LeporelloLeporellos Parfumkommentare

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Leporello vor 9 Monaten 13
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Duft
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Haltbarkeit
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Flakon

Reden wir über Kouros, Charakter und Katzen ...
oder warum manche Düfte Zeit brauchen, bis man sie schätzen lernt. Zum Verständnis des folgenden Kommentars ist es zwingend notwendig, dass ich mich als Fan von Kouros, seinen Sommerflankern (bis zum Jahr 2006, die nachfolgenden waren Mist) und Zibet oute. Egal wie die Mehrheit der "olfactory society" sich zu Kouros positioniert, für mich ist und bleibt Kouros ein genialer und bemessen an heutigen "Duftbomben" ein wunderschöner, aber auch tragbarer Duft. Will heißen, bevor ich in den zweifelhaften "Genuss" eines gaultier´schen Kampfmittel komme, möge man mich lieber mit Kouros überschütten. Als Fan von Kouros, mochte ich auch stets die Sommerflanker, besonders der hier sehr gelobte Kouros Cologne Sport (2003), leider nun nirgends mehr zu erhalten und somit nur noch eine duftende Erinnerung. Als aufmerksamer Leser unseres geschätzten Forums, wurde ich alsbald auf Lapidus pour Homme Sport aufmerksam, angeblich ein Duftzwilling des erwähnten Kouros Cologne Sport und damit ein sofortiger Testkandidat. Düfte mit der Bezeichnung "Sport" lösen jedoch im Allgemeinen und Speziellen bei mir ein ganzes Orchester an Warnmeldungen aus, nur wenige sogenannte "Sportflanker" sind ernsthafte Testkandidaten und überhaupt sollte man Bezeichnungen wie Sport, Intense und Extreme aus der Parfümwelt verbannen. Bedienen wir uns doch lieber simpler Beschreibungen wie Cologne oder L´Eau und man weiß zumindest einigermaßen, was wir erwarten dürfen. So ist Lapidus pour Homme Sport für mich weniger ein "Sportduft" als eine Art Kouros Cologne oder Kouros L´Eau. Nun an Kouros und auch seinem Äquivalent aus dem Hause Lapidus scheiden sich ja wahrlich die Geister und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Lapidus pour Homme Sport ein, nach heutigen Maßstäben sehr polarisierender Duft ist. Dennoch verdient er einen Kommentar und eine möglich genaue Beschreibung und Einordnung.

Lapidus pour Homme Sport, steht in einer Traditionslinie zu den Kouros Sommerflankern und das merkt man auch direkt und wahrlich unmittelbar nach dem Auftragen. Der Duft eröffnet mit einer Kanonade von scharf-zitrischen Bergamotten- und Zitrusnoten, die zugegeben erstmal einen "Overkill" für die Nase bedeuten kann. Doch wirkt dieser Auftakt nicht chemisch-künstlich, sondern trotz seiner Intensität sehr natürlich, wenn auch nicht das mildere Öl der Früchte, sondern die herb-frischen Zesten Pate standen für das Opening. Zugleich merkt man aber auch eine gute Portion frischer Kräuter, die dafür sorgen, dass die Zitrusnoten einigermaßen gebändigt werden, herausragend umgesetzt ist hier für mich der Rosmarin und das Basilikum. Sofort stellt sich ein mediterraner, wenn auch schroffer Dufteindruck ein, der durchaus bildlich die griechische Küstenlandschaft wiederspiegelt. Nach etwa einer halben Stunden gesellen sich florale Noten hinzu, die ausgesprochen gelungen und sehr natürlich wahrnehmbar den Duft für eine gute Stunden markant prägen. Den Duft der Orangenblüte nimmt man deutlich wahr und dieser verschmilzt regelrecht mit den "schroffen" Kopfnoten und mildert so den Dufteindruck erheblich ab, die Rosengeranie spendet dem Duft eine leichte florale an "überreife" Rosen erinnernde Süße. Lapidus pour Homme Sport spielt hier gekonnt mit sehr explizit weiblichen Noten und bettet sie sehr gut in das maskuline Thema ein. Nun würden wir nicht von einer riechbaren Verwandschaft reden, wenn nicht auch eine Portion animalischer Noten dem Duft beigefügt wurde. Jedoch handelt es sich hier nicht am einen Zibet-Kracher, hier spring einem die Katze nicht mit dem Gesäß ins Gesicht, nein, sie umschmeichelt einen, will gestreichelt werden und macht auf sich aufmerksam. So liegt eigentlich schon zu Beginn des Duftes ein leichter animalischer Schleier über dem Duft, süßlich und warm wirkend, ein bisschen dreckig und sehr charaktervoll.

