MissjoMissjos Parfumkommentare

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13.02.2014 20:39 Uhr
3 Auszeichnungen
Ich muss diesen Duft erstmal umbenennen. Denn trotz des Namens sind dieser „Jaipur Bracelet“ und sein Vorgänger eher entfernte Verwandte als eineiige Zwillinge.

Wie wäre es mit „Jaipur Charm Bracelet“ ? Ein schickes Accessoire für eine modebewusste junge Frau, die gerade erst das Reich der Erwachsenen betreten hat. Wie die Bettelarmbänder von Thomas Sabo, die als erster „richtiger“ Schmuck durchgehen und mit den unzähligen Kombinationsmöglichkeiten gleichzeitig den Spieltrieb befriedigen. Dem bunten Bling-bling von H&M entwachsen, aber noch lange nicht beim Brilliantenarmreif von Cartier angekommen.

Der „neue“ Jaipur Bracelet ist wie eine olfaktorische Reise vom kleinen Mädchen zur erwachsenen Frau.

Der Auftakt riecht so, wie der Flakon aussieht: pink, jung, unschuldig – nach Himbeerbrause. Eine frische, saftige Mandarine ist auch dabei und sorgt dafür, dass der Duft nicht zu sehr ins süßlich-schwülstige abdriftet. Das absolute Gegenteil zum „alten“ Jaipur Bracelet, das frisch-grün-blumig bis krautig startet und anfangs fast abweisend wirkt.

Nach kurzer Zeit wird die pinke Brause von rosa Litschi und Hyazinthe abgelöst . Diese ungewöhnliche Kombination lässt den Duft weiterhin sehr jung, aber nicht mehr kindlich wirken. Hier zeigt sich auch erstmals eine Ähnlichkeit zum „alten“ Jaipur Bracelet, wobei letzteres jedoch deutlich blumiger und frischer bleibt und auf mich ungleich eleganter und schöner wirkt.

Zur Basis hin erfährt das „neue“ erneut einen großen Wandel: es wird nach ein paar Stunden fast gänzlich unfruchtig und warm-blumig dank Iris und Kaschmirholz. Das ist für mich der schönste Teil. Der Duft wird ruhiger, runder und erwachsener. Ich finde ihn jetzt sogar schöner als den Vorgänger, der mit Iris hier zwar eine gemeinsame Komponente aufweist, durch die Zypresse auf mich aber sperriger wirkt.

Leider lässt die Sillage zu diesem Zeitpunkt stark nach. Diese war zu Beginn noch recht laut, ist jetzt aber fast hautnah. Umgekehrt wäre es mir lieber, da mich die Brause-Note am Anfang doch etwas nervt.
Aber man kann ja nicht alles haben - also Nase zu und durch, das Durchhalten lohnt sich ;-)


01.02.2014 23:25 Uhr
6 Auszeichnungen
...und genau das mag ich an ihm.

Es gibt ein Patentrezept, um mich in die Flucht zu schlagen: gegelte Haare, „angesagte“ Klamotten und ein paar „coole“ Sprüche, und ich bin weg. Dazu noch eine dicke Goldkette und/oder Armdanduhr und die Schlüssel von Papas Audi auf dem Tisch, und du siehst mich nie wieder. Egal ob du 1 Million aufgelegt hast oder Creed.

Ich stehe nicht auf Playboys.

Und die Marke Playboy löst bei mir normalerweise allenfalls Schulterzucken aus. Ein paar von deren Düften habe ich mal getestet, und sie fielen in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“.
Aber irgendwie schaffe ich es nicht, am Parfumregal vorbeizulaufen ohne etwas zu testen ;-)

Mein Blick fiel diesmal auf „Miami“. Aber noch ein „Playboy“? Nee. Lohnt sich nicht. Allein schon der Name – klingt nach der x-ten Billigauflage eines schwülstigen „Pantydropper“-Dufts. Nee, muss echt nicht sein. Aber viel mehr Auswahl habe ich nicht mehr. Also doch gesprüht. Und gestaunt.

