Medianus76Medianus76s Parfumrezensionen

1 - 5 von 22
Medianus76 vor 2 Monaten 40
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Das Geheimnis eines Sommers...
„Da, sieh doch nur! Da vorne unter den alten Eichen unweit der Lichtung“ sagte Chris mit flüsternder Stimme zu seinem Freund Will und deutete mit seinem Zeigefinger grob in die Richtung. Will, der ganz nervös und unruhig auf seinen Knien kauerte, schob das vom Felsvorsprung herunterhängende dichte Gestrüpp zur Seite. Die Luft flirrte in der Hitze dieses Spätsommertages, als urplötzlich sich auch vor seinen Augen dieses unglaubliche und sagenhafte Szenario manifestierte...

Die beiden waren schon immer gute Freunde. Immer auf der Suche nach neuen Abenteuern haben sie unlängst einen alten Dachboden durchforstet. Dabei war Ihnen diese alte Karte in die Hände gefallen. Staubig und mit verwaschener Tinte geschrieben, war auf diesem zerbrechlichen Pergament ein Ort eingezeichnet, den sie tatsächlich zu kennen glaubten. Die Karte zeigte die verwunschene Lichtung im Düsterwald. Um diesen Wald im Allgemeinen und vor der Lichtung im Speziellen ranken sich viele unheimliche Erzählungen. Deswegen haben sie sich noch nie dorthin getraut, auch wenn die Neugierde sie schon immer gelockt hat. Aber nun, mit dieser alten Karte, konnten sie der Versuchung nicht mehr widerstehen diesen Platz aufzusuchen. Denn auf dem Ziel dieser Karte war etwas Unglaubliches abgebildet…

Will traute seinen Augen nicht. „Zwick mich mal ordentlich“, bat er seinen Kumpel. „Ich glaub ich träum…“
Auf einem alten knorrigen Stumpf aus Zedernholz saß ein Pan. Am Sockel des Stumpfes rankte sich ein Teppich orangefarbener, sommerlich zitrischer Blüten. Lieblich und wohlwollend erfüllten sie die Umgebung mit Ihrem herb süßlichen, cremigen Duft. Der Pan selbst, ein uraltes Wesen längst vergangener Zeiten, hatte zwei mit Moosen und Flechten überwucherte Beine, die eines Widders gleich waren. An seinem Kopf prangten zwei imposant geschwungene Hörner, welche in der dämmernden Abendsonne weich und samtharzig schimmerten. In den Händen hielt er eine Panflöte und jedes Mal, wenn er sie spielte, verströmte sie glitzernde Blasen aus feinem Moschus. Die Blasen verfingen sich in seinem langen holzigen Bart, platzten auf und vermischten sich mit den anderen Aromen zu einer dieser Gestalt würdigen Essenz.
Welch atemberaubendes Bild und welch atemberaubender Duft es war, den der Abendwind sanft und unscheinbar zu den beiden herübertrug. Eine Stimmung wie aus einer anderen Welt, die magischer nicht hätte sein können…

„Komm Will, lass uns wieder gehen, bevor er uns entdeckt“, forderte Chris seinen Freund auf. Will erwiderte mit leiser Stimme: „Ja, lass uns verschwinden und darüber schweigen. Das soll unser Geheimnis dieses Sommers sein…“

**

A Midsummer Dream war für mich überraschenderweise seit langem wieder eine olfaktorisch wegweisende Erscheinung. Zum einen hat mich die Aura dieses doch recht komplexen Werkes erreicht und zum anderen eben auch genauso überzeugt. Allein schon die Tatsache, dass ich unmittelbar während des ersten Tests eine imaginäre Brücke zu Terre d´Hermes und ein klein wenig auch zu The Tycoon schlagen konnte, ließ mich tief in dieser Komposition versinken.
Der Bezug ist meiner Meinung nach auf der Hand liegend. Die Orangenblüten sowie die zitrischen Sprenkler zu Beginn, sind mit all ihren Facetten bei Midsummer satter und deutlicher als bei TDH. Vor allem die Kopfnote punktet hier, wenngleich sie weniger trocken und spröde in Erscheinung tritt, sondern ausdrucksstark und gegenwärtig – einfach wunderschön.
Der weitere Verlauf wird aufgewertet durch die samtigen und weichen Harze, welche Fülle und Tiefe verleihen. Durch die magische Aura der Waldmoose glitzert es immerzu und jedes Mal, wenn besagte Seifenblasen zerplatzen und sich die Duftmoleküle als feiner Schleier in der Umgebung verteilen, ward es um mich geschehen! Der elegant verwobene Moschus charakterisiert und prägt die Duftstruktur maßgeblich und stellt für mich einen essenziellen Bestandteil im gesamten Spektrum dar. All diese Komponenten machen Midsummer schlussendlich zu dem was es ist:
Magisch, geheimnisvoll, tatsächlich ein wenig wie aus einem Märchen entsprungen und einen tief in der Seele berührend…

