KnopfnaseKnopfnases Parfumrezensionen

Knopfnase vor 1 Monat 37
9
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage

Die Welle reiten
Heute musste es klappen, dachte sie. Heute war der Tag, auf den sie sich seit Monaten vorbereitet hatte. Die letzten Tage waren aufwühlend. Sie hatte nächtelang ihren ganzen Freundeskreis mit Dauertelefonaten vom Schlaf abgehalten und war kilometerweite Strecken gelaufen, um ihr Kopfkino in Bewegung zu kanalisieren.
Sie war aufgeregt bis in die Haarspitzen und spürte, wie das Adrenalin ihren Körper nicht zur Ruhe kommen ließ. Die Atmung war flach, der Nacken verkrampft.

Sie würde den Tag nicht überleben, dachte sie. Sie würde scheitern, noch bevor alles beginnen konnte. Die Überwindung schien unmöglich.
Doch gerade, als sie sich sicher war, dass ihre Beine sie nicht länger tragen würden und sie sich lieber in Luft auflösen wollte, als diesen Tag anzugehen, kam ihr der Satz einer alten Freundin in den Sinn. „Komm’ Süße“, hatte sie immer gesagt, „lass uns die Welle lieber reiten, bevor wir untergehen“.
Ihr wurde bewusst, dass alles, was sie fürchtete, alles was gerade groß und unüberwindbar erschien, nur eine Momentaufnahme ihres Lebens war, eine besonders hohe Welle zwar, die sie aber überwinden würde, weil sie schon etliche Male andere Wellen geritten hatte. Sie würde ihr Bestes geben, sich treu bleiben und sie würde nicht untergehen.

Mit dieser Erkenntnis ging sie lächelnd aus dem Haus.

Victrix bedeutet übersetzt (Be)Siegerin, Überwinderin oder auch siegreich und der Name ist Programm. Der Duft besticht durch seine enorme Kraft, seine Präsenz und seine Ausdauer. Der Pfeffer ist eindeutig wahrnehmbar, genauso wie das Eichenmoos, das aber niemals modrig, sondern sehr frisch wirkt. Es ist ein heller und herb-grüner Unisex-Duft mit einer unglaublichen Haltbarkeit und Sillage. Morgens aufgetragen nehme ich ihn abends noch mit in den Feierabend.

Es gibt in meinem Leben Victrix-Tage. Das sind absehbar anstrengende Tage, Tage, die fremdbestimmt sind oder die eine absolute Präsenz meinerseits erfordern. Der Duft umschließt mich dann wie eine helle Rüstung und „kämpft“ an meiner Seite.

Mit Dank an Anarlan, der uns bekannt gemacht hat und ihn mir als starken Bruder vom L’Original von Putmann vorgestellt.
Ich wünsche jedem so einen Duft, egal welchen Namen er hat.




„Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber Du kannst lernen auf Ihnen zu reiten.“ (nach Jon Kabat-Zinn)
30 Antworten

Knopfnase vor 2 Monaten 40
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon

Die erfüllende Stille
„Es ist so, als suchten wir nach etwas, das uns ein gutes, anständiges, völlig erfülltes, schwungvolles, inspiriertes Leben ermöglicht, und fänden es genau hier.“
Pema Chödrön

Ihr Leben war voll und sie liebte es. Sie liebte die vielen Menschen, den Trubel, das Reisen und die Konzerte, sie war erfüllt von ihrer Arbeit. Sie hatte schon immer eine tiefe Sehnsucht in sich gespürt und war eine Suchende. Es gab Momente, in denen sie inmitten von anderen auf der Bühne stand, in denen sie von der Musik ergriffen und eins mit der Welt war. Diese Momente waren ihr sehr kostbar und sie wusste, dass das Außen, die Kunst und die Musik, die Menschen, die ihr nahe waren, ein wichtiger Teil ihres Lebens waren. Und doch gab es auch die Phasen, da wollte sie den Rückzug, da wollte sie mit sich allein sein, ganz bei sich.
Wenn sie das spürte, dann packte sie wenige Sachen, nahm ihr Meditationskissen, ein Buch und ein paar persönliche Dinge und fuhr in die Waldhütte eines befreundeten Paares. Hier, in den Wäldern, fand sie die Stille, die sie so liebte – hier war nichts außer ihr, dem Kissen und den Vögeln, die sie hörte, wenn sie auf der Veranda der Hütte saß und meditierte. Sie ließ alles von sich ab. Den Trubel, die Stimmen, die Meinungen, die Erwartungen, die Aufgaben und alles, was ihr Leben ausfüllte. Sie war ganz da. Klar, angekommen, bewusst. Die Stille, die sie umgab, war wahrhaftig und voller Antworten.

