LeimbacherLeimbachers Parfumkommentare

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04.11.2019 17:50 Uhr
10 Auszeichnungen
Erwartet man bei Guerlain einfach mehr?
Oder loben Fans und treue Anhängerschaft vielleicht sogar eher?!

Dieses noble Moschus jedenfalls hat einige enttäuscht,
selbst wenn auf Grund der soliden Machart und einfachen Schönheit selten ein Verriss entfleucht.

Mir jedenfalls gefällt „Noble Musc“ ziemlich gut,
selbst wenn ihm neben der Guerlinade fehlt auch etwas der Mut.

Außerdem ist es eher ein Rosenduft statt Moschus satt,
da weckt auch der Name noch zusätzlich falsche Hoffnungen und lügt ziemlich glatt.

Außerdem hat man natürlich diese orientalisch angehauchte Rosenkombi schon oft gerochen,
doch das heißt nicht, dass die Zuvorkommer haben dieses seidene Träumchen automatisch ausgestochen.

Guerlain bleibt eben Guerlain und lässt sich selbst bei „Ausfällen“ nicht komplett lumpen,
vielleicht muss man dieser rosanen Rose nur etwas mehr Zeit geben und öfters pumpen.

Ein wenig mehr Reife und Komplexität hätte ich allerdings schon erwartet,
doch ist es zum Glück auch nicht so, dass die Langeweile hier ausartet.

Das zarte Röschen ist eben etwas junger und unbefleckter als erhofft,
doch die fehlende Süsse sorgt vielleicht sogar dafür, dass sich manch ein Paar um ihn zofft.

Ehrlich muss man aber natürlich dennoch sein,
hier steckt leider nicht mehr allzu viel unter dem schönen Schein.

In dieser edlen Kollektion gibt’s sicher bessere Griffe,
dieser Kreation hier hätten einfach gut getan noch ein paar raffinierte Schliffe.

Da gibt es beispielsweise und vor allem bei Narciso Rodriguez um ein Vielfaches bessere Moschusdüfte,
wie anfangs angedeutet, von Guerlain erwartet man eben einen Aufschwung in ganz andere Lüfte.

Fazit: simpel aber schön - zumindest wenn man auf Rosen, Moschus und Safran steht, eine Kombi, die mittlerweile ja quasi jeder Parfumo rückwärts singen kann und in allen möglichen Formen, Stärken, Varianten in der Nase hatte. Das hier ist aber eine der edleren, feineren, tragbareren Variationen des Themas. Oder zumindest im oberen Drittel dieses Subgenres angesiedelt. Wenn auch nicht ganz den extrem hohen Erwartungen und Guerlains Ausnahmestatus entsprechend...


04.11.2019 17:48 Uhr
11 Auszeichnungen
Vom extrovertierten, ziemlich billigen Flakon bis zum sehr süß-synthetischen Duft - hier war mir sofort, in Sekundenbruchteilen klar, dass dieser Versuch von Carolina Herrera die „One Million“-Kundschaft zu ergattern, hier auf auf Parfumo fast ausschließlich auf taube Nasen und böse Verrisse stoßen wird. Doch dass das ja nicht immer meinem Geschmack entsprechen muss, habe ich denke ich schon oft genug bewiesen. Was sage ich also zu diesem auffälligen „Bad Boy“, den ich am Flughafen in Prag testen konnte?

Er wirkt wie eine Mischung aus einem der Paco Rabanes aus dem aktuellen Jahrzehnt und Givenchys (leider) eingestelltem „Very Irresistable for Him“. „Invictus Night“ könnte in Zukunft auch nicht unähnlich duften. „Eros“ und „Y“ sind auch nicht weit. Präsentation, Kampagne und meine genannten Vergleiche dürften also jedem die Marschrichtung schonmal klar vor die Nase knallen. „Bad Boy“ ist ein Kakao- oder eher Milchschokoladen-Duft, leicht nussig sogar. Das muss erstmal nichts Schlechtes sein, erst recht nicht bei meinem noch immer leicht in die gourmandige Richtung tendierenden Geschmack. Nur wird dieses nougat-artige Rückgrat des sehr unreifen und clubtauglichen Duftes umflirrt von „feinster“ Powersynthetik, aggressiv und banal, sodass einem manchmal das Luftschnappen schwer fällt. Erst recht wenn man die Nase zu nah an ihn heranwagt. Pfeffer habe ich selten so stechend und prickelnd und unecht erlebt, zudem schwingt immer ein Fanta-Vibe mit. Und damit meine ich nicht die klassische gelbe, sondern irgendeine der noch viel pfuiigeren Sondereditionen. Exotik aus dem Labor, Multifrucht aus der Hölle, aufgezwungene Sauberkeit trifft Schokoladenfabrik. Kakao trifft frisch geduscht ist einfach... gewöhnungsbedürftig. Nett gesagt. Böse gesagt: baaah! Für die Disco oder die Shishabar reicht’s, für alles andere leider nicht mehr. Dafür bin ich wohl zu alt. Das ist nicht (mehr?) meins.