Da dies der erste Roja war mit dem ich mich näher beschäftigt habe, kann bzw. muss ich meine Meinung bezüglich des Labels ein wenig korrigieren. Maßgeblich die wahrscheinlich übertriebene Preispolitik, so erscheint mir auch bei Midsummer der Preis relativ hoch. Inwiefern das aber tatsächlich gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Ein anderes kleines Manko an dem Duft wäre wohl das Fehlen von Ecken und Kanten. Der Duft ist immerzu rund, weich, smooth…ein Seelenschmeichler eben. Aber genau das will er ja auch sein…ein Sommernachtstraum!

„Der Heitere ist der Meister seiner Seele“ (William Shakespeare)

Es hat mich sehr gefreut euch in dieser traumvollen Sommernacht begrüßen zu dürfen...
31 Antworten

Medianus76 vor 5 Monaten 35
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Es war einmal in Amerika...
„New York“ stammt aus der französischen Duftschmiede Parfums de Nicolaï. Die Inhaberin Patricia de Nicolai ist die Nichte des bekannten Parfümeurs Jean-Paul Guerlain und leitet seit 1989 ihre eigene Marke. Unabhängig und frei von den Vorgaben bzw. Vorstellungen der Duftindustrie, liebt sie es ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen und folgt somit keinen Trends oder Strömungen. Sie verbindet in Ihren Düften Tradition mit der Moderne, was ihre Schöpfungen gekonnt zum Ausdruck bringen. Nicht zuletzt durch die Verwendung exklusiver und natürlicher Ingredienzien, entstehen ausdrucksstarke und intensive Konzentrationen höchster Güte. Der Duft „New York“ gilt als Wegbereiter ihrer eigenen Linie und ist heute bereits ein Klassiker…

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Ebenso ein Klassiker und Wegbereiter seines Genres ist der Film „Es war einmal in Amerika“. Stilistisch unbestritten ein Meilenstein der Filmgeschichte, hat Sergio Leone seinerzeit eine fesselnde Geschichte auf Zelluloid gebannt, die ihren Beginn im New York der 1920er Jahre zur Zeit der Prohibition hat. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Freunde Noodles und Max, die durch das illegale Geschäft mit dem Alkohol und weiterer krimineller Machenschaften, sich immer tiefer im Sumpf aus Gewalt und Verbrechen verstricken.
Würde man dieses cineastische Erlebnis olfaktorisch unterstreichen wollen, so wäre der Duft New York das perfekte Wässerchen…
New York besitzt einerseits das Potential eines Klassikers, gepaart mit einer gewissen Portion Nostalgie, andererseits bietet sein weltoffenes Wesen und die charmante Charakteristik eine nach wie vor funktionierende und zeitlose Duft DNA.