Nach etwa einer guten Stunde verschmilzt der Duft zu einer einzigen, aus zitrisch-blumigen, durch Gewürze abgemilderten und animalisch untermalten Melange, deren Haltbarkeit enorm, aber deren Sillage sehr angenehmen und niemals störend ist. Nun mag kritisieren, dass Lapidus mit diesem Duft gute dreißig Jahre zu spät ist, dass er eigentlich nicht mehr dem heutigen Zeitgeist entspricht, ach und überhaupt nicht mehr tragbar ist. Meiner Meinung nach sind diese Attribute alle falsch! Lapidus pour Homme Sport gibt uns Korous-Freunden eine sehr tragbarer Neuinterpretation des doch nach wie vor geliebten Griechen. Und wenn wir schon von Griechen, Griechenland und Kouros reden, so finde ich den Dufteindruck der griechischen Inseln mit ihren schroffen Küsten, saftigen Plantagen und Gärten hier sehr gut umgesetzt. Irgendwie fühle ich mich an einen Garten an der griechischen Küste versetzt mit blühenden Zitrusbäumen, Steingärten mit Kräutern und einer kräftig schnurrenden Katze auf meinem Schoß.
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Leporello vor 9 Monaten 5
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Diese verflixte Shareholder Value ...
Dies wird ein sehr schwieriger Kommentar da ich mir überhaupt nicht sicher bin ob ich diesen Duft verteufeln oder mit Freude tragen soll. Was die Zino Davidoff SA sich auch immer bei einem ihren letzten "Abteilungsleiter-Gesprächen" in der Parfumsparte gedacht haben mag, dem großen Klassiker einen "jungen" Bruder an Seite zu stellen, es muss mit der Gier nach Geld zusammenhängen. Nun kam es wie es kommen muss, man nimmt den Namen, den Mythos und die Reputation eines Duftklassikers, verändert nicht mal das Design und haut einen Duft raus, nun ja der äußerst schwierig zu fassen ist. Cool Water ist und bleibt ein toller Duft, ein Klassiker zu recht und mit Sicherheit die "Cash-Cow" im Hause Davidoff. Da wird ein findiger Bursche sich gedacht haben "machen wir doch ein Neues Testament und springen auf den Intense-Hype auf" und schwups war die Idee geboren. Ich glaube ja, dass Davidoff bewusst hier auf den Nimbus des Klassikers setzt und die Neugierde (ja auch meine) anzusprechen versucht. Hat funktioniert! Es kam also, dass ich vor kurzem bei einem Bummel durch die Stadt (der erste Weg führt immer in meine Stammparfümerie) natürlich Cool Water Intense entdeckte. Testen? Na klar! Am Ende siegt immer die Neugierde und unsere Nasen sind ja auch erprobt und halten so manches Odeur aus. Also rauf damit auf den Handrücken und Eindrücke sammeln. Eindrücke? Welche Eindrücke? Heute beim Blick auf die Duftpyramide ist mir klar, wieso und warum der Eindruck (man kann von Eindrücken gar nicht reden) eher eindimensional blieb. Hier setzt aber nun der "Casus Belli" ein. Es darf eigentlich nicht sein, aber das "Zeug" riecht verdammt gut auf meiner Haut und gar nicht mal so chemisch. Bin ich geistig und olfaktorisch im Mainstream angekommen? Ich, der ich es liebe auf meinem Konzertflügel Bach, Chopin und Liszt zu spielen? Kann nicht sein!

