LVCASLVCASs Parfumkommentare

LVCAS vor 18 Tagen 5
8
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Keuscher Liebhaber
Es ist Sonntag. Ruhetag. Die Sonne scheint und gute 0 Grad wirken beinahe wärmend nach den vergangenen Tagen.
In aller Gemütsruhe gebe ich mich auf meiner Couch einer neuen olfaktorischen Entdeckung hin und möchte euch gerne teilhaben lassen.
Nicht bloß ein neuer Duft, sondern auch ein neues Haus auf meiner Reise durch diese Welt, dass mir meinen Sonntag so sehr versüßt.

Über einen bekannten Fragrance YouTuber bin ich auf diese noch recht jungfräuliche Marke gestoßen und war zugleich von der künstlerischen Gestalt der Flakons beeindruckt. Lediglich 6 Parfums beinhaltet das Portfolio zzgl. eines Discovery Sets.

Das olfaktorische Projekt AGATHO PARFUM widmet sich einer zeitgemäßen Interpretation von Salben geschaffen durch Parfümeurmeister Agatho im alten Pompeji. Natürliche und hochwertige Materialien werden mit handgefertigten und handbemalten Porzellandeckeln in wundervollen Flakons versiegelt.

Widmen wir uns unserem Duft:

Wir beginnen mit einem prägnanten würzigen Start. Safran und Myrte vordergründig. Unterbewusst musste ich beim allerersten Test kurz an Portrait of a Lady denken, aber so würzig ist er dann auch nicht - weit entfernt verwandt.
Sobald die Sprüher einige Sekunden auf der Haut liegen, bemerken wir eine dichte, aber weiche Präsenz, die sich merklich zu vielen anderen Eau de Parfum Konzentrationen unterscheidet und so bereits ein kohärentes Bild zeichnet hinsichtlich der zugrundeliegenden Historie des Hauses.
Im Herzen begegnet uns neben der Rose insbesondere ein klarer, zähflüssiger und süßer Honig, der - wohl dosiert - das Herz resolut dominiert, aber den floralen Akzent nicht verdrängt. Eine sanfte Kombination, die genüsslich besticht. Und in der Ferne können wir erste Weihrauchschwaden entdecken.
Tief in dieser Kreation verborgen finden wir Vanille, die unterschwellig süß den Honig unterstützt und wärmenden Moschus. Oud und Amber sind zwar gelistet, aber erzeugen lediglich Substanz. Wer sich mit Oud schwer tut, kann also aufatmen.

In meiner Wahrnehmung insgesamt eine würzig-sanfte Rose mit strahlend süßem Honig, Vanille und flüchtigem Rauch.
Insgesamt kein Game-Changer und doch wundervoll umgesetzt.

Obwohl Rose-Oud-Kompositionen häufig als olfaktorisches Schwarzbrot verteufelt werden, schafft es CASTIAMANTI dazu den passenden Aufstrich zu servieren.

Herzlichen Dank!
1 Antwort

LVCAS vor 2 Monaten 15
7.5
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
10
Flakon

Harmonie durch Chaos inspiriert
Nach Monaten ergreife ich sehr gerne wieder die Gelegenheit und melde mich zum neuesten Release aus dem Hause Amouage zurück: Interlude 53.

Nun erhält das erste offiziell deklarierte Extrait de Parfum Einzug und ausgerechnet Interlude ist der Auserwählte. Wir sprechen also nicht von einem Flanker, sondern einer neuen Duftkonzentration.

Wofür steht die "53"?

Diese steht für den prozentualen Anteil der Duftöle in diesem Parfum.

Und warum "53" und nicht "50" oder "56"?

Das ist die maximale Menge, die bei der Herstellung erreicht werden konnte und sich noch innerhalb bestimmter "Anti Allergens Standards" befindet.

Außerdem wurde mit den Reifeprozessen Maturation und Mazeration "gespielt" und der gesamte Prozess letzten Endes auf ca. 6 Monate ausgedehnt. Die meisten Düfte reifen wohl nur einige Wochen.

Maturation ist die Reifung des Duftkonzentrats vor Hinzufügen von Alkohol.
Mazeration ist die Reifung der fertigen Mischung, also nach Hinzufügen von Alkohol.