Flakon: Shazam! goes Player
Haltbarkeit: da muss man schon gut schwitzen, tanzen, trinken im Club, bis der abgewaschen ist. 8 Stunden, aber mal ganz locker. Eher mehr.
Sillage: durchaus laut und aufdringlich, wie nicht anders zu erwarten.

Fazit: uh, wird das das neue Hassobjekt der Parfumo-Community?! Unverdient wäre es, vom krassen Flakon bis zum kratzig-kakaoigen Duft, nicht. Für seine Zielgruppe macht er aber durchaus Sinn. Oder ist er selbst für die zu... gewollt cool und gangsta?!


02.11.2019 20:47 Uhr
10 Auszeichnungen
Nachdem mich die Herrenvariante vom „Guilty Absolute“ in seiner Schmutzigkeit und Andersartigkeit richtig positiv überrascht, ja schon geflasht hatte, behielt ich diese dunkelpinke Damenversion immer im Hinterkopf. Zu neugierig war ich, ob diese für mich (oder die Dame an meiner Seite) auch so gut funktioniert. Diese Woche war das brombeerige Geschoss dann im Testgelände, sprich: meinem Körper, unterwegs und ich kann endlich meine Eindrücke hier schildern.

„Gucci Guilty Absolute Pour Femme“ (die Parfumnamen werden auch immer länger) erinnert mich an eine etwas schattigere und voluminösere Version eines meiner Frauenlieblinge: Laliques „Amethyst“. Und das ist quasi auch schon die Antwort auf die mir oben selbst gestellte Frage: ja, auch die Damenversion gefällt richtig gut. Selbst wenn sie vielleicht nicht umgehend in die Sammlung wandert, kann ich nur alle Daumen nach oben zeigen, weiterempfehlen (zumindest als Test) und loben. Seine Erscheinung passt zum Duft, waldige, kräftige, fast etwas erdige Beeren riecht man an Damen eher selten, mit dem Parfum kann Frau (oder vielleicht auch Mann) nur glänzen und herausstechen. Die Rosen kommen zwar aus dem Labor, sind aber genauso saftig und verrucht wie die Waldbeeren, Synthetik done right, alles wirkt richtig rund und erwachsen. Als ob man den aktuellen Damen-Mainstreamgeschmack fast all seines Zuckers beraubt und ihn einmal durch den Chyprewolf dreht. Grandios! Wenn Gucci doch nur immer auf diesem Niveau unterwegs wäre. Das ist großes Damentennis. Nuff said.

Flakon: ich mag die passende Farbe sehr sehr sehr.
Sillage: über die komplette Dauer gemessen gar nicht mal allzu erschlagend und potent. Sehr gut tragbar, wenn man nicht mit dem Finger am Sprüher hängen bleibt.
Haltbarkeit: hält und hält und hält... 9 Stunden im schlechtesten Fall.

Fazit: für mich fast genauso gut wie die maskuline Variante. Beerig-brümftige Busenfreundin. La Bomba mit Geschmack.


02.11.2019 20:33 Uhr
8 Auszeichnungen
Nachdem Tom Ford für den dickeren Geldbeutel in seiner Private Collection mit dem toskanischen Leder bei vielen voll ins Schwarze getroffen hat und das olfaktorische Ledergenre fast etwas revolutionieren konnte, greift er nun mit „Ombre Leather“ auch nach den „Normalsterblichen“. Ist es ein weiterer Leder-Überhit oder nur ein seichtes Plagiat seines Vorbilds/Cousins? Ich tendiere leider etwas zu Letzterem, ohne dem Duft sein Können und seine Schönheit absolut absprechen zu wollen.

