprofil von süß-salzig-grün zu süß-holzig. Die Tonkabohne ist hier nicht direkt auszumachen, ich vermute aber, sie sorgt für die Verlängerung des Mandel Aromas. So sitze ich hier nun, den Handrücken an der Nase klebend, und genieße das intensive Bouquet, mit all seinen feinen Nuancen und Andeutungen. Und wenn ihn sonst keiner will, so findet das Parfum eben bei mir ein zu Hause.

Es ist alles gesagt! Vanilla Marble ist ein verkanntes Meisterwerk, oder meine Nase einfach eine verkannte Niete. Was auch immer es ist, dieser Duft fasziniert mich, er ist auf eine simple Art und Weise Vielschichtig und sorgt bei mir für gute Laune. Er ist perfekt, wenn ich mich wohl fühlen möchte, und sogar wenn es wärmer ist, wirkt er nicht überladen. Agonist und Fabrice Pellegrin haben zusammen etwas wunderschönes geschaffen, ich möchte diesen Duft nicht mehr missen.

Nachtrag: Ich vergaß im Intro einen ganz wundervollen und einzigartigen Vanilleduft zu erwähnen. Es ist L'Heure Perdue von Cartier. Eine Vanille wie dampfender Milchschaum, mit holziger Basis. Wunderschön!


29.07.2016 15:23 Uhr
Roja Dove ist immer wieder ein Thema in den Parfum Communities der Welt, und es zeichnen sich ganz klar zwei Lager ab: Jene, die Rojas Düfte lieben, und jene, die sie kategorisch ablehnen. Und wenn ich ehrlich bin, ich kann es voll und ganz nachvollziehen, dass Roja, welcher die wandelnde Verkörperung von "Bling, bling" ist, mit seinen extrem hochpreisigen und nicht minder mit Glitzer und Bling beladenen Düften nicht jeden positiv erreicht. Ich selbst kenne einige Parfummarken, die mich einfach nicht ansprechen, oder deren Konzept, Design und Schöpfer auf mich unsympathisch wirken. Und schließlich dient es doch der Diversität, wenn wir alle ganz unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen haben, auch was Parfummarken angeht. Was gefällt mir eigentlich an Roja Parfums so gut? Zum einen die Flakons, das streite ich nicht ab. Aber nicht nur die Flakons sind wundervoll, die Düfte selbst haben etwas an sich, das mich anzieht. Sie sind nicht die typischen Nischendüfte, die manchmal nach allem Möglichem, aber nicht nach Parfum riechen, sondern haben fast immer einen klassischen Touch. Manch einer mag sagen, das ist langweilig. Aber mir persönlich gefielen die allzu ausgefallenen Kreationen der Nische sowieso nicht. Da freut es mich, mit Roja Parfums eine Marke gefunden zu haben, die Nische und Klassische Parfümerie vereint. Doch genug davon. Es begab sich im Juni, als ich auf Facebook sah, dass Roja Dove einen exklusiven Duft für Selfridges kreiert hat. A Midsummer Dream, ein orientalischer Duft, der die zauberhafte Welt aus Shakespeares "A Midsummer Night's Dream" in duftender Form einfangen soll. Der speziell für das Parfum angefertigte Aufkleber auf der Frontseite ist wirklich schön gestaltet, mit Pan, dem Hirtengott. Mal wieder hat die Versuchung mich überwältigt, und ich bestellte A Midsummer Dream blind. Was erwartet mich also bei A Midsummer Dream? Orientalisch, süß & warm, sagt Roja. Was sagt meine Nase?

Meist nehme ich die Zitrusnoten, welche Roja in fast all seinen Düften verwendet, garnicht wahr. Seine Parfums neigen dazu von einer solch dichten und komplexen Opulenz zu sein, dass jeder möglicher Zitrusakzent nicht klar wahrnehmbar ist. Bei A Midsummer Dream erwartete ich ebenfalls keine große Arie der Agrumen, denn wenn Roja eine seiner Kreationen als orientalisch bezeichnet, dann erwarte ich mittlerweile olfaktorische Schwergewichte. Umso überraschter war ich, als mir nach dem ersten Sprühstoß auf die Haut, eine zitrische Symphonie beginnt. Die bittere Grapefruit erkenne ich besonders gut, an ihrer Seite spielt ein erdig-frischer Akzent. Ja, da war ich tatsächlich ersteinmal perplex. Die Namengebung, das Design und die Beschreibung vom Maestro selbst deuteten auf ein sinnlich, süßes Traumbouquet hin, und nun habe ich hier einen eher frischen Duft vor mir. Kann das sein? Jetzt heißt es: abwarten. Nicht selten dreht sich ein Parfum um 180 Grad, und verändert sich so sehr, als wären Kopf- und Basisnote zwei verschiedene Kompositionen. A Midsummer Dream verändert sich tatsächlich, wenn auch nicht dramatisch. Die Grapefruitfrische wird nun wesentlich wärmer, wobei ich erwähnen muss, dass der Duft von Anfang an recht warm und geerdet wirkt. Als sommerliche Erfrischung à la Eau de Cologne würde dieser Roja nicht taugen. Dafür ist er wirklich nicht erfrischend genug. Zunächst konnte ich die Quelle der warmen Note nicht ausmachen, sie war mir zu diffus und undeutlich. Mit voranschreitender Zeit legt sie sich über das gesamte Duftgeschehen, und offenbart sich somit immer mehr. Ich meine hier Akzente von tiefgrünem, samtig weichem Moos zu erahnen. Es ist weder bitter noch modrig, wie bei manchem Chypre Klassiker, sondern schmeichelt der Nase. Unterstützt wird dieser verzaubernde Akkord von einer floralen Note, etwas rosig und blütensüß. Was mich in diesem Moment so überrascht, ist die Langatmigkeit der Zitrusnote, und da fällt mir ein, dass auch Elemiharz in der Notenliste von A Midsummer Dream angegeben ist. Das Duftprofil von Elemi wird oft als zitronig und waldartig bezeichnet, und genau dieses Leitmotiv zieht sich deutlich von Anfang an durch A Midsummer Dream. Zusammen mit den eben genannten Moos und Blumennoten, entsteht die perfekte Illusion: Das Bild einer Sonnendurchfluteten Lichtung in einem verzauberten Märchenwald. Aromatisch, grün, samtig, süßlich, zitrisch, leicht fruchtig. Roja Dove hat diesen verzauberten Wald auf eine magische Art und Weise in Duftform gebracht. Und nun verstehe ich auch, warum A Midsummer Dream als ein orientalisches Parfum bezeichnet wird. Orientalisch muss nicht immer gleich eine Mischung aus Vanille, Leder, Moschus, Tonkabohne, Benzoe, Zimt oder gar Gourmand Noten à la Schokolade, Karamell oder Pralinen andeuten. Beim Testen und Tragen dieses Roja Parfums wird mir deutlich, dass transparente und grüne Noten, die an sich ja eher in den Chypre und Fougère Familien anzutreffen sind, so verarbeitet werden können, dass sie orientalisch im Sinne von exotisch und magisch wirken, eben wie der Märchenwald im Sommernachtstraum. Sieht man es von diesem Blickwinkel, ist A Midsummer Dream ein grün-floraler Orientale. Das bestätigt sich mit dem Eintreffen der Basisnote. Hier wird der Ton etwas erdiger, das Moos verliert ein wenig von seinem samtenen Gefühl, hier bringt etwas Pfeffer trockenheit und eine feine, sinnliche Würze ins Geschehen. Dadurch wirkt der Duft nun etwas trockener. Das bewirkt auch, dass mich das Gefühl beschleicht, ich habe so eine ähnliche Kompositionsstruktur schonmal erlebt. Eine ganze Weile brauchte ich, und dann wusste ich es wieder: Amouage! Die Herrendüfte von Amouage sind ebenfalls orientalisch, aber oft untypische Vertreter ihrer Art. Trocken, holzig, würzig, rauchig, grün, moosig. Der Vergleich ist durchaus berechtigt, denke ich, auch wenn Amouage eher der olfaktorische, weinrote Brokatvorhang ist, während A Midsummer Dream wie ein in verschiedenen Grüntönen schimmerndes Chiffontuch im Wind wirkt. Wem das Grundkonzept einiger Amouage Düfte gefällt, der könnte auch gefallen an Rojas Komposition finden. Statt Peitsche bekommt man hier Zuckerbrot, und das gefällt mir außerordentlich gut. Die Zartheit der gesamten Komposition macht süchtig, ich möchte den Duft am Liebsten immer und immer wieder aufsprühen, um den Verlauf der Noten erneut zu studieren. Es fasziniert mich einfach, dieses samtweiche, grüne Zauberelixir.

