KleineHexeKleineHexes Parfumkommentare

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08.07.2017 13:56 Uhr
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Eines vorab: ich war noch nie in Kuwait.

Aber ich war außerhalb der Touristenwelt im 'Nahen Osten'.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft dort sehr oft viel weiter auseinander, als das, was wir bisher in Deutschland erleben. Wer im Orient Geld hat, zeigt dies sehr gern und dann auch mit viel Bling Bling. Da kann nicht genügend Glitzer und Glanz in Form von Gold, Kristall, polierten Steinböden und poliertem Holz sein. Die Gärten blühen selbst bei Wasserknappheit im Land sehr üppig. In der Luft mischen sich die Wärme des Tages mit dem Duft von Gewürzen, Obst, edlen Hölzern und Blüten.

‚Kuwait' von Roja ist ein Duft, der diese überbordende Üppigkeit, gekonnt einfängt. Als ich die Duftpyramide zum ersten Mal las, ging mir der Gedanke durch den Kopf: ob das nicht alles ein bisschen zuviel sei?

Das ist es auch nach deutschem Verständnis: lauter edle Zutaten und von allem etwas zuviel. Genau so, wie es der orientalische Traum ist.

In ‚Kuwait’ sind meine Angstgegner Rhababer, Safran, Eichenmoos, Birke und Leder enthalten. Doch bei der Fülle, der ganzen Duftnoten, haben diese keine Chance mich zu ärgern.

Wir haben es hier mit einem üppigen, kräftigen, orientalischen Parfüm zu tun, welches süß und leicht rauchig zugleich ist und das, sparsam dosiert, mein Traum auch im deutschen Sommer und Winter ist. Für Frühjahr und Herbst wäre er mir zu viel des Guten.

Die Sillage und die Haltbarkeit sind dem Preis entsprechend ebenfalls sehr hoch.


23.01.2015 12:54 Uhr
20 Auszeichnungen
mein Name ist Bond. Jasmin Bond.

Wie jetzt? Noch nie von mir etwas gehört?

Das ist doch mal wieder typisch! *mit den Augen roll* Alle Welt redet immer nur über meinen kleinen Bruder, der sich ständig irgendwo herumprügelt und reihenweise die Frauen ins Bett zieht. Dabei wäre der James auch heute noch nur ein kleiner Hosenscheißer, wenn er mich nicht gehabt hätte. Unsere Eltern waren nämlich etwas *hüstel* sparsam *hüstel* was Spielzeug betrifft. Da musste der James sich schon einiges einfallen lassen, wenn er auch mal den Teddy oder die Bauklötzchen haben wollte.

Ich bin hier die große Schwester! Wenn ich frisch und zitrisch-aldehydisch um die Ecke biege, schwärmt keiner: „Ach ist die süß!“ Das will ich auch gar nicht.

Ich will Respekt, Respekt und nochmals Respekt. Denn ich bin hier die große Schwester und ich habe hier das Sagen. Ich bin die typische Business-Frau: mit dunklem Hosenanzug, blütenweißer, gestärkter Bluse, Perlenkette, Perlenohrsteckern und stets einem leicht gehetzten, aber wahnsinnig wichtigen Gesichtsausdruck - genauso wie in den Hochglanzmagazinen abgebildet.

Blumig, weiß-grün erlebt ihr mich knallhart in meinen Verhandlungen. Edel, teuer, distanziert und so erotisch wie das Innere einer Gefriertruhe. Der Erfolg gibt mir meistens Recht. Aber sowas von sauber!.

Dank einer ordentlichen Pudrigkeit hebt mich auch so schnell nichts aus meinen Pumps. Männer tragen Bärte. Frauen schminken sich. Es heißt ja nicht umsonst Kriegsbemalung. Ich halte durch und das recht lange.