Das „schattierte Leder“ orientiert sich brachial an seinem toskanischen Verwandten, mildert ihn ein gutes Stück ab, macht ihn weniger aggressiv und so tragbarer. Wer also immer mit dem schwarzen Biest aus der teuren TF-Line seine Probleme hatte, könnte dieser zahmeren Version nochmal eine Chance geben und ihm, wie viele andere (s. unter mir), verfallen. Ich kann mich hier aber leider den Lobgesängen nicht anschließen. Zumindest nicht gänzlich. Ich würde jedenfalls jedes Mal „Tuscan Leather“ vorziehen, ohne Wenn und Aber. „Ombre Leather“ interpretiert das schwarze Leder (oder war es Koka?! ;) sehr viel grauer und defensiver, glättet die Kanten mit Kardamom, Safran und femininen Weissblühern. Hinterbaus sanft-helle Moosfacetten sind sogar fabelhaft. Das ist insgesamt okay, das ist nett, das kann man(n) richtig gut tragen. Doch das setzt sich irgendwie auch an einen schon gedeckten Tisch, ohne selbst was in der Hand zu haben oder drauf zu stellen. Ich hoffe die Fans des Duftes wissen oder verstehen, was ich meine. Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch. Aber hier spielt es der gute Tom schon arg safe runter. Was einmal passt, ist sicher auch beim zweiten Anlauf kein Reinfall. Nur alle kriegst du damit eben nicht, du Schlawiner... Aber ganz ehrlich und ohne Spaß: hier kommt es sicher auch darauf an, welche Gangart man bevorzugt.

Flakon: simpel aber passend
Sillage: alltägliche Potenz
Haltbarkeit: suuuuper laaaange - 11 Stunden fast

Fazit: ein unmutiger Leder-Immergeher - düster aber nicht kräftig, hochwertig aber nicht besonders, maskulin aber einfallslos, eine Neuerscheinung aber nicht neu. Zudem noch drastisch bei sich selbst geklaut. Ein schöner Ledernacken ist’s trotzdem. Für mich wird er nur seinem Hype und seiner Bewertung hier nicht ganz gerecht. Erst recht nicht im Vergleich zum hauseigenen, den Weg pflasternden „Tuscan Leather“.


01.11.2019 20:41 Uhr
12 Auszeichnungen
„Metallique“ von Tom Ford verbindet das synthetische Thema Metall, Lack, Farbe, Werkstatt, Technik, Kälte, vielleicht sogar etwas Chlor und Chemie, mit einem warmen, pudrigen Vanillekern irgendwo zwischen Lebkuchen, Puderzucker und Weihnachtsmarkt. Nur eben die letztgenannten winterlichen Eindrücke derart leicht und moschuslastig interpretiert, dass man meinen könnte, man hat es eher mit einem Narciso Rodriguez zu tun, als mit dem exzentrischem, oft lauten, schweren Herrn Ford...

Femininer Feenfeinstaub aus der Luxusauto-Lagerhalle - so könnte man „Metallique“ beschreiben. Raffinerie küsst Raffinesse. Kühler Futurismus trifft auf süße Umarmung, Vorsprung durch Gourmandtechnik. Definitiv ein Duft, der mit wenig vergleichbar ist. Um nicht zu sagen, mit gar nichts. Er erinnert wirklich an eine Mischung aus Lolita Lempicka und Narciso Rodriguez, nur vielleicht sogar noch ein Stück hochwertiger. Interessant und fordernd, nicht für jedermann, aber gleichzeitig auch gefällig und jammy. Schminkkoffer trifft auf Silberpfeil, Puderquaste auf attraktiven Cyborg. Der perfekte Duft für künstliche Intelligenzen und erweiterte humane Lebensformen. Guerlain von der Venus. Und u.a. auf Grund seiner speziellen Ader auch absolut von Männern tragbar. Da ihn die Masse eh erstmal nicht zuordnen und einordnen kann. Metrosexuelles Zauberwasser. Starkes Stück. Kein großer Wurf, aber einer, der schon meinen Geschmack deutlich und frontal trifft. Aluminium-Allzweckwaffe.

Flakon: shiny und nice
Sillage: dezent dosiert sogar bürotauglich. Eine ausgefallene Signatur?!
Haltbarkeit: da gibt sich der gute Tom selten die Blöße - dieser metallene Puderstaub ist da keine Ausnahme. 8 Stunden Minimum.

