LeimbacherLeimbachers Parfumkommentare

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15.05.2019 00:24 Uhr
13 Auszeichnungen
Den hat meine Freundin von ihrem Vater zu Ostern geschenkt bekommen - und hiermit lag er gar nicht mal so falsch. Oder besser gesagt: die Verkäuferin bei Douglas, die ihm den angedreht hat...

„Jette Signature“ ist kein Duft, zu dem man viel schreiben muss. Er verändert die Duftwelt nicht, haut einen nicht um, überrascht wenig. Selbst Anfänger sicher nicht. Bedenkt man jedoch seinen minimalen Preis, dann kann er durchaus Werbung für die Marke (und Frau) Jette Joop machen. Es handelt sich um einen fruchtigen Moschusduft mit klar blumigen Facetten. Johannisbeere küsst eine luftige (bulgarische) Rose. Chic, jugendlich, aber nicht unreif oder kindlich. Auch alles andere als sexy oder verrucht. Eher einfach nett und ansehnlich und immer gut tragbar. Glatt und freundlich. Damit macht meine Freundin weder auf der Arbeit noch beim Essen mit den Schwiegereltern etwas falsch. „Jette Signature“ kann man fast nur mögen. Und diese biedere Art und unübersehbare Mutlosigkeit und Langweiligkeit ist dann auch schon seine einzige und größte Schwäche.

Flakon: golden und glänzend und süß
Sillage: dezent, bürotauglich
Haltbarkeit: okay, gerade noch so. 5 Stunden. Für ein EdP wenig.

Fazit: besser als sein Preis. Fruchtig, leicht, blumig. Für alle Altersklassen und Lebenslagen. Eine feine Allrounderin ohne Ecken und Kanten. Signaturwürdig. Spartipp!


24.04.2019 23:43 Uhr
12 Auszeichnungen
Einer der ersten Kommentare zum neuen „Alien Man Fusion“ von Thierry Mugler den ich las war in etwa: „Riecht beliebig, langweilig, lahm und wie 95% aller heutigen Neuerscheinungen. Irgendwo zwischen Eros und Prada L‘Homme“. Ich könnte kaum vehementer widersprechen! Der original „Alien Man“ war vielleicht etwas bieder und zahm für ein „Alien“, landete deswegen auch nie in meiner Sammlung. Aber diese Fusion hat es durchaus in sich. Ein sehr kurioser, spezieller und außergewöhnlicher Duft. Alles, nur kein Langweiler. Keine Neuerscheinung von der Stange. Fordernd und irre. Und das ist doch toll im grau-süßen Wust aus den olfaktorischen Chemielaboren dieser Welt!

„Alien Fusion Man“ lässt aufriechen. So viel ist klar. Entweder Hui oder Pfui, der wird mit Sicherheit polarisieren. Ist er ein schief gelaufenes Experiment oder ein mutiger Tabubrecher? Ein Kotzduft oder eine einmalige Signatur? Müll oder Kunst? Die alte Frage, auf die ich hier noch keine 100%ige Antwort habe. Aber ich tendiere eindeutig zum Daumen hoch. Allein weil mal wieder was versucht und gewagt wird. Das muss man unterstützen und sich einem solchen Wesen behutsam nähern. Vielleicht auch mit ein paar mehr Chancen als für andere Düfte. Extrem synthetisch, extrem neuartig, extrem ballsy.