Commes des Garçons - Series 3: Incense - Kyoto ist ein Duft, der für mich genau diese Stille verkörpert. Er ist minimalistisch, kontemplativ und strahlt eine Ruhe und Besinnlichkeit aus, die nährend und zentrierend zugleich wirkt.
Die Kopfnote mit Kaffee und Zypresse nehme ich weniger wahr, Vetiver und Weihrauch, die von holzigen Noten begleitet werden, dafür sehr deutlich.
Wenn das Leben laut ist, ist dieser Duft meine nährende Quelle der Stille.

Eigentlich ist der Kommentar von Can so großartig, dass ich einen eigenen Kommentar lange scheute. Hier nun meine Assoziation zu diesem Seelenduft.
35 Antworten

Knopfnase vor 4 Monaten 34
10
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Mitten ins Herz
Als sie ein kleines Mädchen war, liebte sie es in der Holzhandlung ihres Opas zu sein. Alles roch nach Holz, so frisch, so grün und würzig. Manchmal griff sie in Holzreste und hatte die kleinen Finger voller Harz. Sie liebte die Farbe des Harzes, die Bernsteinen glich, den Geruch und die Klebrigkeit. Ihr Opa sagte immer ihre Augen glichen Bernsteinen und obwohl sie nicht genau wusste, was das war, freute sie sich und ahnte, dass es etwas Schönes sein müsste.
Er verkaufte auch Sägemehl an die Bauern im Umland, die damit ihre Wurstwaren räucherten. Oft nahm er sie mit bei seinen Auslieferungen. Ein paar Säcke Sägemehl im klapprigen blauen LKW und sie – eigentlich zu klein – vorne mit ihm auf dem Bock, selig leckere gelbe Schweizer Kräuter-Bonbons lutschend.
Nach den Auslieferungen machten sie oft Ausflüge in die nahe gelegenen Wälder. Er kannte jeden Baum, jeden Strauch und alle lateinischen Bezeichnungen. Pinus sylvestris, Abies concolor oder Pinaceae waren Bezeichnungen, die sich tief bei ihr einprägten.
Für sie war er der schlauste Mensch der Welt. Oft streiften sie durchs Unterholz und er erklärte ihr die Moose und Pflanzen, die man auf den Hauptwegen gar nicht sah. Er sah und liebte sie alle – Tannen, Kiefern, Fichten, Buchen, Moose und Farne.
Sie zerrieben die unterschiedlichen Nadeln am Boden liegender Äste in den Händen und rochen daran. Sie liebten beide besonders den Duft der Douglasie. Er erklärte ihr das Alter der Bäume und zeigte ihr, wo neue Triebe wuchsen und wenn nicht, was den Bäumen fehlte. Er machte sich viele Gedanken über Aufforstungen und Nährböden. Er wünschte sich, dass sie – wenn sie mal groß wäre – den Wald in seiner ganzen Fülle und Pracht auch noch erleben könne. Das bereitete ihm Sorgen und sie spürte das. Sie hätte ihm gerne geholfen.
Sie fühlte, wie wichtig ihm der Wald war, wie wichtig sie ihm war. Sie fühlte sich geborgen und beschützt. Die Stille des Waldes, das Grün, der weiche Boden, die Hand ihres Opas, den sie so liebte, all das war ihre Heimat.

Viele Jahre sind inzwischen vergangen, sie ist erwachsen, ihr Opa vor langer Zeit gestorben. Sie geht immer noch, wann immer es Familie und Beruf zulassen, in den Wald. Ihre Seele kann aufatmen, das Herz sich weiten. Sie fühlt sich beschützt und verbunden wie damals als kleines Mädchen.

