LovisLovis’ Parfumrezensionen

1 - 5 von 33
Lovis vor 4 Jahren 9
8
Duft
7
Sillage

Von Kühen und Klippschliefern
Ein-, zweimal mit dem winzigen Roll-On über den Arm gestrichen und die ganze Küche riecht nach Oud. Oud von der gewöhnungsbedürftigen Art: Ja, es riecht nach Stall, und das nicht zu knapp.
Möglich, dass dafür auch das Hyraceum mit verantwortlich zeichnet. Laut Parfumo ist 'Hyraceum oder Hyrax das Exkrement des Klippschliefers oder Klippdachses (Procavia capensis)'. Örgs. Hätte ich nur nicht nachgeguckt.

Das klingt alles erstmal nicht so schön, aber Geduld...

Fast eine halbe Stunde stehe ich also zwischen Klippschlieferhäufchen mehr oder weniger geduldig im Kuhstall und hoffe auf Veränderung, und sie kommt: Es wird parfumiger, Blumig-Süßes steigt jetzt auf, und im Hintergrund weht die leichte Schärfe von Eucalyptus vorbei. Das Oud bleibt weiter gut wahrnehmbar, ist aber jetzt deutlich gedimmter als anfangs.

- Mein Jüngster riecht zu diesem Zeitpunkt Lagerfeuer raus, als ich ihn kurz schnuppern lasse. Er ist nicht begeistert. Als ich ihn bitte, den Preis zu erraten, antwortet er: "So, wie du guckst, bestimmt teuer." (Stimmt.) "Vielleicht 200 Euro?" - Wenn er wüsste.


Ich meine, etwas leicht Zimtiges zu erkennen. Insgesamt ist der Duft jetzt, nach ca. einer Stunde, viel zugänglicher, ja, er wird tatsächlich schön, das Oud ist nur noch zarter Begleiter. Blumig würzig süß ist es, das gefällt mir.
Mehr tut sich dann auch nicht, der Duft wird mit der Zeit immer zarter und ist dann, nach ca. 2 Stunden nur noch recht hautnah zu erkennen.
Ein interessanter, ja, ein schöner Duft, leider hält die schöne Phase nicht so lange an, wie ich es gern gehabt hätte.

Der Preis ist für Otto Normalverdiener unbezahlbar, da gehen mehrere Monatsgehälter drauf, und für den Preis, den ein oder zwei Pröbchen kosten, bekommt man von anderen Marken schon wirklich tolle Düfte - als Flakon. Schade.

Ich danke NadiaZ und Shahram für das interessante Wanderpaket.
6 Antworten

Lovis vor 7 Jahren 22
6
Duft
2.5
Haltbarkeit
5
Sillage

Shalala...
...steht auf meinem Pröbchen, und das ist erstens kein Schreibfehler und zweitens auch so gar nicht witzig (sorry, liebe S., ich hab trotzdem gelacht, aber nur kurz. Dann hab ich nämlich gesprüht.).

Denn wenn ich nicht wüsste, was drin ist, würde ich denken, hier hätte aus Versehen ein Drogeriedüftchen für die Zielgruppe 'Etwas Blümchen, etwas Holz und etwas Süßkram, bitte, aber bloß nicht zu besonders!' seinen Weg in den Sprüher gefunden.
Während ich bei Shalimar Initial die Familienähnlichkeit trotz aller deutlichen Unterschiede ganz klar erkennen kann, erkenne ich hier - nichts.

Kein Shalimar, kein Guerlain, und edel und auffällig riecht hier auch nichts.

Dabei würde ich den Duft vielleicht sogar mögen, wenn die einzelnen Noten kräftiger ausfallen würden, aber hier pudert und blümelt es derart fluffig-leicht-langweilig, dass es mich tatsächlich nervt. Nicht, dass ich generell etwas gegen leichte Düfte hätte, oft passt gerade diese Transparenz zum Thema des Duftes, unterstreicht gar den Charakter.
Hier aber wirkt es, als habe man das Parfum einfach nur zu stark verdünnt.

Lieber Herr Wasser, diesen Duft hätten sie auch problemlos und vor allem unauffällig für YR herstellen können, was natürlich nichts daran geändert hätte, dass ich ihn mir garantiert nicht gekauft hätte. Als angenehmer Frühlingsduft wäre er dort womöglich sogar ein Erfolg geworden.

Schade, wirklich schade.
Hier sind sowohl der Name als auch die typische Flakonform missbraucht worden, um mit einem geradeso mittelmäßigen Lüftchen an vergangene Erfolge anzuknüpfen, und das wird sicher nicht gelingen.

So lala statt Shalimar - Shalala eben.