Dieses tiefblaue Alienzwitterwesen ist kaum identifizierbar. Zumindest dufttechnisch. Mit einer leicht minzig-stumpfen Creme beginnt es, dann kommt irgendwann pudriges Kunstleder (vielleicht in lila?!) und später gekippter Kaffee aus Xanadu. „Alien Man Fusion“ ist eine Herausforderung und ich verstehe abgeneigte Nasen und sogar Verrisse. Aber ich finde ihn einzigartig und bemerkenswert. Näher an der Kantigkeit und „Fuck it!“-Attitüde eines „Womanity“ als an seinem Papaduft. Für viel kaum tragbar, für mich ein echter Hit und Mugler. Experimentell, strahlend, außerweltlich. Thema getroffen. Setzen. 1. Mit Sternchen für Erklärungen und Warnungen. Nochmal: dieses wirre Alien wird nicht allen gefallen, vielleicht sogar den Wenigsten. Er kann übel aufstoßen und verwirren. Er hat Latexhaut und Hubbabubba-Atem. Doch mir zaubert er ein Lächeln ins Gesicht. Zumindest dezent dosiert. Einen zimtierten Osmanthusstrauss riecht man immerhin nicht alle Tage. Und es ist toll, dass auch im Designerbereich noch nicht alle Ideen aus und alle Eier geschrumpft sind. Jetzt muss nur noch das Publikum mitspielen und diesen Versuch zumindest respektieren. Es muss ja nicht gleich Liebe sein.

Flakon: toller Sprayer, feine Farbe, einzigartig. Alien halt.
Sillage: pudrig, plausibel, passabel
Haltbarkeit: 8 Stunden hatte ich was davon. Eher sogar mehr.

Fazit: ohne Zweifel ein Alien. Dieses Mal eher eine Mischung aus Thanos und dem Blob. Gewöhnungsbedürftig und anders. Mutig. Hit or Miss. Bei mir passt‘s!


24.04.2019 22:54 Uhr
10 Auszeichnungen
Der spritzige Light Blue-Ableger aus dem letzten Jahr, „Italian Zest“, hat mir trotz seiner leicht synthetischen Art sehr gut gefallen. In die Sammlung geschafft, z.B. am Flughafen vor einem Sommerurlaub oder ähnliches, hat er es allerdings nie. Dem Nachfolger „Sun“ geht es nicht anders - nur kurz angetestet und schon drin. Dabei ist er jetzt nicht viel besser als sein Vorgänger. Aber manchmal reicht eben der richtige Moment, der richtige Gutschein, der richtige Sprühstoss. Willkommen!

„D&G Light Blue Pour Homme Sun“ ist ein Italiener, durch und durch. Ein Sommerflanker, noch zweifelsfreier. Die Grapefruit ist eiskalt und macht heiß, das Kokoswasser spürt man nur dezent und im Hintergrund, verleiht der Light Blue-DNA aber einen spürbaren Karibikblues. Fruchtig aber nicht schwer, stechend aber meiner Meinung nach nur oberflächlich billig. Urinale Untertöne und Assoziationen bleiben bei mir zum Glück auch komplett aus. Kein natürlicher Duft, dafür aber sehr jugendlich, sexy, erotisch. Heißes Wasser auf noch heißeren Körpern. Durchtrainiert und selbstbewusst ab Geburt. Ein junger Gott. Den mögen die Ladies, das weiß ich jetzt schon. Vor den Sommerurlauben 2019 definitiv ein Testmuss an den Flughäfen dieser Welt. Im Abklang dann sauberer Moschus und eine Prise Eichenmoos und Vetiver. Vanille kaum 'ne Spur. Also eher grün-spritzig als gelb-drückend. Wirkt wie ein Mix aus dem Original, dem Eau Intense, Acqua di Gio Absolu und einem Cocktail auf Antigua. Schmeckt!

Flakon: tolle Farbe, sommerlich, anziehend, klasse insgesamt.
Sillage: (anders als meine Überschrift) dezent und sexy.
Haltbarkeit: 5-6 Stunden Strandpower und entzückte Beachbabes

Fazit: mir gefallen die Light Blue Pour Homme Flanker. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Und italienischer Stil. Lebenslust und Raffinesse. Sex pur. Egal wie heiss es wird, das Ding ist heißer. Wie der „Zest“ Letztes Jahr wieder etwas „trashig“, scharf und billig - aber irgendwie auf eine tolle Art und Weise. Urlaubswinner!


