KellnerKellners Parfumblog

30.09.2017 20:01 Uhr
22 Auszeichnungen

Seit einiger Zeit habe ich ein Duft-Proben-Paket von "biehl. kunstwerke". Ich habe mich nach und nach durch alle acht Düfte geschnuppter. Im Verlauf der Zeit habe ich das Gefühl bekommen, mehr als nur ein kurzes Statement darüber schreiben zu müssen. Jetzt bin ich beim letzten Duft des Paketes (the male collection) angekommen und es ist die richtige Gelegenheit für eine Rückschau.
Die Düfte tragen einige, interessante Ideen in sich. Ich wünsche mir oft mehr Wumms, mehr Kraft, mehr Durchschlag oder einen "Jetzt-bin-ich-sprachlos-Effekt". Aber das funktioniert hier nicht.
Die Düfte tragen keine eigenen, sprechenden Namen. Sie sind mit Initialen und einer Nummerierung versehen. Nach eigenem Verständnis wollen die Düfte als Kunstwerke betrachtet werden. Die Autorenschaft wird durch die Initialen besonders betont. Das muss der Rezipient, der Träger der Düfte beachten. Es reicht nicht aus, festzustellen: der Duft gefällt mir, gefällt mir nicht. Das ist zu wenig.
Dem recht preiswerten Päckchen ist neben einem kleinen Stapel Probestreifen auch noch ein kleines Blatt mit Erklärungen aller Duftproben beigefügt. Das ist wie eine kurze Anleitung zum Verstehen der Kunst. Wir erhalten kleine Hinweise zur Interpretation des Werkes.


Die Düfte rasen mit dem Träger in Sekundenschnelle an andere Orte, auf eine Terasse an einem Sommerabend in Venedig (gs02), in einen Dschungel voller grüner und reifer Früchte (pc01), zu einem Picknick im Frühsommer in einem lichten Birkenwäldchen (al03) oder in die Oper (eo02). Oder eben auch mitten auf einen Rummel (pc02). Da steht der Zuckerwattenstand direkt neben der Maronenbude und karamellige Süße verbindet sich mit verwehtem Rauch.
Während ich hier sitze und schreibe, habe ich mir, nach und nach, alle von meiner Nase erreichbaren Stellen meiner Arme mit den einzelnen Düften besprüht. Ich schnuppere mich immer wieder von einem Duftflecken zum nächsten. Das ist auch eine Form von Rummel-Bummel. Auf meinem Weg von einem Flecken zum anderen, geistern meine Gedanken ganz frei umher. Mir kommt noch eine andere Assoziation.
Die acht Düfte in dem Probenpaket sind wie eine Koje einer Kunstmesse, der leider nicht mehr statt findenden Art fair in Köln. Dort haben junge Galerien ihre Künstler ausgestellt. In jeder Koje gibt es Experimentelles, Bewegendes und der Betrachter wird gefordert.
Kunst kostet Geld. Wenn man ordentlich Geld hingeblättert hat, für ein Kunstwerk, dann hängt man es sich auch an die Wand. Und dann soll das Ding gefällist das tun, wofür es da ist: Gefallen, Provozieren oder was der Käufer sonst für eine Absicht hat. Mit den Probenpaketen haben wir eine tolle zusätzliche Chance: wir können Neuland entdecken.
Ich freue mich auf meinen nächsten Rummel-Bummel, meinen nächsten Galeriebesuch, das nächste Probenpaket.

3 Antworten

Ehe ist historisch gewachsen.
Ehe und auch Familie (familia) haben sich über mehr als zwei Jahrtausende entwickelt. Die Kirche selbst hat Ehe und Familie in ihrer Anfangszeit als heidnisches(!) Konstrukt abgelehnt. Später hat man sich den gesellschaftlichen Bestrebungen gebeugt und beides für sich annektiert. Ehe und Familie sind soziale Konstrukte, die einer Entwicklung und einem Wandel unterliegen. Keine gesellschaftliche Gruppe hat ein Anrecht darauf, zu bestimmen, wie die gesellschaftliche Entwicklung aussieht. Diese Entwicklung entsteht aus der Gesellschaft heraus.