Nun genug des Selbstzweifels. Was haut uns denn Davidoff hier um die Nasen? Tja, ich würde meinen einen tollen, wenn auch eindimensionalen Cocktail und recht natürlich dazu. Cool Water Intense eröffnet erstmal herrlich süßlich-spritzig frisch mit dem Eindruck einer Kanonade von allerlei Orangen- und Mandarinennoten (ich finde hier auch leichte Anklänge an Arancia di Capri von Acqua di Parma). Zugleich, nach etwa zehn Minuten, kommt eine sehr gelungene Kokos-Note hinzu, will meinen kein Bounty-Effekt oder zuckersüßer-Mädchen-Duschgel-Alptraum, sondern das Gefühl frisch aufgeschlagener Kokosnüsse. Bedeutet aber auch, die Kokosnote ist nicht überbordend, sonder wirklich eher frisch-wässrig, wie eben das Kokoswasser aus selbiger Nuss. Gekonnt gemacht von Frau Ménardo. Kokos und Männer ist ja immer so eine Sache. Das geht gerne nach hinten los, persönlich bei mir so geschehen mit Virgin Island Water von Creed (bekomme heute noch Karies beim Gedanken daran). Hier bei Cool Water Intense ist es wirklich nur eine sehr leichte Note, die nach etwas mehr als einer Stunde mit den Ambernoten das ganze umrundet und so einen eindimensionalen und sehr haltbaren Dufteindruck hinterlässt. Im Wesentlichen auf den Punkt gebracht mit den Worten frisch-warme Orangennoten treffen auf frisch geöffnete Kokusnuss auf warmen Sand. Dennoch gefällt mir der Duft sehr gut an mir, er wird nämlich erfreulicherweise nicht penetrant und ich mag ihn gerne an mir riechen. Für den Frühling sicher eine tolle Option wenn es mal legerer zugehen sollte, wenn statt Bach und Liszt mal wieder mehr Lust auf Eric Clapton, Die Beatles oder gute Laune Pop herrscht.
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Leporello vor 9 Monaten 6
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Lassen wir etwas Licht in den Elfenbeinturm ...
Wenn man sich bereits eine geraume Zeit mit Parfums beschäftigt, mal genauer hinsieht, testet und seine Nase in den duftenden Nebel hält, muss man aufpassen nicht die Bodenhaftung zu verlieren. So geschehen bei mir und daher durchaus auch selbstkritisch zu verstehen. Je mehr man testet, riecht und kennen lernt, umso mehr hat man bestimmte Vorstellungen von einem Duft. Man kreiert so glaube ich eine Art "perfekten" Duft in seinem Hinterkopf und nimmt ihn zum Vergleich hervor. Mir ist aufgefallen, dass je mehr "Luxus- oder Nischendüfte" ich getestet habe, umso harscher meine Kritik an den "Crowdpleasern" ausfällt. Das ist nicht zwingend gut und man läuft Gefahr so manchem Duft unrecht zu tun. Ein Paradebeispiel für solch einen zu unrecht abgewerteten Duft ist Baldessarini Eau de Cologne. Lassen wir die markante Werbung mit ihrem Slogan mal außen vor und gehen direkt in die Inhalte. Baldessarini Eau de Cologne ist ein Duft, welcher mittlerweile für kleines Geld online und offline zu beziehen ist. Ergänzt wird das Angebot durch After Shave, Duschgel und Deostick und das seit Jahren.