23.04.2019 15:27 Uhr
18 Auszeichnungen
Mein Schwiegervater schenkt mir oft Duplikate und Billigkopien von größeren Düften. Nett gemeint - aber bei so einer Sammlung meist dann natürlich vorprogrammiert zum Weiterverschenken oder Verstauben in der Vitrine. "Writer" von Cyrus, den es dieses Ostern gab, wird es nicht so ergehen. Auch er ist eine Kopie eines olfaktorischen Blockbusters, nämlich Diors "Sauvage" - doch da ich den trotz fehlender Liebe (erst recht am Hype, der Duftqualität und seinem Preis gemessen) immer in der Sammlung haben wollte, weil er so derart einfach und täglich zu tragen ist, bin ich dieses Mal sehr froh über das kostengünstige Geschenk. Denn "Writer" kann mit seinem Vorbild erstaunlich gut mithalten und kostet nur einen Bruchteil davon (100 ml - 15€)...

"Writer" kann nicht verleugnen, wem er nacheifert. Vom Flakon über die Farbe, die spritzige Kopfnote bis hin zum moschussauberen Drydown ist das ganz dem neuen "Wilden" von Dior nachempfunden. Aber verdammt gut gemacht! "Writer" ist sogar weniger stechend, weitaus fruchtiger, weicher und wirkt fast etwas hochwertiger. Böse Zungen sagen jetzt, dass das bei "Sauvage" nicht schwer ist, doch bei dem PLV muss man das erstmal hinbekommen. Irgendwo zwischen EdT und EdP seines großen Vorbilds. "Writer" ist ein Anfängerduft, Immergeher, Freizeitcharmeur, Büroliebling. Und ein extremer Portemonnaieschoner. Hätte ich "Sauvage" schon der Sammlung, würde ich ihn guten Gewissens weiterverschenken. Doch da dies nicht der Fall ist, wird er bleiben und fest einziehen und sicher nicht selten getragen werden. Ein frischeres "Boss Bottled". Nicht umsonst ein Bestseller. Jugendlicher, penetranter, duschgelartiger. Das klingt abschreckend, aber mit diesem grünen Apfel macht man eigentlich nie etwas falsch im Büro. Mit dem gedämpften "Writer" noch viel weniger als mit Diors Polarisierer und Massenentzücker.

Flakon: angelehnt an das Vorbild. Gefällt mir exzellent. Das "Writer" hätte dezenter platziert/geschrieben werden können (oder ganz weggelassen werden können), aber ansonsten ist das top. Erst recht für den Spottpreis. Mit dickem Glas, schöner, tiefer Farbe und sogar Magnetverschluss (!). Fein!
Sillage: angenehm, aber dennoch aufmerksamkeiterregend. Die Leute mögen ihn und geben Komplimente. Vom Fiti bis in die Vorstandsetage.
Haltbarkeit: 6-9 Stunden lassen ebenfalls kaum meckern.

Fazit: "Sauvage" für Pfennigfuchse? Nein, mehr als das. Eine echte, solide, gefällige Alternative und für mich sogar der angenehmere Duft. Sorry Dior, aber jetzt brauche ich "Sauvage" nicht mehr in der Sammlung!


20.04.2019 15:34 Uhr
3 Auszeichnungen
Ein weiterer geerbter Vintageflakon - ein weiterer feiner Duft. Wenn auch keiner meiner absoluten Favoriten. Dennoch ist „Wind Song“ in dieser klassischen, noch nicht reformulierten Version ein edler Tropfen!