Was macht DIESER Duft in DIESER Verpackung? Der gleiche Gedanke wie bei meinen Kilian-Tests, nur dass ich diesmal positiv überrascht war.
Das hier ist kein Playboy. Kein Pantydropper. Kein Hallo-hier-bin-ich Duft mit Monstersillage.
Sondern einer, bei dem ich dem Mann näher kommen möchte, um an ihm zu schnuppern. Nicht süß, kein bißchen schwülstig. Sondern sehr angenehm frisch-holzig, leicht würzig, minimal herb. Bergamotte und Zedernholz. Die anderen Noten kann ich nicht herausriechen. Zum Glück keine Blumen, kein Obst. Die Sillage ist alltags- und bürotauglich. Und die Haltbarkeit ist besser als gedacht – heute Mittag gesprüht, und ich kann ihn 8 Stunden später noch immer auf der Haut riechen.

Ich verstehe gar nicht, warum der Duft hier so schlecht weg kommt. Nicht mal 50% ?!? Habe ich so einen außergewöhnlichen Geschmack oder wurde hier eher die Marke als der Duft bewertet?

Sicher gibt es raffiniertere Düfte. Und lautere. Schönere Verpackungen gibt es auch, und namhaftere Hersteller sowieso. Und trotzdem: das hier ist ein einfacher, aber gelungener Duft (und das für unter 10 Euro).

SO darf Mann gerne riechen ;-)


26.01.2014 14:03 Uhr
20 Auszeichnungen
So. Das ist es also. Du verkaufst deine Seele. Ein bißchen mulmig ist dir schon, aber du willst sie unbedingt. Du weißt es ganau, du bist der richtige für diese Führungsposition. Und für alles, was sie mit sich bringt: das Ansehen bei den Freunden und den Feinden, das Geld, mit dem du Frau und Schwiegermutter endlich zufrieden stellen kannst, und den Firmenwagen um ihnen zu entfliehen. Und natürlich die reizende blonde Sekretärin mit den Wahnsinns- ähm...Argumenten. Du hast dir für diese Stelle schon den A** aufgerissen. Tage und Nächte im Büro verbracht, deine Nerven und Gesundheit ruiniert. Und bist jetzt schon wieder übergangen worden! Für diesen jungen Angeber, der keine Ahnung von der Materie hat, aber immer schön die Klappe aufreißt und sich bei den Oberen einschleimt. Das KANN so nicht weitergehen. Denen wirst du es zeigen! Du hast nämlich ein kleines Geheimnis. Einen direkten Draht zu den Dunklen Mächten sozusagen. Du hast das alte Buch von den Staubschichten der letzten Jahrhunderte befreit und die Zeremonie vorbereitet. Den Trank zubereitet, die geheimnisvollen Zeichen auf den Boden gemalt, und den alten Spruch aufgesagt. Und du spürst es förmlich, jetzt wird es passieren, jetzt wird es brodeln und zischen, dann versinkt der Raum in pechschwarzem Rauch, und dann steht ER vor dir, leibhaftig. Jetzt... Jetzt... JETZT macht es....

---pffffttt.

Nix zischen und brodeln. Nix Rauch. Kleines lauwarmes Dampfwölkchen. Und mittendrin ein kleines runzeliges Männchen. Mit einem Obstkorb in der Hand.

Ja doch, er IST der Teufel. Nein, nicht der Buchhalter aus dem 2. Stock. Nein, wirklich nicht der Buchhalter. Der Rauch? Ja, den haben wir abgeschafft. Hat zu vielen Leuten Kopfschmerzen gemacht. Das wollen wir nicht. Der Obstkorb wirkt doch viel freundlicher.

Du schaust ihn entgeistert an. Und dann ins Buch. Hast du vielleicht was vergessen? Nein – Piment, Pfeffer, Patchouli, Sandelholz, Zeder, Benzoe – alles da. Und wenn du dich anstrengst, kannst du den Duft noch wahrnehmen. Vielleicht hättest du mehr davon mehmen sollen? Viel mehr? Die homöopathische Dosis hatte dich schon gewundert. In jedem Damenduft der 80er ist wohl mehr Patchouli drin. Und Tonka, Vanille, und Blumen? Es stand halt im Rezept, also hast du es mit reingekippt. Zusammen mit dem fruchtigen Duft, der dem Obstkorb entströmt, ergibt das jetzt eher ein lecker-wohlfühl-Ambiente als eine Vorahnung der Hölle.

Und du bist wirklich nicht...?