Es ist gut, diese Entwicklungen aufzugreifen und institutionelle System daran anzupassen.
Das ist ein Schritt in die Zukunft. Und das ist gut so.

Danke für das Parfumo-Herz!

11 Antworten
26.04.2017 19:36 Uhr
39 Auszeichnungen

Seit geraumer Zeit mache ich mir Gedanken über meinen Signaturduft. Was ist ein Signaturduft? Ein Duft, der mich ausmacht, der mich beschreibt, der zu mir passt, der mit mir in Verbindung gebracht wird, nach dem ich rieche? Ein Duft, der wie eine Unterschrift ist, der diese Bedeutung für mich und für andere hat. Ein Duft also, der Ausdruck und Identifikation bietet.

Nur...welcher Duft soll es sein? Nix mit Kokos. Das ist ja wie kleine Kringel als i-Punkte. Geht gar nicht. Was kommt in Frage? Bei jedem neuen Duft schwingt sie mit, die Frage: ist das mein Signaturduft. Nicht irgendein Favorit, sondern der Eine.

Je weiter ich in die weiter Parfumwelt eintauche, desto mehr merke ich, dass ich mir keinen Signaturduft aussuchen kann. Ein Signaturduft wird kein Duft sein, der mir besonders gut gefällt; davon gib es viele. Auch kein Duft mit einer hohen Bewertung oder mit coolen Besprechnungen. Das ist es alles nicht. Ich erwarte mehr, ein kleines, besonderes, einzigartiges Quentchen mehr.

Was will ich denn dann? Ich erwarte so etwas wie Selbstverständlichkeit. Vor einiger Zeit habe ich geheiratet und einen neuen Namen angenommen. Und das hat dazu geführt, dass ich auch eine neue Unterschrift benutzen musste. Die Unterschrift ging nicht mehr so nebenbei. Dabei musste ich mich konzentrieren. Die neue Unterschrift war nicht mehr meine ureigenste Unterschrift. Gleichzeitig reden und den Namenszug auf ein Blatt Papier werfen ging nicht mehr (geht auch heute noch nicht richtig).

Jetzt wird es langsam konkret. Es geht nicht um ein tolles, beeindruckendes Parfum. Es geht um Bei-sich-sein, um Wohlfühen, um Sich-zuhause-fühlen. Der Duft soll eine Verbindung zu meiner inneren Welt herstellen. Es geht um das Gefühl: Das ist richtig. Es soll mein Innerstes nach Außen kehren.

Das will ich: ich rieche den Duft und alles in mir sagt: Ja!.

Ich nehme den Flakon in die Hand und es fühlt sich so glatt und gewohnt an wie ein Kiesel, den ich schon seit Jahren in meiner Hosentasche umhertrage.

Wenn ich gefragt werde, welches Parfum ich trage, dann soll der Name gut und selbstverständlich sei.

Ich will doch nichts Unmögliches?

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, also quasi in meinen 20ern, da hatte ich so einen Duft, der ein Ausdruck von mir war. Da gab es einen tief empfundenen Wunsch nach diesem einen Duft. Dieser Duft ist ein warmes glänzendes Statment. Für mich. Über mich. Wer mich kennt, der weiß, dass ich Ébène von Balmain meine.

Nein, das passt heute nicht mehr. Zugegebenermaßen: wenn die Bude brennen würde, dann würde ich alles Lebendige retten und meine Flasche Ébène. Die ist mir heilig. Aber heute ist eine andere Zeit.

Ich ahne schon ein wenig, was mein Signaturduft im neuen Jahrtausend werde könnte, der Duft zu dem ich sagen kann: Das ist mein Duft! Das soll sein, wie nach Hause kommen. Solange wir das aber unter uns noch nicht geklärt haben, wird mein Statement Ébène sein.


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