Roja und ich, das wird eine große Liebe! Hier muss ich mich einfach wiederholen, und diesen Satz, den DaveGahan101 als Überschrift seines wundervollen Kommentars verwendete, auch in meinen Bericht einbauen. Bei den Parfums des Herren Dove habe ich immer das Gefühl, etwas besonderes zu riechen. Auch wenn mir so mancher Duft auch garnicht gefällt, fallen seine Kreationen immer in eine Kategorie, die mich fasziniert: Die bereits genannte Mischung aus Klassik und Nische. Und mit jedem neuem Roja, wächst die Merkliste, und mit jedem den ich teste, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder unvernünftig werde, und zu viel Geld ausgebe. Aber genau das muss es doch sein, was Mr. Dove sich wünscht. Dass seine Elixiere die Menschen verzaubern, und nicht mehr los lassen. Ich bin in die Falle getappt, und bereue es nicht. Als nächstes möchte ich gerne "O - The Exclusive Parfum", "Britannia" und "Taif Aoud" testen, die drei stehen ganz oben auf meiner Liste. Aber was rede ich da? Eigentlich steht jeder Roja ganz oben auf meiner Liste!


31.05.2016 19:12 Uhr
2016

Den folgenden Kommentar schrieb ich im Jahr 2010, als Agonist noch ein ganz junges Label war, dass einige, wenige Parfum Kreationen in schwedischen Glas Skulpturen verkaufte. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Parfums, die man in wesentlich erschwinglicheren 50 ml Spray Flakons erwerben kann.

Es sei erwähnt, dass ich The Infidels heute ganz anders wahrnehme, als noch vor 6 Jahren. Meine Erinnerung an den Duft, sowie die unten aufgeführte Beschreibung passen so gar nicht zum Geruch in der Probe, welche ich im Probenset von Agonist fand. Der frische Lavendel Auftakt ist noch da, aber die mit Kreuzkümmel gespickte Tonkabohne fehlt vollständig. Spielt mir die Erinnerung einen Streich? Oder wurde der Duft reformuliert? Es steht fest: 6 Jahre später empfinde ich The Infidels wesentlich schlanker, weniger elegant und deutlich ätherischer und frischer als noch 2010. Wo ist der Charakter hin, wo die animalische, süße Würze? Es müssen all die zuckrigen Gourmands sein, die mir den Geruchssinn vernebelt haben, wer weiß.

2010

Agonist, wem dieser Name kein Begriff ist, der sollte nun gut aufpassen. Denn auch mir waren die Parfums dieser Marke bisher nicht bekannt. Nur durch Zufall bin ich auf die wunderschönen Flakons aufmerksam geworden und habe angefangen, Informationen über diese kleinen Kunstwerke zu finden. Agonist ist ein schwedisches Unternehmen und vereint Glaskunst mit luxuriösem Parfum. Ihre Werke sind von der Melancholie und der Schönheit von Film, Poesie und Literatur schwedischer Ikonen inspiriert. Ihr erstes Werk kreierten sie in Zusammenarbeit mit Åsa Jungnelius, es ist ,,Kallocain”. Dieser war in limitierter Version nur kurze Zeit erhältlich, ist ausverkauft. Das Nachfolgewerk nannte man ,,The Infidel”. Zwei Flakons, einer stellt den männlichen, der andere den weiblichen Teil dar. Auch dieses kleine Kunstwerk ist limitiert, aber noch erhältlich. Und jetzt kommt die schöne Geschichte: Die beiden Flakons von The Infidel stellen die Eltern für den Flakon von ,,The Infidels” dar. Der Duft ist jedoch in beiden Flakonversionen identisch. Einige Zeit suchte ich verzweifelt nach einer Probe, die Suche blieb aber erfolglos. Und nur dank der freundlichen Mitarbeiter von Agonist war es mir möglich, das Parfum zu erleben, zu entdecken. Man ließ mir eine Probe zukommen, zusammen mit einer persönlichen Notiz auf edlem Briefpapier und dem Hinweis, dass ich mich bei Fragen jederzeit an den Creative Director des Unternehmens wenden kann. Das ist Service! Doch nun zum Duft, denn um ihn geht es in diesem Bericht.