„Wind Song“ schlägt in dieselbe Kerbe wie viele andere Damendüfte seiner Zeit - nur mit klarer Konzentration auf die (Gewürz-)Nelke. Wer die also nicht abkann, darf woanders gucken. Gibt ja noch genug grün-klassische Chyprealternativen. „Wind Song“ hat einen klasse und passend gewählten Namen. Er wirkt luftig, hochwertig, melodisch und melancholisch. Aus einer anderen Zeit und sehr intensiv, tiefgründig, leicht zu tragen dennoch. Die bitteren Nelken gehen mit grünen Gewürzen, pudrigen Blumen und seifigen Moschusuntertönen eine exzellente Allianz ein. Wieder gibt es Spuren von „L'Air du Temps“, doch wo gibt es die denn nicht? Zumindest bei Damendüften aus vergangenen Zeiten. „Wind Song“ ist ein seifig-feiner Immergeher mit Hang zum „übernelken“. Ansonsten ist das sehr sauber gemacht, ausgewogen arrangiert und klassisch beeindruckend. Man hört, dass er, falls er überhaupt noch zu kriegen ist, mittlerweile kaputt reformuliert wurde - was dieses jahrzentealte Original in meiner Sammlung noch kostbarer macht.

Flakon: dick, unhandlich, okay - zumindest meiner.
Sillage: macht kaum Gefangene und gibt zügig Gas. Gibt allerdings größere Brecher von damals
Haltbarkeit: da muss man sich bei solchen kleinen Klassikern wenig Gedanken machen. „Wind Song“ ist da keine Ausnahme. 9-12 Stunden.

Fazit: ein heller, klassischer Chypre. Nelkig und nett. Seifig und sonnig. Hochwertig und handfest.


20.04.2019 13:49 Uhr
10 Auszeichnungen
Ich habe viele ältere Damendüfte geerbt bzw. geschenkt bekommen. Von großen Klassikern bis zu unbekannten Geheimtipps, von eingestellten Perlen bis zu ewigen Legenden. Viele werden weiterverschenkt, wenige werden wirklich von mir (oder meiner Freundin) getragen. Doch „Joya“ ist anders. Er ist von allem etwas, tendiert stark zur kostbaren Rarität und ist erstaunlich herrisch, maskulin, tragbar. Ein völlig humorloser, trockener, grüner, würziger Floral. Chypriert und steif. Selbst unter Legenden für die Frau von gestern findet man solch einen Wumms selten...

„Joya“ verteilt auf meiner Duftfanseele wirklich Genugtuung. Männlicher als 99% der heutigen Neuerscheinung im Herrenregal, egal ob Nische oder Designer. „Joya“ ist dunkelgrün, komplett ohne Süße und doch irgendwie sommerlich, spanisch, sonnig. Wie eine Sonnenfinsternis im dichten Wald, wie ein Wüstenwind am spanischen Sandstrand, wie eine reife Königin der Herzen. Muss nicht lachen um Freude zu verbreiten. Der Jaguar aus der Beschreibung unter mir passt ideal. Ein Topf voller Möglichkeiten. Blumen, so ernst und stilvoll, dass man vor Ehrfurcht erstarrt. Ylang Ylang trifft auf Zimt, Nelke auf Benzoe, Maiglöckchen auf Vanille - nur eben völlig zuckerlos und unsüss. Die spanische Mitte aus „No. 5“ und „L'Air du Temps“. Klassisch, vintage, oldschool. Und doch zeitloser als nahezu alles, was in den letzten zehn Jahren auf den Markt gekommen ist. Ein Parfüm wie eine Statue. Ewig und makellos. Das ist ganz was Feines!

Flakon: eckig, klassisch, schwer - ein unsterblicher Staubfänger
Sillage: räumt gründlich auf und ist eine echte Tyrannin
Haltbarkeit: unnachgiebig - 10 Stunden und mehr

Fazit: eines der edelsten und stärksten Parfums, das je aus Spanien kam. Grandios, auch für den Herrn! Für die Dame von gestern und den Herrn von morgen?!


18.04.2019 17:44 Uhr
5 Auszeichnungen
"Maja" ist keine sanfte Biene, oh nein,
dieser seifige Blumenstrauss hat durchaus Rasse und haut rein!

Eine spanische Schönheit, blütenweiss und doch mit Feuer unterm Rock,
sie versetzt dich mit ihrer Schönheit unter einen angenehmen Schock.