Die kleine Hexe, diese Zicke, mault herum, dass ich zu straight, cremig und teuer wäre. Aus der wird wahrscheinlich nie eine richtige Business-Schnuspel. Statt dass die sich mal richtig in ihre Karriere hineinknien würde, dann hätte sie auch das nötige Kleingeld für mich.

Übrigens habt auch ihr mich schon im Film gesehen neben meinem kleinen Bruder James. Dort trage ich jedoch einen anderen Namen. Muss ja nicht jeder gleich wissen, dass wir in Familie machen. Im Film kennt mich die Welt als „M“.

Na, klingelt es jetzt wenigstens?


10.12.2014 13:43 Uhr
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Zum (?). Mal saß ich im Café. Die Tür ging auf. Mademoiselle erschien wie seit (?) Tagen: jung, schön, schlank und charmant im „kleinen Schwarzen“. Heute allerdings kein Teil vom Grabbeltisch sondern Haute Couture. Das verschwörerische Zuzwinkern war auch wie immer dabei als sie sich an meinen Tisch setzte. Ich rollte schon mal vorsorglich mit den Augen. Gleich würde es wieder losgehen: fette Buttercremetorte mit Kirschgarnitur und Orangenmarmelade mit dicker Zuckergußumhüllung. Als Overkill dann noch einen rauchigen Tee dazu.

Doch heute war es anders. Nicht nur das Kleid war edler.

Mademoiselle bestellte sich einen Kirschsaft, obwohl auf der Speisekarte nur Himbeersaft gelistet war. Seltsam, aber gut. Dann folgte ein leckeres Stück Joghurttorte mit Rosenwasser und Tonkabohne verfeinert. Dazu dünne dunkle Schokoladenplättchen.

Alles sehr gediegen, erwachsen, nicht übertrieben. Leider versuchte sie diese guten Sachen sehr nah an sich zu behalten und verließ rasch das Café wieder.

Na also Herr Wasser, geht doch!
Drehen sie jetzt noch etwas an Sillage und Haltbarkeit, dann kaufe auch ich mir diesen hübschen Flakon.


05.12.2014 11:57 Uhr
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Die Beziehungen zwischen den Shalimars und mir sind etwas kompliziert. Die Flakons der einzelnen Sorten gefallen mir sehr. Mit dem „Stamm-Shalimar“ kann ich überhaupt nicht. Meine Nase signalisiert dort „Mottenkugel de Luxe“. Da ist es auch leider völlig egal, ob das Haus Guerlain eine Vanilleschote aus Madagaskar oder aus Mexiko mit in den Flakon gesteckt hat. Die Mottenkugel ist immer dabei.

Ganz anders ist die Situation bei den Shalimars für Anfänger, neudeutsch beginners oder auch Initial genannt. Hier wurden die Mottenkugeln weggelassen. Daher gefallen mir Shalimar Parfum Initial, Shalimar Parfum Initial L’Eau und Eau de Shalimar auch wirklich gut.

Als es nun hieß, dass das neue Shalimar keineswegs wie Shalimar duften würde, wollte, ja musste, ich mir unbedingt eine Testprobe beschaffen.

Nach dem Aufsprühen hatte ich sehr schnell folgendes Kopfkino:

Ein Spritzkuchen, regionaltypisch auch als Spritzring, Auflaufkrapfen, Fettkringel, Schmalzkringel oder Ofenrohr bezeichnet, in zu heißem Fett ausgebacken. Die überstarke Bräunung wurde vom Bäcker mit mehr als ausreichendem Zuckerguss kaschiert. Dann lag das Ganze ca. 12 Stunden in der Auslage des Bäckerladens. Um jetzt noch die Situation zu retten, wurde Zitronensaft darüber gegeben. Leider auch nach dem Motto „viel hilft viel“.

Mit dem „Stamm-Shalimar“ hat das nichts gemeinsam. Für Gourmand-Fans könnte Soufflé etwas sein. Für mich ist das nichts. Ich habe nach dem Aufsprühen gefühlte 3kg mehr auf den Hüften. In diesem Zusammenhang mal eine Frage: Kann ein Parfüm eigentlich dick machen?