The Infidels offenbart sich zunächst als frisch, leicht zitrisch mit trockener Lavendelnote. Die Bergamotte erfrischt das Geschehen und so strahlt der Duft Leichtigkeit aus. Das überrascht mich etwas, anhand anderer Reviews und der Duftnotenpyramide erwartete ich einen eher würzigen Start. Stattdessen bekomm man die Frische der Provence. Die schwarze Johannisbeere wirkt hier leicht bitter, was sehr gut zum Lavendel passt. Diese angenehme Frische hält sich gute 3-5 Minuten, ehe der Kreuzkümmel beginnt sich einzumischen und die ersten animalischen Beiklänge erahnen lässt. Welch interessante Wendung! Eine tierische Note hinter einer frischen Wand, das sieht man nicht alle Tage. Kreuzkümmel ist dafür bekannt scharf und schweißartig zu riechen. Je nach Mischung und Mischverhältnis kann das Ergebnis angenehm animalisch wirken, aber auch abstossend. In The Infidels duftet der Kreuzkümmel genau wie er duften muss: Scharf und animalisch, trotzdem angenehm. Eric Moraldo fand genau die richtige Balance zwischen trockenem Lavendel und provozierender Würze. Die Kopfnote verflüchtigt sich, aber das Cumin bleibt erhalten und durchzieht als dominantes Element das Herz. Die anfängliche Schärfe wird abgesoftet durch einen florale Note (Magnolie) und Tonkabohne, welche einiges an cremiger Süße einbringt. So entsteht der Eindruck, man betrete die Gemächern zweier Liebender, am Morgen danach. Die Luft ist heiß und schwül und es ist noch etwas Parfum von der ereignisreichen Nacht zu erkennen. Eine äußerst erotische Ausstrahlung geht von The Infidels aus, anziehend und magisch. Dessen Bann kann man sich schwer entziehen. Das Parfum von Agonist fesselt und begeistert, außerdem hüllt es ein, wird eins mit seinem Träger. Der vielschichtige Duft zeigt all seine Facetten und beeindruckt mit einem fast schmerzhaft sinnlichen Fond. Hier vereinen sich Amber und Labdanum mit feinstem Patchouli und einem zarten Beiklang von Leder. Eine erdige Note erhebt sich, wirkt tief und luxuriös. Selten empfinde ich erdige Duftnoten als luxuriös, aber in The Infidels hat Eric Moraldo das Patchouli gezähmt, anstatt ihm zu erlauben, zu staubig zu wirken. Nein, hier wirkt nichts abgestanden oder alt. Und mit ,,gezähmt” meine ich nicht etwa, aller Ecken und Kanten beraubt. In Infidels wurden keine modernen Designermoleküle verwendet, man setzt bei Agonist auf naturnahe und hochwertigste Rohstoffe. Bemerkenswert ist, dass sich das Eau de Parfum auch jetzt noch verändert, nach so vielen Stunden! Der animalische Geruch kehrt zurück, dieses Mal nicht scharf, sondern eher anschmiegsam. Vielleicht kennt jemand von euch diese Art von Parfum. Sie strahlen sehr viel erotik aus, jeder der daran riecht erkennt das sofort und doch sind sie so weich wie eine Kaschmirdecke. Ich erlebe solche Kombinationen nur selten. Wenn sie aber auftauchen, dann schaffen sie es oft nicht, die beiden gegensätzlichen Attribute perfekt ausbalanciert zu vereinen. The Infidels – die Ungläubigen! Die Zusammenkunft von Luxuria und Superbia, denn einer Person, welche dieses erstklassige Parfum trägt, kann man durchaus Wollust und Stolz zutrauen.

Und so ist auch der Name ,,The Infidels” perfekt gewählt. Denn Agonist hat der Sünde einen Duft gegeben. Aber nicht nur der Duft ist Sünde, das ist auch der Flakon, welcher an sich schon ein kleines Kunstwerk ist. Jeder dieser Kunstwerke ist Handgefertigt von Åsa Jungnelius und daher kommt auch der sündhaft hohe Preis. Für 50ml Eau de Parfum in besagtem Flakon zahlt man 407€. Eine astronomische Summe (Anmerkung aus der Zukunft: Roja Dove... Hysterisches Lachen.), die aber für Liebhaber von feinstem Parfum und Glas wohl kein Hindernis für einen Kauf sind. Zudem kann man den jederzeit Nachfüllungen für den Flakon für ca. 75€ bestellen, was ich persönlich als Investition in die Zukunft sehe. 75€ gibt man eher als 407€ aus.

The Infidels ist das erste ,,Parfum Nordique” das ich testete und ich muss sagen, es hat sich gelohnt! Gefährlich, ausschweifend, sinnlich, weich – Das wollüstige Verlangen, versteckt hinter der unschuldigen Frische der Provence. The Infidels ist überraschend und wiegt die Nasen in Sicherheit, bevor es sein wahres Wesen zeigt. Doch nicht alle Menschen empfinden diesen Duft als angenehm. Die extremste Reaktion war die Aussage, dass Infidels nach toten Tieren riecht. Das überrascht mich garnicht, denn mir war von Anfang an bewusst, dass nicht jeder von der tierischen Wonne der ungläubigen überzeugt ist. The Infidels ist ein Eau de Parfum und als solches sehr intensiv. Fast zu intensiv, ich hätte instinktiv eher Extrait de Parfum vermutet (2. Anmerkunf aus der Zukunft: 6 Jahre später wird es als ,,Parfum" verkauft, riecht aber dünner). Und nun verstehe ich auch, warum man beim Flakon auf einen Sprühkopf verzichtet. Aufgesprüht würde der Duft unangenehm und stark wirken. Denn bei mir genügen wenige Tropfen um lange zu riechen, auch die Duftaura ist überzeugend.