NEIN. NICHT der Buchhalter. Wieso denken immer alle an Buchhalter??? Aber egal, lass uns zum Wesentlichen kommen. Deine Seele? Nein, die kann ich nicht gebrauchen. Ist heutzutage nix mehr wert, so eine Seele... Na, Geld will ich, was hast du denn gedacht? 195 Euro... Nein, den Posten kriegst du dafür nicht... Nein, die Sekretärin auch nicht. Echt nicht. Wir haben uns umorientiert: Zaubertränke sind out, wir bieten jetzt Düfte an. Hier – die in den weißen Flakons sind meine Favoriten – sooo nett! Und dieser hier – eine richtig ästhetische Kombination aus Blutorange und Litschi, untermalt von Pfrisich, und mit einem sanften Übergang zur blumig-vanilligen Basis. Mit einem Spritzerchen heftigerer Ingredienzen, damit es nicht allzu langweilig wird. Aber wirklich nur so viel, dass es nicht mal der feinsten Nase auf die Nerven geht. Das macht gleich gute Laune, und mit einer guten Laune geht doch alles viel leichter. Wäre doch ein schönes Geschenk für deine Frau!

Nein? Na gut, aber denk nochmal drüber nach. Vielleicht könntest du auch bei der Sekretärin damit punkten...? Bis bald, ich lass´ dir mal die Visitenkarte da ;-)


24.01.2014 20:25 Uhr
18 Auszeichnungen
Ich erzähle euch heute mal von zwei ungleichen Schwestern. Beide sind sie Italienerinnen, und beide aus gutem Hause, aber sonst könnten sie nicht unterschiedlicher sein:

Die ältere, nennen wir sie „Roma“, wuchs in den 80ern zu einer rassigen Schönheit heran. Dunkelhaarig, kurvig, und mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet, das so manchen Mann vor Neid erblassen ließe. Aber mehr als alles: leidenschaftlich. Amore im Kopf, Amore im Herzen, und von anderen Körperteilen wollen wir jetzt nicht reden. Sie war laut, sie war präsent, sie lockte mit einem großen Blumenstrauß, sie spielte mit Gewürzen und Minze... und unter alledem brodelte unübersehbar die animalische Basis, die mehr als einem Mann den Kopf verdrehte.
Man konnte sie lieben oder hassen – aber übersehen konnte man sie definitiv nicht.

Die jüngere erblickte erst viele Jahre später das Licht der Welt. Sie war das Jüngste der kinderreichen Familie, das Nesthäkchen, und erhielt den klangvollen Namen „Essenza di Roma“. Schönheit wurde auch ihr in die Wiege gelegt, aber eine Andere Art Schönheit als bei ihrer Schwester: wo die eine dunkel und temperamentvoll war, ein richtiger Wildfang, ist die andere hell und freundlich, ein echter Sonnenschein. Auch ihr Auftritt beginnt vielversprechend: mit einem glockenhellen, jugendlichen Lachen in einer Duftwolke aus frischer Mandarine und Grapefruit. Doch wo die Ältere den Auftakt auch als solchen versteht und danach erst richtig aufdreht, besinnt sich die jüngere Schwester schon wieder auf ihre Manieren und lenkt ihr Verhalten in ruhigere und angepasstere Bahnen. Sie will gemocht werden und zeigt sich lieb, artig und süß: Vanille und Mandel übernehmen die Führung und verwandeln die fruchtigen Noten in süßen Nachtisch. Ein wenig wie Milchreis mit Kompott. Alpenveilchen und Sandelholz lassen erahnen, dass da noch mehr in diesem Kind steckt, doch sie trauen sich nicht so richtig an die Oberfläche. Leider, denn sie hätten diesem Duft noch etwas Pfiff verliehen und ihn unter den derzeit angesagten und zahlreichen süßlichen Düften unverwechselbar gemacht. So wie „Roma“.

„Roma“ ist zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, und hat durch die Reformulierung etwas von ihrem überbordenden Wesen verloren. Und sicher geht sie auch dem einen oder anderen mit ihrer lauten Art auf die Nerven, die Zeiten haben sich halt geändert. Aber sie hält sich. Sie ist noch da, und wird auch in weiteren 26 Jahren unvergessen sein. Denn sie ist unverwechselbar.

Versteht mich nicht falsch: ich mag auch die jüngere Schwester. Man kann so schön mit ihr kuscheln. Aber ob sich in 26 Jahren noch jemand an sie erinnert? Ich würde nicht darauf wetten.

PS: das Duschgel von „Essenza di Roma“ ist auf jeden Fall einen Test wert. Ich finde es schöner als das Parfum, weil es blumiger und weniger süß ist.