1 Stunde später saß ich auf allerhöchster Kaffeetafelebene beim ersten Antrittsbesuch bei meiner Schwiegermutter am Tisch. Von Lockerheit keine Spur. Der Spritzkuchen war verspeist, die Zitrusnote dadurch verschwunden. Doch die Finger klebten umso mehr. Was tun? Die Benutzung des festlichen Tafeltuches war ausgeschlossen. Mich sehr unsicher und unwohl fühlend, bahnte ich mir den Weg zum nächsten Wasseranschluß. Ende des Kopfkinos.

Es sind jetzt nach dem Aufsprühen 4 Stunden vergangen. Die Spritzkuchenassoziation ist verschwunden. An mir nehme ich einen Hauch von leckerer Vanille wahr. Der Hauch ist leider ein hauchzarter Hauch. Was erst zu kräftig war ist nun zu schwach.

Wenn Shalimar Souffle de Parfum in jeder Parfümerie in eurer Nähe steht, solltet ihr ihn testen. Ein Grund für eine Wallfahrt nach Paris ins Hauptquartier von Geierlein ist diese Creation jedoch nicht.


18.11.2014 10:15 Uhr
20 Auszeichnungen
Schätze liegen oftmals nicht auf der Straße herum. Sie wollen gesucht und gefunden werden.

So auch bei PHI, ein Parfüm, das lange Zeit nicht lieferbar und damit schwierig in der Beschaffung war. Als ich dann endlich einen Anbieter gefunden hatte, lag der Versand im Dunklen. Genauer gesagt: mit UPS verschickt und nicht bei mir angekommen. Intensive Nachforschungsaktionen ergaben, der Flakon wurde im Fahrradladen unserer Kleinstadt abgegeben.

PHI war ein Blindkauf meinerseits. Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde.

Also Abholung im Fahrradladen und Entgegennahme einer Metallbüchse. Was mag da wohl drinnen sein? Schrauben und Muttern oder doch ein Reparaturset für Fahrradschläuche?

Die Metallschachtel ist innen kühl-blau lackiert. Der schmucklose, grüne Flakon einfach hineingelegt und eine handgeschriebene Karte dazu „Enjoy! Andy Tauer.

Kleber oder kann ich damit den Gartenzaun gegen Rost schützen? Es paßte alles irgendwie zum und in den Fahrradladen.

„Wir duften nich nach Eau de Toilette
Bei uns schnuppert man gutes Kettenfett“ (TORFROCK)

ging mir durch den Sinn. Der Flakon war nicht gerade billig gewesen.

Nervös betätigte ich den Sprühkopf und dann … Wow, was ist das denn?!!

Ungewohnt, fruchtig, würzig der Start.

Eine geheimnisvolle, üppige Rose folgt. Diese kann ich mir gut in einer trockenen und kargen Landschaft vorstellen.

Hölzer, Vanille, Ambra und was weiß ich noch alles ergänzen diese Rose in der Basis gut und lang anhaltend.

In der Duftpyramide ist Tabak gelistet. Für mich sehr oft ein schwieriger Duftbaustein, stört mich dieser bei PHI nicht im Geringsten. Er macht für mich diesen orientalisch beeinflussten Duft erst perfekt.

Das große Phi steht
in der Mathematik für den irrationalen Zahlenwert des „goldenen Schnittes“,
in der Elektrotechnik und Physik für den magnetischen Fluss,
in der Lichttechnik für den Lichtstrom,
in der Chemie für den Volumenanteil eines Stoffes in einem Gasgemisch.

Der Naturwissenschaftler Andy Tauer hat für mich mit PHI einen
innovativen,
ungewöhnlichen,
geilen,
flippigen,
angenehmen,
orientalischen und
tragbaren
Rosenduft
geschaffen. auf den die Bezeichnung Nische wirklich zutreffend ist.

