LeimbacherLeimbachers Parfumkommentare

1 - 10 von 2371

10.10.2019 17:26 Uhr
12 Auszeichnungen
Als ich "Atramental" im Sale mehr oder minder blind mitgenommen hatte und dann die hiesigen Kommis las, war mir etwas angst und bange - hatte ich mir etwa einen richtig dreckigen Nimmergeher ins Haus geholt? Nicht falsch verstehen, ich bin Fan von fordernden, krachenden, andersartigen und auch mal animalischen Düften - aber ich will sie ja auch tragen. Und das möglichst oft und nicht nur einmal alle drei Jahre beim alleinigen Waldspaziergang. Aber zum Glück war mein mulmiges Gefühl unbegründet, denn dieser softe Metallic-Stinker ist durchaus viel tragbarer und angenehmer, als man meint.

Zur Tattoo-Connection kann ich nichts sagen, bin nicht bemalt. Zum Duft kann ich jedoch sehr gut meine Meinung kundtun. "Atramental" startet zitrsich-pudrig um dann langsam aber sicher sein harzig-bibergeiles Rückgrat herauszuschälen. Zusammen ergibt das eine ungewöhnliche Mischung, die definitiv nicht für jeden gemacht ist und nerven kann. Mich jedoch zum Glück nicht. Alles andere als ungemütlich oder biestig wirkt er sogar auf mich. Wir haben uns wirklich schnell angefreundet. Erstaunlich und interessant, artsy und speziell. Er könnte auch ein Comme des Garcon sein. Positive Synthetik. Leicht futuristisch, aber immer noch schmutzig und "ballsy" genug, um nicht allzu weit in die A-Sexualität abzurutschen. Ein wenig Öl, ein wenig Erde, ein wenig Büroneubau, ein wenig Schmorbrand - aber alles fast transparent, zumindest zu Beginn. Hintenraus bekommt er natürlich mehr Wumms und Haare. Aber nur an den Stellen, wo sie auch hingehören, nicht auf den Zähnen! Wie eine abstrakte Arztpraxis, ein surrealer Sog aus Schweiss und Sorgenfreiheit. Mentholig und mit Aura.

Flakon: simpel aber edel
Sillage: hinterlässt einen guten Schleier, ist aber auch kein Monster, nachdem keiner mehr schlafen kann!
Haltbarkeit: auch hier hätte ich mehr erwartet - 6-7 Stunden

Fazit: einen "animalic citrus" hat man nicht alle Tage, erst recht nicht in derart hübsch und kompetent gemacht! Keine Angst, der beißt nicht.


05.10.2019 02:01 Uhr
17 Auszeichnungen
Die Valentino Uomos waren bisher alle mindestens empfehlenswert, eher sogar noch mehr. Selbst wenn sich anfangs ein deutliches Beispiel an „Dior Homme“ genommen wurde, fand Valentino mit diesen pudrigen Kaffeklatschern wieder vollkommen in die Spur. Bis jetzt - denn der neue „Born In Roma“ schlägt voll aus der Reihe, hat kaum Charakteristika seiner Brüder und kann nur als böser Ausrutscher gewertet werden. Hoffentlich...

Der Flakon spricht mich irgendwie an, der ist geil. Obwohl ich auf Grund der rosa Schrift zweimal hinschauen musste, ob es sich auch wirklich um die Herrenversion handelt. Leider kann der Inhalt da nichtmal im Ansatz mithalten. Es ist ein süß-austauschbarer Teenie-Duft. Leider kein Deut mehr, leider nichtmal ansatzweise auf dem Niveau seiner Brüder. Um einen solchen Duft im Fahrwasser von „Y“ oder „Eros“ zu releasen, muss man meiner Meinung nach nicht diese Linie missbrauchen und verunreinigen. Das schmerzt etwas. Man wollte anscheinend was rebellisch und römisch-divenhaft-exzentrisch wirken - doch der Schuss ging splattrig ins eigene Knie. „Born in Roma“ wird von einer interessanten Basis aus Salz und Veilchen-Vetiver gerettet (aber auch die bleibt recht blass). Davor herrscht nur Süßigkeiten-Kollaps. Alles vollgekritzelt, vollgekleckert, vollgeklebt. Das erinnert an die Kinderparfums solcher Marken wie „James Bond“, „Star Wars“ oder „Avengers“. Aber niemand über 18 wird das ernsthaft tragen wollen. Pudrig und elegant ist hier nada, der Name und die Verwandtschaft sagen hier noch weniger aus, als heutzutage eh schon oft. „Born In Roma“ ist die meiste Zeit ein frisch gewaschenes, unübersichtliches und kalorienreiches Potpourri aus Zuckerwasser, Herrendeo und kalten Füßen. Der landet am Ende des Jahres sicher ziemlich weit oben auf der Liste der Enttäuschungen.