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In den wilden 1920er Jahren ging man schick und elegant in einen der vielen Jazz Clubs in Harlem oder Manhattan. Gekleidet im lässigen Smoking trägt der zielstrebige Mann von Welt großzügig den Duft auf. Schließlich will man wahrgenommen werden, um ausgelassen und ausschweifend feiern zu können…
Der Auftakt begeistert mit einer herrlich erfrischenden Zitrusnote und kleidet seinen Träger angemessen ein. Die Zitrik ist keinesfalls überladen, wird sie doch als gleich im Zaum gehalten durch eine gewisse Würze und unterschwellige Lavendelnote, Zimt und Nelke. Dadurch entsteht ein Hauch von Fougère – Très chic!
Wenn sich der Gentleman dann auf den Weg in ein „Speakeasy“ macht, das waren die zur damaligen Zeit sogenannten „Flüsterkneipen“ oder „Mondscheinkneipen“, hat schon das herbe Moos mit seiner milden Krautigkeit die Regie übernommen. In diesen „Mondscheinkneipen“ wurde zur Zeit der Alkoholprohibition in den USA hochprozentiger Alkohol und Bier ausgeschenkt. Das war die Basis der tosenden Stimmung der 1920er…neben Kokain und anderen Rauschmitteln.
Das Eichenmoos spielt weiterführend eine tragende Rolle, fixiert die Moleküle und macht aus dem Träger einen distinguierten Gentleman. Dabei erscheint New York nie zu kantig oder hart geschliffen, bekommt es doch durch feine Hölzer einen edlen Rahmen und weich anmutende Eleganz.
Grundsätzlich untergeordnet, aber dennoch akzentuierende Akkorde von Moschus, Biber und Co. geben der Projektion eine gewisse „wilde“ Facette, um auch eine intensive Feiernacht erleben zu können.

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New York passt aber auch fantastisch in die Gegenwart und stellt keineswegs einen altbackenen, sondern vielmehr zeitgemäßen Oldschool Duft dar. Die fein aufeinander abgestimmten Aromen agieren leichtfüßig und ergänzend miteinander. Spielerisch und ungezwungen lässt sich der Duft zu fast allen Gelegenheiten tragen, erzeugt eine durchweg angenehme Aura, ohne dabei seine Umwelt zu überrollen oder überfordern. Eine gute Haltbarkeit zeichnet ihn ebenso aus wie eine angemessene Projektion.

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„Ich war in Paris, ich war in London, ich war in Rom und ich muss sagen, es gibt keinen anderen Ort wie New York. Es ist die aufregendste Stadt der Welt“ (Robert De Niro)

Danke fürs Lesen, bleibt mir wie immer gewogen und ein erneut großes Dankeschön an Gentilhomme für die feine Probe…
34 Antworten

Medianus76 vor 6 Monaten 52
9
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Von duftenden Kräutern und herben Hölzern
Torroella de Montgri ist eine spanische Gemeinde in der Provinz Girona, Katalonien, und zugleich Sitz und Heimat des spanischen Labels Santi Burgas. Als Hommage an die Stadt und diesen bezaubernden Landstrich entstand ein weiterer Teil der Primal Waters Reihe – TDM.
Die artenreiche und vor Vegetation blühende, mit Pflanzen und Kräuterhainen reich bestückte und geschmückte Landschaft, diente dabei als inspirierende Vorlage. Das Ziel war es eine Reminiszenz an die eigene Heimat zu kreieren. Extrahiert aus kräftigen Kräutermischungen traditioneller Heilpflanzen, sollte ein olfaktorisches Portrait dieser wunderschönen Landschaft entstehen.

Das hört sich alles enorm spannend, wenngleich auch sehr ambitioniert an. Denn es ist sicherlich kein einfaches Unterfangen, authentische und landestypische Aromen zu konservieren, und in duftende Impressionen zu verwandeln. Aber es geht – mehr als gelungen und wie von Meisterhand. So viel sei schon mal verraten.

TDM offeriert zu Beginn einen erfrischenden Teppich herb duftender Kräuter, gebettet in eine mediterrane Spätsommerlandschaft. Schließt man die Augen, spendiert Torroella de Montgri einen Kurzurlaub im sonnigen Süden, um ein wenig Abstand und Erholung vom fordernden Alltag zu bekommen…
Weite und hügelige Felder, gesäumt von üppiger Vegetation, sind umgeben von schroffen und kargen Felsen. Alles flimmert unter der flirrenden Hitze der sengenden Sonne. Der Duft von Thymian und Salbei vermischt sich mit der würzigen Luft, und ein lauer Wind weht die leicht süßlichen Aromen von Kamille und Lavendelfeldern aus der näheren Umgebung herbei. Der an den Felsen rankende wilde Rosmarin, vermischt sich mit den anderen Aromen zu einer wunderschön duftenden Melange, und vermittelt uns ein Gefühl von unbeschwerter Freiheit und grenzenloser Leichtigkeit.
Um in der hoch am Himmel stehenden Sonne nicht zu sehr zu schmachten, bieten ein paar im Umfeld gelegene Zypressen ihren kegelförmig zulaufenden Schatten zum Verweilen an. Dadurch vervollständigt sich das olfaktorische Portrait, und die kräuterliche Gesinnung wird flankiert von elegant und wunderschön duftenden Hölzern, herber und ätherischer Natur.
Das Duftspektrum ist dabei zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder wirkt gar aufgesetzt. TDM bezaubert durch das fließende Zusammenspiel der verschiedenen Ingredienzien, alles wird sauber und authentisch miteinander verwoben, und es entsteht ein charismatischer und sehr alltagstauglicher Duft. Auch wenn ich in dieser Region Spaniens noch nie war, so suggeriert der Duft sicherlich auf seine Art und Weise die Aromen dieser Region glaubhaft und nachvollziehbar.