Fazit: kein neuer Hit für die Massen vom edlen Tommy. Aber dafür grandios unterkühlt-warmer (?!) Metallfeenstaub für die paar, die sich in ihn verknallen. Wie mich. Feines Ding, sexy und interessant. Name passt auch. Wer hier nicht an Metall denkt, sollte mal seine Geruchsknospen checken lassen. Oder mehr Fantasie entwickeln ;).


01.11.2019 17:04 Uhr
6 Auszeichnungen
Polo wird nicht müde seinen blauen Bestseller zu melken - jetzt ist „Ultra Blue“ am Start. Nur was macht der neue Erfrischer anders als seine Brüder und bringt er überhaupt etwas (Neues) an den Tisch, das einen Kauf lohnen, rechtfertigen könnte?

Nein, meiner Meinung nach bringt er dafür viel zu wenig. „Ultra Blue“ ist ein chemisch-stumpfer, hochgepitchter Zitrus-Duschkopf, den man meint, gerade in den letzten Jahren, schon ätzend oft gerochen zu haben. Von etlichen Sommereditionen bis hin zu synthetischen Frischekeulen, die scheinbar gut ankommen und vom Büro bis ins Gym gern getragen werden. Da reiht sich dieser blaue Geist uninspiriert ein und er könnte sich in den Duty Free-Bereichen dieser Welt gut schlagen. Mir gefällt er jedoch nur mäßig. Im besten Fall okay. Eher weniger. Er hat eine sehr hohe Stimme, wirkt sonnig und sommerlich, fast, wie gesagt, eher wie ein heller Flanker als ein komplett neuer Duft. Weder mit Ruhm noch mit Kreativität hat man sich hier besudelt. Einen Hauch Gurke und Salz nehme ich wahr, doch ansonsten ist das nur Zitrone aus dem Labor. Und das ist (für mich) deutlich zu wenig. Es gibt etliche frische, sommerliche, saubere Duftstoffe, die man eher selten riecht, von der Mango bis zur Erdbeere, von Champagner bis Feige - aber hier wird sich nichts getraut, nichts gewagt, keine einzige Abzweigung genommen, die nicht schon jeder hundertmal befahren hat. Es wird wirklich Zeit, vor allem im zitrischen Bereich, dass der Mainstream mal ein paar neue Facetten und Experimente probiert. Denn diese Masche hier, ist, nicht nur für Vielschnüffler wie uns hier, mittlerweile abgenutzt wie die Unterwäsche deines Großvaters. Polo sagt nur noch sehr aufgesetzt und möchtegern-cool Yolo.

Flakon: der ist schick, jugendlich und vorzeigbar
Sillage: jede Dusche ist gefühlt riechbarer
Haltbarkeit: seine Künstlichkeit und Frische halten ca. 5 Stunden auf meiner Haut

Fazit: kein wirklicher Fortschritt zum normalen Polo Blue. Eher ein uninspirierter Rückschritt. Sommerlich, sauber, synthetisch, seicht. Erinnert extrem an einige der Sommervarianten von „Light Blue PH“. Nichts Großartiges. Aber auch nichts zum Verreißen. Nur eben super lahm.


01.11.2019 17:03 Uhr
8 Auszeichnungen
Kardamom wird vor allem im olfaktorischen Mainstream oft verbaut - zart und sanft, süß und gefällig. YSLs Bestseller „Nuit de L'Homme“ ist da das beste Beispiel, der verdankt meiner Meinung Kardamom eine Menge. Aber wie in „Madras Kardamom“ hat man das meist angenehme, dennoch nicht immer etwas erotische Gewürz noch nicht erlebt. Ich erst recht nicht, da ich kein Kaffeetrinker bin, wo er sich in den letzten Jahren hipsterartig glaube ich auch gehörig breit gemacht hat.

