KingLuiKingLuis Parfumkommentare

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KingLui vor 7 Monaten 35
10
Duft
10
Haltbarkeit
8
Sillage

Zu schön, um wahr zu sein (Achtung, jetzt wird's kitschig)
Als ich die zehnte Klasse beendete, wählte ich Chemie mit einer 4 ab, weil ich pubertätsbedingt irgendwann mal nicht aufgepasst hatte und es mir schnell unmöglich wurde, den Anschluss wiederzufinden. Chemie war seither für mich ein unlösbares Rätsel und mein Wissen beschränkt sich auch heute noch rudimentär darauf, dass ich den Unterschied zwischen einem Atom und einem Molekül kenne und gerade noch verstanden habe, was es mit den Elektronen auf sich hat, was Oxidation und Reduktion sind.

Jetzt, wo ich Confetto kennengelernt habe, wünschte ich, ich hätte in der Schule besser aufgepasst und müsste das, was die Duftmoleküle da treiben, nicht für Hexerei halten.

Wie kann das sein, dass Profumum Roma es als erste und einzige auf der ganzen Welt geschafft haben, eine haltbare Anisnote zu entwickeln? Und mit haltbar meine ich, dass sie in den Haaren über mehrere Tage deutlich wahrnehmbar bleibt!

Und wie haben sie es geschafft, dass Confetto nasenscheinlich nur aus zwei Duftnoten besteht - Mandel und Anis - und dann trotzdem zu den außergewöhnlichsten, schönsten und originellsten Düften mit hohem Wiedererkennungswert gehört, die ich kenne?

Warum ist Confetto gleichzeitig präsent und subtil? Es ist, als wäre Confetto kein Parfum, sondern ein Gefühl. Menschen in meiner Umgebung sagen: "Was riecht hier auf einmal so schön?", ohne zu erkennen, dass das ein Parfum ist. Als wäre Confetto immer da und doch nie zu viel.

Und wie ist es möglich, dass sich die klare farblose Flüssigkeit mit der Zeit in Rosa verwandelt? Wer kann mir das erklären?

Ich glaube, das ist alles nicht wahr, das ist unwirklich.
Und wenn das tatsächlich nur ein Traum ist, bitte weckt mich nicht auf, aber sagt meinem Zehnte-Klasse-Ich, dass es in der Schule aufpassen soll.
21 Antworten

KingLui vor 13 Monaten 2
8.5
Duft
7
Sillage

Mit Kreide für ein liebliches Stimmchen
Das Libertin Louison Set liegt nun einige Zeit ungeöffnet in meinem Schrank. Ein schwarzes Blatt DIN A4 Papier ist einmal in der Mitte gefaltet und mit schwarzem Baumwollband zusammengehalten. Darin sind kleine weiße Tütchen, die die Proben nach Konzentration sortieren: "Extrait de Parfum", 2x "Eau de Parfum", "Eau de Cologne" und dazu noch ein Tütchen "Soliflores". Ich bin beeindruckt, wie es LL gelungen ist, mit den einfachsten Mitteln ein durchaus edles Probenset zusammenzuschnüren.

Ich habe mich kurz auf Parfumo durch die Marke geklickt, um herauszufinden, welche beiden Düfte ich zuerst testen soll: Fleur de Papier, weil mich der Name am neugierigsten macht und Sanguis Terrae, weil er die höchste Bewertung hat. Ich kann schon verraten: Ersterer überzeugt mich mehr als der höher Bewertete.

Fleur de Papier ist vor allen Dingen eines: Ein Rosenduft.

Im ersten Augenblick verfliegt ein klitzekleiner Alkohol-Stecher, dann tritt eine stark fruchtige Rose auf, die fast schon kaugummifruchtig ist. Das passiert in den ersten wenigen Sekunden und danach wandelt sich Fleur de Papier in eine Rose mit einer faszinierenden Kreidenote(!). Während sich die Gewürznelke von hinten anschleicht und nach mehreren Minuten immer deutlicher mit der Rose im Vordergrund steht, hält sich der kreidig-cremige Eindruck mit Fruchtnuance und Vanille.

So bleibt das Herz des Parfums über mehrere Stunden, wobei es auch immer mal wieder grünblumige und leicht altmodische Anteile zeigt.