Eine Ähnlichkeit vom Konzept her zu „ L'Air du Désert Marocain“ ist nicht zu überschnuppert. Wem No. 02 gefällt, der sollte auch PHI unbedingt testen.

Der Flakon ist nicht gerade billig – doch er ist preiswert.


15.10.2014 09:54 Uhr
6 Auszeichnungen
(Dank Labormaus kann ich hier einen Testbericht über eine Originalprobe schreiben.)

Die Deutsche Sprache ist sehr vielfältig mit ihren Ausdrucksmöglichkeiten. In die Aussage schwaches Licht können mehrere Dinge hineininterpretiert werden: die relativ schlechte Ausleuchtung eines Raumes, ein unruhiges Licht, ein wenig hell leuchtendes Licht. All dieses trifft für mich auf „Lumière d'Épices“ zu.

Der Start ist für mich als Liebhaberin von Annick-Goutal-Düften vielversprechend: fruchtig, blumig, frisch, süß – ein Damenparfüm.

Doch die Kopfnote vergeht und da wird es für mich unangenehm. Der indische Jasmin scheint zum falschen Zeitpunkt geerntet oder anderweitig fehlbehandelt worden zu sein. Das EdP nimmt einen für meine Nase stinkigen Verlauf. Andere Parfümhäuser bekommen Jasmin-Noten wesentlich angenehmer hin. Aber wir sind ja hier erst bei der Herznote.

Auch diese vergeht, der Gestank schwächt ab und für die Basis kann sich meine Nase wesentlich mehr begeistern. Hier erschnuppere ich eine warme, angenehme Orangen-Holz-Gewürzmischung mit einem Nachhauch von Blüten. Leider viel zu schwach gegenüber der zu kräftigen Kopfnote. Wie soll Frau denn dieses EdP bitte dosieren? Ein Spritzer wegen der starken Kopfnote und 5 Spritzer wegen der leisen Basis und die Herznote am besten gar nicht sprühen? Leider verabschiedet sich Lumière d'Épices auch noch relative schnell.

Ich fasse das jetzt mal so zusammen: bitte zurück ins Labor und nachbessern.


01.10.2014 11:01 Uhr
10 Auszeichnungen
Das war ja so klar wie dicke Tinte, jedenfalls nach meinen Erfahrungen mit „Skin on Skin“. Ein Sprühstoß aus den explodierenden Emotionen und ich befinde mich im Epizentrum der chemischen Industrie. Süßliche Kohlenwasserstoffverbindungen steigen mir in die Nase. dazu kommt der typische Geruch von Industrieanlagen, der auch eine gewisse Modrigkeit und Staubigkeit beinhaltet. Am unangenehmsten ist für mich der Gestank von heißgewordenen Bremsbelägen. Bäääh! Interessanterweise ist dieser mal da und dann auch wieder weg.

Das erinnert mich doch ganz stark an Bitterfeld vor 30 Jahren. Umweltschutz war beim Klassenkampf gegen den Kapitalismus überhaupt kein Thema. In Bitterfeld gab es schließlich keinen Smog. Dieser wurde von der innerdeutschen Grenze erfolgreich abgewehrt. In Bitterfeld gab es damals nur Industrienebel.

Heute gibt es in Bitterfeld immer noch etwas chemische Industrie. Die Stadt ist wesentlich sauberer geworden. Wobei mir Bekannte, die in Thalheim, das ist ein Stadtteil von Bitterfeld-Wolfen, wohnen, glaubhaft versichert haben, daß es bei ihnen je nach Windrichtung doch oft stark nach Chemie riecht. Hatte Bertrand Duchaufour als er seine Creation schuf etwa den alten Vers „Seh´n wir uns nicht in dieser Welt, so seh´n wir uns in Bitterfeld!“ im Sinn?