Nach langer Zeit habe ich mir diesen Duft mal wieder zugelegt, weil er mir eigentlich schon ab Erscheinen sehr gefiel und für mich eine Art Eierlegende Wollmilchsau darstellt. Hier wird das Rad freilich nicht neu erfunden aber die Kombination aus frischen eher süß-zitrischen Noten und Gewürzen mit Patchouli finde ich hier sehr rund und angenehm umgesetzt. So kann ich auch den Duft gar nicht wirklich in eine Kategorie einordnen, denn er ist weder klassischer Gewürzduft noch frischer Frühlingsschmeichler. Die Kopfnote eröffnet sodann auch nicht unmittelbar scharf-spritzig frisch, sondern eher warm-süßlich gedämpft und von leichten Gewürznoten begleitet. Ein wenig erinnert mich dieses Opening als würde man in einem Küchenmörser Mandarinenschale, Gewürze und Öl der Zitrusfrüchte zu einer Paste verstoßen. Glücklicherweise ohne Weihnachtsbäckerei Assoziationen. Diese Kopfnote verfliegt jedoch sehr schnell und macht nach etwa fünfzehn Minuten Platz für eine ziemlich interessante Mischung aus Patchouli (aber nicht das muffige Keller-Patchouli), balsamischen Noten (keine Ahnung was das sein soll) und Holz. Warum hier Minze aufgeführt ist vermag meine Nase nicht zu verstehen. Was hier als balsamische Note und Patchouli umschrieben wird, erinnert mich ein wenig an den Geruch von leicht feuchten Tabakfeinschnitt, wie wir sie früher in den Beutel gekauft haben. Dennoch fällt es mir schwer hier zu behaupten, es handele sich um einen reinen Tabakduft, vielmehr ist ein ein fruchtig würziger mit Nuancen von Tabak unterlegten Frühlingsduft. Erstaunlicherweise erinnert mich Carvens neuer Duft Paris La Havane an das Konzept von Baldessarinis Eau de Cologne, ein wenig als hätte Carven eine "Intense-Version" von diesem Duft geschaffen. Die Haltbarkeit dieses Eau de Cologne liegt bei knapp sechs Stunden mit eher hautnaher Sillage, was aber dennoch mitunter ausreichend sein kann.

Wenn ich den Duft von Baldessarinis Eau de Cologne in einer Assoziation beschreiben würde, dann am ehesten mit dem Bild einer hügeligen kubanischen Landschaft voller Tabak- und Fruchtplantagen umgeben von Wald und morgendlicher Nässe. Alles verschwimmt so in einer süßlich-würzigen und gedämpft fruchtigen Melange. Was wir und auch ich aber von diesem Duft lernen können ist, dass es sich lohnt mal wieder den Elfenbeinturm mit Licht zu durchfluten und sich in die Niederungen der "Mainstream-Düfte" zu begeben um auch dort kleine Schätze zu entdecken.
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Leporello vor 1 Jahr 5
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Zwischen Schwarzwaldklinik, Live Aid und der ersten Zigarette ...
oder warum die achtziger Jahre einmalig waren. Die achtziger Jahre waren ein äußerst spannendes und ereignisreiches Jahrzehnt für uns Deutsche. Gefühlt lebte man zwischen Schwarzwaldklinik, Samstagabendshow, Waldsterben, Friedensdemo, Mauerfall und das Ganze garniert mit deutscher Spießigkeit. Für viele sind die achtziger Jahre aber auch ein Jahrzehnt des Aufbruchs und dem Start ins eigene Leben. Ich mag die achtziger Jahre vor allem für ihr Lebensgefühl, die Düfte und nicht zuletzt die wunderschönen Autos. Modisch waren die achtziger Jahre eine Katastrophe, umso interessanter, das viele meiner Lieblingsdüfte in diesem Jahrzehnt auf den Mark kamen, so auch Open von Roger & Gallet.

Wenn man eine Verknüpfung zwischen Open und dem Gefühl der achtziger Jahre herstellen möchte, dann kann man dies zu einem recht frühen Zeitpunkt schon fühlen. Denn wenn Open auch mit dem Image eines "Sportduftes" kokettiert, ist der Auftakt alles andere als sportlich-frisch und zurückhaltend. Vulgär gesagt, haut dir Open ziemlich brutal, mit einer Kanonade von Aldehyden und Seife garniert mit Zitrusnoten, sowas von in die Fresse, dass ich mir zunächst nicht sicher war, ob ich das aushalten kann. Liebe Güte was ist das für ein Auftakt, hier findet sich kaum ein Attribut, was mein Gefühl beschreiben kann. Ich rieche eine solche Ladung Aldehyd geschwängerter Seife mit stechenden Zitrusnoten, da ist Ata Reiniger ein Scheißdreck dagegen. Da helfen auch keine Sprüche oder Floskeln á la "Junge davon bekommst du Haare auf der Brust" mehr. Der Auftakt ist ekelhaft.