Die Interlude DNA ist nach wie vor unverändert und unmittelbar nach dem Ausprühen erleben wir einen sehr lauten aromatischen Einschlag aus Gewürzen - ausgesprochen kräftig und intensiv!
Oregano und Piment erschaffen einen famosen Beginn. Erste rauchige Züge sind ebenfalls wahrzunehmen und inmitten dieser Explosion kann ich auch eine spritzige, hesperidische Frische feststellen. In der weiteren Entwicklung tauchen wir in die warme und tiefe Seele ein - balsamische und harzige Eindrücke gesellen sich hinzu und auch der Rauch hat sich bereits voll ausgebreitet.
Holzig-erdige Noten komplementieren dieses starke orientalische Bild.
Welch harmonisches Chaos!

Die erhöhte Konzentration verstärkt dieses Schauspiel und wirkt zugleich runder und vollendeter. Nichtsdestotrotz sind die Unterschiede selbst für erfahrene Nasen nur schwierig zu identifizieren.

Interlude 53 ist in meinen Augen ein gelungenes Experiment und als Amouage/Interlude Liebhaber ist er definitiv einen Test wert - einen Flakon jedoch nicht, wenn ihr bereits einen Interlude besitzt.

Ich wünsche euch einen guten und gesunden Rutsch ins neue Jahr 2021!
8 Antworten

LVCAS vor 9 Monaten 17
9
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Der Schöne
Wer ist dieser Schönling, den ich schon in meinem Premieren-Kommentar "Interlude Black Iris Man" erwähnte?
Nun, er ist für mich nicht weniger als ein Gefühl. Eine positive Aura mit der ich mich von jetzt auf gleich umgeben kann.

Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Begegnung zu Beginn meiner Duftreise - mir offenbarte sich eine gänzlich neue Welt voller geheimer Schätze, die geborgen werden wollten und inmitten eines riesigen Meeres aus Parfumhäusern stand diese unscheinbare, aber glanzvolle Trophäe. Ihr müsst wissen, dass mir das Haus und der Duftname selbst zu diesem Zeitpunkt bereits ein Begriff waren, da ich im Vorfeld mehrere Videos und Reviews gesehen bzw. gelesen und mich auch allmählich im Foyer von Parfumo eingefunden hatte. Mit diesen Online-Eindrücken im Gepäck machte ich mich also auf um endlich den Duft live zu testen, der auf der einen Seite als so lieblich empfunden wird und von anderen "Alternativ-Individuen" als billig süße Mixtur verurteilt wird... zurück zu unserer Begegnung.

AKT I: Kann es wirklich Liebe sein?
Den Flakon in der einen Hand und den Teststreifen in der anderen Hand (damals zuerst leider auf Papier getestet) und voller Vorfreude und hoher Erwartungen drückte und drückte ich den Sprühkopf. Die ersten Sekunden verstrichen und prompt stellte ich mir innerlich die Frage "Wie kann das so schön und wohltuend riechen?!". Vor meinem geistigen Auge fiel ich sanft nach hinten in diese blumige und luftig-leichte Wolke und fand mich schwebend im siebten Himmel wieder. Just in diesem Augenblick wusste ich nicht welche Ingredienzien sich hinter dieser Komposition verbergen, aber ich wusste, dass dieser Duft, dieses Empfinden nicht verfliegen darf und ich mehr möchte. Es war um mich geschehen und sollte meine bis heute "ewige Flamme" entfachen.

AKT II: Der schöne "Reflection Man".
Kurz nach unserer Begegnung waren wir vereint und du an meiner Seite. So ein schöner und anmutender Duft war eine vollkommen neue Erfahrung - in positiver Hinsicht, denn er überzeugt nicht mit unglaublich verwobenen Inhaltsstoffen, sondern mit seiner simplen und lieblichen Art. Gewürze + Bitterorangenblatt laut Kopfnote, aber so würzig nehme ich ihn zu Beginn nicht war. Vielmehr ist es ein helles und leichtes Schmunzeln wo für einen kurzen Moment fruchtige Zähne aufblitzen. Frisch aufgesprüht offenbart sich bereits wie ehrlich und lieb dieser Duft in seinem Inneren ist. Ein Quartett par excellence!
Frische, butterweiche Blumen umarmen mich sanft und ich blicke in ein herzliches und sauberes Lächeln, dass auch süßlich daherkommt - klasse ausbalanciert.
Zum Schluss umgibt mich ein himmlischer Schleier, der zwar im Drydown an Frische einbüßt - logisch - aber mit tiefen Tönen wunderbar Substanz schafft. Vetiver kann ich noch am ehesten wahrnehmen und das Sandelholz macht was es am besten kann und rundet harmonisch ab.