So weit zu meinem ersten Eindruck. Nach dem ersten Test hatte ich auf parfumo die Kommentare zum Duft und die Duftnoten gelesen. Mit der Duftnotenbeschreibung im Hinterkopf legte sich ab dem zweiten Test in meinem Kopfkino der Hebel um.

Plötzlich könnte, das was mir hier in die Nase steigt durchaus auch die beschriebene Mischung sein. Die süßlichen Kohlenwasserstoffe und die Muffigkeit sind dann Gardenie, Honig und Sezchuanpfeffer. Der Staub ist einfach nur pudrig mit ein paar Sandelholzspänen vermischt. Das Ganze modern und synthetisch interpretiert. Eigentlich gar nicht mal so schlecht und durchaus auch tragbar. Ich habe „Rappelle-Toi“ im Büro getragen und bin damit nicht sonderlich unangenehm aufgefallen.

Ist dies etwa das Geheimnis dieser Aufforderung zur Erinnerung, das hier jeder von uns etwas anderes erlebt? Ich werde mir Rappelle-Toi nicht kaufen. Doch eine Testempfehlung spreche ich aus.


30.09.2014 10:23 Uhr
11 Auszeichnungen
Da habe ich mir ja etwas Schönes eingebrockt mit meiner Teilnahme am Testpaket von Franfan20.

Ja das stimmt, es ist wirklich schön: leckerer Butterkeks in ganz viel Milch getunkt.

Dieser Butterkeks verdient seinen Namen zu Recht. An dem ist wirklich - wie meine Großeltern so sagten - viel „gute Butter“ dran. Jeder, der bäckt, weiß natürlich, daß zu einem süßen Gebäck immer auch eine Prise Salz mit dazu gehört. Diese bringt die Süße erst richtig gut zur Geltung.

Außerdem ist das hier kein einfacher Butterkeks, sondern wir haben es bei Biancolatte mit einem Doppelkeks zu tun. Zwischen den beiden Kekshälften befindet sich eine leckere Vanillecreme mit einem Hauch Zitronenaroma.

Jetzt sitze ich hier und frage mich besorgt, ob mich - weil ich doch so lecker dufte – einer anknabbert. Das ist für mich der einzige schwache Punkt an dieser Duftkreation. Sie ist sehr lecker, doch für mich als Parfüm nicht tragbar.

Liebhaber von Gourmanddüften und Handelsvertreter aus der Süßwarenbranche sollten Biancolatte unbedingt testen. Der Duft ist so unisex wie das Krümelmonster.


24.09.2014 10:32 Uhr
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Eine wirklich kleine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Die Uhr vom nahen Kirchturm schlägt Zwölf Uhr. Es ist Mitternacht.

Ich liege im Bett und kann nicht schlafen. Plötzlich riecht es in dem Zimmer des kleinen Hotels so eigenartig muffig, gammelig, so in der Art ranzig gewordenes Rosenduft-Lampenöl. Verwundert öffne ich meine Augen. Da sehe ich sie, eine weiße, durchscheinende Gestalt, ca. 20cm über dem Fußboden schwebend. Als kleine Hexe ist mir sofort klar, dass ich es hier mit einem Gespenst zu tun habe. Das Gespenst trägt ein Kleid wie aus dem Mittelalter. Aha, ein weibliches Gespenst also. Allerdings sieht es auch etwas ungewöhnlich aus. Um dieses lange Kleid hat es nämlich einen Montagegürtel geschlungen und an dem hängen Grubenlampe, Hammer, Meißel, Buchstaben aus Bei, Lötkolben und ein Taschenrechner. Seltsam, seltsam.

Ich sage „Hallo“. Die Dame in Weiß antwortet freundlich strahlend ebenfalls mit einem „Hallo“. Davon ermutigt frage ich sie, was denn hier so eigenartig riechen würde.

„Oh“ antwortete das Gespenst „ich glaube das ist mein neues Parföng“ und hält mir stolz einen Flakon entgegen. Dann lädt sie mich auf ein warmes Getränk ins Hotelrestaurant ein.