22.01.2014 18:05 Uhr
24 Auszeichnungen
Kennt ihr das, wenn euch die Neugier packt, und ihr so lange keine Ruhe geben könnt, bis ihr ein Geheimnis entschlüsselt habt? Oder wenn euch der Ehrgeiz packt, und ihr so lange übt, bis ihr etwas nicht nur beherrscht, sondern zur Perfektion gebracht habt?

Etwas nicht zu kennen oder nicht zu können wurmt mich. Zumal wenn es um mein Hobby geht. Vor etwa einem Jahr fiel mir auf, dass ich eine Art „Duftblindheit“ für Moschusdüfte habe. Genaugenommen testete ich Narciso Rodriguez´ „For Her“ und roch – nichts. Oder fast nichts. Dieses irritierende Erlebnis hielt ich in meinem Kommentar zum EdP fest. Und erfuhr, dass man seine Nase bzw. sein Hirn trainieren kann. Dreimal dürft ihr raten, was jetzt kommt ;-)

Ich begann mit einem Flakon des EdP und testete mich dann durch sämtliche Flanker, die mir unter die Nase kamen. Und von denen gibt es etliche, da Herr Rodriguez es sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Moschus in allen seinen Facetten einzufangen und in Flaschen zu füllen. Ich bin noch nicht mit allen Varianten durch, möchte euch aber schon mal einen kleinen Überblick verschaffen – vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei der Auswahl.

„For Her“ EdP: Moschus als blumig-warmer, runder, reichhaltiger Duft. Sinnlich, aber nicht aufdringlich animalisch. Im Verlauf eher ruhig. Sehr schön, aber eher kuschelig als verführerisch.

„For Her“ EdT: in der Kopfnote deutlich blumiger, „fröhlicher“ und sprudelnder als das EdP. Zur Basis hin deutliche Veränderung hin zu Moschus und Vetiver, wirkt dadurch unruhiger und aufregender. Insgesamt verlockender, sexier und jünger als das EdP. Ich kann mich aber leider nicht mit der Vetiver-Note versöhnen.

„For Her in Color“: starke Ähnlichkeit zum „For Her“ EdP, insbesondere in der Basis. Amber & Moschus sind jedoch betont, dadurch wirkt es etwas animalischer.

„Musc Collection for Her“: noch mehr Moschus und Amber. Die anderen Noten sind für mich nur am Rande wahrnehmbar ; allenfalls minimal blumig, und auf meiner Haut auch minimal süß (aber wirklich nur minimal). Hebt sich damit deutlich von süß-fruchtigen Mainstream-Düften ab; auf jeden Fall unverwechselbar. Noch animalischer als „In Color“ – für mich schon zu viel.

„For Her Delicate“ EdT: deutlich fruchtiger und etwas süßer als das Original, insbesondere in der Kopf- und Herznote. Vielleicht eine Annäherung an die derzeit im Mainstreambereich bevorzugte Duftrichtung. Dabei ist es doch gerade die Andersartigkeit, die die NR-Düfte so besonders und begehrt macht. Die Basis nähert sich aber wieder dem EdT an; allerdings ist der Vetiver nicht so präsent, bzw. wird von den Ausklängen der fruchtigen Aromen in Schach gehalten.

„Essence“: der sauber-Moschus. Oh, ist der SAUBER! Der riecht so, wie ich mir den Duft von „Pure White Linen“ vorgestellt habe. Frisch gewaschene, makellos saubere, porentief reine weiße Wäsche, an der frischen Luft eines Frühlingstages getrocknet, inmitten einer Wiese mit kleinen, bunten Blumen. Der Auftakt ist überwältigend. Man könnte auch sagen, penetrant. Sauber. Und noch sauberer. Nach 1-2 Stunden wird er NR-typisch weich-cremiger, aber er bleibt einer der saubersten Sauberdüfte, die ich je gerochen habe.

„Essence Eau de Musc“: eher saubere, frisch eingecremte Haut als saubere Wäsche. Er hat ganz zu Beginn zwar auch eine frische-Wäsche-Note, aber zitrischer als der Vorgänger. Und er wandelt sich in den nächsten Minuten zum gepflegten, zart-frischen Hautduft. Insbesondere im Sommer sehr schön.