AKT III: My Eternal Flame
Wie zu Beginn erwähnt, spiegelt Reflection für mich ein Gefühl wider und nicht "nur" einen blumigen Duft.
Ein so schönes und positives Gefühl, dass ich nach dem Auftragen erfahre und schon kurz vorher empfinde. Eine Aura, die nicht nur mir und dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sondern auch deiner Umgebung. Bis vor kurzem war Reflection mein einziger Duft mit der Duftnote 9/10 (aktuell habe ich zwei Düfte) und das aus dem ganz einfachen Grund, dass mir kein anderer Duft dieses besondere und vertraute Gefühl verleiht. Meine ewige Flamme für die ich brenne!

FAZIT:
Inzwischen habe ich viele weitere Düfte testen können und ja, es gibt zahlreiche Kandidaten, die deutlich umfangreicher präsentieren, aber was erwartet ihr von Reflection? Der Name ist so treffend wie die Erwartung, die damit einhergeht. Wenn ihr in den Spiegel blickt, dann seht ihr auch euch selbst und nichts anderes - exakt das was ihr erwartet, wenn ihr euch dem Inhalt widmet. Eines ist er definitiv nicht - langweilig. Er bietet euch mit wenig viel und genau das will er. MEINE Empfehlung habt ihr! Überredet euch zumindest zu einem Test, falls ihr noch nicht in den Genuss gekommen seid. Er ist es wert. Von der Performance her gefällt er mir ausgesprochen gut. Mit ca. 6 - 8 Stunden könnt ihr safe rechnen je nachdem wie großzügig ihr auftragt auch länger (Habe einen aus UK und kann mich nicht über mangelnde Performance beschweren). Des Weiteren strahlt er hell und leuchtend! Wahrscheinlich perfekt für den Frühling, aber auch im Herbst und Winter eine smarte Option! Hochsommer widerstrebt mir persönlich und ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

FÜR WELCHEN DUFT BRENNT IHR???

Ganz herzlichen Dank und ich freue mich über euer Feedback! LG, Lucas
6 Antworten

LVCAS vor 9 Monaten 29
7
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

Wo Schatten ist, da ist auch Licht!
Viele getestete Düfte aus meinen Sammlungen oder derer, die ich besitze, hätten ebenfalls meinen ersten Kommentar verdient gehabt und es ist schlichtweg dem frischen Release aus dem Hause AMOUAGE zuzuschreiben, dass ich mich nun für den neuen Flanker "Interlude Black Iris Man" entscheide.

Vorwort: Noch gar nicht so lange ist es her, dass ich meine Duftreise gestartet habe - August 2019 - und seitdem bin ich diesem Hobby restlos verfallen und Parfumo ist mein neuer täglicher Begleiter! Und obwohl ich noch gar nicht so lange dabei bin wie viele von euch bin ich sehr positiv überrascht von der Community und habe schon einige tolle Kontakte kennengelernt und freue mich sehr über den Austausch! Selbstverständlich schildere ich hier meinen Eindruck und den wird nicht jeder teilen, aber seid trotzdem bitte konstruktiv und gnädig. Den perfekten Kommentar gibt es nicht und gerade die Vielfalt an Statements und Kommentaren bringt erst Farbe ins Bild - also learning by doing ^^

Recht schnell bin ich zu Beginn meiner Reise mit dem Hause AMOUAGE in Berührung gekommen und war begeistert - warum? "Reflection Man" wurde mein erster Duft, der sich in Richtung Nischendüfte bewegt und nach wie vor verbinde ich mit diesem Duft ein ganz besonderes Feeling. Es sollte nicht bei einem bleiben und ich stürzte mich auf viele andere aus dem Haus. Interlude, Epic, Lyric, Memoir, Myths, Sunshine, Jubilation usw. folgten und man kann wirklich sagen, dass hier ein breites Spektrum abgedeckt wird. Die Tatsache, dass es sich bei AMOUAGE noch um ein Parfumhaus aus dem Oman handelt brachte einen besonderen Funken mit sich (wirkte direkt exotischer als die ganzen Designer). Irgendwann schnappte ich mir auch den originalen "Interlude Man" und wenn ich heute zwei Düfte von Amouage wählen müsste, dann Reflection & Interlude. Dementsprechend hoch war meine Neugierde als ich Anfang Mai diesen Jahres den Trailer von "Interlude Black Iris Man" sah. Der erste Flanker und schon das Original hatte mich bis dato mehr als überwältigt - ein exquisiter Exot.

Die vergangene Woche stand folglich ganz im Zeichen des neuen Duftes, da ich seit Dienstag auch im Besitz einer Abfüllung war - Grüße gehen raus an den sehr freundlichen Kontakt - und ausgiebig testen konnte. Auch den kompletten Sonntag nochmal im direkten Vergleich mit seinem erwachseneren und stärkeren Bruder.