"Maja" wirkt klassisch und von höchster Präzision,
egal wie sehr man versucht, dazu entwirft man nicht mal eben im Labor 'nen Klon.

Feinste Seife von der iberischen Halbinsel,
mal schwingt sie den Schläger und mal den Pinsel.

Eine tolle Frau, ein toller Duft,
da brennt vor lauter Leidenschaft die Luft.

Doch nicht falsch verstehen, "Maja" ist sanft und rein,
sie gibt nur eben nicht gern bei klein.

Sonnig, frühlingshaft, voller Leben und Esprit,
solch ein Gefühl vermitteln mir moderne Damendüfte so gut wie nie.

Kaum süß aber doch eindeutig feminin, sehr reif,
diese Frau bewegt sich, bis auf ihre Hüfte wird da einiges steif.

Saubere Wäsche mit einem Schuss Honig und Nelke,
sie gibt dir ihr Wort, dass sie so schnell nicht verwelke.

Man glaubt ihr, sie ist eine zum Stehlen von Pferden,
so eine gibt es vielleicht nur einmal auf Erden.

"Maja" wirkt absolut modern und nicht wie ein hundertjähriger Staubfänger,
wer am letzten lacht, lacht halt immer noch ein wenig länger.


11.04.2019 16:39 Uhr
3 Auszeichnungen
"Lelia 66" habe ich in einer Mini-Version (5 ml?) vererbt bekommen und ich reiche ihn mit SIcherheit bald weiter - was jedoch nicht heißen soll, dass er mir nicht gefällt. Ganz im Gegenteil!

Wie eine bunte Blumenwiese - strahlend und sonnig, nett und hilfsbereit. Durchzogen von saftiger Wiese, knackigem Moos und trockenen Hölzern. Klar ein Lelia, aber irgendwie jugendlicher, naiver und schöner als das Original. Muss man riechen, um das zu verstehen. Ein Freigeist, ein Schöngeist, ein Reingeist. Sauber und lockerleicht. Frühlingsreif und sehr hochwertig. Berliner Schnauze war gestern. Das hier ist die FSK 6 Version, wenn nicht gar für alle Altersgruppen. Und das ist nicht abfällig gemeint. "Lelia 66" ist nur die Schöne, nie das Biest. Wie ein "Insense" for her. Werft Blumen, keine Bomben. Ein bisschen Frieden, ein warmes Lüftchen, eine kurze Pause vom Stress des Alltags. Heidi trifft auf Hippie. Nur ohne Patchouli und ohne versaute Gedanken. Unschuldig und unbefleckt. Ein Floral wie die heilige Maria.

Flakon: wieder nur ein Mini in meiner Sammlung... und der macht wenig her. Die große Version scheint aber kaum hübscher oder ausgefallener gewesen zu sein.
Sillage: angenehmer geht's kaum
Haltbarkeit: 7-9 Stunden sind drin. Bei guter "Führung".

Fazit: eine hellere, blumigere und freundlichere Variante des Lelia. Hätte auch 69 heißen können. Grün und schön. Fast unisex.


11.04.2019 15:40 Uhr
19 Auszeichnungen
"Youth-Dew" ist Legende und war mir natürlich schonmal unter der Nase. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass meine Mutter ihn eine Zeit lang mal getragen hat. Selbst wenn ich da wohl noch im Bauch war. Oder zumindest super jung. Doch richtig testen, auf meiner Haut, konnte ich ihn erst jetzt... und er ist ein Hammer! Noch immer, für immer.