Flakon: rebellisch und leicht trashig. Gut.
Sillage: aggressiv und leicht nervtötend. Jugendlicher Übermut
Haltbarkeit: 5 Stunden blieb er nur, also kein wirkliches Wunder der Natur

Fazit: weder der eigentlich tollen Reihe noch der Marke würdig. Geschweige denn der ewigen Stadt. Ein pappsüsser und charakterloser Reinfall. Am Zahn der Zeit - in all den falschen Aspekten.


05.10.2019 01:48 Uhr
10 Auszeichnungen
Der originale „Wow!“ hat Joop wieder ein wenig in die Spur gebracht, auf die Karte gesetzt. Selbst wenn er jetzt sicher kein qualitativer Überhit ist, ist er doch mehr als tragbar, ein feiner Einsteigertipp, weit über dem Niveau vorangegangener Joop-Gürkchen. Jetzt ist mir die intensivere EdP-Variante unter die Nase gelaufen...

... und der kann sogar noch etwas mehr! Es ist ein sehr zimtiger, braun-cremiger Schmeichler, perfekt für Herbst und Winter. Dem Original ähnlich, nur mit mehr Tiefe, Dunkelheit und Textur. Müsste ich mich zwischen den beiden entscheiden, würde ich definitiv diesen etwas grimmigeren Cousin nehmen. Immer noch keine Offenbarung, sehr geradeaus, simpel und sich kaum verändernd - aber dann weiß man immerhin, was man hat. Etwas nussig, etwas würzig, äußerst Iris-pudrig. Die Basis ist super schön, aber irgendwie auch super langweilig. Dennoch: „Wow!“ macht seinem Namen zwar nicht zu 100% Ehre, doch tragen würde ich ihn jederzeit mit Freude. Und Kastanien findet man derart klar erkennbar auch nicht alle Tage in einem (Herren)Parfum. Nicht kantig aber erwachsen, nicht total unsüss aber nie zuckrig-pappig-billig, nichts total Neues aber dennoch mit genug eigenem Charakter. Joop darf man wieder testen!

Flakon: dunkler und genauso langweilig wie das Original. Aber solider Sprayer. Immerhin.
Sillage: etwas für den Weihnachtsmarkt. Da braucht man (leider) öfters Ellbogen.
Haltbarkeit: bleibt und wirkt... gar nicht so lang wie gedacht. 4-5 Stunden

Fazit: (noch) besser, dichter, herbstlicher als das Original. Ein cremiger Traum aus Zimt und Cashmeran. Kuschelig und soft. Um einen schöneren Joop zu finden, muss man weit in der Zeit zurückreisen...


04.10.2019 16:55 Uhr
5 Auszeichnungen
Die neue "Shot"-Kollektion des Olfactive Studios scheint (zumindest hier auf Parfumo) ja eher nur lauwarm anzukommen. Und das trotz der sehr guten Reputation der Marke, trotz Duchaufour an den Reglern, trotz schon jetzt angedachter weiterer Ableger (Rose Shot usw.). Für diesen "Leather Shot" muss ich allerdings mal eine kleine Lanze brechen, gefällt er mir doch außerordentlich gut, am besten aus dem bisher erschienenen "Schuss"-Trio.

Es ist ein würziger, durch den Kümmel und den Kardamom leicht orientalisch angehauchter Lederduft - doch vor allem sein fruchtig-heller, minimal bitterer Beginn hebt ihn von anderen Parfums seiner Art ab und in den einzigartig-dissonanten Harmonien (jaja, ich weiß, ist ein Oxymoron) meine ich typische Duchaufour-DNA ablesen zu können, prachtvoll und leicht episch. So verspielt und mutig war er sogar länger nicht mehr. "Leather Shot" ist ein cremiger Ledersattel, leicht animalisch und schweißig, aber auch mit seinen sanften Tupfern. Iris und unverkennbarer Chai-Tee lassen den Duft über weite Strecken fast pudrig ausströmen. Licht und Schatten geben sich hier olfaktorisch und charakterlich die Klinke in die Hand - qualitativ und kreativ aber sicher nicht, denn da überwiegt für mich eindeutig das Helle und Positive!