Kurzum ich war bitterlich enttäuscht und fest entschlossen schnellstmöglich die Dusche aufzusuchen um dieses ekelhafte Gebräu von der Haut zubekommen. Der Zufall wollte aber, dass ich noch eine kurze Zeit beschäftigt war und feststellen musste, dass ich mal wieder vorschnell geurteilt hatte. Denn bereits nach etwa zehn Minuten war der Ekel einem Staunen gewichen, die brachiale Seifen-Aldehyde-Zitrus Kanonade war fast verschwunden und ich roch allmählich diesen herrlich dunklen Tabak. Eindeutig schwarzes Kraut, kein feiner Virginia, kein Orientabak,sondern tief dunkles Kraut Marke Schwarzer Krauser. Muss man mögen, riecht für mich aber frisch geöffnet einfach herrlich. Auch die heftigen Zitrusnoten, die wahrlich kein Bergamottenaroma verbreiten, wurden viel angenehmer und begleiteten den Tabak auf frisch angenehme Weise. Nach etwa einer halben Stunde verbleibt dann auf der Haut für eine gefühlte Ewigkeit das holzig-warme Aroma frischem Tabakfeinschnitt, aufgefrischt mit leichter Zitrusnote und minimaler Seife.

Vielleicht liegt es an einem Gefühl ungebremster Nostalgie aber ich mag den Duft nun doch sehr gerne und bin bereit im sein freches und ungestümes Auftreten zu Beginn nachzusehen. Vielleicht sehe ich mich auch in Adidas Allround Sneakers mit weißen Sportsocken, Karottenjeans und Trainingsjacke meine erste Zigarette drehen. Kurzum der Open darf bleiben und wird jetzt im Herbst öfters aufgelegt werden, auch wenn ich nicht mehr in den Klamotten von damals rumlaufen möchte, hab ich das Gefühl das wir damals verglichen mit heute einfach die "geileren" Düfte trugen. Sozusagen Live Rock statt uniformer Retortenmusik.

Leporello vor 1 Jahr 4
7.5
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Irgendwo zwischen Fahrenheit, M7 ...
und einem alten Tabakladen in einer deutschen Kleinstadt Ende der 1980er Jahre. Als denkender Mensch sollte man meinen, dass es nicht sinnvoll erscheinen mag, einen Duft "blind" zu kaufen, will meinen ohne ihn vorher getestet zu haben. Aber wer kennt das nicht, man liest irgendwo ein paar Zeilen über einen Duft, schnappt Schlagworte auf, die einem gefallen und am Ende beschließt man den Duft blindlings zu kaufen. So erging es mir mit Hommage à l'Homme von Lalique. Grund für das Ganze war, dass ich vor geraumer Zeit einige Zeilen über den Duft gelesen hatte , die mir einen Eindruck vermittelten, es handele sich hierbei um einen "Tabakduft". Wer meine Kommentare liest, der wird schnell merken, dass ich Düfte mit prominenter Tabaknote äußerst schätze. Darin liegt schon die Krux, denn oftmals setzt dann meine Vernunft aus und ich bestelle mir den Duft dann gerne blind. Ich sollte es eigentlich besser wissen. So bin ich dann auch, offensichtlich mit der vollkommen falschen Erwartung, an den Duft herangegangen.