Danke für das Kennenlernen dieses Dufts, liebe Turandot. Er ist weich, grün, sanft, gibt mir Boden und duftet nach Heimat.
27 Antworten

Knopfnase vor 5 Monaten 21
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Quickie im Paradies
Wir hatten einen Traumstart. Miteinander bekannt gemacht, sprang der Funke sofort über und wir saugten uns auf. Ich war neu auf dem Markt der Suchenden und du warst anders als sie dich beschrieben hatten. Sie sagten wenig Gutes über dich, du seist ein Blender, nichts von Dauer. Aber ich hatte schon immer ein Faible für Außenseiter, ich wollte dich in deinem Kern erfassen. Wenn alle nicht sahen was in dir steckte, ich tat es.
Ich fand dich außergewöhnlich, sehr anwesend und aufmerksam. Du warst spritzig, geistreich, irgendwie mit Pfeffer im Hintern und dabei auch geerdet. Perfekt für mich. Ich war seit kurzem wieder Single, auf der Suche und du passtest in mein Beuteschema, warst natürlich und künstlich zugleich.
Wir verbrachten ein aufgeladenes Wochenende in einer deutschen Metropole. Alle die sagten Du seist nur ein kurzes Abenteuer, da und dann auch schon wieder fort, denen konnte ich erwidern, dass du bei mir anders warst. Du warst an mir, um mich herum, neu und aufregend. Allen gab ich ein begeistertes Statement über dich, so hatte es mich erwischt.
Es fühlte sich so richtig an, dass ich bereit war einen hohen Preis zu bezahlen, um dich weiterhin in meiner Nähe zu haben. Ich wollte uns eine Zukunft aufbauen.
Es kam anders.
Nach unserem ersten Wochenende begegnete ich dir spontan an anderer Stelle. Was dann passierte schmerzt zu berichten, aber ich nahm auf einmal andere Seiten an dir wahr. Du warst irgendwie kalt zu mir, distanziert, fast hölzern und spröde. Die Leidenschaft unserer ersten Begegnung war verflogen und ich fühlte mich einsam mit dir. Unsere Unterhaltung wirkte unecht, du warst einsilbig, wir gingen auf Distanz. Dein Witz, dein Charme, deine Spritzigkeit waren fort. Es wurde monoton.
Ich war nicht bereit mit einem Kompromiss zu leben. Ich drehte mich um und ging.

Nun, Tage später, bin ich wieder allein und erleichtert. Der Preis wäre zu hoch gewesen. Mein Paradies finde ich woanders.
11 Antworten

Knopfnase vor 5 Monaten 24
9
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
7
Flakon

Adieu Molecule 01
Nun nehmen wir Abschied voneinander. Nach vielen Jahren, die du mich durchs Leben begleitet hast. Nie zuvor bin ich auf einen Duft so oft angesprochen wie auf dich.
Einmal im Brillengeschäft fragte mich ein Verkäufer ganz vorsichtig, ob er mich fragen dürfte wonach ich denn duften würde. Es würde ihn gerade umhauen und er würde gerne genau diesen Duft seiner Frau schenken wollen. Solche Momente hatte ich oft mit dir.
Oder als die Kinder im Kindergarten waren und alle immer sagten man könne riechen, ob ich sie morgens bereits gebracht hatte, weil es im ganzen Haus so angenehm roch. Das warst du - oder wir beide.
Und die Kritiker, die sagten du seist kein richtiger Duft, eher Chemie, die konnten mir nichts anhaben, denn du hast mich voll und ganz eingenommen, vom ersten Tag an. Eingenommen mit deiner Schlichtheit, mit deiner Präsenz, mit deiner Einzigartigkeit.
Nun kann ich dich leider schon geraume Zeit nicht mehr an mir spüren und ich weiß der Moment ist gekommen Abschied zu nehmen.
Du warst ein weicher, sanfter, frischer und treuer Begleiter. Du hast gestrahlt, warst besonders und den ganzen Tag um mich rum. Vom ersten Moment an habe ich dich geliebt und diese Liebe bleibt, auch wenn wir uns nun trennen.
Du bleibst in meinem Herzen. Danke für die schöne gemeinsame Zeit.
9 Antworten