Flakon: egal was sich die Jungs und Mädels bei Olfactive Studio für ihre Flakons und Präsentation einfallen lassen - es ist toll!
Sillage: angnehem dezent und zurückhaltend ohne kleinbrüstig zu sein.
Haltbarkeit: vollkommen ausreichende 6-8 Stunden.

Fazit: ein ruppiger Ledercowboy mit vielen weichen Seiten und tollen, fruchtig-würzigen Facetten. Klingt konfus, macht für mich aber einen feinen, homogenen Gesamteindruck und ein Lederschmankerl, wie es fast nur von Duchaufour kommen kann. Sehr einfach zu tragen trotz seiner späteren Dunkelheit.


12.09.2019 16:23 Uhr
9 Auszeichnungen
"Blask" hat etwas mit meiner Nase und meinem Geschmack gemacht, was ich seit meinen Anfangstagen in diesem Hobby kaum bis gar nicht mehr hatte: er ist mit mir den kompletten Weg von "Pfui" zu "Hui" gegangen. Zuerst fand ich ihn recht abstoßend, faulig, wie altes Obst gemischt mit einem Weinkeller, ein paar Nüsschen und einer ebenfalls etwas daneben liegenden Duftkerze/Politur. Doch mit der Zeit überzeugte er mich mit seiner "Andersartigkeit" und seinem Mut, sodass ich nur nochmal betonen kann: manchmal sind es gerade eure anfänglichen "Duftfeinde", die ihr am Ende am meisten zu schätzen/lieben lernt. Es muss nicht immer Love at first sniff sein. Jeder Duft, vor allem die interessanteren, polarisierenderen Entwürfe, haben mehrere Chancen verdient. Denn auch Hasslieben können Vorzüge haben...

Zum Duft: "Blask" ist ein "wein"erlicher Duft, könnte man sagen. Rotweinflecken auf einem nussigen Waldboden, ein Lorbeerblatt schmückt ein altes Fass. Überall hängt leichter Muff und Überreife in der Luft. Aber irgendwie fesselnd und ganz interessant, mit wenig bis nichts vergleichbar. Scharf, kantig, aneckend. Nichts für Schwachnäschen. Ein Charakterduft. Perfekt für den nächsten Rotweintestabend am Kamin. Oder auch nicht, weil zu ablenkend?! Wer weiß... Eins steht fest - der wird mir meinen (goldenen?) Herbst sicher oft versüßen. Quetschobst - bitter, saftig, ölig, alkoholisch, wohlig. Inbrünstig, wenn man denn einmal den Zugang gefunden hat. Das kann dauern. Aber es lohnt sich. Das herbstliche "Pulp"?! Fordernd aber lobenswert. Fast ein wenig skurril und bizarr.

Flakon: simpel und typisch Nische
Sillage: deutlich zu stark fürs Büro, deutlich zu weird für den Club?!
Haltbarkeit: sehr solide sieben Stunden

Fazit: nichts für Naseweise... als ob man "Royal Oud" überdreht. Gewöhnungsbedürftig - aber dann habe ich ihn lieben gelernt. Sehr fein und definitiv anders, eigen, einzigartig. Ein besonderes, leicht muffig-faules Schmankerl aus den Ruinen der Rotweinstadt.


10.09.2019 16:08 Uhr
9 Auszeichnungen
"Green Sapphire" kostet mehr als manch ein gutes Gebrauchtwagenangebot, wenn man ihn denn überhaupt noch bekommt. Kann ein Duft so viel Wert sein? Nein, natürlich objektiv gesehen nicht. Aber das ist eine ganz andere Diskussion. Zum Duft: der ist eigentlich unbezahlbar gut...

Wie eine fesselnde Mischung aus dem originalen "M7" und einem Nasomatto - das trifft es glaube ich ganz gut. Samtig, moosig, oud-holzig und einfach unbeschreiblich voluminös, dicht, schön. Ein königlicher Duft zu einem königlichen Preis. Saftig wird hier das Kopfkino angeschmissen ohne Gefangene zu machen. Himbeeren küssen Adlerholz, Cashmeran schmeichelt Moschus, Asien schaut nach Afrika rüber ohne dabei Europa komplett aus den Augen zu verlieren. Fast zu groß um ihn zu tragen... "Green Sapphire", der Name verspricht viel und hört sich hochtrabend an - aber wenn dann solch ein Kracher drin ist, darf man das. Einige Boadiceas mögen den eigenen Ansprüchen und Preisen kaum gerecht werden - der hier schon. Und über welchen 600-Euro-Duft kann man das schon sagen?! Einfach nur köstlich und zum Reinlegen. Beeindruckend. Höchst beeindruckend. Bis in die Duftspitzen. Und für einen (Neu-)Whisky-Fan wie mich sogar noch mit Bonuspunkten. Muffig und magnifique.