Die Haltbarkeit und die Sillage bewegen sich durchweg im soliden Mittelfeld. Von meinem Dufthorizont ausgehend erzeugt Torroella de Montgri einen sehr einzigartigen und facettenreichen Schleier, und beweist sicherlich auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf ähnlich konzipierte Düfte.

**

Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft
Die Vergangenheit ist nicht mehr
Die Zukunft ist noch nicht gekommen
Das Leben ist hier und jetzt…
(Buddha)

Erneuten Dank für die Proben an Gentilhomme und Scentennial
37 Antworten

Medianus76 vor 6 Monaten 31
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Was kribbelt denn da...?
Olfaktorischen Trübsal zu blasen und nichtssagende Kompositionen in die Weiten des Parfüm Universums zu entsenden, war sicherlich alles andere, als das was Santi Burgas mit der Veröffentlichung der Primal Waters Reihe aufzeigen wollte. Ursprünglich, unverfälscht und natürliche Rohstoffe nutzend, sind alles Eigenschaften welche Rodrigo Flores-Roux seiner Reihe als Leitbild vermitteln wollte. Das ihm das auf eine ganz außergewöhnliche Art und Weise gelungen ist, vermittelt Aroma de Hormiguero durch seine puristische, nachhaltige und leichtfüßige Erscheinung.
Ziel war es hier, wie der Name schon verrät, die Aura eines Anthills, also Ameisenhaufens, zu konservieren und olfaktorisch wiederzugeben. Diese Vorstellung erweckt natürlich sofort gewisse Assoziationen zu Wald, Erde und Natur, sowie zu Reinlichkeit und Ordnung, schließlich sind die Ameisen ja bekannt als die Umweltpolizei.
Wie aber konzipiert man nun solch ein Vorhaben? Einerseits steht die Wahl von natürlichen Ingredienzien sicherlich vordergründig, andererseits, und genau das macht den Duft so authentisch, benötigt man ein typisches Aroma! Stilsicher, und wie die Faust aufs Auge passend, kommt tatsächlich Ameisensäure zum Einsatz. Dazu werden selbstredend keine Ameisen geopfert, sondern es handelt sich um natürlich auftretende Derivate der Ameisensäure. Somit lässt sich durch ihre Verwendung der Ameisenbau in liquider Form manifestieren, und gefangen in diesem wunderschönen Flakon, ist er allzeit bereit in die Tiefen der Ameisensiedlung einzuladen…

Schon der Auftakt verrät als gleich in welche Richtung es geht. Ein herb frischer Anfangsakkord signalisiert die Reinheit, und vermittelt einen ersten Eindruck wie „clean“ diese Behausung ist.
Für mein Empfinden vergesellschaftet sich der Duft die ganze Zeit über mit einer gewissen mineralischen Facette. Das lässt den Ameisenbau förmlich erstrahlen, und verleiht dem Konzept den erforderlichen Nachdruck, ätherisch rein zu sein.
Irgendwo oder irgendwann dazwischen kommt auch die Säure ins Spiel. Sie erzeugt die aromatische Schärfe, aber ohne beißend oder gar ätzend zu wirken. Nicht im Geringsten, sorgt doch genau dieser wohldosierte Einsatz für das unbeschreibliche Aroma des Ameisenbaus…
Damit das alles nicht zu sauber bleibt, und wir uns ja obendrein im Wald befinden, ergänzen holzig waldige Aspekte die Stimmung. Im weiteren Verlauf ist es vor allem die Tanne welche ungemein verschönert, und alles nochmal auf eine ganz andere, mild harzige Stufe hebt. Der Interpretation wird viel Spielraum geschenkt, wodurch sich sicherlich auch erdige und leicht pilzige Schleier erkennen lassen. In der Gesamtheit betrachtet wird das olfaktorische Angebot dadurch aber nur abgerundet bzw. aufgewertet!