03.04.2016 18:27 Uhr
Mahora - Ein Name der im Hause Guerlain mit Misserfolg, hohem Marketing Aufwand, großen Kosten aber auch dem sich Zurückziehen des Jean-Paul Guerlain verbunden wird. Nachdem Samsara in 1989 schon andeutete, in welche Richtung Jean-Paul Guerlains Parfums gehen werden, florale Sinnlichkeit, geht Mahora noch einen großen Schritt weiter! Trotz der Skepsis die viele Guerlain Anhänger Samsara gegenüber äußerten, wurde der Duft erfolgreich. 1999 durfte der Meister dann noch einmal ans Werk, und sollte den neuen großen Wurf für Guerlain bringen. Der Schritt in das neue Millenium war schließlich ein wichtiger, und um zu vermeiden dass es wie bei Champs-Élysées zum Aufschrei der Fans kommt, weil nicht Jean-Paul den Duft kreierte, verpflichtete man ihn von Anfang an für das neue Projekt. Was dann geschah wissen wir alle, für weitere Informationen verweise ich gerne zu Monsieur Guerlain, oder dem Kommentar von Coriolon. Nach allem was geschah, zog sich Jean-Paul aus dem Unternehemen zurück und ging in den Ruhestand. Soweit so tragisch. Weil ich nun auch endlich wissen wollte, wie großer Misserfolg riecht, habe ich mir eine 75 ml Flasche Eau de Parfum und eine 12 ml Flasche Parfum von Mahora zugelegt. Selbst wenn es mir nicht gefällt, so habe ich immerhin ein seltenes Produkt, welches ich verschenken oder verkaufen kann.

Endlich habe ich ihn nun vor mir, der letzte Duft von Jean-Paul Guerlain, der aufwändig auf dem Weltmarkt präsentiert wurde. Sein letztes Werk bevor er sich in den Ruhestand begab. Mir gehen in diesem Moment sehr viele Gedanken durch den Kopf, vor allem aber ergreift mich eine fast ehrwürdige Aufregung. Mahora wird vielerorts als das schlechteste Guerlain Parfum bezeichnet. Wenn so viele Stimmen in Einigkeit gegen ein Parfum sprechen, dann muss es doch schlecht sein, oder? Es gibt nur einen Weg das zu Überprüfen. Auf den rechten Handrücken einen Sprühstoss Mahora Eau de Parfum, auf den linken Handrücken einige Tropfen Mahora Parfum. Gleißend hell, intensiv und narkotisierend; so begrüßt mich Mahora. Ohne Zweifel, das ist ein exotischer Blumenduft wie er im Bilderbuche steht. Die Kombination von Tuberosen, Jasmin, Ylang-Ylang und Mandelblüten ist positiv überwältigend, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. All dieser süßen Blumigkeit stellt sich recht schnell ein Gegenspieler entgegen, der die undurchdringbare Blütenfülle auflockert. Ob es sich um die mysteriösen ,,grünen Noten" handelt, vermag ich nicht zu sagen. Ich vermute aber viel eher das es sich um das Vetiver handeln könnte, welches in der Basisnote von Mahora gelistet ist. Denn dieser olfaktorische Gegenspieler verleiht Mahora einen erdigen, ja fast salzigen Akzent. Manch einer beschreibt diese Note als abgestandenes Blumenwasser, mich erinnert sich viel mehr an von der Sonne erwärmte, gebräunte Haut, mit langsam trocknendem Salzwasser überzogen. Dazu gesellt sich die exotische Süße der Blüten, wie Sonnenöl auf der warmen Haut. Ein Effekt den ich so noch nicht in einem tropischen Blütenparfum erlebt habe. Oft decken die nur den Part der süßen Blumen ab, Jean-Paul Guerlain aber zeigt uns, dass man das Thema noch deutlich komplexer umsetzen kann. Mit cremigem Sandelholz und verführerischer Vanille akzentuiert er die bereits vorhandenen Noten, und macht den Duft gleichzeitig weicher und zugänglicher. Wo Mahora zu Beginn noch etwas unnahbar durch die gleißend helle Blütennote und den erdig-salzigen Vetiver Beiklang wirkte, legt sich die Basisnote wie ein Weichzeichner über das Geschehen. Das Parfum zeigt seine freundliche und versöhnliche Seite, süß, exotisch, weich klingt die Mahora Melodie nun, und lässt mich einfach nicht mehr los. Was mir in dieser Duftphase besonders auffällt: Trotz der eher lauten Natur des Duftes, zieht sich durch den gesamten Verlauf Eleganz und Raffinesse. Und genau das, so finde ich, qualifiziert Mahora dazu Stolz den Titel ,,ein echtes Guerlain Parfum" zu tragen.

Nun möchte ich mich noch ganz Speziell dem Extrait de Parfum von Mahora widmen. Die obige Beschreibung gilt dem Eau de Parfum, das Parfum, wie so oft bei Guerlain, riecht die Extrait Version etwas anders als sein Eau de Parfum Gegenstück. Bei Mahora empfinde ich das Extrait als noch blumiger, süßer, exotischer und blendender. Wenn die Wand aus tropischen Blumengirlanden euch schon im EdP störte, dann nehmt Abstand vom Parfum. Der grüne Gegenspieler ist in dieser Version wesentlich schwächer, als gehe er im Blütenmeer völlig unter. Viel mehr nehme ich hier den fast alkoholischen Geruch von konzentriertem Marzipan wahr. Einerseits sorgt dieser für noch mehr opulente Gourmand Akzente, aber gleichzeitig übernimmt er auch die Rolle des erdenden Vetivers, denn es ist der säurehaltige Anteil den das Marzipan hat, der hier als Gegenspieler wirkt. Monsieur Guerlain schreibt, dass Mahora einer der seltenen Guerlain Düfte ist, bei denen das Eau de Parfum dem Parfum vorzuziehen sei, da bei ersterem deutlich mehr Duftnoten zu erkennen sind. Ich persönlich mag beide Versionen, ziehe aber das Parfum dem Eau de Parfum vor, da ich den zusätzlichen Marzipan Akzent wundervoll finde. Mehr ist mehr, nicht wahr? Und gerade bei einem Gourmand Liebhaber wie mir stimmt das erst recht! Mahora Parfum ist Sonnenöl Exotik pur!