Flakon: edler ginge nur mit Diamanten drauf
Sillage: mit breiter, behaarter und muskulöser Brust voraus
Haltbarkeit: gefühlt ∞

Fazit: einer der dichtesten, edelsten und seinem (ohnehin schon hoch gegriffenen) Namen am gerechtesten werdenden Düfte, die ich je auf der Haut hatte. Ein ganz großes, ganz teures Ding. In allerlei Hinsicht. Da weiß man gar nicht, wo man hinriecehn soll...


09.09.2019 15:25 Uhr
10 Auszeichnungen
Im Laden (der wunderbare Beauty Affair an der Kö) war ich sehr angetan und diese Neuerscheinung von Bois 1920 schien wie der perfekte Allrounder für mich. Daheim dann erstmal der Schock: war ich etwa auf einen (recht teuren) Aventussi hereingefallen? Nein, zum Glück nur teilweise und nicht zu sehr...

"Paraná" ist der Neue von Bois 1920 und der erste Duft der Marke in meiner Sammlung - und womit? Mit Recht! Denn es handlet sich um einen erfrischenden, jungen und äußerst delikaten Herrenduft von Freizeit bis Büro, von März bis Oktober, von Spass bis Business, von Date bis Vorstellungsgespräch. Und zu meiner Erleichterung ist er dann doch ein ganzes Stück mehr als nur ein weiterer Versuch ein Stückchen vom Aventus-Money abzukriegen. Klar hat er ähnlich fruchtig-birkige Vibes, ist dann im Endeffekt für mich aber doch noch weit genug entfernt, um nicht rechts den Duftzwillingsbutton zu drücken.

"Paraná" ist scharf aber niemals beißend, Moschus-Johannisbeeren küssen minimal-ledrige Vibes und mit einer Menge Spritzigkeit und Fun. Sommerliche Cocktails rufen da zwischen jeder Zeile, vor allem der Klassiker Mo zum Jito. Auf meiner Haut ist dieser zahme Piranha wirklich sehr hell, fast blumig und ultimativ extrem sexy, die ledrig-holzige Richtung oben kann ich kaum unterschreiben. Auf mich wirkt er super zugänglich, undunkel und dennoch reif genug. Ein echter Hit fürs Büro, kein Zweifel. Und nie aufdringlich oder billig. Der Preis ist gerechtfertigt. Der leert sich mit Sicherheit flott...

Flakon: robust, klar, fein geschliffen, durchweg schön
Sillage: tendiert Richtung dezent
Haltbarkeit: dicht an der Haut, aber das 6-8 Stunden lang

Fazit: ein klarer, heller, positiver und sehr ansprechender Immergeher zwischen Aventus und einem zuckrig-prickelnden Cocktail. Kann der Umwelt eigentlich nur durchweg gefallen. Ich trage ihn sicher sehr oft und liebend gerne. Was will man mehr?! Fehlkauf abgewendet.


09.09.2019 10:48 Uhr
8 Auszeichnungen
„Empireo“ klingt königlich und hart, ist jedoch ein extrem softer, fast schmelzender Myrrhe-Vanille-Schmeichler. Eine Diktatur ist das in keinem Fall, eher ein Königreich, in dem Milch und Honig fließen...

Die bisher getesteten Düfte von Onyrico waren einfach zu gut, um da nicht am Ball zu bleiben und an „Empireo“ ohne Test vorbei zu gehen. Und auch der gefällt mir gut. Mit Luft nach oben. Ein zähflüssiger Vanillebrei, anfangs vom Lavendel begleitet, später eher durch helle Blumen, der runter geht wie Öl. Vanille kann schnell billig riechen - hier nie und nimmer. Allerdings kann man ihm eine gewisse Langeweile und Risikounbereitschaft nicht absprechen. Solche Düfte kennt man einfach, wenn auch eher selten derart fein und hochwertig ausgezeichnet. Nur Kurven, Überraschungen und Spritzigkeit darf man hier nicht erwarten. Eher verlässliche Leckerheit. Hätte auch ein Profumum Roma sein können. Oder eine luxuriöse, überteuerte Duftkerze. Macht sich breit, aber man kann ihm nicht böse sein. Sanft und gemächlich.