Zur Sillage habe ich absichtlich nichts geschrieben, da diese insbesondere bei Moschusdüften von Mensch zu Mensch SEHR unterschiedlich wahrgenommen wird .
Manche können diese Düfte gar nicht oder nur sehr schwach wahrnehmen. Die meisten nehmen sie durchschnittlich gut wahr, wie andere Parfums. Wenn ich morgens 3-4 Sprüher „For Her“ EdP auftrage, müssen mir nachmittags die meisten schon sehr nahe kommen, um noch etwas zu riechen. Ein Kollege kann mich aber selbst dann noch im Flur riechen. Nicht dass er was dagegen hätte – er findet den Duft klasse (Wortlaut: „Unglaublich! UUUNGLAUBLICH!!“). Generell scheint „For Her“ bei Männern recht gut anzukommen, aber nicht aufdringlich-erotisch wie z.B. „Hypnotic Poison“, sondern eher schön-gepflegt-weiblich.

Wenn ich jetzt euer Interesse geweckt habe: viel Spaß beim Testen! Bei NR ist für jeden was dabei :)


12.01.2014 17:00 Uhr
12 Auszeichnungen
Besondere Ereignisse erfordern bei mir auch besondere Düfte.

Es mag Menschen geben, die nur einen Duft besitzen, und mit diesem gleichermaßen zum Bewerbungsgespräch, zum ersten Date und zum Treffen mit der Schwiegermutter erscheinen. Oder erst gar keinen Duft auflegen. Da bin ich anders. Je nach Begebenheit möchte ich unterschiedliche Aspekte meiner Persönlichkeit unterstreichen - sei es nun mit bestimmter Kleidung, angepasstem Make-up, oder eben verschiedenen Düften.

Ich habe einen „Alltagsduft“, der wechselt alle paar Jahre mal, bleibt dann aber über weite Strecken konstant. Mein „Signature-Duft“ sozusagen. Momentan ist es „For Her“ von Narciso Rodriguez, das EdP. Das kam eher zufällig, da ich den Duft über lange Zeit intensiv testete um meine Nase zu trainieren, und ihn letztlich ind Herz schloss und einfach bei ihm hängen blieb.
Dann habe ich verschiedene Wohlfühldüfte, z.B. „L´Ambre des Merveilles“ für den Winter, da er mir in der kalten Jahreszeit ein intensives Gefühl von Wärme vermittelt, wie eine warme, weiche Kuscheldecke. Oder „Idylle Duet Jasmin-Lilas“ für besonders stressige Zeiten, da er mich an meinen geliebten Opa erinnert und das Gefühl von Geborgenheit erzeugt. Oder verschiedene Vanilledüfte, die ich nach dem Schwimmen auflege, da sie gut zu der tiefen Entspannung passen, die langes Schwimmen bei mir auslöst.
Zum Ausgehen lege ich gerne das schillernde und ungewöhnliche „Midnight Rain“ auf, das mir schon so manches Kompliment eingebracht hat. Oder, wenn es noch auffälliger sein soll, „Dior Addict“. Für Dates wähle ich aber dezenteres, leicht-blumiges, oder eben meinen Signaturduft. Fürs Theater, mit entsprechender Garderobe, dann eher klassischeres wie „Paris“. Und so weiter...

Nun steht mir demnächst eine größere Prüfung bevor. Das ist insofern etwas besonderes, als ich vor 5 Jahren mein Studium abgeschlossen und seither keine Prüfungen mehr abgelegt habe.

Mir ist schon klar, dass ein Parfum weder Wissen noch Selbstbewusstsein ersetzen kann – das zu erwarten wäre genauso sinnlos wie der Versuch, ein Buch unters Kopfkissen zu legen, um sich das Lernen zu ersparen.
Aber der richtige Duft und die richtige Kleidung können dazu beitragen, dass man sich in einer unangenehmen Situation ein wenig wohler fühlt, und das auch ausstrahlt.

Ich möchte in einer Prüfung keinesfalls mädchenhaft-hilflos oder aufdringlich-exzentrisch wirken. Etwas zu weibliches oder verführerisches wäre auch deplaziert. Ich möchte einen Duft, der dezent, aber präsent ist; der unverkennbar einzigartig, aber nicht zu ausgefallen ist; selbstbewusst, aber nicht kalt-abweisend; angenehm feminin, aber niemals ins Erotische abdriftend. Fällt also alles weg, was irgendwie süß, vanillig, fruchtig, oder zu blumig ist.