Ganz und garnicht empfinde ich Mahora als einen schlechten Duft. Er ist wundervoll, eigensinnig, nicht immer einfach, aber hat viel Charackter. Genau die Eigenschaften, die in modernen Parfums leider so oft fehlen. Warum dann war Mahora ein Flop? Zur Jahrtausenwende gab es genau zwei Dufttrends: Die neu gestartete Gourmand Welle, angeführt von Angel, und die Gegenbewegung, aquatische Anti-Parfums, wie L'Eau d'Issey. Die Parfums zu dieser Zeit waren also entweder sinnlich-erotisch, oder unschuldig und sauber. Mahora aber passt in keine dieser Kategorien. Sein tropisch-exotisches Blütenherz aus Tuberose schien den Menschen zu sonnig, zu kräftig, zu gleißend hell zu sein. Auf eine gewisse Art und Weise hat Mahora ja auch etwas mit Poison von Dior gemeinsam. Diese vollblutige Tuberose dominiert beide Parfums. Vielleicht war auch diese "80er Jahre Parfum" Assoziation der Tod der sonnigen Schönheit aus dem Hause Guerlain? Es wird sicherlich nicht nur einen Grund geben, viel mehr müssen wohl mehrere Faktoren schief gelaufen sein. Die Zeit war für neue Parfums wohl auch einfach nicht gut. Schaut man sich an, welche Düfte um 1999 und 2000 auf den Markt kamen, so sind viele von ihnen heute nicht mehr erhältlich. Gucci Rush, Gaultier Fragile, Armani Mania, Biagiotti Tempore, YSL Baby Doll, Joop! Rococo, Westwood Libertine; um nur ein paar zu nennen. Auch wenn die genannten Parfums nicht alle nach nur zwei Jahren wieder eingestellt wurden, so zeigt doch allein die Tatsache dass sie heute allesamt nicht mehr erhältlich sind deutlich, dass die Jahrtausendwende Parfumtechnisch gesehen für die Hersteller keine einfache Zeit war. Nach einer Findungsphase und Umgestaltung des Unternehmens, konnte Guerlain sich glücklicherweise wieder fangen, und lancierte mit L'Instant de Guerlain einen hervorragenden Duft, welcher dem traditionsreichen Unternehmen die Zukunft sicherte. Ende gut, alles gut!


29.01.2016 22:00 Uhr
Und nun - Der dritte und letzte Duft aus der neuen Profumi d'Amore Kollektion vom König des Bling Bling: Roja Dove! Man kann über ihn, seinen Kleidungsstil, seine Produkte und die Preise die er dafür verlangt sagen was man will. Seine Parfums aber sind fast immer ein Erlebnis. Natürlich gibt es, wie in jeder Parfumkollektion, auch einige wenige, die mich nicht sehr begeistern. Wie zum Beispiel Reckless pour Homme. Oder aber die Parfums de la Nuit Kollektion. Das sind keinesfalls schlechte Parfums, aber für mich einfach nicht die Besten, die Roja im Sortiment hat. Was ich aber behaupten kann: Die Profumi d'Amore Kollektion gehört zum Besten, was Roja Dove bisher kreiert hat. Dieses Mal sind es keine animalischen Kracher getränkt in süßen Frucht- und Gourmandnoten, wie in der Tutti Frutti Kollektion, sondern drei ganz unterschiedliche Parfums, die von der Liebe erzählen. Amore Mio - My love! Der Beginn einer Liebe. Mir fällt heute aus, ich habe die drei Parfums in falscher Reihenfolge getestet! Begonnen habe ich mit Un Amore Eterno, dem finalen Kapitel der Kollektion; weitergemacht mit der Liebeserklärung ,,Ti Amo". Und heute nun der Beginn der Geschichte. Was fühlt man in dem Moment, in dem man sich verliebt? Und wie kann man diesen Moment olfaktorisch interpretieren? Roja Dove hat die Antwort.

Amore Mio ist von Beginn an so zart, beflügelt und unschuldig, wie der Moment in dem man sich verliebt. Schmetterlinge im Bauch, die ganze Welt scheint in ein neues Licht getaucht zu sein. Waren die Blumen im Park um die Ecke schon immer so schön? Dufteten sie auch gestern bereits so unwiderstehlich nach reiner Freude am Leben? Jasmin, Gardenien, Orangenblüten... Egal! Diese berauschende Cremigkeit, so simpel und doch so verzaubernd und warm, sie nimmt mich gefangen. Das intensive Bouquet ist nicht rein floral, weiter Akzente verstecken sich zwischen den Blüten. Das Gesamtbild kommt der sauberen, gepflegten Note von Nivea Creme sehr nahe. Die Strahlkraft aber ist um einiges größer als von Nivea Creme, oder dem Nivea Eau de Toilette. Wann immer ich für einen kurzen Moment abgelenkt vom Schnuppern am Handrücken bin, steigt kurz darauf direkt wieder Amore Mio in meine Nase. Sillage ist also genügend vorhanden. Das Abdanken der Kopfnote kündigt sich mit dem Auftauchen immer sinnlicherer Noten an. Es ist keine große Veränderung, die Amore Mio durchmacht. Es ändern sich nur Nuancen. Das reicht mir persönlich schon, denn hier ist die Grundnote zum säufzen schön, warum sollte er sich also drastisch ändern? Roja hat gut daran getan, die Unschuld von Anfang bis Ende in den Mittelpunkt von Amore Mio zu stellen. Und während ich hier so von der Unschuld des verliebt seins plaudere, und von ihrem verzaubernden Duft rede, schleicht sich doch tatsächlich eine fast nur zu erahnende, animalische Note an. Wie ein schwarzer Panther auf einem schneebedeckten Feld fällt sie mir trotz ihres schleichenden, eleganten Ganges sofort auf. Das hier ist animalische Verlockung auf Samtpfoten Level, also nichts, was Lieschen Müller beim Nähen aus der Ruhe bringen würde. Ihr würde Amore Mio übrigens ausgesprochen gut stehen. Seien wir ehrlich, es steckt doch in uns allen etwas Lieschen Müller. Heutzutage sind wir alle individuell, frei und rebellisch. Wir sind Millennials und Egotaktiker, die alles in Frage stellen. Ganz schön anstrengend! Manchmal ist es also ganz entspannend, einfach mal durchschnittlich zu sein. Jetzt bin ich kurz abgeschweift, es sei mir verziehen. Was hat das alles mit Amore Mio zu tun? Nun, Amore Mio ist zwar kein Durchschnittsduft, aber er fordert auch nicht heraus. Er ist angenehm in seiner Komposition, außergewöhnlich in Haltbarkeit, Sillage und Qualität. Man kann sich in diesem unkomplizierten Duft ganz einfach fallen lassen, sich von ihm umschmeicheln lassen. Besonders die bereits zuvor genannten Akzente, die sich im zunächst vorherrschenden Blütenbouquet verstecken, kommen nun deutlich mehr zum Vorschein. Da ist meine geliebte Vanille, flüstert mir sanft ins Ohr. Süßlich verführerisch wird sie umspielt von einem Hauch von Rum und dem mandelartigen Wohlgeruch der Tonkabohne. Wie bei allen Profumi d'Amore Kreationen, hat Roja Dove auch in Amore Mio die seidig-samtige Eleganz der Iriswurzel eingearbeitet. Sie muss für den von Anfang an so einmalig eleganten Charakter des Parfums verantwortlich sein, dennoch spielt sie hier nicht die Hauptrolle, sondern unterstützt lediglich die Hauptcharaktere. In der Basis wird sie etwas kräftiger, nachdem die Weißblüher ihr Pulver verschossen haben. Etwas Sandelholz veredelt die Vanille - Iris - Tonka Kombination, und sorgt somit auch für eine gewisse Ähnlichkeit zu Ti Amo's Basisnote. Für wen ist Amore Mio nun geeignet? Für alle, die saubere, cremige, warme Parfums mögen; die sowohl floral, als auch orientalisch warme Bestandteile in sich verbinden. Mir persönlich ist das Parfum zu soft und blumig. An der richtigen ,,Lieschen Müller" ist er aber einfach nur Traumhaft.

