LeimbacherLeimbachers Parfumkommentare

1 - 5 von 2407
Leimbacher vor 11 Tagen 12
5.5
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
8
Flakon

Fundiertes Fachmissen
„Acqua di Gio Profondo“ ist der erste kleine Reinfall der Reihe für mich. Das Original ist ein waschechter, nicht alt werdender Klassiker und allen darauffolgenden, recht frischen Ablegern konnte ich auf ihre Weise auch genug abgewinnen, selbst wenn ich noch keinen davon als modernen Klassiker betiteln würde. Am ehesten wohl den elegant-wässrig-düsteren „Profumo“, den ich mit der Zeit sehr zu schätzen gelernt habe. Aber dieser neue „Profondo“, puh, der passt irgendwie nicht allzu gut in die sexy-minimalistische Sauber-Italo-Reihe, muss wohl eher hoffen, man verwechselt ihm mit dem beliebten „Profumo“...

„Profondo“ ist sozusagen die stechend-synthetische Version des aquatisch-stilvollen Klassikers für den momentanen Zahn der Zeit, für die aktuelle Generation. Nur glaube ich nicht, dass diese Taktik, egal für welche Altersklasse, in diesem Fall aufgeht. „Profondo“ ist kein total mieser Duft, nicht falsch verstehen. Nur ist er meiner Meinung nach ziemlich charakterschwach und nichtssagend. Die prickelnd-ozonische Kopfnote ist ein Nosecatcher, könnte den ein oder anderen Käufer fix überzeugen. Doch ist die einmal weg, und das geht noch viel fixer, dann kommt von diesem grau-brisigen Gebräu nicht mehr viel, fast nada. Am ehesten noch ein minimal feuchter, noch minimaler salziger Moschus-Luftikuss, der an Herrenduschgele erinnert - und zwar auch die günstigen! Für meine Nase war Morillas hier gehörig lustlos und fahrig und uninspiriert unterwegs, sodass ich jeden einzelnen seiner Brüderdüfte vorziehen würde. Ein matter Meeresbursche, dem man jedes Wort aus dem Sprühkopf ziehen muss und bei dem einem die Füße einschlafen, selbst wenn man dauernd die Zehen bewegt. Schade. Nur für den catchy Beginn gibt’s Ehrenpunkte, doch das verstärkt den Eindruck der hingehuschten und hingepfuschten Mogelpackung streng genommen nur umso mehr...

Flakon: edel und einfach traumhaft schön, stabil, elegant
Sillage: da sind einige Deos deutlich stärker
Haltbarkeit: auch nicht allzu überzeugend... 3-5 Stunden

Fazit: modern, jung, beliebig, austauschbar - einer der schwächsten Aquaten/Ableger von Armani und Alberto...
1 Antwort

Leimbacher vor 13 Tagen 27
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Ice Ice Shady
Bei „Joop! Homme“ läuft's wieder! Der pinke Klassiker war zwar nie weg, hing in den 00ern aber schon deutlich durch. Jetzt seit einiger Zeit sprießen die Flanker und Ableger allerdings scheinbar gekauft und (un)gefragt aus dem Boden - und manch einer davon ist gar empfehlenswert, wie zuletzt der schwarze „Absolute“. Selbst wenn der kaum etwas mit dem Original zu tun hatte und eigentlich eher unter neuem Namen hätte released werden sollen. Und klar geht auch paar mal der Daumen runter, wie bei der „Sport“-Bauchlandung, doch allgemein ist dieser potente König von einst definitiv wieder an Deck und ist dabei seinen Namen zu erhalten. Was hat also dieser neue „Ice“ drauf? Ein cooler Typ oder eine eiskalte Enttäuschung?

„Joop! Homme Ice“ hat wieder recht wenig mit dem Rosa-(Auf)Reisser von damals zu tun, vielleicht in seiner sirupartigen Grundsüsse. Ansonsten ist das eher ein muffig-interessanter (und gleichzeitig irgendwie zitrischer) Tabak-/Kardamomduft, bei dem mir nahezu null „eisige“ Assoziationen kommen und ich daher zumindest den Namen nicht allzu passend finde. Der Duft und ich passen dafür schon um einiges besser zusammen. Eine recht weirde Kombi aus Kratzigkeit und Balsam, aus Aschenbecher und Shisha, aus grauem Anzug und Hubba Bubba. Das wird ganz, ganz sicher einigen richtig übel aufstoßen, den kann man in der Luft zerreißen, wenn man will bzw. sich mit ihm nicht arrangieren/anfreunden kann. Ich finde ihn jedoch spannend, reizend, gewagt. Immerhin. Mindestens das. Kardamom und Orangenblüte trumpfen beide dick auf, keiner will dem anderen den Vortritt lassen. Irgendwo im weiten Niemandsland zwischen „Fleur du Male“, „La Nuit de L’Homme“ und „Tabarome“, auch Gedanken an „Hugo“ oder gar „Tabac Original“ werden wach. Nur eben mit dieser fetten Zuckerglasur, die die eigentlich eher herb angelegte DNA konträr aufprollt, verjüngt, fast schon clubtauglich macht. Ich mag den irgendwie. Vielleicht liegt es daran, dass ich Pflaumenfan bin und diese hier ebenfalls über allem schwebt. Saftig, triefend, klebrig. Aber mich nie nervend. Ein cooler Duft. Nur nie auch nur den Hauch von eisig...