Wer den originalen Interlude kennt, der weiß wie viel Power in diesem Monster zu Beginn steckt - brachiale Würze mit Oregano-Einschlag! Ein tiefes, warmes und orientalisches Feeling macht sich breit, denn der Bursche strahlt wie nix! Dieses "Blue Biest" lässt sich nicht so einfach zähmen und auf genau diese Kraft war ich in Kombination mit der Black Iris gespannt.

Nun, im neuen Flanker haben wir im Kopf Rosmarin und Veilchenblatt statt Oregano und Piment und man wird hier sanfter begrüßt auch, wenn mir beim allerersten Aufsprühen der Gedanke kam: "Das ist ja zu 95% der Originale - kein Unterschied!". Ja, am Anfang liegen beide sehr dicht beieinander und erst im direkten Vergleich spührt man die kleine aber intensivere Prise des Originals. Nichtsdestotrotz startet auch der neue explosiv rauchig, wenn auch gefühlt mit einem Fünkchen weniger als beim Original. Da ist Black Iris merklich weicher. Ich hatte schon überlegt, ob das ein Interlude mit Dior-Homme-Touch wird was die Iris betrifft, aber dem ist tatsächlich nicht so. Die Anmerkungen kann man sich getrost schenken. Die "Black Iris" wird hier wundervoll sanft und pudrig-weich inszeniert und verleiht dem gesamten Duft schon ein angenehmes und leichtes Feeling, obwohl das immer noch kein wirklich leichter Duft ist - trotzdem auf Anhieb gefühlt tragbarer. Wirklich schön ausbalanciert wie ich finde und lässt abgeschwächt trotzdem noch tief blicken, denn im weiteren Duftverlauf trennen sich beide dann letztlich. Interlude bleibt bei mir würzig-tief und warm auf der Haut zurück wohingegen der Black Iris neben der Iris auch noch Vanille im Herzen führt und die sorgt freudig dafür, dass der nicht nur weich und geschmeidig bleibt, sondern auch süß wird - hätte nicht gedacht, dass der hinterher so pudrig-süß wird. Nichtsdestotrotz sind beide immer noch stark rauchig - crazy oder? Der Black Iris vollbringt zumindest eine eindrücklichere Entwicklung und drückt den Rauch zügiger in den Hintergrund.

In der Base spielen weiterhin die üblichen Verdächtigen hervorragend ihre Rolle - mehr oder weniger. Iris u. Vanille machen aber den wahrnembaren Unterschied. Man kann das ganz stumpf mit einem Gaming-Headset vergleichen mit einem Regler für Voices/Spielsound. Bei Interlude ist der Spielsound bei 100% und Voices stumm und beim Black Iris habt ihr beides 50/50, also Voices als neue Impulse, aber ihr spührt noch, dass da etwas im Hintergrund ist. Das Verhältnis driftet später weiter in Richtung Voices. 40/60 und 30/70.

In punkto Haltbarkeit/Sillage überzeugen mich beide Düfte! Locker 6-8 Stunden mindestens und die Sillage zermalmt alle Düfte in der näheren Umgebung!

Wieso also mein Titel "Wo Schatten ist, da ist auch Licht!"? Ganz einfach: "Interlude Black Iris Man" steht m.E. definitiv im Schatten seines älteren und größeren Bruders, aber weiß allemal mit seiner "gefälligeren" Art Impulse in Form von Iris und Vanille zu setzen und die verbinde ich hier mit dem "Licht". Der muss sich auf jeden Fall nicht hinter seinem Vorgänger verstecken und will das bestimmt auch nicht.

Schlussendlich halte ich fest, dass das KEIN Duell war oder ist - davon kann wirklich keine Rede sein. Beide wissen mit ihren Vorzügen zu schmeicheln und wie immer entscheiden EURE persönlichen Präferenzen!

Amouage hat einen grandiosen Orientale ein Stück weit alltagstauglicher gestaltet und ich stelle mir die Frage "Warum ausgerechnet einen Flanker und nicht einen neuen, eigenständigen Duft?" - Wie sieht ihr das!?

Ich sehe beide nicht als must-have, wenn ihr schon den Originalen besitzt. Außer ihr bezeichnet euch als absolute Amouage-Enthusiasten.

Wem die Interlude-DNA gänzlich fremd ist, dem empfehle ich vorher unbedingt zu testen !!


Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit und LG, Lucas
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