„Madras Kardamom“ gibt's dir gleich zu Beginn voll ins Gesicht - derart puren, natürlichen Kardamom hat man vielleicht noch nie in der Nase gehabt. Das geht gut ab, das ist durchaus aggressiv und geht nur nach vorne. Dunkel und direkt. Man riecht die Körner und Aromen des Stoffes nicht nur, man spürt sie fast förmlich im Riechkolben. Das Gefühl hat man selten, vielleicht vergleichbar mit Tom Fords „Tobacco Vanille“, der einen ähnlichen Effekt erreicht. Für Kardamom-Liebhaber könnte Zegna hier vielleicht sogar den heiligen Gral an den Start gebracht haben. Das haut mich (positiv) um. Nach einer halben Stunde wird er aber schon spürbar weicher, runder und wärmer, verliert minimal an Stabilität und Wow-Faktor. Aber da ist er bei Parfums ja sicher nicht alleine mit dem Highlight in der Kopfnote. Aber auch insgesamt kann der Duft (mehr als nur) gefallen. „Madras Kardamom“ ist ein würzig-weiche Walze, mit der man sich schnell anfreundet und die sicher einige Nasen auf sich zieht. Aber natürlich mag auch nicht jeder eine derartige Würzwolke, selbst wenn es „nur“ Kardamom ist. Oder vielleicht gerade Kardamom, da man hierzulande mit Zimt oder Vanille natürlich wesentlicher „dicker“ ist. Man könnte sagen, dass er außer konzentriertem Kardamom wenig bis nichts zu bieten hat - aber das macht er dermaßen kraftvoll, facettenreich und fett, dass man sich darüber nicht beschweren kann. Ein Duft, der sich spezialisiert hat und seine Sache nahezu perfekt macht. Eine neue Messlatte in seiner Beziehung. Das muss man erstmal schaffen.

Flakon: Teile der Flakons sind edelst, andere, wie der billige Plastikdeckel, in dieser Preisklasse aber auch frech und unnötig
Sillage: zu Beginn durchschlagend in alle Richtungen, später schnell weicher und körpernäher.
Haltbarkeit: Quality Baby - 9-12 Stunden

Fazit: was für ein wunderschöner, kaum süßer Kardamom-Karateschlag. Wer auf das weich-herbe Gewürz steht, hat ziemlich sicher eine neue Referenz. Und das tue ich. Gewaltig gut!


29.10.2019 17:31 Uhr
8 Auszeichnungen
Mit Feigen tue ich mich fast immer sehr schwer. Aber "Fico d'India" macht es mir ganz leicht. Wunderbar. Ein Fruchtkorb aus Feigenholz, soft und süß, rund und lecker. Absolut fantastisch. Und das für den ganz kleinen Geldbeutel. Nicht schlecht, Herr Specht!

Von Tuttotondo hatte ich noch nie etwas gehört, aber ich bin froh, diesen Duft unter der Nase bzw. am Handgelenk zu haben! Er hat einmal mehr bewiesen, dass ich auch Duftstoffen, die ich bisher nicht mochte, weiterhin in regelmäßigen Abständen eine Chance geben sollte. Ein echter Preis-/Leistungstipp. Für Feigenfans erst recht.

"Fico d'India" konzentriert sich eher auf die lieblich-fruchtigen Seiten der Pflanze, aber das kommt mir recht. Feucht, fröhlich, lächelnd. Ein positiver Duft für Frühling und Sommer. Die Mango gibt etwas Exotik, die (Kokos)Milch macht alles noch fluffiger und weicher, ohne allzu schnell auf die Nerven zu gehen. Sehr beruhigend und fast etwas meditativ das Ganze. Cremig und leicht feminin geneigt. Freundlicher kommen Parfums kaum. Und wer sich bei dem Preis (ca. 40€ pro 100 ml) Gedanken um die Qualität macht - auch die sind unbegründet. Alles duftet hochwertig genug, dass ich mit dem dreifachen Preis gerechnet hätte. People's Champion.

Flakon: gibt sicher hübschere Flakons... aber es kommt ja auf den Saft an!
Sillage: zart und smart
Haltbarkeit: nicht viel mehr als 6 Stunden blieb er bei mir

Fazit: für mich die angenhemste, saftigste, fruchtigste und tragbarste Feige am Markt. Oder zumindest in der Top 3. Keine Lüge, kein Hype. Der ist super. Und das nur für ein paar Euro. Wow.


10.10.2019 17:26 Uhr
12 Auszeichnungen
Als ich "Atramental" im Sale mehr oder minder blind mitgenommen hatte und dann die hiesigen Kommis las, war mir etwas angst und bange - hatte ich mir etwa einen richtig dreckigen Nimmergeher ins Haus geholt? Nicht falsch verstehen, ich bin Fan von fordernden, krachenden, andersartigen und auch mal animalischen Düften - aber ich will sie ja auch tragen. Und das möglichst oft und nicht nur einmal alle drei Jahre beim alleinigen Waldspaziergang. Aber zum Glück war mein mulmiges Gefühl unbegründet, denn dieser softe Metallic-Stinker ist durchaus viel tragbarer und angenehmer, als man meint.