„Smart“ könnte es tatsächlich werden – mein Prüfungsduft. Nicht wegen des Namens, sondern weil er in meinen Augen ebendiese Anforderungen erfüllt. Er startet mit einem filigranen Veilchen, das sich aber schnell wieder verabschiedet. Was folgt ist ein langanhaltender, ruhiger, weicher Wildleder-Duft. Dabei sind die einzelnen Bestandteile so in die Gesamtkomposition eingebunden, dass das Hintergrundrauschen aus Jasmin, Sandelholz, ein wenig unsüßer Vanille und einem Hauch Moschus kaum bewusst wahrnehmbar ist, dem Leder jedoch die Strenge nimmt und mögliche anzügliche Assoziationen gar nicht erst entstehen lässt. In seiner Gesamtheit ein runder, gut komponierter, skinniger Duft, der auf eine angenehme, unaufgeregte Art sogenannte Mainstream-Düfte links liegen lässt, aber nicht um jeden Preis herausstechen möchte.

Mein Pröbchen habe ich mittlerweile aufgebraucht und gleich eine Abfüllung bestellt. Die Prüfung ist erst in ca. 2 Monaten, und ich werde den Duft noch ein wenig weiter testen, bevor ich ihn wirklich einsetze. Er ist der momentane Spitzenkandidat, aber weitere Anregungen sind natürlich willkommen ;-)


12.01.2014 00:00 Uhr
4 Auszeichnungen
Ein Tribut an die Liebe soll er sein, dieser Damenduft von Rasasi - unvergänglich, romantisch, unschuldig.

Schon die Verpackung lässt keinen Zweifel an dieser Botschaft: auf dem perlmuttschimmernden Umkarton regnet es massenhaft rote, rosafarbene und silberne Herzen, und auch der Flakon ist ganz der Liebe gewidmet: ein Herz aus rotem Glas, in zwei silberne Hezen gefasst, und selbst auf der Kappe prangt noch ein rotes Reliefherz.

Aber welche Art der Liebe kann hier gemeint sein?
Die unschuldige erste Liebe, mit Herzflattern, sehnsüchtigen Tagebucheinträgen und Händchenhalten? Die heisse, leidenschaftliche, intensive Liebe mit durchwachten Nächten und zerwühlten Laken? Oder die reife Liebe, die auf gemeinsam durchlebtes Glück und Unglück zurückblicken kann, die nach Jahrzehnten keinen Gefühlsorkan mehr auslöst, sondern zu eher einem wohltuenden Ruhepol der Seele wurde?

Nein, irgendwie passt nichts davon.

Wenn ich mir ein geeignetes Szenario überlegen müsste, dann wäre es am ehesten ein orientalischer Harem. Einer, in dem es jede Dame darauf anlegt, unter den anderen hundert noch irgendwie aufzufallen, um die Gunst des Herrschers auf sich zu ziehen: mit noch lauterem Lachen, noch auffälligerem Make-up und noch aufreizenderem Tanz als die Konkurrentinnen.

Denn der Duft ist genau so, wie seine Verpackung: kitschig, schwülstig, und überladen. Und SÜSS! So süß wie türkische Baklava, mit ordentlich Zucker in der Walnussfüllung, und dann noch mit Zuckerwasser übergossen. Sicherheitshalber mit der doppelten Portion. Blumen gibt es auch, aber es sind wohl eher gezuckerte und karamellisierte Blütenblätter, die da hin und wieder zum Vorschein kommen.

Liebe? Vielleicht. Aber nicht meine.
Eher etwas für Liebhaber von Angel & Co., denen es nicht süß genug sein kann.


03.01.2014 23:28 Uhr
9 Auszeichnungen
Horden pubertierender, lauter, sich maßlos selbst überschätzender männlicher Artgenossen, die riesige, kopfschmerzgarantierende Duftschwaden hinter sich herziehen...das kenne ich doch. Muss irgendwann in den neunzigern gewesen sein, an einem Strand in Montenegro, bei über 30 Grad im Schatten - meine erste Begegnung mit einem Duft namens Fahrenheit. Dieser Duft, mit seinem Geruch nach Benzin und Testosteron und dem Image von wilder, ungezähmter Männlichkeit, erfreute sich seinerzeit außerordentlicher Beliebtheit bei der genannten Zielgruppe. Bei mir wesentlich weniger... Augenblicklich lernte ich, klare, frische und dezent dosierte Männerdüfte zu schätzen.
Es dauerte Jahre, bis ich herausfand, dass es "Fahrenheit" auch in einer erträglichen Dosierung gibt, und dass er am richtigen Mann und zur richtigen Zeit auch durchaus lecker riechen kann.