Es war mir eine große Freude alle drei Parfums von Profumi d'Amore testen zu können. Ich bereue es nicht die drei 7,5 ml Discovery Sprays gekauft zu haben, auch wenn sie kein Schnäppchen waren, so kann ich alle drei Düfte nun weiterhin genießen, und dann endgültig die Entscheidung zu treffen: Welcher ist meiner? Der unschuldige, floral-vanillige Schmeichler: Amore Mio? Oder eher der leidenschaftliche, heiß-würzige Kakao auf Rosenblüten: Ti Amo? Oder aber es wird der trocken-pudrige Iriswurzel Duft mit Lederakzenten: Un Amore Eterno? Das wird sich noch zeigen, auch wenn ich im Moment stark zu Ti Amo tendiere. Der hat alles, was ich in einem Parfum suche, und das ganz ohne Oud. Ich danke allen, die meine Kommentare verfolgt haben. Sillage und Haltbarkeit von Amore Mio sind überdurchschnittlich stark.


28.01.2016 23:02 Uhr
Ti Amo - I love you - Ich liebe dich. Roja Dove kreierte diesen Duft, um den Moment einzufangen, in dem man den schönsten Satz der Welt einer geliebten Person gegenüber ausspricht. Ich liebe dich, so viel Macht steckt in diesen drei Worten. Aufrichtig ausgesprochen können sie Seelen heilen. Genauso können diese drei Worte auch verwendet werden, um Menschen zu manipulieren. Liebe macht bekanntlich blind. Roja versuchte sebstverständlich eine aufrichtige Liebeserklärung in duftender Form festzuhalten. Wie duftet denn so ein Geständnis der Liebe? Oder anders gefragt: Wie würde ,,Ti Amo" bei anderen Parfumherstellern riechen? Bei Chanel würde sie nach vollblütigen Gardenien duften. Bei Dior nach karamellisierter Rose. Guerlain würde zu diesem Thema eine Arie aus zärtlicher Vanille mit samtigen Fruchtakzenten kreieren, und Mugler hätte Angel einfach in einem roten Flakon verpackt und neu präsentiert (Ups, haben sie ja schon!). Aber bei Roja Parfums? Da konnte ich mir einfach keine Vorstellung machen, wie Herr Dove an das Thema rangeht. Die Notenpyramide hilft leider auch nicht weiter, denn wie so oft bei Roja Parfums ist sie überladen, ein Überblick kaum Möglich. Das könnte in alle möglichen Richtungen gehen. Da hilft also nur eins: Der Live Test! Den habe ich gewagt, und eines sei bereits verraten: Ich habe meine Seele an Ti Amo verloren!