Zwar war mit klar, nach der Lektüre hier auf Parfumo, dass der Duft auch prominente Vorbilder wie M7 und Fahrenheit hat, aber der Reihe nach. Direkt nach dem Aufsprühen stieß mir eine ich möchte sagen "verwässerte" Mixtur aus M7 und Fahrenheit entgegen, die mich alles andere als begeisterte. Nun wollte ich dem Duft naturgemäß seine Chance geben und erstmal abwarten wohin die Reise geht. Und siehe da, nach etwa zwanzig Minuten wurde der Duft deutlich angenehmer, will heißen runder und mild würzig, zeitgleich holzig und leicht rauchig. Der erste Eindruck der Kopfnote wurde positiv ergänzt und ich glaubte, der Duft könne mir am Ende doch gefallen. Leider kam es anders. Nach etwa einer guten Stunde wird der Duft extrem linear auf meiner Haut, die Entwicklung stagniert und es macht sich ein Duft, naja eigentlich mehr ein Aroma breit, was Luca Turin einmal in einer seiner Kolumnen ein "Parfum d' Ambiance" nannte. Eben dieses "Parfum d' Ambiance" birgt zwar schöne Erinnerungen an meine Kindheit, doch möchte hier nicht so recht eine "verträumt" angenehme Retrospektive aufkommen. Nur woran erinnert mich nun dieses lineare Aroma von Hommage à l'Homme?

Es erinnert mich an den an den Tabakladen eines alten Freundes meines Großvaters. Mein Großvater, seines Zeichens passionierter Pfeifenraucher, pflegte oftmals am frühen Abend, wenn er seine Firmenpost noch schnell in die nahe gelegene Stadt zum Hauptpostamt brachte, mit mir als kleiner Bub im Schlepptau noch schnell gegenüber dem Tabakladen eines alten Freundes einen Besuch abzustatten. Schließlich galt es, noch schell etwas Nachschub an Tabak zu besorgen, wollte man es sich nach getaner Arbeit am Abend in kleinem Maße gut gehen lassen. So kam es dann, dass ich oftmals Opa begleitete und meistens gegen halb sechs Uhr abends noch mit ihm besagtem Tabakladen einen Besuch abstatte. Der Inhaber und mein Großvater kannten sich seit Kriegszeiten und gefühlt, hat sich in dem Laden seit Mitte der dreißiger Jahre auch nichts mehr verändert. Massiv holzgetäfelte Wände, Regale aus dunklem Holz und Vitrinen aus verzierten Glas schmückten nebst allerlei unterschiedlicher Tabaksorten (in großes Gläsern bzw. Tontöpfen den Laden) und dämmerigen Licht den Laden. Ein wundervolles Ambiente und meistens blieb mein Großvater doch einige Minuten länger um einfach einen Plausch zu halten. Manchmal, meistens samstags am frühen Nachmittag, natürlich war ich wieder dabei, besuchte mein Großvater den Laden um mit dem Besitzer auch eine Tasse Kaffee zu trinken, nachdem man seinen Vorrat für das Wochenende aufgefüllt hatte. Der Duft des Ladens war einmalig, eine Mischung aus dunklem Holz, feuchten Tabaksorten und einer gewissen fruchtigen Süße. Ich bilde mir heute noch ein, dass der Laden auch nach überreifen Sauerkirschen roch.

Eben hier setzt Hommage à l'Homme für mich in seiner linearen Struktur an. Denn Hommage à l'Homme riecht auf meiner Haut exakt nach dem Geruch dieses über hundert Jahre alten Ladens. Eine wunderbare Erinnerungen aber leider zeigt sich Hommage à l'Homme so haltbar, dass ich nach gefühlten zwölf Stunden, dieses Geruch einfach nicht mehr ertragen kann. So gerne ich dem Laden mit Opa einen Besuch abstattete, aber ich möchte nicht den ganzen Tag nach einem hundert Jahre alten Tabakladen riechen. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass es mit Erinnerungen ist wie mit manchem Kuchen, schnell hat man sich dran satt gegessen. An diesem Punkt möchte ich auch meine Kritik anknüpfen, denn Hommage à l'Homme entwickelt sich auf meiner Haut mehr zu einem Raumduft, denn zu einem Parfum. Die Haltbarkeit und Sillage sind dementsprechend auch zu stark, selbst nach einer Dusche konnte ich noch Reste des Duftes am Handgelenk erschnuppern und auf Kleidung hält der Duft gefühlt ewig. Das alles ist zwar eine schöne Erinnerung, aber am Ende ist Hommage à l'Homme für mich kein wirkliches Parfum.
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