"Youth-Dew" würde ich als oriental floral bezeichnen, doch er ist noch viel mehr als das. Ein zimtiger Traum aus Samt und Seide. Schwitzige Discokönigin. Moschuskuh mit Pömps. All Inclusive Gewürzbar. Tigerin auf Beutesuche. Oma in Strapsen. Dachboden und "Spielzimmer" in einem. Christian Greys Lehrmeisterin. Ein Wochenende im Naturkostüm. Freie Partnerwahl auf dem Dampfschiff. Swingerparty ohne Scham. Puffmutter der Herzen. Unantastbarer Mythos. Die bewegte Frau. Kopfkinokitzler. Ein Kissen voll Saft und Liebe. Crying in the Discotheque. And loving it.

Flakon: ich habe leider nur einen simplen Mini...
Sillage: B-O-M-B-E
Haltbarkeit: ebenso - 12 Stunden (und ich habe das Eau de Cologne!!!)

Fazit: zwischen sexy Jugendwahn und besinnlicher Altersweisheit - "Youth-Dew" ist nach wie vor ein Brecher. Hoch erotisch und sein ganz eigenes Ding. Ein Vollweib und völlig zurecht noch immer DAS Aushängeschild von Estee Lauder. Krachender Hit!


02.04.2019 22:47 Uhr
5 Auszeichnungen
ch hatte vergessen mein Parfum in die Sporttasche zu tun und war nach dem Workout olfaktorisch blank. Kann auch mal gut tun, aber da ich noch zu einem Essen verabredet war, wollte ich dort nicht ganz duftlos erscheinen. Also schnell in den Rossmann, bereit zu einem soliden Bruno Banani oder so zu greifen. Gross war die Auswahl nicht. Doch dann fiel mir dieser mir unbekannte Gianfranco Ferre ins Auge, von dem ich noch nie bewusst gehört hatte. Also schnell drauf auf die wichtigsten Stellen, denn die Firma kann was. Konnte was, Vergangenheitsform, muss man sagen. Denn dieser „L‘Uomo“ ist wirklich nicht gut. Da wäre ich lieber mit meinem Eau de Natur zum Essen aufgelaufen. Wahrscheinlich hätte ich nach dem Fitnessstudio nichtmal duschen müssen und hätte noch besser gerochen... Ja, dieses Ding ist ein Graus, verkörpert nahezu alles, was viele aktuelle Herrendüfte falsch machen.

„Ferre for Men“ bzw. „Gianfranco Ferre For Men“ waren grandiose Düfte. Sind sie noch immer. Trotz leichter Reformulierung. Doch dieses neue Herrenparfum der Firma ist das Gegenteil von solchen (noch immer) Geheimtipps. „L‘Uomo“ riecht wie Axe nur in noch künstlicher, riecht wie billiges Duschshampoo nur in noch stechender, riecht wie eine Siebtklässlerumkleide nur in noch stinkiger. Ein Kuddelmuddel sondergleichen, frisch aus dem Labor und einem „Y“ von YSL alle Ehre machend. Wie „Invictus“ nur in schlecht gemacht und halbherzig, wie „Boss Bottled“ nur in lahm, beliebig und charakterlos. Anstatt mich gut dastehen zu lassen, hat mich der Duft genervt und sogar Kopfschmerzen verursacht. Ok, die wären wahrscheinlich auch ohne ihn gekommen. Aber er ist eben dermaßen unbrauchbar, dass ich heute alles auf ihn schiebe. Hier Duftnoten auszumachen wäre wie Fischen in der Kanalisation. Am ehesten noch grüner Apfel und synthetische Tonkacreme, aber meistens eine undefinierbare, süße Kakophonie. Pfui. Tut weh, Ferre so tief fallen zu sehen.

Flakon: passt in Rossmann und Co. - echt nicht wirklich hochwertig
Sillage: leider auch noch recht stark... übel. Das tut bei solchem Murks immer doppelt weh.
Haltbarkeit: dass 5 Stunden zu lang sind, sagt man selten...

Fazit: objektiv ein Reinfall, im Vergleich zu älteren Ferres eine absolute Frechheit. Götterdämmerung. Kein Wunder, dass er wenn überhaupt nur in Drogerien erhältlich ist. Furchtbarer Chemieunfall.


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