Ti Amo zeigt sich im Auftakt zunächst feurig würzig, die Schärfe des Ingwers trifft auf Kreuzkümmel und Zimt. Ein kleines Inferno der Leidenschaft entfaltet sich, unerwartet aufbrausend zeigt sich diese Interpretation einer Liebeserklärung. Vielleicht stellt diese ,,brennend heiße" Gewürznote das innere nervöse Brennen dar, welches man verspürt kurz bevor man seinem Schwarm die Liebe gesteht. Das finde ich eine sehr romantische Vorstellung. Was aber kommt nach der Liebeserklärung? Im Besten falle wird die Liebe erwidert, ein süßeres Gefühl gibt es nicht. Was also geschieht nun im Verlauf von Ti Amo? Genau, die feurigen Gewürze haben ihr Pulver verschossen, das hektische Durcheinander legt sich. Und hinter all dem zeigt sich eine Note, die für mich die reinste Form der Versuchung und Leidenschaft darstellt: Sündhaft dunkle Kakaobohne, verfeinert mit der scharf-süßen Würze von Zimt. Es bleibt selbstverständlich auch etwas vom animalischen Kreuzkümmel übrig, was ungemein gut zum Thema Liebe und Leidenschaft passt. Kreuzkümmel kann in Parfums oft unangenehm schweiß-artig wirken. Beispiele hierfür sind Harrods Oud von Bond No. 9 oder Al Oudh von L'Artisan Parfumeur. Dort, unterstützt von anderen ebenfalls ,,schmutzigen" Duftnoten, wirkt das Gewürz, welches gerne in der indischen Küche verwendet wird, wie alter Schweiß. Glücklicherweise ist Ti Amo davon ganz weit entfernt. Diese verruchte Facette steht dem Kakao gut, macht den Duft erst so richtig spannend und aufregend. In dieser Kombination habe ich das schwarze Gold noch nicht erlebt, und bin ganz entzückt von all der knisternden Sinnlichkeit. Es vereinen sich unschuldige Köstlichkeit und körperliche Lust. Perfekt ausbalanciert, niemals zu schmutzig, niemals zu belanglos. Nach ungefähr 1,5 Stunden beginnen sich sanftere Töne durchzusetzen. Es entsteigt ein Bett aus Rosenblüten den Tiefen des Parfums, wie gemacht für den Kakao sich darauf niederzulassen. Dazu gesellen sich Jasmin und Orangenblüten, und akzentuieren mit ihrem weiße Blüten Charme das Duftgeschehen. Cremig, seidig, wärmend umspielt Ti Amo nun meine Nase. Erstaunlich wie aus dem feurig würzigem Kakaofeuerwerk nun ein so einnehmend, intensiv cremiger Schmeichler wurde. Nehme ich den Duft von etwas weiter weg wahr, so erscheint er vanillig, rieche ich direkt an der parfümierten Hautstelle, ist noch eindeutig ein Rest der anfänglichen Würze vorhanden. Ein wahrlich vielschichtiges Dufterlebnis. Mit dem Auftauchen der Basisnote, wird Ti Amo deutlich pudriger. Die Pudrigkeit ist eindeutig der Iriswurzel geschuldet, Roja Dove sagte in einem Interview, dass sie zu seinen Lieblingsnoten zählt. In der Profumi d'Amore Kollektion setzt er sie in großen Mengen ein, und verleiht den drei Düften damit ihren seidig-eleganten Charakter. Aber nicht nur die Iris hat in der Basis von Ti Amo ihren großen Auftritt, sondern auch eine Holzart, welche in der richtigen Kombination einfach himmlisch duftet: Sandelholz! Tatsächlich erinnert mich die Basis von Ti Amo etwas an das legendäre Samsara Dreiklang aus Jasmin, Rose und Sandelholz. Wo Samsara aber etwas rauchig und deutlich klassisch riecht, ist Ti Amo plüschig und einhüllend, modern aber nicht belanglos. Für mich eindeutig der interessanteste, opulenteste und schönste der drei Profumi d'Amore Parfums. Die Basisnote des Parfums verweilt für viele, viele Stunden auf der Haut, lässt meinen Geruchssinn einfach nicht los. Ein Duft, in dem man sich einfach fallen lassen möchte. Vom rasanten, hektischen Tanz der Gewürze, zum leidenschaftlichen Herzschlag der dunklen Kakaobohne, bis hin zum kuscheligen Liebesnest der Basis; erzählt Ti Amo eine Geschichte, die jeder einmal erlebt haben sollte.

Meine Seele ist verloren, Ti Amo hat sie mir genommen, und ich finde das auch noch wunderbar! Zu welchem Preis ich meine Seele wieder freikaufen kann? Die Antwort findet ihr auf rojaparfums dot com. Spaß beiseite - Dieses Parfum ist wie kein zweites. Individuell aber tragbar. Aufbrausend aber ruhig. Opulent aber simpel. Ti Amo vereint die Gegensätze, indem der Duft die spektakulärsten Entwicklungen durchläuft, die mir je begegnet ist. Drei verschiedene Parfums wurden zu einem vereint, und das ganze wirkt auch noch harmonisch und zusammengehörend. Das ist wahre Parfumeurskunst, und ich schwelge in Bewunderung. Ganz anders als Un Amore Eterno, der dezent und leise ist, mit nur wenig Sillage; sprudelt Ti Amo nur so über vor Glanz und Strahlung. Drei kleine Sprühstöße aus meinem 7,5 ml Discovery Spray sind mehr als genug, mich den ganzen Tag zu parfümieren. Immer wieder steigt mir eine wärmende Duftwolke in die Nase, und das auch noch nach einem langen Arbeitstag. So soll es sein, so kann es bleiben! Wieder einmal volle Punktzahl für Roja Dove.


27.01.2016 22:29 Uhr
Amore Mio - Ti Amo - Un Amore Eterno. Drei Liebesgeschichten die eine Trilogie bilden. Vom sich verlieben, über das Liebesgeständnis, bis zum Versprechen, sich für immer zu lieben. Das repräsentieren die drei neuen Düfte von Roja Parfums. Wie mit jedem Launch von Roja Düften haben sich auch beim Launch der Profumi d'Amore Kollektion einige spöttische und teilweise auch abfälligen Kommentare zu den Neulingen angehäuft. Zu viele neue Düfte, heißt es. Da könne doch die Qualität nicht mehr gleichbleibend hoch sein, sagen einige. Nun, ob Roja Dove zu viele Düfte in einem zu kleinen Zeitraum veröffentlicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Das soll bitte jeder Hersteller so handhaben, wie es seiner Verkaufsstrategie am Besten passt. Und so lange die Düfte mir gefallen, egal ob es alle drei Jahre nur einer ist, oder jeden Monat drei; ist mit die Anzahl der Veröffentlichungen egal. Nun aber zurück zur Kollektion Profumi d'Amore. Für die neuen Düfte der Leidenschaft hat Roja eine neue Verpackung kreiert. Die Parfums werden in rot lackierten Holzboxen präsentiert, mit weißer Seide und Echtgold Plakette verfeinert. Aufgrund dessen vermutete ich hier Preise im Bereich der 800€ - 1500€. Glücklicherweise lag ich da falsch, und auch wenn die drei Neulinge noch immer mit zu den hochpreisigsten auf dem Markt zählen, so verlangt Roja immerhin etwas weniger als für die drei Tutti Frutti Ouds.