Ich habe nicht viel aufgetupft und empfinde die Sillage daher als gering, kann mir aber vorstellen, dass dieses Parfum in zerstäubter Verabreichung auch eine deutlichere Präsenz haben kann.

Wer komplexe, natürliche und warme Rosendüfte mag, die kreidig-cremig sind und eine zurückhaltende Lieblichkeit aufweisen, müsste hier auf seine Kosten kommen. Unter dem Vorbehalt, dass Gewürznelken kein Ausschlusskriterium sind.

1 Antwort

KingLui vor 21 Monaten 26
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Nach Hause
L'Attesa ist einer dieser Düfte, die mich nicht loslassen. Nachdem ich letztes Jahr schonmal einen Flakon besessen, zur Hälfte geleert und dann fortgegeben hatte, musste ich immer und immer wieder an ihn denken.

Der fulminante Start ist dominiert von einer Iris, die Ihresgleichen sucht: Trocken, dumpf-wächsern, mineralisch mit der völligen Abwesenheit von Süße.

Für mich ist das die vollkommene Irisnote.

Es ist perfekt.

Nach einigen Minuten schleicht sich doch eine Süße an, die ich dem Mysore-Sandelholz zuschreibe. Ich kann weder zitrische Bestandteile, noch Champagner, noch Tuberose oder Ylang-Ylang wirklich herausriechen. Eichenmoos und Leder hätte ich von allein auch nicht getippt, erschließen sich mir aber mit Blick auf die Notenangaben.

Das Herausragende an L'Attesa ist auch, dass sich die Irisnote die ganze Zeit hält und bis zum schönen Sandelholz-Ende den Duft dominiert.

Warum hatte ich den Duft denn dann weggegeben?
Mein Mann hat ihn mir schon gleich am Anfang ein bisschen ruiniert, indem er am ersten Tag, den ich den neu errungenen (und zuvor lang ersehnten) Duft trug, morgens zu mir sagte: "Hm, hier riecht's aber gut. So intensiv nach Handcreme." Autsch. Und irgendwie hat er recht damit.

Ich trug ihn aber weiter und liebte ihn innig. Bis er mir mit der Zeit zu süß wurde und ich nach mehrmaligem Überlegen und Tragen entschied, ihn ziehen zu lassen. Ich hoffe sehr, dass die zunehmende Süße nur an meinem Empfinden lag und nicht daran, dass sich der Duft mit der Zeit im Flakon verändert.

Heute habe ich ihn mir jedenfalls wieder gekauft. In den vergangenen Monaten hatte ich oft an ihn gedacht. Der erste Sprüher hat mich getroffen, berührt und sentimental gemacht. Als wäre ein alter Freund wieder da, den man aus den Augen verloren hat. Und wie schmerzlich man ihn vermisst hat, wird einem erst bewusst, wenn man ihn wiedersieht und in die Arme nimmt.

So und jetzt reiße ich mich mal wieder zusammen. Das ist ein Parfum und kein Lebewesen. Man kann doch einer Sache nicht solche tiefen Gefühle zuschreiben.

Je mehr ich über den Handcreme-Vergleich nachdenke, desto mehr macht er Sinn für mich. L'Attesa riecht wie eine luxuriöse Creme. So eine, die nur ein einziges Mal hergestellt wurde, persönlich angefertigt für eine Königin. So eine, die in einem schweren Tiegel aufbewahrt wird und eine dicke, pastöse Konsistenz hat.

Das ist das beste Iris-Parfum, das ich kenne und ich kann mir schwer vorstellen, dass sich daran je etwas ändern wird.

12 Antworten

KingLui vor 21 Monaten 18
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage

[Hier bitte aufmerksamkeitserregende Überschrift einfügen]
Markeneindruck
Nachdem ich von der ebenfalls durch Memo vermarkteten Floraïku-Serie sehr angetan war und bin, hatte ich große Hoffnungen in das Hermetica-Probenset gesetzt.
Das Set ist optisch sehr wertig und dabei erschwinglich - diese Marketingstrategie mag ich immer sehr.