Ein Ausflug in den Bau der Ameisen lohnt sich unbedingt, und ist uneingeschränkt zu empfehlen. Ich könnte hier nicht einmal sagen, was an dem Duft nicht gefallen könnte bzw. störend wirkt. Die Haltbarkeit und Projektion sind angemessen, könnte nach meinem Empfinden aber etwas besser ausfallen. Das ist eben oft der Wermutstropfen, wenn die Inhaltstoffe natürlichen Ursprungs sind, und nicht das volle Synthetikbrett offeriert wird.

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Es liegt in der Natur von uns Menschen, dass wir nicht über einen Berg stolpern, wohl aber über einen Ameisenhügel…

Herzlichen Dank für die Proben an Gentilhomme und Scentennial
30 Antworten

Medianus76 vor 7 Monaten 29
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Eine neue Hoffnung
Die untergehende Sonne stand bereits dicht über dem Horizont, als das letzte schale Licht des Tages wenig verheißungsvoll durch die schmutzige Windschutzscheibe seines Autos drang. Es war kein guter Tag für Tellus. Einer von jenen unheilvollen Tagen, die besser nie stattgefunden hätten. Wenn er sich doch wenigstens nur dies eine Mal anders verhalten hätte. Von der Sonne geblendet, schmolz sein letztes Quäntchen Hoffnung dahin. Sein innigster Wunsch, die Uhren rückwärts drehen zu können, blieb ihm natürlich verwehrt, denn es gab keinen Weg zurück! Was für immer und ewig schien, war genau in diesem Moment schon längst verblichene Vergangenheit. Abschied ist ein leises Wort!

Um Kraft zu tanken und die Sinne zu klären, suchte er Schutz und Zuflucht im Wald. Von jeher waren Wälder Orte der Inspiration für Tellus. Wenn er in seinem Leben nicht mehr weiterwusste, ging er dorthin, um sich zu erden und eins zu werden mit der Natur.
Er grub seine Hände tief in den dampfenden feuchten Waldboden. Die kräftigen Aromen stiegen als gleich empor, und hüllten ihn in eine Wolke der Geborgenheit. Er inhalierte in tiefen und rhythmischen Zügen, spürte wie seine Lunge sich mit der erdigen Luft füllte. Mit jedem weiteren Atemzug fiel ein Stück weit die Last des scheidenden Tages von ihm, und jede Zelle seiner zerrütteten Seele wurde von dem weichen wärmenden Moos des Bodens umgarnt. Ein Hauch von süßlich welken Blättern, vereint mit dem tief im Untergrund verästelten Myzel, waberte aus dem Wald, und legte sich um ihn wie ein schützender Mantel. An der vor ihm befindlichen majestätischen Tanne, quollen dutzende harzig duftende Perlen aus der Rinde hervor. Es war fast so als ob der Baum die Tränen dieses traurigen Tages für ihn vergießen würde. In der Abendsonne glitzerten die unzähligen aromatischen Tannennadeln des Baumes, regneten auf Tellus hinab, und schenkten ihm Kraft und Zuversicht für eine neue Hoffnung…Alles wird gut!

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Liquides Imaginaires offenbart hier Großartiges. Die Kreationen des Labels sind streckenweise nicht einfach, wollen ein Stück weit erarbeitet und verstanden werden. So auch Tellus. Wer sich von dem harschen und intensiven Auftakt überfordert fühlt, assoziiert damit wahrscheinlich torfige, modrige Erde. Das Ganze garniert mit pilzig subtiler Animalik. Extrem authentisch, aber speziell. Wer sich dennoch unvoreingenommen führen lässt, der erlebt die wahre Schönheit und Einmaligkeit dieser unterschätzten Erscheinung. So erzeugt Tellus durch die Gesamtheit seiner Komponenten eine menschelnde Aura bzw. Projektion, die uns unglaublich vertraut erscheint, und schlussendlich unserer Natur entspringt.

Ein herzliches Dankeschön für die großzügige Probe an Gentilhomme
27 Antworten

1 - 5 von 22