Flakon: das sind schon traumhafte Dinger mit den Verschlusskappen als i-Tüpfelchen
Sillage: zarte und gleichzeitig dicke Vanillecreme, die sich solide hinter einem verteilt
Haltbarkeit: laaaaang - 11 Stunden, wenn auch später eher hautnah

Fazit: kein neuer König in Duftregal, dafür ist er noch etwas zu beliebig und egal. Aber es ist ein unheimlich hochwertig gemachter Vanille-Myrrhe-Kuschler, in dem man sich verlieren kann.


09.09.2019 10:46 Uhr
13 Auszeichnungen
Nennt mich verrückt oder (psychologisch) leicht beeinflussbar, aber: die kleinen Steinchen im Gravel haben mich nicht nur magisch angezogen, ich meine sie auch förmlich im Duft erriechen zu können... !

„Gravel - A Mans Cologne“ ist ein klasse gemachtes Remake eines einst etwas in Vergessenheit geratenen Klassikers. Dieses Update ist ein Träumchen, keine Frage. Klassisch, vornehm, männlich. Aber gleichzeitig unheimlich cremig, leicht sonnig (wie erhitzter Marmorstein!) und nie übertrieben süß/„tonkrig“. Im Herzen fast ein dickflüssiger Lavendel, aber irgendwie noch viel mehr. Und seinen Preis mehr als wert. So müssen Facelifts! Die Steine passen perfekt zum mineralischen, sehr texturreichen, leicht körnigen Geruch, sind quasi mit der Flüssigkeit fusioniert und ergeben eine geballte Einheit, ein ideales Gesamtbild. Eine Duftoberfläche, die man fast in der Nase meint zu spüren. Edel und homogen, unschuldig und glatt. Das Original war sicher roher, wuchtiger, fransiger und satter - doch das hier kommt nach meinem Geschmack dem perfekten modernen Herrenparfum schon sehr nahe. Und das auf Klassik beruhend. Pah. Klasse klasse klasse! :)

Flakon: diese Steinchen haben es mir angetan. Der Rest ist unspektakulär.
Haltbarkeit: 6, eher 7 Stunden
Sillage: man riecht ihn... wenn man will.

Fazit: „Gravel - A Mans Cologne“ ist eine der feinsten Mischungen aus Barbershop, Cremeduft und maskulinem Lavendel, die man sich ausmalen kann. Klassik nahezu perfekt geupdatet!


06.09.2019 14:32 Uhr
3 Auszeichnungen
Lange Zeit dachte ich, dieser minimal hellere "Trésor", der bei mir (bzw. meiner Freundin) direkt neben einer dicken Buddel des Original steht, sei nur eine kleinere Ausgabe dessen. Bis ich beide ausführlich getestet, getragen und nebeneinandergestellt habe und klar erschnüffeln konnte - das hier ist eine neue, ganz andere Version, ein Flanker! Zack, unter'm Flakon gelesen: "L'Eau de Parfum Lumineuse"... Gar nicht so leicht diese vielen "Trésore" auseinander zu halten, vor allem ohne Umverpackung...

"Trésor Lumineuse", wie ich ihn mal abgekürzt nennen will, bleibt seinem Mutterduft treu, setzt aber neue Facetten, Finessen und Farben ein. Die Basis stellt immer noch ein delikater Hauch von Moschus+Vanille, doch der Vordergrund wurde deutlicher an heutige Zeiten angepasst, versüßt und knackiger, lebendiger inszeniert. Die Rosen wirken eher grün als rot, sprießen auf einer nasskalten Wiese im Sonnenschein. Hinzu kommt eine waldig-pralinige Fruchtigkeit in Lilatönen und durchaus der ein oder andere (synthetisch-)pieksende Stachel mehr als vorher. Das muss man mögen, dadurch ist dieser "Trésor" weniger kuschelig, dafür agiler und spritziger und jünger, naiver und jugendlicher. Auch etwas transparenter und funkelnder, passend zum Namen. Ich mag ihn sogar fast mehr als sein Vorbild und Mutterschiff. Er hat ein freches Strahlen im Gesicht und dennoch ein Abendkleid an. Darunter vielleicht nichts. Und er lädt ein, auch die vielen weiteren Tresörchen unter die Lupe zu nehmen...

Flakon: genauso schön und glänzend wie das Original!
Haltbarkeit: genauso lang und ergiebig wie das Original - 8-9 Stunden!
Sillage: ein wenig zarter und leichtfüssiger als das Original.

Fazit: ein toller Facelift für "Tresor" ohne den Charakter und die Seele des Originals gänzlich zu verlieren. Sehr edel und doch alltäglich genug. Glänzend, in der Tat.


1 - 10 von 2371