Wie Kovex sehr treffend beschrieben hat, wirbt Hermetica in seinem Booklet mit einem trendigen Alchemie-Ansatz, der natürliche und synthetische Duftstoffe perfekt vereinen soll, um eine ausdauernde Haltbarkeit und ein deutliches Volumen zu ermöglichen (H&S sind wirklich hoch). Diese Alchemie schwimmt in einem neuen Medium namens "Innoscent", das auf Alkohol verzichtet und pflegende Eigenschaften haben soll.
Dann ist also ein kleiner Bereich meines Handgelenks wenigstens mit Feuchtigkeit und Fett versorgt. Sehr aufmerksam, danke.

Auf etwas anderes wird auch ganz bewusst verzichtet: Auf einen Duftverlauf.

Insgesamt war mein Test der Proben ernüchternd: Etwa die Hälfte erinnert mich an unterschiedliche Varianten von Duschgel, blaue (Greenlion) und grüne (Jade88) für Herren, rosa- (Rosefire) und apricotfarbene (Megalotus) für Frauen. Nachdem ich also die "Drywaters" und "Emerald Stairways" gestern durchgetestet hatte, zog ich den voreiligen Schluss, dass dieses sagenumwobene Innoscent-Medium vielleicht eines sein könnte, das jedem Duft dieselbe Basis verleiht, weil es bereits Riechstoffe enthält.

Eine gute Eigenschaft hat dieses Medium aber: Ein paar der Düfte lassen sich relativ leicht mit Wasser und Seife abwaschen.

Heute testete ich dann die "The Door"- und "Vertical Ambers"-Linien. Duschgel-Assoziationen hatte ich zumindest bei den Gourmands darunter nicht.

Source¹
Die vier einzelnen Linien der Marke enthalten jeweils 3 Düfte, die in der Probenschachtel kreisförmig angeordnet sind. In Ihrem Zentrum findet sich die Source-Probe. Das ist also der Star der ganzen Marke. Kostet mit 175€/100ml auch 20€ mehr als die anderen Düfte. Wie gut, dass ich mir das Beste bis zum Schluss aufgehoben habe.

Ich sprühe und rieche Zitronenbonbon.
Ich rieche nochmal und die Bonbonsüße macht bitteren holzigen Noten Platz.
Moment, das kommt mir doch bekannt vor?
Iso E Super + Zitrone + Vanille (ok, hier ist es Amber) = "The Sexiest Scent on the Planet (IMHO)"

Der 4160 Tuesdays Duft ist aber nunmal viel schöner.

Und die Moral von der Geschicht'?
Kaufen lohnt sich manchmal nicht.


6 Antworten

KingLui vor 2 Jahren 7
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon

Ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass Birne neuerdings Johannisbeere heißt.

Für mich startet Amethyst Exquise mit einem fruchtigen Birnenaroma, das gleichzeitig warm und frisch ist - eigentlich ein Paradoxon. (Steckt die Orchidee dahinter?)

Meine größte Befürchtung war, dass dieser Blindkauf in die Hose gehen könnte, weil die Duftnoten ganz schön klebrig-süß klingen. Die Realität ist aber sehr angenehm.

Der Duft ist fruchtig-pudrig-cremig, in dieser Reihenfolge.

Mir ist aufgefallen, dass Düfte auf unterschiedliche Weise pudrig sein können: Kratzig-pudrig, schminke-pudrig, flockig-pudrig, sägespähne-pudrig, usw.
Exquise würde ich zeitweise als kreide-pudrig bezeichnen, zeitweise aber leider auch als traubenzucker-pudrig.

Langsam wandelt sich die Birne in die versprochenen Beeren und ich überlege, ob in dem Duft ein ganz kleiner Hauch Oud enthalten sein könnte - nicht einzeln wahrnehmbar, aber als neckischer Enhancer vielleicht?

Im Ausklang wird das Parfum deutlich himbeerig-cremig und gefällt mir ausgesprochen gut. Ob der Flakon in meiner Sammlung einen dauerhaften Platz haben wird, muss ich mir aber nochmal gründlich überlegen. Der ursprüngliche Amethyst schlägt diesen hier um Längen.

Holzige Noten konnte ich übrigens nicht ausmachen, Haltbarkeit und Sillage sind ordentlich.

Rumpelstilzchen Ende.
4 Antworten

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