Nachtrag:

Shalala hat doch eine ungewöhnliche und bemerkenswerte, wenn auch sehr unschöne Fähigkeit offenbart.
Mit einem wirklichen Knaller überdeckt (L'Ambre des Merveilles, der satt-sonnig-saftigst-perlende Duft, den ich kenne), kämpft er sich hartnäckig durch und verbreitet - Langeweile.

Als hätte frau ihr heißestes Sommerkleid angezogen und müsste im Nachhinein entsetzt feststellen, dass sie drunter leider noch ihre hautfarbenen Liebestöter trägt.
Ganz fatal.
14 Antworten

Lovis vor 7 Jahren 11
10
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage

Erinnerungen an eine Romanze
Zart ist dieser Duft, wie eine flüchtige Berührung, eine dieser seltenen, die man noch tagelang zu spüren glaubt.
Und von einer berührenden Melancholie, die mich nicht loslässt. Wie eine unerfüllte Romanze, die man niemals vergessen kann, die einen auf ewig begleitet, in aller Stille, mit ihrem süßen Schmerz und in all ihrer tragischen Schönheit.
In seiner seidigen Blumigkeit durchzogen von cremigen, süßen Noten, die sich weich anschmiegen, eine seltsam vertraute Nähe weben, eine Nähe, die schon immer war, ohne Anfang, ohne Ende.

Getragen von einer dunklen rosigen Tiefe, die auf altmodisch-zurückgenommene Weise von leidenschaftlichem Verlangen flüstert, sanft genug, um niemals aufdringlich zu wirken, innig genug, um sich ins Herz zu brennen.
Es ist kein lautes Werben, kein Wort zuviel. Schmeichelndes Locken und wehmütiges Verzehren tanzen einen verborgenen Tanz, künden von der Vergänglichkeit der gemeinsamen Zeit, dem Sieg des Schicksals.

Und das so wundervoll harmonisch und lieblich, dass es wie ein Versprechen klingt, ein Versprechen, während die letzten Noten verklingen und der Abschied sich nun wirklich nicht mehr aufschieben lässt - so sehr man auch verweilen möchte in dieser Stimmung, gefangen zwischen Sehnsucht und Zerissenheit.

Ein Versprechen, nicht zu vergessen, keinen einzigen kostbaren Moment.
Ein Versprechen, gegeben, um dem Schicksal zu trotzen und die Zeit zu nutzen, statt sie zu fürchten.


Ich werde diese Erinnerungen hüten wie ein Kleinod...und eines Tages wird er mein.


...



'Der Winter mag scheiden, der Frühling vergehn,
der Sommer mag verwelken, das Jahr vergehn,
du kehrest mir zurücke, gewiß du wirst mein.
Ich habe es versprochen, ich harre treulich dein.'


- Solvejgs Lied -

https://www.youtube.com/watch?v=w8_E4spsUzU


...liebe Seerose, du hattest dieses wundervolle Stück in deinem Blogbeitrag zu "Je Reviens" von Worth verlinkt.
Danke dafür, ich hatte lange nicht mehr daran gedacht.
4 Antworten

Lovis vor 7 Jahren 13
10
Duft
5
Haltbarkeit
5
Sillage
10
Flakon

Vollmond
Leise schleiche ich durch den dunklen Wald, auf längst vergessenen Pfaden, die kein Anderer kennt. Die Luft ist kalt und feucht, die nächtliche Schwärze legt sich wie ein schwerer, tröstender Mantel zärtlich auf meine nackte Haut.

Weiches Moos unter den Füßen, samtig gibt es nach, vollgesogen noch vom Regen des Tages. Kleine Tiere huschen im Unterholz vorbei, ängstlich, den sicheren Bau suchend.
Es riecht nach schwerer Erde, nach bitterscharfen Wurzeln und süßen Blumen, die längst ihre Blütenblätter geschlossen und die Köpfe gesenkt haben, aus Ehrfurcht vor der Endlosigkeit der Nacht.

Meine Finger streichen suchend über die raue Rinde der alten Bäume, erkennen das vertraute Muster, finden den Weg.
Die Schwärze wird grau, die Wolken ziehen weiter und geben den gelben Mond frei, voll und rund.
Ich falle, aufgefangen vom tiefen Grün, geborgen in der Dunkelheit.
Schließe die Augen und warte auf das vielstimmige Heulen, das uralte Lied.
4 Antworten

Lovis vor 7 Jahren 24
9
Duft
10
Haltbarkeit
7.5
Sillage
5
Flakon

Zuviel des Guten ist heute gerade genug
Es gibt Zeiten, in denen brauchst du gleich die große Familienpackung Schokolade.