Un Amore Eterno - Die ewige Liebe. Eine Flamme der Leidenschaft die auf ewig brennt. Wie riecht die Interpretation der ewigen Liebe von Herr Dove? Der Auftakt hält weder Zitronen, noch irgendwelche anderen, zitrischen Noten bereit. Un Amore Eterno ist von Anfang an opulent. Pudrig, fast staubig, herb und ledrig muten die ersten Momente des Duftes an. Etwas verwundert halte ich inne. Was will Roja uns mit dieser Art von Duft zum Thema ,,ewige Liebe" sagen? Staubige Liebe? Ledrige Liebe? Das Interpretieren überlasse ich lieber den philosophisch begabteren Individuen. Was den Duft angeht ist eines jetzt schon sicher: Er ist spannend, individuell und nicht alltäglich. Sicherlich mischt hier auch bereits Safran mit, und auch das Veilchen, welches nicht selten ein wenig angestaubt duftet, steuert hier ihr wundervolles Odeur bei. Allen voran aber ist die Iriswurzel der Star in Un Amore Eterno. Immer wieder fasziniert mich ihr vielfältiges, komplexes Duftprofil. Von pudrig über staubig bis hin zu seidig und elegant entstehen mit dieser Duftnote die feinsten Düfte überhaupt. Chanel ist bekannt dafür, in fast jedem ihrer Extraits Iriswurzel zu verwenden, um die Chanel typische Aura von diskreter Eleganz zu erreichen. Gleichzeitig kann die Iris aber auch kühl und distanziert wirken, mit ihrer manchmal pflanzlich-grünen Art. In Un Amore Eterno aber wirkt sie von Beginn an warm und umschmeichelnd. Schon wenige Momente nach dem Aufsprühen, beginnt der zuerst herbe Eindruck zu schmelzen. Die Iris bekommt Unterstützung in Form von einer Kakaobohnen Note. Die Süße ist somit nicht zuckrig oder gar direkt schokoladig, sondern begeistert mich mit einem etwas rauchigem Charakter. Diese Wärme tut der Komposition gut, und vermag es mich so richtig zu begeistern. Während ich noch im ,,Kakaoiristraum" schwelge, schleicht sich die florale Sinnlichkeit von reinen, weißen Blüten an. Anfangs noch kaum bemerkbar, bildet diese Note, in welcher die Jasminblüten am deutlichsten zu erkennen sind, gemeinsam mit der Iriswurzel und der Kakaobohne ein Dreigestirn der einschmeichelnden Zärtlichkeit. Mit Worten kann ich garnicht beschreiben, wie seidenweich & elegant, warm & luxuriös Un Amore Eterno duftet. Zugegeben, beim ersten Test hat mich die etwas unbarmherzig ledrige Kopfnote abgeschreckt. Wie so oft versteckte sich hinter der harten Fassade dann doch ein weiches Herz. Eine Eigenschaft, die alle Roja Dove Parfums gemeinsam haben, ist die durchgehend hohe Qualität der Kompositionen. So oft schon habe ich ein Parfum aufgesprüht, und war vom Charme der Kopfnote ganz entzückt; nur um kurze Zeit später nur noch einen blassen, nicht selten künstlichen Schatten des zuvor so großen Duftes auf meiner Haut zu finden. Das ist mir bei einem Roja Parfum noch nicht passiert. Bei der Preisklasse darf das auch nicht sein, trotzdem erwähne ich es hier, denn viele Nischendüfte auch jenseits der 250€ Marke leiden an eben jener ,,Krankheit". Un Amore Eterno behält seinen wundervollen Duftcharakter, wird sogar mit voranschreitender Zeit noch deutlich schöner. Viele Stunden sind nun vergangen, der Duft beginnt nun in die finale Phase seiner Entwicklung einzutreten. Warme Würze greift aus der Tiefe nach der Komposition, bekommt sie zu fassen und hüllt sie ein in einen Schleier aus gänzlich zarter Gewürznelke. Alle anderen Noten, von denen Roja immer reichlich auflistet, sind ein ineinander verwobenes Ganzes, das ich nicht zu entschlüsseln vermag. Die Leidenschaft der ewigen Liebe, eingefangen in einem Parfum? Ja! Ja! Und nochmal: Ja! Dieser Traum aus pudrigen, herbsüßen und prickelnd warmen würzigen Noten verdient nur eines von mir: Bewunderung!

Ach Mensch, ein neuer sündhaft teurer Duft auf der Wunschliste... Dabei war Un Amore Eterno zunächst nur auf Platz 3 von 3. Jetzt sitzt er gemeinsam mit Ti Amo auf dem Thron namens Nummer 1! Seufzend rieche ich wieder und wieder an meinem Handrücken. Wunderschön! Seitdem ich in die Welt der Roja Parfums eingetaucht bin, werde ich immer wählerischer was Parfums betrifft. Immer öfter meine ich auch bei hochpreisigen und exklusiven Nischendüften schlecht gemachte Akkorde und Basisnoten zu erkennen. Erst heute habe ich Honour Woman von Amouage getestet. Der Auftakt war ganz wunderbar, mit Tuberose und Gardenie - ein elegantes Meer aus weißen Blüten. Und nach nur 1 Stunde: Alles ist in sich zusammengefallen! Die Blüten riechen nach Lufterfrischer, eine unangenehm künstliche Fruchtigkeit ruiniert alles. Bilde ich mir das alles nur ein? Es geht aber nicht nur mir so. Auch Elchen50, meine Mutter, erlebt dieses Phänomen, seitdem sie Fetish, Gardenia, Enslaved und Beguiled kennen gelernt hat. Eines ist aber ganz klar: So lange wir solche ,,Probleme" haben, geht es uns sehr gut, und dafür sind wir dankbar! Wer die Gelegenheit bekommt, die Profumi d'Amore Kollektion zu testen, sollte das tun. Wie immer sind die Düfte keine animalischen Kracher, die sich der klassischen Parfümerie rebellisch entgegenstellen. Wer aber offen ist für sinnlich süße Parfums, die dennoch nicht Gourmand sind, wird sicher Freude an diesen drei Neulingen haben. Abschließend noch ein paar Worte zu Haltbarkeit und Sillage: Die Haltbarkeit von Un Amore Eterno ist sehr gut, er hält sich überdurchschnittlich lange auf meiner Haut. Die Sillage ist im oberen Mittelfeld, es handelt sich hier nicht um einen lauten, sondern um einen dezenten Begleiter. Liebe findet immer einen Weg, und muss nicht schreien.


1 - 10 von 43