Flakon: etwas langweiliges Blau, immerhin passend zum Thema, übliche Form
Sillage: nicht so laut wie der Pinke, aber lauter als manch anderer Flanker
Haltbarkeit: verschwindet nicht allzu schnell - 6-9 Stunden

Fazit: interessant, markant, süß, leicht zitrisch, mit klarer Joop Homme-DNA. Und doch ganz anders. Endlich mal was gewagt. Wird nicht jedem gefallen. Mir schon. Irgendwie. Eigenartiger Hybrid. Anziehend oder abstoßend. Test machen!
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Leimbacher vor 18 Tagen 18
6.5
Duft
5
Haltbarkeit
4
Sillage
8
Flakon

Love Is Everywhere
Nach und nach hat sich die „Guilty Pour Homme“-Reihe für Gucci wohl doch noch zu einer einigermaßen erfolgreichen Linie gemausert, woran (sicher nicht nur) ich persönlich nach den ersten paar floppigen Ablegern nicht mehr dran geglaubt hatte. „Love“ ist die neue, grüne Version, in etwa ein Sommer-Flanker. Was kann die sich hübsch im Regal breit machende Limited Edition?

Sagen wir es mal so: es ist ein netter, erfrischender Duft. Aber der nächste Hit für die Reihe ist es nicht. „Guilty Love Pour Homme“ ist ein sprudelnder, sektartiger Vetiver-Sunnyboy irgendwo zwischen beliebig und sehr angenehm, belebend, sexy. Ein guter Hauch Chemie (Schwimmbad, Sonnencreme, gemähter Kunstrasen) schwingt mit, aber spätestens das helle, erotisch-saubere Vetiver-Rückgrat gleicht das mehr als wieder aus. Fruchtig, zitrisch, prickelnd von Bauchnabel bis zum kleinen Zeh. Ein ordentlicher, kurzlebiger Sommerbegleiter. Tut keinem weh, wird keinem fehlen, wenn er denn in paar Jahren weg und vergessen ist. Erst recht nicht denen, die das gewagtere, charakterstärkere Cologne in ihren Reihen stehen haben.

Flakon: tolles Grün, schön frosty
Sillage: dezent und kein Umhauer
Haltbarkeit: über magere 4 Stunden kommt dieser Grünling nie hinaus

Fazit: Fasspause. Ein sprudelig-prickelndes Sommervergnügen zwischen Rasenmähen und Chlorbecken. Gibt schönere Düfte. Gibt schlimmere Düfte.
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Leimbacher vor 36 Tagen 13
9
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
6
Flakon

Der Saudi-Shaft
Langer Name, kurzes Fazit: „Shaghaf Oud Abyad“ ist der beste „Interlude Man“-Klon auf dem Markt!

Ein Räucherhund vor dem Herrn, dieser hochwertige Swiss Arabian-Cheapie ist ein orientalisches Monster ohne Erbarmen. Rauchig, holzig, raumgreifend. Ein Lagerfeuer im Oman, der schönste Waldbrand aller Zeiten, eine verkohlte Pizza in der Lederhandtasche, ein haariger Sultan ohne Kleider, ein Brett mit Zähnen, ein kantiges Biest mit Rundungen. Klingt blöd, is' aber so! Oud perfekt verwoben, Myrrhe wie von den heiligen Drei, Weihnachten auf dem Burj Khalifa. Massiv und grenzenüberschreitend. Nichts für schwache Nerven, nichts für Zartbesaitete, nichts für empfindliche Nasen, nichts für Anfänger. Ein Duft in Bass. Da freut sich nicht nur das Portemonnaie!

Flakon: typischer Cheapie aus'm Orient
Sillage: La Bomba
Haltbarkeit: hört nicht auf - und das ist auch gut so! 18 Stunden?!

Fazit: die perfekte, locker bezahlbare Alternative zum Biest „Interlude Man“. Sogar etwas runder und tragbarer, aber sehr nah dran. Erstaunlich. Und gut. Sehr gut. Brachial und kraftvoll, eine furiose Hosentaschenfeuerstelle!
4 Antworten

Leimbacher vor 39 Tagen 14
7
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Gran Canaria Feminina
Zuckerwattegras - eine Mischung aus Rasenmähen und Kirmes, das ist für mich dieser sweet floral. Nicht klebrig, doch definitiv süß, leicht grün, fast etwas feigig und am ehesten ein sauberer Weissblüher, Tuberose ohne Frage dominant. Für einen Nichtmöger dieser Blume wie mich aber zum Glück nicht abstoßend.

„Peridot“ ist ein angenehmer Frühlingsvogel. Eher weiblich, sehr lebendig und intensiv. Dezent dosiert ein feiner Schweif, schnell überdosiert ein nerviger Alptraum. Also einen ruhigen Drückfinger beweisen. Durchaus Nischenqualität, deswegen kein Etikettenschwindel. Auch keine deutliche Kopie von irgendeinem Bestseller soweit ich mich auskenne.

Flakon: dickes Glas, simples Design
Sillage: dezent ist anders
Haltbarkeit: doesn't stop 'til u get enough - fast zweistellig

Fazit: ein floraler Wellensittich - grün, grasig, leicht gezuckert und schwitzig oben drauf. Atemberaubender Garten.
5 Antworten

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