Zeiten, in denen alles grau und kalt ist und du nicht glauben kannst, dass die Sonne jemals wieder für dich scheinen wird.

Zeiten, in denen garantiert auf jeden Schlag in die Magengrube direkt der nächste folgt und dich atemlos zurücklässt.

In denen die Last auf deinen schmalen Schultern dich in Knie zu zwingen droht.

In denen dir eine unangenehme Wahrheit nach der anderen offenbart wird, ohne dass du darum gebeten hättest. Andere nie.

In denen das Schweigen dich anbrüllt, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Besonders nachts.

In denen du dich hilflos, klein und schwach fühlst und nicht weißt, wie du den nächsten Tag überstehen sollst. Sch*ß auf den nächsten Tag, du weißt nicht mal, wie du es bis zum Frühstück schaffen sollst.

In denen du dir wünscht, dir einfach die Decke über den Kopf ziehen und weiterschlafen zu können - und wenn du aufwachst, ist alles wieder gut.

Oder dass dich jemand an die Hand nimmt und alle Gemeinheiten und Widrigkeiten für dich aus dem Weg räumt. Und über deinen Schlaf wacht. Oder wenigstens so tut.

Oder du einfach deine Koffer packen und abhauen und allen Kummer hinter dir lassen könntest.

Aber es läuft nunmal anders, du weißt das, du bist ja schon groß:

Nach dem Aufwachen ist alles noch viel schlimmer, denn der ganze grässliche, neue Tag liegt in all seiner Pracht noch vor dir, der Mensch, dem du vertrauensvoll deine Hand gereicht und dein Herz geöffnet hast, hat dir genau im passenden Moment noch ein paar extragroße Stolpersteine mehr in den Weg gelegt und einen Tritt in die Kniekehlen verpasst - und dein Kummer ist immer schon vor dir am Ziel und erwartet dich dort hämisch grinsend, gut gelaunt und ausgeruht.

Dir bleibt also nur, aufzustehen, dich aufzurichten, tief durchzuatmen, dir die Tränchen wegzuwischen und weiterzumachen, so wie du es immer getan hast.

Die Zähne zusammenzubeißen und dich an all das zu erinnern, was du schon überstanden hast.
Das dauert ein wenig länger, länger, als dir lieb ist, und du verdrückst gleich noch ein paar Tränen mehr um der schlechten alten Zeiten willen.

Soviel Schokolade zu verputzen, bis dir schlecht wird. Gott sei Dank, das dauert auch, du bist ja im Training.

Deine beste Freundin anzurufen und mit ihr übelste Schimpfwörter zu ersinnen, die du niemals - unter keinen Umständen - in der Öffentlichkeit aussprechen würdest und die körperliche Unzulänglichkeiten zusammenfassen, mit denen unmöglich ein einziger Mensch alleine aufwarten kann. Aber wer weiß. Du hast dich schon so oft geirrt.

Dich ein wenig dafür zu schämen - aber wirklich nur ein ganz klein wenig. Eigentlich fast gar nicht.

Zusammen feiern zu gehen, obwohl es nichts zu feiern gibt. Egal, dann feierst du eben dich selbst, du warst schließlich immer für dich da und bist dir immer treu geblieben, das ist Grund genug. In deiner Lieblingskneipe zuviel zu trinken und den herumstehenden Männerhintern Schulnoten zu verpassen.
Ganz ehrlich, der Notendurchschnitt war auch mal besser.

Dafür einen Duft aufzulegen, der nicht kleckert, sondern klotzt. Der dich mit seiner würzigen Süße erschlägt, dir das Wasser im Mund zusammenlaufen, dich trotzig dein Kinn heben und sagen lässt 'Mit mir nicht, jetzt erst recht!'. Der dich mitreißt und antreibt. Der nicht edel ist, sondern kraftvoll und deutlich, nicht zart und zurückhaltend, sondern heiß und sonnig und fast ein wenig billig.
Aber nur fast.

Ein klein wenig zu laut, zu direkt, zu üppig und fast kitschig süß - alles, was du nicht bist.

Weiberabend, Hüftgold und willkommener Kater am nächsten Morgen auf einmal.
Warme, tröstende Decke, starke Schulter und albernes, ausgelassenes Kichern. Wie dein olfaktorischer Push-Up, deine zu enge Lieblingsjeans, die Schuhe mit den zu hohen Absätzen, der zu bunte Cocktail.

Hey, und er will gar nicht vor dem ersten Kaffee mit dir quatschen. Das ist doch auch was.

Laut, lecker, langanhaltend (und all das auch ohne akute Sinnkrise): 'L'.





Für S (S) und K (K), meine beiden wandelnden Tagebücher. :-)
8 Antworten

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