Warum ich das erzähle?

Viele Jahre später erlebte ich ein olfaktorisches "Déjà-vu": anderer Duft, aber ähnliches Pantydropper-Image, selbe Zielgruppe. Und das Bedürfnis, die gesamte Straße mitzubeduften. Mindestens. Diesmal in der Duftrichtung "schwülstig-süß". Ja, das war "1 Million". Und bei den schieren Mengen, mit denen sich etliche junge Männer übergießen, hat er dem Hersteller sicher weitaus mehr als eine Million eingebracht. Insofern passt auch die Optik ;-)
Bei mir stieß der Duft auf ungefähr genausoviel Begeisterung wie seinerzeit "Fahrenheit". Zu viel von allem, zu laut, zu süß, zu plump. Erschlagend. Aber Frau ist ja lernfähig und unternahm ein paar Tests mit "1 Million" in homöopathischer Dosierung. Fazit: der Duft hat tatsächlich eine Duftpyramide und riecht über weite Strecken hinweg erstaunlich annehmbar.
Er startet mit einer frischen Mandarine, die aber schnell verfliegt. Danach kommt die penetrant-süße Zimtwolke, die wohl jeder schon auf der Straße gerochen hat. Über Stunden hinweg erinnert mich der Duft an "Courtesan" von Worth, ebenfalls sehr zimtlastig, süß, und mit unglaublicher Sillage. Ich habe irgendwo gelesen, dass es in dem einen oder anderen Puff nach "Courtesan" riechen soll, aber überprüft habe ich es nicht. Es dauert lange, bis diese Duftnote verfliegt. Stunden. Zu diesem Zeitpunkt wird der eine oder andere Benutzer merken, dass die Sillage deutlich nachlässt, und nochmals eine ordentliche Portion nachlegen. Davon kann ich aber nur abraten. Denn nun kommt die Basisnote zum tragen, eine bemerkenswert weiche, schöne Ledernote. Deutlich leiser, körpernäher als das "Vorspiel", aber auch (oder gerade deswegen) deutlich angenehmer. Und diese Note hält wiederum etliche Stunden.

Ich persönlich fände den Duft ohne die Herznote wesentlich ansprechender. Und einigen Trägern würde ich gern den Unterschied zwischen "duften" und "Umgebung narkotisieren" erklären... Aber dafür kann der Duft ja nix. Und sooo schlecht ist der nicht.


05.11.2013 17:51 Uhr
16 Auszeichnungen
Was man nicht alles verpasst, wenn man hier nicht regelmäßig vorbeischaut...
Dass Dita einen neuen Duft herausgebracht hat, war vollkommen an mir vorübergegangen. Doch dann stand ich unvermittelt vor ihm, in der Drogerie, und konnte mich an dem kleinen Juwel gar nicht sattsehen...

Aber nein, ich wollte doch meine Sammlung reduzieren. Wenige, hochwertige Düfte sollten es nur noch sein, die ich auch alle benutzen und vebrauchen kann. Aber probieren musste ich ihn. In der Hoffnung, dass er mir genausowenig gefällt wie Fleurteese - der war mir zu schwülstig und blieb im Regal.

Erster Eindruck: puh, gepfefferte Alkoholfahne mit Gewürzen und einer Spur Weihrauch (der laut den Duftnoten gar nicht drin ist). Keine Spur von Blumen oder Süßem. Ungefähr so anziehend wie die Idee, mit der bloßen Hand in Stacheldraht zu greifen. So viel Stacheldraht, dass man nicht einmal erkennen kann, was sich darunter verbirgt.
Fazit: Untragbar. Exzentrisch. ABSOLUT untragbar. Zum Glück ;-) Also raus aus der Drogerie.
An der frischen Luft jedoch verabschiedete sich die Alkoholfahne relativ schnell, und mit ihr auch die Gewürzbombe.
Und die Verwandlung begann: die Mauer aus Stacheldraht lichtete sich langsam und ließ allmählich etwas Außergewöhnliches darunter erahnen.
Ich würde ja gerne schreiben, dass sich darunter eine exotische, nach Rosen duftende Schönheit verbarg, die nur darauf wartete, ihr potenzielles Opfer nach allen Regeln der Kunst zu verführen...aber dieses Bild stellt sich bei mir definitiv nicht ein.
Nein. Zum Vorschein kam feinstes, weiches Nappaleder auf einem Bett aus Sandelholz. Ein außergewöhnlicher, weicher, weiterhin absolut unsüßer und untypischer, eigenwilliger, aber durchaus anziehender Duft. Die Rose war weiterhin nicht greifbar, musste aber irgendwo vorhanden sein, da der Duft durchaus feminin wirkte.