Es scheint eine Art Kakao-Getränk zu sein. Jedenfalls schmeckt es so ähnlich. Riechen kann ich das nicht. Später werde ich von der Weißen Dame in entschuldigendem Tonfall erfahren, dass es sich hierbei um Kakao-Pulver aus dem ehemaligen Konsum-Laden handelte. Dieses war unter Kennern berüchtigt für seine schlechte Qualität. Naja, immerhin mildert der Geruch des Getränkes etwas diesen ekligen Gestank ab. Das Gespenst erzählt mir seine Geschichte.

Sie hieße Dorothea und habe einst als adelige Dame im städtischen Schloss gewohnt. Eines Nachts sei sie dann als Gespenst aufgewacht. Das müsse so um etwa 1300 gewesen sein. Seit dieser Zeit spukt sie in dieser Gegend und habe auch sehr viel erlebt.

Da war im 17. Jahrhundert so ein Knabe namens Paul G., dem habe sie seine ersten Flötentöne beigebracht, woraufhin er ein bekannter deutscher Dichter von Kirchenlieder geworden sei.

1637 seien die Schweden gekommen, meinten hier wäre jetzt der 30jährige Krieg und haben die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt. Von ihrem ehemals schönen Spukschloss stehen seit dem nur noch die Reste einer Ruine.

Ab 1859 sei Leben in das verschlafene Städtchen gekommen: Buchdruckereien, Bergbau, zwei Kohle-Kraftwerke in Nachbarorten und ein großer Industriebetrieb, welcher die ganzen Bergbaugeräte instand gehalten hat. Tausende Menschen seien in die Gegend gezogen. Dorothea wurde das Betriebsgespenst in der großen Zentralwerkstadt. Das sei für sie eine aufregende Zeit gewesen: Nachts die Arbeiter in den Nachtschichten am Einschlafen zu hindern, mit ihnen zu plaudern, Karten zu spielen und ihnen über die Wirren zweier Weltkriege hinweg zu helfen.

Dann kam eine weitere Wende. Deutschland legte seine beiden Teile wieder zu einem Land zusammen. Plötzlich hieß es, die Wirtschaft im Osten des Landes sei rückständig und unproduktiv. Dieses wurde zum Anlass genommen, so gut wie alle Betriebe zu schließen. Dorothea äußert den Verdacht, dass man besonders im Bereich der Druckereien nur die Konkurrenz „abwickeln“ wollte. Tausende Menschen verließen die Gegend. Sie hätte auch eine Zeit lang überlegt von hier zu verschwinden, doch wer solle dann in ihrer kleinen Heimatstadt für die Menschen spuken, die wegen familiärer Verpflichtungen oder aus Altergründen am Ort bleiben müssen?

Nun spukt sie ab und an im Hotel. Dabei seie sie vor ein paar Tagen von Besuchern aus dem „Westen“ beleidigt worden. Diese hätten sich sehr abfällig über sie geäußert und gemeint, dass im Osten immer noch das alte Gespenst des Sozialismus zu beobachten sei. Dabei hat sie mit dem Sozialismus nun wirklich nichts am Hut. Überhaupt gesellschaftliche Ideologien. Sie habe in mehreren Systemen ihre Erfahrungen machen können. In allen Systemen ist oft Otto Normalverbraucher der Dumme.

Die Beleidigung sitzt allerdings tief und deshalb hat sie sich nun auch ein modernes Weltklasse-Parföng namens FR! 01 / N° 02 zugelegt.

Behutsam versuche ich ihr zu erklären, dass nicht alles was meint Weltklasse zu sein, dieser auch gerecht werden würde. Ich empfehle ihr daher eine Anfrage zwecks Duftberatung auf www.parfumo.de.