Zur Tattoo-Connection kann ich nichts sagen, bin nicht bemalt. Zum Duft kann ich jedoch sehr gut meine Meinung kundtun. "Atramental" startet zitrsich-pudrig um dann langsam aber sicher sein harzig-bibergeiles Rückgrat herauszuschälen. Zusammen ergibt das eine ungewöhnliche Mischung, die definitiv nicht für jeden gemacht ist und nerven kann. Mich jedoch zum Glück nicht. Alles andere als ungemütlich oder biestig wirkt er sogar auf mich. Wir haben uns wirklich schnell angefreundet. Erstaunlich und interessant, artsy und speziell. Er könnte auch ein Comme des Garcon sein. Positive Synthetik. Leicht futuristisch, aber immer noch schmutzig und "ballsy" genug, um nicht allzu weit in die A-Sexualität abzurutschen. Ein wenig Öl, ein wenig Erde, ein wenig Büroneubau, ein wenig Schmorbrand - aber alles fast transparent, zumindest zu Beginn. Hintenraus bekommt er natürlich mehr Wumms und Haare. Aber nur an den Stellen, wo sie auch hingehören, nicht auf den Zähnen! Wie eine abstrakte Arztpraxis, ein surrealer Sog aus Schweiss und Sorgenfreiheit. Mentholig und mit Aura.

Flakon: simpel aber edel
Sillage: hinterlässt einen guten Schleier, ist aber auch kein Monster, nachdem keiner mehr schlafen kann!
Haltbarkeit: auch hier hätte ich mehr erwartet - 6-7 Stunden

Fazit: einen "animalic citrus" hat man nicht alle Tage, erst recht nicht in derart hübsch und kompetent gemacht! Keine Angst, der beißt nicht.


05.10.2019 02:01 Uhr
18 Auszeichnungen
Die Valentino Uomos waren bisher alle mindestens empfehlenswert, eher sogar noch mehr. Selbst wenn sich anfangs ein deutliches Beispiel an „Dior Homme“ genommen wurde, fand Valentino mit diesen pudrigen Kaffeklatschern wieder vollkommen in die Spur. Bis jetzt - denn der neue „Born In Roma“ schlägt voll aus der Reihe, hat kaum Charakteristika seiner Brüder und kann nur als böser Ausrutscher gewertet werden. Hoffentlich...

Der Flakon spricht mich irgendwie an, der ist geil. Obwohl ich auf Grund der rosa Schrift zweimal hinschauen musste, ob es sich auch wirklich um die Herrenversion handelt. Leider kann der Inhalt da nichtmal im Ansatz mithalten. Es ist ein süß-austauschbarer Teenie-Duft. Leider kein Deut mehr, leider nichtmal ansatzweise auf dem Niveau seiner Brüder. Um einen solchen Duft im Fahrwasser von „Y“ oder „Eros“ zu releasen, muss man meiner Meinung nach nicht diese Linie missbrauchen und verunreinigen. Das schmerzt etwas. Man wollte anscheinend was rebellisch und römisch-divenhaft-exzentrisch wirken - doch der Schuss ging splattrig ins eigene Knie. „Born in Roma“ wird von einer interessanten Basis aus Salz und Veilchen-Vetiver gerettet (aber auch die bleibt recht blass). Davor herrscht nur Süßigkeiten-Kollaps. Alles vollgekritzelt, vollgekleckert, vollgeklebt. Das erinnert an die Kinderparfums solcher Marken wie „James Bond“, „Star Wars“ oder „Avengers“. Aber niemand über 18 wird das ernsthaft tragen wollen. Pudrig und elegant ist hier nada, der Name und die Verwandtschaft sagen hier noch weniger aus, als heutzutage eh schon oft. „Born In Roma“ ist die meiste Zeit ein frisch gewaschenes, unübersichtliches und kalorienreiches Potpourri aus Zuckerwasser, Herrendeo und kalten Füßen. Der landet am Ende des Jahres sicher ziemlich weit oben auf der Liste der Enttäuschungen.

Flakon: rebellisch und leicht trashig. Gut.
Sillage: aggressiv und leicht nervtötend. Jugendlicher Übermut
Haltbarkeit: 5 Stunden blieb er nur, also kein wirkliches Wunder der Natur

Fazit: weder der eigentlich tollen Reihe noch der Marke würdig. Geschweige denn der ewigen Stadt. Ein pappsüsser und charakterloser Reinfall. Am Zahn der Zeit - in all den falschen Aspekten.


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