Erotik in Lack und Leder? Mitnichten. Der Duft weckt in mir eher Erinnerungen an das Gefühl, wenn man sich zum Ausgehen fertig macht, das aktuelle Lieblingsparfum aufsprüht, und dann seine butterweiche Lieblings-Lederjacke anzieht. Eine Art Wohlfühlduft sozusagen, aber weitab von den üblichen Creme- und Sauber-Düften.

Und ja, natürlich habe ich "Erotique" gekauft...und finde es mittlerweile SEHR tragbar. Doch man sollte aufpassen: nicht jeder erträgt diesen Duft, dafür ist er zu speziell. Und Vorsicht mit der Dosierung: man gewöhnt sich sehr schnell an ihn (deutlich schneller als bei anderen) und nimmt ihn dann selbst nicht mehr wahr - doch er ist da, und er hält sehr lange. Nachsprühen ist nicht nötig - es sei denn, man will jemanden in die Flucht schlagen...


23.02.2013 22:35 Uhr
6 Auszeichnungen
Kann man mit Düften Bilder malen? - Bilder im Kopf auf jeden Fall :)

Mit der Parfumkollektion "Creatures of the Snow" entführt uns Violette Market in eine wilde Fantasiewelt, in der Düfte die Geschichten zum Leben erwecken:

In einem weit entfernten Land, im ewigen Schnee, irgendwo zwischen dem Zauberwald der sprechenden Bäume und dem idyllischen Schneeflocken-Dorf, da leben gar furchterregende Kreaturen: der große, pelzige Yeti, der abscheuliche Schneemann, der Himalaya-Schneelöwe, Mr. Pinie, der Schnee-Wasset und ihre Freunde.
Ihr Anblick jagt zunächst jedem Besucher Angst in die Knochen, und nicht wenige sind schon kreischend weggerannt. Doch wer den Mut aufbringt und näher kommt, wird erkennen, dass die Monster eigentlich ganz liebenswerte Kerle sind: verschmuste Leckermäuler, die am liebsten Honigwind futtern und am rosa Vanille-Gletscher schlecken, und die für ihre Lieblingsleckereien regelrecht handzahm werden.

"Hazelnut" ist eines dieser "Creature Candies": Haselnüsse in süßem Schokoladenlikör...hmmm! Hört sich lecker an, und so riecht es auch - der Duft hält, was die angegebenen Duftnoten versprechen. Er riecht etwas mehr nach Schokoladenlikör als nach Haselnüssen, recht süß, regelrecht zum Reinbeißen. Der Duftverlauf ist linear, ohne großartige Veränderungen.
Da es sich wie bei allen anderen VM-Parfums um ein Duftöl handelt, ist die Sillage eher mäßig, die Haltbarkeit jedoch ganz gut.

Die "Creatures of the Snow" und "Creature Candy" - Duftkollektion war leider limitiert und wurde Ende Januar eingestellt.
Der Vollständigkeit halber (da man hier nicht nach Kollektionen sortieren kann) hier alle Düfte dieser Edition:
"Creatures of the Snow":
"Forest of Talking Trees", "Snowflake Village", "Honeyed Wind", "Pink Vanilla Glacier", "Coconut Avalanche", "Downy Drifts of Snow", "Himalayan Snow Lion", "Mr. Pine", "Namahage", "Shiisaa", "The Abominable Snowman", "The Snow Wasset", "Yeti", "Yuki-Daruma", "Vanilla Sugared Sweets".
"Creature Candy":
"Bavarian Black Cherry", "Birch Curls", "Buttercream", "Butterscotch", "Cedar Wood Branches", "Cinnamon Drops", "Coconut Water", "Hazelnut", "Mauve Reindeer Moss", "Orange Creme Swirl".

Die Nachfolgekollektion, die voraussichtlich bis April 2013 erhältlich sein wird, heißt "The Lion and the Lamb" und befasst sich hauptsächlich mit der irisch-keltischen Mythologie.


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