Dorothea ist eine sehr charmante Gesprächspartnerin. Leider geht mir ihr „Parföng“ mit seiner einfallslosen Basis ziemlich auf die Nerven. Verstohlen schaue ich auf die Uhr. Die Geisterstunde ist schon längst vorüber. Ich spreche sie daher auf die Arbeitszeiten eines Gespenstes an.

„Ach“ erklärt sie mir „ das mit der Geisterstunde gilt nur im Westen“. Sie sei Tarifgebiet Ost und da habe die Geistergewerkschaft ab genickt, dass dort länger gespukt werden müsse wegen der geringeren Produktivität und so …

Na, ich mache das Beste daraus. Wir plaudern über Kindererziehung, Schulbildung, Kochrezepte, historische Bucheinbände, die optimale Konfiguration einer Firewall und sonstige Themen, die Frauen so bewegen.

Die Kirchturmuhr schlägt 5 Uhr und plötzlich ist der ganze duftende Spuk verschwunden.

Ich schwöre Euch, würde nicht hier vor mir ein Testflakon mit FR! 01 / N° 02 – La Dame Blanche stehen, würde ich glattweg glauben, dass diese ganze Geschichte nur ein (Alb-) Traum gewesen sei.


22.09.2014 13:34 Uhr
10 Auszeichnungen
Es ist hier, glaube ich, die Gelegenheit mich – wie es auf Neudeutsch heißt- zu outen: ich gehöre nicht zu den Morgenmenschen.

Die Zeit zwischen 6 Uhr und 9 Uhr überstehe ich nur durch jahrzehntelanges Training der immer gleichen Tätigkeiten. Ab 9 Uhr habe ich dann eine ungefähre Vorstellung von dem was ich da so tue und man könnte mich ab da als zurechnungsfähig bezeichnen. So auch heute.

Mit schlafwandlerischer Sicherheit betrat ich unser Badezimmer, welches sich zum Glück für mich schon seit einigen Jahren immer an der gleichen Stelle befindet, und wusch das unbekannte, zerknautschte Wesen, das mich aus dem Spiegel müde anschaute. Danach war Zähneputzen dran. Also vor dem Frühstück.

Dem evtl. Einwand, daß das Putzen nach dem Frühstück die einzig selig machende Methode sei, begegne ich immer mit dem Argument, daß ich nicht lange genug warten könnte, bis alle Säuren im Mund wieder neutralisiert sind. Zeitiger Aufstehen geht bei Menschen wie mir leider nicht.

Dann waren Ankleiden und Parfümieren dran. Ein grüner, krautiger Duft stieg mir in die Nase.

Oh nein, das kann doch nicht wahr sein!

Es folgte das berühmte atemfrische Sauberkeitsaroma von Zahnpasta oder Mundspülung.

Mist, hatte ich die Flasche verwechselt? Es war schließlich noch vor 9 Uhr.

Irritiert ging ich zurück ins Badezimmer. Die Mundspülung war es nicht. Die hat keinen Sprühkopf. Erleichtert konnte ich auch Kleckerreste von Zahnpasta ausschließen. Blieb also nur noch Vague de Folie Verte als Quelle des Übels übrig.

Nun würde ich den Frischegeruch von Zahnpasta und Mundwasser nicht unbedingt als Wahnsinn bezeichnen. Abschrecken kann man damit auch keinen. Also behielt ich das Parfüm auf der Haut und bin ins Büro gefahren. Mit der grünen Frische war es dann auch bald vorbei. Eine sehr nichtssagende Basis, wie in x-anderen Duftwässerchen auch kam zum Vorschein.

Liebe Macher dieses EdPs, DAS hat Annick Goutal mit Ninfeo Mio aber wesentlich besser hinbekommen!

Für mich ist Vague de Folie Verte nur ein weiterer, gescheiterter Versuch, ein neues Dufterlebnis zu schaffen. Wer die „Atemfrische“ von Mundwasser liebt, ist bezüglich Sillage und Preis ohnehin mit einem Kauf desselbigen besser beraten.


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